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29.5.1907 Erstes Blatt
 
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Nr. 123 Erstes Blatt 157. Jahrgang Mittwoch 29. Mai 1907

Erscheint täglich «er« a a. Ä Bezugspreis:

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SB General-Anzeiger für Oberhesien WW ^«uzeiger G^ctz^n." Rotafionrdrnck und Verlag der vrühl'fchen Uni? vuch- und $M.$nöru(fere?. F. Lange. Heöaftion, Expedition und Druckerei: Zchnlftrahe 7. ^^enlexl'"^a^s Beck

£ie veutige Dummer umfaßt 10 Seiten«

Aer neue Kcgent von Nrauusa-weig.

Johann Albrecht von Mecklenburg, der am Dienstag zum Regenten von Braunschweig gewählt wurde, steht im 50. Lebensjahre. Er ist seit 1886 mit der vier Jahre jüngeren Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar, einer Vatersschwester des regierenden Großberzogs, vermählt; die Ehe ist kinderlos geblieben, was in den Augen der braun­schweigischen Welfen als Vorzug gelten dürste, weil damit die Gefahr der Begründung einer neuen Dynastie unter dieser Regentschaft aus dem Wege gerückt ist. Herzog Johann ist übrigens zurzeit, solange aus der Ehe seines Ressen, des regierenden Großherzogs von Dtecklenburg-Schwerin, mit der Prinzessin Alexandra, Tochter des Herzogs von Cumber­land, noch keine itinber hervorgegangen sind, auch der nächste Anwärter aus den Thron des obotrttischen Großherzogtums, da sein älterer Bruder, Herzog Paul Friedrich, durch seinen Uebertritt zum Katholizismus, dieser Anwartschaft verlustig gegangen ist. Bekanntlich ist das Anrecht Johann Albrechts als Verpflichtung bereits praktisch geworden, da der Herzog von 1897 bis 1901, während der Minderjährigkeit seines Reffen, die Regentschaft für ihn geführt hat. Richt zum wenigsten seine Erfolge in dieser Tätigkeit werden den Blick der Braunschweiger aus ihn gelenkt haben; wenn auch so manches von den Geschieh tchen, die zu seinem Ruhme als Regent erzählt werden, zum eisernen Bestände mon­archistischer Anekdoten gehören mag, so viel bleibt immer davon übrig, daß der Herzog das aus verschiedenen Gründen nicht leicht zu hütende Erbe seines Bruders Friedrich Franz 1IL mit Geschick und Glück verwaltet und seinem Ressen nicht nur ungeschmälert übergeben hat. Sind aber seine Verdienste um fein Heimatland nur in dessen engerem Bereich ui.d darüber hinaus nur einigen Wissenoen belannt, so hat sich Herzog Johann Albrecht in weiten Kreisen Ge­samtdeutschlands durch sein überall sichtbares Wirken an her Spitze der deutschen Kolonialgesellschaft ausgezeichnet, deren Vorsitz er, mit einer Unterbrechung durch die vier RegentschastSjahre, seit 1895 führt; ziemlich ebenso lange gehört er dem Kolonialrat an. Hier hat er sich als Mann von Weitblick, den er auf weiten Reisen geschult hat, und von Unternehmungsgeist bereits zu einer Zeck bewährt, wo der koloniale Gedanie noch keineswegs voltsiümlich war, und außerdem an den Tag gelegt, daß ihm so schwer vereinbare Herrschergaben wie gemütvolle Freundlichkeit und zielsichere Entschiedenheck gleichzeitig innewohnen. Des Lobes seiner Persönlichkeit ist ein j.eder voll, der ihm in dieser Tätigkeck' näher getreten ist. So darf Braunschweig begründete Hoff­nungen auf dieses neueProvisorium" setzen, dem doch wohl eine ziemliche Dauer bevor steht. Die Regierung des Landes wiro unter einem Manne, der für alle Forderungen modernen Lebens einen offenen Sinn hat, sicherlich nicht schlecht fahren, die Hofhaltung unter einem Fürsten, dessen persönlicher Liebenswürdigkeit die Zurückhaltung seines Vorgängers fern liegt, und dessen Gattin die Ueberliefe- rungeu ihrer kunstliebenden Heimat mit Wärme pflegt, zu neuem Leben erwachen, das bei dem Reichtum des Regenten­paares zweifellos auch Handel und Wandel die lang ent­behrte Förderung bringen wird. Die ausgleichenden Mo­mente aber, die in dem Wesen wie in den persönlichen Beziehungen des neuen Regenten liegen, werden das ihrige dazu nm, um den unerquicklichen Streit, der das Herzogtum nun schon seit langen Rtonaten in zwei Heerlager scheidet, zu begraben und die Wunden zu heilen, die er geschlagen hat.

lieber den zukünftigen Regenten entnehmen wir derR. G.-C." noch nachstehendes:

Grost, schlank, da§ längliche, etwas blasse Antlitz nur von einem dünnen, hellblonden Schnurrbarre geziert und das Haupt mit aufsallenh hoher Stirn etwas kahl, so präsentiert sich die äußere Erfcheuiung des Herzogs Johann Albrecht.Abi Mecklenburg", so nannten den Herzog seine Kameraden des Leib-GardL-Husaren-Ziegiments, dem er fast fünfzehn Jahre als aktiver Offizier angehörte. Koimnandeur der Garde-Husaren in Potsdam war damals der Prinz Wilhelm von Preußen, und so hatte der jetzige Kaiser den Regenten zum militärischen Unter­gebenen und trat ihm freundschaftlich nahe. Es ist zum Teil gewiß auf diese periönlichen Leziehungen der beiden Fürsten zu ein­ander zurückzuführen, daß der Herzog sich in der Folge mit voller Hingebung und ernstem Eifer der Förderung unserer kolo­nialen Interessen zuwandte, für die der Kaiser vermehrtes Ver­ständnis uiw gesteigerte Anteilnahme in arten Kreisen des Volkes erstrebte.

Tie äußeren Daten dcS Lebenslaufes des Herzogs Johann Albrecht sind mit wenigen Worten gegeben. Er kam am 8. Sep­tember 1857 in Schwerin zur Welt und ist der dritte Sohn des 1883 verstorbenen Großherzogs Friedrich Franz II., des Führers im Kriege gegen Frankreich, aus dessen erster Ehr mck der Prin­zessin Auguste Reuß-Köfiritz. Seine erste Erziehung erhielt er auf dem Vitzthu^nfcken Gymnasium in Dresden, besuchte 1878 die Kriegsschule m Metz, studierte Jura in Bonn und trat dann beim Garde-Husaren-Regiment ein. Bei den Potsdamer Husaren war der, .Herzog zuletzt Major vom Stabe.

Er schied aus dem aktiven Dienste aus, um 1895 die Wahl als Präsident der Teutscheti Kolonial-Gesellschaft anzunehmen. Roch in demselben Jahre besuchte er selbst Deutschlands be­deutendste Kolonie Ostafrika, und andere Reisen haben ihn, der vielleicht dermeistgereiste" deutsche Prinz ist, durch fast alle Länder Europas, nach, Asien und nach Rordamerika geführt.

In seinem militärischen Verhältnis ist er allmählich kns zum General der Kavallerie ^gestiegen. Die Universität Rostock er­nannte ihn, als ihren Förderer, 1901 zum Ehrendoktor in all ihren vier Fakultäten.

DerBraunschw. Landesztg." zufolge erklärte sich Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg bereit, die Deputation des Landtags am nächsten Samstag im Schloß Wckigrad zu em­pfangen.

, DieKöln. Ztg." meldet aus Berlin vom 28. Mai: Wie wck erfahren, loirD erst am 31. Mai oder 1. Juni eine Depu­tation ruier Führung des .Staatsministers v. Otto zu Herzog

Johann Albrecht zu Mecklenburg sich begeben, um feine Ent­scheidung entgegenzunehmen. Der Tag für den Einzug des Re­genten steht noch nicht fest. Die bisherigen Nachrichten über die Zeit des Einzuges beruhen aus Kombinationen.

Ter braunschw. Landtag hat übrigen^ dem viel angefeindeten St'atsminisler v. Ltw eine VertraucnS^undgib . ng zutcil we.den lassen. Herr v. Otto sprach daraus recht elegisch über daS ihm vielfach bekundete Mißtrauen und wünschte schließlich, daß eine gleiche Zeit der Regentschaft für das Herzogtum nicht wieder notwendig werde, sondern daß, wenn einmal die RegierungS- verhaltnisse des Herzogtums einer Neuordnung bedürften, diese Regelung aus Grundlage der Verfassung und der Thronfolge- ordnung für die Dauer erfolgen möge,

Tcr Königsgast aus Siam.

Ter interessante fremdländische Gast, dejsen Besuch in Deutsch­land bevorsteht, der König von Siam, er hat, wie jeder Ge­bildete am Schnürchen herzusagen weiß, den kurzen und be­quemen Namen Somdet Phra Paramendr Maha Thougkul Tschao Fa Tschula Longkom wird auch in der Reichshauptstadl einen würdigen Empfang finden, entsprechend den augen-hmeu Beziehungen zwischen Deutschland und dem hinterindischen ^taat. Dem veredelnden Einfluß der Kultur des Westens hat sich be­sonders Köitig Tschulalongkorn, so wollen wir der Einfachheit halber sagen, zugänglich gezeigt. Unter seinem Regiment mil­derte sich der in Asien übliche Tepotismus, und fürstliche Be­sucher aus Europi, so Prinz Heinrich von Preußen und meh­rere bayrische Prinzen, sanden in Siam die großartigste Gast- sreundschast. Deutschland hat dort keine anderen a.5 l>andclS- polilische Interessen, denen es natürlich von Nutzen ist, wenn dem Könige ebenso ehrenvolle Aufnahme im Bereich der deutschen Grenzen bereitet wird, zumal ihn die weitere Rundreise nach Paris führt, wo er außerordentlich gefeiert werden dürfte.

Tas an Siam durch die Nachbarschaft des unter fran­zösischem Schutze stehenden Kambodscha politisch interessierte Frankreich hat vor fürs em einen GebietSaustausch mit (Siam vollzogen uiü) bei diesem Vertrag ohne Zweifel das bessere Gesck-äst gemacht, woraus der Münster des Aeußeven, Pichon, denn auch nicht wenig stolz ist, zumal es seinen ersten staats­männischen Erfolg darstellt. Freilich hat Pichon dabei die Geschäfte Deutschlands zumteil mitbesorgt, denn das von Frankreich errungene Zugeständnis des Rechts zum Grunderwerb für ferne Bürger in ganz Siam hat ohne weiteres Wirksamkeit auch für deutsche Staatsangehörige, da den letzteren nach Artikel 23 des zwischen Deutschland und Siam ge­troffenen Abkommens die Teilnahme an allen, einer anderen Nation bewilligten Privilegien eingeräumt ist. Wahrscheinlich wird deutscherseits von diesem Recht Gebrauch gemacht werden: es ist jedenfalls zu wünschen, denn durch den Abschluß des Vertrages steigt das Ansehen Frankreichs in den Augen seiner asiatischen Untertanen, und weil darunter das chinesische Ele­ment stark vertreten ist, würde es die Autorität Deutschlands kräftigen, wenn die deutsche Gleichberechtigung mck Frankreich der­art zum Ausdruck gebracht würde.

Die Vermutung, Minister Pichon sei bei seinen Vertragsver­handlungen mit der siamesischen Regierung unterstützt worden durch die englische Tiploutatie in Bangkok, ist wohl nicht un- zutrefsend; sie macht den im Vertrage auch für Deutschland be­siegelten Gewinn erst recht erfreulich. Einen Kvnflikt nach Art des marokkanischen kann es in Siam nicht geben, denn gerade der vom Minister Pichon abgeschlossene Vertrag schützt Deutschland vor der Unterstellung, es gebe in diesem hinterindischen (Staat auf Landerwerb oder Vorherrschaft aus.

Ein Wort wäre noch zu sagen über die finanziellen Beziehungen Deutschlands zu Siam. Bei der letzten Etatsdebattt im Reichstag tadelte es der Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.), daß die Siamesische Staatsanleihe zur Zeichnung unb zum Handel in Deutschland zugelassen sei; die Sicherheitsgarantie für diese Papiere sei mangelhaft. Es ist nicht zu ersehen, warum die Anleihe Siams geringwertiger fein soll, als andere Schuld­verschreibungen des Auslands, die in wiederholter Auslage aus dem deutschen Geldmarkt angeboten wurden. Das kauflustige Publikum ist durch die Organe der öffentlichen Meinung zur Genüge unterrichtet davon, daß beim Erwerb ausländischer Fonds das Risiko im Vergleich mit den inländischen stets großer ist. Werin nun die deutsch-asiatische Bank sich vereinigt mit der englischen Hongkong- und Shanghai-Bank und der französischen Bank von Indo-China zur Uebernahrne einer Sia­mesischen Staatsanleihe von drei Millionen Pfund, so liegt da­rin doch wohl eine gewisse internationale Bürgschaft für die Käufer der Titres, die nicht ohne Wert ist auch in politischer Hinsicht unter dem Gesichtspunkt der gesamten ostasiatischen Politik. Gerade weil Deutschland festhätt am Grundsatz politischer Neutralität im lernen Osten, bedeutet sein finanzwirtschastlicher An­schluß an England und Frankreich gewiiscrmaßen eine Rückver­sicherung gegen politische Ueberraschungen unliebsamer Art. Je mehr Glieder an die Kette dieses Anschlusses gefügt werden, umso we­niger braucht man wohl Sorge zu tragen um die politische Zu­kunft von Deutsch-China. Deshalb ist grundsätzlich kein Wider­spruch zu erhebeii gegen die Oessnung des deutschen Geld­marktes für den Staatskredtt Siams, dieses von der Natur reich bedachten und kommerziell entwicklungssähigen Landes. Es wird dem Besuch des Königs Tschulalongürrn in Deutschland ja auch nichl gleich eine neue Anleihe folgen.

Im Hinblick schließlich auf das demnachstige Eintreffen ja­panischer Kriegsschiffe in Kiel darf dem unbedingt vertrauenswürdigen Gast aus Siam ein befoiiders freundlicher Willkommensgruß entboten werden.

Aus StaOt itnO Land.

Abdruck unserer durch Korrespoudeuzzeicheu kenntlich ge- »uachten Orgiualartikel ist nur unter genauer Quelleuaugabe (Gieß. Auz.) gestattet.

Gießen, den 29. Mai.

Personalnachrichten. Se. Königl. Hoh. der Großherzog bat am 25. Mai ds. Js. den provisorischen Lehrer an dem Lehrerseminar zu Friedberg, Lehramtsassestor Schassnit zum Oberlehrer an dieser Anstalt und den Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Bingen Friedrich Wenzel zum Oberlehrer an der höheren Bürger-(Mädchen--Schule daselbst ernannt. In den Ruhe­stand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Brauerschwend, Kr. Alsseld, Daniel Stein auf sein Nach­suchen, unter Anerkennung seiner ,nehr als 50jährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. Juni an, und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Ernannt wurde der

Gerichtsvollzieher in Hirschhorn Adam Botzlcr zum Gencyis- Vollzieher in Offenbach.

* * Das Großh. Hess. Regierungsblatt, Bei­lage Nr. 14, bringt u. n. eine Bekanntmachung, die Auf­bringung der Mittel zrir Bestreitung der Bedürfniffe der Landjudenschaft der Provinz Oberhefsen betr.

Hessischer Richterverein. Tie am Samstag zu Frankfurt a. M. abgehaltene und zahlreich besuchte ordent­liche Iahresversammliing deS Vereins beschäftigte sich u. a. nut einem aus Gehaltserhöhung bezüglichen Antrag, gegen den sich von verschiedenen Seiten Widerspruch über Zweckmäßigkeit u. s. ro. cmeS solchen Vorgehens zur da­maligen Zeit geltend gemacht hatte. Nach längerer AuS- fprache wurde ein siebcngllederiger Ausschuß gewählt, der bis zum Herbst einschlägiges Matena! zwecks geeigneter Ver­wendung desselben erheben soll.

Die Manöver des 18. 2lrmeekorps finden zum größten Teil in Oberhesten und den preußischen Kreisen Hanau, Schlüchtern, Gelnhansen bis nach der Gegend von Franlsurt und Offenbach statt. Wayrend die 25. (hessische) Division mehr in der Wctterau zwischen Hungen, Dlidda, Büdingen, Friedberg, Btitzbach, Lich il)c Brigade- und Divisionsinanöver abhält, ubt die 21. Division in der Gegend von Schocken, Gedern, Grebenhain, Freiensteinau, Schlüchtern, Birstein und Wächtersbach. Diese Divisions-Nranöver finden, vom 4. bis 16. September statt unb daran schließen sich die KorpS- mattöver in der Gegend von Gelnhansen, Hanau, Windecken. Am 19. Sept, gehen die Manöver voraussichilich zu Ende und an den nächsten Tagen ist die Entlastung der Reserve. Bemerkt fei noch, daß in den Manövern wieder eine Neuerung zur Ausführung kommt, em kriegsmäßiges Schießen gemischter Wösten. An der Uebung beteiligen sich Artillerie, eine Maschinengeroehrabtelllmg, Kavallerie und das Jnsanterie- Regiiucnt Nr. 116. Die Uebung wird in dem Gelände süd­lich Hungen zwischen Södel, Wölfersheim, Berstadt abgehalten. Die 49. Infanterie-Brigade (115er, 116er, 168er) übt vom' 4. Septbr. ab bei Hungen, Langsdorf, Münzenberg und Rockenberg.

"Nach einer Verordnung vom 6. Mai d.Js., den Radfahrverkehr betreife nd, sind auch -Schüler, welche das Fahrrad überwiegend als BeiörderuugSmillel zum Besiiche der in einer anderen Gemeinde oder ininbcfiens 2*, Kilo­meter von der Wohnung entfernt gelegenen Schule benutzen, von öev seither üblichen Slewpetabgabe benett. Den (besuchen um Be­freiung von ber Stempelavgabe ist eine Bescheuuguug ber Bürger­meisterei ober ber Potizelvehörbe ober bes Klassenlehrers beizu­legen. Gesuche müssen bis zum 1. Juli 1907 bei bein zuständigen Kreisamt eingereicht werben. Ist für Fahrraber, bie bisher steiuvel- psüchtig waren, vom 1. April 1907 aber vom Stempel beireit sind, ber Stempel für 1907 bereits entrichtet, so kann °/4 biejcs Betrages zurückvergütet werben. Ist für Fahrräder, deren Abgabepfltcht vor dem 1. April 1907 bestand, die aber vom 1. April 19u7 ab sleiupclfrei sind, der Stempel für 1907 noch nicht entrichtet, so wird > l/i des Jahressteuwels erhoben.

-o- Wies eck, 28. Mai. Mit Beginn beS neuen

Schuljahres wurde hier die 8. Schulstclle errichtet.

Hb. Gambach, 28. Mai. Der BäckerrnLifter unb Handelsmann Glintzer würbe heute früh verhaftet unb nach Butzbach in bas Haftlotal überführt. Es schwebte gegen G. schon seit längerer Zeck eine Untersuchung wegen IträsUchen Verkehrs mit seiner etwa 30 jährigen ledigen Stieftochter, die berecks zum zweitenmal Muttersreuöeit! entgegensieht.

? Bur kh ards, 27. Mai. Das hiesigeGemeinbe* Wirtshaus" erftnnb her seitherige Pächter K. Schmibt für 9990 Mk.

^Essolberbach,27. Mai. Währenb eines schweren Gewitters gestern morgen schlug ber Blitz in 5 Stangen der Telephonleckung unb zersplitterte sie; ferner fuhr ein Strahl in den Blitzableiter bes Wohnungsneubanes ber Domäne KonrabSbors. >

Bleichenbach, 28. Mai. Heute würben einem;' Gehilfen an einer Holzschneiberei zwei Finger ber rechten Hanb ab geb re hl. Ein unebenes Stück Holz wurde nicht glatt burchgeschnitten, fing an sich zu drehen uno in einem Augenblick waren ber britte und vierte Finger herausgerissen, daß sie nur noch an Fetzen Haut hingen. Dr. Hahn aus Ortenberg konnte die erste Hilse bringen.

X Burkhardsfelden, 27. Mai. Auch unser Dorf hat seit heute Telephonanschluß erhalten. Die öffent­liche Fernsprechslelle ist bei Heinrich Becker eingerichtet.

Homberg a. d. Ohni, 28. Mai. Unser Städtchen ist evangelisch, hat aber auch seit letzter Zeit eine kleine Anzahl Katholiken, meistens Beamte. Vorgestern, am kathol. Trei- faltigkeltSseste, wurde nun hier zum erstenmal kathol. Gottesdienst abgehalten. In entgegenkommender Weise' hat der evangelische Kirchenvorstand und Stadtrat den katho­lischen Mitbürgern die Friedhosskapelle zum Gottcsdienste überlassen. Rektor Schüler von Amöneburg hat den Gottes- dienst, welcher alle 14 Tage slatlfinden soll, übernommen.

Aus dem Vogelsberg, 28. Mai. Eine n a m - bafteVerteuerunghat das Brot erfahren. Während seither der vierpfündige Laib Brot 45 und 46 Psg. gelöster, ist der Preis ietzl auf 50 Pfg. gestiegen. Von alten anderen Verteuerungen ist diese bie einschneidendste; denn sie trifft empfindlich bie geringen Familien, die schon Fleisch ent­behren können, niemals aber Brot.

Darmstadt, 28. Mai. Se. Kgl. Hoh. der Groß­herzog empfing am 25. Mai u. a. den Fihrn. Gedult o. Jungenfeld von Wien, den Bürgermeister Tr. Dullo von Offcnbach, den ordentl. Professor Geh. Hofrat Dr. Beha g h.el, Rektor der Landesunioersität Gießen.