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23.11.1907 Erstes Blatt
 
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157. Jahrgang

Samstag

Erstes Blatt

General-Anzeiger für Gderhessen

int die nicht

freien Ser- für

fleläng Lir Handhabung Da: {yiut.uucufcn unter die Provinzial­direktion und beantragt, der Ausführung des großen Selzbach-

pclit:;dH* Gagc9fd?atu

Die Polenoorlage.

Die ^Kölnische Zeitung- meidet aus Berlin: Die Forde- ntng der Poienvoriage geht über L5O Riillionen hinaus. Die Zahl der jährlich angesetzten Ansiedler war im letzten Jahr doppelt so groß als unmittelbar nach 1902; dadurch sind die damals bewilligten 250 Millionen schneller aufge­braucht worden als erwartet war. Hinzukommt, daß in den letzten zwei Jahren durch die Umwandlung des vorhandenen deutschen BauernbcützeS in Renlengüter neue große, viele Mittel erfordernde Ausgaben erwachsen. Deshalb ilt zu er­warten, daß in der jetzigen Anforderung der Negierung wiederum wie im Jahre 1902 ein erheblicher, bestimmt zu normierender Anteil für den Anlauf von Domänen rind Forsten mitenthalten ist. Die geforderten Mittel können auch diesmal, weil es sich um dauernde verzinsliche Einlagen von Staatsgeldern handelt, nur durch Anleihen gedeckt werden. Eine baldige Verabschiedung der Vorlage durch den Land­tag ist wünschenswert, weil die Ansiedlungskommifsion bekannt­lich am Ende ihrer Mittel steht.

27N

Gk^cheint lägsich außer Sonnlagl

Dem tStiffcenet Anzeiger werden un Wechsel mit

; dem hessischen Landwirt die Siegener LamUlen- blätter inennul m bei Woche beißdeql und zweimal wöchentlich das Kreisbatt für den Kreis Sieben Ferulniech-An-

5 «Ullußi.d. Redaktion 112 Verlag u Expedmon 51 Mbirft« *üt Depeichen,

«UKW* «trtze».

herrliche Gärten

Hcrbstsonnenschcin über ihnen ruht. Eine eigene Weihe erhalten sie z. B. in Berlin noch dadurch, daß am Nachmittag Geistliche auf ihnen Ansprachen halten: bei gutem Wetter im Freien, sonst in der Leichenhalle.

Es fehlt in unserer realistischen Zeit nicht an Stimmen, die diesen Tolenkultus als wirtschaftliche Verschwendung bezeichnen als Schauspiel für die lieben Nächsten, ja wohl gar als Sport. Jedenfalls entsprießt er einem der edelsten Gefühle des Menschen, und daran sollte man unseres Bedenkens gerade in der sonst so kalten Gegenwart nicht rütteln.

23. November 1907

Bez u gSvrei sr

monatlich 75P^oterte!- ejAA lährlich Mk. 2.20. durch Abhole- u. Zweigstellen |m| * monatlich 65 Ps.; durch M die Bost Mk. 3. stertel-

(äbrl ausfcht. Beslellg.

.Äglw 3ctleiwret6: lofal 16'Bf., auSmärlS 20 Bfeuntg, r Verantwortlich

" für den poltnicbcn Teil:

& Anderion- 1. Feuille­ton und , Herrn ti(bte4e B ffiutfo; für .Staat u. Land- und .Gerichts-

besonders schön, wenn warmer

rung referierte Abg. Adelung. Der Antrag wünscht die Einbauung von Flutichleufen in unmitte.barer Nahe der Wehre, die Entschädigung b.r Triebwerlsoesitzer für die Tage, an denen die Schleusen gezogen werden, die alljälMiche Begehung dis ganzen Selzbcuchs zwecks Anordnung von etwa nötigen Aus- rauinuugvirjeiten durch die Kultu Inspektion unb die Unter-

gesunden haben. Die natürlich

Landwirischafttiche Berufsgenoffensch-lsten und das Kohltasyndikat.

Eine am Freitag ui Munnh^ün pa^rge..abre >amm- hing von Vertretern von 40 landw irisch a ft- u __ ______ __ _

lichen Berufsgenossen schäften aus dem Kreise regulierungsprostktes nicht eher näher zu treten, bis die vor- Mgnnheim-Heidelberg besprach u. a. die Ko h l e n n o t Leb-1 Genannten Wünsche erfüllt sind.

')ie Heutigeglrnnnwr umfaßt 18 Seiten. i . ...... i

SummungsbUb aus dem Zielchsrage.

Die erste Sitzung.

Berlin, 22. Nov. .

Wer heute um 2 Uhr den Kuppelfaal des hohen Kaufes I : betrat, konnte glauben, daß die letzte der Sitzungen der 1 1 fortlaufenden Tagung erst gestern gewesen wäre, so gänzlich : ? formlos vollzog jich die Eröffnung des neuen Tagungs- ; i ibschliiUes. 9hiT die Lebhaftigkeit der Begrüßungen und 1 ' yie Freude des Wiedersehens wies darauf hin, daß feit ver Vertagung ein längerer Zeitraum verflossen ist. Das Haus war, wie erfreulicherweise ja nun fast stets in dem Tiätenreichstag, recht stark besucht und zeigte bis aus einige , in den Ferien neu gewählte Herren die alten Gesichter;

nrn so interessanter war die Veränderung am Bundesrats- tifche. An Stelle des Grafen im Barte, der mit Beginn ; einer jeden Sitzung auf seinem Platze festgewachsen saß, als ob er noch vom Tage vorher dort säße, zeigt sich die elegante Gestalt des neuen Stellvertreters des Reichskanz

> lers, des für die kommende Blockprobe so bedeutsamen Ministers v. Bethmann-Hollweg. Mit ihm erschien, in seiner Aktenmappe ein noch ungedecktes hundert Millionen-Defizit,

1 Freiherr von Stengel und vertiefte sich sofort in ein Ge- ipräch mit dem Antiblockmann Herrn Dr. Spahn. Der Präsident widmete dem verewigten Großherzog von Baden unD den in der Sommerpause verstorbenen Abgeordneten einen Nachruf, und dann machte man sich an die reichhaltige Tagesordnung.

Es warennur" Petitionen, die zur Verhandlung standen und die gemeinhin wenig Aufmerksamkeit bei der großen Masse der Abgeordneten finden. Und doch be handeln sie zumeist Fragen, die für große Berufsstände und darüber hinaus für die Allgemeinheit von größter Bedeutung sind. Die sozialpolitischen Wünsche der Hand- | lungsgehilsen nach paritätisch ausgebauten Handelskam­mern/ Penfionsversicherung usw. führten zu keiner sach­lichen Aussprache, obgleich man kampfgerüstet die Herren Dr. Stresemann und Dr. Potthofs auf ihren Plätzen sah; nur die Vertreter der .Handlungsgehilfen von der Sozial- dcmokratie und der wirtschaftlichen Vereinigung traten auf oen Plan und fochten mit mehr oder wenigen freundlichen Bemerkungen ein Duell aus um die Priorität der Ver­dienste bei dieser neuen Sozialreform. Und dieses hin und her gab es dann-auch später bei einer anderen ähnlichen Petition um die Handelsinspektion, nur daß hier der Sozial­demokrat nicht den Namen Molkenbuhr, sondern hoch führte. Und als Herr hoch dann zum zweitenmal das Wort genommen hatte, befürchtete man bereits, daß der Präsident das Haus in eine gezwungene Hurrastimmung versetzen würde, indem er zum drittenmal Hoch riefe. Dieselbe Szene wiederholte sich noch mehrmals; zur Abwechslung war da das im Antiblock verbündete Zentrum der Widersacher der Sozialdemokratie, die den Herren Erzberger und Gies- berts ihre Sünden beim Berggesetz vorhielt. Zu sachlicher Höhe erhob sich die Debatte dann bei einer Frage, die in den Handwerkerkreisen seit einiger Zeit eine große Nollc spielt, nämlich der Forderung, den Zwangsinnungen das Recht zu verleihen, unter behördlicher Kontrolle Min­destpreise festsetzen zu dürfen. Dem Handwerker von rechts, dem Bäcker Nieseberg, trat ein Handwerker der Linken, der süddeutsche Schreiner Wieland, entgegen. Und mit Herrn Malkewitz kreuzten die Herren Gothein und Mugdan unter großer Aufmerksamkeit des Hauses die Klingen. Es war ein kleiner, ein ganz kleiner Auftakt zu der großen Block­probe, und das Hohngelächter aus dem Zentrum klang sehr demonstrativ, als die Abstimmung das aus früheren Tagungen gewohnte Bild einer kompakten Mehrheit aus der Rechten, der wirtschaftlichen Vereinigung und dem Zentrum gegen die mit der Sozialdemokratie stimmende bürgerliche Linke zeigte.

Der Einkaussvevein Mainzer Ko l o n i al w a re n n d^ ter hat cn die Kammer die Bitte gerichtet: 1. Bezüglich der Konsum- unb B e a m t e n-Be reine eine Heranziehung zu oen gleichen Steuern, wie die des Kleinhandels,, uuUr gtfe^ sicher Einmhr mg der Eintragspslicht, 2. einen Ausfall jever be- hördlick)en Begünstigung dieser Vereine gegenüber dem Kleuchandel und 3. ein Verbot für aktive Reichs-, Staats- uni) Gemeindebeamte einschließlich brr Offiziere und deren Ehefrauen an der Betei­ligung an solchen Vereinen zu bew.rken und endlich bezüglich Der Warenhäuser eine möglichst hohe Umsatzsteuer zu ver­anlassen. Hierzu erklärt die Negierung, daß sie gegen die Heranziehung der genannten Vereine zur Gewerbe- steuer nichts einzuwcrwen habe , und sie müsse die Unterstellung zurüctweisen, daß sie diese Vereine ir­gendwie begünstige. Sie müsse aber str.kte dus Ver­langen ablehnen, dahin zu wirten, daß den Ehefrauen der Offiziere verboten werde, in Kvnsunwereinen re. zu taufen. Be­züglich der Besteuerung der Warenhäuser erklärt die Regierung, Daß der Gemeindesteuer-Gesetzentwurf Gelegenheit geben werde, diese Frage näher zu erörtern. Zm Anschluß wurde von verschie­denen Seiten anerkannt, daß die Ver.^ellung der Mainzer Kauf­leute einen berechtigten Kern enthalte; ihre Abfassung fei aber recht unglücklich. Die Ausschußmchrheit ist nach dem Referat des Abg. Adelung der Ansicht, daß d.e in der Vorstellung gel­tend gemachten Gesichtspunkte nicht allgemein anerkannt luirbcn könnten unb schließt sich den Ausführungen der Regierung an, während die Minderheit zrvar auch nicht bas fefarfe Vorgehen gegen die Veamtenvercine billigt, aber doch entschieben weitere Aiaßnahmen zum besseren Schutze des Detailhaildels getroffen wissen will.

Aus SiaOt 6inO ütanö.

(ließen, 23. Nov. 1907.

Zum Totenfest.

Die evangelische Ltnche feiert am letzten Sonntag bc5 Kirchenjahres das Totenfest. Es fällt diesmal auf den 24 November und ist dem Wnbenfen der Verstorbenen gewidmet. Elnen solchen Tag als Fest zu bezeichnen, könnte befremden, aber der Volksmund hält daran fest. Offenbar fall damit der feierliche Charakter des Ltndenkcns hervorgehoden werden, weshalb man auch von einer Totenfeier spricht. Dieses Wort kommt der Bedeutimg des TageZ wohl am nächsten.

Einmal wenigstens im Jahr sich im Geiste mit den abgeschiedenen Angehörigen zu beschäftigen, ist in vielen Familien von attersher üblich. Es liegt ja auch so nahe, bei Dem Glauben an die Fortdauer der Seele nach dem Abslerben des Leibes die Toten nach wie vor als Familienniitglieder zu betrachten, die nur räumlich von den übrigen getrennt sind. Auf dieser Anschauung berilhen viele poelische Vorstellungen bei den verschiedensten Völkern. Danach sind die Seelen der Verstorbenen in der Familie anwesend, teilen deren Freuden und Leiden, beschützen die einzelnen Diitglieder usw. Ems Ausartimg dieser 2lnschaiiung durfte der trotz aller Aufklärung noch hier und da vorhandene Glaube an Gespenster fein an Seelen, die wegen auf Erden begangener Mlssetaten im Zenseits keine Ruhe finden.

Geburtstag und Todestag sind die natürliche Veranlaffung» der einzelnen Verstorbenen zu gedenken. Ihrer Gesamtheil gebeult die evangelische Kirche am Totenfest durch Gottesdienst, dessen Hauptbestandteil, wie ja auch bei anderen Veranlassun­gen, die Predigt ist, sowohl am Vor- wie am Spätnachmittag. Daneben vollzieht sich eine pietätvolle Familienfeier. Während des ganzen Tages, befonders ober am Nachmittag, wallen lange Züge, SDiänner und Frauen, m schwarzer Kleidung nach den Friedhöfen, um mehr oder minder kostbare Kränze auf den Gräbern teurer Angehörigen niederznlegen und daran in stiller Andacht zu verweilen. Tie sich hier offenbarende Pietät ist oft rührend. Mag eine Familie noch \o arm fein zu einem im äußersten Falle nur schlichten Kranze für das Totenfest reichen die Biittel immer. Rian hungert lieber, als daß man auf diese Betätigung der Liebe zu den Toten ver­zichtet. So verwandeln sich denn die Friedhöfe in spät blühende

** D ie Feier von Großherzogs Geburtstag wird von unserer Garnison in herkömmlicher Weise ge­feiert werden. Um 7.15 Uhr ist Wecken, um 9Vs Uhr Fest­gottesdienst in Gemeinschaft mit den Zivilgemeinden tu Der Stadtkirche (Die Preoigt wird von Pfarrer Schwabe gehalten) und in der katholischen Kirche. Hieran reiht sich um 11 Uhr ein Regnnenrsappell auf dem Hof der Zeughaus­kaserne. Am Nachmittag findet Festessen statt und am Abend feiern die Mannschasten den Geburtstag des Landes Herrn durch Kompagnieseiern in den verschiedenen Lokalen der Stadt. Der Zapjenstreich am Vorabend des Geburtstages sällt wegen des Totensonntags ans.

** Postalisches. Am Geburtstage S. K. H. des Großherzogs werden Lie Posischalter wie an Sonntagen ge­öffnet sein, die Bestellung der Postsendungen wirb einmal (vormittags) und die Brieskastenleerung in beschränkter Weise stattjindem

** Vom Großh. Hof. Die Prinzessin Dorothea $u So lms-Lich traf am Freitag nachmittag zum Besuch un Neuen Palais ein. Die Atlerüschsten Herrfchajten be­suchten am Freitag abenn den Ball des Großh. Artillerie- Korps in der Bereinigten Gejellschast.

** Folgende gewerbepolizeilichen Revi-

Henchme w* Anzeigen - . « a & h

fin «otailonrdruS und Perlag der vrühl'fchen Univ.-Puch, und Stdn&rncfereL H tange, Redaktion, Expedition und Vruckerei- 5chn?str-ße r Anzeiaenieü^'d BeL

Berkehsr keine Deckung

sicherung zu übernehmen,

alle Fälle genau zu fixierenden Atodalitäreu feien sel-r günstig, die Prämie werde z. B. für landwirtschaftliche den Satz von 5 Mark pro Mille betragen. Die Regierung habe mit den Gesellschaften feinen direkten Vertrag abgeschwsten, wurde aber bei ihrem Einfluß auf die üi Hessen kouzessionierten Gesell­schaften für den befriedigens Abschluß der Versicherungen Sorge tragen können. Nachdem Abg. Dr. Frenay über die präge referiert hatte und eine Aussprache erfolgt war, erklärte sich der Ausschuß mit h'en RegierungsDarlegungen einvernanden. Die beiden Anträge find damit erledigt.

Uebcr den Antrag Wolf ntuetreff der Selzbachregnlie-

gesunden haben. Das fei aber bei dielen darauf zuruckzu- tüi/ren, daß sie sich garnicht darum bemüht haben, bei anderen, weck ihnen die Verficherang zu teuer sei. Von einerVer- ficherungsnot" könne man also in Hessen eigentlich garnicht sprechen. Die Negierung habe aber sich trotzdem um Die Sache bemüht, sich mit Dem V.rband der in Deutschland domizilierten Privatseueroeriicherungsgefellschasten in Verbindung gesetzt und Dann mit den in Zeisen zugelassenen Gesellschaften ein Ab­kommen getrossen, das am 1. D«ckir> 1908 in Kraft treten soll. Darnach wiro unter diesen Geseckschaften eine Verbindung hergeftellt werden, die unter gewissen Modalitäten die Verpflichtung übernommen haben, für alle Betriebe, die

l>aft wurde habet beklagt, daß das Kohlensyndikack den süd­deutschen Markt nicht mit genügenoen Kohlenmengen ver­sorge unb die vertragsmäßige Menge nur zum kleinen Teile abgeliesert habe. Als Ungerechtigkeit wurde insbe­sondere bezeichnet, daß das Syndikat an einzelne Gemein­den übe^aupt fast gar nicht liefere, trotz rechtzeitiger Be­stellung und gleichmäßigem monatl.chem Abrufe, während an andere Gemeinden der Winterbedarf vertragsmäßig ge­liefert werbe. Als teilweiser Ersatz würbe der Bezug von Braunkohle cmpjohlen; jebenfalls habe sich in diesem Jahre gezeigt, baß bas Ko h le nf y n b i ka t, bas ben Kohlen- martt in Süddeutschlanb fast ganz beherrsche, seiner Aus­gabe in keiner Weise gewachsen wäre und rück- lichtslos ben Konsumenten im Stiche lassen, eine Gefahr, durch die die Negierung unb bie Oessentlicyleit gezwungen loerben könnten, energisch einzuschreiten.

Zur Lage in Portugal.

Die Nachrichten aus Portugal finb anbauemb ernstester Art. Die Behörden besaylen, daß alle Briese den Namen be^ Abfenders auf beut Umschläge tragen müssen. Fünf Offiziere des Landheeres, einer ber Marine, wurden eingcEertcrt. Der Platzkommandant von Lissabon hat ab» gedankt. Die Gärung im Heere wird immer b cf- eiger. Seit mehreren Tagen ist die Stadtgarde (1200 zu Fuß, 500 zu P,erde) in den Kasernen tonsigniert. Alle Kriegsschiffe, deren Bemannung Verdacht erregt, werden nach den Kolonien beordert. Weitere 135 Verhaftungen erfolgten in ben letzten Tagen. Die beschtagnahmien Dyna- mrtbomben, teils fertig, teils in Vorbereitung, belaufen jich auf 124. Sämtliche Zettungen, drei ausgenommen, wurden unter Anklage gestellt. Ausländische Blatter wurden viel­fach gemaßregelt.

DieBoff. Ztb." meldet aus Madrid: Wie ber Korre­spondent derVofs. Ztg." direkt aus Lissabon erfährt, machte her Kronprinz Louis Phckipp dem Könige Carlos Vorstellungen über seine tyrannische Negie­rung. Daraufhin wurde der Prinz nach dem Schlöffe in Villavieosa verbannt, das einsam gelegen unb 1Q0 Meilen von Lissabon entfernt ist. Es herrscht unge­heure Aufregung im ganzen Reiche.

Mobiliarversichcrung-, LlonsumvereinS- und Ä-arenhausstenern.

Darmstadt, 22. 9cov. Die wichtige Frage der Dtvbi- larv er siche rung in Hessen wurde heute vormittag in der Sitzung deS 4. Dusschussüs, in der der Minister des Innern, Braun und Mcküfierialrat B e st anwesend waren, einer sehr eingehenden Erörterung unterzogen. Den Anlaß dazu Boten zwei Anträge der Abgg. Uebet und Ulrich. Der erstere bean­tragte, die Regierung zu ersuchen, den im Großt-erzogtum zugc- iaifenen Feueroer! icherungsanstatten die Verpflichtung aufzuerlegen, auch die Betriebe gegen Feuersgefahr zu versichern, deren Ver­sicherung sie seither wegen angeblicher erhöhter Feuersgesahc abgeletznt haben, bezw. faL5 sich dies nicht ermöglichen läßt, eine Gesetzcsoortage einzubrmgen, durch die die M o b i l a r v e r-- sicherung gegen Feuer von Stantswegen geregelt wirv. Der Antrag Ulrich will die Ltegierung um Vorlage eincs Gesetzentwurfs erinchen, betr. Einrichtung einer obligatori­schen staatlichen Mobilarversicherung. Eine nähere Be­gründung war beiden Anträgen nicht beigegeben. Bei der Be­ratung erklärten sich Die Negieru-Ngsoertreter gegen eine Ein­führung einer siaatlichen Mobilarseuerversicherung. Die Regie­rung l-abe zwar keine rechtlichen Bedenken dagegen, aber, ihre Durchführung wurde große finanzielle Schwierigkeiten darbieten; das Risiko würde zu groß und die Beitragsleistung für bie zu Versichernden zu hoch werden, schon wegen des dafür erforder­lichen großen Beauitenapparates. Im Gegensatz zur Jmmobilien- oeriicherung wechsele die Ä-cobilarversicherung häufig und biete deshalb größere Schwierigkeiten dar. Wenn aus djeseu Gründen die Mobilaroersicherung nicht obligatorisch für Hessen durchführ­bar fei, so fei natürlich an eine sakutative Versicherung erst recht nicht zu benLn. Tie Negierung habe sich über die Bedürf­nis frage mit Den Handelskammern, Den Handwerkskammern und der Zentralstelle für die Gewerbe ins Benehmen gesetzt. Es stellte sich dabei heraus, ba^ at§notleibenDe Risiken" nur 53 vorhanden sind, die ein Mobilor im Werte von 1,100,000 Mark besitzen und meist aus Holzbearbeitungsfabriken, Zündl-olz- sabriken ic. bestehen. Der größere Teil dieser 53 Risilen könne aber nicht als direkt notleidend betrachtet werden, d>a es ihnen ja gelungen sei, sich zu versichern. Es blieben nur Betriebe mit 550,i-0O Mark Mobiliewmrt übrig, die keine Versicherung