Ausgabe 
29.5.1907 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Darmstadt, 28. Mai. Der hessische Bauern­verein hielt am Sonntag hier eine Landesversammlung ab. Der 1. Präsident, Landtagsabg. Uebel-Dieburg, mies zunächst daraus hin, daß dec Verein ganz neuen Verhältnissen gegen- überstehe, widmete dem verstorbenenBauernpfarrer" Maucr- Fchlheim einen marinen Nachruf, und teilte seine eigene Ernennung zum ersten und die des Pfarrers Blum-Oberabt- 'steinach zum zweiten Präsidenten des Vereins mit. Unter seiner Leitung werde der Fall nie Vorkommen, daß sich der Verein in riskante Unternehmungen cinlasse und bei aller '.Freundschaft zur Naiffeisenorganisation werde er ein Ein­greifen derselben in die Organisation des Bauernvereins »niemals dulden. Psarrer Blum-Oberabtsteinach sprach sodann (über landwirtschaftliche Berufsorganisationen und Landivirt- schastskammer, wobei er die Behauptung zu widerlegen suchte, daß die Errichtung der letzteren die landmictschaftl. Berufs­organisationen, insbesondere den Bauernverein überflüsiig gemacht habe. Trotz der namhaft gestiegenen Ge- treidepreise sei die Lage des Bauernstandes nach wie vorernst. Wirtschaftliche Maßnahmen zu dessen Hebung genügten nicht, auch der christliche Geist müße hinzutreten und da? ganze soziale Leben durch­dringen. Den Schäden, welche Kapitalismus und -Geldwirtschaft den Bauern gebracht hätten, könnte .nur durch Z u s a m m c n s ch l u ß Tausender von Einzelexistenzen lein Gegengewicht geboten werden. Der neue Sekretär des 'Vereins, I. PH. Hoffmann-Seligenstadt, behandelte alsdann eine Reihe wichtiger, im täglichen Leben des Landwirts vor- 'kommender Fragen, und begrüßte die Tatsache, daß der neue 1. Präsident Abgeordneter im hessischen Landtag sei und Mitglied Rachor-Seligenstadt in der Landmictschafts- kammer sitze. In seinem Schlußwort betonte noch der 1. Präsident Uebcl die Notwendigkeit des Ausbaues des Vereinsorgans.

sd. Darmstadt, 28. Mai. S. K. H. Hoheit der Großherzog, welcher heute vormittag der Besichtigung des Infanterieregiments Nr. 115 durch den kommandie- den General v. mchhorn auf dem Truppenübungsplatz bei Griesheim beiwohnte, besuchte gestern abend mit seiner Gemahlin und großem Gefolge die Vorstellung der Tanz­schule der Isadora Duncan.

Offenbach a. M., 28. Mai. Der Kreistag pflichtete dem Vertrage über die Vereinigung der Genieinde Bürgel mit Offenbach einstimmig bei. In Altheim, im Kreise Dieburg, wurde gestern durch den Offenbacher Kriminal­kommissar Hechler ein dort in Arbeit stehender Schuh­macher namens Adam Sänger verhaftet, der im Verdacht sieht, am 13. Mai das Vombenattentat auf die Offen­bacher Stadtwache verübt zu haben. Sänger, der sich als Anarchist bekannt hat, soll sich nach dein Verbot des Offen- /bacher Anarchistenkongresfcs durch Aeußerungen verdächtig gemacht haben. Bei seiner Vernehmung heute früh leugnete Sänger jede Schuld.

W. Heldenbergen, 27. Mai. Unter dem Geläute der Glocken zog gestern abend der Bischof D r. K i r st e i n von Mainz hier ein, um am heutigen Tage die Firmung vorzu­nehmen, nachdem vier Jahre der Ort nicht vorgenommen worden war. Heldenbergen hat ein prächtiges Festkleid angezogen, Guirlanden und Kränze schmücken fast alle Häuser, und Fahnen flattern in der Lust Hierin zeigt sich die Harmonie in alten Bevölkcrungsllassen und Konfessionen des hiesigen Ortes, ! die Achtung des einen gegenüber dem anderen. Bon hier aus begab sich heute abend der Bischof, nachdem er in ollen Schul- klassen sich vom Stande des Religionsunterrichtes überzeugt hatte, nach Engelthal, wo eine sehenswürdige alte Kloster­kirche und eine katfvlische Schule sich beftndet, in der die .katholischen Kinder der verschiedenen umliegenden -Ortschaften unterrichtet werden. Morgen vollzieht der Bischof in Engel­thal die Firmung. Graf ^olms-Laubach, Eigentümer des großen Gutes, hat die Schule zu unterhalten, während in Engelthal .selbst sich keine katholischen Kinder befinden.

sd. Bingen, 28. Mai. Der Bund der Land­iw irte hatte bis vor kurzem in Rheinhessen fast keinen Boden fassen können.- Die liberalen Bauern sahen in ihm ein konservatives Werkzeug. Die Wahl Kcllers^-S-tein-Bocken- heim brachte dem Bund aber einen verhältnismäßig leichten .Sieg. Die Masse der Wähler wandte sich vom Freisinn ab' und einem einheimischen Kandidaten zu. Nachdem nun die Leiter des Bundes Dr. Hahn und Dr. R ö s i ck e sofort nach ihrer Wahl zum Reichstage der konservativen Partei b ei getreten, wird es den Agitatoren 'des Bundes fernerhin schwer werden, die Bauern von der angeblichen Unparteilichkeit des Bundes zu überzeugen. Dazu kommt, daß zwischen den Mitgliedern des Bundes der Landwirte in Rheinhessen und den Abgg. Dr. Rösicke und Stauffer wegen deren Haltung zum Weingesetz und der Verunglimpfung der rheinhessischen Weine eine große Meinungs­verschiedenheit besteht. Ebenso soll, wie verlautet, eine Spannung zwischen den Bundesführern in Rh ein Hessen bestehen, veranlaßt durch die Weindebatte. Wenn der drohende häusliche Streit nicht noch rechtzeitig verhindert wird, so ist anzunehmen, daß die Erfolge des Bundes in Rheinhessen nicht von Dauer sein werden.

Frankfurt a. M., 28. Mal. Die Reichsschul­kommission ist hier unter dem Vorsitz des Wirkt. Ober­regierungsrat Dr. Kelch zu ihrer Frühjahrstagung zu- sammcngetreten. Sic wird nach Beendigung der Beratun­gen verschiedene Schulanstalten der Provinz .Hessen-Nassau und des Großherzogtums Hessen besuchen. Zu der Aus­sperrung in der Merall inoustrie ist zu melden, daß die Verhandlungen der Siebenerkommission, die heute früh in Offenbach wieder ausgenommen worden sind, bis mittags noch zu keiner Einigung geführt haben. Tie Aus­sperrung von 60 Proz. der Arbeiter in den Frankfurter Fabriken ist gestern erst teilweise erfolgt. In 14 oder 15 Betrieben beträgt die Zahl der Ausgesperrten bisher 1800 bis 2000. Eine alte Putzfrau wurde heute von einem Radfahrer überfahren und erlitt eine schwere Ge­hirnerschütterung. Ein vor einem Automobil scheuendes Pferd sprang in eine Anzahl Kinder hinein und verletzte zwei durch Huftritte am Kops und im Gesicht erheblich.

)( D ianaburg, 29. Mai. Dieser Tage ging eine Anzahl Ausflügler an der Dianablirg vorüber, um eine Tour nach Greifenstem zu unternehmen. Als sie an dem nächsten Wegweiser ankamen, wurden sie stutzig in der Himmels­richtung. Dem Arm, der die Richtung Greifenstein anzeigte, .wurde gefolgt. Wer konnte auch wissen, daß kurz vorher einige Studenten aus Gießen den Wegweiser ge­dreht hatten. Erst als die Maiwanderer in Daubhausen angekommen, merkten sie, daß sie das Opfer eines Schalk- .streichs geworden waren.

Franke nberg, 27. Mai. Auf dem Wege nach Vöhl stürzte der 72jährige Gutsbesitzer Julius Ueber- horst von seinem Wagen und blieb auf der Stelle tot. Einziger Zeuge war sein 4jähriges Enkeltöchterchen.

Eltville, 28. Mai. Der Lokomotivführer Wcrm- bold von der Kleinbahn Eltville Schlangenbad ist vom Dienste suspendiert worden. Es dürfte An­klage gegen den Mann wegen fahrlässiger Transport­gefährdung erhoben werden.

** Kleine Mitteilungen n r § Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. In Tarmstadt hielt die deutsche Genc- r a l ° F e ch t s ch u l e ihre 15. General-Versammlung ab. Es waren 30 Vertreter von Ortsverbänden aus allen Teilen Deutsch­lands anwesend. Iu H a n a u verhaftete die Polizei eine jugend­liche Räuberbande, die sich im Walde eine Höhle gegraben und diese mit allen nur denkbaren zusammengestohlenen Dingen wohnlich eingerichtet batten. Tie Burschen standen im Alter von 14 bis 16 Jahren. Ter neue Homburger Zentralbahn- ho wird erlt am 1. Mai 1908 eröffnet werden. In Alsfeld machte der Zahnarzt I. H. M e i i e I § seinem Leben ein Ende, indem er sich, wahrscheinlich in einem Anfälle von Schwermut, erhängte. Die Wiederwahl des Bürgermeisters Konrad Schepp 8. zum Bürgermeister von P o h l g ö n s wurde vom Großb. Kreisamt bestätigt. In Laubach haben die Metzger den Preis des Schweinefleisches auf 66 P f g. per Pluud e r m cißigt; dagegen sind die Bäcker mit dem vierpfnndigen Laib Schwarzbrot auf 50 Psg. ausgeschlagen. Ter Händler Gorsler m Lauterbach erhielt dieser Tage eine Postkarte mit dem Ersuchen, sich abends im Bahnhof Wartesaal 3. Klaffe einzusinden. Tie Karte war unterzeichnet:ein alter Bekannter." Gorsler ging zur angegebenen Zeit zur Bahn, traf aber dort niemand. Zu Hause wieder angekommen, mußte er die unangenehme Wahrnehmung machen, daß deralte Bekannte" mittlerweile bei ihm eingebrochen und M. 300 gestohlen hatte. Der Tat verdächtig sind zwei Bnrschen, von denen einer bereits festgenommen worden ist. In T a r m st a d t wurde die zu Besuch weilende Frau Steiger aus Bockenrod bei Reicbelsheim i. O. auf dem Balkonplatz von einem Hitzschlag betroffen und war sofort tot. Ter Landwirtschaftliche Kreisverein Hanau beschloß, die Landwirt- schaftskanirner in einer Eingabe zu ersuchen, dahin zu wirken, daß dem Kontraktbruch ausländischer Landarbeiter durch reichsgesetzliche Regelung vorgebeugt werde.

Kriegsmarine-Ausstellung.

Gießen, den 28. Mai 1907. II.

Weiter sind die Modelle zweier deutscher Kriegsschiffe aus­gestellt, die sich im Stampfe fürs Vaterland bereits Lorbeeren er- iuorben haben. Es sind das die KanonenbooteMeteor" (1870) undIltis" (1900'. ErstereS zeigt noch eine reiche Takelage, letzteres, 1898 auf der Schichaufchen Werst erbaut, ist ganz modern. Recht plump und unansehnlich erscheint daneben ein altes Ruder- Kanonenboot aus den 40er Jahren.

Tie beiden Jachten erwecken weniger Interesse. Die Tamps- jacht des Großherzogs von Oldenburg macht zwar einen recht ge­fälligen Eindruck, man sieht es ihr aber an, daß sie dein Ver­gnügen dient. An dem Modelle der bekannten SegeljachtHertha" erstaunt uns der winzige Rumpf und das im Verhältnis dazu ge­waltige Takelwerk. Alles in allem kann man von den Schiffs­modellen nur sagen, daß sie eine genaue Außenansicht der Fahr­zeuge gewähren und den Beschauer zu fesseln vermögen. Zii er­wähnen wäre noch der schlichte russische Schleppdampfer und die komplizierte Schiffsmaschine. Das Modell eines Kriegsschiffes mit fehlender Außenwand macht beinahe den Eindruck einer Honig­wabe und bietet wenig des Interessanten.

Neben den Modellen sollen dann die in der Mitte des Saales ausgestellten Geschütze in die Augen. Sie scheinen auch das größte Interesse zu erregen, umsomehr, als sie von Zeit zu Zeit praktisch vorgellihrt werden. Ta ist zunächst das neue Maschinen­gewehr. Bei der Vorführiing wundert man sich über die Leistungsfähigkeit des verhältnismäßig kleinen Apparates, mit dem bis zu 700 Schuß in der Minute abgegeben werben können. Die Erfolge, welche die Engländer in ihren Kolonialkriegen mit dieser Waffe erzielten, sind danach wohl zu begreifen. In gleicher Weise arbeitet die Maschinenkanone, die zwar nur halb so schnell, aber darum desto wirkungsvoller feuert. Neben dieser bemerken wir eine der alten Neoolperkanonen. Großes Interesse erweckt auch das 5 cm-Schnelladegeschutz, die leichte Waffe unserer Kriegsschiffe. Bei seiner leichten Handhabung und dabei großen Schußweite mit schneller Feuerung (20 Schuß in der Minute) ist es der gesurchtelste Gegner der Torpedoboote. Gin dicker stählerner Schild schützt dieses Geschütz.

Im Anschluß daran besichtigt man weiter eine Anzahl der verschiedensten Geschosse, wie Granaten und Schrapnells. Auch eine Mine ist zur Schau gestellt, ferner eine Harpune rc. rc. Es würde zu weit führen, das auf diesem Gebiete Ausgestellte einzeln aufzu führen.

Die Schiffsgcrätc und -Instrumente nehmen natürlich auch nicht geringen Raum ein. So sehen wir Bojen, Rettungsgürtel und Laternen. Unter den wissenschaftlichen In­strumenten feien Krängungspendel, Kompasse, Scheinwerfer und Sextanten genannt. Auch Telephoneinrichtungen, sowie Sprach- und Nebelrohre find ausgestellt. Ferner, erwecken unser Interesse die Logapparate, mit deren Hilfe die Geschwindigkeit des Schiffes bestimmt wird, und die Lote. Die der Mannschaft dienenden Geräte, wie Eßgeschirre, Hängematte, Rauchhelm, Tauchcranzug u. dgl. m., find ebenfalls nicht uninteressant.

Auf dem Gebiete der Marine sind dann weiter noch eine Anzahl Tafeln und Mappen ausgestellt. Wir sehen ferner die National- und Kriegsflaggen der einzelnen Seemächte, sowie eine Anzahl bezüglicher Photographien.

Damit ist die Ausstellung aber noch nicht erschöpft. Zu­nächst bietet sie noch eine Sammlung der Kriegsaka­demie in Kiel. Hier finden wir manches Beutestück aus dem Chinafeldzug. Bor allen Dingen sind es Waffen, die uns hier interessieren. Auch aus unfern Südseegebieten finden wir einige Trophäen in dieser Sammlung. Außerdem können wir eine alte Gallionsfigur bewundern.

In Anbetracht der jetzt zur Tagesirage gewordenen Kolonial­frage ist dann die S a in m 1 u n q aus unfern Kolonien, die besonders viel aus Südwestafrika bietet, äußerst interessant. Zu­nächst finden wir Gehörne von allen möglichen Tieren. Einen selt­samen Gegensatz bilden dabei die etwa i Meter langen schrauben» förmig sich drehenden Kuduborner und die kerzengeraden Spieß- antilopen-Hörner. Ein riesiger Nilpferdkopf und die ungeheuren Büffelhörner geben beredtes Zeugnis von der Tierwelt in unfern Kolonien. Lächerlich erscheint ein Eleiantenschwanz. Weiter ist bann eine Anzahl Waffen der Eingeborenen dargestellt. Mit Rück­sicht auf die letzten Kämpfe interessieren namentlich die Kirris der Buschleute, ganz unscheinbar aussehende Keulchen. Auch Schwerter und Pfeile verschiedener Art sind ausgestellt neben den charakte­ristischen Trommeln der Eingeborenen. Deren Haus- und Wirtschafts­geräte sind auch vertreten. Auch Götzenbilder, Schmuckgegenstände erwecken ihrer Originalität reiches Interesse. Im großen und ganzen kann dieses mit der interessanteste und reichhaltigste Teil der Aus­stellung genannt werden.

Die Mitglieder des hiesigen Marinevereins haben daneben noch eine kleinere Ausstellung von in ihrem Besitze befindlichen Kuriositäten errichtet. Auch hier findet sich manches Sehenswerte.

'Dian sieht schon aus diesem Bericht, daß die Ausstellung äußerst reichhaltig ist. In Wirklichkeit bietet sie noch viel mehr. Ein Besuch lohnt sich also reichlich. Tie ersten Tage brachten schon reichlichen Besuch von feiten des hiesigen Militärs, von Vereinen und Schulen. Ein ebenso starker Prtvatbesuch wäre aber auch zu wünscheii.

* Kleine Tageschronik. Hinter der Geschützgießerei in Spandau wurde der Bursche des Rittmeisters von der Recke, der Ulan Robert Benske, im Wasser tot aufgefunden. Die Obduktion der Leiche ergab, daß der Ulan einen Stich in dos Schlüsselbein

erhalten hat, durch den dieses brach. Auch andere Knochen­brüche zeigen von Gewalttätigkeiten. Es wird vermutet, daß Benske, der mehrere Liebschaften unterhielt, von einem Neben­buhler ermordet oder im Streit erschlagen und als Leiche ins Wasser geworfen worden ist. In Essen wurde der Mörder der Miß Lake verhaftet. Es ist ein 20- jähriger Versicherungsagent namens Zabl. Er versuchte in der Nähe von Verden ein Mädchen zu vergewaltigen und wurde auf frischer Tat verhaftet. Im Verhör gestand er zu, die Miß Lake ermordet zu haben. Am 27. ds. Mts. wurde in Meuselwitz (Sachsen) der Schlosser Lcusch verhaftet. Seiner Braut, mit der er sich enrzweir hatte, hatte er mitgeteilt, daß er am 16. Dezember v. Js. in Leipzig den Raubanfall aus den Geldbriefträger Rübler verübt habe. Rübler war damals von Leusch niedergeschlagen, schwer verwundet und um 1000 Mk. beraubt worden. In Wittenberge hat der Arbeiter Gott­schalk den Werkmeister Töhring erschossen und sich dann selbst "biiTdj einen Schuß 'getötet Beide waren Familienväter.

Arbeiterbewegung.

Leipzig, 28. Mai Ter Arbeitgeber-Schutzverband bet deutschen Holzindustriellen forderte die Bezirksvorstände der 13 Aussperrungsstädte auf, alle Verbandsmitglieder, die an der Aussperrung nicht teilgenommen haben, ausnahmslos auszu­schließen. Die Kosten der Aussperrung betragen auf beiden Seiten insgesamt 9 Millionen Mark. Infolge des Steigens der Materialpreise und Löhne werden in Berlin die Fabrikatspreise. um 7l/. Proz. erhöht.

Berlin, 28. Mai. Der größte Teil derjenigen Bauge­schäft e, die bisher weiter gearbeitet hatten, haben die neuen reduzierten Forderungen, die diesen Firmen gestern von den beiden vereinigten Arbeitnehmer-Organisationen durch deren Te- putierten überreicht worden find, rundweg ab gelehnt. Auf diese Weise sind die Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter in den Generalstreik getreten, sodaß heute auf fast allen Bauten Groß-Berlins die Arbeit ruht.

Gerichtssaal.

Frankfurt a. M., 28. Mai. Das Schöffengericht ver­urteilte heute die Milchhändlerrn Katharina Ravcnsberger aus Treiaichenhain, die wegen Milchpantscherei schon zweimal vorbestraft ist, wegen desselben Vergehens zu einer Woche Gefängnis und 100 M k. Geldstrafe. Tie von ihr verkaufte Milch enthielt mehr als die Hälfte Wasser. Wegen versuchter Beamtenbestechung wurde außerdem auf 20 Mark Straft erkannt.

Landwirtschaft.

Auf dem 8. internat. landwirtschaftl. Kongreß zu Wien nahm einen weiten Raum die Erörterung der Frage der Bedeu­tung des Getreidebaues für die mitteleuropäische Landwirtschaft in Anspruch. Ter Berichterstatter führte den Nachweis, daß eine Möglichkeit, den Getreidebau durch Anbau von Handelspflanzen einzuschränken, in keiner Weise gegeben sei. In ähnlicher Weise verhalte es sich mit dem Rate, den Getreidebau zugunsten der Viehzucht einzuschränken, da diese beiden land­wirtschaftlichen Produktionszweige im innigsten Zusammenhänge miteinander stehen. Das Aufgeben des Getreidebaues in den mitteleuropäischen Staaten wäre gleichbedeutend mit dem Ruin der mitteleuropäischen Landwirtschaft und dieser gleichbedeutend mit dem Ruin dieser Staaten. Es wurde einstimmig folgende Entschließung gefaßt: Der Kongreß spricht mit allem Nachdruck seine Ueberzeugung dahin aus, daß in den Staaten Mitteleuropas nicht nur zum Zwecke der Erhaltung der Landwirtschaft treiben­den Bevölkerung, sondern auch aus zwingenden allgemeinen volks­wirtschaftlichen und politischen Erwägungen dcr Getrnd 6iu bei- zubehalten und für dessen Rentabilität mit allen Mitteln einer zielbewußten Agrarpolitik vorzusorgen ist, widrigenfalls die mittel­europäischen Staaten wirtschaftlich und politisch ihrem Unter­gang entgegensetzen müßten. Vom technischen Standpunkt des Getreidebaues spricht sich der Kongreß datzin aus, daß namentlich folgende Kulturmaßnahmeu als wefentlich ins Auge zu fassen jpären, um die Erträge und die Rentabilität des Getreidebaues zu heben: 1. Anbau ertragreicher, hochgezüchteter Kulturformen des Getreides im intensiven Betriebe und in klimatisch bevorzugten Landstrichen. 2. Verschärfte Saatgutauslese und züchterische Ver­besserung bei dem Landgetreide in Gegenden, wo die Hochzuchten nicht passen. 3. Eine verbesserte Landbautechnik, namentlich mit Rücksicht auf die Bodenbearbeitung und die Bekämpfung des Un­krautes und der parasitischen Schädlinge. 4. Eine verbesserte Stallmiftwirtschaft, die sich die Konservierung des Düngerstickstoffes zum wichtigsten Ziele fetzt. 5. Eine ausgedehntere Anwendung von Leguminosen-Gründüngung.

Httrchliche Nachrichten,

Katholische Gemeinde.

Mittwoch den 2 9. Mai.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.

Donnerstag den 3 0. Mai, Frohnleichnamsfest. Vormittags von 61/, Uhr an: Gelegenheit znr heil. Beichte.

, um 7 Uhr: Tie erste heil. Messe, vor und in derselben Ansteilnng der heil. Kommunion.

um 8 Uhr: Tie zweite heilige Messe. Militär- gottesdienst mit Predigt.

um 9V, Uhr: Hochamt; darauf Prozession. Nachmittags um 2 Uhr: Fest-Andacht mit Segen. Freitag abend um 61/, Uhr ist Maiandacht.

Telefonische

des Giessener Anzeigers, mitgi und Indnsti

Frankfurter Bön

3/f®/0 Reichsanleihe . . 93.8J 3% do. . . 83.80 3J4®/0 Konsols .... 93.85 3% do.....83.70

3X% Hessen . . . 93.30

3^®/6 Oberhessen . . . 94.00 4?» Gesten. Goldrente. . 99.10 4l/6 % Gesten. Silbenente 99 45 4% Ungar. Goldrente . . 93.90 4% Italien. Rente . . .. 3% Portugiesen Serie I . 67.70 3% Portugiesen III 68.60 4>$0/0 russ. Staatsanl. 1905 91.10 4^°;0 japau. Staatsanleihe 92.80 4% Conv.Türken von 1903 93.70 Türkenlose.....140.20

4% Griech. Monopol-AnL 49.40 4% äussere Argentinier 83.80 3°/0 Mexikaner . . . 64 80

4>$% Chinesen .... 96.75

Aktien:

Bochum Guss.....221.50

Buderus E. W .....

Tendenz: fester.

Berliner Börse, 2

Canada E. B......166.50

Darmstädter Bank . . . 129.60 Deutsche Bank .... 224.00 Dortmunder-Union C. . . 73.50 Dresdner Bank . . 140.70

Tendenz: ruhig.

Kursberichte

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

e. 29. Mai. 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 122.00 Elektriz. Schnckert . . . 109.00 Eschweiler Bergwerk . . 220.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 193.00 Hamburg- Amerik. Paket!. 128.50 Harpener Bergwerk. . . 206.25 Laurahütte...... 224.20

Nordd. Lloyd.....115.30

Obeischles. Eisen-Industrie 108.10 Berliner Handelsges . . 150.75 Darmstädter Bank 129.20 Deutsche Bank . . . 223.60

Deutsch-Asiat Bank . . 154.00 Diskonto-Kommaudit. . . 168.80 Dresdner Bank . . . 140JO Kreditaktien..... 205.90

Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 81.75

Gotthardbahn . . . ..

Lomoard. Eisenbahn . . 21.75 Oesterr. Staats Dahn . . . 144.30 Pnnce-Henri-Eisenbahu . 133.50

l Mai. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 206.20J Laurahütte ..... Lombardei! E. B. ... 20.60 Nordd. Lloyd.....114.80

Türkenlose . ... 139.70

Wasser- 7Derleibanftalt dichte Sundheimer&StPiipp

pro qm uud Woche 10 Ps. Frankfurta^vt*llrv«/«