Ausgabe 
2.3.1907 Zweites Blatt
 
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verehrte Jubilar seinen Platz eingenommen, erhoben sich sämtliche flJhlfllieber des Hauses und die Negierungsvertreter. Tann hielt zuerst

' Abg. Neinhart eine kurze Einsprache, worin er des zehn­jährigen Jubiläums des Geh.°RcttS Haas als Präsident der zweiten Kammer gedachte unb in herzlichen Worten dessen große Verdienste Um die Volksvertretung und das Land feierte. Tie Verhältnisse gestalteten nicht, das Jubiläum schon am 9. Januar zu feiern, au welchem Tage vor 10 Jahren der Jubilar das Kammerpräsidium übernahm, aber wir haben beute die Freude, das uachholen 511 können; so führte der Vorsitzende der Rattonallibercilen aus und brachte dann namens seiner politischen Freiinde die herzlichsten Glückwünsche dar. Redner benievfl, er wisse aus seiner mehr als Lb jährigen Siammermngfeit vielleicht am besten, welch große Ver- bienlie sich der Jubilar m der unisichtlgen und cncrgifchen Leitung der Kammergeschäile erivorben habe nnb welche Ulühewaltimgen nut diesem schwierigen Amt verbunden seien. Geh.-Rat Haas habe jederzeit unparteiisch und gerecht die Geschälte des Landtags ge­leitet. Er und seine Freunde hegten den innigen Wunsch, Goll möge bem Jubilar die Gesundheit und die Strait verleihen, daß er noch viele Jahre die Geschäfte deS Hauses weiter führen könne. Das walte Gott! (Bestall.)

Abg. Bähr schließt sich dem Vorredner vollständig an. Wenn der Jubilar auch nicht der Partei des Redners angehöre so ertenne seine Partei doch die großen Verdienste deS Geh.-Rcu Haas beionders um die Landwirtjchait an. Auch er hofje, bau der verdienstvolle Präsident noch lange Jahre in dieser Eigeuschast Dem Hause erhalten bleiben möge. (Bravo l)

Tie Abgg. Penuri ch (Ztr.), Orb (Soz.) und Tr. Gut- sletsch schließen sich namens ihrer Parlestrennde gleichfalls den herzlichen Gluckivünjchen und dem Tank für die nnparleufche Ge°- schausiührnng an den Jubilar an, desgleichen erklärt

Staatsmuilsier Ewald nennens der Großh. Liaatsregierung aufrichtigen Heizens seine volle Zustimmung zu den Wünschen der Lorredner mit der Hoffnung, dag es demselben noch lange Jahre vergönnt jein möge, die Geschä'te des Hauses zu teilen. (Beifall.) Präsident Haas dantt mit herzlichen Worten iür die ihm loeben von allen Parteien des Hauses dargebrachten Glückivünjche, -er werde gern bereit sein, auch fernerhin seme schivachen parla- .meniarischen Sira'te dem Lande zur Verfügung zu stellen. Ter Präsident müsse über den Parteien stehen und seine Unparteilichen dadurch betätigen, daß er in erlier Linie den Abgeordneten als Menfchen sehe und dessen persönlichen Eigenschaiteu Rechnung trage. Ob er, Redner, seine Pflicht eruiUt unb ben an ihn gestellten Aiuorberungen genügt habe, unterliege der Beurteilung der Kammer. Er sei in seinen Handlungen stets von Liebe zum Vaierlaiid unb dem Snierene für die Rllgememheit eriüllt gewesen und spreche Allen un Hause sür die ihm bewieicne freundliche Gesinnung seinen wärmsten herzlichsten Tank aus.

Präsident H a a S wollte nun in der Etatsberatung beim Ka­pitel Weinbaud0 m äiien fortsahren, auf Antrag der Abgg. B ähr, Tr. Schmitt u. a. bejchlop das Haus jedoch ein|thmuig, die Sitzung abzubrechen.

Tte iiächste Sitzung wurde daraus aus Dienstag vormittag (»ertagL __________________________________________

Krerißischcs AvgeordneLenhuus.

Berlin, 1. März.

Die zweite Beratung des Etats sür Handel und Geiverbe wirb fortgesetzt. Zunächst wird der Antrag der Abgg. Gras von Sp e e (Ztr., und v 0 n P a p p e n h e i m (kons.) befprochen, wo­nach bei Prüfung der Vorlagen zu gewerblichen Anlagen lanb- wirtschastliche Sachverständ 1 ge hinzugezogen werben sollen, wenn durch die Genehmigung der Anlagen landwirtschaft­liche Interessen m Betracht kommen.

; Abg. Gras Spee, begründet seinen Antrag indem er darauf hinweist, daß die bisherige Handhabung der Reichsgeiverbeordiiiing nicht genügend Rücksicht nut landivirtfchaitliche Interessen nähme, die bei der Anlage gewerblicher Uuterneljnuuigen in Frage kämen.

Abg. Vorfter (ik) erklärt, daß seine Freunde dem Antrag »licht zustimmeil konnten, da er allerhand schwerwiegende Folgen Haben tönne.

Abg. Tr. v. B ö tt i n g er (ul.) führt aus, daß auch seine /Freunde dem Anträge zustimmen würden, zum Teil, weil sie g.gen «die Form schwere Bedenken hatten.

Handelsniintster Delbrück erklärt, die jetzt bestehenden Or­gane sind auf das peinlichste bestrebt, in jedem Falle zu ergründen, inwieweit Schädigungen für die Nachbarschaft euiireten. Bei Au­flagen, die eventuell die Landwirtjchait schädigen tonnten, wirb da- kzu noch regelmäßig dem Landwirtschaslsmimsterium Kenntnis ge­igeben. Der Antrag in der vorliegenden Form fei für die Re» '«ierung unannehmbar.

j Rach weiterer Debatte wird der Antrag durch Konservative und Zentrum a n g e n 0 in in e n. Hieraut wirb die Beratung des Etats selbst fortgejetzi beim Kapitel Handels- unb Geiverbeoer- waltung. Von einer Jicilje von Abgeordneten werden Wünsche auf ej j e r st e l l u u g verschiedener B e a m t e n k a t e g 0 r i e n vorgebracht.

politische Lagerseharr.

Bevorstehende Besuche deutscher und amerikanischer Staatsmänner.

Graf Posadowski, der Staatssekretär des Innern, hatte bekanntlich kürzlich seine Absicht angekündigt, demnächst Len Vereinigten Staaten einen Besuch abzuslatlen sund der Kaiser hatte ihm nahegelegt, als Vertreter des Deutschen Reichs an den bevorstehenden Feierlichkeiten des Carnegie-Instituts zu Pittsburg teilzunehmcn. Wie nun zwar unser Berliner Korrespondent hört, hat sich Graf Posa- Lowski im Gegensatz zu Herrn v. Atoll er und den anderen kaiserlichen Delegierten, die die Reise auf Kosten des schottisch-amerika nischen M illionärsAndrewCar- jnegie machen (I), entschlossen, seinen Besuch bis zum Hoch- isommer zu verschieben und sämtliche Ausgaben aus eigener Tasche zu bestreiten, um in seiner Studienreise unabhängiger zu sein und ihren privaten Charakter mehr zu wahren. Anfangs März trifft übrigens Colonel Henry iWatterson zu längerem Aufenthalte in der Reichshaupt- stadt ein. Der Oberst, em geschätzter parlamentarischer Redner der demokratischen Partei, dürfte bei den nächsten Wahlen als Präsidentschaftskandidat kandidieren und besitzt im /Süden der Vereinigten Staaten, namentlich in seiner engeren 'Heimat Kentucky, zahlreiche Anhänger. Als Redakteur und ehemaliger Ossizier im Heere der Konföderterten ist er Gegner Roosevelts, dem er namentlich die allzu große Eigenmächtig, keit, mit der sich der Präsident schon öfters über die Autorität ,des Bundesrats hinweggesctzt hat, zum Vorwurf macht. iWattersons Anssprnch, eS wäre noch altmodisch genug, um an die Verfassung der Vereinigten Staaten noch zu glauben, hat s. Zt. Aufsehen gemacht und ein Wahlkampf unter dieser iVarole könnte dazu führen, daß wieder einmal einsüdlicher Patriot" den Präsidentensessel im Weißen Hause entnimmt.

Aus und Land.

Sprechstunden der Redaitrnn 11 1 Uhr vorm., \-7i/28 Uhr abdS.

Gießen, den 2. März 1907.

- Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den fevang. Pfarrer Theodor Wa hl zu Langen auf jein Rachsuchen zwecks Uebernahme einer Pfartstelle zu Essen mit Wirkung vom 1. Mai 1907 aus dem Dienste der hessischen evangelischen Landeskirche entlassen. Ernannt wurde der Genchls- asscssor Hch. Nicolai zu Mainz zum Regierungsassessor.

Akademische Vorträge. Gestern abend sprach Profesior D. GcE vor einer sehr großen Zuhörerschaft über ,Goethe's Geheimnisse". Er führte zu Anfang seiner Ausführungen aus, daß das religiöse Epos .Geheimnisse", das Goethe 1784 und 1785 beschäftigt habe, wie so manches andere seiner religiösen Dichtungen unvollendet geblieben sei. Trotzdem sei es möglich, aus den vorhandenen Stanzen den von dem Dichter verfolgten Zweck zu erkennen. 9)lan muß sich vergegenwärtigen, daß Goethe großes Interesse für die im 18. Jahrhundert entstandene Freimaurerbewegung hatte, jener Bewegung, die in ihren der Vergangenheit entnommenen Gebräilchen ein neues Menschheitsideal, die Humanität, er­strebte. Goethe bewegt sich dabei auf demselben Gebiete wie Lessing im /Jlatbaii* und Herder in seinen Ideen. Er hat später auf eine Anfrage eines Königsberger Sludentenverems mitgeteilt, er habe in jenem Gedicht die verschiedenen Reli­gionen ui ihrer höchsten Vollendung und in ihrer Beziehung zur Hilmanltät daistellen wollen. Es ist in der Dichtung deutlich zu erkennen, daß Goethe das Christentum in den Mittelpunkt stellte und in ihm, in seiner Verbindung mit dem Humanilälsgedankcn, dies erstrebenswerte Ziel erblickt. Goethe kam zu diesen Anschauungen durch seine nalurtvissenschaftlichen Studien, die ihn in Stein und Tier usw. immer wieder zur Religion hinführten. Mit einem Ansblick auf die Bedeutung der Geschichte der Religion auf alle Gebiete des Wissens schloß der Vorlragende seine interessanten, mit lebhaftem Beifall auf- genommenen AuSführimgen..

* * Lehrerpersonalien. Offen: Tie mit einem evang. Lehrer zu besetzende 5. L e h r e r st e 11 e an der Gemeindeschiile zn Büdingen. Dem Fürsten zu Psenburg und Büdingen in Büdingen steht das Präsentalionsrecht zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzenden 2. Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Gl au berg.

Wieseck, 1. März. Eine brave Tat vollbrachte heute die Frau des Postverwalters Gut hier, indem sie ein Kind mit eigner Lebensgefahr vor dem Ueberfahren- werben rettete. Ein Fuhrwerk raste die Gießener Straße entlang, während das etwa ziveljähnge Kind des Musikers Mauk auf der Straße spielte. Kurz cntfchlossen sprang die mutige Frau im letzten Augenblick hinzu und riß das Kind vor dem Pferde weg.

§ Orten berg, 1. März. In nächster Zeit erhalten die Orte Bergheim, Usenborn, Gelnhaar und Blnd- sachsen von hier aus Telephonanschluß.

* * Beltershain, 1. März. Der Landwirt Ludwig Loth wurde vom Großh. Amtsgericht Grünberg als OrtS- g erichtsvorsteher hier eidlich verpflichtet.

Darmstadt, 1. März. I. K. H. der Groß Herzog und die Großherzogin besichtigten heute vormittag die Mercksche Fabrik an der Arheilger Chaussee. (Darmst.Ztg.)

Marburg, 1. März. Der Kreis Haus Halts e tat zeigt im Voranschlag eine Einnahme und Ausgabe von 434162 Mark an.

Kirchhain, 27. Febr. Auf Einladung desGesang- Vereins Kirchhain" hatten sich im Hotel Mosebach die Vor­standsmitglieder der hiesigen Vereine eingefunden, um über eine geplante Vergrößerung der städtischen Fest- Halle zu beraten. Der Gesangverein Kirchhain hat für das Jahr 1908 das Lahntalsangerfest übernommen, und eL wird für die dabei zur Aufführung gelangenden Massenchöre eine große Bühne nötig sein. Es erscheint deshalb praktisch, wenn diese Bühne, die etwa 400500 Sänger fassen soll, als ständige Einrichtung bestehen bleibt und so hergestellt wirb, baß sie auch als Turnhalle, Radfahrbahn und al§ Bühne zur Aufführung von Festspielen rc. Verwendung finden kann. Die Erbauung wird aber nur möglich fern, wenn die beteiligten Vereine entweder zu den Baukosten beisteuern oder der Stadt für angemessene Verzinsung des Baukapitals Garantie leisten. Zunächst soll n. d. Hess. Ldsztg. eine Zeichnung und ein Kostenanschlag ausgearbeitet werden und dann eine weitere Besprechung erfolgen.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 1. März. Diebstahl usw.

Tie Fortsetzung ver Verhandlung gegen den Dienst- knecht K. B. von Auma und zwei Genossen, früher zur Ver- urteiluiig des B. in eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr und zwei Monaten wegen Dievjtahls.. Wegen faycijer Namensangabe bezw. Uebertrctung. erhielt er 14 Tage Hast. Der Wirt und Händler I. H. von Vilbel wurde wegen Beihilfe zum Diebstahl in einheitlichem Zusammentreffen nut Heisters zu 4 Wochen Gefäng­nis und wegen der Hehlerei bezüglich der Feldentwendung zu üU Mark Geldstrafe verurteilt; von der Anklage des mit dem Lagiöhncr F. A. verübten Diebstahls, wurde er, wie dieser auch, freigesprochen, bczw. wurde das Verfahren ivegen einge- trdencr Verjährung eingestellt.

Hausfricbeusbruch.

Tas hiesige Schöffengericht hatte den Tag löhn er F. F. von Großeu- Linden wegen Hausfriedensbruch zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. sJ£ad) dem Erkenntnis ist er in angetrunleiLcm Zustande in die Wohnung eines mit ihm ver­feindeten Stuhlflechters eingeschliä-en uno hat sie erst schimpfend entfernt, als die Fran des Besitzers chm mit einer Mistgabel bewaffnet entgegenging. Trotzdem er behauptet, er habe eine im genannten Hause wohnende Frau besuchen wollen, Hilt bas Gericht in Anbetracht Der jahrelangen geriästsbekannten Feind­seligkeiten, Dieses für eine leere Ausrede. Es zog die vielen Vor­strafen des Angellagtcn, die fast ausschließlich aus dem feind­seligen Verhältnis entsprungen sind, straferhöhend in Betracht. Der Angeklagte erhob Berufung und beantragte seine Freisprechung, da er den Hausfrieden nicht habe stören wollen. Die Strafkammer bestätigte jedoch das in jeder Beziehung richtige Urteil und deutete dem Angeklagten an, daß er im Wiederholungsfälle eine weit höhere Strafe zu gewärtigen habe.

Gemeinschaftlicher schwerer Diebstahl.

Die in hiesiger ^taDt wohnhasten Taglöhner L. Sch. ans Frankenbach und H. ST. aus Bellersdorf haben aus zwei im Neustädter Feld befindlichen Baclsteuwrennerhauschen mittels Einsteigens bezw. Einbruchs eine Herdplatte im Werte von b Mk. und einen Ösen im Werte von 20 Mk. gestohlen. Sie zerschlug m die Sachen in Stücke und verkauften sie an einen Althänchcr für 80 Pfennige. Wegen schweren Diebstahls im Rückfälle an- geklagt, hielt Sch. eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Akonaten, K. kam mit Minimalflrafe von einem Jahr Ge­fängnis durch. Beiden wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf ö Jahre abgesprochcn.

Wegen SittlichkeitSverbrechcuS, begangen an dem fun,jährigen Stinüe seines ^mftherrn zu Stamm- Heim, wurde der Knecyt A. Ak. aus Faltenijain zu z w e i I a h r e n Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Das Ge­richt hat ihm, gegen den Antrag der Staatsanwaltschaft mildernde Umstände versagt, weil er wegen ähnlicher Taten bereits vorbe- strajt ist,

Beleidigung.

Ein gewisser H. S. von Mücke hat gegen den Sattlermeister L. B. zu Grün berg wegen Beleidigung PribatUage er­hoben, weil er im Bahnhofsgebäude zu Gränberg dem Wirt gegen­über geäußert hat, S. sei ihm noch Geld schuldig. Das Schöffen­gericht kam 5Km Freispruch, es war der Ansicht, es handle sich um eine vertrauliche Mitteilung, Da der Wartesaal leer war. Ein An- haltspuntt, daß der Angeklagte dem Kläger gegenüber seine Gering­schätzung Hütte lünd tun wollen, liege nicht vor. Die Aeußerung sei auch war, t|n der Kläger dies selbst zugibt. Wenn auch fest­steht, daß der Angelagte ebenfalls an anderen Orten von der Schuld erzählt hak, beweist dies noch nicht, daß er habe beleidigen wollen. Im Gegensatz hier zu war die Strafkaimner dec Meinung, daß der Angeklagte im Aergcr darüber, baß er sein Geld nid)t bekomme und der Kläger ben vornehmen Mann spiele, ihm seine Mißachtung habe erzeigen wollen, als er seiner ansichtig wurde. Tas vom Kläger angefochtene Urteil wurde aufgehoben und auf eine Geld­str a f e von 5 Mk. erkannt. Wenn auch zur Zeit, als die Aeuße- rung fiel, niemand im Gebäude anwesend war, so handle cs sich doch um einen Ort, der den Zutritt jedem gestattet, womit der Begriff der Oeffentlichkeit gegeben ist. Es wurde deshalb auch dein Kläger die Pilb.ikatioi's^esnaiiis zugesprochen.

Gcrict-tssaai.

Das Schöffengeriäjt zu Gießen verurteilte den 17 Jahre alten SciMicde.ehrling Georg ^h. ans Weickarts1)ain wegen Fahrraddieb st ahls zu sechs Wochen Gefängnis. Th., der die Absicht hatte, seinen Onkel in Paris zu besuchen, stahl, um rascifcr ans Ziel kommen zu tonnen, im Sommer v. Js. aus einem Hausilur hllr in der Bahnho,straße ein Fahrrad und fuhr hiermit bis Butzoacp. Dort wurde er von einem Gendarmen festgcnommen, well das Fahrrad keine Nummerplatte hatte. Dabei stellte es «ich heraus, bau eS gestohlen war. Der Gendarm transportierte .Th. mit samt dem Fuhrrade nach Gieren. Stach gerichtlicher Ver­nehmung wurde Th. auf freien Fuß belassen, welche Gelegenheit er benutzte, um seine geplante Reise zu Fuß anzutreten. Er gelangte auch glücklich in Paris an, konnte aber keine Aroeit finden und mußte wieder zurück nach Deuschland. In Trier wurde er verhaftet.

Arvertcrbewegung.

Berlin, 28. Febr. Dem Ben. ^goi. zufolge beschloß die Generalversammlung d.r Tapezierer -Fw^ngsinuung einstim­mig: am 1. März sind in sämtlichen Betrieben des Tapezierer- beruses in Berlin und Vororten diejenigen Gehilfen auszu­sperren, die im Verbands- oder Fachverein organisiert find. Alle Gehilfen, die nicht die schriftliche Erklärung abgeben, weder Verbands- noch Faä-vereinsmitglieber zu sein oder an den Forderungen des Verbandes oder Fachvereins sich zu beteiligen, werden am 1. März entlassen.

Hamburg, üti. Feor. In den Betrieben im hiesigen Hafen weigerten sich die Schauerlcute der Hamburg-Amerika-Liliie länger als bis 10 Uhr abeni>3 zu arbeiten. Da der Verein der diecDer den Beschluß der Naäjtaroeit aufreast erhält, wurden sämtliche S ch a u e r 1 e u t e entlassen, lieber weitere Weigerungen in dem übrigen Hafenbetriebe verlautet noch nichts.

Vcrmii elftes.

Budapest, 28. Febr. Zivljchen bem Vizepräsibenten be§ Abgeordnetenhauses Rakovjky und dem in der Panjchaueli-Affäre vielgenanntenSoziologen" Ateray-Horvath fand ein Säbelduelt statt, wobei der letztere mehrere 'Verletzungen erhielt.

r^iartte.

Gießen, 2. März. Marktbericht. Aus heutigem Wockenmarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 0.951.00 'Ulf., Hühnereier 1 St. 89 Vfg., 2 Sick. 0000 Pfg., Gänjeeier 0000 Psg., Enteneier 0 Pfg., Käse pr. Slck. 68 Pf., Kasematte 2 Slck. 5-6 Pfg., Erbjen p.Pid. 18-21 Pfg., Linjenp. Pjd.25-40Pfg., Tauben pr.Pr.0,80l,00Mk., Hühner pr.^t. 1,001,60 Ulf., Hahne pr. Stück 0,801,80 Ulf., Emen pr. Stück 1,802,20 Ulf., Ganje vr. Pfd. 7080 Pfg., Lchjenfleljch pr. Pfd 8288 Pfg., Knh- und Rindflelsch pr. Pfund 8082 Pfg., Schweine­fleisch pr. Psund 8084 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 88 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 8084 Pfg., pammelstetjch pr. Pilmb 6184 Psg. Welsche per Psund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,000,00 Ult., Zwiebeln pr. Ztr. 5,00-6,00 Ulf., Milch per Liter 20 Pfg., Aepl'el per Zelitner 20 bis 26 Ulf., in Körben 00 Pfd., Nüsse 100 Stück 50-00 Pfg., Birneli per Pfd. Mt. 0.200.25, per Zlr. 915 Ulf., Weißkraut per Stück 1580 Pfg., per Zentner Ulf. 0.00-0.00. Ulactlzeil 82 Uhr.

fc. Franksurt a. UL, 1. März. Heu- unb Stroh- m a r f t. Ulan notierte: Heu Ulf. 8. bis 3.40, Stroh Ulf. 3.10 bis Ulf. 0.00. Es waren an gefahren 21 Wagen Hen, 1 Wagen trotz. Tie Nachfrage nach Heu war gering, bas Geschäft ging flau. Es blieb em bedeutender Uebecstcmb. Trotzdem war die Tendenz fest.

tc. Frankfurt a. UL, 1. März. lOrig.-Telegr. beSGieß. Anz.") Vieh m a r f t. Zum Verkäme stauben 00 Kälber, 00 Schafe u. Hammel, 364 Schweine, 0 Ziegen. Schweme: 1. Qual. 6061 Pf., Lebenbgewicht 4800.00 Pf., 2. Qual. 5859 PL, Lebeubgewicht 47.00-00 Pfg., 3. Qual. 5254 Pfg. Kälber 1. Qual. 0000 Pf., Lebendgewicht 0000 Pig., 2. Qual. 0000 Psg., Lebendgewicht 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 00- 00 Pfg. Schafe 1. Uiialiiäi 0000 Pfg., 2. Qualität 0000 Pfg. Geschäft bei Schweinen: Gnt, lein Ueberstand.

Teietonisciie Kursberichte

des Giessener Anzeigers, initge und ludusii

Frankfurter Hör« 3Ji°/o Reiehsanleihe . . 97.60 3% do. . . 66.05 3j/a°/0 Konsols .... 97.60 3% do. . < . . 66.15 3>j°/0 Hessen . . . . 96 30 u>s°/0 Oberhessen . . . 95.50 4y0 Uesterr. Guldrente. . 99.7u 4/6 u/o Uebterr. bilberrente 100.05 4>0 Ungar. Goldreute . . 95.50 4% Italien. Leute . . . Ö96 Portugiesen Serie I . 69.00 3% Portugiesen III 70.30 4 >5 °/0 russ.Staatsanl. PJUa 91.45 4)4^0 japan. btaaUanleihe 92.90 4>0 Uonv. Türken von 1UU3 95.80 Türkeuloae 145.80 4% Grieeli. Monopol-Anl. 51.80 i % äussere Argentinier . 87.10 ö"/0 Äiexiaaner . . . 66.60

4>s7o Oluuesen .... 98.10

Aktien:

Bochum Guss 237.75 Buderus E. W ... 122.90

Tendenz: ruhig.

Berliner Börse, 2

. März. Anfangskurse.

teilt von der Bank lllr Handel le, Giessen.

v, 2. März, 1.15 Uhr.

Elektnz. Lahmeyer . . . 138.20 Elektnz. tiehuckert . . . 113.50 Esch weilet Bergwerk . . 245.0<) Gelsenkirchen Bergwerk . 210.00 Hamburg-Amerik. Paketf. 151.10 Harpeuer Bergwerk. . . 220.40 Luurahütte 237.75 Aordd. Llojd .... 129.75 Ubeisehlts. Eisen-Industrie 116.50 Berliner Handelsges . . 170.60 Uaruistädter Bank . . . 186.40 Deutsche Bank . . ..

Deutsch-Asiat. Bank . . 172.00 Diskoutu-Komiuaudit. . . 182.20 Dresdner Bank . . . 165.80 Eredituktieu 214.00 Baltimore- und Ohio-

Eiseutahn . . . 113.30

Gotthard bahn . . . ..

Lombard. Eisenbahn . . 80 70 üesterr. titaauwaun . . . 145.70 Pnuce-lieun-Eiseubahu . 148.00

Canada E. B 188.20

Darmstadter Bank . . . 13ü.7u

Deutsche Bank .... 242.0b

Durtmunder-Union C. . . 83.20

Dresdner Bank . . . 156.7u

Tendenz: schwächer.

Uarpener Bergwerk. . . 220.00

Laurahtitte .... 237.70

..umburden E. B. ... 8o.v0

Aordd. Lloyd 129.70 1 ihkenlose . ... 146.00

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