Im folgenden teilen wir noch einige bemerkenswerte Wahlergebnisse, unsere Sonntags-Meldungen ergänzend, zum Teck auch berr^trgend^v^t-Altstadt (bisher S). Gradnauer iS) 19 389, Heinze (Nl) 18 701, Unrasch (K) 4966, Erzberger (Z) 54o St.
Dresden-Neustadt (bisher S). Kaden (S) 15813, sämUiche Gegner zusammen 11697.
Dresden-Land (bisher S). Dorn (S) 29381, Bassenge (Nl) 22 489 Stimmen, also Wiederwahl des Sozialdemokraten.
München 2. Stichwahl zwischen Bo Ilmar (S) und
Koh (Nl).
Schwerin (bisher und Starossou (S).
Elberfeld (bisher und Molkenbuhr (S).
M ü n st e r - Cösfeld.
Nl). Stichwahl zwischen Büsing (Nl) S). Stichwahl -wischen Linz (ChrS) Frhr. V. Herkling (Ztr.) toieder-
Stichwahl zwischen Müller (Fr. Vp.)
gewählt.
Altena - Iserlohn.
und Haberland (S). t
Meppen- Lrngen-Bentheim. Engel en (Ztr.) wredergewählt mit 20137 Stimmen. Kolonialdirektor Dernburg erhielt 6452
Stimmen. zn., .
Siegen-Wittgenstern. Stocker (Chr.-L>.) gewählt.
Schleiden-Malmedh-Montjoii. Prinz Aren- b e r g (Ztr.) gewählt.
Kleine Rtlchstagswuylnachirchtcu aus dec Zlmgegend.
Gießen, 28. Januar 1907.
In einem Dorfe des Kreises Gießen (der Name tut nichts zur Sache) wühlte u. a. ein Mann, d.r erst kürzlich das 25. Lebens.-hr zurückgelegt h^tte. Beim Zählen der öi immen sand num einen Stimmzettel nut besten Namen, unter bleiern Namen den des xu Wählenden. Aus Befragen seiner Freunde, warum er seinen Namen hingeschrieben hätte, antwortete er: „Sonst hatte man ja nicht gewusst, wer beit Stimmzettel abgegeben hat." Eine grüßen Lachsalve über diese Ausübung des geheimen Wahlrechts wurte wohl selten gehört und der junge Mann kann sich nirgend- blicken lassen, ahne gehänselt zu werten.
-o- Wahlergebnis aus Bad-Rauheim: Graf Lriola 305, Dr. Strecker 3'6, Busold 278, Bähr 23 Stimmen.
a. Lauterbach, 27. Jan. Die ReichStagswähl hat sich hier recht ruhig abgewickelt; sämtliche in ter Urne befindlichen Stimmzettel waren gültig und lein einziger mit Ulk berieten. Ein Zeichen, daß sich jeher Wähler ter ernsten Sache bewußt war. Dagegen versuchten am Abend im Saale der Johannisburg, wo sich viele Wähler zur Bekanntmachung der Resultate zusammengeiunten hatten, einige halbwüchsig, Jungen die Ruhe zu itöreu, inoent sie beim Verlesen ter Resultate lärmten, Tierstimrnen nachahmten und sonstigen Unfug trieben. Es wäre wünschenswert, wenn am 5. Februar bei der Stichwahl das Betreten des Lokals nur Wahcherechugten, nicht aber Eaunt aus ter Schule entlassenen Jungen gestatte, wurde, was gewiß im Sinne alter wahlberechtigten Scanner, ohne Unterschied der Partei, sein dürste.
Aus dem Kreise Wetzlar luirD uns geschrieben: Ein lustiges Wahlvortommnis hat sich in einem Dorfe unseres Kreises am Freitag zugetragen. Kommt da ein Wähler zum Wahtioral, um seine Stimme abzugeben. Er suchte vergebens unter ten aus tem Tisch liegenden Stimmzetteln, tonnte aber leinen richtigen finden, bis er zuletzt mißmutig wurde. Ein gerade eintreienter teert fragte ihn, was er suche, und erhielt nach hiesiger yjluiiteiri die hübsche Antwort: „Ei äa> siche des teeyligenstädtche. Do hunse immer im Blaut dcvo geschriewe, das wer so en t iüj t ige M ann, ä ch, mahn, den kennt m e r nähm!" Der teen wollte dem so arg Verlegenen Helsen, hatte er doch einen Nationalgeiinnten vor sich, „teier haben Sie einen Stimmzettel, teerr .heyligenstaedt ist ja hier Nicht ausgestellt, fonbern int Wahlkreis Eiegen." Mit biejen Worten war der Mann getröstet, denn er antwortete: „No, so gäbt doas Zellge mol her, doas tann mer joa :utstecke." Fröhlich ging er daraus zur Wahlurne und ließ feinen Stimmzettel dann verschwinden, hatte er doch das Bewußtsein, daß so dem gleichen geheimen Wahlrecht voll genügt sei.
^Antwort auf die Erwiderung Bindewalds - die Grebenhainer Versammlung betreffend.
■ . Es ist — so schreibt man uns — empörend, wenn man lesen muß, in welcher Weise der Puckierjünger die Ursachen ter Larmszeuen von sich abzuwälzen sucht. Als teerr te aas zur Geschäftsordnung das Wort ergriff, um zu verhüten, daß eine so große Versammlung von dein iwch Politisch unreifen und noch nicht ivahlberechtigten teerrn Schmalbach aus Eraiitseld ge- leiict würde, uno bett Beigeordneten Äiüller zum Vorsitzenden vorschlug, da wurde dieser Vor,listag von dem größten Teil der Versammlung angenommen. Trotzdem präsidierte teerr S. ruhig weiter. ^iftvlge ter hierdurch entuantenen Storung glaubte |iaj teerr Bindewald zu folgender Aetißerung oeramaßt: „Da seht Ihr ja bic nabele MamoiiSioeije der natumaiiioeraien Partei und der Lauterbacher teerten", obwohl sich noch niemand aus Lauterbach tettc hören bauen. Wenn nun Btntewalb teerrn Dr. Wallau Doppeizungigteit borroarr, bald au, den Gießener, bald auf den Lauterbacher Anzeiger, bald auf Dr. WaUau los- schlug, dies alles aber ableugnet, so muß er entweder die befaunte Lieberuiannsche Gebachl.iiS,chwache besitzen ober sich im Besitze der Vücklerschen Reoe,ceiheil loäljnen. Bindewald und fern Vonttzenter haben burai ihr Verhalten währetib der kurzen Diskus,ion gezeigt, daß man beide n t a> t e r n ft n e h m e n konnte. Konnten doch politisch Unreife sowie stark Bezechte ungehindert debattieren, wahrend man die sachlichen Ausführungen des Amtsrichters Dr. teoj kurzerhand bas Wort ab- schnttt mit der Bemerkung, seine 10 Minuten seien abgelaufen, obwohl der promwruche Voriitzende ihn sieben Minuten lang iuiterorou)cn hatte, um feine Anwartschaft auf den Vor,itz sowie feine hochgradigen parlamentarischen Meniitiulie feinen Zuhörern plausioel zu machen. Daß sich ieter nmiunbige Vogeisoerger ein Schimpfen auf feinen früheren SirciSrat von einem Agitator und Püctierfreunb nicht geialien läßt, tann man ihm nicht verübeln. So läßt es sich leiicho begreifen, daß die Greoenhainer Versammlung tem Schiasai der Puaieroersananlungen anheimfiel. Bindewald handelt frivol, wenn er die Ursachen her Störungen den Anhängern Wollaus nt die schuhe schiebt. Terartige chad^u- verfamiittungen hat er sicher schon bei |einem Freunve Puctler mUerlebt. iziud) oci dessen Ver,kimmlungen wird man die ytaöaiu» szenen nicht den Teilnehmern, sondern ihren Führern und Eiu- berujern stets au(s -syuibtonto setzen müssen, lins lioeraien Wählern kam die Auslösung i hr ungelegen. Wie ui Laubach, so hätte auch hier Bindewald manche unsinnige Behauptung zuruclnehmen müssen.
politische Tagesschau.
Dernburg über die Wahlen.
Die Wiener ,sJieue Freie Presse - veröffentlicht eine Unterredung ihres Berliner Korrespondenten mit Kolonial- direklor Dernburg, der erklärte, er hätte einen so günstigen AuLgang nicht erhofft, und er sei überzeugt, oaß die von der Regierung ausgegebene Parole diese Wirkung her» beiführte, die em erfreuliches Symptom sei, daß der unsere Zeit beherrschende Materialismus doch nicht allmächtig fei. Die Niederlage der Sozialdemokraten fei sicherlich durch ihre antmaiionalc Gesinnung verursacht worden.
Er sei mit dem Wahlresultate recht zufrieden; auch für iie Stichwahlen beständen gute Hoffnungen. Im neuen Reichs- tage würden hoffentlich die Kredite für Südwestafilka bewilligt werden. Eine neue Kolo nial vor tage werde die Regierung nicht einbringen.
In einem Gespräche über den AuSgang der Reichstags»
wählen erklärte ferner Kolonialdirektor Dernburg, der übrigens am Sonntag beim Kaiserzu Gaste war, ob das Zentrum sich nunmehr willfähriger gegen die Forderungen für die Kolonien erweisen werde oder nicht, habe für die Regierung nicht mehr die frühere Bedeutung, nachdem eine Majorität hierfür auch ohne das Zentrum gewonnen worden ist. Direktor Dernburg macht trotz seiner ungeheuren Arbeitsleistung den Eindruck vollster Frische. — In Berlin beschloß eine Versammlung von jungen Akademikern zu Ehren des Fürsten Bülow und des Kolonialdirektors Dernburg einen Fackelzug zu veranstalten, der zugleich eine Protestkundgebung gegen das Verhalten der Polizei in der Wahlnacht darstellen soll. (Vergl. den Artikel „Kundgebungen" re. im 3. Blatte.)
Aus S.aSt uuo Lano.
Sprechstunden der Reha'ftwn 11—1 Uhr vorm., i/»7—Vs8 Uhr abds.
Gießen, den 28. Januar 1907.
" ReichstagSwahl. Unser Nachrichtendienst zur Ein- holung der Reichstagswahlergebnisse funktionierte am Abend des Wahltags ganz vorzüglich, sodaß das Schlußresultat schon um 11 Uhr bis auf wenige Orte fest stand. Von diesen Restanten trafen Samstag früh noch zwei ein, so daß nur pvei Ortsoorslande der tm öffentlichen Interesse an sie er- langenen Bitte, uns auf unsere Kosten das Wahlresultat zu übermitteln, nicht entsprochen haben. Wir haben uns deshalb auf anderem Weg über das Wahlergebnis in diesen beiden Orten informiert und teilen es nachstehend mit. In Geilshausen (116 Wahlberechtigte) erhielt Heyligenstaedt 26, Köhler 50 und Krumm 16 Stimmen, und in Bleichen- bad) Heyligenstaedt 19, Kohler 90 und Krumm 59 Stimmen. Unter Berücksichtigung einiger sonstigen kleinen Korrekturen ist das Gesamtresultat:
Heyligenstaedt 7486 Stimmen Köhler 8950 Krumm 6445 „
Gültige Stimmen wurden von 80,06 Prozent der wahlberechtigten Wähler abgegeben.
** Notariats-Personalien. S. K. te- der Großherzog haben den Notar Friedr. Karl Bohn in Wörrstadt 5um Notar mit dem Amtssitz in Alzey als Nachfolger des Notars Bechtold daselbst und den Gerichtsassessor Dr. Karl te o f f m a n n aus Alsheim zum Notar mit dem Amtssitz in Wörrstadt als Nachfolger des Notars Bohn ernannt.
** Ordensverleihung. 2. K. te- der Großherzog haben dem Werkmeister te- Kolb I. aus Wieseck, in Diensten Der Firma S. Bock L Co., Zigarrenfabrik in Gießen, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit" verliehen.
** Damit die Lehr er st eilen an Volksschulen rascher besetzt werden können, sind von jetzt ab die Gesuche um Ueteriragung von solchen längstens binnen drei Wochen vom Tage der Bekanntmachuiig an einzureichen.
*• Der Lehrer-Sängerchor Gießen pflegt alljährlich einmal einen größeren Zuhörerkreis zu einem Liederabend zn versammeln. So auch am Samstag im Saale des Caf6 Leib. Was da an Chören zum Vortrag kam und Die einfache, ansprechende Weise, mit der sie gesungen wurden, zeigten, daß sich die verhältnismäßig kleine Sängerschar mit der Pflege des Volksliedes eine recht dankbare Aufgabe gestellt hat. A capella gesungen, zeichneten sich 'die Chöre durch ursprüngliche Frische des Vortrages und meist auch durch hervorragende,Klangschönheit aus. Das deutsche Volks- lieö „Die Heimat" nach Jos. Schwartz, die schwedische Volks- ivcise „Am Aarensee" nach Ignatz Heim und „Tik e tit e tot 1* aus dem Italienischen nach H. Jüngst waren Leistungen, die mit reichern Beifall belohnt wurden. Zwei Lieder für Tenor und zwei für Bariton brachten angenehme Abwechslung. Auch einige tüchtige musikalische Kräfte hatten ihr Können in den Dienst des Vereins gestellt. So wurde der Liederabend mit einem Trio für Violine, Bratsche und Klavier eingeleitet. Ein Violinsolo „Berceuse de Jocelin“, von Godard kam geschmackvoll zur Wiedergabe und mit dem prächtigen Kalserquartett, Variationen von Haydn für zwei Violinen, Bratsche und Violoncell wurde das Programm würdig beschlossen.
** Begnadigung. Der 21 Jahre alte Schleifer Adam Steinmetz von Pfungstadt, der am 11. März vorigen Jahres zu Pfungstadt die Wftwe Rotschild ermordet und beraubt hat und deswegen vom Schwurgericht am 25. September v. I. zum Tode oerurteilf worden ist, wurde, wie in der „Darmst. Ztg." mit» geteilt wird, von S. K. te. dem Großherzoge zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Die Begnadigung ist im teinblick darauf erfolgt, daß die im gerichtlichen Verfahren zugezogenen ärztlichen Sachverständigen den Täter für geistig minderwertig und deshalb gemindert zurechnungsfähig erklärt haben uni) dieses Gutachten durch eine neuerdings eingeholte gutachtliche Aeußerung der Ministerialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege bestätigt worden ist.
** lieber d i e Comoren, eilte vulkanische Inselgruppe im Norden von Madagaskar, wird am Dienstag, den 29. Januar, in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Prof. Dr. A. V o e l tz k o w - Berlin sprechen. Der Vortrag fiiidet in der Aula der Universität statt.
** E i n h e r z l i ujc s Lachen veranlaßte am Freitag abend vor dem Dause des „Gießener Anzeigers" eine ziemlich beleibte Frau, die aus der Wagengasse mir ihrem teandwagen in die Schulstraße fahren molne. Angesichts der großen Menschenmenge fragt die Frau höchst erstaunt: „Um teimmels willen, was ist denn hier los, was ist denn eigentlich passiert?" Das hieraus folgende große Gelächter wurde aber von einem Arbeftsmann unterbrochen, indem er der Frau antwortet: „Liebe Frau, sehen Sie dort die drei großen Nummern am Fenster? Das sind die 3 größten Gewinn-Nummern der Preußischen Klassen-Lotterie!" Daraus antwortet schlagfertig Die Frau: „Na, ich komme ja deswegen mit dem Wagen, um das Geld aozuholen."
X. teanau, 27. Jan. Im bciiaujbaru.i Alzenau ist über die Familie des Handelsmannes Berny.uo Hamburger ein schweres Unglüa heteiugedrochen. Als morgens die Tür zur Wohiiung verschlossen blico, vermuteten Die Umwohner ein tlnglüct und öffneten uic Dar gcwaltsau.crn-. ,c. Beim Betreten des Schlafzimmers fanb man slil ann, Finu und K i nd bewußtlos im Bette liegend vor. Turck si atmen Don Kohlen- oxpdgas,^ das dem Die Nacht hindurch gci)e. n Ofen emitromte, ist dte Familie an Vergijtungserscheinung^. schwer erkrankt und ringt mit dem Tode. Zwei Aerzle sind unermüdlich tätig, die Familie zu retten.
Dermifdttete
• Brände. Da§ größte Sägemühleninduftrie- werk WestpreußenS in Splawie bei Osche ist total nieder- gebrannt. Der Schaden ist bedeutend. Einige Hundert Arbeiter verlieren ihre Beschäftigung. ES wird Brandstiftung vermutet. — Eine große Feuersbrunst wütet in Baumgarten im schlesischen Kreise Bolkenhain. Der Brand entstand im evangelischen Pfarr Hause, das vollständig niederbrannte. Hierbei wurde em beträchtlicher Teil der Kirchenakten vernichtet. Tas Feuer sprang auf die benach. barten Gebäude über, die ebenfalls eingeäschert wurden. Die vom Flugfeuer stark gefährdete Kirche wurde erhalten.
* Xie geistige Verschiedenheit der Geschlech- ter. Ans Newyork wird berichtet: An der Columbia-Universität ist eine lange Reihe von Experimenten vorgenommen worden, um die Verschiedenheit der geistigen Fähigkeiten bei teiden Geschlechtern zu ergrünten, Die Versuche haben sich über tiiefl Jahre erstreckt. Nach ihrem Ergebnis hat das weibliche Geschlecht ein stärkeres Gesichtsgedckchtnis und eine schnellere Auffassungsgabe: der Mann dagegen besitzt die größere Kopfform, ein stärkere- Gehörgedächtnis, das schnellere Anozsierungsvcrmögen, raschere, Bewegungen und das entwickeltere Wahrnehmungsvermögen für Dimensiolien. In her Abschätzulig von Gewichten, im logischen Gedächtnis imh in ter Fähigkeit, Strapazen zu ertragen, geben die Geschlechter einander nichts nach. Man hat dabei beobackstet, daß die Studenten, die die psychologischen Prüfungen am besten bestanden, auch ihre Studien am besten zu führen wissen. Die Experimente haben ferner gezeigt, daß 50 pCl- der Anfänge» an tealluzinationen leiten, die oft durch die ganze Studienzeit währen. Meistens bestehen die Wahnvorstellungen in der imaginären Wahrnehmung von Stimmen. Ein Student gab an, daß er die Stimme leinet fünfzehnhundert Meilen eiit,ernten lUlutter gehört i-ade, und das Gespräch von Freunten, die sich unterhielten und riefen. Ein anderer erzählte, so oft er Kiavier- spiel vernähme, höre er die Stimme ferner Mutter.
* Wie a uf der Bühne geraucht wird. Das Rauchen in unseren Bühnenstücken tonnte auch für andere Leute Jnteress« haben als für ten wachhabenden Feuerwehrmann. Es liegt ein kleines Stück Kuiturge,sichte terüi, moruoer hie „Köln. Ztg." einige literarhiiwrycye Vetrachtungen aniieut. In den krasincyen Bühnenstücken spielt der Raucher noch keine Rolle. Es wurde feinen Eindruck auf das Gemüt des Zuschauers machen, wenn Wallenstein etwa nachdenklich eine „Flor Fina" zwischen den Fingern drehend, feinen berühmten Monolog anhüoe. „Wckr's möglich? Könnt' ich nicht mehr wie ich wollte?" Wir wissen auch, daß einer der berühmtesten Theaterdirelloren der klassische Zeit, Exzellenz Goethe, einer der heftigsten Gegner des Tabak- rauchens war. In ten Jntrigestücken von Dumas ffls, Augier, Sardou tauchte zuerst die Zigarre aus (gleichzeitig in ten Stucken des jungen Deutschlands), nicht bloß die euisache teöflichtefts- Zigarre, sondern die dustere, die unheildrohende, wenn etwa ein Ehemann, ter weiß, daß ec betrogen wird, sich den Liebhaber seiner Frau zu einer besonderen Zwiesprach sängt und ihm die an- gebotene Zigarre ablehnt, was symbolisch beteutet: „Lieber Freund, die Geschichte wird jetzt unangenehm!" In Sudermanns „Sodoms Ende" loirft sich ^dah Barczttw.osry in ihrer ganzen Sunden lleppigkeit, eine Zigarette qualmend, auf die Ottomane, und ein Schnittern verbreitete sich unter tem gebildeten Deutschland von 1890, a»ls es dieses sah. Ltzts neuere dramatische Repertoire hat einige Bereicherungen gebracht; die Anzengruber scheu und die SchnitzlersckM Stücke sührten die österreichischc Virginia auf die Buhne, und in ten Stücken von Oskar Wckde und Shaw ist die engtische Shag-Pseise aufgetaucht^ welche die redseligen Heldeti — leider immer nur auf kurze Ze ft — in die linke Muiiteae schieben, um dann gleich einem Wotkenbruch ihre endlosen Betrachtungen über Gesellschaft und Zivilisation auf die Zuhörer loszulassen. /
* D ie größte Apotheke her Welt oder mindestens das größte phannuzeutische Etablissement besteht nach einer Angabe des Allgemeinen Bulletins für Therapie in Moskau. Tas Geschäst tourte vor 203 Jahren unter dem Namen Alte Nikolska- Apotheka begrüntet und ging 1833 in ten Besitz des Vaters des heutigen Eigentümers über. Die Apotheke beschäftigt 700 Angestellte, darunter einen Arzt, 13 gelernte Apvlheker, 95 männliche und 11 weibliche vilfsapotheker, iö Eleven, 20 Drogisten, 106 Verkäufer wnd Lauchurfchen, 350 Arbeiter, 86 Hilfsarbeiter und 20 Arbeiterinnen. An mandxn Tagen wurden mehr als 2000 Rezepte angefertigt; jährlich mehr als eine halbe Million. Dabei sott die Verwaltung ter Anstatt eine so vortreffliche sein, daß noch niemals ein sch.'vereres Versehen bei der Bewältigung dieser umfangreicheii Arbeitslast vorgelommen ist. Der Ruf dieser Apotheke reicht weit über Moskau hinaus, so daß sie auch aus her Provinz häufig in Anspruch genommen wird.
Schiffsnachrichten.
Red Star Linie.
Der Postdampfer „Zeeland" her „Red Star Linie* in Antwerpen ist laut Telegramm am 22. Januar wohlbehalten in Ne>v-Pork angetommen.
Telefonische Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen.
Frankfurter Börse, 28. Januar, 1.15 Uhr.
3%°/0 Reichsanleihe . . 98.00 3% do. . . 86.70
Konsols .... 98.00 3% do 86.70
öM’/o Hessen . . . . 96 60 3^7o Oberhessen . . . —.— 4?6 Gestern Goldrente. . 99.70 4*/s 96 Oesterr. Silberrente 100.10 4% Ungar. Goldrente . . 96.10 4% Italien. Rente . . . 102.65 3% Portugiesen Serie I . 69.40 3% Portugiesen „ III 70.40 4 xa °i0 rnss.Staatsaul. 1905 91.50 4>2°o japan. Staatsanleihe 94 80 1^6 Conv. Türken von l^Ob 96.10 Tiirkenlose .... . . 146.40 4% Grieeh. Mouopol-Anl. 52.10 4% äussere Argentinier . 88.80 3°i0 Mexikaner . . 66B5 4>$<7O Chinesen .... 97.90
Aktien:
Bochum Guss 245.20 Buderus E. W ... 128.40
Tendenz: fest.
Berliner Börse, 28.
Canada E. B 182.70 Darmstadter Bank . . . 139.6U Deutacne Bank .... 242 bu Dortmunder-Union C. . . 88.2u Dresdner Bank . . . 159.0V
Tendenz: lest.
Elektriz. Lahmeyer . . . 142.00 Klektriz. Schuckert . . . 121.00 Eschweiler Bergwerk . . 248.75 Gelsenkirchen Bergwerk . 218.75 Hamburg-Amerik. Paketi. 153.50 Harpener Bergwerk. . . 220.00 Laurab litte 243 20 Nordd. Llojd 131.10 Obeischles. Eisen-Industrie 124.50
Berliner Haudelsges . 174.50 Darmstädter Bank . . . 14U.OO Deutsche Bank . . . 243.20
Deutsch-Asiat. Bank . . 173.10 Diskunto-Kommandit. . . 186.30 Dresdner Bank . . . 159.10 Kreditaktien 216.80 Baltimore- und Ohio-
Eisen Lahn . . . 117.00
Gotthard bahn —•— Lomoaru. Eisenbahn . . 32.90 Oesterr. Staatsmann . . . 147.60 Pnuee-Henri-Eisenbahn . 149.00
Januar. Anfangekurse.
Harpener Bergwerk. . . 220.00
i.auraUütte . . . 243.20
-umbarden E. B. ... 33J0
Aordd. Lloyd 131.U0
L ürkenluse . .... 146.90
Verdauungs-Zj
Störung.
Diarrhoe etc.
Die Kinäeroedeihen vorzüglich oabei & leiden nichte^M an
Hervorragend bewährh bei Brechdurchfali, ^•Jf^Darmkatarfh,
Kmdermehl


