LFI. Jahrgang
Zweites Matt
Kr. 227
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E^chetnt iLgNch mit Ausnahme deS SonntvlgS.
T« „Gtehener ZamttienblStter" werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das 'srtisbkrtl fflr den Kreis Stehen" zweimal sSchenUtch. Der „hessische Landwirt" erjcheuü monatlich einmal.
Ire Lage in Marokko.
P a r i s, 26. Sept. Aus Tanger wird gemeldet:Ab d u l Asis erbat den Besuch Regnaults ft: Rabat. Regnault wird sicl) nach Einholung der Erlaubnis seiner Regrcrung nach Rabat Leg-eben.
Casablanca, 26. Sept. Die Ruheind er Stadt ist wieder eingekehrt. 5)euLe wurde zum ersten Male wieder Markt aögehalten. Zahlreiche Marokkaner hatten Vieh aufgetriebem General Drude hatte mehrere Kundschafter nach der Richtung entsandt, von der marokkanische Händler kamen, um ihnen eventuell Schutz ge- währen zu können. Vier Stämme der Ouled in Zia haben an General Drude Boten gesandt, um die Bedingungen für die Unterwerfung zu erfahren. Acht versprochene Geiseln finb ein getroffen; sie wurden von den französischen Behörden anerkannt, weitere Geiseln werden noch entartet Rach einer spateren Meldung haben die 4 Stämme die Bedingungen an» genomlnen.
Köln, 26. Sept. Die „Köln. Ztg." meldet aus Rabat, daß Mulch Hafid am Donnerstag von MarraLesch curf- gebrochen ist. Obwohl er über sein Reiseziel größtes Stillschweigen bewahrt, wird allgemein angenommen, daß er direkt auf Fez marschiert, ohne die Küste zu berühren. Eine Anzahl Leute, die in Casablanca mitgefochten haben, erklären, daß ihre Verluste bedeutend geringer sind, als die französischen Berichte augaben. Der Ueberfall des Lagers bei Taddert ist dem Fehlen eines Führers zuzuschrei- beu. Gegenwärtig finden zwischen Drude und den Stämmen weitere Unterhandlungen statt.
Freitag 27. September 19OT
Rotationsdruck und Verlag der Brühttschen UniversitätS - Buch- und Steindruckeret» ' R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L
Siebaftion:e^ll2. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Deutsche» Nesch.
Kiel, 26. Sept. Die Kaiserjacht „Hohenzollern", der woße Kreuzer „Scharnhorst" und der kleine Kreuzer „Kö- rigsberg^ sollen nach neueren Dispositionen bereits am > November in der Elvemündung für die Reise des Kaisers rach England bereit liegen. Die Reise wird voraussichtlich Ion der Unterelbe am 9. November angetreten werden.
Berlin, 26. Sept. Die Stadtverordneten ehnten mit 119 Stimmen gegen zwei Stimmen die Vorlage -etr. Einführung der W e r t z u w a chs ste u e r ab.
— Zum Präsidenten des Oberlandes- kulturgerichts ist Dr. Metz, Präsident der General- wmmisfion für Brandenburg und Pommern ernannt norden. ,
— Die angekündigte Gründung ernes Vereins >er katholischen Geistlichen bei der Erzdiözese ßosen und Gnesen ist jetzt erfolgt. Zum Leiter wurde )er bekannte polnische Genossenschafts-Direktor Prälat Dawrzhniak gewählt. Der Verein soll angeblich kirchliche und politische Angelegenheiten von der Erörterung msschließen und nur wirtschaftliche und gesellige Zwecke verfolgen. ,
Leipzig, 26. Sept. Nach den jetzt endgültig vorliegenden Resultaten der Landtagswahlen haben die Nationalliberalen acht Sitze gewonnen, die Konservativen haben ebensoviele verloren. Die zweite Kammer wird künftighin bestehen aus: 46 Konser- oativen (bisher 54) 31 Nationalliberalen (bisher 23), drei Freiftnnigen, einem Reformer und einem Sozialdemokraten.
— Kleine Ku nistchrowik. Die langjährige, auch tat Gießen bekannte Heroine des Berliner Kgl. Schauspielhauses- Rosa Poppe, deren Vertrag mit der General-Intendanturs am 1. Mai 1909 abläuft, will sich von diesem Zeitpunkt ans der englischen B-ühwe widmen. Die Künstlerin, die die? Spracl)e Shakespeares schor: seit längerer Zeit vollständig bo- herrscht, beschäftigt sich jetzt mit dem Studium ihrer neuens Rollen. — Sophie Jung ha ns, die bekannte Frankfurter; Schriftstellerin, ist dieser Tage in Hildburghausen gestorben. Sie hat sich durch ihre Mitarbeiterschaft bei fast allen deutschere Familienzeitschrifteu! einen Namm gemacht. Frau Junghans wurde; 1855 in Kassel als Tochter des Hoftats 3u|tn£ geboren. — Herr Dr. Strecker aus Nauheim schreibt uns: Am Ende mein cd letzten Nauheimer Briefes ist das Abschiedskoirzert der Kur-' kapelle für 'Nkontag aavgesetzt. Es liegt wohl ein Schreibfehler vor, denn es ist in Wirklichkeit am Sonntag. Montag spielt nur noch einmal eine Militärkapelle. — Aus Kopenhagen wird, gemeldet, daß Waldemar Paulsen an fernem System drahte loser Telephonie beträchtliche Verbesserungen vorgenommen hat. Wie er einem Jntervrewer mitteilte, sind neue Versuche auf 19 Meilen von Erfolg gerieten. Man erwartet, daß das System binnen wenigen Monaten allgemein eingeführt wird.' — Dem „Lyoner Erpreß" zufolge hü ein junger Lyoner Jwi gtnienr ein Verfahren erfunden, durch welcl)es elektrische Kraft auf größere Entfernungen auf drahtlosem We&< über trage ir werden kann. — Kömmerzienrat Emil Gir ar-^ t>ct in Esscre a. d. Rul-r, Zeitungsvcrleger und Buchdruckeredi bescher, hat dem dortigen städtischen Museum 50000 Mk. füü NeuarrsckMfsttMen überwiesen. Außerdem hat er ein Geuüüde? von Eduard v. Gebhardt, Christus auf dem» Meer darstellend -in gleichem Werte zum, Geschenk gemacht
AnsZanS.
Karlsbad, 26. Sept. Nachträglich wird bekannt, daß der russische Minister Iswolski am Dienstag mit dem schwedischen Minister des Aeußeren, Trolle, eine wichtige Konferenz gehabt hat.
B u d a p e st, 26. Sept. Die Polizei recherchiert nach den Verbreitern eines Flugblattes, das für die antimilitaristischem Ideen ein tritt und die Rekruten auffordert, den Dienst zu verweigern.
— Hiesige Regierungskreise-bestätigen, daß die ungarische Regierung auf ihren Forderungen in den Ausgleichs- Verhandlungen bestehen werde und daß die Verhandlungen aussichtslos verlaufen würden. Neber die Aufrechteng des" Status quo werde eine Einigung erzielt werden.
London, 26. Sept. Wie aus Sierra Leone gemeldet wird, hat man von dem Gouverneur, der jetzt das Innere bereist, unbefriedigende Nachrichten erhalten. Eine ernste Au s st a n d sb ew e g u n g schreitet in Songa fort. Ein westafritanisches Regiment ist hinberufen worden.
Petersburg, 26. Sept. Bei der Verhandlung ge gen d en An ar chisten Ale in i ko w gelang es diesem, zu entkommen.
New York, 26. Sept. Nach einer Meldung deS „New- York Herald" sürd in der a r g en t in i s che n Provinz Cor -- rientes Unruhen ausgebrochen.
Sidney, 26. Sept. Ministerpräsident Deakin, der gestern wieder zum ersten Male auf kurze Zeit im Repräsentantenhause erschien, erwiderte auf die erneute Anfrage Smiths bezüglich Tahitis, daß persönliche Umfragen die Richtigkeit der von Lyne schon abgegebenen Erklärung, daß die Abtretung an Deutsch lern d nicht beabsichtigt ei, ergeben haben. — Das Repräsentantenhaus nahm den Etat der Landesberteidigungsbauten an. —. DaS Unterhaus nahm den Zolltarif an.______________ _____ __
neuen Mitglieder in Nauheim. Die neue Heroine Frl. Helene Achterberg war die zwei letzten Jahre am Stadttheater in Erfurt tätig; sie wird als Hermione (Wintermärchen) und Hjördis (Nordische Heerfahrt) zuerst auftreten. Die erste Naive Frl. T o n i S y l o u kommt vorn Neuen Theater in Berlin, wo sie Rollen wie Beate int „Helfer" usw. mit größtem Erfolge kreierte. Sie hatte jüngst bei einem Gastspiel als „Cyprienne" in Bad-Nauheim einen schönen Erfolg zu verzeichnen. Frl. Käte Car düng hat als Salondame sowohl beim vorjährigen Gastspiel wie vergangenen Sommer in Bad-Nauheim ihre Qualifikation nachgewiesen. In die sentimantalen Rollen werden sich Frl. Dora Ormont vom fürstl. Theater in Gera und Frl. Paula Mo rett von München teilen. Von Herren sind zu den bewährten und beliebten Mitgliedern Bakof, Reimer-Schlegel und Goll eine Reihe neuer Kräfte getreten. Der erste Held Herr Erich Wein gär tu er hat sich bereits bei den Eröfsnungsvor- stellnngen im Juli durch seine prächtigen Mittel vorteil-; haft eingesührt. Das gleiche gilt von Herrn Clemens Roden, dem jugendlichen Helden, der schon im vergangenen Winter hier auf Engagement gastiert hat. In Herrn G s e l l von Karlsruhe und Herrn van der Becke von Berlin sind weitere vielversprechende Kräfte gewonnen worden.
** Ein feltsam anmutendes Naturspiel ist an der Rodheimer Straße da, wo gegenwärtig der Zirkus Straßburger steht, zu sehen. Auf einem Weidenbaum steht nämlich eine kräftige Sonnenblume. i
)( Aus der Wetteran, 26. Sept. In Gambach^ starb der älteste Einwohner Markus Rosenbaum, der 87 Jahre alt wurde. — In H a i n g r ü n d a u verschwand vor 14 Tagen ein Einwohner. Nachdem tagelang vergeblich nach ihm gesucht wurde, fand man seine Leiche in einem Weiher.
sd. Darmstadt, 26. Sept. Ein Postdieb wurde^ heute durch die Kriminalpolizei hier feftgenommen/ nämlich der 21 Jahre alte Po st Hilfsbote Ludwig Traum von hier. Traum, der seit 1904 bei dar Post war, aber nur auf Handschlag verpflichtet ist, wurde in seiner Wohnung verhaftet, und bei der borgenorrnnenen Haussuchung ergab sich, daß er noch über 100 Briefe und Drucksachen in seiner Wohnung im Bett, dem Nachttische, usw. versteckt hatte. 65 Briefe hatte er geöffnet, aber wie er angibt, nur einen 20 Markschein, sowie einen Coupon auf die Süddeutsche Bank, der erst am 1. Oktober fällig ist, gefunden. Den Coupon fand man noch in seinem Portemonnaie. Er ist in vollem Umfang geständig. Man fand auch eine Anzahl Drucksachen, sowie 10 Postkarten, von denen eine eine Nachricht an eine Frau enthielt, daß ihr Kind beerdigt werde. D. kann keine Auskunft geben, warum er auch diese für ihn wertlosen Schriftsachen nicht abgeliefert hat. Seine Verfehlungen begannen erst im Juli. Voraussichtlich wird die Post schadenersatz^ pflichtig gemacht werden. Soweit es möglich war, wurden die Briefschaften heute der Post zur Wlieferung an dis Adressaten übergeben. Meist sind es ausländische Briese, irr denen T. Geld oder Schecks usw. vermutete.
X Offenbach a. M., 26. Sept. Die St a d tv ero rd^ netenversammlung beschloß die Aushebung der Go bühren für Erwerbung des Ortsbürgerrechts und nahm ferner einen Antrag an, wonach die Akten über die beiden : letzten städtischen Anleihen einer dreigliedrigen KommiffioNj vorgelegt werden sollen. Tie betreffende Kommission wurds . gewählt.
M ainz, 26. Sept. Der Lokomotivheizer Balthasars Funk von hier und bessert zweijähriges Sö hnchen wurden heute nachmittag im Gonsenheimer Walde in bewußtlosem Zustand aus gefunden und ins Hospital nach Mainz - verbracht. Baker nrrd Kind liegen schwer krank darnieder. ■ Funk hat sich und seinem Kinde Gift beigebracht. Der; : Grund zum Selbstmordversuch sind Familienzwiftigkeitem
Aus SLcrdL rrnd Lcrrrd.
Gießen, 27. Sept. 1907.
** Die gestrige erst-e Stadtverordneten-^ Versammlung nach den Ferien verlief sehr ruhig. Auch über die Kana fgeb ü hrenfra ge, die auf der Tagesordnung stand, wurde aus der Versammlung heraus kein Wort verloren, so daß anzunehmen ist, daß die für nächsten Donnerstag zu erwartenve Beratung über eine neue Gebührenordnung rasch und friedlich vor sich gehen wird. Auch, die Frage der Errichtung einer elektrischer: Bahn wird schor: in Kürze die Versammlung beschäftigen. — In der nichtöffentlichen Sitzung wurde ein Bebauungsplan für die Straße nach dern Friedhof am Rodtberg festgestellt, der demnächst öffentlich aufgelegt werden wird.
** N e ue s S t a d 11 h e a t e r. Das Publikum wird daraus aufmerksam gemacht, daZ alle Vorstellungen pünktlich beginne:: werden. Der Anfang der Sonntags-Vorstellungen ist auf 71/2 Uhr festgeetzt.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters wird uns geschrieben: Die Ergänzungen des Personals, das für die kommende Spielzeit nicht unwesentlich verstärkt wurde, si::d in der sorgfältigsten Weise getroffen worden — vorbereitet durch Reisen des Direktors und Gastspiele der
Hessische Landesausstellung Darmstadt 1908.
Die Richterbibliothek.
In dem letzten Aufsätze über die Darmstädter Ausstellung 1908 war der keramische Hof dieser Ausstellung näher beschrieben. Nach der Besichtigung dieses Doses wird man Ge- leMnheit finden, zur linken Hand eine Reil-e Zimmer zu besuchen, die das Auge eines jeden, der Sinn für moderne Imunde wration hat, entzücken dürften. Die Ausstellungsleitung geht bei der Einrichtrnrg dieser Räume von der Erwägung aus, daß nicht nur das Aeußere eures Gebäudes einen zweckmäßigen und einheitlichen Stil tragen soll, sondern daß nicht minder das Innere des Hauses eine Aufteilung und Einrichtung zu erfahren hat, die seiner Bestimmung entgegenkommt. Soll schor: bei Privatbauten dieser Grundsatz den Baukünstler und Kunstgewerbler leiten, so ist es bei der Einrichtung der Staatsgebäude umsomehr Pflicht, dieses Prinzip ebenfalls zu verfolgen, als solche Bauten meist ösfentuch, also jedermann zugänglich smltz und als der Fiskus 'an sich der erste sein nmßte, die wahre Kunst bei feilten. Bauwerken zu pflegen und, jene auf so einfache wie wirksame Weise in die breite Masse des Volkes zu trogen. Der hessische Staat wird sich üt ^Zukunft mehr denn je bicje Ansicht zur Richtschnur dienen ^lassen, und zur Veranschaulichung dasür werden in dem Aussteltungsgebäude Unks von: Haw^teingauge mehrere Räume so eingerichtet, wie sie für unter» fchieolichc neue Staaksgebäude Hessens geplant sind.
Die Herstellung dieser Räume ist Künstlern in Auftrag ge» Jjeben, die zurzeit schon, ciftig an der harmonischen Ausstattung arbeiten. So fertigen: u. a. an Prof. Olbrich das Zimmerndes Ls ndgeri chtsprüf idertte.n, Professor Aldm Müller die Riehterbibliothek, BvRnartz den Schwur ge ri ch tss aa l vom neuen I u st i z g>e h-äu d e i n M a i n z, Mfted Koch das Lehrerund SitzungSzinnuer des neuen Gymnasiums in Offenbach, Regü rUltgsbaustihrer Becker einen Gemeindeschulsaal, Direktor Wienk)«p sein Arbeitszimmer in der Landesbaugewerkschule mit Vorzimmer, Wallenfang das Vorstandszimmer des Steuer» komrnissariats lieber diese und die anderen Räume werden ge- tenentüd) nähere Mitteilungen gemacht; für heute fei mir ein Blick in die Richterbibtiothek des Profeßors Albm Muller ge» w^Diese dient drei Z-vecken. Ernmat sattste das Arbeitszimmer der Richter sein, dann aber auch ihre Bibliothek und- schließlich der Raum für Plenarsitzungen. Im Mainz« Justtz- gedäude lpftd sich das Zimmer im Lweilen Obergelchsste m
Befinden des Großherzvgs von Baden.
Gestern war im Befinden des Großherzogs von Baden eine kleine Besserung eingetreteu, doch wurde der Zustand des Kranken noch immer als sehr ernst bezeichnet. Gegen abend verschlimmerte sich das Bestnder: und das um Mitternacht ausgegebene Bulletin lautet:
„Bei dem Großherzog begann sich am Abend ziemlich die Herzschwäche in ganz beträchtlicher Weise zu steigern. Es gelang zwar allmählich, eine gewisse Beruhigung herbeizuführerr, doch ist der Z u st a n d a u ch j e tz t n 0 ch derart, daß bas schlimmste zu befürchten ift.
(gez.) Dr. Fleiner. Dr. Dreßler."
Zurzeit liegen unS' folgende telegraphische Meldungen vor:
Mainau, 27. Sept., 8 Uhr barm. Ein neuer Anfall von Herzschwäche hat die Kräfte des Großherzogs erschöpft. Seitheutefrühliegt der Groß Herzog in einem ruhigen Schlummer.
91/2 Uhr vorm. Heute vormittag ist Staatsminister t. Dusch hier eingetroffen.
Konstanz, 27. Sept. §eute abend trifft der Kronprinz v 0 n S ch w e d e n auf der Mainau ein. Die Lage ist unverändert.
finden, während es im Darmstädter Ausftellungshause wie die anderen Räume dieser Art natürlich im Erdgeschosse Tein wird. Es ist ein Raum üs Winkel form mit einer Pfeilerstellung. Der Hintere schmale Teil birgt die Bibliorhek, der imitiere ist für die Sitzungerr aufgefpart, während der vordere Teil mit den Fensterplätzen die Arbeitsgelegenheiten darbietet. Den Zugang zum Gemack^e hat man vom eigentlichen Haupteingange aus und durch den Ruheraum und den Raum für Kirchenkunst.
Die Ausstattung wird durch die Zroeckbestimmung und weiter dadurch bestimmt, daß der Raum nicht übermäßig natürliches Licht hat. Es sind nur drei Fenster vorhanden, die dem natürlichen Lichte Zugang gewähren sollen. Damit nicht etwa ein düsterer Eindruck erzielt wird, sondern ein Heller, fteunülicher Raiun entsteht, ist alles in Eichenholz gänzlich in Naturfarbe gehalten. Dazu kommt ein grüner Linoleumbelag für den Boden, während die Decke eine einfache Stuckprosilierung aufweisen wird. 'Grauviolette Vorhänge vor den Schränken und die etwas dunkler als eichenfarben gehaltenen Tischplätze vervollständigen den Eindruck einer ruhevollen, aber liMeu und fteundlichcn Einheitlichkeit in der Farbe.
Praktisch und zweckentsprechend sind nicht minder die sechs Schreibtische an den Fenstern. Da eben bloß drei Fenster vor- handen, jeder Schreibtisch aber gleich günstiges, natürliches Licht erhalten soll, werden je zwei Schreibtische in Winkeln von je 45 Grad zueinander gestellt. Sie werden so angefertigt, daß sich bequem an ihnen arbeiten läßt, daß der daran Sitzende also z. B. nicht Gefahr läuft, hier und da mit Knie und Fuß an Ecke und Kante und Tischbein anzustoßen, wie dies leider bei manchen recht unvorteilhaften Schreibtischen heutzutage immer noch der Fall ist. Rechts und links vom Schreibtische bietet sich Gelegenheit zum Weglegen der Akten. In den Sesseln vor den Tischen wird es sich angenehm sitzen lassen: die oberen Teile sind nach allen Seiten hin beweglich. Ihre Konstruktion ähnelt am meisten dem System der amerikanischen Schreibsessel. Vorrichtungen für Waschgelegenheit und für die Aufbewahrung der Garderobe der Richter fehlen nicht minder. Aber alles, was an Schränken und Fächern willkouimene Ecken zur Stcuibansamin- limg bieten könnte, ist in die Wände eingelassen, so daß die Einrichtung auch gesundheitlich zu den vorbildlichcu gchürt. Nur die drei bis an die Decke reichenden Bücherregale sind ftei- ftehend. Sie tragen an ihren Stirnwänden in dunklem Holze geschnitzte Reliefs; drei Putten mit einer Wage, einem Buche und einem Schwerte in den Händen.
Ler Lortserenztisch in der Witte des Zimmers ist maßiv ge»
halten und behindert den daran Sitzenden in kemer Weise. ZiÄ künstlichen Beleuchtung dienen auf Seit Schreibtischen beweglich« Lichthalter, die natürlich nicht nur seitlich, sondern ebenso leid# hoch und tief eingestellt werden können. Und an der Decke befinden sich vier große in Messing getriebene Beleuchtungskörper- die aber noch durch eine besondere Deckenbeleuchtung unterstütz^ werden. , J
Schon aus dieser kurzen Skizzierung mag erhellen, daß viel Fleiß und Sorgfalt auf 6'ie geschmackvolle, ruhige und — es mag noch einmal betont werden — durchaus zweckentsprechende Einrichtung dieses .Richterzimmers verwandt wird.


