Mittwoch 2V. Mai 1907
Zweites Blatt
Nr. 123
157. Jahrgang
(ttfd)einl täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
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kommen wären, mit denen sie nicht durch die Bande ehelicher Pflichten verbunden waren, darüber hätte sich die Schloß-
rden jederzeit entgegen- i sind bereits eingegangen.
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AuSscge verschiedener Beamten eingegangen sei. Hoftat ftuiiom bekundet, cs sei ihm nicht bekannt, bafc der Angeklagte Material gesammelt habe, er habe nur einmal gehört, dass dem Ange- Nagten Akten anonym zugegangen seien. Nach einigen Bemerkungen des Verteidigern wird die Verhandlung vertagt.
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UntDcrfuäifl • Buch, und Stttndruckerei.
9t Lange. Lietzen.
Die ..-ietzener FamilienblStler" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigclegt, das „Krtlsblatt für den Krei* Siehrn" zweimal wöcheiulich. Ter ..hesstsche Landwirt" erscheiM monatlich einmal.
Redaktion. Ervedition und Druckerei: Schulstr atze ?. TroedlNon und Verlag . fc» 5L Redaktion.112. LcU-Adr. *21 n<e«gerGietzen.
Englische Journalisten in Deutschland.
Hamburg, 28. Mai.
Die englischen Journalisten trafen heute au5 Bremen hier ein. Auch hier veranstaltete der Senat ihnen zu Ehren ein Festmahl und auch der hiesige Präsident des Senats Bürgermeister Dr. Stammann begrüßte sie in einer langen Rede, in der er il a. sagte:
„Mit Hamburg haben Englands Kaufleute stets freundschaft- tiefc Beziehungen unterhalten, und wir bekennen gern, daß sie durch Jahrhunderte viel dazu beigetragen haben, eine Entwicklung zu ermöglichen, deren Ergebnisse unserer Vaterstadt wie unserem gesamten Vaterlande zugute gekommen sind. An diesen Ergebnissen hat die Presse Englands reichen Anteil. Sie bietet in grobem Umsang die Quellen, aus denen die Nachrichten üuer die wirq baulichen Zustände des britischen Reiches geschöpft werden. Englische Zeitungen Hüben Sie in jedem größeren Hamburger Kontor. Aber auch über den praktischen Wert hinaus wissen wir die englische Presse zu schätzen, bereit Einrichtungen für Deutschland vorbildlich waren und zum Teil heute noch sind. England ist die Heimat des freien Wortes in der Schrift wie in der Siebe. Wir haben zu Ihnen, meine Herren, das Vertrauen, daß Ihre Feder dazu beitragen wird, Ihrer: Landsleuten ein richtiges Bild von unserem Wesen und unseren Empfindungen zu vermitteln. Sie werden wohl auf Ihrer Reise durch Deutschland manch beredtes Wort über das allgemeine Verlangen nach Erl)altung und Förderung der guten englisch- deutsch.n Beziehungen vernehmen. Vergessen Sie darüber aber nicht, auch davon zu berichten, daß heute ebenso wie in allen Zeilen die Pflege der besonderen hamburgisch-englischen Beziehungen den Hamburgern am Herzen liegt. Diese Gesinnung viöchtc ich zum Ausdruck bringen, uibcni ich mein Glas erhebe zu Ehren unserer Gäste, der Vertreter der englischen Presse. Sie leben hoch."
Machray, Redakteur des „Liverpool Courier", dankte für die Gastfreundschaft Hamburgs. Er fügte hinzu, baß Liverpool die englische Stadt, die Hanrburg am meisten gleichstehe, von der Rivalin viel lernen könne. Nach Schluß des Gastmahles konzertierte die Kapelle des Regiments Hamburg auf dem Platze vor dem Rathause.
Die Rundfahrt der Journalisten durch die Stadt wurde am Hafen untcrbrod)en. Hier nahm der Tcnoer „Willkommen" die Gäste auf und brachte sie nach einer Rundfahrt durch den Hasen zu dem im Kuhwärder-Hafen liegenden Dampfer „König Friedrich August", einem der schönsten Schiffe der deutschen Handelsflotte. An Bord des Dampfers begrüßte Generaldirektor Ballin jeden der Gäste. Bei dem Frühstück, welches sich an die Besichtigung des Dampfers anschloß, brachte Mister Brimelow (Eve- ning News)-Boston den Dank der Journalisten zum Ausdruck und schloß mit einem Hoch auf die Hamburg-Amerika-Linie und Generaldirektor Ballin. An Bord der „Willkommen" begaben sich nach dem Frühstück die Gäste nach den Landungsbrücken und setzten, am Bismarck-Rolanddenkmal vorbei, die Rundfahrt durch die Stadt fort.
Die Journalisten folgten heute nachmittag einer Einladung des vreuß. Gesandten v. Hehking zum Tee. Anwesend waren der Präsident des Senats, Bürgermeister Tr. Stammann, Bürgermeister Dr. Mönckeberg, die Senatoren Dr. Burchard, Tr. .Nelle, Westphal, Dr. Predöhl, ferner der Präsident der Handelskammer
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fundierte Versicherung- Unfall-, Haftpflicht- ohne Leiten Fachmann als
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
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band der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein tagte am 26. d. M. in Mannheim unter überaus zahlreicher Beteiligung. Ter Gesckzäftssührer des Lerbandes, Redakteur Schäfer (Düsseldorf), betonte, das Ziel des Verbandes sei eine Vermittelung zwischen Künstler und Kunstfreund. Wie tatkräftig der Verband diese Aufgabe erfüllt, geht aus der von Dr. Brenzei (Koblenz) erstatteten Jahresrechnung hervor. So betrugen z. B. die für rein künstlerische Zwecke verwendeten Ausgaben ungefähr 60 000 Mark, im Jahre 1906 über 50 000 Mk. Sein besonderes Augenmerk richtete der Verband in letzter Zeit daraus, die Schweiz in seinen Wirkungskreis einzubeziehen, was besonders von Züricher Künstlern lebhaft und wiederholt gewünscht wurde. Ein besonderer Ausschuß wird sich mit dieser Frage näher beschäftigen. Die Versammlung wählte schließlich als nächsten Tagungsort Darmstadt. Am Nachmittag fuhren die Teilnehmer nach Schwetzingen. Ein Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses führte in dem berühmten, von Kurfürst Karl Theodor angelegten Naturtheater, das inmitten des herrlichen SchloßgarlenS gelegen ist, unter herrlichen Ulmen Goethes Schäferspiel „Die Laune des Verliebten" auf, während die Natur unter fortwährender Gewitterdrohung und mit auch gelindem Maienregen eine seltsame Begleitmelodie dazu lieferte.
— Man schreibt uns aus Frankfurt a. M„ 27. Mai 1907: Das Gastspiel des deutschen Theaters von Berlin begann heute mit der Familien-Kamstrophe „Das Frjede n s s e st" von Gerhart Hauptmann. Das krasse und peinigende Stuck hat die Wirkung auf das Publikum ausgeübt, die wohl stets davon ausgehen muß, doch genoß man die ausgezeichnete Darstellung, die einmütige Anerkennung fand. Besonders hervorzuheben sind dabei Max Reinhardt, Hedwig Mangel und Friedrich Kahßler. Auch die kleinen Partien waren in guten Händen und das Zusammenspiel ist als sehr gut zu bezeichnen.
Berlin, 28. Mai. Während bisher zu sämtlichen Königlichen Museen freier Eintritt gewährt wurde, ist dieses Prinzip fetzt für das Kaiser Friedrich-Museum und die Nationalgalerie durchbrochen worden, in denen an drei Wochentagen Ein trittsg eld erhoben werden soll.
Krefeld, 28. Mai. Heute mittag wurde die französische Kunst-Ausstellung im Kaiser Wilhelm-Museum eröffnet. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Oberbürgermeister Tr. Oehler hielt der Direktor des Museums, Tenepen eine längere Ansprache, in der er die Entwicklungsgeschichte der ftanzöiischen modernen Malerei und Plastik schilderte. Ter berühmte Bildhauer Professor Albert BartholomS- Paris, Mitglied des ftanzöfischen Ehrenausschusses "ber Ausstellung, dankte den Anwesenden für ihr Erscheinen. An die Eröffnungsfeier schloß sich ein Rundgang durch die Ausstellung, die die beiten Werke moderner französischer Meister umfaßt.
Eisenach, 27. Mai. Heute fand die feierliche Eröffnung des Bach-Hauses als Bach-Museum statt. Ter Eröffnungsfeier ging ein Festgottesdienst voraus. Zum Schluß wurde am Bach-Denkmal von dem Kirchenrat Rietschel aus Leipzig, dem Vorsitzenden der neuen Dachgesellschaft, ein Kranz niedergelegt. Dann setzte sich der Festzug nach dem Bachhause in Bewegung, wo der ^homaschac aus Leipzig eine Motette von Bach sang. Daraus erfolgte die Eröffnung des Bachmuseums durch Rietschel. In Verbindung mit der Eröffnung findet hier das brüte Bachfest der neuen Bachgesellschaft statt.
tztn Wunder Der AogelrveLL.
(Don unserem Korrespondenten.)
Frankfurt a. M., 29. Mai.
Hunderttausend- und noch mehrmals mag schon der alte Ben Akiba mit feinem: Nil novi sub sole! recht behalten haben, auf das aber, was ich dieser Tage mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Ohren gehört habe, kann nie und nimmer dieser Weltweisheitsspruch Anwendung finden, denn kein ornithologisches Buch kündet bis heute von einem Vöglein, das tanzt und singt und spricht. Und doch gibt es ein solches Tierchen, das singt und trillert wie eine Primadonna, das tanzt wie eine Primaballerina, das sprichtwieein Mensch. Sie werden genau so den Kopf schütteln, wenn Sie dies lesen, wie ich es getan habe, als ich von diesem Aundertierchen hörte. Aber cs existiert, es lebt und ist guter Tinge. Lernt neue Arien, neue Tänze. Das Haus Staufenstraße 6 in Frankfurt a. M. beherbergt das seltene Vöalein, Karl Kull- mann heißt sein Besitzer, der Präsident des Vereins für Vogelschutz und Vogelliebhaberei ist. Aus Berlin und aus Leipzigs aus Hannover und aus München, aus Men, ja selbst aus Paris haben schon Vogelliebhaberinnen und -Lied- yaber eigens die Reise nach Frankfurt a. M. angetreten, um sich zu überzeugen, daß tatsächlich eine Haubenlerche existiert, die tanzt und singt und spricht. Eine Französin, die beim Anblick dieses Wundertierchens zur Feder griff und einen begeisterten Artikel über das Otatur- wunder schrieb, sagt u. a.:
„Man stehl unter dem Bann einer Sensation. Denn es handelt sich hier nicht um eine gewöhnliche Abrichtungskunst, lonbem um eine Kundgebung ungekannter Naturkräfte. Daß der Vogel ganz zahm ist, im Gegensatz zu den meisten Lerchen, deren Charakteristikum eine grenzenlose Scheu ist, aus der Hand frißt re., versteht sich von selbst. Das Vöglein lebt in vertrauter Harmonie mit seinem Gebieter."
Daß Frankfurt em solches 'jiaturlvunber besitzt, wer weiß es in Frankfurt selbst? Franzosen mußten uns in diesem speziellen Falle erst aufmerksam machen. Diesem Wunderoögleui galt vor einigen Tagen mein Besuch.
Von L. Marodh in Budin a. Eger (Böhmen) hat Herr Kullmann den Vogel erworben. Die Lerche konnte bei dem Erwerb etwa 14 Takte des Carmenmarsches singen. Und heute spricht das Tier, singt und tanzt. ,^err Kullmann," so fragte ich, „wie haben Sie aus dem Vögelchen dieses Wunderlierchen gemacht?"
„Das sollen Sie gleich scheu!" Er begab sich zu dem niedrigen, etwa einen halben Dieter langen Holzkäfig. Das Tierchen hüpfte im Bauer auf und nieder und Pickte mit dem Schnabel an die dünnen Eisenstäbe, streckte neugierig das toUeubesetzte Köpfchen vor und lugte seinem Herrn entgegen. „Matzi, es gibt Unterricht!" hatte Herr Kullmann gerufen. Tas Tier, das soeben munter'und fidel war, setzt sich nieder, legt die Tolle beiseite und horcht auf
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uch, 24 Bogen Tert, Jingebung, Theaterplan, .quarelldrucken und zahl- Nationen
xemplare.
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beten, soweit noch nicht imgehend einzusenden.
. L Juni geschlossen. Die ts für Interessenten zur
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polttijcbc Tcrges-chatt.
Die Ministcrkandidatur des Dr. Adickes-
Wie just einer unserer Berliner Mitarbeiter von -uver- tänigir Seite erfährt, dürste Tr. Adickes, der Lbcrbürgeiineister von otanffurt am Main, nicht mehr für das Portefeuille des Kultusministeriums alSNachfolgerdesTr. vonStudt in Frage kommen. Tie Verhandlungen, die mit Dr. AdickeS gepflogen worden sind, haben zu keinem Ergebnis geführt. Tr. Adickes hat vielmehr nach längerem Bedenken seiner Ansicht Ausdruck gegeben, daß er sich seines hohen Alters — er hat im Februar das 61. Lebenswahr vollendet — und seiner schwankenden Gesundheit roegeii ber iym dargebotenen Ausgabe nicht gewachsen fühle. Nur diese persönlichen Gründe, leine sachlichen, hätten den Frankfurter Oberbürgermeister zu seinem ablehnenden Bescheide bestimntt. Er hat, wie wir zu wissen glauben, diesem hinzugesügt, daß er dem Ruse, der jetzt an ibn ergangen ist, in früheren Jahren gern gefolgt sein würde. — Wer nunmehr ausersehen wird, das Erbe des Dr. von Studt anzutreten, ist zur Stunde noch durchaus unentschieden.
Verwaltung derart entsetzt, daß sie ohne lange Prüfung die Begleiterinnen der deutschen Journalisten ausschloß — ob auf Veranlassung des Königs, der in jüngeren Tagen freilich „gar nicht so war", ist nicht bekannt geworden.
Mit wachsender Bestimmtheit bemerkt die „Dtsch. Tageszeitung", daß der Kaiser die englischen Journalisten, entgegen dem ursprünglichen Programm, persönlich begrüßt. Tie „Tageszig.", die überhaupt von dem Besuch nicht erbaut ist, notiert dazu, daß König Eduard den Vertretern der.deutschen Preise bei dem Frühstück im Schloß Windsor durch Verlegung des HoflagerS einen Tag zuvor auswich.
Illustoa nnö Wirk ichkkit.
In Bremen und Hamburg saßen deutsche und englische Journalisten beim Festmahl: Derbrüderungsreden flogen von Mund zu Mund, Toaste priesen die inniae Freundschaft beider Boller, alles ein Herz und eine Seligkeit. . . In demselben Augenblick brachte die Londoner Wochenschrift ,-Observer" einen Verhetzungsartikel gegen Deutschland, der sich ähnlichen früheren Produkten anschließt und an dem die deursche öffentliche Meinung trotz aller gastfreundlichen Rücksichten gegenüber den englischen Besuchern nicht achtlos vorübergehen kann. Ter Artikel trägt die Ueberschrift „ft'ö n i g und Kaiser". Ter Verfasser unternimmt es darin, die Politik der deutschen Rcichsregierung in einen planmäßigen und eifersüchtigen Gegensatz zu der König Eduards zu bringen. Zur Kennzeichnung sei nur zweierlei daraus heroorgehoben. Ter Artikelschreiber lischt feinen Lesern die alten Geschichten auf, Teut sch land habe während des südafritanischen Krieges eine enropäiscl-c Intervention der Buren zustande zu bringen gesucht, sei aber damit am Widerstande Rußlands gescheitert. Da die deutschfeindliche Legende in England immer noch gläubige Hörer findet, so sei an eine authentische Widerlegung gerade von russischer Seite erinnert, die William Stecw in der „Review os äieviews" mitteille, die von der englischen Tagespresse freilich totgeschwiegen worden ist. Nach dem Tove des russischen Ge,andten in Peking, Lesser, veröffentlichte Stead eine Charalterskizze Von ihm, die folgende Äeußerung Lessers enthielt:
,,sJiod) niemals hat jemand einer anderen Station einen größeren Dienst erwiesen, als ihn der deutsche ftaifer der englischen durch Verhinderung einer europäischen Intervention wahrend des Burenlrieges leistete. Ich will nicht behaupten, daß irgenb eine dritte Nation einen Krieg im Schilde führte, wiederholt aber sind für England sehr unbequeme dipurmaiische Schritte angeregt worden, und sie sind stets an der Weigerung Kaiser Wilhelms, sich daran zu beteiligen, gefdjeüert."
Stellt der ,F)bs."-Korrespondent diesen histor. -sachverhalt zur Verunglimpfung Deutschlands geradezu auf den Kopf, so ist cd für seine Taktlosigkeit gegenüber dem eigenen Staatsoberhaupt bezeichnend, wenn er weiterhin der diplomatischen Tätigkeit König Eduards Erfolge zuschreibt, „wie sie nicht einmal der Hauptmann von Köpenick fertig gebracht haben würde". Das genügt wohl, um Tendenz und Geschmack dieser Leistungen zu kennzeichnen.
Inzwischen wird man aber nicht müde werden, sich in Deutschland trotzdem der glühendsten Liebe und Verehrung zu versichern . . . Heute, Mittwocy, beginnt übrigens das Berliner Kapitel der Journalistenfahrt. Der Glanztag soll der 3L Mai sein, an dem sich die Gäste an der Besichtigung der Frühjahrsparade beteiligen. Dann aibts ein Frühstück im dienen Palais, zu dem der Kaiser selber geladen hat — die Revanche für Windsor, wo die deutschen Journalisten am Tische Eduards, aber in dessen Abwesenheit, die Gäste des engl. Königs waren. Ob die Damen der Engländer, so sie welcye mitbringen, in die Orangerie eingelassen werden? In Windsor mußten nämlich die Frauen der deutschen Cngland- fahrcr vor den Toren des Schlosses warten, bis die Herren der Schöpfung äbgespeist waren. Und warum ? Man er-
die Melodie, die ihm Herr Kullmann vorpseist. Wie ein artiges Kind sitzt der Vogel solange still auf einem Fleck, bis sein Besitzer ruft: „So, nun ,ing du, Matzichen!"
Kaum sind diese Worte gefallen, da beginnt die Lerche mit ihrem Repertoire. Man horcht, man schüttelt den Kops, man hält es nicht für möglich. Und tote singt der Vogel! Nicht mechanisch, die Töne quellen vielmehr aus dem Schnabel; es gibt piano und forte, es gibt crescendo und decrescendo. Ter Carmenmarsch ist ohne Unterbrechung, absolviert. Dann ruft Matzi mit lauter Stimme: „Eins, zwei, drei!" und hebt zu einem Piccolopolka an. Nicht nur, daß Matzi glockenrein singt, daß die Tirolen verblüffend sauber kommen, nein, das Tier tanzt zu seinen eigenen Melodien, es tanzt regelrecht wie eine geschulte Tänzerin und schlägt dabei die Flügel aus und nieder.
Eine kleine Pause. Ter Bogel probiert; „sucht", wie Herr Kullmann erklärte, „sich die Noten im kleinen Köpfchen zurecht!" Plötzlich ruft die Lerche: „M a tz i singt wieder to a 3!"_ und zum Faust mar s ch hebt das Tierchen an. Als Schluß gibts das Kavalleriesignal. Darm beginnt der Unterricht von neuem, denn Matzi muß u. a. noch die „Fra D i a v o lo"-Ar ie in den nächsten Tagen lernen.
Wir nahmen im Nebenzimmer Platz. Während Matzi sein Repertoire sang> erzählte Herr Kullmann etwa:
„Zehn Tage habe ich gebraucht, bis ich dem Tierchen das Kavallerie, ignal beigebracht habe. Etwa zwei Monate währte es, bis Matzi den Carmenmarsch sang. Dadurch, daß ich die Melodien fort und fort dem Vogel mit dem Munde vorpfeife, dadurch kommt bei dem Gesänge Leben zum Vorschein. Das mechanische Herunterdudeln, das man z. B. bei den Dompfaffen beobachtet, wird durch das Vorpfeifen vermieden."
„SSie alt ist Rtatzi?" fragte ich.
„Zwei Jahre. Das Tierchen kann etwa zehn bis zwölf Jahre alt werden", lautete die Antwort.
Ein wie großer Vogelfreund, mehr noch, ein wie großer Vogelkenner muß doch Herr Kullmann sein. An die vierzig der teuersten iuü> kostbarsten Sänger birgt sein Heim, darunter Vögel, die unbezahlbar sind. Und alle — wohlgemerkt — alle folgen ihrem Besitzer, fressen aus seiner Hand und singen unb trillern auf Kommando. Ein Papagei z. B. hält regelrecht Reden, spielt den Feldwebel und Leutnant, singt das Sigsridmotiv und imitiert einen berühmten Operndirigenten. Das Wunder aber dieser lebenden Vogelsammlung ist Matzi, die tanzende, singende und sprechende Haubenlerche....
Wer nach diesen Zeilen immer noch nicht an dieses neue Weltwunder glaube, der überzeuge sich selbst; er wird bei Herrn Kullmann keine verschlossene Tür finden.
— Der unter dem Protektorate unseres Großherzogs stehende, die rheinischen Künstler und Kunstfteunde umschließende Ber-
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Küchengeräten
18» *nrichtun^n a> Holzwaren Geschenkartikel.
Ein gerichtliches Nachspiel zum Kolonial-Standal.
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Berlin, 28. Mai.
Die heutige Sitzung begann mit der Vernehmung des Zeugen Hofrat Kunow, nachdem Geh. Hofrat Krüger erklärt hatte, daß er die Genehmigung zur Aussage von seiner vor- gesetzteil Behörde nicht erhalten habe. Pöplau wünscht Auskunft darüber, ob ftunoto etwas wisse, daß er (Angeklagter) amtliches Material gcsarmnelt habe. Ter Zeu^e ertlart, daß die Beantwortung dieser Frage nicht im Ray-men ber ihm zur Aussage erteilten Genehmigung liege. So soll versucht werden, diese Genehmigung einzuholen.
Hierauf wird Bebel venwmmen. Er bestätigt, daß er seinerseits, ohne von dem Angeklagten Material erhalten zu haben, schon tm Marz 1901 den Fall von der Erschießung eines Schwarzen durch den Ha upt mann Kannenberg zur -Sprache gebracht habe.
Darauf bekundet der 2lbg. Dr. Arendt, daß ihm niemals Akten im Original oder in einer Abschrift aus dem Tluswärtigen Amte zugegangen seien. Ebenso bezeugt Zeuge v. Loßberg, daß Geheimrat Hellwig ihm über den Fall Peters weder was aus den Akten vorgelesen noch ihm solche gezeigt habe. Hellwig habe ihm lediglich seine persönliche Ansicht über den Fall Peters ausemandergesetzt. Hierauf wird das Prvwkoll des kommissarisch vernommenen Geh. Sekretärs Schneider verlesen, der mit aller Entschiedenheit verneint, daß er dem Angeklagten Material ge
zählte slw vertraulich, daß die einige Zell vorher in gleio-er I geoen haoc. luuch er habe weder gehöre ium gücycu, daß Weise bewirteten französischen Journalisten mit Damen ge» ber Angettagte sich Malcrial gesammelt habe.
.....— • - '■ ■ Ter Vorntzcnde teilte dann mit, baß d.e Genehmigung zur
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