Zweites Blatt
lr. %00
157.1
Erschein! tSgNch mit Ausnahme de- Sonni^gS.
Die „Äicßcner Zamilienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblott für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Sanbwlrt“ erscheint monatlich einmal.
Redaktion, Expedition und Druckerei! Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion.^OiiL. Tel.-AdruAnzeigerDießen.
Dienstag SV. August 1907
A Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen
UniversitatS-Buch- und Steindruckerei.
£ B R. Lange, Gießen.
Herman n K r ü g e r.
stehen.
54. Deutscher Katholikentag.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
S. u. H. Würzburg, 25. Aug.
Mit einem feierlichen Geläut sämtlicher Glocken der 24 kathol. Kirchen Würzburgs und einem Hochamt im Dom wurde heute Vormittag die 54. Generalversammlung^ der Katholiken Deutschlands eröffnet. Die Stadt des heil. St. Kilian ist aus Anlaß dieser Tagung festlich geschmückt. Auch die Staatsgebäude haben auf Anordnung der Regierung geflaggt und zwar in den bayer. Landesfarben. Die Zahl der Teilnehmer bewegt sich zwischen mwr-wiiu mir iVi—ni in »Mi ii । .
Selbstbetrachtung durchzogen die gewaltigsten Menschheitsgestalten seinen Sinn: Sokrates, Cäsar, Ahasverus, Mahomet und Faust. Faust allein nahm feste Gestalt an, die übrigen Pläne wurden mit unserer Sehnsucht gezeigt. In Wetzlar wuchs der Dichter tiefer in Götz von Berlichingen hinein. Auch manche Keime von Hermann und Dorothea liegen hier. Dann aber ist Wetzlar vor allem die Stadt Werthers. Diese größte Jugendschöpsung wäre ohne die Erlebnisse in Wetzlar, ohne die Liebe zur Amtmannstochter Lotte Buff nicht entstanden. Es ist bekannt, wie Goethe seine Lotte, eine Freundin seiner Cousine Johanette Lange, am 9. Juni auf einem kleinen Juristenballe in Volpertshausen kennen lernte. Lotte glich einem heiteren Frühlingsmorgen. Im Werther lheißt es: „Ich fand so viel Charakter in allem, was sie sagte, ich sah mit jedem Wort neue Reize, neue Strahlen deS Geistes aus ihren Gesichtszügen hervorbrechen, die sich nach und nach vergnügt zu entfalten schienen, weil sie an mir fühlte, daß ich sie verstand/ Goethes Liebe entflammte so heiß, daß es ihn: eine starke Ueber- Windung kostete, sich der Verlobten Kestners wieder zu entreißen. Alles, was der Jüngling bei seiner schwärmerischen Betrachtung der Statur gefunden hatte, erblickte er nun so überreich in der Gestalt eines reizenden Mädchens verkörpert. Und was der Natur versagt ist, gab die Neunzehnjährige: Die Güte eines reinen Herzens, Glückliche Stunden verbrachte der Dichter in dem alten Deutsch» ordenhause, wo er auch Lottens Vater und Geschwister kennen lernte. Und alL das kurze Liebestdyll den für Goethe schmerzlichen Ausgang genommen hatte, klagte er auS tiefstem Innern: „Ich bin nun allein und darf weinen, ich lasse euch glücklich und gehe nicht aus eurem Herzen/ Der alte Merck wurde auch in dieser Liebesaffäre Goethes treuer und erfolgreicher Berater. In Gießen trafen beide am 18. August zusammen. Am 28. August wurde noch gemeinsam GoetheS und Kestners Geburtstag gefeiert. Schweren Herzens ritt der Dichter in der Frühe des 11. Septem» bers von Wetzlar ab, daS er nur noch einmal im November desselben Jahres auf einige Tage wiedersah. Von seinem Liebes» schmerz aber suchte Goethe im dichterischen Schaffen Heilung: er schrieb den Werther.
Noch heute ist in Wetzlar der Zauber der alten Zeit lebendig. Freilich, die Linde, unter der Goethe geträumt, und der Brunnen, aus dem er getrunken, sind vergangen. Aber die uralten Stadtmauern, auf die Goethe vom „Kalsmunt" oft herabgeblickt haben mag, und noch viele andere Wahrzeichen aus der Goethe- zeit sind erhalten. Nachdem man leider einige schöne Goethe- Erinnerungen hat verfallen lassen, will man jetzt endlich in Werthers Stadt dem großen Sohne Frankfurts ein würdiges Monument weihen. Wetzlar will und soll anderen Goethestädten nicht nach-
gemert sprechen- Wir haben hier eine freie Tribüne. Man läuft höchstens Gefahr, nach zehn Stunden ausgetmesen zu werden- (Heiterkeit-) Das ist keine Strafe. (Heiterkeit.) Vielleicht läßt die deutsche Reichsregierung jetzt den Kongreß noch auflösen, nachdem er seine Arbeiten beendet hat- (Heiterkeit.) Wenn nicht erst ein deutscher Führer hier ausdrücklich erklärt, daß die Deutschen mit der Resolution einverstanden sind und daß sie Bebels und Vollmars Reden verdammen, bin ich nicht zufrieden.
Die deutsche Sozialdeuwkratie muß gezwungen werden, Farbe zu bekennen. (Beifall, Unruhe.) Ter Schluß der Debatte ist ein Taschenspielerstückchen. (Großer Lärm'.) s
Ter Kongreß lehnte daraus die Diskussion ab. (Lebhafter Beifall- Lärm der Franzosen.)
Alsdann wurde die R e s o l u t i o n angenommen. (Stürmischer Jubel, Hochrufe. Einzelne Delegierte steigen auf die Tische. Verschiedene singen die Marseillaise. Singer schreitet ein.)
Damit war die Arbeit des Kongresses erledigt bis auf die Behandlung einiger Resolutionen-
In einer Resolution, die von Bebel, Singer, JauröK-Frank- reich, Dr- Adler-Oesterreich, Guesde-Frankreich, Ferri-Italien und anderen unterzeichnet war, wurde den russischen Genossen die Bewunderung und Sympathie des internationalen Proletariats ausgesprochen. Die Resolution zu Gunsten der „Vorkämpfer der Befreiung der ganzen Welt", wie Singer erklärte, lvurde ohne Errörterung unter großem Beifall angenommen-
Eine Resolution der Spanier und Franzosen protestiert gegen das Verhalten der Mackste in der M a ro kro a ffär e-
Tie spanischen und französischen Arbeiter werden aufgefordert, alles daran zu setzen, die französischespanische Marokkoexpedition anfzichalten, damit ein internationaler Konflikt vermieden werde- Tie Resolution wurde angenommen.
Es wurde beschlossen, Kopenhagen als nächsten TagungK- ort zu wählen-
Bandervelde (Belg.) dankte den Deutschen für ihre brüderliche Gastfreundschaft. (Beif.) Weiler erklärte er: Herzl. Dank gebühre den deutschen Brudern, deren Gcvß^ und echt brüderliche internationale Gesinnung sich glänzend gezeigt habe- Die Schwaben seien sehr brave und gemütliche Leute- (Lebhafter Beifall.)
Hyndman (Engl-) dankt ebenfalls den Deutschen und besonders Bebel und Singer, wobei er letzteren lebhaft umarmt- (Lebhafter Beifall-) Er rühmt den guten Humor und die kalte geschäftsmäßige Ruhe Singers, dem es gelungen sei, sogar beim größten Tumult Ruhe zu schaffen- (Schallende Heiterkeit! Singer lächelt geschmeichelt und fährt sich gerührt über die Augen-)
Paul Singer: GeiwfseiU Herzlichen Tank für alle freundlichen Worte- Ich bin ergriffen von diesem Dank, der Über alle Erwartungen freundlich und rühreird ist Ich kann mir nichts Schöneres denken, als noch lange imstande zu sein, vielen internationalen Kongressen beiwohnen zu können- Ich bin erfreut und die deutsche Sozialdenwkratie ist stolz auf die Anerkennung der anderen Nationen- Wir werden stets uns dieses! Dankes würdig zeigen- Vornehinlich gebührt der Tank aber den Stuttgarter Genossen- DaS werden wir ihnen nie vergessen. (Lebhafter Beifall-) Wieder haben wir einen Markstein in der Geschichte der internationalen Bewegung des Proletariats gesetzt, der unsl unvergeßlich bleiben wird- Zum ersten Male haben wir auf deutschem Boden getagt- Wir baden gezeigt, daß das nationale Proletariat eine Macht ist, mA der die bürgerliche Gesellschaft nie fertig werden wird- (Anfall.) Wir marschieren vorwärts, und niemand kann uns aufhalten. Das Ziel der Befreiung des Proletariats muß erreicht werden- Diesen Vormarsch werden wir fortsetzen, trotz aller Regierungen, trotz des Kapitalismus und trotz der bürgerlichen Gesellschaft- (Lebhafter »Beifall.) Und wenn Opfer fallen, so wissen wir: Märtyr erdlut ist Revolutions- fame! (Stürmischer Beifall-) Wir schreiten fort, bis das proletarische Heer stark genug ist, die bürgerliche Gesellschaft zu überwinden. (Lebhafter Beifall.) Wir arbeiten weiter und erhellen die Köpfe, bis der Sieg unser ist '(Stürmisclstr Beifall.)
Nach Absingen der „Internationale^ ging dann der Kongretz auseinander- Schluß //z2 Uhr.
Großtante, die Geheimrätin Lange, beehrte er nicht übermäßig mit Besuchen.
Wenn auch keine großen äußerlichen Taten die Wetzlarer Periode kennzeichnen, so wurde für Goethe das Leben ah sich, der Zuwachs am inneren und äußeren Erleben, um so bedeutungsvoller. Mit Recht hat man den Aufenthalt in Wetzlar als »Vorhof" und „Rüste- zeit" für die Goethe'sche Jugendpoesie bezeichnet. Tenn er lernte hier bewltßt jene zwei Momente würdigen, die fortan die großen Triebkräfte seines Schaffens wurden: idyllisches Natt^leben und wundersame Liebe. Er pilgerte gern zu den Lahnbergen, oder träumte stundenlang am Wildbacher Brunnen, an den sich Goethe gebannt fühlte wie Melusine mit ihren Schwestern. „Ich weiß mcht, ob täuschende Geister um diese Gegend schwebten, oder ob die warme, himmlische Phantasie in meinem Herzen ist, die mir alles rings umher so paradiesisch macht/ , Goethe fand hier die „Landschaft" nut all ihrem bestrickenden Reiz und ihrem poetischen Zauber. In „Dichtung und Wahrheit" bekannte er von den Eindrücken in Wetzlars Umgebung: „Der malerische Blick gesellte sich zu dem dichterischen, die schöne, ländliche, durch den freundlichen Fluß belebte Landschaft vermehrte meine Neigung zur Einsamkeit und begünstigte meine stillen, nach allen Seiten hin sich au5- breitenden Betrachtungen/ Und im ersten Wertherbriese heißt es: „Die Einsamkeit ist Meinem Herzen köstlicher Balsam in dieser paradiesischen Gegend, und diese Jahreszeit der Jugend wärmt mit aller Fülle mein oft schauderndes Herz. Jeder Baun,, jede Hecke, jeder Strauch ist ein Strauß von Blüten, und man möchte zum Maikäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herum» zuschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können/
Goethe lernt auf die intimsten Regungen m der/Natur achten und wird ihr großer Schilderer, der im Gegensatz zu den kolossalen Natnrttizzen Rousseaus eine liebevolle, idyllenreiche Detailmalerei pflegt. Geßners Idyllen, die er gerade für die Frankjurter gelehrten Anzeigen analysiert hatte, wurden ihm zum mnersten Erlebnis. Die Natur offenbarte ihm bie Unendlichkeit aller Dmge. Er begann sich mit Gründlichkeit in die Gegenstände zu vertiefen. Von ästhetifchen Spekulationen ging er über zur Sache selbst. Und dabei lernte er auch sich selbst immer mehr erkennen. Die Kenne, die Herder und Merck in ihn gepflanzt hatten, wuchsen jetzt empor zu strenger Selbstzucht. Die Wellen Homers. Pindars und Shakespeares erschlossen sich ihm von neuem. Natur und Wesen der hellenischen Dichtung gingen ihm jetzt erst unter der Sonne Homers auf. Sein Verhältnis zu Homer kennzeichnet am besten sein Klageruf: „O ihr großen Griechen! und du, Hoiner! Homer! Doch so übersetzt, kommentiert, extrahiert, enueleiert, so sehr verwundet, gestoßen, zerfleischt, durch Steine, Staub und Pfützen geschleift, getrieben, gerissen!" Mit leidenschaftlicher Begeliterung kämpfte Goethe in Wetzlar auch für den Schöpfer des Ha»nlet. stiller
3 und 4000. Auch das Ausland bat zahlreiche Besucher gefteUt- in erster Linie Frankreich, für dessen geistliche Besucher eine vesondere Zusammenkunft der französ. Priester Vorgesehen ist. Mit der französischen ist auch die elsaß-lothring. Geistlichkeit in stattlicher Zahl erschienen, die soeben den eucharistischen Kongreß in Metz zu Gaste sah. Unmittelbar danach hat ftch denn freilich in derselben Stadt eine neue lothringische kathvlisichle. Organisation gebildet, die sich „Parti nvus" nennt und eine politische Konzentration der eingeborenen Lothringer anstrebt. Obwohl aber an ihrer Spitze der Ehrendomherr Wo »Collin und der Chefredakteur der Metzer französischen Zeitung „Le Lorrain" Houpert stehen, will diese neue Partei tzegen das Zentrum marschieren und das, nachdem vor zwei Jahren ein Katholikentag in Straßburg zu dem ausgesprochenen Zweck abgehalten worden ist, die Elsaß-Lothringer, speziell aber die letzteren, der Organisation der Katholiken in Altdeutschland zuzuführen, was man damals so wohl gelungen glaubte.
, Die Rednerliste des Katholikentages war diesmal ms zum letzten Moment geheim gehalten worden. Sie weist interessante Namen und Themen auf. Neber Religion und Konfession wird Professor und Kanonikus Dr. Meyen- bera (Luzern), über die Missionstätigkeit der Kirche im Aus lande der Mt Norbert von St. Ottilien, über bie kirchliche Notlage der Katholiken im Inlande Pfarrer Bartels (Bielefeld), über Katholizismus und Hochschulen Professor Dr. Spahn (Straßburg), über Katholizismus und Volksschule Rektor Brück (Bochum), über Katholizismus und Nationalität Geistlicher Rat Pfarrer Wacker (Zähringen), über Katholizismus und wirtschaftliches Leben Reichs- und Landtagsabgeordneter .Landgerichtsdirektor G r o e b e r (Heilbronn), über Charitas Professor Dr. Schor er (Freiburg), über schöne Kunst und Literatur Prof. Meyers (Luxemburg) und über Papsttum Erbprinz .Alois v. Löwen- ft e i n sprechen.
Den heutigen ersten Festtag der Generalversammlung leitete die Generalversanrmlupg des Augustinus-Vereins zur Pflege der katholischen Presse e£n, die namentlich von bayerischen Verlegern und Journaliften gut besucht war und in der man sich unter Ausschluß der Oefsentlichkeit über allerlei politische Tages- und journaliftiiche Standesfragen unterhielt.
Um die Mittagsstunde sammelten sich dann die katholischen Gesellen- und Arbeitervereine zu dem großen Arbeiter-Fe st- zuge, der von 2 Uhr ab die Straßen Würzburgs durchzog. Unter den Hochrufen der durch zahlreichen Zuzug vom Lande verstärkten Einwohnerschaft von Würzburg zog der Zug zunächst nach dem bischöfliche Palais, wo der Diözesmbischof Schlör, umgeben von den übrigen Bischöfen und den erschienenen Aebten, den Zug an sich vorüberdefilierm ließ. Die Menge der Festteilnehmer strömte in die „Ludwigshalle" und andere größere Säle, wo unti 3 Uhr fünf Parallelversammlungen der Arbeitervereine tagten. Alle Versammlungen waren überfüllt. In der Hauptversaimmlung in der Festhalle führte der Landtagsabgeordnete Görber den Vorsitz. An erster Stelle sprach der Fabrikbesitzer Franz Brandt (Mü(nchen-Gladbach), der Vorsitzende der Volksvereine für das katholische Deutschland. Nur der glaubensstarke schriftliche, nationale Arbeiterstand habe Exi-^ stenzberechtigung, nicht aber eine ^nörgelnde Partei der Negation und Oppositiotp
Hierauf sprach der Gewerkschaftssekretär und Reichstagsabg. Gkiesberts (Essen): Wir christlichen Arbeitervereine haben uns nicht überlebt, trotz aller Beh<mptungen unserer Feinde. Aber mehr als je müssen wir jetzt auf der Hut sein, denn bet' Unglaube sucht sein Haupt zu erheben. Der Teufel hat die Sozialdemokratie in die Welt gesetzt. (Lebh. Zustimmung.) WU wollen nicht bloß mit Protest und Opposition kämpfen, sondern wir wollen soziale Arbeit leisten in wahrhaft christlichem Sinne. (Lebh. Beifall.) Wenn man glaubt, die Sozialdemokratie sei durch die letzte Reichstagswahl niedergerungen, so ist das ein salscherOptimismus. Ihr Kampsesmut ist nicht gebrochen. Wir gönnen ihr von Herzen die Schlappe, die sie für_ ihren Uebermut einmal erhalten hat. Wir haben gesehen, daß das deutsche Volk die Sozialdemokratie überwinden kann, wenn es nur will. (Beifall.) Wenn die christlichen Arbeiter geschlossen den Kampf gegen die Sozialdemokratie aus- nebmen, so werden diese die dunklen Kräfte vernichten. Auch tvir verlangen mehr soziale Rechte, Arbeiterkammern, freies Versammlungsrecht. Lebhaft bedauern wir den Rücktritt oes Grafen Posadowsky. Wir katholischen Arbeiter fürchten u n s n i ch t-^D a z u s i n d/v^r z u^s, chfl a u.
SozkUlstcn-Koiigreß.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
VII.
S- u. H. Stuttgart, 24. Aug. Heute ftanb das letzte Thema der Tagcsordklung zur -atung: Der Militarismus und die internatio- ten Konflikte-
Dazu lag bie Resolution der Kvmmissionsmehrheit vor- Tann erhält Vandervelde (Belgien) als Berichterstatter das rt- Er hebt hervor, daß die Kvmmiision in endlosen Sitzungen lüht war, sich über die wichtige Frage des Militarismus zu itfänbigen- Endlich sei die Einmütigkeit über bie sundamen- n Grundsätze des Kampfes gegen den Militarismus erzielt den- Ter Extrakt der Meinungsaustausche in der Kommission e in der Resolution, die die längste sei, die je einem Kongreß gelegt wurde- Alle Nationen sind damit einverstanden, auch en und Finnland, die wir ebenfalls als Nationen anerkennen- i-fall-) Es tvird immer Nationalitäten geben müssen, ohne daß ■t zu fürchten braucht, baß dadurch der internationale sozia- sche Gebanke zerstört wird- (Beifall.) Fort mit den Lasten den Militarismus, die dem Volke den letzten Blutstwpfew pressen.
Tie Grundlage der Internationale ist nicht eine verschwommene sse, sondern die Selbständigkeit der Nationen.
Die Hauptschwierigk-it war die, die Resolutionen Bebels und llants, die der Kommission Vorlagen, zu vereinigen- Die inzosen wollten, daß dem kämpfenden sozialistischen Proletariat ) die Mittel zum Kampfe gegen den Kapitalismus angegeben oen. Dagegen hat man sich allgemein gewendet. Man wollte Massenstreik und Generalstreik nicht als unentbehrliches Jn- tarstück im Kampfe gegen den Kapitalismus bezeichnen, die runission half sich damit, daß sie nicht vorschrieb, was man soll, sondern indem sie festfteltt, ivas das kämpfende Prole- at bisher getan hat. , Tie Deutschen wollen nicht die Aus- lang Der Mittel, weil das ihre Stellung schwächen würde- - nn wir die Mittel des Kampfes nicht enthüllen!,- tun mir es nicht aus Rücksicht auf die Herrschen- w Klassen, sondern aus Rücksicht auf uns- (Bei-
Tarin geben wir keine uniformen Bestimmungen. Die ttel find noch unbegrenzte Mäglichkciten- Tie Jugend müssen heranziehen zu unseren Gedanken. Die Herrschenden sind 1 blind gegen diese Gefahr- Sie spüren schon den neuen igenwinb- Sie wissen, daß die große Macht des Proletariats Fakwr^ geworden ist, mit dem man rechnen muß- Sie 'en, daß die preußischen Bajonette auch einmal versagen und nicht gegen Vater und Mutter kehren werden- (Äbhafter fall.)
Ta sitzen bie Herren int Haag, von denen man ja nur mit "ter Ehrfurcht sprechen darf- (Große Heiterkeit.) Die Herren n nicht aus Liebe zum Frieden zusammen, sondern aus ,-cht vor den Folgen des Krieges- (Stürmischer Beifall.) Die hre Friedenskonferenz sitztnichtstm Haag, son- xn hier in Stuttgart. (Lebhafter Beifall.) Tie Re- ungen haben nur dann ein Friedensbedürfnis, wenn wir ihnen stiupuls dazu geben, wenn wir auf sie einbläuen. (Lebhafter fall-) I
Paul Singer: Mit Rückficht darauf, daß die Kommission einig Die Resolution gebilligt hat und daß daS Referat jubelnden !.ckl gesunden hat, schlägt das Bureau vor, die Resolution machtvolle Temonstration ohne Diskussion per Akklamation unehmen- (Stürmischer, jubelnder Beifall.)
Herve (Frankreich) erregt Widerspruch mnd verlangt das Wort- oßer Lärm-) /
Singer: Ich werde Hervs das Wort erteilen- Er darf aber r in t>ie Materie eintreten, sondern nur gegen die Akklamation chen- (Beifäll.) '
Hervö (Frankreich) wird mit Beifall und Zischen begrüßt- er beginnt tritt lautlose Stille ein- Er erklärt: Tie elegante in des Schlusses der Debatte, die man vorschlägt, macht der chicklichkeit Der Subkommission alle Ehre- Ich hatte das er- ict- Diese Geschicklichkeit nennt man aber.in Frankreich eine r,e Ungeschicklichkeit, eine große Finte. Glauben Sie, daß die (t nicht den großen Unterschied zwischen den Reden in der nmission und der Resolution erkennen wird- (Lebhafter Bei-
Die Reden, welche Bebel und v. Vollmar in der Kommission allen haben, widersprechen Der Resolution vollkommen- Was rals als schwarz hingestellt wurde, ist freute weiß- (Unruhe.) .iberüelbe und Dr- Aoler, der seine Rede übersetzt hat, haben Resolution noch in der Erklärung gefälscht- (Lärm.) Ich chr^gegen beu Schluß der Debatte- Wir tonnen ja hier nn-
Hin Koetyc-Atnkmal in Wetzlar«
(Zum 28. August.)
ES ist bekanntlich unlängst *ein Ausruf verbreitet worden, der Errichtung eines würdigen Goethe-Denkmals in Wetzlar bezweckt • bie wärmste Unterstützung verdient. Nicht nur Wetzlars rger, sondern auch unsere namhaftesten Forscher und Dichter en den Ausruf unterzeichiltt. Und Wetzlar verdient ein neues, imposantes Goethe-Denkmal, denn der Aufenthalt dort ist für Dichter von großer Bedeutung gewesen. Wetzlar bedeutet einen rkslein in Goethe's Jugendleben. Hier drang der junge Dichter unbändigem Sturm- und Dranggefühl durch zur bewußten Altung seiner Strafte. Die „Glückseligkeit von vier Monaten" ■bte Goethe im Sommer 1772 in Wetzlar. In: Mai zog er in engen Gassen der Stadt ein, um sich beim Reichskammergericht l) dem Wunsche feines Vaters „in praxi umzusehcn". Aber der .isprudenz konnte der junge Dichter nun einmal keinen Geschmack eimnnen. Sein Wunsch war, Homer und Pindar zu studieren, 3 seinem Genie, seiner Denkungsart und seinem Herzen zu leben, mngs fühlte er sich „emfam, öde und leer", denn Wetzlar als idt bot recht wenig. DaS zopfige Gesellschastsleben war nicht h Goethe's Art. Und dazu hatte die Rechtsprechung des Reichs- wiergerid)t5 einen bedenklichen Charakter angenommen. Die liamteit mußte der junge Dichter umsümehr empfinden, als er Frankfurt und Darmstadt, auch bei uns in Gießen beim Pro- h- der Rechte Höpfner, glückliche Stunden zurückgelassen hatte, t Werther schreibt er nmerni 17. Mai: „Wenn Du fragst, wie Leute hier sind, muß ich Dir sagen: wie überall! Es ist ein iörmigeS Ding um das Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bischen, bad en von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, daß sie alle Alittel juchen, um es los zu werden." Goethe war also zunächst aus selbst angewiesen. Und das war gut. Denn die mannigfachen »drücke der Leipziger Zeit und des in Straßburg Erlernten und ebten drängten nach stiller Selbstbetrachtung. Erst als er im onprinzen" bie ritterliche Tafelrunde kennen lernte, von der in ichlung und Wahrheit" so aitschaulich berichtet wird, kam bie -jenb wieder zu ihrem Recht. In dieser Tafelrunde war Goethe Götz von Berlichingen der Redliche — kein Spielverderber. Er »le hier Gotter, Gouö, Born, Dr. König, KielmannSegge, Falcke, Schleinitz, Wanderer, den kurbrandenburgischen Legationssekretär nz u. a. kennen. Abseits dieser luftigen Jugendgesellschast stand junge Wilhelm Jerusalem, den Goethe in Leipzig kennen gelernt te. Goue hat manche Eindrücke dieser Tischgejellschast in seinem am« „Masuren" verwendet. Doch dauernd tonnte den jungen Hier das Treiben im .Kronprinzen" nicht befriedigen. Auch feine


