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Zweites Blatt
157. R
Korporale aus ihrer Garnison in Zutphen.
Die
ungu.
friedene Mannschaft begab sich getrennt nach einem veraü
redeten Punkt außerhalb der Stadt und rückte dann
vereint
Freitag 2G. JE 1907
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion:e^ii2. Tel^Adr.:AnzeigerGießen.
in dec Richtung nach Arnheim ab. Nachdem sie die Nacht durchnmrschiert waren, holte sie ein Leutnant mit einigen Militärradsahrem auf der Heide unweit Arnheim ein und befahl ihnen, sich unverzüglich in eine Arnheimer Kaserne zu begeben. Als sie sich weigerten, dem Befehl zu gehorchen, wurde Gendarmerie herbeitelephoniert, welche die Ausreißer nach einer Kaserne in Arnheim geleitete. Von dort wurden sie unter starker Bewachung von Artilleristen und Gendarmerie mit der Eisenbahn nach Zutphen zuruckgeschickt. Sie erklärten, daß es in ihrer Absicht gelegen hätte, nach Rörmond in Limburg zu marschieren, uni dort ihrem alten Schwadronschef über den neuen Rittmeister ihre Not zu klagen.
werben vielfach angegriffen und ihre Käufer demoliert.
— Ueber Tokio wirb laus Söul gemeldet, daß man eine er neute Truppenrevolte befürchte.
Erscheint tSgNch mit Ausnahme des Sonntag«.
Di- „«I-tz-nkk $amtlicnbläfttt- wcrb-n bent .Anz-iq-r> dermal wöchenllich beiaeleqt das fflt den K«i$ zweimal
wöchentlich. Der ..höfisch« tetibroiri" erjdjcint monatlich einmal.
Interessen der beiden Lander ijt übrigens nur im Munde der Deutschen so verbreitet. Der Franzose spricht es, wenn er es vielleicht auch zugibt, nicht aus. Das politische Mroment seines Daseins geht ihm, wenn auch unver- nünstigerweise, über alle wirtschaftlichen. So freundschaftlich auch die Beziehungen einzelner Personen und Familien der verschiedenen Bölter sich gestalten mögen, den Frankfurter Frieden vermag der Franzose nicht zu verschmerzen. Diese Empfindung ist noch so lebhaft, als ob' dieser Friede erst vor ein paar Jahren geschlossen worden wäre; selbst von den jungen Franzosen wird sie geteilt, als ob sie direkt an jenen Ereignissen teilgenommen hätten. Unter solchen Umständen eine entente cordiale oder auch nur auf wirtschaftlichem Gebiete besonders gute Beziehungen zu erstreben, ist unnütz. Wenn der Franzose auch nichts dagegen hat. daß der Deutsche nach Frankreich kommt, um sein Geld zu verzehren, so steht ihm in dieser .Hinsicht der Engländer und Amerikaner doch viel höher als der meistens arme oder doch sparsame Deutsche. Eine Rassenverwandtschast verspürt er weder mit dem einen noch, mit dem andern. Warum sollte er auch gerade für die Deutschen eine besondere Vorliebe haben? Das einzige, was fick) erstreben und erreichen läßt, ist für unsere Generation die Ausrecht- erhaltung korrekter Beziehungen.
Korea.
Tokio, 25. Juli. (Reuter.) Tie neue Konvention zwischen Jiapan und Korea ist in Soeul nach unerheblichem Widerstande unterzeichnet worden. Soviel bekannt, ist der Inhalt kurz folgender: Art. 1. Tie koreanische Verwaltung wird unter die sichere Leitung des japanischen Generalresidenten gejtellt. Art. 2. Ter Eilaß aller Gesetze und Verordnungen, sowie die Erledigung wichtiger Staatsangelegenheiten unterliegt der Zustimmung des Generalresidenten. Art. 3. Tie Ernennung aller hohen verantwortlichen Beamten unterliegt ebenfalls der Genehmigung des Generalresibenten. Art. 4. Für Aemter bei der koreanischen Regierung kommen nur solche Personen in Frage, die vom Generalresidenten empfohlen werden. Art. 5. Scharf zu scheiden find Verwaltungsangelegenheiten von solchen, die auf 'die Rechtsprechung Bezug haben. Art. 6. Die Dienste von Ausländern dürfen nur mit Zustimmung des Generalresidenten in Anspruch genommen werden. Art. 7. Artikel 1 der Konvention vom 21. April 1304 über die Anstellung eines Finanzbeirates wird aufgehoben. — Tie neue Konvention liegt augenblicklich dem Geheimrat vor und wird heute abend in Tokio veröffentlicht. (
— Ter Text der neuen Konvention ist nunmehr hier veröffentlicht worden.
. _ — Durch die neue Konvention wird das System der j a p a - Nischen Beiräte der koranischen Regierung abgeschafft, insbesondere auch die Stelle des FinanzbeirateZ, die bisher Megata innehatte, der nunmehr wreanischer Beamter wird. Von dieser Abschaffung betroffen wird auch das Gerichtswesen, für das erst kürzlich Beirate für alle Provinzen aus Japan ein- getrvffen sind. Wie es heißt, geht der Plan der Japaner dahin, Korea nur ganz allmählich unter japanische Kontrolle zu bringen, da in Japan ein Mangel an verfügbarem geeignetem Beamten- material vorhanden ist. Dagegen sieht man sich über die dringende Notwendigkeit klar, die koreanische Armee unter japanische Gewalt zu bekommen. Man nimmt an, daß General Hasegawa zum Stabe der koreanischen Armee treten wird.
London, 25. Juli. Ter Daily Telegraph meldet aus Tokio, daß die Verhaftungen in allen Teilen von Korea fort- dauerir. Die Gährung i n o u l vermehrt sich und dehnt sich über sämtliche Provinzen jaus. Tie Telegraphendrähte wurden ian vielen Stellen durchschnitten, um den Telegraphen- Verkehr mit Japan zu unterbrechen. Drei japanische Kriegsschiffe kamen in Tschemulpo an und japanische Truppen werden schleunigst zum Triansport nach Korea eingeschifft. Es scheint, daß die Korea ne r heftigeren Widerstand leisten, als man erwartet hatte. In den koreanischen Provinzen werden die japanischen Beamten bedroht und die japanischen Einwohner -z»►aasest
mentart nicht auf der Bühne beschäftigt ist, steht nachdenklich neben der Szene, als überlegte er sich noch einmal, ob er wirklich seinen gaunerischen Vorgesetzten zu Fall bringen soll, indessen der mit lächerlicher Stuppsnase versehene Kapuzinerpater mißmutig dreinschaut, wie wenn die rohe Soldateska seiner derben Standpauke gar nicht wert sei.
Und da sehe ich auch, friedlich auf einem Bierfasse sitzend, das fürs Wallensteiner Kriegslager nebst mehreren ferner rundlichen Genossen schon bereitsteht, mit einer Theaterdame plaudernd Herrn Jenny neben den schon aufgestellten Hinteren Kulissen des „Lagers". Auf daß nämlich möglichst rasch die Zwischenarte sich abjpielen, ward das nur einen geringen räumlichen Umfang einnehmende Faustvorspiel an den Anfang gestellt, damit hinter dessen geringem Kulissenapparat gleich der Hintergrund für den „Zerbrochenen Krug" und hinter diesem wieder das Rück- bild des „Lagers" von vornherein aufgestellt werden konnte.
Und nun beginnt unter Herrn Jennys Führung die Wanderung durchs ganze Hinterhaus. Im Konversationszimmer lege ich ab. Es liegt links gleich hinter der Di- rektorloge. Auf dem bequemen Ledersofa im behaglichen Raume sitzt in gemächlicher Beschaulichkeit ein Wällen- steiner. Herr Jenny geleitet mich alsbald zu der auf der entgegengesetzten Seite liegenden Arbeitsgalerie. Donner, Sturm und Regen sind hier wie in Petri Wolkenreiche eng benachbart. Sturm wird erzeugt von einer großen Holztrommel, über die ein ena gespannter Seidenstoff langsam herumgezogen wird, und den Regen machen Erbsen, die in einer bauchigen Trommel auf Drahtgitter hin und her geschüttelt werden. Etwas verwickelter ist die Technik des Donners. Es gibt davon zwei Arten; der große Donner, der z. & in Björnsons „Ueber unsere Kraft" von einem gewaltigen Bergsturz begleitet tft, erfolgt durch einen sog. Einschlagkasten, der von der obersten Höhe des Hauses 24 Meter hinab vis zur sog. Unterbühne, dem Raume der Versenkungen, also durch 3 Stockwerke reichend, in seinem Innern schräg angebrachte Bretter in stattlicher Menge enthält, über die man eine Menge eiserner Kugeln hinunterkollern läßt. Gewöhnlicher Gewitterdonner wird von einer Riesentrommel erzeugt, mit einer Anzahl größerer und kleinerer umwickelter Holzkugeln.
Doch treten wir die große Wanderung nach der Hohe des Schnürbodens an. Zwei Galerien sind zu ersteigen, während von unten der Zank zwischen Eve und Ruprecht herausschallt. Auf beiden Seiten der Bühne erheben sich diese Galerien. 2 Stock hoch, durch einige Vervmdungs- brücken miteinander verbunden. Die Galerien haben hölzerne Boden, die jum. Durchlässen von Seilen gMlitzt
Politische Lagesßcharr.
Die Leutenot.
ES rst bezeichnend für den Notstand des Leutemangels i der Landwirtschaft, daß sogar die preußischen Eisenbahn- irektlonen angewiesen worden sind, die Eisenbahnarbeiter in ?n Provinzen nach Möglichkeit zu Erntearbeiten zu beurlauben, te Generalkommandos haben außerdem den Regiments- nnmandeuren die Erlaubnis erteilt, Soldaten in noch größerer stahl als sonst der Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen, ston keiner Seite wird wohl Beschwerde darüber geführt ! erden, daß derart der freien Arbeiterschaft Konkurrenz erstachst, denn das wichtigste nationalwirtschaftliche Interesse eht auf dem Spiel, und die Ernteaussichten sind ohnehin -ifolge abnormer Witterung und elementarer Störungen im ! llgemeinen so wenig günstig, daß die Lebensmittelteiirung 11 einer Kalamität werden würde, wenn es nicht gelänge, die । -inte rechtzeitig hereinzuschaffen. Die ausländischen, notgerungen angenommenen Landarbeiter, Polen und Galizier, weisen sich je länger, je mehr, besonders in den preußischen 1 stprovinzen, als unzuverlässig und auffäfiig — der Reflex des i lssischen revolutionären Geistes. Ein Teil der Landarbeiterhast in Rußland glaubt zur Lösung der sozialen Frage da- urch beizutragen, daß er die Feldarbeit entweder überhaupt dlehnt oder doppelten Lohn fordert, und dies speziell in den hon im vorigen Jahr von Mißernte und infolgedessen von ulngerSnot betroffenen Gouvernements. Mr Deittschland nd zumal für Preußen ergibt sich aus der Perschärfung des andarbeilermangels, daß das Werk der inneren Kolonisation iit aller Energie gefördert werden inuß.
Dem nationalen Interesse ist noch nicht viel gewonnen urch die vielen Millionen, dre erneut in die Ostmark gesteckt »erden sollen, wenn, nicht Lmit Beschleunigung darauf hin- earbeitet wird, daß die deutschen Besitzer dort ausreichende nd zwar deutsche Arbeitskräfte finden. Die preußische Regierung hat alle Veranlassung, mit derselben Entschlossen- cit, mit der fie agrarische Politik treibt, soziale Fürsorge für ie Landarbeiter zu betätigen, und die einflußreichen Kon- ivatwen deS preußischen Abgeordnetenhauses sollten erst :cht der Hebung des Landarbeiterstandes Wohlwollen itgegenbringen.______________
nsere handelspolitischen Beziehungen zu Frankreich.
S. W. K- Unter obigem Titel schildert in Nr. 14 der Mitteilungen des Handelsvertragsveoeins ein Mitarbeiter as „gespannte Verhältnis" zwischen Frankreich und Deutsch- rnd, das sich leider auch auf dem Gebiete des Wirt- hastslebeus immer mehr bemerkbar mache. Die Franzosen eabsichtigeu für deutsche Einfuhrartikel neue ) l l e zu erheben be^w. die bestehenden zu erhöhen. Was ‘i natürlicher, als aus diese Weise auf den neuen deutschen olltarif vom 1. März 1906 zu antworten, denn wer habe ier wieder zuerst gestochen? „Es läßt sich gewiß nicht ugnen, daß ein Teil des französischen Exportes durch nseren neuen Tarif beeinträchtigt wird, z. B. für Wein rtb Most ün Fässern (17,8 Millionen Mark französische insiihr 1906), AÜtorpersonenwagen (9,7 Millionen Mk.), -serde (6.3), Schaumweine (5,6), Seidenzeug, Tücher, Schals -D), frische Weinbeeren (3,1) usw." schreibt der Verfasser. 7 Prozent der französischen Einfuhr wurde von den höheren »öllen getroffen. Nun sei es Revanche, heißt es weiter, aß Frankreich ebensalls zu einer Zollerhöhung schreite.
D a s vi e le Gerede von gleichen wirtschaftlichen
Russisches.
Petersburg, 25. Juli. Tie „Nowoje Wremja^ führt in einem „Bundesgenossen Frankreichs" betitelten Leitartikel aus: „Jedesmal, wenn in einflußreichen franzöfischen Kreisen die (Stimmung sich zu Ungunsten des russischen Bündnisses ändert, erhielten die Franzosen eine eigenartige Warnung. So sei eS zur Zeit des marottanischen Zwischenfalles gewesen. Deutschland lasse keine Gelegenheit unbenutzt, um jeden Sprung im Bündnis zu vervollständigen und den Riß qM erweitern. Rußland sei aber migeachtet aller Schwankungen in der öffentlichen Meinung stets den Bündnisverpflichtungen gegen Frankreich treu und! gewissenhaft nachgerommen."
— In der mittetrujfischen Gouvernementsl-^ Hauptstadt Pensa warfen Ä n a r ch r st e n während der Vorstellung im Theatergarten Bomben, die explodierten. Biele Personen wurden verwundet. Unter den Anwesenden entstand eine große Panik.
sind. Ausschließlich sind Stahldrähte für das Aufhängen der Dekorationen verwandt.
Unmöglich kann ich das ganze System der Eisenlagerungen, Kuppelungen und Drahtübertragungen hier genau? beschreiben. Jedenfalls hat man das Gefühl, in etwas märchenhaft Gigantischem umherzutaumeln. Die alle Leib- sche Bühne verhält sich zu diesem Aufbau, der weit mehr an einen Hamburger Handelsspeicher als an einen „Kunsttempel" erinnert, wie ein K'inderwagelchen zu einem Automobil. Trotzdem ist des Witzes Kern doch derselbe geblieben — Kulissenschieberei. '
Nach einer langen Wanderung auf eiserner Wendeltreppe treten wir plötzlich ms Freie; aufs Dach sind wir gestiegen und sehen zu unfern Füßen die Stadt im Abenddunkel liegen. Ein sicherer und bequemer Steg führt übers Dach zur Rettungsleiter, zur Erde.
Jetzt sind wir endlich auf der Höhe des Schnürbodens, wo alle Drähte des ganzen „Spieles" straff gespannt zusammenlaufen. Wa§ geschieht denn da tief unten? Ist daZ nicht ein Puppenspielchen mit kleinen Figürchen und ausgeschnittenen Bilderbogen? So sicht sich ein Meisterwerk der Weltliteratur vom Schnürboden aus an! Wie wunderlich: DaZ Mittel zum Zweck scheint viel gewaltiger als der Zweck selber. Welchen technischen Riesenrahmen braucht doch zu seiner sichtbaren Wirkung ein dichterisches Werk!
Jetzt aber treten wir den Abstieg an und kommen gerade zur rechten Zeit, um das volle Bühnentreiben deS Zwischenaktes mitzumachen. Ist doch inzwischen „ber zerbrochene Krug" zu Ende gegangen. KobersteinS alle Welt entzückernder Vorhang hat sich über den durch devote Bücklinge dankenden Minien gesenkt, und diese schreiten, vom Applaus beseligt, hocherhobenen Hauptes auf und davon, in ihre niedlichen und geräumigen, zumeist für drei Personen bestimmten Garderoben zur Ah- oder Umschminkung.
Schnell ändert sich das Kulissenbild. Adams vier oder vielmehr oder weniger drei Wände heben sich flugS in die Höhe, mitsamt den Bildern an den Wänden. Fässer werden auf die Bühne gerollt, Kessel uni) Zelte, Bänke und Stühle herbeigeschleppt, Klapppodeste aufgestellt, die von 4—20 Meter sich auSdehnen lassen. Es erheben sich davor bald allerhand beschneite Sträilcher. Eine schneebeniatte Alalte ivirb vorn über die Bretter, die die Welt bebeulcii, gebreitet Emsig laufen namentlich die Herren Jenny uns Käsmann umher, unterstützt von mehreren Arbeiten, und ein halbwüchsiges
Zum Fall Schell.
München, 25. Juli. Das Amtsblatt der Erzdiözese München, das den Brief des Papstes über die Schellaffäre enthielt und bisherzurückbehaltcnwurde, ist nicht mehr zur Ausgabe gelangt, sondern durch eine neue Nummer ersetzt worden, die jene päpstliche Kundgebung nicht enthält.
Osnabrück, 25. Juli. Der katholische Universitäts- Professor Leo von Savigny in Münster wendet sich mit einer scharfen Erklärung in der Osnabr. Ztg. gegen den U ltr am on ta n ismu s und gegen den Bischof von Münster wegen des Falles Renz.
Wien, 25. Juli. Professor (Sommer erklärt in der „Zeit", seine Beziehimgen zu Schell seien eine Universitätsfreundschaft, sie hätten sich im Jahre 1873 als Hörer HettingernS in Würzburg kennen gelernt. 1886 habe er Schell zur Mitarbeit an seinem Jahrbuch aufgeforbert, aber nur als Berater in apologetischen Fragen.
Mailand, 25. Juli. Don Murri erklärt im „Eor- rtcre della Sera", der neue Syllabus richte sich weder gegen ihn, noch bereite er ernsten Forschungen neue Schwierigkeiten.
Meuterei in einem holländischen Regiment.
R o t t e r d a Ni, 25. Juli. AuS Unzufriedenheit mit angeblicher unnötiger Strenge und Härte ihres neuen Rittmeisters entfernten sich 51 Husaren und fünf
Aie Einweihung des neuen Kießener Stadtthealers.
IV.
Gießen, 26. Juli.
Nun gilt noch, von dem geheimnisvollen Kulisseneiche Einiges zu erzählen.
Erst aus dem vollen Betriebe erwächst dem Beschauer er richtige Eindruck von dieser wundersamen Welt. Eine -orstellung nur gibt dem Ganzen die richtige Farbe, fügt er kalten Verständigkeit der Technik etwas von dem ur- lten, doch nie entflohenen Reiz des Komödiantentums bei, on dem die Zuschauer vor dem Vorhänge meist nur nklare und schiefe Begriffe haben. So ging ich denn zur Wiederholung der Eröffnungs-Vorstellung am Mittwoch urch die Hinterpforte ins Theater, um unter Führung des >errn Jenny, des sachkundigen Theatermeisters, die Reise -cs Land der Illusionen zu machen, eine Reise, die nicht anz ohne Strapazen war.
„Der zerbrochene Krug" war mitten im Gange. Adam, er Spitzbube, machte eben seine ergebensten siratzsüße vor em Gerichtsrat. Hinter der Bühne war alles mäuschenstill. ;in paar Theaterangehörige und Statisten, einzelne von Yuen noch in Uniform, andere bereits in Wams und Koller, inn Lagern vor der tapferen Stadt Pilsen bereit, schauten, urch Prospekte verdeckt, schmunzelnd den Kapriolen des fiifigen Bauernrichters mit dem Pserdeftrß und der Teufels^ ;cie zu. Zwischen dem hintersten Kulisfenpaare aber ruhte, i tiefen, stärkenden Schlummer verfallen, fürs Publikum atürlich unsichtbar, ein Wallensteinscher Kriegsmann in oller Rüstung. Ein köstliches Kulissenidyll. An diesem hnunaslosen Schläfer dokumentiert sich in gar wuiider- chec Weise die Macht der Poesie aufs Statistengemut
Nahebei, auf der sehr ausgedehnten Hinterbühne auf inem niederen Bänklein, sitzt der Inspizient, die Uhr m er Hand aufmerksam den Buhnenstichworten lauschend, m zur rechten Zeit für das pünktliche Auftreten der Mit- lieler zu sorgen. Stramm und stattlich spaziert da Frau Brigitte umher, mit Stock und Adams P^rrücke m oer uiid, um aufs gegebene Signal zur Bühne zu humpeln. E^ ehöct viel Selbstentäußerung für cm anmutiges weibliches Men dazu, sich so zu verunstalten. Die dick aufgetragene ichminke, die große graue Perrücke, wie fürchterlich m der ubc. Die Bemalung oes unteren Augenrandev, die^ ich «x einer der Soldatenoirnen sehe, erzeugt oen ^ojem liess ffcberischeu Glanzes der Pupille. Es ist doch etwas nderes als. Bgll.MLsie.rgde, Der Schrechsr Ä der. mo-


