Ausgabe 
26.10.1907 Erstes Blatt
 
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ihn zu kennen und er würde dann vereidigt werden.

Nach den Erörterungen über den Entwurf zur Der fassungsabänderung wurde auch die Vorlage über die Land stände besprochen. Das Ergebnis der gemeinsamen Bk

Hut keiner von diesen es

dem Kaiser gemeldet? Harden : Die

mano ötc Integrität der Herren Eulenburg, Hohenau und Le- dreifache Entlassung markanter Hospersbnlichkeiten muss im engen

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Er möchte das Wort Gegenwart

nicht, das; es soweit kommt, ohne oaß er dazu erhält. Er bitte deshalb, daß ihm der Zeuge in

ratung, bei der namentlich Staatsminister Ewald die Au schauungen der Regierung darlegte, kann dahin zusammen gefaßt werden, daß die 1. Kammer wohl noch weiter au ihrem durch den Jniativantrag bezeichneten Standpun! * verharrt, sich aber im allgemeinen der Meinung der Regic rung anschließt und zu weiteren Verständigungsverhandlunge bereit ist. Zu positiven Beschlüssen kam es in der ui l1/* Uhr beendeten Beratung noch nicht und es dürfte dtt halb eine nochmalige gemeinsame Beratung anberaun "V werden. Zweifellos har die heutige Sitzung viel zu p Klärung der Sachlage beigetragen und die Aus sich l au eine endgiltige Verständigung zwischen beide Kammern wesentlich verstärkt, deren baldiges Zustand« kommen im Interesse unseres Landes von allen Seiten nu dringend gewünscht werden kann.

auch die Freunde des v__________ ,

zoller, den ber Kaiser duzte undWilli" nannte, den Graf

Moltke duzte, dem er ein naher Verwandter war, dieser Graf Hohenau gehörte zu den Dreien. Für mich genügt dieses. Diese vier Herren bildeten eine Gruppe, einen Kreis. Graf

seinen Besuch beim Fürsten E u l e n b u r g. Er gab an: ich habe ihm den Auftrag des Gerichtes ausgecichtel, er hat es aber abgelehnt, den Zeugen zu fehen, oder sich von ihm feiten zu lassen mit der Motivierung, der Zeuge könnte vielleicht behaupten, ihn zu kennen und er würde dann vereidigt werden.

comte auf seinen Eid nehmen, so werde ich beweisen, das; dieser Eid falsch ist. Hat man den Mut, die Frau v. Elbe des Meineides zu beschuldigen, so soll man sagen, welche Punkte falsch sind. Ich bitte das Gericht, sich von den menschlichen Qualitäten des Kreises, der den Kaiser umgab, zu überzeugen Fürst Bismarck hat den Fürsten Eulenburg als Päderasten be­zeichnet, was must Bismarck nicht alles gewußt haben und be­obachtet haben, wenn er das gesagt hat von einem Manne in der Stellung Eulenburgs. Harden: Zur Schonung ist jetzt keine Zeit mehr. Fürst Bismarck habe offen ausgesprochen:Ter Fürst Eulenburg ist ein Päderast"; an diesem Bismarckwort ist nicht zu drehen und zu deuteln. Bernstein: Tas Wort Bismarcks ist dreiviertel Beweis, daß dem wirklich so ist. Und was hat die deutsche Presse getan, als Harden seine Artikel voröfu milchte? Hat sie ein Hohngelachter erhoben? Sie hat zugestlinmt oder wenigstens die Sache mit allem Ernst be­handelt. Fm Monatsbericht des wissenschaftlich-humanitären Komitees hat Tr. Hirschfeld festgestellt, daß eine Beratung des Ministers von Bethmann-Hollweg und des Polizeipräfi- benten v. Borries wegen der Verfehlungen hoher Offiziere m homosexueller Beziehung ftattgeiunben hat und daß auch der Name des Grafen Moltke und der des Fürsten Eulenburg dabei genannt wurde. Warum ist gegen Tr. Hirfchfcld nicht Klage erhoben worden.

Tarauf berichtete Kriminalkommissar v. Treßkow über

alls innig befreundet. Tie Freunde des einen sind nun meist Freundes. Graf Hohenau, ein Höhen­

des Gerichts gegenübergestellt werde. Jetzt würde er ja vollkommen auf die Boshaftigkeit oder Gutmütigkeit des Zeugen cmgewiese. sein.

stündlichen Prosa hält er eine kuriose Umstellung der Worte für angebracht und bringt so Sätze fertig, wie:Meine Braut dich hab' ich genannt"!

Ter energische Fluß der Diktion aber, auch da, wo das Drama eigentlich auseinanderklasft, die präzise Cya- ralterschilderung, der unerwartet bedeutsame Schluß und namentlich die Gestaltung der wilden, gesühlsechten Bcrsabe, sie sind es, die dem Stücke doch eine gewisse künstlerische -Qualität verleihen.

Im kgl. Cchauspielhause zu Berlin ist das romantische Nitterschanspiel wohl an die 60 mal in Szene gegangen.

Kein Wunder, oeuu einmal ist die lekdeufchaftiiche Teil- nähme sur einegute Sache", die Ehrlichkeit des gut deut­schen Empfindens unverkennbar, und dann hat das Stück einen wunderbar starken, die Menge ansachendeu Atem, es empfängt uns wieder und wieder mit zündenden Hitze­graden. Bühnensicherer ist feiten ein deutsches Drama gestaltet worden. Und wir bewundern aufs neue die zielsichere Ähnungslosigteit des Dichters, der uns nicht wie ein Mann von 62, sondern wie ein Jüngling von 26 Jahren entgegen» tritt.

Direktor Steingötter hatte das Drama mit starkem Ge- sühl sur das dekorativ Wirksame ohne Aufdringlichkeit rnjzeniert. Mik der Darstellung hatten unsere Künstler die dritte große Aufgabe der neuen Spielzeit zu lösen. Dank umsichtiger und verständnisvoller Regie hatte das Drama im ganzen einen bedeutenden Erfolg auch bei uns. Die meisten Darsteller boten mit Recht mehr derbe Einfachheit als deklamatorisches Pathos. In Dekorationen und Kostümen gab es auch diesmal wieder viel Neues urw Schönes, zum mindesten Gefälliges, so zum Schlüsse ein recht hübsches altbayrrsches Städtebild. Die Gewänder der in Waldstein emdrmgenden Landsknechte blitzten in tadellosem Glanze- etwas mehr Realistik ivüre ja hier am Platze gewesen. ... /^TC Titelrolle spielte Helene Achterberg. Von prächtiger urwüchsiger Wildheit waren die ernsten Svenen ermut und wahr und übe^eugenb klangen dann die traa"

^vne, ganz durchglüht von starker indioioueller Letdenschastlichkeit. Diese sehr respeltable Künstlerin schon vermöge ihres tiejen, Herden und doch nicht des Wo >k lautes entbehrel^den Lrgaiis, die Gewalt der Rede und ihre Mast des Durchsuhlens einer dichterischen Gestalt jüchrt

Dr. Bernstein schon frühzeüig erschienen. Bernstein wie Harden machen wieder einen ruhigen und gelassenen Eindruck, dagegen sieht Gras ftuno v. Moltke sehr erschöpft aus. An beide Parteien sind zahlreiche Zuschriften und Telegramme eingegangen, die auf die Prozeßverhandlungen Bezug nehmen.

Bors.: Se. Durchlaucht Fürst Philipp Eulenburg ist zu heute geladen. Ist der Fürst hier? Tr. v. Gordon: Der Hausarzt des Fürsten möchte eine Erklärung abgeben. Sanitätsrat Tr. Gencrich: Ich habe den Fürsten nochmals untersucht. Er ist bettlägerig und ich habe ihm verboten, auf­zustehen. Tas gerichtsärztliche Attest wird in einer Stunde hier sein. v. Gordon: Wir wünschen jetzt die kommissarische Vernehmung, damit der Fürst mit dein Zeugen Bollhardt, der in ihm einen der Herren aus der Villa des Grafen Lynar wiedererkannt haben will, konfrontiert werden kann. Bern­stein: Ter Fürst glaubt, die Vernehmung errege ihn zu fehr seelisch. Sein Gesundheitszustand hindert ihn aljo nicht, dann ist es doch gleich, ob er in der Wohnung oder hier vernommen wird. Ich bitte jedenfalls die tominifsarifche Vernehmung erst am Schlüsse der Beweisaufnahme vorzunehmen. Wenn Fürst Philipp Eulenburg unter Eid in Abrede stellt, daß er homo­sexuell veranlagt ist, und daß er diese Veranlagung betätigt hat, so werde ich durch Zeugen den Beweis führen, dass diese. Behaup­tung unwahr ist. v. Gordon: Fürst Eulenburg ist körper­lich verhindert, hier zu erscheinen. Wollen Sie die Verantwor- lung dasür übernehmen, daß der Mann hier tot hinfinkt? Bernstein: Tie Sache steht für den Kläger sehr schlecht. Ter Graf hat mit dem Fürsten Eulenburg, dem Grafen Hohenau und Lecomte verkehrt, Gegen diese sino die schwersten Vorwürfe erhoben worden. Sie hätten also sofort geladen werden|fen. -

ordon: Es lag fein Grün.» vor, sie fofort zu laden, da anfänglich keine Rede davon war, daß Fürst Eulenburg Päderast sei. Nachdem gestern ein Zeuge das behauptet hat, muß dieser Zeuge mit dem Fürsten konirontiert werden. Bors.: Es handelt sich . zunächst darum, ob der Zeuge Bollhard vereidigt wird. Er sagte, er möchte den Eid erst ablege:., wenn er den Fürsten

gesehen hat. Es wird ihm anheimgeg. ", ob ihm der Fürst gestattet, ihn in seiner Wohnung zu sehen. Damit es unaufsallig geschieht, und dem Kranken nicht schaoet und damit es möglichlt schonend sich vollzieht, soll Kriminalkommifsar v. Treßkow den Zeugen begleiten. Bernstein: Es wäre denkbar, daß der Zeuge den Fürsten nicht wiedererkennt. Der Fürst hat, wenn er schuldig ist, das größte Interesse, nicht erkannt zu werden. ES ist eine Reihe von Jahren vergangen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß jemand, der weiß, daß er rekognosziert werden soll, und zwar in seiner eigenen Wohnung, den Tatbestand ver­dunkelt. Bors.: Tas Gericht behält sich ja noch eine Gegen­überstellung im Sinne des Prozeßverfahrens vor. v. Gor­don: Uebrigens ist ja Herr v. Treßkow dabei, der aufpassen wird, daß sich der Fürst keine Maske aufsetzt. Ich hätte Be­weis zu erheben darüber, daß Graf Moltke sich in edler Weise über die Frauen und die Ehe ausgesprochen hat. Ich bitte, dann einen Brief der Frau v. Elbe zu verlesen, worin sie erklärt, es tue ihr leid, daß es so weit gekommen sei, und in dem sie ihren Mann als gut und klug schildert. Dann darf der Prozeß nicht zu Ende gehen, ohne daß die Grafen Lynar und Hohenau vernommen worden sind. Sie sollen bekunden torß Gras Moltke nicht das Geringste mit Ihnen zu tun hatte' Bollhardt hat erklärt, es sei wahrscheinlich, daß Graf Molth an den Vorgängen in der Villa beteiligt war, an sich ist das ja ganz unwahrscheinlich. Aber der Verdacht ist auf den Grafen geworfen worden. Dieser Verdacht muß ans der Welt Tic beiden Grafen sind Ehrenmänner genug, so daß sie hier erscheinen werden. Ich bitte die Kriminalkommissare v. Treßkow und Äzi. Kopp zu vernehmen, die angeben werden, daß ihnen nichts Belastendes gegen den Grafen bekannt ist. Dann muß ich auf meinen Antrag zurückkommen, Se. Majestät zu ver­nehmen darüber, daß Gras Moltke niemals seine Stellung miß­braucht hat. Ter Graf hat mich als General gebeten, die Person des allerhöchsten Herrn unter keinen Umständen in die Debatte ziehen zu lassen. Harden: Ter Gedanke, Graf Moltke löiinc die Person des Kaisers politisch so beeinflußt haben, daß der Kaiser eS merkte, ist nicht ernst zu nehmen. Es wird bewiesen werden, daß Gras Moltke jahrelang an den Fürsten Eulenburg Berichte gesandt hat über das, was um die Person des Kaisers am Hofe geschah. Die politische Betätigung des Fürsten Eulen­burg ist notorisch. Tie Grafen Lynar und Hohenau werden nach dem, was von ihnen gestern bekannt geworden ist, wohl kaum hier vor Gericht erscheinen. Der Antrag sie zu laden, ist ein Versuch, den Prozeß hinzuziehen. Mann macht dann den Ver­such, die Aussage der Frau v. Elbe zu erschüttern. Ihre Aus­sage ist aber ein Komplex von ungeheuerlichen Begebnissen. Sie ist entweder im Ganzen richtig oder falsch. Geistig minder­wertig ist die Zeugin nicht. Tas wird auch Professor Schwen ningcr bezeugen, bei dem sie fünf bis sechs Jahre gemein hat. Man hat nicht behauptet, daß sie absichtlich falsch ausgesagt hat. Auch über die Frage der Vollziehung der Ehe wird Frau v. Elbe noch Auskunft geben müssen. Ich bitte die Eltern Ar Frau v. Elbe zu laden. Frau v. Elbe wird auch über die Mißhandlungen näher berichten müssen. Frau v. Elbe hat sich seinerzeit gegen die Scheidung gewehrt, u. a. weil auch der Kaiser Trauzeuge gewesen war. Bernstein: Wir werden uns die Ehescheidungsakten vorlegen lassen müssen. Will je»

sie zu starken innerlichen Wirkungen. Dein total begeisterten jungen Welser lieh Elemens Roden seine sympathische jugendliche Männlichkeit und heißesten Atem der Leiden­schaft. In einzelnen besonders schwierigen kleinen Mo- menten traf er mit überraschendem Glücke den rechten Ton. Dann wieder war er ganz schmetternde Wildenbruchtrompete. Seine lebendige Ursprünglichkeit ist noch von lauterster Frische und Naivetät, loh der treuherzigen Ehrlichkeit jugend- k-ühnen Draufgängertums. Das Flackerige seines Feuers, das noch ein wenig zu nah der Kulisse sich hält, wird ja wohl mit der Zeit verschwinden. Man inerkt hin und wieder noch zu sehr die Absicht des Wirtenwollens. Immerhin haben wir es doch sichtlich hier mit einem recht talent­vollen jungen Künstler zu tun, der es heilig ernst mit seiner Kunst meint und der den Flug zum Höcl)sten zu nehmen mit freudigem Jugendmute gewillt zu sein scheint. Die Borschußlorbeern, die ihm gestern gespendet wurden, mögen ihm ein Ansporn mehr sein zum Aufschwünge. Vorläufig fehlen ihm noch kraftvolle Sicherheit und rechtes Maß. Das aber wird ihm die Zeit wohl verleihen. Glückauf zu frisch-fröhlichem Weiterwagen und Jagen!

Ais ausgehungerter nuttelalterlicherAgrarier schuf B a k o s im engen Rahmen des 1. Aktes eine fesselnde Gestalt, rauh un Leben, rauh im Sterben, ganz marlrge Männlichkeit, die wir von anderen ähnlichen seiner vortrefflichen Leistun­gen her kennen. Härter und herber, als mans wohl als Zuschauer möchte, do chgetreu den szenischen Anweisungen ^^s Dichters, gab Gareis den alten Welser, mit einer Bär­beißigkeit von nicht immer ganz freiwilligem Humor. Helene Schumann spie.le ganz angeme.s.n die Mutter Weiser,Luise Bon e dagegen war als fromme und gottselige Dietburg doch keineswegs am rechten Platze. Die unsympathische steinerne Jungfrau von Nürnberg" hatte Küte Eardunq tzU vertreten, sie fyatte sich mit Entsagung der undankbaren Aufgabe unterzogen, aber hätte sie ein wenig die.über- harten Farben der dichterischen Figur gemildert, statt sie nach Kracken noch zu unterstreichen, dann wäre ihre Auf­gabe biyf) lohnender erschienen.

Unter den Rabensteiner Knechten wußten Gsell Lotz und Fredy besser als v. d. Becke die derbe Treuherziakeit ihrer Rollen zu treffen; namentlich bot Gsell eine treffliche Eharatterfrgur. kleineren Rollen bewährten sich nocd

Schmidt-Pauly, Greifs und Hermine Gilzinger. PW

Inzwischen ist ein eigentliches Attest von Geri^tsrat Tr. Leppmann eingegangen, wonach dieser erklärt, daß der Fürst zur Verhandlung wegen feines Gefundheitszustandes nicht erscheinen könne. Das Gericht erklärt den Zeugen daraus für ent­schuldigt.

Es werden dann weiter Auseinandersetzungen gepflogen, ob eilt Kreis um den Kaiser bestanden hat. Harden: Tie Herren gehörten zusammen, Eulenburg und Moltke waren die Intimsten der Intimen. Lecomte und Eulenburg waren gleich-

2lu$ St«St iuiö Land.

Gießen, 26. Oki. 1907.

" Vom Großh. Hofe. Prinz Waldemar, dk Sohn des Prinzen Heinrich von Preußen, kam am Fceita nachmittag 4 llhr 50 Min. von Straßburg, wo er vc einigen Tagen an der Universität immatrikuliert wurde, in dem fahrplanmäßigen Schnellzug in Darmstadt an, murt von seiner Mutter un Automobil an der Bahn in Empfan genommen und nach Jagdschloß Wolfsgarten geleite wo er einige Tage verweilen wird.

** Das Wertzuwachs st euerge^setz wird « nächsten Donnerstag von der 1. Kammer beraten werdet

** Diebstahl. In verflossener Nacht wurden au einem Hausgarten an der Lahn von unbekanntem Tükt 12 Herrenhemden von der daselbst zum Trocknen au gehängten Wäjche gestohlen. Die kürzlich erst erlassei Verwarnung, Wäsche nachts nicht in Gärten hängen z lassen, hat anscheinend sehr wenig gefruchtet.

** Wie er sich rächt. Vor einigen Tagen erschic bei einer Familie hier ein junger unbekannter Mensch, d. Grüße von einem Verwandten brachte, anscheinend ab> ein Geschenk zu erlangen hoffte. Da er nichts erhiel bestellte er in mehreren Geschäften Waren jür die bet

Moltke mußte wissen, daß Fürst Eulenburg homosexuell ist. Von Lecomte wußte er es auch. Vom Grafen Hohenau will er nichts gewußt haben, von diesem Mann, der jahrelang in

Erpresserhänden war. Ich schone die Herren ja noch in

letzter Stunde, sonst lasse ich Ihnen Mitglieder des regierenden Hauses laden, die nur gesagt haben:Wollen die Leute es denn bestreiten? Sind sie denn wahnsinnig?" Graf Moltke hat sich den Nock nur damit erhalten, daß er die Unwahrheit sagte. Alles ist Lüge! (Höchst erregt) Seit Monaten lebe ich in biej/eii Dingen. Ich habe genug, ich tue es nicht mehr. Bernstein: Hohenau, Eulenburg und Moltke sind an einem Tage entlassen worden, sollen da ihre Entlassungen nicht in Beziehungen zu einander stehen? Hier entsteht ein unlös­barer Zufammenhcmg. Graf Moltke: Und ich habe von diesen Dingen nichts gewußt. Es ist iin allgemeinen nicht Sitte, daß man über militärische Intimitäten spricht, ich berühre sie nur soweit ich darf. Ich habe meinen Abschied eingereicht, unter der Motivierung, daß ich unter Verdächtigungen stände, die öfter nicht leicht zu beseitigen seien und es wäre bedenk­lich, wenn eine Persönlichkeit wie ich, in der Stellung, die ich damals einnahm, unter solchen Verleumdungen stehen würde. Tiese Verleumdungen, die nachher zurückgenommen wurden, haben mich gezwungen, meinen Dienst aufzugeben, der nur lieb war. Ein alter Soldat mit 42jähriger Tienstzeit hat nichts Süßliches an sich. Ich bin von Amt und Ehre gebracht worden und bitte das bei Bemessung der Strafe in Betracht zu ziehen.

Vor».: Sind Sie nicht gefragt worden, ob diese Verdächtigungen wahr ieicn? Graf Moltke: Ja, und ich sagteNein". v. Gordon : Ich bitte, den Staatssekretär o. Bechiuanir-Holl- weg und den Polizeipräsidenten o. Borrios zu laben, die bekunden, werden, daß sie gar keine Konferenz wegen des Grafen Moltke oder anderer Herren wegen homosexueller Beziehungen hatten. Wenn Bismarck glaubte, daß Fürst von Eulenburg l-omosexuell war, warum trat er nicht vor Se. DJlajeftat hin und sagte es ihm. Graf Moltke sollte seine Kameraden denunzieren, obgleich er von ihnen nichts schlechtes wußte. Graf Moltke: Ich erkläre nochmals, daß ich von dem Tun des Grasen Hohenau nichts wußte. War ich denn ein Denunziant im Hauptquartier des Kaisers? Ich hatte als Kommandant von Berlin anderes zu tun. Ich weiß nicht, was Graf Hohenau getrieben hat. Har­den : 2000 deutsche Offiziere wußten es. v. Go rdon : Warum

Zusammenhang stehen. Es war eine Gruppe, ein Kreis.

Moltke : Sie spielen mit Worten. Harden U^chst er reit Ich bin zu Ende gegen diese Beschuldigungen. Sie mußten dock ' wissen, weshalb Ihr Freund feine Stellung verlor. yTo 1 Moltke : Ich weiß nicht. Ich habe das Schriftstück nicht V. W sehen. Tas Gericht beschloß daraus, den Sachverständigen Tr e Hirschfeld darüber zu vernebmcn, ob er auf Gründ btr * bisherigen Verhandlungen ein Gutachten darüber abg^.-n fönn daß der Privatklager homosexuell veranlagt sei und sich homo-' sexuell betätigt habe. Bors.: Stellen Sie die Betündur- 1 der Frau von Elbe und Ihres Sohnes bauet als wahr unter - f Tr. Hirschfeld: Ich bin zu der wlssenschaituckm Ueberzcugu' 1 gekommen, daß beim Grasen Moltle objeitiu eine Abweichun * von ber Norm bezw. von den Gefühlen dec Mehrheit un Em pfindungsleden voruegt. Es liegt zweise.tos eine angeboi n f und ihm selbst ancy nicht bewußte Anlage vor, die man als hom - t sexuell zu bezeichnen pflegt. Ob er sich homofexueil betätig: tat, ut vom naturwissetuchaitlichen StarroprMcke aus nebenfächum * Cb gibt auch eine gewiße platonifche Munnerckebe. Die Home lexualität äußert sich un Verhalten von Personen des gutdxi t und des anberat Ge,chlechts gegenüber und durch das Hervor i treten gewßstr femininer bezw. manmcher Eigenia-aftcn. Ti.s 1 Dreiheit tritt bei dem Grafen v. Rkoltke zu Tage. Sie ist & 1 Tragik fernes Ehelebens. Durch die Tafchemucqfzenc, die Au l reden aus Briesen ufw. wird d^e homosexuelle Neigung erunefer c Bors.: Gibt es verschiedene Arten der Betätigung ocr Homo ßt scxualitat? Ist der Kuß eines Taschentuchs scyon em Bewe,, dasür ? Sachverst.: c s tann der An sang sein, ebenso wi f xuß und Umarmung. Es btauuji aber nicht so zu sein. Etn^ t lexuelle Betätigung iitdas aber mcyt. Dem Graien Moltke brauch! die homosexuelle Veranlagung der anderen Herren nicht beton in zu fein, da solche Herren sich uetd sehr geschickt cachiereu. L Jusnzrat v. Gordon ncllt feil, baß der Q>raf in Brcsiau mehrer. 1 aat/re hindurch ein Verhältnis hatte. Sachvern.: Trotzccm kann er honisiexuell fein. Vie.e töonrofexuelle palten sich sogar fc Jieiwmmicrmeiba. Andere heiraten ihrer Familie wegen.. vi Bernstein: Die Grasen Hol>enau sind verheiratet und haben sogar x , Kinder. Gras Nkoitke: ^ch will etwas jialcres über mein Brr-. hältnis zum Fürzen Eulenvurg sagen. Wir machten zusammei: i ' uen Krieg von 1866 mit, waren auf der Kriegsichicke und gut be­freundet. Ich trieb eifrig Musik mit meinem Schwager, dem Grasen Dautelmauii. Als er gegorbeu war, fand ich in eiuicn uurg einen Freund, ber an ferne Steile trat. Wir trieben etirig '' Musik und veriehrten mit Lenbach, Kaulbach uru> anderen jtünn lern. Wenn wir unsAlter" undSeeie" nannten, fo gibt eben ßtf oas beit Satzle ton fait la rnufique".

Harden lieht seft, daß uraf Hohenau die von ihm miß. . brauchten Soldaten mit seinem Porrrat beschenke hat, daß er also nichts veevorgen habe. Sacht-erst.: DaS waren seine 1'^ männlichen F-rcunoe. Gegen andere Personen kann er aber fehl kri verschwiegen sein. Haroen: Ist es nicht auch em Zeichen homo- pq leiuelicr Veranlagung, wenn Gras' 'iNoltte kosmetisck>e Mittel an. wendet. Sachversl.: Diese Dinge sind nicht wesentlich. Gras RUiltke: Vieinc beiden Diener können bekuudai, was daran sil wahr ist. Haroen: Macht Gras ^korlk'e den Eavruck eines, normalen preußiichen Generals? Sachverst.: Da..wer kann ui ' fein Gutachten abgcben. Harden: Muß nicht eim Gruppe von hoinv,exuetien Leuten um den Thron schaden anrichten, durchs! den Ncangel an Wahrhaftigkeit bei ihnen selbst uuo durch den Mangel ait Erkenntnis der Wirklichkeit, der dann bet der höchpaa r Perwn entstehen kann. Sachverst.: Wenn sie sonst brave Leun! sind, sind sie nicht schädlich. Dr. v. Gordon: Waren uidjiF Michel Angoto, Friedrich der Große, Gras Platon, Gobineau ufw auch Homo sexuelle? Sachverst.: Friedrich der Große wies un hl verkennbar einen homosexuellen Einschlag aus.

Tie Wahlrechtsreform in Hessen.

R.B. Darmstadt, 25. Olt. In der heute vormittac k? 10 Uhr abgehaltenen gemeinsamen Beratung de'i ' Gesetzgebungsausf chüsse beider Kamniern führte nack vorher erfolgter Verabredung und auch altem Brauch ent spachend der Präsident des Ausschußes der 1. Kammer . Fürst von Leintngen, den Boisttz. Als Negierungö Vertreter wohnten der Beratung staatsminister Ewald Ministerialrat Lorbacher und Oberregierungsrat Di Weber bet. Fürst z u Lein in gen gab zunächst de Hoffnung Ausdruck, daß die Verhandlungen von Ersol. ; begleitet sein und dem Lande zum Segen gereichen mögen ! Dann gab Geh. Juftizrat Pros. Schmidt einen Ueberblu über die Entwickelung der Wahirechtsvorkage, woran sic eine allgemeine Aussprache anfchloß, nachdem Abg. v. Bren ano kurz den Standpunkt des Ausschußes der "11. Kamme dargelegt hatte. An der Debatte beteiligten sich Abg. Di Glässrng, Oberlandesgcrichtsprüsident Lippold,' Gra Kuno Stolberg, Oberbürgermeister Mo r new eg, Abo < v. Brentano, Abg. Dr. Fulda u. a.