Ausgabe 
28.1.1907 Zweites Blatt
 
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'besonders vorteilhaft für England sei jedoch die Freundschaft mit Amerika.

r New York, 27. Jan. Der Schwiegersohn des Präsidenten Roosevelt, Longworth, erklärte einem Journalisten gegenüber, Roosevelt werde unter te inenBedingungendiePrä- sidentschaft für eine neue Periode übernehmen. Als Nach­folger wird der Staatssekretär des Krieges, Taft, bezeichnet, Men Freunde schon jetzt eifrig Propaganda für ihn machen.

Au» Stadt und Land.

Gießen, den 28. Januar 1907.

Geh. Kommerzienrat BuderuS, der frühere Abgeordnete des ReichstagSwahlkreiseS Gießen-Grünberg- Nidda, ist am Freitag abend an den Folgen eines Schlag. anfalleS, den er am letzten Dienstag erlitten hatte, gestorben. Ter Verstorbene, der ein Alter von nahezu 66 Jahren er- reichte, war eine im industriellen und politischen Leben weit- hin bekannte Persönlichkeit, und sein Ableben wird in weiteren Kreisen ganz Deutschlands schmerzliche Teilnahme Hervor­rufen. Er war Besitzer der Eisenwerke Buderus in Hirzen-; Hain und der BuderuS Holz- und Basaltwerke Margarethen- tal, bis vor kurzem AufsichtsratSmitglied und früher lange Zeit Aufsichtsratsvorsitzender der Buderus-Eisenwerke Wetzlar und Lollar, sowie AufsichtSratsoorsitzendcr des Portland- Zementwerks Karlstadt. Den Verein deutscher Eisengießereien, den er mit begründete, leitete BuderuS lange Jahre als Vor­sitzender. Seit 1886 gehörte er der hessischen L Kammer <lls lebenslängliches Mitglied an und von 1884 bis 1890 roar er nationalliberalec NeichstagSabgeordneter in Gießen.

** I n unserem Regiment wurden an Kaisers Ge­burtstag die Hauptleute Rücker und Mohr zu überzähligen Majoren befördert und dem Regiment aggregiert, Oberleutnant Busse zum überzähligen Hauptmann und die Leutnants Wehr- heim und Jebens zu Oberleutnants befördert.

* Aus dem Bureau des Stadttheaters. Sudermanns ,Jo Hann iss euer", das seit einer Reihe von Jahren hier nicht war, geht morgen als zehnte Dienstags- Abonnementsvorstellung in Szene. Die Hauptrollen sind besetzt mit Herrn Bakof, Kober und Kost und den Damen v. Jagemann, BouL, Donecker und Winderstein.

D i e hiesigen Musikfreunde wird die Mitteilung interesiieren, daß Wilhelm Backhaus, der mit so außerordentlichem Erfolg im vorigen Jahre hier einen Klavier-Abend veranstaltete, ain 8 0. Januar in Mar- bürg spielt. Wohl mancher wird sich die günstige Gelegen- heit gern zunutze machen, Backhaus wieder zu hören. Am 8. Februar ist ferner ein großes Symphonie-K an­kert der Meininger Hofkapelle unter Professor Wil- I heim Berger. Ta das Konzert an einem Sonntag, nachm, 6 Uhr stattsindet, ist ein Besuch von hier aus ja sehr bequem und vor allem lohnend. Die Meininger Hofkapelle ist feit Jahren ständiger Gast in Marburg. ('Näheres siehe Inserat in der SamLt gMummer.)

** Zu unierte Notiz über den Verkauf deS An­wesens SelterSweg 81, Theaterrestaurant, tragen wir nach, daß die Uebergabe erst am 1. Okto der erfolgen wird. Der RestauratwnSdetrieb wird inzwischen unverändert roetler- tzeführt.

X Harbach, 27. Jan. Auf Veranlassung unseres Lehrers Fay fand heute hier eine Theateraufführung statt, deren Reinertrag zum Besten der Begründung einer Gemeindeblbliothek verwandt werden soll. Zu Beginn der Feier hielt Lehrer Fay etne warmherzige patriotische An- spräche, die in einem Hoch auf den Kaiser auSklang. Die Versammlung stimmte begeistert ein. Die sich anschließenden Aufführungen verliefen in schönster Weise und fanden den lebhaftesten Beifall. Herr Herzberger nahm am Schlüsse Veranlasiung, dem Lehrer Fay den Dank der Gemeindean- gehörigen für den gebotenen hohen Genuß auszusprechen und brachte ein Hoch auf ihn aus.

R. B. Darmstadt, 28. Jan. (Tel.) Der am Vik- tonaplatz wohnhafte Metzgermelster Schuhmann hat sich heute früh in seiner Wohnung aufgehängt und zugleich deinen Schuß in den Kopf beigebracht. Tie Ursache des Selbst­mords ist m Krankheitsfällen in der Familie zu erblicken. Eine Tochter Schuhmanns befindet sich in der Epileptischen- Anstalt und ein Sohn, der vor einiger Zeit wegen Epilepsie vom Militär entlasten wurde, verunglückte gestern infolge eines Anfalles von Krämpfen in der Kirchstraße. Er wurde so schwer verletzt, daß er in das Krankenhaus verbracht wurde.

Hrauengedanten über Mänucrerziehung.

Von Alfred Nossig.

Nun aber nehmt euch zusammen, ihr Herren: denn ihr sollt Worte der Wahrheit vernehmen. Die sie euch sagt, ist eine Frau. Selbstverständlich. Sie behauptet zwar, keine Frauen- . rechtlerin zu sein und daS ist geschickt, aber sie ist dabei so ungeschickt, zu verraten, daß fie die 9Jlämier nicht zu ihrem eigenen Wohle, sondern zu dem der Frauen erziehen möchte.

Wer hat die grauen frage geschaffen'?" ruft Marie zur Megede in ihrem eben erschienenen BucheFrauengedanken über Menschenerziehung" (Berlin, F. Fontane u. Co.,) aus.Der Mann! Und wer kann sie lösen'? Wiederum nur der Mann." Und wie?Indem er ihr in seinem Hause, in seinem Leben eine Stellung gibt, von der ihr jetzt nur ein armseliger Bruchteil gehört."

Obber vvn heute" das will, ob er es überhaupt kann, daran zweifelt die Verfasserin. Älan hat ihn zu schlecht er­zogen, viel schlechter, als seine Schwestern. Und zwar mit Vor­bedacht. Zielbewußt hat man ihn zu dem gemacht, was der heutige Durchschnittsmann ist: ein Egoist, ein Streber, ein Kalt­herziger und Verantwortungsloser, unfähig zu einem großen Gefühl, zur Begeisterung, zum Opfer.

So sind wir nun einmal . Aber es soll anders werden. Der Mann soll endlich so erzogen werden, daß er der Frau paßt; denn er ist noch nicht dressiert genug. Selbst die Pantofiel- Helden sind lange nicht so gelehrig, wie man es billigerweife Verlangen könnte.

Es muß also zuerst den Winnern daS Sündenregister vov- gehallen werden. Rein, vor allem denjenigen, die sie zu kalt- lächelnden Tyrannen machen. Da ist er zunachü, der grötzte Sünder, der Herr Papa. Er wlll durchaus einen Sohn haben. Ein Junge muß es fein! Auf die Tochter sieht er herab. Warum das ? Wenn er zum erstenmalhocherfreut" die Geburt einer Tochter anzeigen soll, kommt er sich selbst und mehr noch seinen Gelchlechtsgenossen ein wenig verächtlich vor!

Den Grschlcchtsgenossen? Leider nicht nur diesen. Fr. zur Megede ist keine Frauenrechtlerin, sie betont es. Aber noch stärker betont sie, daß die Frauen keinen Korpsgeist haben. Dcun man denke! Sie selbst, die Frauen, ziehen Stammhalter den Töchtern vor! Die Verfasserin ist empört Schwebt nicht jedem pingen Mädchen fchartenüajt der künftige Sohn vor'? lind em» |

pstndet nicht selbst Oie in ^eoenöjragen ia>on geteiltere Mutter eine bittere Enttäuschung, wenn sie statt des Renommierjungen ein simples Mädchen zur Welt bringt? Verrat in den eigenen Reihen! Es ist ein Skandal!

War es schon vor der Geburt so, so wird der Bengel erst verzogen, wenn er sich einmal auf der Erde breit macht! Alle sind sie im Komplott. Selbst das Dienstmädchen sagt glück­selig lächelnd:Es ist ein Junge!" wenn das künftige Fa- mllienoberhaupt brüllt und mit den Beinchen strampelt.Es ist ein Junge!" heißt es entschuldigend, wenn er nach der Bowle auf dem Tische des Erwachsenen schielt und man ihm das Kosten gestattet. Muß er sich doch beizeiten daran gewöhnen, was in erster Linie der Mann macht: das Kneipen.

Jawohl! Im Grunde genommen steht der Mann unterhalb des Niveaus von Menschen, mit denen Frauen in irgend einen Verkehr treten dürfen. Er ist ein ordinärer Trunkenbold. Marie zur Megede prägt eine entzückende Sentenz:Der Mann kommt vom Biere und geht zum Biere." Das wird uns bleiben. Ich spüre in diesen Worten den Hauch der Ewigkeit.

Die Folgen der Trunksucht sind ja allgemein bekannt. Es ist selbstverständlich, daß Individuen, die sich von Kindheit an bis zum spätesten Mannesalter systematisch betrinken die Ver­fasserin sah einmal mit eigenen Augen, wie man nach einem landwirtschaftlichen Festessen einen hocheleganten, graubärtigen Herrn in einen Waggon einfach verlud es ist selbstverständlich, sage ich Pardon, sagt Marie zur Megede, daß derartige Individuen moralisch, gesellschaftlich und geistig auf der tiefsten Stuse verbleiben müssen.

Wo sind die Häuser, in denen man sich bemüht, den Sohn aus diesem Sumpfe zu erheben, bei ihm Gefühl, Rücksicht und Opferfteudigkcit auszub'llden'? Er ist von Jugend qn ein über­tünchter Barbar.Gnädige Frau" oderKüß die, Hand^ zu schnarren, das versteht er, aber diese Galanterie ist nur Ver­stellung. Sobald er seiner Schwester eine Nadel ausheben oder ein Paket tragen soll, wird er einfach grob; und wenn ihn feine Mutter bittet, statt des Dienstmädchens im Grünkram­keller etwas zu besorgen, behauptet er empört, daß sich das für ihn nicht schicke.

Kann em derartiges Individuum für geistige Ausbildung irgend ein Interesse haben'? Gewiß bringt man ihnen in den Schulen das llneiubehrlichste bei, denn es heißt:Der Junge soll es zu etwas bringen." Es ist ja empörend genug, aber Tatsache: die ganze Familie betrachtet es sogar als Ehrensache, daß der Junge sortkommll Aber das alles ist nur äußerlicher Schein, Renommage. Um wahre Bildungsinteressen handelt es sich hier nicht. Auf die großen Fragen der Menschheit blickt der Heranwachsende Mann verächtlich herab., Musik ist für die Musiker, Malerei für die Maler. Und lesen? Lesen ist Luxus! Lesen ist Zellversäunims! Für ernsthajte Leute behaupten diese arroganten Burschen werben Frauenromane nicht ge­schrieben.

Darum sieht es denn auch in ihren Köpfen fo öde aus. Man sehe sich nur die männliche Unterhaltung an.Die Frauen" rühmt Marie zur Megededie Frauen klatschen, trotz Selektaexamen und Atädchengymnasium; die Männer ,simpeln Fach' und erheitern fia), jung und alt, mit Anekdoten, die Zu­meist weder geistreich, noch originell, sondern nur gemein sind."

Diese Parallele ist cihrilciciib. Hier muß die Reform ein­fetzen. Die VJiäimcr mühen sich, die mit alten Anekdoten ge­würzten Fachgesprache abgewöhnen und Hattet)en lernen.

Aber noch ein anderes muß ihnen beigeoradjt werben. Sie dürfen sich nicht als das privilegierte Geschlecht betrachten, dem baS aixbere Opfer zu bringen hat. Heute ist es nun mal so. Der Sohn ist das Jbol. Diese Mütter! Sie opfern ihm Zeit, Geld, Gefühle, ihre Töchter und jedes anbere weibliche Wesen, das die Kreise fernes Wohlbesindens, feiner Karriere, seines be- haglichen Lebensgenusses stört. Staubet hat recht, wenn er im Jmmortel" sagt:Im Roman ohne Liebe der modernen Fran ist der Sohn der wahre Geliebte."

Aber wer trägt die Schuld daran, daß die modernen Frauen ohne Liebe leben ? Die Mütter selbst, meint die Verfasserin, die ihre Söhne zu hartherzigen Strebern erziehen. Sie sind es, die die Söhne vor Liebe beschützen. Kein Wunder, daß ber junge Mann, vorn Tertianer aufwärts, sich hütet, mit einem Mädchen ins Gerede zu kommen, das, mag es auch ein Enget

an Schönheit, Gute und Tugend sein, doch völlig außer Wett­

bewerb ist, weit es keine Mitgift hat. Der Manu lernt es, sein Herz zu disziplinieren. Was ist ihm die Frau? Ein Wild,

ixid man unifiellt, umgarnt, zum Fall bringt. Eine Jagdbeute,

eine Nummer im Reiwrnmierpirsch des männlichen Erfolges.

Nur mit den wenigen rechnet man, J)i'eetwas haben". Sei vorsichtig!" mahnt der VaterSieh zu, daß du feine Dummheiten machst! Trachte, es besser zu treffen als ich!" DiesesHat sie was?" das fiel) der Mann auszurusen nid)t ent­bindet, wenn er die Bekanntfchaft eines ansprechendeil Mädchens macht, kennzeichnet in den Augen der Verfaueriai die ganze Tief: seines Falles. Es ist, meint sie, eine viel schmachvollere Er­niedrigung als die des Weibes, das die Straße verschlingt.

Das muß anders werden. Der Mann muß es lernen, unter völligem Ausschluß von Ver,vrgungsangsttichieiten, von wirtschaft­lichen Nebeiigedanten, ehrgeizigen Planen für feine künftige Familie und derartigen Zwectwfigketten seiner obersten Pflicht nachzu- lommen: zu heiraten. Das ist die pral'tifche Losung der Frauen- frage. Die Frauen mühen alle weggeheiratet werben, ob reich, ob arm, ob schön, ob häßlich, ob gut, ob zänkisch. Und zwar aus Liebe!

Wlarie zur Ätegede sieht es ein: bevor eine derartige all­gemeine Heiratswut Oie Manner ergreift, muß ihre Psyche gründlich umgeknetet werden. An der Wurzel muß man beginnen, an den ersten Eindrücken. Die systematische Seelenticrgiftung^ muß aushören. Und wo ist ihre tiefste Quelle? Marie zur Megede hat sie entdeckt, wo niemand sie vermutet hätte. Dr. Martin Luther ist ber Schuldige. Der große Reformator hat in einer Anwandlung von Lebenslust ein gar gefährliches Berschen ge­dichtet:Wer nicht liebt Wein, Weib unb Gesang, der bleibt ein Narr fein Lehen lang!" Ich bitte: ist das eine Erziehung zur Ehe?Es wäre sicher beher" doziert die Verfasser in loenn man diesen Spruch seltener auf Tiscylliufern, Wand­brettern, Weinllninen, geftiat, gemalt, geschnitzt georannt und graviert sähe. Die Jugend hat zuviel Gelegenheit, ihn zu buch- ftabu-ren, zu lesen und nach Maßgabe ihrer Phantane zu illu­strieren."

Gewiß! Machen wir also den Anfang damit, das ehegefährliche Motto von unseren Tischläufern usw. schleunigst zu entfernen! Unb in diesem herrlichen Geiste sollte die ganze Erziehung der Heranwachsenden Männer geleitet werden, öielbeivußi, wie die Frauen sie brauchen! Das ift, nach der Ansicht Marie zur Megebe die keine Frauenrechtlerin ist, die Hauptaufgabe der modernen Frauen: zielbewußte Mütter auszubilden.

Denn in Umkehrung des bekannten Wortes über die Frauen­pflicht muß es in Zukunft heißen:Dienen lerne beizeiten der Mann nach ferner Bestimmung!"

Vermischtes.

* Rotterdam, 27. Jan. Der Wächter Apeldoon des lönigL SchlossesH et Loo" bemerlte gestern abend, daß aus der Wohnung bes Hofzimmermeisters, die an den Palast anstößt, Rauch auffiieg. Als er Alarm schlug, fiel einer er­schrockenen Frau die brennende Lampe aus der Hand, woburch ebenfalls Feuer Entstand. Die Familie des Zimmermeisters konnte sich infolge der Ausdehnung des Brandes nur über das Dach de» Hauses in Sicherheit bringen. ES gelang schließlich, des Feuers Herr zu werden, bevor daS Schloß selbst in Brand geriet.

* Belgrad, 27. Jan. In der Wohnung des Kron­prinzen ereignete sich gestern ovend infolge Unvorsichtigkeit des Dienstpersonals eine Explosion von Gewehrpulver, die jedoch keinen Schaden anrichtete. Im Jagozimmer stand in unmittelbarer Nähe eines Ofens in einer offenen Blechbüchse eine ziemlich große Di enge Jagdpulver, das zur Herstellung von

Jagdparronen unb Raketen bestimmt war. Dasselbe explodierte, da der Ofen zu stark geheizt war, mit ziemlich heftiger Detonation.

* Kleine Tageschronik. In Essen sind 25 Gym­nasiasten, Quartaner und Tertianer, also Knaben im Alter von 11 bis 15 Jahren, des Bandendiebstahls überführt worden. Wahrscheinlich durch schlechte Bücher angeregt, hat sie die Sucht nach Taten und Abenteuern zu den Streichen verleitet; sie betrieben das Stehlen gewissermaßen als Sport und verschenkten die gestohlenen Sachen. Es ist bei Schulstrafen geblieben; etwa die Hälfte ist aller Schulanstallen ber Provinz (nicht des Staates) verwiesen worden.

Sandel und Verkehr, Volkswirtschaft.

Besseres B ö r f e n ro e 11 e r. Manche Umstände lassen da­rauf schließen, daß die Börsenlage in nächster Zeit sich wieder zuversiclftlicher gestalten wird. Anregend wirkten die langsich- tigen Kvhlenabschlüsse der bayrischen unb württembergischen Staats- bahnen, die ihren Bedarf an Ruhr kohlen bis zum Jahre 1915 gekauft haben ;ini> die nunmehr eingeteitete Elektriuerung des Betriebes auf einer Linie der preußischen Staatsbahn, nämlich der Linie AltonaKiel. Dus diesen beiden Umständen schließt man ganz besonders auf die Fortdauer her guten Konjunktur. Ferner dürste die allgemeine Stimmung nach Auffassung der K. Z. durch den Reichstaaswahl-Aussall gesestigt werden, da anzunehmen ist, daß die Negierung in dem neuen Reichstag die Kvlonialsrage ihren Anträgen gemäß zur Durchführung bringen werde. Der Druck, der die ganze vergangene Woche auf die Börse gelastet hat, ließ bereits am vergangenen Samstag ziem­lich nach, zumal Geld billiger zu haben wttr als seither, trotz der leichten Versteifung des Privatdiskonts.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 28. Jur. (Orig.-Telegr. desGießen. 91113.) AnnllcheNotierungen der heutigen Fruchtinarklpreise. Weizen Pik. 18.2500.00, Kurhefsifcher Wik. 18.7500.00, La Plata Alk. 19.7520.25, KanfaS 2)if. 19.7520.25, Roggen (hiesiger) Pik. 16.7500.00, Gersle (Wetterauer) Pik. 17.0017.75, Franken- selber Mk. 00.0000.00, Safer 17.0018.75, Mais Plt.l3w013.75, Weizenmehl 27.0028.25, Ai. 0000, 2. Qualität Alk. 25.25 bis Atk. 26.25, 3. Qualität Mk. 23.2523.50, Roggenmetst 0 Mk. 25.0025.50,1. Qualität Mk. 24.0024.50, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.0011.25, Maiskenne Mk. 11.00 vis Rik. 11.50, Franken, Pfälzer, Ried Pik. 18.5019.25. Alles per 100 Kg. ab hier.

fc. Frankfurt a. M., 28. Jan. (Telegr. Orig.-Bericht desGieß. Auz.). Amtl. Notierungen der heutigen Viehmark tp reif e. Zum Verkaufe standen: 395 Ochsen, 83 ans Oestreich, 28 Bullen, 18 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 744 Kühe^ Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Dänemark, 283 Kälber, 246 Lchase und Hämmel, 00 Schale aus Oesterreich, 0 Ziegen, 1548 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht Ochfcnl. Qualität 8085 Mk., 2. Qual 7074 Pik., 3. Qual. 6265Pik.; Bullen 1. Quall 73 bis 75 Pik., 2. Qual. 7172 Pik.; Kühe 1. Qual. 7275 'Ult., 2. Qual. 68-70 Pik., 3. Qual. 58-60 Pik, 4. Qual. 0000 PU., 5. Quall 0000Pik. Kalbei: l.Qual.100104 Pfg., Lebendgewicht 6062 Pf^ 2. Quall 8896 Pfg., Lebendgewicht 5256 Psg., 8. Qual. 6870 Pfg., Schlachtgewicht 6870 Pig., Schafe: 1. Quall 8082, 2. Qual. 7476 Pfg., 3. Quall 0000 Pfg.; Schweme 1. Qual. 6667 Psg., Lebdgew. 53.0000.00 Psg., 2. Qu.65-66Plg., Leveiid- aew. 52.0000 Pfg., 3. Quall 5658 Psg. Lebendgew. 00 Pfg. Markt gut, Markt geräumt. Das Vieh aus Oesterreich wurde übernotieru

GeriehtssaaL.

D i e Wörrnannlinie hat gegen denS i rn p l i z i s s i - rnus"- Zeichner Gulbransson eine Belei digungs- klage angestrengt wegen eines imSimpl." erschienenen Bildes, das eine mit ihrem Kinde am Hafen fitzende Frau darstelll und die Unterschrift trägt:Wir können Vatern nicht begraben, Wör­mann gibt die Leiche nicht raus, bis das Lagergeld bezahlt ist", dar stellt. Die Redaktion desSimp." hat die Forbcrung Wörmanns, sich wegen des Bildes zu entschuldigen, mit dem Hinweis abgelehnt, daß sie dem Prozesse mit Befriedi­gung entgegensetze, weil er geeignet fei, manck-erlei be­merkenswerte Ein zeihet ten über hie Wörrnannlinie an die Öffentlichkeit zu bringen.

Dresden, 27. Jan. Die zweite hiesige Strafkammer ver- rteilte die Frau Landgerichtsrat Böhme aus Ehem- nitz wegen Betruges in 15 Fällen zu sechs M o n at enGe­sa n g n i s. Die 19jährige Tochter Mana Böhme wurde wegen Beihülfe zum Betrug zu eine m Monat Gefängnis verurteilt.

Griginal-Drahtmeldungen.

Berlin, 28. Jan. Der Erlaß des Kaisers betreffs der Majestäts-Beleidigungen wird von den Montags- Blättern mit unverhohlener Sympathie begrüßt.

Berlin, 28. Jan. Trotz der amtlichen Warnungen ift bei der letzten Reichstagswahl in Berlin mehrfach von un­befugten Personen versucht worden, für Wahlberechtigte zu fununen. In mehreren Fällen sind die Personen feflgeflelli worden und sollen zur Anzeige gebracht werden. Die V o r- bereitungen für die Stichwahlen werden getroffen. In Berlin I wird der konservative Wahlausschuß die Wähler auffordern, für den Freisinnigen Kämpf zu stimmen. Ueder die Stellungnahme der Bodenreformer verlautet noch nichts gewisses. Wie heißt, soll den Wählern freigeslellt werden, für welchen Kandidaten sie sich in der Stichwahl entscheiden wollen. Ausschlaggebend ist die Haltung der Bodenreformer nicht, da der liberale Kandidat mit Hülfe der Konservativen sicher gewählt wird.

Posen, 28. Jan. Die erste Nachwahl zum neuen Reichstage hat im Kreise Wreschen-Pleschen-Jarotschin stattzusinden. Dort wurde mit großer Dlehrheit der Pole von EzarlinSkl auß Thorn wiedergewählt. Dieser errang aber auch ein zweites ReichStagßmcmdat im Wahlkreise Wirsitz-Schubin. Der Doppel-Rlandatac wird daß erst nach hartem Kampfe errungene ReichStagß-Piandat m Wirsitz- Schubin annehmen, weshalb in Wrejchen-Pleschen-Jarotschm, daS zum sicheren polnischen Besitzstand gehört, eine Ersatz- wähl stattfinden muß.

St. Johan«, 28. Jan. TaS Schlagwelter-Unglück in der Grube Reeden ereignete sich heute vormittag 7.80 Uhr in der 6. Tiesbausohle. ES wurde ein großer Sind der Strecke verschüttet, in dem sich 200 300 Bergleute befinden, über deren Schicksal nichts bekannt ist. Zu dem nicht ver- schütteten Teil der Strecke wurden 1012 gräßlich verstümmelte Leichen und zahlreiche Schwerverletzte gesunden. Tic Rrttuugs' Mannschaften arbeiten unausgesetzt in fieberhafter Eile; es gelang ihnen indessen noch nicht, an die Verschütteten heranzulommen,

St. Johann, 28. Jan. Im Kohleuseld Grube Reeden erfolgte heute zwischen 4 und 5 Uhr eine Explosion schlagender Wetter. Es verlautet, daß 6 Bergleute getötet und eine größere Anzahl verletzt sind. Einzel­heiten fehlen noch.