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23.3.1907 Erstes Blatt
 
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Dem (BteBener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen candwtr, die Siebener Zamiltrn- blätter viermal in der Woche beigelegt un. zweimal wöchentlich dao Kreisblatt für den Kreis Stehen. Fernsprech-An- schlubi.d.Stedaktwn 112 Verlag u Expedition 51 Adresse tür Depeschen: Auzetger Gießen.

Erstes Blatt

157. Jahrgang

Samstag 28. März 1907

Gietzemr Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rolationsdnick und Verlag der vrühl'schen Uulv.-Vuch. und Ztelndruckerei. R. Lange. Reöaftt»*, Expedition und vn'ckerei: Zchulstraffe Z.

vezugtzp ret#t moi uhd)75Vl.,oiertel» täd'l'ch Alk. 2.20. durch Ablzole- u. R'veiqiicLlcn monatlich 65 Ui., durch die Pali ü)tt 2. oienel- fälrrl. arrsichl ibfiteUg. Annahme non ÄNteigr» für Die iiiaeenuinmer bie oonniiiddo 10 itpr. Zeitenpiec» total 16 ihw auciudiie 20 9'enntg. lÜc<uiiiit>oiiH«l) tüt den pulu. und atlqrm. leil. ii. Witiko rüi Stadl und L'anD* und .UZerrchtssual' Üxnft Yeh. tui der, An- zergenterl Öan » Vrct

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Palmsonntag.

Gießen, 23. März 1907.

Länger als sonst läßt der Lenz, der Leben zeugende. Knospen spendende, Blüten weckende, Heuer auf sich warten. Aus des Elses starrer Hast befreit rinnen zwar die Wasser, die vor kurzem noch Schnecmengen waren, brausend zu Tal, dehnen die Flüsse und Bäche, überfluten weit die Auen und nahen sich Unheil dräuend den Heimstätten der Menschen. Auch Märzglöckchen, die ersten Kinder des Frühlings, wenden das fülle, scheue Blumenauge zu dem noch recht unzuver­lässigen Sonnenlichte. Aber das Strauchwerk zeigt noch feinen frischen Blätterschmuck wie sonst zu dieser Zeil, und an den Aesten dec Bäume m den Gärten und Anlagen sind die Knospen noch itt der ersten Entwickelung. Nirgends fast bei rotgelbe Hauch, der das treibende, sproßende, neue Leben kündet. Fern sind noch die meisten liedsrohen Sänger, die den SiegcSrnf des LcnzeS begleiten und in die Welt hinaus- riifen. Stott ihres traulichen Girrens und Kosens. Zwitscherns und Schmetterns sausen wilde Regenstürme durch das Land und des Menschen Herz schwankt zwischen neuer Frostsiirchi und Freude auf den doch nun wohl bald nahenden Frühling.

Das ist die Stimmung des Palmsonntags, des Buß­tages.

Rach altem Brauche findet am Palmsonntage in den meisten eoangel. Kirchen des Grobherzogtums Beichte und heil. Abendmahl statt. Biele folgen diesem Brauche. In Gedanken an ihre unmittelbar vor der Konfirmation behenden Kinder gehen sie zur Kirche und treten sie zum Abendmahl vor den Altar; aber welchen Wert die Feierstunde am Altäre habe, dafür haben doch nicht wenige unter ihnen keinen rechten Sinn, fein rechtes Verständnis. Und doch, auch für AlltagSmenschen, die vom Tagesgetriebe stumpf gemacht worden sind, hat diese Stunde etwas Besonderes, etwas Mahnendes und Gemahnendes. Flüchtiges Erinnern an die eigene Kindheit, an das vor vielen, vielen Jahren um Ostern verlassene Vaterhaus, an die Tage stillen Glücks, huscht durch die Seelen, und selbst in das härteste Herz schleicht sich ein Ahnen, daß daS Leben doch etwas anderes sei als ewige Werltagsarbeit oder tolle Treibjagd.

Dem Konfirmanden aber, der die Eltern vor den Altar treten sieht, geht eine Ahnung auf von dem bevor­stehenden ernstesten Festtage des LebenS, dem Tage der Kon- fiumation, der Bestätigung des Taufbekenntnisscs. Und die Väter oder die Mütter, denen em tieferes Gefühl verliehen ward, fragen sich, indem sie ihre Blicke liebevoll und fragend über das Antlitz des Kindes gleiten lassen: Wie wird sich die erblühende jugendliche Seele, die aus den Knospen der Kind, heit sich mählich, dem noch so ungewissen Sonnenlichte des Lebens erschließt, entfalten und gestalten? Wird sie köstliche Früchte zeitigen? Oder wird sie dem Spätfröste zum Opfer fallen, der solcher Blüten gierig harrt? Ter sorgenden Eltern Herz schwankt zwischen Heller Hoffnung und dunkler

Furcht. Und wandelt sich wohl da« bebende Bum,en in tröstendes Beten. Und wohl ihnen, wenn ihr Glaube die Kinder, die nun bald hinauSziehen müssen ins femdkiche Leben, die von ihrer Obhut wegziebrn, sich entfernen, an einer gütigen Gottheit wanneS Valerherz zu legen vermag, wo sie sie geborgen fühlen vor dein Brausen der LebenS- stürme und gefeit gegen den Frost, der die Seelen tötet.

DaS iit gläubiger, christlicher Eltern bange, aber betende, fragende und doch frohe PalmsonntagSsummung.

Palmsonntag! Unserer Seele rückschaucnde Augen wenden sich ge» Zion, wo am ersten Palmsonntage der Heiland, vom Hosiannah der Menge begrüßt, seinen letzten Einzug hält. Ter Tag der grüßenden Palmen steht an der Schwelle der stillen Woche. Tes Heilands Höhenpsao geht scheinbar nieder- ivürts bis in die tiefsten Tiefen des Leios hinein. Tas hehre Haupt, nm das die Palmen rauschen, wird bald am Marter- pfähle erbleichen; die Augen, die voll treuer Liebe über die jubelnde Menge glitten, werden bald in tiefstem Weh brechen; und in daS Ohr, das jetzt dem Hosiannah lauscht, wird bald dasKreuzige, Kreuzige!' dröhnen. Das Herz des glaubens- starken Christen schwankt am Palmsonntage zwischen jubeln- der Freude und erschütterndem Weh. Der tiefe, unsagbare Ernst der Zeit weckt heilige Schauer. Tie glänzende Stadl auf dem Berge scheint düster und trübe, da der kahle Gipset von Golgatha gespenstisch hineinragt. Im Geiste wandeln sich die grünen Palmen in den Dornenkranz, und das jauchzendc- Bolk m die stumpfsinnige Maste, die dem Kreuzträger das letzte Gel-'t gibt.

Des Palmsonntags Bangen hat aber auch eine lösende und besi e'ende Kraft. Die dunkle Stunde auf der Schädel- Hätte ist nicht die letzte. folgt ihr die lichte Morgen- stunde, die alle Schatten Golgathaö scheucht, eS folgt ihr die strahlende, sonnendurchflutete tiJlütagßliunbe, die den Ge­kreuzigten heimholt und himmlisch erhöht. Jenseits des tiefen KarfreltagsdunkelS grüßt schon fröhliches, seliges, ewiges Osterl icht!

«Kcj/Yche Sumte Kammer.

B.-B. Darmstadt, 82. März.

Am Ministertisch: ©teptßminiftcr Ewald, Minister des Innern Braun, Mmisterstrlrat Süffert.

Nach Eröffnung tbmnn zunächst die Anirage deS

Abg B e st, betr. die Verstaatlichung der Nebenbahn Osthofen-Westhofen. Der Fcagciielier sragt: In die Grogh. Regierung gewillt, die Bahn nach Ablauf der zwanziaiahrigen Frist im Jahre 1908 zu übernehmen? Hat die Gcvßl). Regierung in dieser Einsicht schon Sdjritte zum Erwerb dieser Bahn getan 1 Abg. Best schildert in Längeren Ausführungen den lämmerlichen Zustand der Bahn.

Abg. Reinhart macht darauf aufmerksam, daß tut Ankaus derselben erst nach 50 Jahren erfolgen 'könne. Dagegen fteljc es auf Grund des Vertrages dem Staate zu, mach 20 Jahren, also 1908, dm Betrieb der Bahn zu ülbernehmen, was Redner audy empfiehlt. . .

Präsident Haas bringt in Erinnerung, daß noch eine ganze Anzahl anderer Nebenbahnwünsche vorläge und empfiehlt, bie- selben sämtlich in einer besonderen Sitzung zur Berhandlung zu bringen.

Die Kammer ist damit einverstanden. ____

Abg. Orb bespricht darauf eine Vorstellung o e r Heizer und Maschinisten zu Offenbach, betreffend die Heizer- prüfungcn, und ersucht die Vqiprung, den Wünschen der 3nterefi"evden zu entsprechen. Auch

Aba. Hauck bringt verschiedene Wünsche bezüglich der Prü­fungsordnung der Heizer vor.

Der Ausschuß stellt den Antrag, die Kammer wolle bie Regierung ersuchen, daraus hinzuwirken, 1. baß bie Kesfelin- peltoren möglichst ihre Aufmerksamkeit dahin zu richieu haben, daß bie Bestimmungen bes h 49 ber Dainpfkefsel-Oronung stets zur vollen Geltung kommen, 2. bie Heizer einer gründlichen und gewissenhaften Prüfung zu unterziehen und 3. dem (Er­lief) en auf Abschaffung ber Prüfung von Prinzipalen und Weik- meifiern nicht stattzugcben und bamit bie Vorstellung für erledigt zu erklären.

Minister bes Innern Braun wendet sich zunächst,gegen ein­zelne Wendungen des Ausschußantrages, bie bc» Schluß zu­lle,,en, 0..-U ijuiiLcjt.iu» der ^I, ui:ig-->oii>.iung nu/t alles int rechten Gleise wäre; er müsse diese Deutung entschieden zurück- weisen. Dann geht der Minister auf die einzelnen Äussuhrungen ber beiben Vorredner näher ein und widerlegt dieselben an der Hand spezieller technischer Darlegungen.

Abg. B e st als Aussu-ußberichterstatier bemerkt, daß der Aus­schuß lediglich seine Ansck-auung über bie Handhabung bet Prü­fung präzisieren, aber nicht ber Regierung Vorwürse machen, wollte.

ubg. v. Brentano führt aus, bau er nur einige Nebenfach»- liebe unslände bezüglich ber Prüiungsordnung zu machen t-abe und der Uiegicrung leine Anerkennung für ihre grüi.dlia-e linier» fuchuug aus.preci^. Er ntuife sich vor allem gege.i den 3. Punkt des Ausichuganiixiges erklären und Ein,pruci) d..gegen erl-eöen, daß die Deiriebsinhober von dem Zutritt tzu den Prüiungen uusgeschlofien würden. .

Nach weiterai xicinertungen der Abga. Adelung, Ulrich, v. Brentano wird bie Debatte geschlossen und der AuS- fchußantrag angenommen.

Zur Beratung geraiujt daraus der Antrag Dr. F r e n a y unü Genoffen

ArbeitSuachweise

betreffend. Der Antrag lautet:

Die Kammer wolle ine Grvßh. Regierung «rsuchen, die entsprcckMden Schrille zu tun, damit den gemeinolia-en und gemeinnützigen Arbeitsnachweisen im Telephon verkehr mög­lichst niedrigeTarife eingeräuint und den Arbeitsuchen­den, welche zum Zweck dis Antritts einer durch die Arbeilsnach- weise zugewiesenen Arbeitsstelle bie Eisenbahn benutzen müssen, billige Fahrgelegenheit gewährt werde." Der Ausschuß l)ut M) eingehend mll o.r o-rage beiujait^gl uiu> nach Beratung nut der Großh. Regierung folgenden Antrag formuliert:

1. Die Kammer wolle an bie Großh. Regierung bas Esuchen richlcn, ö^ruvtr in Ermllt'.lungen cuiduiretui, ui ivclu/ er.chhtem! Mage die in Hc.sen beiiehenden Aroeitsnaa^veisstellen zur För­derung der im Antrag der Äbgg. Dr. Frenay und Gcnoisen bezeiä-neten Zweae Unterilützung erforbern, und eventuell in den nächlien BorunsäHlag zu diesem BehUse erhöhte Mittel einzustellen. 2. Den Antrag der Adgg. Dr. Freniay und Genossen für eriebigtl erklären.

Abg. Dr. Frenay begründet den Antrag und betont, daß die gewünschten Einrichtungen besonders auch geeignet sein würden, dem Arbeitermaiigel auf dem Lande abzuhelfen.

Abg. U l r i u) ivuiqujt, dag die sltcijc mehr in i>tr Saä-e tätig wären, diese müßten die -Organiimion Durchführen; bie Zlegierung solle die Geldmittel bewilligen und zugleich eme Zen­trale in Darmstadt errichten. Im §kreise Offenbach sei man der Angel^gau^ll oer.lls naher geliehen, ber ^iroeusnüchlveis dort erhalle von. ber Regierung lährlich 300 Büark als Ver­gütung für Telephongebühren. Der Ausschußantrag nwujte an-, genommen werden.

Gießener Tlieattivcrein.

Zwei glückliche Tage.

Bekannt ist die Geschichte vorn unternehmnngSkusligen Sommerfrischler, der reisesrotz sein behagliches Heim verläßt, um nach Wochen das reumütige Geständnis abznlegen, daß die sommerliche Freude nur zwei Höhepunkte glückliche Tage hatte: den Tag der Abfahrt von und den der Rückkehr nach Hause. Aehnlich erging es dem mackeren Weinholz, dessen Bekanntschaft wir am Freitag nach fünf Jahren erneuerten. Sein Hausbesitzer-Dasem, dem er sehn- süchtig entgegengeträumt, kennt auch nurzwei glückliche Tage" den ersten und den letzten des Besitzes. Was dazwischen liegt, das ist vom Uebcl: eine Kette von Sorgen und Unannehnilichkeiten, eine Fülle von Ereignissen, die den Betroffenen utn verhängnisvollen Neubau, mit dem er sich gründlich verbaut hat, zu allen Teufeln wünschen lassen.

Franz v. Schönthan und Gustav Kadelburg haben diesen Erfahrungs-Gedanken für eine Zweidreiviertelstundenunterhal- tiuig hin und her geschaukelt und damit ihrem Rufe als thea- tralische VergnügungSmeifler genügt. Schönthan, der selbst glücklicher Hausbesitzer ist und sich in Wien einen hochfeudalen Herrensitz geschaffen hat, hält sich mit dem Stücke anmutig zum Bellen; spellich, wer sich selbst zum Besten hält, brauch! noch nicht selber zu den Besten zu gehören ....

Der Gießener Thealerverem hatte diesen Schwank gewählt kurz vor der Uebersiedelung aus dem alten Hause ins neue. Daß Dabei etwa der Leitgedanke jener alte oberhessische HauS- spruch war:

Es wird kein Ding so schon gemacht, Es tomiut em Spouer, der es veracht'; Trum gehe hm und schiveige still, Es mache ein jeder, wie er will", war von vornherein unöcntbar. Man dachte' aber auch nicht nur an das alte Hans, das morgen von der Diuse auf ewig v er taffen werden soll, nachdem eS ihr länger denn ein halbes Jahrhundert zur Heimstätte gediem

hat. Auf dieses alte Hans allem bezogen, hätte die

gestrige Aufführung des Schwankes die meiiie Berechtigung gehabt. Tenn man mag anno 1852 freilich sehr glücklich gewesen sein, als man den damals neuen Leib'schen Saal zur Theaterstätte weihen konnte, nachdem vorübergehend das

alte Marsiallgebäude am Brandplatze und der Saal des Hotel ^Prinz Karl", vorher aber nahezu 50 Jahre lang daö alle Zeughaus am Brand das Gießener Riusenheini gewesen war, wo gleichzeitig sich damals zellioeise die Taballager von ein paar Zigarrensabriken befanden, sowie die Paiikfäle sämt­licher damaliger schlagenden studentischen Verbindungen Gießens. Und wie glücklich find wir heute, den alten Saal verlassen zu können, um überzusiedeln in einen Prachtbau in guten Maßen, anmutvoll und schön, die Zierde der Stadt, m Deren Räumen fortan milden Scheins die Kunst uns leuchten, das im Drama des Wortes Kraft, in der Komödie des Scherzes sonniges Lachen, in der Oper der Töne wogendes Gebraus füllen soll als Hort der Schönheit, die freilich nur dann wohlgedeiht, wenn sie treu und ernst ihr dienende Jünger besitzt. Herr Prof. Tr. Fromme, der Vorsitzende des Thealervereins, begründete anders oie Wahl dieses Stuckes zu dieser Gelegenheit. Ihm zufolge sollte Der Titel des Stückes Hinweisen auf den glücklichen Tag des Auszuges aus dem alten und den zweiten glücklichen Tag bcS Einzuges in datz neue Haus.

Die Idee von den zwei glücklichen Tagen ist jedenfalls von den beiden Autoren durch eine Reihe scherzhafter Zutaten zu einem den Abend füllenden Stück ausgesponnen worden. Ein paar Streublümchen anspruchslosen Humors setzen Den aus Dem Leben und der Alltäglichkeit gegriffenen Szenen ichimmernde Lichter auf; die Rollen sinD dankbar, Die Charaktere io flüchtig als nett skizziert, und so konnte diese harm­lose Satire auf die Luxus-Bauwut auch bei dieser Gelegen- heit unser Publikum freundlich unterhalten.

Tie Aufführung war unter Herrn Reimers Regie flott und lebendig und bot eine Reihe guter Einzelleiiiungen. DaS Zusammenspiel wurde von Akt zu 'Alt lebendiger und frischer, vetr Reimer selber zeichnete den von der reinen Freude des Besitzes erfüllten Villencigentümer ebenso charakteristisch wir den vom Besitze schnell enttäuschten Familienvater, hätte aller- dmgs als der letztere seiner Hefen Niedergeschlagenheit einen echteren, innerlich empfundenen Ausdruck verleihen können. Zu den wirlsamsten Elementen des Stückes zählen die Tialelt- rollen, die in dem roon und für Kadelburg geschriebenen) feschen jungen Wiener die rStabt bes reinen Gemüts", m einer alten Tante und Deren anspruchsvollen kerngrobcu

Freunde dieStadl Der reinen Vernunft", Königsberg, zu Worte gelangen lassen. Eine überraschend liebenswürdige Vertretung fand bie Donaukaiserstadt in Herrn Kober, der den Pepi gab. DenSohn vom römischen Kaiser". Pepi ist der Sproß einer Herrjcherfamilie über- ein Wiener Kaffeehaus. Sem offenes Herz und seine schnelle Zunge gewannen it)nv mit dem Herzen einer jungen Berlinerin auch Die Herzen des Publikums. Sein durch einen frischen, natürlichen Ton gefälliges Spiel überragte zwar nicht das ber übrigen Haupt­stützen bes Ensembles, immerhin aber kann man vom guten Ende ihm mit seinen eigenen Worten zurufen:Oalli Achtung!" Ging er doch keck und luftig vor und mehr denn je aus sich heraus. 9loch wirkungsvoller aber war Frau Bons in der drastischen Rolle der Erbtante ausKentchs- bärd)". Sie gab sich auch mit dem ostpreußischenTialakt" recht erfolgreich große Blühe und aaf vor allem den Ton­fall ganz richtig. Das Beste an ihrer Tante Christine aber ivar ihre resolute Biederkeit, Der sie sehr natürlichen AusDruck gab, sowie Die unersorschtich wunDerjame Wahl ihrer Dlargraboroo würdigen Toiletten. Auch Herr Krauß, Der durch ein paar treffende Nuancen mehr die ost- preußische Nlundart noch besser meisterte, hatte jn leinet Episodenrolle DeS Morawetz (übrigens ein unmög­licher, weder littamscher noch masurischer Älame) einen vollen Erfolg. Er gehört zu Denen unter unserer Künsllerschar, Deren klarer Blick, heller Verstand und sicherer Theatennstinkt unter allen Umständen zu genügenden, in den meisten Fallen zu erfreulichen, mitunter zu vorzüglichen Leistungen führt. Die fast in allen älteren Schwänken übliche Figur eines guten alten Esels Pardon, Onkels war Herrn Lippert zu- gefallen, deffen Individualität sich au bequemste in die ihm zugedachte hageuolze Tümmtmgs-Aufgabe fand. Tie stcolle des Haustöchterchens Elfe war Frl. Donecker übertragen, die sich ja möglichst munter gab- Aber ihr Fach sind Die lustigen 'Jiatuen nun einmal nicht. Tas hätten nachgerade alle, Die angeht, wissen können. Wir haben für diese Rollen ja zurzeit noch in Frl. Schellenberg eine ganz aus­gezeichnete Vertreterin. Ta Der Zettel seit etwa acht Tagen nichts mehr von ihrer Krankheit lagt, ist sie also geiund; ledenfalls hätte ihr Diese Rolle weit bester gelegen als Frl. Tonecker, Der es allem Anscheine nach lerne rechte Freude