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Mit mit der
Hrschetnl tSglich mit Aufnahme des Sonntags.
D« .»Gtetzener ZamtNendlätter" werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das 'urelrvlatt für den Kreis Sietzen" zweimal ^Schentlich. Der „hesfische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
zu Worte kommt. r
Shakespeare entlehnte den Stoff zu seinem „Wmtcr- märchen" einer Novelle von Robert Gr-eene, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts in England sehr populär war und den Titel führte: „Panoosto der Triumph der Zeit; worin durch eine anmutige Geschichte dar getan wird, daß die Wahr-t heit wohl durch böses E-efchick verborgen sein kann, aber mit der Zeit doch, dem Geschick §um Trotz, ans Tageslicht fom« men muß." Die erste Ausführung soll nach dem Tage- Luche eines Dr. Simon Forman am 15. Mai 1611 int Globetheater in London stattgesunden haben. Nach allen Anzeichen entstand das Werk auch nickt viel früher. Wenn es also auch aus der letzten Periode des Dichters stammte so lassen doch so köstliche Gestalten wie z. B. Autolycus und die beiden Schäfer den Zweifel zu, daß man es hier wirklich mit einem Mterswerke zu tun hat.
Hermann Ste ingö hier.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße ?. Expedition und Verlag? 6L Redaktion*. 112. Teü-ALru An^eigrrGießew
Samstag 28. September 1907
Rotationsdruck und Verlag der BrühNchea Universttäts-Buch- und Sreindruckerei.
R. Lange. Gießen.
leiden. Die Ultramorlanen und Orthodoxen nagten an der freien Wissenschaft; deshalb mögen sich ihre Pläne zuweilen mit denen Althoffs gebellt haben; die Motive aber waren grundverschieden. Wir haben das „System Alt- Hoff" aus dem Rahmen des Lebensbildes dieses vielgeschäftigen und vielgewandten Mannes herausgegrissen, weil es gerade das Thema ist, das heute bei seinem Scheiden aus dem Amte von Mund zu Mund am meisten erörtert werden wird. Es ist verfrüht, schon jetzt ein abschließendes Gesamturteil über Friedrich Althofs zu fällen, denn vieles, wozu er den Keim gepflanzt, — wir erinnern nur an die so dringend nötige Reform der Mädchenschule — muß noch wachsen und reifen, ehe es an seinen Flüchten zu erkennen ist. Eines aber ist sicher: das preußische Unterrichtswesen verliert in Althoff einen Mann, der, großzügig und frei von bureaukratischem Vorurteil, seinen Platz auögefüllt hat wie selten einer.
politische CagesschML.
Das System Althoff-
Herr Althoff, der Skeptiker und Alleinherrscher, behandelte, so schreibt die „Köln. Ztg." anläßlich des. Rücktritts des Ministerialdirektors Althoff, den einzelnen Hochschulprofessor als Zahl und leicht ersetzliche Größe. Er maß die Fakultäten nicht an dem Matze, das sie verständlicherweise selbst anlegen, und sein Ziel war, Talente, bedeutende Männer in die Fakultäten hineinzubringen. Das war sein „System", das ohne weiteres dem verständlich ist, der Althoffs Wesen und Charakter kennt. Vor einigen Wochen gab Werner Sombart, einer der es kennen muß, in der „Neuen Freien Presse" auf die Frage nach dem „System Althoff" folgende treffende Antwort:
Ein großzügiger Realismus: die Kirnst, Dinge und 'Menschen zu sehen, wie sie sind und sie demgemäß zu behandeln. Darin liegt seine Größe wie die Größe aller Männer des praktischen Handelns. Es hieße die Wirkungskraft des einzelnen, und sei es der mächtigste, überschätzen, wollte man ihm zutrauen, eine eigenartige Entwicklung der Dinge selbst erzeugen zu können. Das „System Althoff" ist keine Ursache, sondern eine Wirkung. Und damit haben wir auch die Antwort auf die Frage gefunden: was denn nun kommen werde, wenn Althofs geht. Es gibt wirklich Leute, die glauben, die Professorenschast werde ich dann emporrichten zur Mannesgröße wie der Eichbaum, wenn der Sturm über ihn hintveggebraust ist; die glauben, die Universitäten werden von Sternen erster Größe bevölkert werden. Du meine Güte! Nichts wird sich ändern in dem „System". Im Gegenteil, nur schlechter kann es werden. Entweder es bleibt bei der Regierungsautolratie: daun wird der Nachfolger Althoffs immer ein Zwerg sein gegen einen Riesen. Oder die Fakultäten bekommen das Heft in die Hände. Wer aber meint, daß dann die goldenen Tage für die Universitäten anbrechen werden, der kennt unsere Professoren nur sehr oberflächlich. Das einzige, was sich ändern wird nach Althoffs Abschied, wird dieses sein, daß die paar hervorragenden Leute, die jetzt noch hie und da eine Professur bekamen, in Zukunft auch noch aus dem Bannkreise der akademischen Lehrer verschwinden werden, die dann ganz „unter sich" bleiben werden.
Weil Althoff also die Organisation der Universitäten mit andern Augen ansah als die meisten Hochschullehrer, geriet er bei seinem Tun und Lassen in Widerspruch mit ihnen. Er hat die Universitäten nach den Grundsätzen der „Staatsraison" geführt und beherrscht; darunter muß natürlich die traditionelle Stellung der Hochschulprofessoren
Angebot veranlaßt. Die Mühlen konnten ihren Bedarf nur decken, wenn sie die täglich steigenden Forderungen bewilligten. Was nun im besonderen Roggen anbetrisft, so ist in erster Linie zu bemerken, daß die vorjährige russische Ernte eine Mißernte war, so daß ihr Ertrag nicht einmal äusreichte, um den Bedarf der Bevölkerung Rußlands selbst zu befriedigen und der vielleicht noch nie dagewesene Fall eintrat, daß ganz bedeutende Posten nord- deutscken Roggens nach Rußland ausgeführt wurde und Deutschland selbst dadurch beim Uebergang aus der alten in die neue Ernte so stark von Vorräten entblößt tour, wie feit Menschengedenken nicht. Außerdem ist die diesjährige russische Roggenernte, die selbst nach der offiziellen Schätzung kaum dem eigenen Bedarf Rußlands genügen dürfte, tatsächlich sicher nicht einmal so groß, als biet Schätzung annimmt, sonst hätten wir bei den außergewöhnlich hohen Preisen doch jetzt gleich nach der Ernte wie iw 'onstigen Jahren ein größeres Angebot, während im Gegenteil schon seit der Ernte so gut wie nichts von Rußland offeriert wird. Zieht man noch in Betracht, daß auch, Rumänien in diesem Jahre nahezu eine Mißernte hat, daß ferner außer dem Einfuhrbedarf Deutschlands auch noch derjenige Skandinaviens und Hollands durch Rußland unbefriedigt bleibt, so erscheint die durchlebte Preissteigerung war natürlich und berechtigt; es ist selbst mit der Möglichkeit einer weiteren Steigerung zu rechnen, toenw auch durch die inzwischen eingetretene bessere Witterung: die früher aus Norddeutschland laut gewordenen Befürchtungen für die Kartoffelernte sich nicht bewahrheiten.
In Leipzig hat übrigens eine Versammlung der Bäckermeister beschlossen, um Aufhebung der Paragraphen 73 und 74 ter Reichsgewerbeordmung! zu petitionieren uub die Reichsregierung zu ersuchen, zeitweilig die hohen Getreidezolle aufzuheben oder zu ermäßigen, da eine weitere Steigerung der Brotpreise fonft\ unvermeidlich sei.
Psychologie im Oerichlssattl.
c>n München findet zurzeit ein Prozeß um den Mord im irkus statt. Die Vorgänge, um die es sich hierbei handelt, -innern .ebhaft an die Schilderungen gewisser Kolportage- nnane, bieten aber sonst nichts von Interesse. Wir haben
diesem Grunde davon abgesehen, den Prozeßbericht zu -Öffentlichen. Im Verlaufe dieses Prozesses hat sich nun der doch ein Vorfall ereignet, der es verdient, näher beachtet zu werden. Es wurde nämlich eine Zeugin ver- ommen, die früher im Zirkus Bavaria in München, wo der i-tort vorgekommen ist, angestellt gewesen war. Wie üblich, -aate der Vorsitzende auch nach dem Vorleben der Zeuain:
Bors.: Sind "Sie damals in nähere Beziehungen zu dem lngeklagten getreten?
Die Zeugin schweigt.
Der Vorsitzende wiederholt die Frage.
Zeugin: Ich bin jetzt verheiratet und möchte nicht darauf
Vors.: Wer damals waren Sie doch nicht verheiratet? ,
Bert.: Ich lege au fdie Frage kein Gewicht und bin bereit, arauf zu verzichten. Ich möchte nur bitten, festzusiellen, ob cäederhofer irgendwelche Aufwendungen für die Zeugin ge-
Zeugin: Er machte niemals die geringsten Aufwen- ungcn für mich. Selbst als er mich im Juni 1904 in Ham- urg wieder aufsuchte, — es handelt sich hier um die Reise, ie der Angeklagte unmittelbar nach dem Verschwinden »endschels nach Berlin und Hamburg an getreten hat — selbst a sind wir höchstens einmal mit der Elektrischen nach dem Zark hinausgesahren. Mer sonst hat der Angeklagte nicht inen Pfennig für mich aus gegeben.
Bert.: Wollen Sie uns Auskunft geben, ob Sie in München außer mit dem Angeklagten noch Beziehungen mit atberen Dtännern hatten?
Zeugin: Ich verweigere darüber die Auskunft. Ich in verheiratet und werde keine Angaben machen.
Bert.: Sie müssen aber hier aussagen, Sie sind dazu gesetzlich verpflichtet. Wenn Sie nicht aussagen, werde ich 'ozug nehmen aus Ihre Briefe, die bei den Akten sind.
Bors.: Ich denke, wir können auch aus diese Frage ver- ichten, ich halte sie wirklich nicht für so wichtig.
Man kann sich leicht crJmalen, welche furchtbare Seelen- ,ual die Zeugin bei diesem Ausfragen erlitten haben muß. ^ie ist jetzt, wie versichert wird, eine achtbare Frau und uit einem angesehenen Manne verheiratet. Warum nun Hefe» Aufwühleir alter, längst vergessener Geschichten, dieses chonungslose Aufreißen alter Wunden?. Im weiteren Ver- aufe der Verhandlungen ergab sich in dwsem Falle, daß die Aussagen und die Briefe der Zeugin für den Prozeß selbst richt von Belang gewesen sind. Wozu war es da mm .tätig, ans Licht der Oesfentlichkeit zu ziehen, was für bte Mssentlichkeit nicht von Interesse ist? Wenn es nun dem dichter aber doch unumgänglich notwendig erschien, das ^or- eben dieser Zeugin klarzustellen, warum geschah es nicht n schonender Weise wenigstens unter Ausschluß der Oesfent- ichkeit? Ist es nötig, aus solche Weise das Lebensglück und • ie Lebensexistenz eines Menschen aufs Spiel zu setzen, der ms, Unglück ^gehabt hat, mit einem Angeklagten irgend wann :immal ir: Berührung gekommen zu sein, aber mit dem zur Verhandlung stehenden Verbrechen selbst nicht das Mindeste •,u tun hat? Wie manche Verbrechen würden heute leichter and schneller aufgeklärt werden können, wenn die Behand- LuncpT der Zeugen, vor Gericht mit gebührender Schonung erfolgten. Die Scheu mancher Menschen, vor Gericht als- Zeugen zu erscheinen, ist nur zu natürlich. Ndan will doch als Zeuge nicht wie ein Verbrecher behandelt werden. Psychologie im Gerichtssaale ist sicherlich eine gute Sache, und baß unsere deutschen Richter so gew.ssenhafc alle durch die Wissenschaft gegebenen Hilfsmittel anwenden, um ein Verbrechen aufzuüaren und alle dNotive des Verbrechens zu verstehen, das stellt sie allein schon turmhoch über jeden anderen Richterstand. Die Gewissenhaftigkeit, die Unbestech- 1 ick)leit, die Ehrlichkeit der Ueberzeugung der deutscyen Richter wird rein MEnsch-anztoeiseln dürfen, und auch die sozial- demokratische Presse, die mitunter von Klassenjustiz spricht, glaubt im Ernste wohl selbst nicht daran. Was unseren Richtern aber häufig fehlt und was wicht mit Unrecht be- tlagt wird, das ist ver Mangel an Verständnis für daS wirkliche Leben und die wirklichen Menschen; darum ist auch der deutsche Richter als Psychologe zu wenig Kenner der menschlichen Psyche. Mit dem starren Gesetzesparagraphen allein läßt die Welt sich nicht meistern.
Engländer nur deshalb die deutsche Sprache Erlernen, um tiefer in das Verständnis ihres großen Dichters ein*
Shakespeares Wintermätchen.
Dem Verfasser dieser Zeilen liegt eine Statistik von Shakespeare-Aufführungen an Bühnen deutscher Zunge vor, die sich über einen Zeitraum von 17 Jahren erstreckt. Bei 32 Stücken ergibt sich die stattliche Anzahl von 12 918 Aufführungen. Diese Ziffer spricht für sich und sie bestätigt die ja längst bekannte Tatsache, daß der große Brite in Deutschland einen größeren Kreis von Verehrern besitzt als in seinem Baterlande. Daß das deutsche Publikum und die deutschen Bühnenleiter im allgemeinen auch mit mehr Verständnis und Pietät dem einzigen Dramatiker gegenüber stehen, als des Dichters Landsleute, kann man besonders nach Kenntnis des Beerbohln Tree-Gastspiels in Berlin wohl behaupten.
Die größte Zahl von Aufführungen hat nach obiger Statistik „Othello" mit 1676 zu verzeichnen. An siebenter Stelle steht ein Werk des Dichteis, dem ebenfalls die Eifersucht als Motiv zu Grunde liegt, „Das Wintermärchen" mir der Zahl 857.
Daß oas „Wintermärchen" so zahlreiche Aufiuhrungen erlebte, könnte eigentlich Wunder nehmen, denn die grauenhafte Folgerichtigkeit des Othello, die jedes Publikum erschüttern muß, fehlt ihm.
Im „Wintermärchen" muß die Eifersucht des Leontes ohne Motivierung hingenommen werden und das Publikum wendet sofort seine Sympathie einzig Hermione zu.
Aber das Wert ist gar nicht als Schauspiel gedacht und führt nicht ohne Grund feinen Titel.
Im Märchen, das uns die Folgen grundloser Eifersucht und die phantasiereiche Lösung des Konfliktes vor-
Die Ursachen snr die Steigernng der Cetreidepreise.
Das Brot ist teurer geworden und es ist allgemein wohl auch bekannt, daß einer der Hauptgründe hierfür in der Steigerung der Getreidepreise zu suchen ist. Die starke Preissteigerung, die wir in den letzten zwei Monaten für alle Getreidearten erlebt haben, ist aber, wie der „N. Bad. L.-Ztg." von sachverständiger Seite geschrieben wird, einzig und allein durch das immer knapper werdende
bringen zu können.
— ' ‘ hlegel-Tieckschen Uebersetzung steht es wie
chen Bibelübersetzung. Beide sind wohl in einzelnen Unrichtigkeiten durch neuere Übersetzungen verbessert, in ihrer kongenialen Art aber von feiner nächst gend en erreicht worden. „
Das verhindert natürlich nicht, wirkliche Verbesserungen anzuuehmen. Für die hiesige Aufführung sind diese nach der von H. Ulrici redigieren Ausgabe der deutschen Shakespeare-Gesellschaft vorgcnommen worden. Die übriaen Aenderringen und Strictze sind unwesentlicher Natui^ und "derart gehalten, daß der Dichter selbst in erster Linie
führen will, treten die Personen in eine andere Beleuchtung und der britische Zauberer hat e5 leicht, uns in feinen Bau zu zwingen, sei's daß er tragische Akzente an- schlägt, sei's, daß er seiner Laune die Zügel schießen laßt.
Dem Geist der Dichtung wurde daher Gewalt angetan, als Franz Dingelstedt, dessen Bearbeitung noch heute von den meisten Bühnen benutzt wird, das Wintermärchen in ein Schauspiel um arbeitete.
Wenn auch die Dingelstebtsche Bearbeitung^.s Verdienst hat, das Werk auf der deutschen Bühne heimisch gemacht zu flauen, so fällt ihr doch manche Versündigung am Genie des großen Briten zur Last. So wurde z. B. das Shake- spearesche „Märckeiitand Böhmen" mit seiner (Seelüfte ans Pedanterie in em „Arkadien" umgewandelt; die Zeit als Chorus paßte nicht in das „Schauspiel" und mußte fallen usw. _ c , r, .
Schon die Meininger hatten dem Stucke, das sie in glänzender Ausstattung auf ihren Gastspielreisen mit sich führten, den Märchencharakter zurückgegeben und neuerdings hat Direktor Reinhardt am Deutschen Theater in Benin sich bei seiner Inszenierung von demselben Grundsätze leiten lassen.
Damit kommt auch die geniale ^a)legel-Tiealche Ueber- setzung wieder zu ihrem Recht. Wenn man die Dingel- städtische Bearbeitung oder andere Uebersetzungen nach der Schleoel-Tieckschen vornimmt, so hat man daö Gefühl, als ob man Selterswasser auf Champagner tränke. Nicht unverdient genießen Schlegel und Tieck als Uebersetzer so außergewöhnlichen Ruf. In kongenialer Weife sind sie der Sprache Shakespeares mit ihrem plastischen Formenreichtum gefolgt und'nicht umsonst erzählt mau, daß manche
Lic Borbilduug der Lehrer.
Aus unserem Leferkiris wird iur.3 geschrieben:
Daß der Lehrersland einer der wichtigsten in dem Organis-- mus eines Volkes ist, dürfte über jeden Streit erhaben sein Ganz naturgemäß gilt es deshalb, den künftigen Erziehern unseres deutschen Volkes die Ausbildung angebeiben zu lassen, die sie amt besten zur Ausübung ihres Berufes befähigt. Zwei Gesichtspunkte müssen den Weg zum Ziel weifen: Die Lehrer sollen Bildnerj des Volkes im weitesten Sinn werden, und es müssen jederzeit ausreichend Kräfte zur Arbeit an der Jugend der breiten Masse? vorhanden sein. Man könnte geneigt sein zu der Annahme^ die höchste Bildung sei dann auch die beste. Das stimmt in der Theorie, aber nicht in der Praxis. ,
Unsere höheren Schulen sollen entweder für ein Studium vorbereiten ober Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln, derew der kleine ober mittlere Beamte oder der große 5'taufmanch bedarf. Junge Leute, die es versucht haben, mit dem Abgangs-^ zeugnis einer solchen Anstalt in den Lehrerberuf einzutreten, haben es erfahren, wie viel ihnen zur Ausübung ihres Berufes fehlt, und wie sauer cs ihnen geworben ilt, die notwenoigen^ Kenntnisse für bie Staatsprüfung zusammen zu bringen, was ist ganz klar, ioeil biese Schulen leine Fachausbildung geben wollen und nicht können. Diese müßten demzufolge uet^ solchem Bildungsgang nachgeholt werden. , Die Unwerficht ianrt dazu nicht der Ort sein, sie dient lediglich der Wifiemchach um ihrer selbst willen, deren Nutzbarmachung für das Lebew erst in zweiter Linie kommi. Die Theologie z. B. will gar; keine Gcistlickfen erziehen. Doch da die Kirche ihre künftige^ Diener zu ihr schickt, damit sie die Wissenschaft kennen lernen,' leistet sie ihr willig diesen Dienst. Die Ausbilbnng der Geists lichen erfolgt auf dem Predigcrseminar. Eben,o steht cd mit den Juristen, die nach dem Studium des Rechts durch mechts- anwälle, Richter usw. in bereit Anwendung cingechhrt werden.' Auch bie Oberlehrer können sich auf der Uniberütat .nur dem Nachweis über den Besitz der erforderlichen Kenntnige holen; ihre Fachbildung erhalten sie in_ den Seminarten an höheren Schulen. In gleicher Weise müßten auch für bie ~cbrer des Volkes, wenn sie sich auf Realschulen die nötigen Stenntniiie erworben hätten, (Semir.allen bestehen, welche sie mit den Zähigkeit en ausrüsteten, bereu derjenige bedarf, der unterna-ten totlu Die Lehrerseminare müssen bestehen bleiben, nur,dürfte ihr ^ehr- plan eine Umgestaltung erfahren, mfefern er qu| bte Ausbildung des Lehrtalentcs gerichtet würde. Bet dieser Än-f ordnung könnten lebiglich die P r ä p a r a n d e n a n st a . t e n irp Wegfall kommen, durch Realschulen ersetzt werocrn ,
Ein Versuch, die Vorbildung der Lehrer in dieser Wem um» zugestalten, würde zeigen, daß der Plan verfehlt ist-


