Ausgabe 
28.5.1907 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Dienstag 28. Mai 1907

157. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 122

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag«.

Urtitel 92 der hessischen BerfassungS-Urkuude

arbeit. Ulti) einen Sf

Mannheimer Jubiläumstage.

Während der Jubiläumstage (31. Mai bis 4. Juni) wird

sie nichts mehr und nichts wenrger als ein Viehstall geworden. Der damalige Pächter des Gutes scheint, aller Romantik ab»

DieEletztver ZamNleoblätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, daS '.Krelsblott für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Der.Hesstsche tonbrolrt erscheint monatlich einmal.

Redaktion, Exvedition und Druckerei: Schul- stratze ?. Expedition und Verlag i 6L Redaktion: 112. Del.-Adr^ Anzeiger^ietzen.

RotaliorxSdruck und Verlag der vrüblichen UntverfttätS - Buch- und Viemdruckeret.

R. Laag«, Bietzen.

hL .26.

ringe n." der Regierung

eine zweite Rundfahrt der Fürstlichkeiten zur Besichtigung der Illumination der Stadt, die gleichfalls einen großartigen Ver­lauf zu nehmen verspricht. Da auch die Ausstellung an diesem Festtage in glänzender Beleuchtung erstrahlen wird, darf Mannheim wohl auf einen starken Zuzug von Fremden gefaßt sein. Auch Montag der 3. Juli wird für die Ausstellung ein großer Tag sein, da sich die Ehrengäste der Stadt zu einem Äbendfest in der Ausstellung vereinigen werden, die an diesem Abend an Beleuchtung, Feuerwerk und Konzerten Hervorragendes Meten wird. Für Dienstag ist die Einweihung des Jn- duftriehafens mit Festfahrt durch die Hasenanlagen in Be­gleitung einer etwa 40 Dampfer umfassenden Rheinflotte tor=* gesehen, und nachmittags wird auf den Rennwiesen ein Kinder- feil veranstaltet. Dienstag abend wird in der Ausstellung die Gasbogen-Beleuchtung der beiden Hauptalleen zu se^n jein. Außerdem finden mehrere Konzerte statt.

zur Beerdigung hier aufgebahrt. Alle diese Schicksale bedeuten jedoch nichts gegen das große Unheil, das dem mittelalterlichen Veteranen am 18. August 1864 drohte. Ta sollte die Kirche nämlich auf Abbruch versteigert werden.Na, aus der Ver­steigerung ist Gott sei Tank nichts geworden", versichert mir die Schließerin und läßt mich wieder heraus ins Freie treten.

Tie Sonne brennt heiß. Mit sperrweit geöffneten Schnäbeln ziehen die Gänse von der Weide heim. Im Teich, der hinter der Kirche trage im Sonnenschein seinen Mittagöschlaf hält, machen die Kröten heftig und plärrend: krack, krack. Ein Fohlen hebt neugierig den klugen Kopf über seine Barriere, guckt mich groß an und will mein Konzept fressen. Droben, an den Fenstern des Krankenhauses huschen die Schwestern und Kranken vorüber, winden noch rasch einige Blumensträuße, räumen dies und das weg. Denn heute kommen ihre hohen Gönner zu Besuch. Es währt auch nicht mehr lange, ba donnert eine Equipage über den Hof: Fürst Karl von Lich und sein Schwager, der Graf von Solms, eilen die altmodischen Treppen hinauf, und werden von den hn Ornat strahlenden Schwestern begrüßt. Der betreßte Rosselenker mit der ordengeschmücklen Brust ist hier keine Seltenheit mehr. Es> muß erst ein in den Flanken zitterndes, elegantes Automobil um die Ecke biegen, um Zuschauer mobil zu machen. Sogleich kommt die Dorfjugend in der Auto- staubwolke hinterher. Sie sind furchtbar stttsam und Harm, los, die Jungen, als gälten sie niemals die durchlöcherten Scheiben der Kvmturkirche zum Gegenstände unangebrachter Zielübungen gemacht. Sie treten oder stupsen sich höchstens verstohlen, als die inzwischen eingetrosfenen vierzehn Herren auf einem Rundgang um die Kirche beraten, wie dem liebel abzuhelfen sei. Dann treten die Herren, allesamt das' Johanniterkreuz auf der Brust, in ihr Heiligrum. (Prinz Eitel Friedrich, der ur­sprünglich auch Erwartet rouroe, hatte im letzten INomeitt wieder abgesagt.) Die schweren Pforten stöhnen in ihren Angeln und in Dem Augenblick, da das geheime Kapitel der Rttter beginnt, muß ich das meine schließen. Ich ziehe wieder meine Straße weiter, eilends weiter, denn über der Wetterau platzen jeden Moment die Gewitterwolken zusammen.Hoffentlich schützt doch ein Blitzableiter Kirche und Rittes, denke ich so vor mich hin. Darnach hatte ich ganz vergessen zu sehen. Und schuld daran war allein die Romantik.

8

diese starke Heranziehung eines staatl.chcxx Fonds jur ein privates Unternehmen nicht unterdrücken können."

Besonders auffällig muß diese Verquickung von amtlichen und privaten Interessen wegen der eigenartigen Form der Bericht­erstattung sein. Die Regierung erlegt ihren eignen Beamten, den wissenschaftlichen Teilnehmern der Expedition, Schweigepflicht auf zugunsten einer geschäftlichen Ausnutzung des Unternehmens durch eine Privatzeitung. Wenn da- Reich und wenn staatliche An­stalten wie Museen ufro. recht erhebliche Gelder für die Expedition beisteuern, so kann auch verlangt werden, daß über die Resultate dieser Expedition auf amtlichem Wege und zwar möglichst chnell Bericht erstattet werde.

Llbcrale Volksvereine.

In betKöln. Ztg." lieft man:

Aus Anregen von nati onalliberaler Seite sind in Mannheim Delegierte de-, nationalliberalen, des demokratischen und des freisinnigen Vereins zu­sammengetreten und haben sich dahin verständigt, in den Landgemeinden des hiesigen Wahlkreises liberale Volksvereine zu gründen, die keiner Partei a n g e g li e d e r t werden, sondern einem gemeinsamen Aktionsausschuß ku unterstellen sind. Für die gemeinsame agitatorische Tätigkeit sollen programmatische Richtlinien sestge,teilt wer­den, worauf dann die Organisation und Agitatwn in Angriff zu nehmen und eine enge Fühlung zwischen Stadt und Land aufrecht zu erhalten sei. Diese Llb- machungen sanden einmütige Zustimmung der Versammlung des freisinnigen Vereins zu Mannheim."

Hoffentlich setzt sich dieser Geist der Eintracht, der die großen Grundlinien der liberalen Weltanschauung melyr beachtet als die unterscheidenden Schattierungen, zum,Segen für die Gesamtheit, nicht bloß der liberalen Parteien, sondern des ganzen Volkes durch.

Wie ein Veilchen aus dem Verborgenen, ist.plötzlich in bie politische Diskussion des Tages über die neue hessische Wahl­rechtsvorlage der Artikel 92 der Verfassungs-Urkunde hineiu- getreten, der bisher so ganz in Vergessenheit gewesene kleine Satz aus der Verfassung vom 17. Dez. 1820, welcher in aller Bescheidenheit lautet:Die Vorbereitung zur Beratung (der Vor­lagen einer Kammer. Anm. d. Red.) geschieht durch gewählte Ausschüsse." Zu diesem Artikel ist unter dem 14. Juni 1836, also vor mehr als 70 Jahren, zwischen Regierung und Land- ftanben ein Ausführungsgesetz vereinbart worden, welches aus 11 Paragraphen besteht und geschaffen wurde,um die Vor­schrift des Art. 92 der Verfassungs-Urkundc hinsichtlich größerer Werke der Gesetzgebung auf eine zweck- müßige Weife zur Ausführung zu b

In diesem Gesetz wird zunächst im Art. 1 von

nafi9 iel^CIL S Mlbcill, Jloiu-aniaqejf »i*on euv.näL Ww. Lchrmaöcheu gesucht, juttenivteier. öeii^nffi.

umädcheu ode?HrätH vfiuten gesucht. Durch ytau ellberger.Lelteisw.d?.!,-

O S Ito dun aldbald -NWuLoLAt. dlhtll ___UJüU

eifrig gearbeitet wird. In besonders reizvollem Schmuck prangt die Straße bei den Denkmälern des Kurfürsten Karl Ludwig und des Großherzogs Karl Friedrich, die vom Landesherrn der Stadt Mannheim zu ihrem 300jährigen Jubiläum geschenkt und am 31. Mai enthüllt werden. Dort ist die Straße durch Archi­tekturbögen in eine Via triumvhalis umgewandelt. Auch die Denkmäler haben eine stimmungsvolle Umrahmung im Stile des 18. Jahrhunderts erhalten. Die Planken werden in einer ganz neuen Weise geschmückt, indem gewaltige Monumentalmaste mächtige Kränze tragen, die mitten über der Straße schweben. Während hier alls einheitliche Ausschmückungsfarbe ein leuch­tendes Rot gewählt ist, hat die Breite Straße durch Kolossalmaste, die mit Ruskus ailxb blauen Bändern geschmückt sind, ebenfalls einen einheitlichen Festschmuck erhalten. Im Kaiserring ist zur . Ausschmückung Orange gewählt.

Zur Teilnahme an den Jubiläumsfestlichkeiten werden die Großherzvglichen und Erbgroßherzoglichen Herrschaften zu einem siebentägigen Aufenthalt am 30. Mai (Fronleichnam) abends etwa 1/27 Uhr zu Schiff in Mannheim eintreffen und zur Be­sichtigung der Dekoration der Stadt am Sonntag, 3. Juni, nach dem Festgottesdienst in der Trinitatiskirche von dort aus eine Rundfahrt durch die Stadt ausführen. Am Nachmittag desselben Tages (V»4 Uhr) findet bekanntlich im Nibelungen- saal das große Hauptkonzert des Jubiläums-Musikfestes und um 7 Uhr abends eine Vorstellung im Hoftheater (historischer Einakterabend) statt. Hieran schließt sich etwa um 1/210 Uhr

8be"iS 87 n.

Mt

SW

WiiüTl to

---sE^rSwegM.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Johannitertag in Nieder-Weisel.

Von Carl Mathern (Frankfurt a. M.). "Nachdruck verboten.

Die Romantik sei heute eine seltene Blume... Ia$ ich einmal, glaube aber nicht. Allerdings, sie läßt ^ich nicht züchten wie Champignons oder Marvchal Nielrosen. trie wächst wild und will gesucht sein. So zum Beispiel auch in Nieder-Weisel. Obwohl man diesmal nicht gut drüberstolpern konnte. Schon aus der Ferne grüßte von Weisel herüber die Johannittrston- darte, das weiße Kreuz int roten Felde. No was ift da los?" fragten die Reisenden. Die Johanniter aus Hessen und Hessen- Nafsau hatten wie alljährlich ihren Ordenstag. Tas ist Nun zwar für die Weiseler Bürger längst keine Staatsattion oder Holzversteigerung mehr. Sie gehen wie sonst an der altertüm­lichen Kvmturkirche vorbei und tun dem Fremden gegenüber das Ereignis mit den Worten ab:die großartige Herren kämen heute". Sie ließen auf sich warttn die Herren, und ich sah mich derweilen einmal gründlich um. Da führt links von der Haupt- srraße ein holpriger Weg hinauf, vor den sich quer ein massiver breiter Bau schiebt. Früher wars ein Gut, das nach mannigfachen Schicksalen den Johannitern geschenkt wurde, die es in ein Krankenhaus umwandelten. Etwas abseits davon steht die so­genannte Komttirkirche, ein sehenswertes Denkmal romanischer Baukunst aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Allmählich ist das Kirchlein etwas altersgrau geworden, wenn auch den Sockel ringsum ein Mantel grüner Moose stetig zu verjüngen sucht. Die Basaltsteine sind porös wie wurmstichig, der Mörtel ist aus den Fugen herausgebröckelt und die Türgewölbe ächzen: wir wollen nicht mehr. Und doch, wieviel Winde und Stürme werden an dem allcsüberdauernden Gestein noch machtlos vorüber­rauschen! Viel jünger siehtS im Innern aus, öbwvhl es so kahl ist, daß man das Inventar in einem Atem nennen kann. Gerade der mangelnde Dekor aber muß den wunderbarsten Reiz in diesem intimen Raum geben. Ich möchte einmal für Augen­blicke so vermessen sein und als Ordensritter in einem der zwanzig schweren, eichenen Stühle sitzen, und hören, wie der Ordensmeister vorn am Tische, aus dem nur ein Fremdenbuch und ein schlichter Vergißmeinnichtstrauß geduldet sind, zu reden pnhebt. ...

Wie freudig mögen sich da die Gewölbe beeilen und über­bieten, den Worten einen tiefen, erhebenden Widerhall zu geben. Ein steinerner Altar, ein schwerer Schrank und zwei Ge­denktafeln, das ist der ganze schmuck. Unendliche Mühe kostete es aber, bis das Innere wieder so blank und sauber dastarxd, denn chs diese Kirche in die Hände der JohannitLr ton, war

£1. w

deutuna weroen dürfte. Tas Ministerium Ewald hat damit zweifellos einen sehr glücklichen Griff zu seinen Gunsten g> ton, denn es wird in den Bestimmungen aus dem Jahre 1836 nicht nur der Regierung ein viel nachdrücklicherer Einfluß auf die Geschäftstätigkeit beider Kammern in großen Fragen ein- geräumt, sondern auch die praktische De rständigungs- arbeit zwischen beiden Ständekammern sehr wesentlich ge­fördert und die bisher erfahrungsmäßig recht schwerfällige parlamentarische Gesetzgebungsmaschine in einen flotteren Schwung gebracht. Nach alter Gewohnheit hatte die zweite Kammer zum Beispiel "in der vorigen Tagung neben den vier ordentlichen Ausschüssen nicht weniger .als fünf Sonderausschüsse mit je 912 Mitgliedern bestellt,(für Wahlgesetz, landständrsche Ge­schäftsordnung, Landwirtschaftskammer, Gemeindeumlagen-, und Verwaltungsgcsetzrevision) deren Beratung dann auf viele Schwie­rigkeiten stieß, weil ein erheblicher Teil ber Mitglieder zugleich in mehreren Ausschüssen tätig fein sollte. Tie starke Zahl der Köpfe war auch keineswegs durch die vielen mit der betreffenden Gesetzesmaterie vertrauten parlamentarischen Fachmänner bedingt, sondern well jede Partei bis auf den Elctnüen Bruchteil ihr Stimmrecht im Ausschuß dokumentieren zu müssen glaubte. Ab­gesehen von der in dem Gesetz den Ausschüssen eingeräumten größeren Selbständigkeit und üjrer Ueberbaucrung in bestimmten Fällen wird man die besondere Bedeutung der Ausführungsbv- ftimmungen zu Art. 92 aber wohl darin zu erbltden haben, daß namentlich mit der Möglichkeit gemeinsamer Beratungen beider Kammerausschüsse ab ovo eine breitere Basis für em verständiges, friedliches und ersprießliches Zusammenwirken beider Kammern geschaffen wird. Hoffen wir, daß das neu entdeckte System der parlamentarischen Gesetzesvorberatung bei der Wahlgesetzvorlage von Erfolg gekrönt sein werde!

ZK die anläßlich

fernen (it

ücklwuW «* Kge zen wir auf [$5

arlEo HBwern.Fcau.

sEDlwniD"

O.fcOe.

hold, einen entschiedenen Sinn fürs Weltliche besessen zu haben. <__,____ ___ ~ ... . _ . ...

Später, als die (spuren dieser Profanierung gründlich hinaus- Mannheim ein herrliches Festgewand tragen, an dem bereits gesäubert waren, wurden die im Krankenhause Verstorbenen bis

politische Tagesschau.

Tie Afrikaexpedition des Herzog« Adolf Friedrich za Mecklenburg erhält einen nicht unbedeutenden Zuschuß aus öffentlichen Mitteln. Wie wir in der ,,Franks. Zta.' lesen, stehen für Die Bestreitung der Kosten 200 000 Mk. zur Verfügung. Der Herzog selbst, helfen Interesse, nach seinen früheren Afrika-Exkursionen zu ur­teilen, wesentlich auf die Jagd gerichtet sein dürfte, hat sich Inetau mit 25000 Mark beteiligt; der Rest ist von anderer eeile aufgebracht worden. So haben Berliner und auswärtige Museen und Institute erhebliche Summen beigesteuert, und das Reich hat aus feinemAfrilafonds" nicht weniger als 60000 Mark bewilligt, natürlich auf die Befürwortung des Vorsitzenden der landeskundlichen Äommiifion für die Schutzgebiete, der selber 10 000 Mk. hergegeben hat und sozusagenManager" der Expe­dition ist. Ferner bat 20000 Mk. eine Berliner Zeitung zur Verfügung gestellt, deren Verleger zufällig auch der Vorsitzende jener Kommission ist. Hierfür soll die Zeitung die ersten fort­laufenden Berichte über die Expedition erhalten. Dis wissen­schaftlichen Begleiter sind sämttich jüngere Fachleute der Botanik, Zoologie, Geologie und Ethnographie, die zum Teil von jenen Jnstlluten oder Museen gestellt sind; sie erhalten keinerlei Gehalt oder Entschädigung, sondern nur freie Reise und sind verpflich­tet, während der Expedrtion nichts über fie zu veröffentlichen und von ihren Ergebnissen erst nach Er­scheinen des Reisewerkes Gebrauch zu machen.

DieFranks. Ztg." bezweifelt, ob die wissenschaftlichen, ins­besondere die geographischen Ergebnisse der Expedition von großer Bedeutung sein merben. Als einer der wichtigsten Punkte steht auf dem Programm die fachmännische Erforschung der Vulkane im Norden des Kiwusees.

Namentlich mit Rücksicht hierauf dürfte der Zuschuß aus dem Afrikafonds so hoch bemeßen worden fein, hatte doch die erwähnte landeskundliche Expedllion die geologische Erforschung jener zum Teil noch tätigen Vulkane in ihrer ersten Denkschrift für eine der nächstliegenden wissenschaftlichen Sluf^aben in den Schutzgebieten erklärt." Nun sei aber zu berüchichtigen, daß der Geologe der Expedllion dieser wichtigen Aufgabe mit Rück­sicht auf oas Durchquerungsprvjekt des Leiters nur werde einige Wochen widmen können. Um so bedenklicher müsse man es deshalb finden,daß diesmal die sonst so knausernde Verwal­tung des Afrikafoitds so tief in ihn hineingegriffen hat. Denn höchstens für den dritten Teil der bewilligten Summe wäre es möglich gewesen, dort ein ganzes Jahr lang einen Geologen zu stationieren. Bedenkt man ferner, daß der Asrikafonds bezw. die landeskundliche Kommission für ethnographische Forschungen so wenig übrig faxt, die für die Schutzgebiete viel dringender sind als vulkanologische, und berücksichtigt man die oben ange­deutete ungewöhnliche Art der geplanten Berichterstattung übet die Expedllion, so wird man sein Befremden über

festgelegt:

Entwürfe von Gesetzbüchern oder sonstxgen größeren Werken der Gesetzgebung werden Wir jederzeit an beide Kam­mern der Stände zugleich bringen, jedoch dabei diejenige Kam­mer besonders bezeichnen lassen, welche sich zuerst mit ber Beratung und Beschlußnahme üoer einen solchen Entwurf zu befassen hat."

Dann bestimmt Art. 2:

Sobald ein solcher Entwurf an die Kammern gelangt ist, wird zu dessen Begutachtung von jeder derselben aus ihrer Mitte ein besonderer, aus fünf Mitgliedern bestehender Aus­schuß, nach den in der landständischen Geschäftsordnung rück- sichtllch der Wahl der Ausschüsse bestehenden Bestimmungen, gewählt ic." , m

Art. 3 führt aus, daß zur Gültigke't der Beratungen unb Deschlußnahmen jedes dieser Ausschüsse mindestens drei seiner Mitglieder anroefenb fein müssen re.

Die hauptsächlichste Bedeutung deS Gesetzes aber liegt xn den Art. 4, 6 und 9. Nach dem ersteren wird bestimmt, daß diese Ausschüsse, wenn sie die ihnen übertragene. Arbeit während der Dauer der Ständeversammlung, von der sie gewählt wur­den, nicht beendigen kömxen, zur Fortsetzung derselben auch nach cingetretencr Vertagung und Verabschie­dung der Stände versammelt bleiben und nur xm Fall einer Auflösung der zweiten Kammer die Arbeiten dieses besonderen Ausschusses so lange auszusetzen sind, bis von der Kammer wieder ein besonderer Ausschuß zu diesem Zwecke ge­wählt ist. Nach Verabschiedung ber Stände erlischt und runt bie Wirksamkeit dieser Ausschüsse, wie Art. 6 bestimmt,insofern Wir die Sitzungen derselben aufheben, oder, mit Vorbehalt der Wiedereinberufung der Mitglieder, einstweilen einstellen; sie haben sich lediglich auf die Prüfung des ihnen zugewiesenen Entwurfs zu bcsc^änken." Darm bestimmt Art., 6, daß die Beratungen der befonberen Ausschüsse in abgesonderten und in gemeinschaftlichen Sitzungen beider Aus- schüsse, in welch letzteren der Präsident des Ausschusses der ersten Ä'ammer und in dessen Behinderung ber des Ausschunes der zweiten Kammer den Vorsitz führt, bestehen sollen. Diesen Ausschußsitzungen werden ber ober die hierzu bestimmten Re­gierungskommissare beiwohnen, um die erforderlichen Erläute­rungen zu geben. Ferner wird noch festgesetzt, daß in den Sitzungsprotokollcn die Gegenstände der Beratungen und die kurz xnotivierten Beschlußnahmexx anzuführen und von beiden Aus­schußpräsidenten zu unterzeichnexx suxd.

Nach Artikel 9 endlich toirb über die gemeinschaftlichen Sitzungen ein Bericht versaßt, welcher nicht nxxr die überein- ftinrmaxben, sondern auch die abweichenden Ansichten der Aus­schüsse uni) Der einzelnen Mitglieder derselben enthält. Wexm die Stände zurzell der Fertigstellung des Berichts infolge einer Verabschiedung nicht mehr versammelt sind, so soll derselbe einst- iueÜcii im ständischen Archiv niedergelegt, und eine Abschrift davon an das Staatsministerium eingesendet,nach erfolgtem Wiederzusainmnxtritt der Stände aber, wenn Wir die Kämmern dazu aufforbem, daraus erhoben und ohne weitere Ber- weisuxxg an einen Ausschuß in derjenigen Kammer, welche sich zuerst mit dem Entwürfe beschäftigen soll, der Be­ratung und Beschlußfassung derselben imterwvrfen" werden. Tas Staatsministerium wird auch alsdann den Bericht bruden und an alle Mitglieder beider Kcmxmern axxstellen lassen.

Wir haben die einzelneix Bestimmungen des Gesetzes aus dem Jahre 1836 näher anführen zu sollen geglaubt, weil wix ber Meinung sirxd, daß eine Hervorholmxg aus der Vergessen­heit und die Stütze der Regierung darauf im Hinblick auf die neue Wahlrechtsvorlage auch für unsere ganze weitere par- lamentorifdje Geschäftsführung und namentlich für bie Beratung größerer Werie der Gesetzgebung" von sehr erheblicher Be-

jertertian. b. Cbcrrealjcb. ge'- briitl. Anfragen unter O cn Gießener Anzeiger erbet Bäckerei

zu vermieten.

idiiaer Vage eme «ackncl Ellen. Gmrichnmg nA Mm. UebernabnteM erst, bei HermannJ8M

Privat

UD/Ä____

Visitenkarten t rasch and billigst ßrübl'scbe Von-Vniümt Ortschaft erauWag zu Dcmtbien ftl. Angebote unter 03759 üehener Anzeiger erbeten. itb. Hrcaüein überomn ..Achmenuiu.cm.d.'Mck. tütl Anfragen unter (B772 Gtchener Anzeiger erbeten.

Aus Siadt und Land.

Abdruck nuferer durch «orrespoudeuzzeicheu kenntlich ge- machten vrtgiualartikel ist nur unter genauer Quellenangabe (Gieß. Auz.) gestattet.

Gießen, 28. Mai.

Zu dem Eisenbahnunglück von Schlangen­bad erfahren wir noch, daß auch Herr Daniel Heil und Frau aus Gießen zu den Verunglückten gehörten, indesien glücklxcherweiso nur mit leichten Verletzungen davongekommen sind. Rtehrere Verunglückte haben übrigens gegen die Unter­nehmerin der Kleinbahn Eltville-Schlangenbad, die Allg. Kleinbahn-Gesellschast in Berlin, Klage erhoben xvegen Sach­beschädigung und auf Erstattung ber ihnen auferlegten Aerzte- kosten. ES unterliegt keinem Zweifel, daß den Lokomotiv­führer, einen jungen Mann, der soeben erst ein Examen ab­gelegt hat, die Hauptschuld an dem Unglück trifft, daS im übrigen aber auch wohl verursacht wurde durch die Mangell Hastigkeit der Gleisanlage und ungeschickte Kuroenführung.

** Tas Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 13, enthält: 1. Bekanntmachung, bie für das Rechnungsjahr 1907 zur Bestreitung der Koxmnunalbedürfnisse der israellttschen Nellgtons- gcmcinbc Mainz zu erhebende Umlage betreffend. 2. Uebersicht der für das Rechnungsjahr genehmigten Umlagen zur Bestrextung der Kvmmunalbedürfniife in den Gemcindexx des Kreises Fried-, berg. 3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern für bad Etatsjahr 1907 'genehmigten Umlagen zur Bestrextung der Kommunalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreiies Alsfeld. 4. Nachweis der Befähigung zur Uebernahme eines Kirchenamts. 5. Berichtigungen. ~

* Unter dem NamenRheuma-Tabakolxn", Wird neuerdings ein angeblich aus der Tabakpflanze gewonnenes unschädliches Pslanzenprodurt" als Heilmittel vonwunder­barer Wirmng" beiGicht, Gelen kreißen und Rheuma", in den Verkehr gebracht und durch Veröffentlichung von Danksagungen ufro. angepriesen. Es wird in der Weise angewendet, daß das Mittel, ein Pulver, in Alkohol ausgezogen und mit diesem Aus­zug Umschläge auf die schmerzhaften stellen gemacht werden. Tas Rheuma-TabaLolin" ist nach den Untersuchungen des Pharma­zeutischen Instituts der Universität Berlin weiter nichts als Tabakabfall (sogen. Abfallgrus), welcher durch Zusatz eines wohlriechenden ätherischen Oels parfümiert ist. Tie Original- büchseRheuma-Tabakolin" (Inhalt etwa 100 Gramm) kostet 5 Mk.;Qualität II für veraltete, schwere Leiden" 15 Mk., die

ÄNiiij»