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2.3.1907 Zweites Blatt
 
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Trunörag 2. März 11107

Zweites Blatt

Nr. 62

Letzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oderhellen

157.7sol)rnnnrt

RolattonSdruck unb Verlag brx Br üblichen UiiLverfnätS * Buch- und BtembrudeccL DL Hangt, Gießen.

Redaktion. Expebitton unb Druckerei: Schul- ftitiBe 7. örpebuton unb Verlag: ess## 61. fRcbafttoiue^ 112. TeU-Abra An-etgerGreßcn.

Erlcheinl IL-Nch mit Ausnahme de- Sonntag».

TieEichener ZamillenblStter" werden dem /jlnAHfltr* viermal wöchentlich beigelegt, da- 'llrdeblatl für den Kreis Sietzen" zweimal wüche.ailch. Derhekfllche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Jir 6tat im IMsrag.

R. Berlin, 28. Jebr.

V.

Mit der Wahlagitation dcS Flottenvereins hat die Marineverwaltung nichts zu tun das konstatierte heute der Kontreadmiral Capelle zur Beruhigung des Zentrums.

Dann stellte sich einer der neuen Männer des Reichstages vor. Abg. Fürst Latzfeldt (Rp.). der frühere Oberprasrdent von Schlesien. Er sprach gewandt, ruhigen Tones und per- söhnlich in der Sache, so zwar, daß er sogar seinen Fraktton^- genossen Gamp berichtigte wegen dessen Angriffs auf die Natio­nal l i b e r a l e n. Diese Partei sei unentbehrlich, um die eine Mehrheit festzuhalten, bio jetzt allein l» Betracht kommen könne für positive Arbeit, die konservatin--liberale Mehrheit. (Lebhafte Zustimmung.) Fürst Hatzfeldt widerlegte Gröber kurz und treffend bezüglich der Behauptung, der Qxeid^tag fei einerLappalie wegen aufgelöst worden. Eine Lappalie könne doch Nicht dem Zentrum Anlaß gewesen sein, seine Machtstellung preiszugeben.

Die Aeußerung war beweiskräftig, und der zweite Redner der Nationallibei alen, Abg. Dr. Seniler vertiefte ihre Wirkung durch sclwrfe Darstellung des Sachverhalts, der zum Konflikt führte Aus Wem dröhnenden Protest Gröbers sei der elegische Unterton des gekränkten Machtgefühls vernehmlich gewesen. Zug um Zug vergalt Dr. Semler dem Zentrumsführcr die gegen die Liberalen gerichteten Angriffe. Er sprach von dummen Notizen, auf die Gröber seine subalterne Kampsmethode aufgebaut habe, vom blöden Schlagwort des Kulturkampfes usw. Die Zen- trumSmännerschäumtenvorEntrüstung, derRedner übertönte jedoch den Lärm mit dem Ruf:Wie cd in den Wald hincinschallt, ballt's heraus!" Uebcr die Lebensfähigkeit der kon- servativ'liberalen Mehrheit äußerte sich Dr. Seniler hoffnungs­voll. Jedenfalls fei der gesunde Kern dieses KartellgedankenS nicht durch Witzeleien aus der Welt zu schassen. In den leb­haften Beifall, den der Redner erntete, klang daS Zischen des Zentrums und der Sozialdemokraten.

Abg. Singer, der alsdann das Wort erhielt, eröffnete seinen auf einen schneidenden Ton gestimmten Vortrag mit der bissigen Bemerkung, Semler fdjeine seine Reise in die Tropen, nach Afrika, nicht gut bekommen zu sein. Darob geräusclwolle Heiterkeit und Genugtuung im Zentrum. In der Hauptsache be- schäsligte sich Singer mit der Rede deS Fürsten Bülow gegen Acbel. Er faßte dienSieger" im Wahlkampf selbstverständlich scharf an, und nicht nur ihn, sondern auch dieRcgierungs- Schutztruppc", den Reichsvcrband gegen die Sozialdemokratie. Die Wahlniederlage scheint Singer doch nahe gegangen zu sein, wenn er auch erklärte, seine Partei fühle sich nichts weniger als nicbcrgeritten". Er verbat sichauf das allerentschiedenste' den Ton, den der Kanzler gegenüber der Sozialdemokratie ange­schlagen habe. Fürst Bülow möge doch für den guten Ton das Beispiel geben! t

Ucbrigens beginnen die Wahlrückblicke und unaufhör­lichen Parteizänkereten allgemein zu langweilen. Die Ordnungsparteien" legten ihre Gleichgültigkeit nur vorübergehend ab, als der Redner ihnen mit Stentorstimme zuricf, sie sollten sich ihres Verhaltens im Wahlkampf schämen! Laute Oho-Ruse. Das Zentrum allerdings bekundete für die Darlegung Singers von Anfang bis zum Ende gespanntes Interesse. Mit Bebel hält Singer als Redner keinen Vergleich aus: ihm fehlt das Tempe­rament und die Ueberzeugungskraft Beb-ls. Auch das Pathos gelingt ihm nicht.Eheleute sollen sich zwar so lange , wie möglich vertragen, aber bei dem imAfrika<Vlock" bereinigten konservativ-liberalen Paar wird die Harmonie wohl bald in die Brüche gehen" das ist die Meinung des Sozialistenführers über die neue Reichstagsmehrbeit. Mau glaubt gern, was man wünscht. Sicher ist, daß auch andere als segenspendende Feen an der Wiege dieser Mehrheit stehen.

Wie weitgreifend die Singersche Rede war, erhellt daraus, daß Graf P o s a d o w s k y das Wort nahm, um den Nachweis einer höheren Zolllrelastuug des englischen als des deutschen Arbeiters zu erbringen.

Die Tendenz, Berührungspunkte mit den Liberalen in den Vordergrund zu stellen, war bei den Konservativen wohl nicht be­stimmend, als sie den Abg. Winkler zur Rednerbühne sandten. Ein Landrat a. D., preußischbis auf die Knochen", entwickelte er so absolut konservative Ansichten, als befände er sich im preuß. Abgeordnetenhaufe. Tatsächlich war es seine Reichstags-Jungfern­rede, und das gibt ihm einen gewissen Anspruch auf mildernde Umstände. Herr Winkler lebt der fröhlichen Hoffnung, der Reichstag werde bis tief in den Sommer hinein tagen und alles aus der vorigen Session rückständige Material aufarbeiten so wenig kennt er die Gepflogenheiten des Reichsparlaments.

Abg. Eickhoff (Frs. Volksp.) verstand es trotz der vorgerück­ten Stunde, das Interesse des Hauses zu fesseln durch seine Recht­fertigung gegenüber den Behauptungen des Zentrums und der Sozialdemokraten, er, Eickhoff, sei aus Regierungskrücken und Ge-

hoimbündelei mit dem Flottenvcrcin in den Reichstag gekommen. Der freisinnige Professor aus bem bergischen Land führte bic Polemik in der Sache scharf, in der Form niuftergiWig maßvoll, und er erzielte dadurch nicht geringeren Eindruck, als feine Wider- facher Spahn, Gröber und Singer.

Sang- und klanglos schien die Sitzung mit einer Mittelsta'-dS- rebe des bayrischen Baiiernb'-ndtcrs Öilvert schließen zu soffen da erhob sich noch Mm. v. Liebert (Rv^, um eine Lanze ein- wiegen für b?n von ihm geleiteten Reichsverband gegen die Sozialdemokratie. Er stieß so kräftig sit, daß die Männer der äußersten Linken erregt van ihren Sitzen in di.» Höhe fuhren. Heftigepersönliche Bemerl"ngen" folgten.

Im Verlaus der Sitzung wurde im Reichsfa. ans der Tribüne unb in den Gruppen ter ^geordneten, erzählt, der preußisch? Kultusminister v. Stubt trage sich nun doch mit tem Gedanken der Amtsniederlegung. Erffärffchcrweisc sand bic Botschaft von tem Rücktritt des ..Ministers des GfeifteS" bei den Liberalen eine selw gute Aufnahme. Wenn es so wäre, sagte man, tenn wurde man die ersteTat" der Regierung zu begrüßen haben im Sinne einer größeren Berücksichtigung liberaler Forderungm. Die Konserv'-'tinen wollten nickst recht an te9 Ereignis glauben: nach ibrn: Meinung würde im gegenwärtigen Auaenblick der Rücktritt te5 Kultusministers af§ ein Tri'-mvh seiner Gegner aus. gefasst roerten, und zu diesem Triumph dürfe die Regierung nickst die Hand biet"n. Trotz der kanfervat'nen Bedenken scheint an dem Gerückst Wal-r's zu sein. DerLokalan^." tut kund und zu wissen, Herr v. St"dt werdeleb'glich wegen seines hah-m Mters" seinen Abschied erbitten. Eine zarte, schonungsvolle Begründung.

Berlin. 1. Mär»,. Rach einer MeN>ung aus Abgeordneten- keeiscn soll Ministerialdirektor Dr. Altbosf ellärt haben, daß von einem Rücktritt d'S Kul^nsministarS Dr. van Studt nickt die Rede sein könne, da daS Sta-tS7ninisteri''m die Abstimmung über den Entwurf zur Reform des Mödck"'nsch"lmcsk-nS zwar vertaat habe, ihn aber tutet mit sehr großer Mehrheit an- oebmen werde

Kcssische Awcile Kammer.

Darmstadt, 1. März.

Am Regienmgstische: Staatsminister Ewald, Finani- Minister Gnantb, Munster deS Innern Braun, Geb. Staats- rnt R r it n von 91 i b b n , Geb. Rat Wilbrand , Ministerial­räte Dr. Becker, Fih. van B i e g e I e d e n.

Vizepräsibent Dr. S eh mitt eröffnet bte Sitzung. Da? Haus nimmt zunächst au8 dem Bericht des ersten 9ln4lchnsseS über die Regierungsvorlage, betr Nachträge zum Hnnptvoranfchlag der Staatseinnahmen unb 9lnsgaben für 1907 die allgemeine Ein­leitung der 91 bg. Reinhart im Anschluß an die Hauplemleilung jum Ctaalsvoranschlage an. Daun wird in der

Etatsbcratuug bei Kap. 2, Domänen des Großherzlichen Hauses, Kameral unb Forslbomänen. fortnefohren. Die ®cinmtcinnnhme dieses Kapitels beträgt 6 771 667 Mark, bte Gesamtausgabe 4 930 692 Mark, sodaß ein llebeilchuß von 840 974 SDlarf verbleibt, 27 444 Mark mehr, als nn Vorjahr.

Abg. Dr. Weber (wild) bespricht bei diesem Kapitel eine Eingabe der Gemeinde Betzenrod (ObeiHessen) in betreff des Eigen­tumsrechts an einem fiskalischen Grundstück unb erfmbt, ber Ge­meinde nach Möglichkeit entgegenznkomme'i. ES handelt sich um ein Grundstück, bas angeblich der (Semembe gehört, bas aber seit über 100 Jahren als dem Fiskus gehörig aligesehen wird, trotzdem dieser sein Bcsitzreckst nicht nnchznweifen vermag unb die Geuieinde jeit vielen Jahrzehnten bte Grundsteuern bezahlt.

Abg. Raab (soz.-dem.) führt Beschwerde über die in ver­schiedenen Gemeinden seines Wahlkreises erfolgte Vergebung von DomiutalHclätide aus freier Hand. Es sollten alle Verkäufe Öficnt- lief) ausgeschrieben werden.

Abg. Reinhart führt aus, daß die in den Schälwaldungen gewonnene Lohrinde im Preise sehr geftiegen sei, weil die Sohl- ledet Industrie eme höhere Produktion au'iveise. Es empfehle sich daher, die Schältvaldiiugen nicht zu schnell in Hochwaldiiugeu um- zuwandeln, da sie in Zukunfl wohl noch bester rentieren würden.

Abg. ©eelinger (not.-lib) beklagt die vielfachen Wasser­schäden auf den Wiesen und regt an, daß der Fiskus eine Ent­schädigung dafür gewähren möge.

Abg. Korell spuckst den Wuttsch aus, baß in Zukunft mehr Holz geiällt werden mochte. Namentlich sei die Nachfrage nach Brennholz sehr stark, dessen Preis and) vielfach künstlich m bte Hohe getrieben werde.

Geh. Rat W i l b r a n d erwidert auf die vorgebrachten Wüitsche unb Beschwerden der Vorredner. Dem Abg. Raab be- merkt er, daß es bezägltd) der Vergebung der Pachinngen bei dem jetzigen Modus bleiben müsse. Es müsse and) Rücksicht auf die alten Pächter genommen und der Raubbau moglidjft ver­hindert werden, es gelangen übrigens nach den bestehenden 'Boijd)ritten/b aller Pachtungen zur öffcntltd)en yiuSjctireibung. Bezüglid) der Gemeinde Betzenrod werde die Regierung nad) 9)1 ög-

(ichfeit Entaeaenkommen bctvcifcn, jedenfalls dadurch, daß sie der Gemeinde eine Entschädigung bezahle unb ihr die Grundsteuer zu- rüdvcraüte.

9(bg. Brauer spricht den Wnntch ans. baß man sich ble guten und fidieren Holtabnalunen zu erhalten suchen tolle; man dürfe ben Käufern nicht dnrch verkehrte Blaßnalunen ben Bezug von Losholz verleiben. Das letztere wüste and) von bctjelbcn Qualität fein wie daS B- ennholz.

Rach weiterer unweseiillidier Debatte wirb daS Kapitel an­genommen.

Zum Titel

Zivilliste Sr. Kgl. Hoh. dcS Großherzogs führt

Abg. Dr. Osann Bescknverbe über bie Verhältniste am T a r m ft ä b t e r öoftheater, wobei er betouberS auch die '.Angelegenheit der £)oiopendangerin Fran K a t ch o >v 4 k n erwähnte. Redner rügt vor allem die jetzt üblichen Bertiage mit ben Bnhnen- mitglicbeni, bie der Willkür der Direktionen Tür unb Tor östneten unb allen modernen fozfalen Aii'orderuuaen ividerlpräd)cn. Die öfientbdie Gerichtsverhandlung des Falles Kaschoivska habe ein beichämcubeS Bild über die Art der Behandlimg der Künstlerin gegeben, der man erst einen Urlaub zur Wiederherstellung ihrer Genmdbeit bewilligte unb sie bann nad) ihrer Rückkehr kurzweg als aus dem Hostbea'erverband entlasten ei klärte, weil angeblich die ber fiünftlerm laut -J3 er trag zustehenden 42 Tage Urlaub über- febrilten worden seien. Redner beklagt auch die schlechie Bezahlung der Hofmusiker unb der E boristeu unb verlangt zum Schluß, daß unsere Staatsinstitute und bie vom Staate abhängigen Anstalten and) in sozialer Hinsicht und Fürlorge als Plustermflstute geführt werben sollten.

Abg. Rein bart (nl.) erklärt, man könne Dr. Osann nur dankbar fein dafür, daß er diese Angelegenheit hier zur Sprache gebracht habe. Auch er, Redner, fei tief empört gewesen über den ftall Kaidwwska-, worüber ja in der Vrelie eingehend beneblet wurde. Es sei dringend notwendig, daß dre Verträge ber Bühnen- angehörigen mit ben Theaterlenungen einer gründlichen Revision nnlerzogeii werden unb and) die Großh. Regierung ihr Augenmerk darauf richte. Den Musikern und de>i Ehoristiimen würoen vielfach ioahre nunaerlÖ(me gezahlt.

Staalsmnnster Ewald stellt ziinächst fest, baß die General- direknon nicht ber Staatsregfernng imieritelli fei. Privainn habe ihm der Generaldirekior mtigfleiU, daß er lern gelamie« 'Material dein Zentralauslchuß der beut|d)eu Bichnengenostenlchafl in Berlin unterbreitet Hobe unb daß von bieler sein Bei halten al« korrekt anerkannt worben sei. ES habe doch jedes Ting leine zwei Seiten unb es werde Ictnvec fein, hier ein abschließendes Urteil über die ganze Angelegenheit adziigeben.

Abg Dr. Frenay spricht ebenfalls feine Genugtuung darüber auS, baß Dr. dann bie Sache hier zur Sprache gebracht habe. Er habe einen Einblick in einige solcher Bühnenoertrage genommen und lei geradezu erstaunt über die Horrende soziale Ruckstäiibigkeit, die in dielen Verträgen zu Tage tritt. Auch die Beloldung sei sehr ungünstig, namentlich müßten die Mitglieder der Hostnusik besser gestellt werben. Er wolle boch hier znm Wutbrud bringen, daß die Kammer ben Wunlch hegt, bie Großh. Regierung möge bieler ernsten Frage bezüglich ber VertragSverhälunste der Bühnenauge- hörigen baldigst näher treten.

Aba. Adelung spricht feinen Abscheu gegen die jetzigen Ver­träge mit ben Bühnennntgliederii aus, bie damit vollständig in die Hände der Tneftoren ausgelieert wurden.

Die Position : Z i v 111 i st e 1 265 000 Mk. wirb barauf mit allen gegen bie fünf Stimmen der Sozialdemo­kraten angenommen, ebenlo der Betrag von 5142 Mk. auß ber Sta stskasse an bie Großh. Kabiuetskaste zur Bestreitnug der Crbcnefoften. Das Haus genehmigt darauf ohne wertere Debatte die Titel H o f b a u w e > e u, für laufende Unterhaltung für 15 Ge­bäude und Hofreiten 52 250 Alk., ferner für Tomantalbau- ip e i e n lausende Unterhaltung 151 780 Mk, 91eubauien und größere Herstellungen 89 770 Alk., für Koste,\ der Erhebung, Bettretiuutg iiild Verrechnung der Domauialgefälle 81350 Alk., für Lokalver- wattiingskosten nn Allgemeinen 611109 Alk., für Kanieraldomänen unter Verwaltung der Cbeiförftereien 112'J Alk., für Kameral- bomänen unter Veripaltimg der Baubehörden 83 40^ Alk., für Forst- boniänen 1 936 517 'Dif., für Giiindlasten auf den Kameral- und Uorstdomäueu, auf den Kaiueraldomäneu 87 245 Alk., aut den Forst- öomdnen 1^2 800 Alk., als Beiträge zu den Kreis-, Gemeinde- und Gemarkungskosten 240 000 Alk., für Brattdversicherung 20 500 Alk.

Benn Titel »Forstdomäneu^ erjucht

Abg. Adeliiug, die Forstvehörden möd)ten bie Holzschläger nicht Io lange auf die Auszahlung ihres Lohlies warten lasten.

Abg. Bähr führt Beichwerde darüber, daß, wie er erfahren, die Oberförster ei Siorndori verlegt werden Jolle. Er ersuche die Behörde, die Cbenörfierel an ihrem jetzigen One zu belasten.

Wahrend der mut eingetretenen Fruhstückspauie ivaven Tisch und Sessel des Präsidenten mit Blumenstrauß und Girlanden ge- schmückt worden, um d e Fefer des

zehnjährigen Prüfidentenjubilänms des Geh.-Rats HaaS fe|Uid) zti begehen. Als der erst vom Reidrstag aus Berlin zurück-

Kcssische Landcs- Ausstellung für freie und an- gcwundte Kunst, Inimüudt 1908.

Von ^icm Regierungsantritt Grobherzogs Ernst Ludwig datiert ein bedeutender Aufschwung von Kunst unb Kunstgewerbe im Grobherzogtum Hessen. Als dieser moderne, kunstsinnige Fürst im Jahre 1899 zur Hebung von Kunst und Kunstgewerbe die Tanustädter Künstler-Kolonie ins Leben rief, da fand er an­fänglich int Lande nur geringes Verständnis für bie hochbedeut- famen Aufgaben, deren Lösung er von seiner neuen Gründung erhoffte. Aber schon bie im Jahre 1901 auf der Mathildenhöhe in Darmstadt veranstaltete Llusstellung bedeutete einen Erfolg. Sie hat überall im In- und Auslande Aussehen erregt unb zum erstenmal weitere Kreise auf bas im Grobherzogtum pulsierende künstlerische Leben aufmerksam gemacht. Seitdem hat bie Darm­städter Künstler-Kolonie einen ungemein befruchtenden Einfluß auf die hessische Kunst, namentlich in ihrer Anwendung auf bas Haus u nd feine Ausstattung im weitesten Sinne ausgeübt. Und wenn schon heute das Großherzogtum Hessen sich anschickt, auf einer das ganze Land umfassenden Ausstellung größeren Stiles von dem gegenwärtigen Stand seines künstlerischen Könnens öffentliches Zeugnis abzulegen, so darf bie Darmstädter Künstler- Kolonie einen großen TaÜ des Lerdicustes hieran für sich in Anspruch nehmen. __

. Die Ausstellung, die im Mai des nächsten Jahres wiederum auf ber Mathildenhöhe in Darmstadt eröffnet werden wird, soll ein vollständiges Bild d er hessischen Leistungen unserer Zeit auf beut Gebiete der freien und angewandten Kunst geben. Die bisher zahlreich eingelaufenen Anmeldungen lassen die Erwar­tung gerechtfertigt erscheinen, daß auf der Ausstellung etwas Gediegenes geboten werden wird.

Auf dem Gebiete der angewandten Kunst ist am stärksten die hessische Möbelindustrie vertreten. Gerade für diel es Gebiet war es von besonderer Bedeutung, solche Arbeiten als Aus- .fteilungsobjekte zu erhalten, die einem bestimmten Auftrag ihre Entstehung verdanken unb für gegebene ganz bestimmte Verhält­nisse geschaffen find. Mit lebhafter Freude ist es darum zu be- jrü&en, daß bie hessische ©taat^egieriuig beabsiMigt, eine große

Anzahl von Jnnenräumen gegenwärtig in Arbeit befindlicher Staatsbauteu auf der Ausstellung vorzuführen. Im einzelnen seien hier genannt: das Zimmer des Präsidenten, der Schwur­gerichtssaal und das Bibliolhekzimmer der Amtsrichter für bas Justizgebäube in Mainz, das Lehrerkonfereuzzimmer für das Gymnasium in Offenbach, das Sitzungszimmer für das SteuergebäudeinDarmstadt.das getäfelte Zimmer des Schlosses in Offenbach, das Direktorzimmer nebst Vorraum der Landesbaugewerkschule Darmstadt und zwei Fürstenzelleu sowie ein Vestibül nebst Schmuckhof für Bad- Nauheim und anderes. Der Auftrag zur Herstellung der an letzter Stelle genannten Anlagen ist der im vergangenen Jahre ins Leben gerufenen Großh. keramischen Manufattur in Darmstadt zuteil geworden, der auf diese Weise zum erstenmal Gelegetiheit geboten wird, sich an einer größeren Aufgabe zu erproben.

Besonders rege ist die Beteiligung in der Gruppe Kunst­töpferei. Die vorliegenden Anmeldungen sichern das Zu­standekommen einer Kollektivausstellung der besten Töpfereien des Odenwalds und Oberhesfens.

Sehr gut vertreten ist cruch die Buchdruckerkunst, als deren Hauptsitze Darmstadt, Gießen, Offenbach imb Mainz in Betracht kommen.

Das Jittereffe, das von den Piano forte - undMufik- i n st r u m e n t e n - F a b r i kan 1 e n für die Ausstellung bekundet wird, läßt aiuch auf diesem Gebiete gute Darbietungen erwarten. Tas gleiche gilt von ber im Grvßherzogtum weit verbreiteten Webeinduftrie und von den Gold - und, Silber schmieden. Bemerkt sei, daß auch bie staatlichen Fachschulen sich an der Aus­stellung beteiligen werden.

In Gießen hat sich ein Komitee gebildet, um in einem zzi errichtendenOberhessischeu Haus" Produkte des Gießener, evcnt. auch des gesamten oberhesfischen Kunstgewerbes twrzuführen. In diesem Hause sollen zugleich einige bedeutendere Zweige des Kunst­handwerkes im Betrieb gezeigt werden.

Auch der Ernst-Ludwig-Berein (Hessischer Hentralverein für Errichtung billiger Wohnungen) beabsichtigt, sich int weit­gehendem Maße eventuell auch durch Vorführung mustergülliger Häuser zu beteiligen.

Ueberhaupt verspricht die Arckitekturausstellung überaus in-

terejsant zu inerten. Die beiten Meiller ter Baukunst werden hier zu Worte kommen. Unter anderem fei nur daraus hin ge­wiesen, daß auch ter erst jüngst wieder durch seine Ernennung zum Baumeister bei ten Königl. Preußischen Museen in den Bvrter- grunb des Interesses gerückte Proiessor A, Messel in Berlin, ter geniale Erbauer des Warenhauses Wertheim in Berlin und des Gwgh. Larrdesmuseums in Darmstadt, feine neuesten Arbeiten ausstellen wirb.

Aber auch die freie Kunst, also die Malerei und die Plastik, wird vortresslicl) auf ber Ausstellung vertreten fein. Von bedeutenden Malern, bie bis jetzt ihre Beteiligung zugesagt haben, seien ge­nannt Pros ess dt Karl Sanier, Otto Ubbelohde, L. v. Hof­mann, Stirn Kustner und Otto H. E n g e l. Aus dem Nachlaß deS Mainzers Harburger unb des Darmstädters Heinz Heim werten die besten Sachen zur Ausstellung gelangen.

Nicht minder zahlreich find die Anmeldungen au, dem Gebiete der P l a st i k. So wird auch u. a. das frühere Mitglied der Darmstädter Künstler-Kolonie Pwscssor L. Habich, ter im vergangenen Jahr leider einem Rufe nach Stuttgart Folge geleistet hat, die Ausstellung beschicken.

. Suzanne DeSprLS, eine französische Bühnenkünstlerin, gastiert zurzeit im Berliner Königl. Sdiauspielhaule. Am 1. b. 9)1. empfing ber Kaiser sie in seiner Loge unb soll zu ihr gesagt haben : »Sie haben uns eine so menschliche, so lebenbe Phabra gezeigt, baß wir bavon tief ergriffen waren. Wie Ichon bas boch in ! Als ich ein junger Bursche war, habe ich die Verse der Phäbra auswenbig gelernt. Ich lasse mir sagen, baß in Frankreich bie Verehrung ber klassischen llebcrheiermtg schwächer wirb, und baß man SDloliere unb Racine weniger oft aufführt. Wie schabe! Unser Volk bleibt im Gegenteil leinen großen Dichtern treu unb finbet Frenbe an ihren Werken. Aufs Gymnaltnm folgt bie HochfchnIe, auf bte Hoch- schule bas Theater. Es soll bie Seelen erheben und er­weitern. Das Volk braucht keine Darstellnng ber Wirklichkeit; bie kennt es, bie ist ihm vom Alltag ber geläufig. Man muß ihm Größeres und Edleres zeigen, etwas, was über der jftantelteuöame4' steht."