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Trichell kSgNch mit Ausnahme des Sonntag».
General-Anzeiger für Gderheffen
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Rotationsdruck und Verlag der BrÜhlfchen UniversitätS - Buch- und Sretndruckerei.
R. Lange, Gießen.
ihre Meinung befragt. Die Antworten lauteten nahezu einstimmig, daß ein weitgehender Schutz der Arbeitswilligen erforderlich ist; jedoch gingen die Meinungen über die Art dieses Schutzes recht weit auseinander. Vor allen Dingen erschien es sehr fraglich, ob es sich empfehlen würde, ein besonderes Gesetz zu schaffen, oder den Paragraphen 153 der Reichsgewerbeordnung weiter auszubauen, wie dies seitens des früheren Herrn Staatsministers, späteren Vorsitzenden des Vereins für Sozialpolitik, Frhr. v. Berlepsch, im Jahre 1899 dem Parlament vorgeschlagen worden warv allerdings ohne Erfolg. In engerem Zusammenhang mit diesen Bestrebungen stehen die noch früher eingeleiteten Schritte des Bundes zur Schaffung eines Abwehrfonds für Verluste aus Arbeitseinstellungen. Wie schwer der Druck der Streiks auf der Industrie schon damals lastete, erhellt aus dem radikalen .Versuch des Bundes der Industriellen, eine Versicherungsanstalt auf Aktien, genannt „Jndustria" zu gründen, um den ungeheuren Verlusten der Industrie einigermaßen zu begegnen. Die jetzt errichteten Streil- entschädigungsgesellschaften des Vereins und her Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände, des Verbandes sächsischer Industrieller usw. sind praktische Formeln für eine notwendige Gegenmaßregel, nachdem inzwischen das Kapital der Gewerkschaften bezw. der sozialdemokratischen Partei auf 41 Millionen Mark angewachsen ist. Bei dieser Gelegenheit muß einmal daraus hingewiefen werden, wer in Preußen die Staats steuern ausbringt. Vvn 37 Millionen Menschen zahlen nur 4,6 Millionen Staatssteuern. Der preußische Fabrikarbeiter zahlt tatsächlich so gut wie gar keine Staats steuern und zwar auf Grund des hochherzigen Betreibens ftuifer Wilhelms L, das Einkommen unter 900 Mark frei zu lassen. Zum Dank für diesen Nachlaß besteuert der sozialdemokratische Arbeiter sich selbst mit schweren Vereins - und Parteiabgaben zurBekä nz.p f u n g der Monarchie und feiner Arbe i ts gele gen he i t, der Industrie. Unter diesem Gesichtspunkte sollten die Industriellen sich durchaus nicht tueigern, die amtlichen Deklarationen der Löhne ihrer Arbeiter anzugeben, damit dem Staat nicht künftig diejenigen Mittel entzogen werden, die in die Kasse des Umsturzes fließen. Es kann unter diesen Voraussetzungen das Emporkommen, ja die bloße Existenz einer christlichnationalen Arbeiterpartei lebhaft begrüßt werden, auch wenn sie sich in ihren innerpolitischen Forderungen von der Sozialdemokratie bisher anscheinend wenig unterscheidet.
Das gewaltige Unterscheidungsmerkmal liegt eben darin, daß sie sich nicht aus „vaterlandslosen Gesellen" zusammensetzen. Die Arbeitgeber können die Hoffnung aus ein endliches friedliches Zusammenarbeiten mit der deutschen Arbeiterschaft hegen.
Fortsetzung folgt.__
Redaktion, Expedition und Druckerei: Echul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion.^^112. Tel.-AdruAnzelgerTießen.
Wir sind daher nicht in der Sage, schon jein, vor Beendigung des gerichtlichen Verfahrens, also vor Rechtskraft des ergangenen schöfsengcrichtlichen Urteils vom 19. d. M., in dieser Angelegenheit Beschlüsse zu fassen.
Der „Hann. Kur." bemerkt hierzu, die Fraktionen würden sicher der Auffassung Folge geben, daß, wie das Urteil der höheren Instanzen auch lauten möge, die Feststellungen und dem Gesamteindruck der Verhandlung vor dem Schöffengericht die Notwendigkeit nahelegen, im Interesse der Partei schon jetzt die gegebenen Konsequenzen zu ziehen.
Zum Fall Erzberger veröffentlicht die „Germania" folgende Mitteilung:
Zu bem „Diebstahl" int Flottenverem wird uns mitgeteilt, daß die Zeugnisvcrweigerimg des Erzberger in keiner Richtung das Zugeständnis bedeuten soll, daß cs sich um einen Diebstahl handle, bei dem er, wenn auch nur indirekt beteiligt sei. Die Zeugnisverweigerung erfolgte, weil der Mg. Erzberger Grund zu der Besorgnis hatte, das Verhör könne ihn vielleicht nach einer anderen Richtung in Konflikt mit dem Staatsanwalt bringen. Bei der Veröffentlichung der Keimbriefe kommt kein,Diebstahl in Frage. Dies ist, wie der Untersuchungsrichter ausdrücklich erklärt hat, das Ergebnis der bisherigen Untersuchung.
Wie sich die Tat strafrechtlich qualifiziert, ist natürlich ohne Belang. Ob Diebstahl oder Unterschlagung oder sonstige Untreue, ist politisch und moralisch einerlei. In jedem Falle handelt es sich um eine unentschuldbare Nichtswürdigkeit, was auch die „Germania" nicht bestreiten wird. Sie bestätigt jetzt, daß Herr Erzberger sein Zeugnis verweigert hat, weil es ihn in Konflikt mit der Staatsanwaltschaft bringen konnte. ES bleibt abzuwarten, ob Herr Erzberger danach sein Mandat beibehalten und ob das Zentrum seinen „Benjamin" noch ferner als Mitglied der Partei anerkennen wird.
seiner Grün- Industriellen sich
________ In Stockholm war das criie Konzert halb leer. Der Sänger eroberte sich jedoch seine Zuhörer alsbald in dem Maße, daß er schließlich dort innerhalb 13 Tagen sechs Konzerte bei ausverkausten Hausern geben fonnte. Das Programm Wicklners
Zweiter dcuijcher Arvriterkongltß.
(Dritter Tag.)
S. u. H. Berlin, 22. OLt.
Unter dem Vorsitz des Ncichstagsabgcorbneteil Behrens wurden heute die Verhandlungen des zweiten deutschen Arbeiterkongresscs fortgesetzt. Der Vorsitzende teilte mit, daß nach den Feststellungen der Mandatsprüsungsronimission rund c i n e M i l l i o n christlich-nationale A r b c i t e r auf dem Kongresse vertreten sind. (Lebh. Beifall.) — Zunächst wurde die Diskussion über die,Sonntagsruhe fortgesetzt. Von verschiedenen Rednern wurde die Mt- wendigkeit einer völligen Sonntagsruhe, besonders für die Konditor, die Gärtner und die graphischen Berufe verlangt. Der Referent zu dem Thema, Döring (Hamburg) vom deutsch-nationalen Handlungsgehilsenverband-e, legte dem Kongreß eine Resolution vor, wonach es heißt: Der zweite beuti'dje Arbeitcr- kongreß richtet an den Bundesrat das l>ösl. Ersuchen, den bereits angekündigtcn Gesetzentwurf betreffend Neuregelung der Sonntagsruhe dem deutschen Reichstage nun endlich zugehen zu lassen. Er halt besonders eine völlige Sonntagsruhe für dar Handel und das Bäckergewerbe für erforderlich.
Darauf berichtete der Vorsitzende des christlich-sozialen Metall- arbeiterverbandcs. Wie b er (Duisburg), über den Arbeüerschutz in der gesundheitsschädlichen und schweren Industrie. Er legte dem Kongreß nach längeren Ausführungen folgende Resolution vor: Der zweite deutsche christlich-nationale Arveiterkongreß erklärt einen erweiterten Arbeiterausschuß in genanulcr Industrie für unbediugt erforderlich. Insbesondere ist dringend geboten, eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit, Einführung der achl- stl'mdigen Schicht für Feuer-, Hütten- und Hochofenarbeiter, bcficre sanitäre und hygienische Einrichtungen in den Betrieben, Vorbeugung von Unfällen durch schärfere Unfallverhii ou .ro rschristen und Kontrolle seitens der Fabrikinspekloren uiu_r Hi-Zuziehung fachkundiger Arbeiter, Einschränkung der Sonntags- und Verbot der Frauenarbeit, Verhinderung des Mißbrauchs dec Wohifahrtsein- richtungen und Sperrmaßregeln zum Nachteil dec ^o.ccktionsfrei- heit usw. — Der Kvngreß erhebt Protest gegen das sogenannte Sperrsystem, wonach abgelegte Arbeiter monatelang aus anderen Werken keine Beschäftigung erhalten. Durch chief.S Sperrsystem werden die Arbeiter materiell ausS schwerste geschädigt. Die Frei-
Die »Gteymer LamMenblStter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krdsblctt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „yeffische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Alsnü der Industriellen.
S. u. H. Berlin, 21. Oktober.
Im Russischen Hof hielt heute der Bund der Mdustriellen seine 12. Generalversammlung ab, die außer* rdentlich gut besucht war. Die Verhandlunaen leitete Kom- tcrzienrat Wirth (Berlin), der auch den Geschäfts- eriebt erstattete.
Darauf hielt der Generalsekretär des Bundes Dr. Aendlandt einen Vortrag über die neuen sozial- olitischen Gesetzesvorlagen, inSbesonoere die Novelle zur Gewerbeordnung. Er führte ans: Sozial- olitik §u treiben ist seit dem Erlaß Kaiser Wilhelms I. und er Begründung des Vereins für Sozialpolitik bei vielen nm Metier ^geworden, an dem sich alle diejenigen Kreise mm er eher beteiligen, von denen die Kasten nicht getragen -erden.
Jede soziale Gesetzgebung bedeutet mehr oder weniger ine Vorbelastung der Industrie. Sofern sie die Kasten .ejtreitet, muß ihr auch vor allen anderen das Recht der tritiE und die Möglichkeit der Abwehr übertriebener und ie Entwickelung der deutschen Volkswirtschaft unzweckmäßig entmenber Bestimmungen zugestandcn werden. Dem- Tnigen, dem im wesentlichen die Lasten aufgebürdet werden, ruß auch int wesentlichen die Entscheidung zufallen. .Augen- licklich leben wir nicht nur in einer Wirtschafts-, sondern uch in einer sozialpolitischen Hochkonjunktur, die der Jndu- rie schwere Kopfschmerzen zu bereiten geeignet ist. Dies iegt tm wesentlichen in der politischen Konstellation infolge es Ausfalles der letzten Reichstagswahlen. Es ist genügen, die Sozialdemokratie um oie Hälfte ihrer Sitze u bringen, und es soll gelingen, diesen Sieg künftig aufrecht u erhalten oder noch zu vergrößern. Mchts liegt näher, ls daß die Parteien um die Gurrst der deutschen Arbeiter- Haft mit Hilfe von sozialen Leckerbissen konkurrieren. Die eiben großen sozialen Vertretungen der Industrie, der ',entralnerbanb deutscher Industrieller und der Bund der aibuftdellcn, sind daher gleichzeitig und ohne sich darüber orher verständigt zu haben, auf die Notwendigkeit großen, noch vor Wiederzusammenttitt des Reichstages in ssentlichen Versammlungen und unter dankenswerter Anwesenheit von Regierungsorganen die Grenzen des Nütz-
>ohl auch bleiben. Bald nach
ung beschäftigte der Bund der
nsbesondere mit der Möglichkeit der Zusammenlegung er Arbeiterverftcherungsgesetze und ferner im Jahre 189ö nit der Novelle zur Jnvaliditätsversicherung. Als im Jahre 899 der Kaiser, die Regierung und alle leitenden Kreise Deutschlands einsahen, daß es ohne einen wirksamen Schutz der Arbeitswilligen nicht mehr länger an- ;ing und eine besondere Gesetzesvorlage, Betitelt „Zum Schutz des gewerblichen ArbeitsverhältnioeL", am 26. Juni 899, besonders unter dem Titel „Zuchthausvorlage", be- ännt wurde, haben wir unsere sämtlichen Mitglieder um
Zweites Blatt 157. Jahrgang Donnerstag 24. Oktober 1007
Gießener A Hetze
politHcfre Lagesscharr.
Parlamentarische Korruption überschreibt das „Berliner Tageblatt" einen längeren Artikel, der sich mit der Angelegenheit des natl. Abg. Held beschäftigt. Das genannte Blatt fordert Herrn 5^-eld auf, seine beiden parlamentarischen Mandate schleunigst niederzulegen und bedauert es, baß die natl. Partei sich noch nicht von Herrn Held losgesagt hat. Zum Fall Held hatte der nationalliberale Wahlausschuß des hannoverschen Reichstagswahlkreises VerdenMchim nachstehende Erklärung erlassen:
Zur Vcruuidung einer falschen Auffassung in Sachen des Reichstagsabgeorbueteri Held umchen wir hiermit bekannt, büß vorn Wahlausschüsse des sechsten Hannoverschen Wahlkreises mit Herrn Helo vor der letzten Reichstagswahl bas ausdrückliche Abkommen getroffen ist, daß der Wahlausschuß nach Abschluß der gerichtlichen Verhandlungen darüber entscheiden soll, ob Herr Held das Mandat zum Deutschen Reichstage beibehalten könne.
ichen und Möglichen in der künftigen Sozialpolitik des Reiches vom Standpunkt der Industrie abzustecken. Man ann diese beiden freien Jnteressenverbände die berufenen azialen Vertretungen der Jndusttie nennen, weil sie die inzigen sind, die neben der wirtschaftspolitischen Ueber- -achung der Industrie auch die sozialpolitische als eine lanptaufgabe aus üb en. An dieser Stelle wird es sich daher erlohnen, einmal alle diejenigen sozialpolitischen Stellungahmen, Resolutionen und Eingaben, die unser Bund der stldustriellen im Lause der Jahre öffentlich vertreten hat, or dem geistigen Auge vorübergel-en zu lassen. Mcht rt allen Fällen wird er mit dem Zentralverband Deutscher Industrieller voraussichtlich über einstimmen, wie gleich vorweg bemerkt sein soll. Äe Stellung des Bundes ist in oztaler Beziehung entsprechend den Bedürfnissen der 5aison-, Fertig-, Verfeinerungs- und Exportindustrieen mm er etwas abweichend gewesen
im „Simplizissimus" sein Wesen treibt, er i)t überhaupt heimlich in Äiüuchen und ständiger Herausgeber des vielgenannten Witzblattes. Ein Pariser Journal brachte es soeben an Den Tag. Anläßlich der ersten Ausführung von Wildenbruchs „Haubenlerche" (L'Alouette) im Pariser Ooeolt-Theater erzählt das dortige Blatt „Eomoedia", der Pariser Theater-Direktor Antoine habe dieses Stück in München kennen gelernt. Der Verfasser fei der bis dahin wenig bekannte Leiter des illustrierten satirischen Journals „Simplizissimus", M. M. Ernest de Wildenbrnck gewesen. Bon diesem Ernest de Wildenbrnck erzählt bas Pariser Blatt, er sei einer der populärsten und eillgesperrtesten Publizisten, er habe „le double reeovd de la popularito, ... et de l'emprisonnement". Es wird iuciicr erzählt, daß er die Sere- nissimus-Figur ersuudeu uud zu allerlei argen Tücken gebraucht habe. Oh, Herr von Wildenbruch, was muß man von Ihnen hören! In Deutschland ist das alles bisher vollkommen unbekannt gewesetl. Rian gab sich der Täuschung hin, Herr von Wckbeitbmch habe nicht in München, sondern in Berlin gelebt, er sei nicht erst durch den Simplizissimus und die „Haubell- lerche", sondern viel srüher bekannt geworden, er sei auch nicht Redakteur eines satirischell Blattes, sondern Geheinrer Legationsrat tm Auswärtigen Amt gewesen, bis zu feiner Pensionierung und kürzlich erfolgten Ueberjiedelung nach Weimar. Aber bem. Scharfblick und der Sachkenntnis der Pariser Blätter entgeht doch nichts!
— Streikende Orchester. Wie wir bereits meldeten, haben kürzlich die Orchestermitglieder des Prager Landestheaters wegen einer nicht vewllllAen Gehaltserhöhung gestreikt. Slun wird ein Orchesterstrcit aus anderer Ursache aus Bayreuth gemeldet. Das „Bayr. Tgbl." brachte über eine von einem gegenwärtig in der Wagnerstadt weilenden Theatcr-Ensemble im Opernbause veranstaltete Aufführung des „Trompeters von Säklutgen" eine abfällige Kritik, die Vorwürfe gegen die den Jnsirumental- part ausführenden Musiker des 7. Infanterie-Regiments und ihren Dirigenten enthielt. Im Einverständnis mit ihrem Dirigenten weigern sich nun, nach „berühmtem" Muster (!), die riberempfindlichen Militärmusiker, an den Aufführungen tm Opernhause weiterhin sich zu beteiligen. Damit wäre es der Theaterdirektion leider unmöglich gemacht, ferner Opern und Operetten zur Darstellung zu bringen. Ob die Kritik berechtigt war oder nicht, erfährt man aus Bayreuth nicht.
— Dr. Ludwig Wüllner, der hochgeschätzte Konzett- sänger, kehrt soeben von einer Tournee durch Dänemark und Schweden nach Deutschland zurück. Nach den vorkiegenben Be- | richten erzielte er mit dem deutschen Liede in Skandinavien große
kleines LenMeton.
— Man schreibt uns: Die „Falle", bei denen es sich um Maßregelung freidenken der Männer handelt, Haufen ich in neuerer Zeit in Preußen so, daß man ihre Fülle kaum nehr verfolgen kann. Das, was Pfarrer, Lehrer, deren Ra- iicn hier nicht erst ausgezählt werden sollen, aut Grund ihrer Icberzcuguna erfahren mußten, wäre alles mehr oder weniger iccignet gewesen, Erregung hervorzurufen, und durch diese zu gemeinsamen Maßnahmen für die Geistes- und Gewißensprei- jeit anzuspornen. Aber es herrscht noch viel Philistertum, viel Behaglichkeit, viel Gleichgiltigkeit gegen die höheren geistigen ^n- eressen. Einer der Lehrer, der nach fast, 2vjahnger Tätigkeit in einem humanistischen Gymnasium iusowett em Opfer einer Ueberzugung churde, als er Jem nt t n t e b e i» > ulegen sich gerabezu gezwungen sah, ist P^fessor G u r - , i 11 aus Steglitz. Unermüdlich hat dieser tapfere Mann m Wort und Schrift*) seine Ueberzeugung von ber dringenden Not- wenbigkeit weitgehender R e f o r m i n u n s er e m S ch u l w e s e n >em Gymnasium voran, aber auch ber Volks,chule, vertreten. Wie ihm das bekommen ist, waruin er schließlich sem Amt iriebergelegt hat, bas hat er in seiner Schrift „Mem Kampf um
Wahrl-cit", mit Dokumenten belegt, geschildert Die unfreiwillige Muße gibt ihm jetzt bie willkommene Gelegenheit, aut Reisen durch Vorträge für seine Ansicht einzutreten und wette Elternkreise, die mit unseren Schulen nicht sehr zuineben üno, aber auch die Lehrer, denen dasselbe Gefühl mehr oder weniger lebhaft das Herz schneller schlagen laßt, zu den Fahnen zu rufen, die die Mäniier um Arthur Schulz auf dem deutschen Erziehungstage in Weimar entfaltet haben. Professor wirb am 1. November auch in Gießen (stehe Inserat) über bas Thema sprechen: „Warum siub totr m11 un- seren Schulen nicht mehr zufrieben? Und es ist jedem Vater, jeder Mutter, allen solchen, bie es werden holten, unsere akademische Jugenb voran, zu raten, tich bre)e nicht entgehen zu lassen, den waaeren Vorkämpfer zu Horen, sich an der Hand feiner Worte einmal klar zu urachen, was unserer Schule nottut. Aber auch alle Erzieher und Lehrer, der Volksschulen, der Mittelschulen unb ber ^Uiversitai, inogen kommen, auch wenn sie heute noch nrcht uon der zwingende Notwendigkeit durchgreifender Aenberungen tm Schulwesen überzeugt sind. Rede und Gegenrede kann vielleicht auch von ihnen noch manchen gewinnen, als Freund ber Jugenb in bie Reihe ber „Reformer" einzutreten. , . r «r
— Ernst von Wildenbruch rst entlarvt! Es ist der böse Erfinder ber Serenissimus-Figur, er ist der arge Spötter, der
*)"„Der Deutsche unb seine Schule", „Die Erziehung zur Ma^mHastigkeit", „Der Deutsche und sem Vaterland .
bestand ausschließlich aus deutschen Liebem.
— Das neue Haus. Im Allgemeinen österreichischen Fraueuverein hat, wie aus Wien berichtet lüirb, Direktor Otto Fick aus Kopenyagen einen sehr interessanten Vor! rag über „das neue Haus" gehalten. Durch Dienstbotennckseren im eigenen Haushalte ist Direktor Fick, ber gleich seiner Gattin in feiner dänischen Heimat als Gymnasiallehrer wirkte, auf den Gebauten! des neuen Hauses, bes gemeinschaftlichen Wohnhauses, gcCommcii. Natürlich hat man ihn anfangs verlacht, unb erst im Jahre 1903 wurde in Kopenhagen bie erste H aushalt u n g s g e n o s s e n s ch a f t errichtet. Nun schilbrne ber Vortragende alle bie Reize und Vorteile dieses Hauses, unb bie an- wesenben Damen hörten ftauucnb und bewundernd zu, wie bei einem richtigen Märchen. Das Haus ist selbstverständlich mit allen modernen Einrichtungen, wie Telephon, Rohrpost, Zentralheizung und Staubsauger versehen, alle sogenannten weiblichen Verrichtungen, bas Lampenputzeu, Oefenheizen, Staubwischeu, IO reu also gänzlich auf. Jede Familie hat ihre'eigene, avgesonbcrte Wohnung wie bisher mit allen Nebenrüuuien unb kann stch cvent. auch eigenes Dienstpersonal halten — aber die meisten tun cs lieber nicht . . . Das Kochen besorgt eine Zentralküche ; um aber auf die verfchiebenen Geschmacksrichtungen und Wünsche Rücksicht nehmen zu können, verzeichnet jeder Mieter auf einem Zettel Speise stunde, ferner jene Speisen, bieder nicht ißt, und so iveiter, unb wenn er bann nach ein paar Stunden dreimal auf den elektrischen Taster drückt, erscheint fdjon das Essen — ganz wie im Märchen. Dieses Märchen hat aber einen ganz ernichaften, tieferen Sinn. Vor allem den ber finanziellen Rentabilität, da durch die Zentralisation viel Raum, Zeit und Arbeitskräfte erspart werden. Ueberoies ist das neue Haus ein Unterlieft nt e m auf Aktien, jeder Mieter ist Aktionär unb kriegt am Jahrcs- schluß seinen Anteil am Ueberschuß. Der ethische Sinn dieses höchst praktischen Märchens ist aber, die Frauen von allen schweren und ntcbrigcL-cn Verrichtungen zu befreien und ihnen namentlich die Möglichkeit zu schaffen, fich beit Pflichten als Mutter und Gattin völlig zu lvidmen.
— Die älteste Orgel der Welt. Der schwedische Historiker Hennerberg glaubt in einem kleinen Dorfe der Insel Gotland bie Ueberbleibsel der ältesten Orgel aufgefunben zu haben. In ber Hauptsache ist zwar nur bas Gehiuse Der Orgel erhalten, das im Laufe ber Zeiten zu einem Reliquienschrein urngewanbelt würbe; aber man sieht noch bie Löcher, durch die bie Negisterzüge eiutrateu, und mau erkennt auch noch ganz deutlich den Ort des Blasewerts. Das Instrument itamiut, wie man annimmt, aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts.


