Dienstag 29. Januar 1907
Zweites Blatt
157. Jahrgang
Nr
Erscheint täglich mit Ausnahme bei Sonntag».
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Arbeitgeber.
Die AuSlandipreffe.
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Redaktion, Expedition und Druckerei: Elchu^ stratz« 7. Expedition und vertag: Redaktion:TeU-AdruAnzeigerGieß«,
Rotationsdruck und Verlag der Brühl^ch« Unwersuät« - Buch- und Lreindruckeret. 9L Lange, Lieben.
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Die „Gießener KamlltendlStter" werden dem r11nAdflfr* viermal wöchentlich beigelegt, da- „«rtliblofl für de» Kreis Gieße»" jroeunol »dcheiMich. Ter „hesstfche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Noch ein Grubenunglück.
LenS, 28. Januar.
In der Grube 2 der Zeche von Lieom (in der Dlähs trug sich im März 1906 die schreckliche Katastrophe von Courne-res zu) fand eure Explosion schlagender Wettes liatL Die Compagnie deS AlmeS de Lieoin teilt mit, daßj
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Som murn Zlcichstug.
Die Einberufung de» Reichstages soll, wie verlautet, für den 14. Februar in Aussicht genommen sein. Tic Eröffnung wird wohl durch den Kaiser mit einer Thron- rede geschehen.
Den Präsidenten des neuen Reichstages stell! wiederum das Zentrum, dem diese Domäne wokl überhaupt nicht niehr streitig gemacht werden kann. Für dic Besetzung der beiden Vizepräsidenten st eilen aber ist der Ausfall der Stichwahl bestimmend. Hier kommen Kandidalen anderer Fraktionen als der Konservativen und Dlatioiial- lideralen zwar auch diesmal nicht in Betracht, denn die Lozialdemokratie würde, selbst tvenn sie noch alS die buiti- stärksie Partei in den Reichstag einziehen sollte, wozu geringe Aussicht ist, wohl nach wie vor verzichten, im Präsidium vertreten zu sein. Eine Aendcrung gegen früher könnte höchstens insofern eintccten, als die Möglichkeit besieht, bau die Nationalliberalen eine gröbere Zahl von 3)1 an baten auS dem Wahlkampfe daoontragen, al« die Konservativen, waS die letzteren in die Loge bringen würde, sich bei der Besetzung der 2. Vizepräsibentenstclle bescheiden zu müssen. Die Polen wollen, wie verlautet, er- neut versuchen, bie Wahl emeS ihrer Mitglieder zum Schriftführer durchzusetzen, em Amt, bei dessen Besetzung auch die tzozialdemolratie einen Anspruch geltend machen wird.
Sehr bemerkenswert in, was der neu dekorierte Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Lnne, Herr Ballin, gelegentlich einer KaifergeduttSlagSfeier in Hamburg sagte. Nachdem er aus Anlaß der Entwickelung dec deutschen Schiffahrt den Kaiser gepriesen halte, der die Bedeutung de» MeereS und btt Sch'sfohrt für unsere Gegenwart und Zukunft von Anfang »n erkannt habe, so daß diesmal an Bord von mehr all 180 Schiffen der Hamburg-Amerika-Luue auf den fernsten Meeren und den welifrenidcsten Reeden bei deutschen Kaiser» Geburtstag gefeiert werde, kam er auf den neuen Reichstag 1M sprechen. Dieser habe berufene unb sachoerstünblge Männer au« den Kreisen von Industrie, Handel unb Schiff- fahrt nur in verschwindender Zahl aufzuweisen. Dir deutsche Landwirtschaft sei in der glücklichen Lage, sehr zahlreiche unb einflußreiche Vertreter in ben Reichstag zu entjenben. Die Schiffahrt habe feinen einzigen Unternehmer bort, und die Re i ch st a g S a d ge or d- neten au» der Großindustrie, der Hochfinanz und
aufgegeben, den bekanntlich auch Derndurg für feine Person in Aussicht stellte, sofern die Voraussetzung für fein Verbleiben im Amt, dos Vorhandensein einer nationalen RrtchS- togSmehrheit, gegeben wäre. Wahrscheinlich wird also schon m diesem Sommer eine koloniale Exkursion großen Stils erfolgen, der sich, da em Reisezuschuß seitens des Reichs bewilligt werden dürfte, wohl eine größere Anzahl von Parlamentariern anschließen wird. Vor der !)and will die Regierung für koloniale Zwecke nicht mehl fordern, als im Nochtragöetat unb nn ordentlichen Etat an- gesetzt ist. Tie Gnmbloge für weitere koloniale Auswenbungen festznftellen, könnte bann ber pailamentarischen JnformationS- fahrt, die natüillch Sübweslafrika zum Ziel haben würbe, als beionberer Zweck vorbehalten bleiben. Es wäre zu wünschen, daß auch die Kolonialkritiker des Zentrums, besonders die Denen Roeren unb Erzberger, sich durch 'Augenschein von ben Zuslänben in der Kolonie überzeugten. Sie könnten in dieser Hinsicht an einer durchgreisenben Kolonialreform mitro . n, wenn sie mit der Gepflogenheit brächen, sich durch $eria,a, teilweise auch durch Zuträgereien von dritter, nicht immer unvoreingenommener Seite übet die Sachlage informieren zu lasten.
Ter Gouverneur von Togo meldet: Die Gesamt- strecke der Inlands bahn Loma — Palime wurde an Kaisers Geburtstag zugleich mit der landwirtschaftlichen Ausstellung feierlich eröffnet. Die Beteiligung von feiten der Europäer und ber eingeborenen Bevölkerung war bei beiden Anlässen ganz enorm, die Beteiligung an der Ausstellung Übertrifft alle ftrroartungen.
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dem Handel könnten in einem einzigen Wagen nach Hause fahren. ES liege im ReichSintereste, also auch im Interesse deS ganzen deutschen Volkes, daß Gewerbe, Handel, Bankwesen, Schiffahrt, Verkehr, Bergbau, Groß- inbuüne u. s. w. eine floriere unb bessere Vertretung im Reichstage sinben. Der Reichstag fei bie Vertretung Volkes, unb zum Volke gehörten auch die Unternehmer
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Die gesamte englische Presse stimmt Lobeshymnen Deutschland und auf die deutsche Regierung an. Der Wahl- Ausfall habe dem Ansehen Deutschlands außerordentlich genutzt. Der Daily Telegraph schreibt, daß, sofern die Stich- wählen die Resultate nicht entschieden ändern, der Sieg der Regierung einet der wichtigsten Ereignisse sei, feit der Grün- bung des deutschen Reiches. Selbst die Daily Mail meint, Deutschland habe der Welt ein nachahmenswertes Beispiel gegeben. Deutschland habe gezeigt, daß die Sozialbemokraten machtlos feien, wenn man sie mit Mut unb Energie be-
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Sprechstunden der Redalt.ru 11—l Uhr vorm., i ■ 7—i/j8 Uhr abbi Gießen, den 29. Januar 1907.
— Prof. Moritz. Osflziell wird bekannt gegeben: ber Kaiser hat ben ordentlichen Professor an ber Universität in Gießen, großh. Hess. Geh. Mebizmalrat Dr. Fnebnch Moritz zum ordentlichen Projestor in der medizinischen Fakultät der Universität Stiaßburg, und der kaiserliche Statthalter der Reichslande hat den Profestor Dr. Moritz zum Direktor der medizinischen Klinik der Universität Straßburg ernannt.
- Di« rote Kreuzmedaille dritter Klaffe wurde vom Kaiser u. a. verliehen: dem ordentlichen UmversitätS- professor der Rechte, Dr. Johannes Bier man n in Gießen, dem Werkmeister Joseph Förster in Darmstadt, dem Kurdirektor, Kaiumerherrn Hermann von Grolman in Bad- 'Rauheim, der Frau Oberstleutnant Wilhelmine Naumann in Mainz, der verwitweten Frau Amalie Va Iken- berg, geb. Renz, in Darmstadt.
•• M i 1 i t ä r - D i e n st n a ch ri ch t e n. Zu Oberstleutnants befördert, bie Majore Buchholz, Bataillons- kommandeur im 5. Großh. Jnfanterie-Rgt. Nr. 168, unb Dreyer, BatS. Kommandeur im Inf. Leibcegt. Groß- Herzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117. Zum Balaillonskom- manbeur ernannt Major Witt, aggregiert dem Inf. Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, im Regt. Hauptmann JabouiHot gen. von Scheibler im Generalslabe des Gouvernements von Metz, in daS Leibgarde-Inf -Regt. (1. Grouh. Hess.) Nr. 115 als Kompagnie-Ehef versetzt. Ritt- niemer Kcaemer, Fliigel-Abjntant bei S. K. H. dem Groß- Herzog von Hessen, zu>n Major befördert. Oberleutnant Uh len haut im Jnfanterie-Leibregt. Großherzogin (3.Großh. Hest.) Sir. 117 unter Beförderung zum Hauptmann zum Adjutanten dec 62. Infanterie-Brigade ernannt. Zu überzähligen Majoren befördert und den betr. Truppenteilen aggregiert. Die Hauptleute und Kompagniechefs Eitner im Inf.-Regt. Graf Barsich (4. Wests.) Rr. 17 unter Ver- jetzung zum Inf. Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Grube im 8. Rhein. Jnf.-Reg. Nr. 70 unter Versetzung zum Jnf.-Regt. Prmz Karl (4. Großh. Hess.) Ar. 118, von Hofmann im Leibgarde-Jnf.-Regt. (1. Großh» Hess.) Nr. 115, Proffen im 3. Unter-Els. Jnfan- tene-Regt. Nr. 138, unter Versetzung zum 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168. Die Oberleutnants Baither im Fnf'.Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hest.) 91 r. 118 unb Molare im 5. Großh. Jnfanterie-Regt. Rr. 168 zu überzähligen Hauptleuten, bie Leutnants von 01 berg im Leib- garbe-Jns. Regt. (1. Großh. Hest.) 'Rr. 115 unb Lchmibi un 5. Großh. Jnfanterie-Regt. Dir. 168 zu Oberleutnants, die Rittmeister unb EskabronschesS Frhrn, von Schau ro t h unb Koch im Leib-Drag.-Regt. (2. Großh. Hest.) Dir. 24 zu überzähligen Nlajoren beförberl. Dem Hauptmann und Batteriechef von Heuser im Großh. Art.-Korps, 1. Großh. ijelbart. Regt Rr. 25, ein Patent Zeines Tlenstgrabes, dem Rittmeister u. Komp.-Chef im Großh. Train-Bata,Uon Rr. 18 ein ans den 21. Ang. 1896 vordalterles Patent semes Tienit- arabes verliehen. Die Fähnriche M ü ll er unb B et hge im Inf-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh.) Nr. 116, von Lin- jingcn im Garbe-Trag.-Reg. Dir. 23 unb von Werner im Leib-Trag.-Regt. Dir. 24 zu Leutnants nut Patent vom 19. Juli 1905 befördert. Tie Unteroffiziere Poti Hofs im'Jnf.-Leibregt. Großherzogin Dir. 117 und von Mahner im Garde-Drag.-Rgt. Dir. 23 zu Fähnrichen befördert.
•• Marie Wittich inDiegen, diese Tatsache genügt wohl allem, um die Bedeutung des Konzertes am Sonntag, den 3. Februar, in der Turnhalle zu würdigen. Tag Marte WiUich Gießener Kmd »st, interessiert, vom fünft- lerischen Standpunkt, erst in allerletzter Xlmie. Wir schätzen ne haiiplsüchlich alS eminente Künstlerin, als bedeutende Wagnersängerin, die selbst bei den Bayreuther Festspielen hervorragte. Aber auch weiteres Schönes bietet uns der
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Ter Londoner EStandard^ bringt Kaiser Wilhelm zu seinem Geburtstage Glückwünsche bar unb fährt bann fort: Wir freuen unS, daß ben s oz »alist ischen Feind, an dessen Bekämpfung jede Dlalion in Europa interessiert ist, em so scharfer Schlag traf. Wie wir auch immer die deutsche Politik England gegenüber beurteilen, es fehlt unter dem britischen Volke nicht an Bewunderung der Aufrichtig- keit unb deS Mutes, mit dem Kaiser Wilhelm II. seme Pläne für seines Landes Größe und Sicherheit durchführt. Ein praktischer Idealist in einer von sentimentalem Materialis- mus erfüllten Generation, ist feine Gestalt eine der wenigen unter den Lebenden, bie etwas Herrisches an sich haben. Der Ehrgeiz DeutschjandS, an den Vorteilen teilzu- nehmen, die durch seine Seemacht erworben werben, ist durchaus berechtigt. Es ist unsere Sache, für uns selber zu sorgen. Wir , oll en nicht schlechtere, sondern bessere Freunde deS deutschen Volkes sein, weil es sich klar erroiefen hat, daß das Volk der Haltung der Regierung zustimmt.__
politisch« Lagerschau.
Die neue koloniale Aeta.
Die Reichstagswahl bedeutet nicht nur einen allgemeinen Sieg des nationalen Gedankens, sondern auch em Vertrauensvotum für den Kolonialdirektor Lern bürg und für seinen Amtsoorgänger, den Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg, dec dem gothaischen ,Hof-L>ozial- bemotrQlen* Bock das Mandat abgcrungen hat. Dem Erbprinzen bietet sich jetzt Gelegenheit, von ber Rebncrbühne des Parlaments aus die Angriffe zurückzuwelsen, bie von den Rolonialbcmofraten deS Zentrums gegen ihn gerichtet worben sind. Speziell dem ironischen Wort Erzbergersrxec Erbprinz kam, nahm Vorschuß und verschwand- bürste in ben nach Zusammentritt bes neuen Reichstags roiebet beginnenden Kolonlaldcbalten eine Erwiderung zutell werden. Ter Erb- prmz will ,fraktionslos' bleiben unb feinen Platz auf ben Lanken ber Rechten wählen. Als er noch Kolonialdirektor ®at, sprach er von seiner Absicht, eine Reise nach den Lchutz- Sebieten zu unternehmen. Er hat diesen Plan keineswegs
20. Februar. Der Atabemifche Geiangoerem wird sich um ben Gast gruppieren unb, wie unfl baS Programm mit teilt beroorragenbe Ehöre WagnerS aiiSführen. Unser einheimischeS Orchester wird burch auswärtige Kräfte auf bie Stärke emeS inoborncn Orchesters gehoben, so baß wir auch nach dieser Richtung hin einer Wo g n er-Feier entgegen sehen, wie sie bisher in Gießen nicht geboten wurde.
— Theaterverein. In der fünften Vorstellung am Mittwoch, bt n 6. Februar kommt baS neue Renaissance- Schauspiel von Rubolf Herzog ,Die Condottieri^, mit dem Heldendarsteller des Karlsruher HoflheaterS, Herrn^ Fritz Herz, alS Gast zur Aufführung. Karlsruhe war bie; erste Bühne, welche das Stück gab, Herr Herz der erste Dar« steller deS Condottiere der Repiiblik Venedig, Bartolomeo Colleone, dessen eherueS, von Vcrrocchio geschaffenes Standbild die Bewunderung jedes Venedlg-FahrerS herausfordert. Der Autor deS Schauspiels, daS schon seit geraumer Zeit das allabendliche Zugstück de« Neuen Theaters in Berlin, bildet und auch vo / Kaiser und der Kaiserlichen Familie besucht wurde, ist weiten Leserkreisen schon durch seine bei Colta erschienenen Romane ,TaS ßebcnßheb* u. A., unb Dlooellen bekannt geworden.
— Lollar, 28. Jan. Heute morgen gegen 5 Uhr ertönte in unserem Orte Feuertärm. Das an der Hauptstraße gelegene Nebengebäude der Ludwig Bierau'schen Hofreile lZ">n Schivanen) war in Brand geraten. Durch oaö rasche Eingreifen der Feuerwehren wurde daS Feuer im Keime erstickt. Nachts gegen 1 Uhr halte eS dort schon einmal gebrannt, das Feuer war aber von den Festteilnehmern der Kaisers Geburtstagsfeier, die tm Schwanen abgehalten wurde, rasch gelöscht worden. Jedenfalls ist der Brand durch Unoorsichtigkest entiianben.
-r- Friedberg, 87. Jan. Eine ansprechend« Heran» Haltung bietet die Evangelisch« Vereinigung burch Abhaltung sog. Deutscher Abenbe, deren bis jetzt drei statt- gefunden haben. Die Feier besteht in der Hauptsache In einem den Vereinszwecken entsprechenden Vorträge, sodann in musikalischen Vorträgen, je nachdem sich dafür geeignete Kräfte bieten. Ter Besuch der Abende hat sich fortwährend gesteigert; am letzten Abend war der Saalbau, bie größte der dafür in Friedberg vorhandenen Räumlichkeit, überfüllt. Die geordnet gebotenen Darbietungen fanden den lebhaftesten Anklang, vorab der Vortrag des Herrn Pfarrer« Bickel- Haupt aus Groß-Umstadt, großzügig, mit hohen Gedanken und in reichster Ausgestaltung, über: Der religiöse Beruf be8: deutsch-protestantischen Volles. Kirchenchor, tunftoeranlagte Damen des Vereins, sowie der Pojaunenchor trugen dem Rahmen deS Abends wohlangepaßte Niusikstücke vor. ES wurde dankbar begrüßt, als ber Veremsleiter am Schluffe! nulteilte, daß demnächst eine Feier in dieser beliebten Form, Halt finden solle, auS Anlaß der 300 jährigen Wiederkehr deS Geburtstags Paul Gerhardts (12. März 1907), auSgefM ausschlleßtich nut Darbietungen auS besten Leben unb Wirken.^
Tas Grubenunglück von St. Johann.
Reden, 28. Jan. Tas Grubenunglück betraf die Abteilungen der Steiger Grog und Klein, etroa 300 Mann. Bis 5 Uhr nachmittags wurden 77 Tote herauSbesördert unb im Zea-enhause auf gebahrt. Heber 40 Mann von der Abteilung deS Steigers Klein konnten sich nach Grube Heinrtz retten. 33 Ber- rouiwete wurden heute morgen schon geborgen und nach dem ttnappschastsrazarett Neunkirchen geschasst. Gegen 2 Uhr wurden noch vier Mann lebend ans Tageslicht gebracht, darunter der Steiger Groß. Von ben Lerchen konnten nur 24 erkannt werden. Die noch in der Grube befindlichen Leute gelten als verloren. Tie Rettungsabteilungen der übrigen Saargruben, sowie der Grube Frankenhausen in der Pfalz waren bis heute mittag eifrig an bei, Arbeit. Gegen 3 Uhr mußten sie aber ihre Arbeiten einstellen, da neue Explosionen zu befürchten waren. Die Grube brennt noch. Die Toten sind aus Schiffweiler, Langweiler unb Heiligens roalb.
Tie verschüttete Strecke liegt 2000 Meter weit vom Fördere' schacht entfernt unb in einer Tiefe von 700 Metern.
Heute nachmittag brach noch Feuer in ber Grube auS; all« Mannschaften würben zuruckbeordert unb eben waren die Letzten oben glücklich angekommen, als eine neue heftige Detonation gehört würbe. Erne neue Explosion hatte stattgefunden,, burch die aber niemand verletzt wurde.
AIS ein großes Glück ist eS zu betrachten, daß die Schicht nicht voll belegt werden konnte, weil ein Teil dec Mannschaften nicht erschienen war. Zwei Ntann wurden wie durch Zufall gerettet, weil sie ein Beamter im letzten Augenblick zurückichickle. Der Inspektor Rtehrer, der schon verloren gegeben wurde, konnte im letzten Augenblick gerettet werben. Rettungsmannschaften von ber Grude Herle in: Westfalen werben erwartet. ES sinb dieselben, bie im vorigen Jahre bei der Katastrophe von CourriereS so hervorragend,' Dienste geleistet haben.
Einzelne Familien sind furchtbar hart betroffen. So? verlor eine Witwe drei Söhne.
Kurz vor Schluß der Redaktion erhielten wir noch foU gendes Telegramm:
Saarlouis, 29. Jan. Nach Erkundigungen bei der Berg» roerfsbtretuon miiBten die Bergungsarbeiten vergangene Stacht uoUiianbig eingestellt werden, weil ber Brand zu >ehr um sich griff. Man bü]|t, heute ivteoei Mit Den Arbeiten beginnen zu können. Die ^jayl Der Toren wirb auf löö angegeben. Im t'auie des gelingen Tages begaben uch ber Handeisimmster, der Cbeibeigbaupnnann, bei CbetpraüDent unb zahlreiche au bet» höhere Beamte an Die Unglücks|ielre.


