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18.12.1907 Erstes Blatt
 
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Mittwoch 18. Dezember 1907

157. Jahrgang

Nr. 297

Erstes Blatt

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Mdsblatl füi den Krete M W W ES W V A || V W V auswärts 20 Mennig,

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«stuft l.d. Redaktion 118 WWF tüt den polittldxn teil:

feg General-Anzeiger für Oberhefsen WZZ

SÄTZ HofafiottsbrudenbVerlag dervrühl'schen Univ.-Vuch- und SteinbrndereL B. Lange. Bebaftion, Expedition und ©ruderet rchulftraz« 7

Sie Heuiige Kummer umfaßt 12 Seilen.

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bet Erwähnung der Flottenentsendung sagte, es müsse Sorge der Regierung sein, als guter Nachbar zu handeln und zugleich auch in freundlicher Weise klar zu machen, daß Amerika nicht mit sich spaßen lasse. Daraus geht zur Genüge hervor, daß man in Washington die Lage nicht ganz ohne Bedenken betrachtet und sich bewußt ist, daß doch eines Tages die Entscheidung über die Vor­herrschaft im Stillen Ozean fallen muß. Sich für diese Eventualität vorzubereiten, das ist die eigentliche Auf­gabe, die die Entsendung des großen Geschwaders bezweckt.

Flach dem Stillen Hjean.

Tas amerikanische Geschwader hat nunmehr He Ausreise nach dem Stillen Ozean angetreten. Lange genug hat man diese Fahrt hinausgeschoben, weil sie zur &eit der großen Erregung gelegentlich der amerikanisch- japanischen Differenzen leicht zu einem sorgenschweren Kori- füft hätte führen können, aber auch heute noch kann man 6ne Kreuzfahrt als eine Demonstration ansehen, in­dem sie einmal den Bundesstaaten an der westameritanischen Küste zeigt, daß die Unionsregierung in der Lage ist, ihnen maritimen Schuh zu gewähren, anderseits aber soll das Geschwader den Japanern zeigen, daß diese nicht.allein dien Stillen Ozean beherrschen, sondern daß auch noch andere boa sind, die ein Recht dazu haben.

Zu dieser Fahrt hat man die besten und modernsten &dji|fe ausgewählt, die Flotte gliedert sich in zwei Ge­schwader zu je zwei Divisionen und jede Division um- soßt mit dem Flaggschiff des Kommandeurs vier große Lchlachtjchisfe des neuesten Modells. Mehrere Schiffe sind schon vocausgejahren, jo daß der Führer der Flotte, Ad­miral Evans, insgesamt über 19 Schlachtschiffe, 7 Panzer­kreuzer, 9 Kreuzer unb 6 Torpedobootzerstörer verfügt. Be­merkenswert ist auch, daß die Flotte genau so ausgerüstet in, w ie zu Kriegszeiten, Munition und Proviant stad hieraus zugeschnitten, aber es handelt sich selbslver- sÄndlich nur um einefriedliche Hebung" unter Zugrundelegung der MobilmachungSverhältnhfe. Die Munitionstammern sind gestopft voll, unterwegs sind ver­schiedene Kohlenstationen eingerichtet und für etwaige Repa- raturarbeiren ist das notwendige technische Werftpersonal bereits nach der Paeifiekuste abgegangen. Man sieht, es it für alle Falle gesorgt.

Wie peinlich man £ei der Aussendung des Geschwaders verfährt, beweist auch der Umstand, daß s ä m t l i ch e j a p a- nische Bedienstete, die man mit.Vorliebe aus den schiffen seitens der Offiziere usw. verwendete, vorher ent­lassen worden sind, um ihnen keinen Einblick zu gewähren; itreifj man doch, daß selbst hohe japanische Osfiziere sich wr dem russischen Kriege nicht scheuten, als Spione ins Ausland zu gehen und dort unter Verkleidungen die niedrig­sten Dienste zu verrichten, nur um etwas Brauchbares Ur ihr Land in Erfahrung zu bringen, unb es ist leicht möglich, daß sich unter den Offiziersdienew an Bord ter amerikanischen Schiffe japanische Marineoffiziere be­enden haben.

Gewiß haben sich in den letzten Monaten die Be­ziehungen zwischen Japan und Amerika ge­bessert, aber wer will sagen, daß die Stimmung von Lauer jein wird, unb ob nicht bei der ersten besten Ge­legenheit wieder der Rassenhaß in Hellen Flammen auf- loverr; die Gegensätze zwischen beiden Ländern sind zu p:ope, als daß sie sich völlig beseitigen ließen. Die jüngsten Differenzen sind nur leicht üb er kleistert, aber die (Lpannung Lat noch keineswegs gänzlich aufgehört unb mißtrauisch beobachtet man in Japan dieUebung" des amerikanischen Geschwaders, das die verschiedensten Häfen im stillen Ozean besuchen und sich schwerlich nur zum Vergnügen bor Mannschaften dort aufhalten wird, sondern zweifellos mn Kenntnisse zu sammeln. Sehr treffend hat Präsident Roosevelt die Mission des Geschwaders gekenn- zelchnet, indem er in seiner Botschaft an den Kongreß

New York, 17. Dez. Osfiziere wie Mannschaften der gestern nach dem Stillen Ozean abgegangenen amerikani- schen Schlachtflotte sind begeistert von der Idee, einen kriegsmäßigen Kreuzzug zu unterneh­men und geben offen ihrer Freude Ausdruck über die Möglichkeit eines Waffen ganges mit den Ja­panern.

Lagesichtt».

Tas neue Gesetz über den unlauteren Wettbewerb.

ImReichsanzeiger" wird der vorläufige Entwurf eines Gesetzes betreffend Abänderung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs nebst Erläuterungen veröffentlicht Neu vorgeschlagen wird die Einführung einer Generalklausel, die es ermöglichen soll, manche jetzt nicht versolglmre Unlauterkeiten zu er­fassen, die Verschärfung des Strafschutzes und der Haf­tung des G e s ch ä f t s h e r r u für die Handlungen seiner Angestellten, Maßregeln zur belferen Verhinderung der Ouantitäts- und Qualitätsverschleierung, gegen die miß­bräuchliche Bezeichnung der Ware als Konkursware und besonders gegen die angeblichen Auswüchse im Aus- Verkaufswesen. Daneben haben die Vorschriften über die sog. Anschwärzungen und über die mißbräuchliche Benutzung fremder Geschäftsbezeichnungen eine Erweiterung erfahren. Weiterg eh ende Wünsche von Interessenten sind unberück­sichtigt geblieben. So ist auch die Frage der Bestechung von Angestellten kaufmännischer und industrieller Be­triebe als noch nicht reif ausgeschieden worden, ebenso die gesetzliche Reglementierung des Ausstellungs- wesens. Ferner hat man auf Maßnahmen verzichtet, um die Mißbräuche auf dem Gebiete des Zugabewesens und der Rabattgewährung zu bekämpfen.

X

Zur Krisis im Flotteuverem.

Tas Präsidium oes D-uisu)«.n Fw^errvereins tritt am heutigen Mittwoch zu einer Sitzung zusammen. In der Geschäftsstelle ist, wie dieDeutsche Journalpost" erfährt, ein authentischer Bericht über den Ausbruch und Verlauf der, Krisis rnsammengestellt worden. Die Geschäftsstelle hat dem Präsidium den Vorschlag unterbreitet: Tie außer­ordentliche Hauptversammlung zur Entschvidung über den Streit am Sonntag, den 19. Januar in Kassel statt- finben zu lassen. Die Verhandlung findet in voller Oöffentlich teil ohne vorherige vertrauliche Besprech­ung statt. Das Präsidium wird auf der Hauptver|amm- lung die Vertrauensfrage stellen und zurücktreten, falls die Vertrauensfrage nicht die Dreiviertei-Mehrheit finden sollte. Tie aus 'Hänchen verbreitete Nachricht: Fürst Salm zu Horstmar sei zu r ü ck g e t r e L e n, ist eben­so unbegründet wie die Nachricht von dem Rücktritt Keims. Ebenso besteht bei den maßgeoenden Instanzen die Auf­lassung, daß der ganze Strert eine interne Angelegenheit des Flotten-Vereins ist, die dieser aus dem berufenen Wege, der ^Hauptversammlung, zu schlichten hat; ein Eingriff

Wom Acurjch^n Mliftum.

Jil der Aula der Technischen Hochschule KU Char­is tienburq sand am 17. d. M. in Anwesenheit des Kaisers eine Festsitzung des Ausschusses des Deut­schen Museums in München statt. Der Lorjitzende Prinz Ludivia von Bayern begrüßte den Kaiser. Er sagte, rian sei stolz darauf, daß diese bedeutsame nationale Anstalt geraü in München ihren Sitz habe. Sodann be­richteten der Vorsitzende des Borstandsrates Dr. ing. Lhrensberger, sowie" die Vorstandsmitglieder Baurat von Miller und Geh. Hofrat v. Dyck über die Fortschritte und die finanzielle Lage des Museums, v. Miller forderte die deutsche Industrie zu reger Beteiligung aus, was so- fertige Erklärungen namhafter Zuwendungen l>ervorrief. Die Sammlungen sind vorläufig in einem provisorischen Gebaute untergeb rocht. Doch jetzt wird es möglich sein, an die Errichtung eines großartigen Neubaues heranzu- gehen Die Stadt München hat das Bauterrain kostenlos zar Verfügung gestellt, vom Reich, Bayern und zahlreichen Stiftern sind bereits 6 800000 Mark ztlsammengebracht. 8s fehlen nur noch 400 000 Mark.

Geh. Rat Dr. W. v. Dy ck sprach über die zu schassenden Denkmäler für den Ehrensaal des Museums. Die Buch- druckereibesitzer und Duchdruckergehilsen haben beschlossen, das Denkmal Gutenvergs aufzustellen und von feiten der Mufeumsverwaltung wird die Aufstellung der Düsten von Copernicus und Keppler vorgeschlagcn.

Ter Bürgermeister von München v. Borfcht ,listete na­mens d-'r Stadt München ein Ehrendenkmal zum Andenken an die Grundsteinlegung durch den uaiser. Slhließltch ver- r-mdeten der S.aatsselreiär v. Bethmaun-tzollweg und der bayerische Minister des Innern von Brettreich Aus- zeichnunaen, welche der Avnser und der Prinzregeni aus Anlast des Festes verliehen haben. Tas Deutsche Aiu- smm in München ist schon ijeuU in seinem provisorischen Zustand das g r ° ß t e t« ck n i s ch e M u s e u m d e r W e l t. Ls enthalt die erste Lokonwtive, die ersten Kruppschen

Gußstaylplatten unb zahlreiche andere Ma,chmen, die für bie Geschichte der Technik äußerst wertvoll sind. Der Kaiser stiftete ein 7 Meter langes durchschnittenes Modell eines Linienschiffes.

Ter ReiaManzler Fürst Bülow hatte aus Anlaß der Versammlung zum Abend an ettva 430 Gäste Ein­ladungen ergehen lassen. Die Gäste wurden von dem Fürsten Bülotv, der die Bonner .Husarenunisorm trug, so­wie von der Fürstin willkommen geheißen. Außer den Ministern v. Brettreich und v. Bett)mann-5)ollweg und Prof. Koch, die am Mcktag zur kaiserlichen Ta,el gezogen waren, bemerkte inan u. a. die Minister unb Staatsfetre- täre v. Schön,, v. Lirpch, v. Moltle, Delbrück, Dr. Nieber- ding, v. Emem, Kränke, Frhr. v. Stengel, Frhr. v. Rhein­baben, Holle, Lreirenbach unb Dernourg, ferner Exzellenz v. Lucanus und zahlreiche Lerireter der Wissenschajt, der Kunst und der Hochfinanz. Um 81/3 Uhr erschienen der Kaiser, Prinz Ludwig von Bayern und der Kronprinz, worauf Professor Linde einen Vorrrag über Schätze der Atnrosphäre hielt. Der Kaiser unterhielt sich nach dem Vortrage kurz mit dem Admiral v. Tirpitz. Für die allerhöchjten Herrschaften er,olgte sodann ein Souper.

Professor Linde erklärte in seinem Vorträge neuere, erfolg­reiche Bemühungen, technisch die Bestandteüe der atmosphären Lusl zu Produkten von volkswirtschaftlicl)er Bedeutung zu ver­arbeiten und gab eine Darstellung der geschichtlichen Entmicklung der atmosplstirischen Forschung; er erwähnte u. a. die Ver­flüssigung der Gase, ferner die chemische Erschließung der Atmosphäre durch Lavoisier, die techmiche Anwendung des -flüssigen Sauerstoffs, von dem sich der Jahresbedarf für die Metallurgie innerhalb der letzten zehn Jahre verzehnfacht hat, sowie die Anwendung des Stickstoffs bei der Herstellung von elektrischen Metallfadenlanipen. Besoirders interessiert zurzeit die Herstellung von Stick st offverbindungen für die Zwecke der Landwirtschaft. Durch die in wenigen Jahrzehnten bevorstehende Erschöpfung der Sal­peterlager werden die Landwirtschaft wie die Technik der Schieß- und Sprengstoffe und die chemische Industrie auf die Erzeugung von Salpeter angewiesen; es werd«! also ernste nationale Fragen

von Behörden sei also ausgeschlossen. Inzwischen hat >tr Vorstand des badischen Lan d es a us sch u s- es des Flottenvereins derSüddeutschen Reichs- korrespondeuz" zufolge nachstehende Resolution be- chlossen: Der Gesam'tvorstand des badischen Lanoes-AuS- chusses bedauert die vom Präsidium des Hauptvereius vollzogene Wahl des Generalmajors Keim zum geschästs- führenden Vorsitzenden. Durch diese Wahl ist in die leitende Stelle des Vereins eine Persönlichkeit getreten, die als Träger der politischen Agitation im Verein zu betrachten ist. Der durch die Satzungen getvährleisteio unpolitische Charakter des Deutschen Flotten-Ver­eins ist dadurch in Frage gestellt und eine neue schwere Krisis über den Verein heran,beschworen worden. Der Ge- samlvorstand des badischen Flottenvereins hofft, daß das Präsidium mit Rücksicht aus die in weiten Kreisen des Vereins herrschende Stimmung Mittel jmden werde, um die sonst unausbleiblichen ernsten Folgen der Krisis ab­zuwenden.

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Ter Prozeß gegen Stöffel unb der Antimilitarismus Tolstois.

In ver ge^riguu Verharwtuug be» Prozesses gegen Stössel wegen der lieber gäbe von Port Arthur würbe die Verteidigung der Kintschaupositionen weiter erörtert. Bei der Vernehmung des Admirals Essen stellt die Verteidigung die Frage, warum die Flotte nicht zur Unterstützung ausgelaufen war, sie wird hierbei jedoch von dem Vorsitzenden mit der Bemerkung unterbrochen, daß dergleichen Fragen nicht vorgelegt werden dürsten, da das Gericht nicht zuständig sei, darüber zu urteilen. Durch weitere Zeuaeuoernehmungeu wird das Verhalten der Feld ar titler ie dargelegt. Unter anderem wirb aus­gesagt, daß die russischen Feldgeschütze sich in gutem Stande besunden hätten, oaß jedoch die Fernwirkung nur fünf Wer st betragen hätte, während die feindlichen Posi­tionen weiter entfernt gewesen wären. Zum Prozeß des Verteidigers von Port Arthur, des Generals Stössel, schreibt die Post: ...Was sich hier vor unseren Äugen ab­spielt, finb die Folgen der antimilitaristischen Agitation, deren eigentlicher 5)erd und Ausgangspunkt Rußland, und deren Prophet der" sogenannteWei.e" von Jassnaja Pol- jana ist. Der weiche, schwankende Charakter der Slawen ist der Wirkung der anarchistischen.Ideen deL Grasen Tol­stoi mit ihrer anschaulichen Darstellung säst willenlos aus- geliefert. Die Propaganda Tolstois gegen den Krieg währt schon seit Jahren, und sie hat entse^liche Früchte getragen. Es ist unbegreiflich, wie in Ziußtarid, wo sonst so niet verboten wi.ro, die Verbreitung des TolswischenMerk­blattes für Soldaten", welches Die Soldaten zum Ungehor­sam und zux Revolte wirksamer aufsordert als die schlimm^ sten Branbreden Krapotkins, möglich gewesen ist. Die anti- militaristischen Schriften und Aujsatze Tolstois sind unter der gesamten amimilitaristischen Literatur als das weit­aus Gefährlichste zu betrachten. Ihre Wirkung in Frank­reich und Italien ist unverkennbar, unb in Deutschland haben gerade die Kreise, die grundsätzlich dem Militaris­mus feindlich gegenüberstehen, die größte Verehrung für Tolstoi an den Tag gelegt. Wohin dieser Kultus führt und führen muß, wenn oie Vorbedingungen so günstig sind wie in Rußland, haben die Tage von Kmtschau, von Port Arthur, von Liaujang und Mukden bewiesen. Man hat gesagt, die russische Verwaltung, nicht der russische Soldat sei in diesen Schlachten geschlagen worden. Es mag etwas Richtiges in dieser Bemerkung liegen. Llber die allezeit schlechte russische Verwaltung hat bie russische Armee nie am Siege verhindert, mochten die äußeren Verhältnisse auch noch so ungünstig sein. Noch bis in die neueste Zeit hinein galt das Wort:Die russische Armee mag besieg­bar sein, aber sie ist unüberwindlich." Wenn heute- mano mehr an die Berechtigung dieses Wortes glaubt, jo ist das den Wirkungen der Tolstoischen Agirarion zu­

berührt. Die erste industriell brauchbare Lösung des Problems haben die Norweger Birkeländ und Eyde gesunden. Neuer­dings ist die Führung dieser wichttgen Aufgabe au die Badiscye Anilin- unb Sodasabrik dadurch übergegangen, daß sie mittels neuer einfacher Apparate höhere Ausbeuten erzielt. Nach dem Zusammenschluß der beiden Konzerne sind in Norwegen Wasser- kräfte mit nahezu 300 000 Pferdeträften erworben worden, welche mit einem Anfangskapital von. 40 Millionen Mark für die Er­zeugung der Salpetersäure ausgebaut werden sollen. Auch in Südbayern plant die Badische Anilin- und Sodafabrik eine solche Anlage. Einen anderen Weg haben bie Berliner Che­miker Frank und Caro angegeben. In eisernen Retorten wird er­hitztem Calciumearbid reiner Stickstoff zugejührt. unb begierig ausgenommen. Der so erzeugte Kalkstickstoff hat eine jahrelange agrckulturchemische Probe als w i r k s a m e s D ü n g e m i t t e l be- Itanben. Die Salpetersäure und der Kalkstickstoff )chemen bie Aus­nützung der Wasserkräfte einer neuen Entwick­lung zu^usührcu, da sie für zahlreiche, ja für die größten, von öen Industriezentren weit entfernten Wasserkräfte die bis­her fehlende stetige Verwertbarkeit garantieren. Eine größere Anzahl von Fabriken für Kalkstickftofs ist eröffnet ober in der Errichtung begriffen: in den Apenninen und den savoyifchen und schweizerisehen Alpen, in Norwegen, Dalmatien und Sudbayeru. Es geht in Erfüllung, was aus dem Laboratorium des Natur­forschers hervorgegangen, durch die technische Chemie und öie Jngeuieurkunst in verwertbare Gestalt gebracht ist und nunmehr aus den neuen Werkstätten des Gewerbefleißes erwartet werden darf. Sv stellen die neuen Schatze der Atmosphäre eine bedeut­same Mehrung der Güter dar, toelche unser naturwissenschaftlich- technisches Zeitalter hervorgebracht hat.

Der Münchener Professor sprach schlicht, streng sachlich, ohne Pathos, aber mit großer Klarheit und sorgsam gerundeten Säßen. Die Amvesenden lauschten den ungemein intereisanten Dar­legungen mit denkbar größter Aufmerksamkeit und als Professor von Linde geendet 'hotte, gab der Kaiser das Reimen ;mr Applaus.

Der Kaiser machte den Eindruck eines gesunden, kräftigen Mannes, er ioar bei bester Laune und unterfnelt sich mit lauter Stimme. Besonders ausführlich sprach er mit dem (mxuier des künftigen Museums, Profeswr Gabriel v. Seidl. Er batte «u Ehren der Techniker Pionier-tlniform angelegt