Ausgabe 
26.4.1907 Erstes Blatt
 
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Sozialdemokraten leit den letzten Wahlen sehr geändert zu Haden. 1 Ich erinnere nur daran, tote entschieden Herr Bebel es zurück- gewiesen hat, daß er die Bauern für die dümmste und verrottetste Gesellschaft erklärt habe.

Ich habe dann noch einige besondere Wünsche. Ich möchte zunächst dringend das Gesuch der Büchsenmacher befürworten, welche auS dem Unterbeamtenverhältnis herauskommen und den Meistern der technischen Institute gleichgestellt sein wollen, und ebenso die Bitte der Arbeiter in den Gewehrfabriken um Gewährung eines alljährlichen Sommerurlaubs unter Fortbezug des Gehalts. Ich bin überzeugt, wenn wir nach dem Grundsatz handeln, daß jeder Arbeiter unser Bruder ist, dann werden wir bei den nächsten Wahlen eine erneute Abnahme der Sozialdemokraten erleben und Herr Bebel wird an sich selbst vielleicht die Wahrheit des Schiller- schen Wortes erfahren:

.In den Ozean schifft mit tausend Masten der Jüngling, Still aus gerettetem Boot treibt in den Hafen der Greis.* * (Lebhafter Beifall und Lachen bei den Sozialdemokraten).

Hierauf wird die Debatte geschlossen und die Resolution Hompesch wegen der Porto-Vergünstigung einstimmig ange­nommen, die Resolution Albrecht wegen Erhöhung der Löhnung gegen die Stimmen der beiden konservativen Fraktionen an­genommen, ebenso die Resolution Ablaß wegen Soldaten-Miß- chandlungen, Beschwerderecht und Bewucherung von Offizieren.

Wg. Werner (Rfp.) befürwortet Wünsche der Intendantur- Sekretäre. .

Wg. Mommsen (frs. Vg.) fragt, wie es mit den Rayon- Leschränkungen in Danzig werden solll

Kriegsminister von Einem erwidert, Danzig habe eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen und man könne es unter keinen Umstanden ganz entbehren. Wohnfreiheit werde auch weiter erteilt werden, wo es angehe. Die Resolution Liel^r- mann ixm Sonnenberg über den einjährigen Dienst der Zahn- arzte und die Einstellung von Zahnärzten in den Militär-Etat werden angenommen.

Abg. W erner (RfP.) tritt für Aufbesserung der Buchsen­pracher ein. w

Wg. Dr. Thaler (Zentrum) spricht für eute Aufbesserung bei Kapellmeister.

Abg Wagner (frs. Vg.) bezeichnet die Gewährung der Militär-Fahrkarten an die Militär-Kapellen als eine ungehörige Förderung des Wettbewerbes gegenüber den Zivilmusikern.

Wg. von Oertzen (Rp.) bittet den Erlaß gegen das aus­wärtige Musizieren der Militär-Kapellen nicht zu rigoros an- zuwenden.

Abg. von G ersdorf (kons.) bittet um eine Anweisung an die Proviantämter, ihren Strohbedarf tunlichst in der Form von Gerstenstrvh zu decken.

Abg. Reese (natl.) wünscht die Zuteilung der» einzelnen lanluvirtsÄafllichen Bezirke zu bestimmten Proviantämtern.

Wg. Rogalla von Bieberstein empfiehlt eine Reso­lution betreffend Erhöhung der Remontepreise.

Für diese Resolution treten eine Reihe von Abgeordneten ein, dagegen spricht Abg. Noske (Soz.).

Kriegsminister von Einem erklärt, eine Garantie könne er nur dafür übernehmen, daß für das Pferd das bezahlt Werde, was es wert sei.

Tie Resolution gelangt sodann zur Annahme.

Vor dem Kapitel Artillerie und Waffen-Wesen vertagt sich ^>as Haus auf morgen. Fortsetzung, dann Pvstetat.

Kamerunisches.

Berlin, 25. April.

In der heutigen Sitzung der Budgetkommission /des Reichstages fragte bei Beratung des Etats für Kame­run Abg. Kopsch (fr. Vp.), wie die Sache Schneider und Gen. stehe, ferner, ob sich die Mitteilungen bewahrheiten, daß Legationsrat Rose empfohlen habe, von dem Verfahren iabzusehen, da es kompromittierend für die Vorgesetzten fein würde. Kolonialdirektor Dernburg erklärt, es seien in diesem Falle. Fehler gemacht worden; Lega­tion s r a t R o s e ser zur Disposition gestellt worden. Auf Anfrage des Abg. Erzberaer gibt der Kolonialdirektor ferner Auskunft über den Fall des Dr. Meyer, der gefehlt, seine Verfehlung aber auch gesühnt habe.

Bezüglich einer Anfrage des Wg. Lattmann, wie es sich mit der gemeldeten Auffindung von Petroleum­quellen verhalte, teilte Dernburg mit, Petroleum sei tatsächlich in mäßigen Mengen gefunden worden. Hinsichtlich Les Kupfers und anderer Mineralien würden Unter­suchungen vorgenommen werden. Die eigenen Einnahmen des Schutzgebiets wurden sodann unter Erhöhung der Zoll- einnahmen um 200000 Mark genehmigt. Bei den fort­dauernden Ausgaben der Zivilvcrwaltung bemerkte Dern- Lurg, die fortwährenden E.alüberschreitungen erklärten sich durch den Mangel an Hilfskräften. Ueberlastete Beamte würden zudem gleichgültig und nachlässig. Die Konsequen­zen der etwaigen Ablehnung der angeforderten Stellen Dnne er nicht tragen. Im Laufe seiner Ausführungen bezeichnete Dernburg T u a l a als den beswn Hafen. Es habe sich aus einem schmutzigen Negerdorf zu einem blühenden gesunden Hafen und einer Handels­stadt entwickelt. Tas KapitelZivllverwaltnng" wurde darauf angenommen. Bei der Besprechung des Kapitels der Militärverwaltung referierte Hauptmann Do­minick über die Zustände im Süden und die Notwendigkeit einer zehnten Kompagnie. Der Süden sei wirtschafllich so entwickelt, daß er die Hälfte aller Zölle aufbringe. Die natürlichen Produkte, Elfenbein und Gummi, ständen hoch im Werte auf dem Weltmarkt. Da aber der Süden von kriegerischen rohen Völkerftämmen bewohnt sei, sei der mili­tärische Schutz für die Kolonisten und Missionare nötig. Die aus der Schutztruppe entlassenen Schwarzen, etwa 2000 Mann, bildeten eine Gefahr, da sie sich ihrer Stärke bewußt seien. Ein Aufstand im Südbezirk würde äußerst verhäng­nisvoll sein. Dieser Gefahr sei aber nur durch eine starke Polizei und Schutztruppen zu begegnen. Dernburg begrün­det darauf die Notwendigkeit einer 10. Kompagnie und führt weiter aus: ein Verkehrsweg in Form erner Eisenbahn sei durchaus nötig. Die Vorarbeiten für eine solche von Tuala über Janude hinaus habe er schon ver­anlaßt. Nachdem auch Hauptmann Dominick nochmals die Forderung besürwortct hatte, wird die zehnte Kompagnie bewilligt. Ebenso wird der Rest des Etats bewilligt.

Gouverneur v. Puttkamer vor dem Disziplinargericht.

Potsdam, 25. April.

Heute vormittag begann die Verhandlung der Diszipli- Narrammer gegen den Gouverneur Jesko von Puttkamer. Als Zuhörer ist am Richtertische Legationsrat Dr. Heinke von der Kolonial-Wteilung des Auswärtigen Amtes an­wesend.

Der Angeklagte erllärt, er habe geglaubt, die von ihm nach Kamerun mitgenommene Schauspielerin Maria Ecke sei tatsächlich eine geborene FrerinvonEckardt- stein, sie habe erklärt, Ecke sei ihr Theatername. Die Dame war dort unter diesem Namen von Herrn v. Putt­kamer allgemein vorgestellt und eingeführt worden. Zu der Beschuldigung, er habe die weftasrikanische Pflanzungs- Gesellschaft Brktoria in einer die Interessen des Deutschen Reiches schädigenden Weise begünstigt, bemerkt er, er sei sich bewußt, in jeder Beziehung seine Pflicht getan und das Interesse des Reiches wahrgenommen zu haben. We^er- hiu rechtseriigt sich, der Angeklagte gegen die Beschuldigung,

in die Rechtspflege widerrechtlich einbegriffen zu haben, indem er dem Kameruner Friedensrichter erllärte, d^n Ein­geborenen sei als Zeugen gegen Angestellte der Viktoria überhaupt kein Glaube beizumessen.

Der Ankläger, .Kammergerichtsrat Kleine schildert die Ecke als gemeingefährliche Hochstaplerin. Der Angeklagte wollte die Ecke in Kamerun nicht als seine Maitresse vorstellen und bezeichnete sie daher als seine Kusine. Ms er aber die Wahrheit über die Ecke erfuhr, habe er sofort den betreffenden deutschen Marineoffizieren volle Genug­tuung gegeben. Wenn dem Angeklagten auch nicht der Vor­wurf gemacht werden könne, daß er wissentlich ihr einen falschen Paß ausgestellt habe, müsse doch die Klage wegen Fahrlässigkeit aufrecht erhalten werden. Zum min­desten habe sich der Angeklagte im Sinne des dolus even- tualis schuldig gemacht. Tie Anklage wegen Ausstellung eines zweiten Passes aus den Namen Eckhardt werde auf­recht erhalten. In der Angelegenheit der Instruktion an den Kameruner Friedensrichter könne die Anllage nicht aufrecht erhalten werden; denn die Eingeborenen lügen systematisch und die Missionare werden von ihnen derartig angelogen, daß tatsächlich deren Aussagen nur mit Vorsicht ausgenommen werden können. Das Ver­fahren gegen den Angeklagten wegen Begünstigung der Pflanzungsgesellschaft Viktoria sei eingestellt worden. Mas den Eingriff des Angeklagten in die Rechtspflege betreffe, so hätte der Angellagte bedenken müssen, daß die Unab­hängigkeit der Richter unverletzlich sein muß, hier im Mutterlande wie in den Kolonien. Der letzte Anklagepunkt betreffe die Einwirkung auf die Ecke bezüglich deren Zeugen­aussagen. Wenn der Angeklagte auch hier in besser Absicht gehandelt habe, so sei doch zu erwägen, daß der höchste Beamte einer deutschen Kolonie die Pflicht hat, vorbildich zu wirken. Der Angeklagte habe durch sein Handeln erkennen lassen, daß er seiner hohen Aufgabe nicht gewachsen war, er habe das Ansehen des Reiches geschädigt. Er bean­trag e daher gegen Puttkamer Dienstentlassung.

Verteidiger Justizrat S e l l o plädiert für F r e i s p r e ch- ung des Angellagten, dessen Name in der deutschen Ko­lonialgeschichte unvergessen sein werde.

Nach fünfviertelstünoiger Beratung verkündete der Vor­sitzende das Urteil. Der Gerichtshof habe bezüglich des ersten Anklagepunktes die Gutgläubigkeit Puttkamers an­genommen. Er hätte aber als Beamter in so hoher Stellung sich genauer informieren müssen, ehe er der Ecke einen Paß ausstellte. Bezüglich Ausstellung des Passes auf den Namen Eckardt habe der Gerichtshof nicht die Ueberzeugung gewonnen, daß der Paß tatsächlich ausgestellt worden sei. Bezüglich des Versuchs Puttkamers, das Zeugnis der Ecke zu beeinflussen, habe der Gerichtshof entschieden, daß sein Verfahren nicht mit seiner hohen Stellung vereinbar war. Bezüglich der Pflanzungsgesellschaft Viktoria liege keine Verfehlung vor; der oberste Beamte einer Kolonie habe nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, aus die Kolonialpolitik einen Einfluß auszuüben. In Puttkamers Eingriff in die Rechtspflege werde ein Dienst­vergehen erblickt. Seitdem in den Kolonien dieselbe Rechtsprechung wie im Mutterlande bestehe, müsse hier wie dort die richterliche Unabhängigkeit unverletzlich sein. Bei der Strafabmessung sei erwogen worden, daß es sich um einen alten, treuen Beamten handelt, der um das Reich und die Schutzgebiete sich große Verdienste erworben habe und der weder strafrechtlich, noch disziplinarisch vorbestraft sei. Daher habe der Gerichtshof nicht auf Tienst- entlassung erkannt. Wegen des Eingriffs in die Rechtspflege habe der Gerichtshof auf einen Verweis erkannt und wegen der beiden anderen Dienstvergehen aus 1000 Mark Geldstrase.

Kunjt und Lvissensehaft.

R.B. Darmstadt, 25. April. Im Hoftheater hat gestern die erste Aufführung von Wildes einaktiger Tragödie Salome" stattgefunden. Ueber die Eigenart und Bedeutung seiner in einem großen tragischen Akt in künstlerischer Vollen­dung eine ganze Zeit abschildernden und ein Menschenschicksal voll erschöpfenden Dichtung mich näher zu verbreiten, erübrigt um so mehr, als in Gießen die Dichtung ja bereits vor ein paar Jahren zur Aufführung gelangte und eingehend besprochen wurde. Der Gesamteindruck der gestrigen Sawme-Aufsührung mit ihrer prächtigen stimmungsvollen Inszenierung, chrer wirk­samen Abtönung der Gruppen auS Personen, mit den unheim­lich rassenhasten Gestalten der Herodias und Salome wie sie durch die Damen Marberg (München) und Eichels- Heim versinnbildlicht wurden, war ein mächtiger. Das Naturell der Leiden Darstellerinnen ist verschieden; j:de von ihnen schasst nach ihrer Eigenart. Frl Marberg betonte stark die zügellose Wellentour der Herodiastochter und erhob diese namentlich am Schlüsse des Dramas zu vollendeter Be­deutung. Diese Rolle liegt so weit ab von allem Hergebrachten, wurzelt so ganz in der Individualität der Darstellerin, daß es von der Krssik ermessen wäre, irgend welchen Gesichtspunkt hinsichtlich der Auffassung und Ausführung als vorvssdlich hin­zustellen. Frl. Marberg überzeugte, sie überzeugte auch da, nro der aufmerksame ZuArer psychologische Bindeglieder ver­mißte. Ihrer Salome glaubte man die psychologische Wand­lung vom bloßen neugierigen Begehren zur Liebe und von der Liebe zur satanischen Grausamkeit. Sie verkörpert wirklich das Geheimnis jener Salome-Liebe, die voll Gier und doch voll Hingebung die kalten Lippen des abgeschlachteten Kopfes küßt. Was in dieser Salome an bezwingendem Temperament steckt, an Freude über ihre Schönhess und Herrschermacht, an Begehr­lichkeit und Hingebung, das ließ die glänzende Künstlerin in der Durchführung des Tanzes erkennen. In hochinteressanter Maske und in meisterhaftem Spiel gab Herr Wendt den Jo­hannes. Eine prachtvolle Leistung bot Herr Lehrmann als Herodes. Tie sprunghaft wechselnden Stimmungen des Tetrarchen, die sinnliche Leidenschaft, den glimmenden Haß, die bange Un­glücksahnung brachte er gleich charakteristisch zur Geltung. Unter den übrigen Mitwirkenden zeichneten sich, wie bereits bemerkt, Frl. Eichelsheim als Herodias und Herr Loehr als junger Syrier aus. Die Regie des Herrn Balde! war eine durchweg glänzende. Tie Aufführung der Wild'schen .Salome" im Hoftheater ergab ebenfalls ein ausverkauftes Hau§._ Obwohl der G r o ß - Herzog erst nach 5 Uhr von Gießenzurückgekehrt war, wohnte er mit der Großherzogin in Geselllchast des Prinzen und der Prinzessin Heinrich der Vorstellung bei. Tie Tarstellung stand künstlerisch auf dem Niveau der ersten Aufführung.

* Kleine Tageschronik In Berlin hat durch einen ichiveren Uugliicksiall em völlig Unbeteiligter fein Leben eingebüßt. Ter Ofensetzer Fensko ging an einem Haufe der Scharnweberslraße vorbei, an dem em zum Putzen errichtetes Gerüst abgetragen wurde. Hierbei fiel dem Vorübergehenden ein schwerer Balken auf den Koi", ihm die Schädeldecke und das Gehirn vollständig zerfchmelternd. Tie Polizei stellte »eft, daß nicht für genügende Absperrnng des Bürgersteiges gesorgt worden w ir. In Mettmann (Rheinl.) wurde der dvjährige Invalide Johann Erennhaus tot anigeiunden. Es liegt Raubmord vor. Ter Täter ist noch nicht ermittelt. Bei Dortmund mir der ZecheScharnhorst" erfolgte eine Explosion schlage nderWetter, bei der 7 Bergleute Verletzungen davomrugen. InElben (Kurhessen) wurden

durch eine» Teckeneiuslurz eine Mutter und ihr Kind getötet. Ter Ingen eur Mario Piqnet hat beim italienischen Ministerinm ein Konzessiolisgejuch für den Durch st ich des 2)1 o n t b l a n c zur

Verstellung einer Direkten Eisenbahnverbindung Der Aolla-Tales mit Gen? emaemcfit. Tie TOjöhrine Witwe Anpa Feilster des Scklipgerbaiües in Wtcnfjain im Taiüerstale (Tirol) wurde e r mordet Ter Täter iss nicht bekannt.

(ScriditsfaaL

R. Frankfurt a. M., 25. Wril. (Oberkriegsaericht.) Am Wend des 25. Februar ließ der Gefreite R. M. von der 8. Komp. 168. Rgts. in Offenbach, gebürtig ans Gießen, dem Unteroffizier vom Dienst durch einen Musketier lagen,, er sei als Ordonnanz ins Kasino kommandiert. Das war nicht wahr. M- begab sich vielmehr in die Stadt und kehrte erst gegen 2 Uhr nachts mit einem Rausch zurück. Als er das Kasernen- tor passierte, machte er einem Spielmann, der ihm in Stellver­tretung des Wachthabenden das Tor öffnete, wiederum weis, er komme aus dem Kasino. 2hm waren an dem Tage einem Musketier, der mit M. auf einer Stube lag, 50 Mk. aus,dem Spinde gestohlen, nachdem dieser mittels eines falschen Schlüssels geöffnet worden war. Der Verdacht fiel auf M., und die Nach- forschungen ergaben, daß er den Wend bei Wein, Weib und Gesang verbracht hatte. Er hatte ein 20 Mk.-Stück springen lassen und sich die Kehle mit Sekt ausgespült. Weiteres Geld wurde noch bei ihm gesunden. Ueber die Herkunft des Geldes machte er bald diese, bald jene Angaben. Einmal wollte er es von einem Onkel haben, dann sollte es wieder der Erlös für eine verkaufte Geige sein. Bei Gelegenheit dieser Untersuchung kam auch noch auf, daß M. bei Kameraden eine Sammlung für einen be­stimmten Zweck veranstaltet und den gesammelten Betrag 2 Mk. unterschlagen hatte. Das Kriegsgericht der 25. Divis, hat ihn für die verschiedenen Vergehen zu einer Gesamtstrafe von 7 Monaten Gefängnis und zur Versetzung in die 2. Klasse verurtellt, wobei für den schweren Diebstahl eine Einzelstrase von 6 Monaten eingesetzt war. Die Berufung des Gefreiten, der den Diebstahl leugnet, wurde vom Oberkriegsgericht ver­worfen. Dagegen wurde auf die Berufung des Gerichtsherrn die Strafe für d.en schweren Diebstahl auf 1 Jahr Gefängnis erhöht, wobei das hartnäckige Leugnen, an dem M. auch vor dem Oberkriegsgericht festhielt, straferschwerend in Betracht gezogen wurde. Die Gesamtstrafe wurde auf ein Jahr und einen Monat Gefängnis unter Versetzung in die 2. Klasse be­messen.

Marburg, 23. Avril. Der Kaufmann A. von hier machte im letzten Herbst eine schriftliche Anzeige,bei der Polizei des Inhalts, daß der Polizeiverwalter Sonntags während der Gottesdienste in einem Garten Bohnenstangen ausgerupft hätte. Angefügt war der Satz, daß er auch etwas zu dem Bestreben, die Stadtkasse durch Strafgelder zu füllen, beitragen möchte. Wegen Beleidigung des Polizeiverwalters angezeigt, machte M beim Schöffengericht gel­tend, daß man ihn bei jeder Gelegenheit zur Anzeige bringe. Nun habe er es a uch einmal so gemacht, ohne an eine Be­leidigung zu denken. Tas Urtell, welches damals auf 50 Mk. Geldstrafe gelautet hat, wurde heute vom Landgericht aufgehoben und der Angeklagte kostenlos freigesprochen.

Lttrchttche Nachrichten,

Evangelische Gemeinde.

Hottesdienü.

Sonntag, den28.April 1907, Kantate:

In der Stadtkirche.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MatthäuSgemeinde. Pfarrer D. Schlosser.

In der Johauneskirche.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer A u s f e 1 b.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes- gemeinde. Pfarrer A u s f e l b.

Abenbs 8 Uhr im Konfirmandensaal bet Johanneskirche: Versammlung unb Bibelbesprechung.

Nächstkünftigen Sonntag, be» 5. Mai, beginnt in beiden Kirchen die Christenlehre» unb wirb jebesmal früh um 8 Uhr gehalten werden. Eltern unb Angehörige werben gebeten, bie Nenkonft» mierten barauf aufmerksam zu machen unb dazu anzuhallen. Ten Anfang werden Niatthäus- und Johannesgemeinde machen.

Katholische Gemeinde.

Samstag, den 27. April 1907:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.

Sonntag, den 28. Avril 1907, 4. Sonntag nach Ostern:

Vormittags von 61/. Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Plessc, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.

, um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe. Vormittags um 91/, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht.

Fressag abend um 61/, Uhr ist Maiandacht.

Israelitische Religionsgesellschaft.

Gottesdienst.

Sabbatfeier am 2 7. April 1907:

Freitag abend 7.10 Uhr.

Samstag vormittag 8.00 Uhr.

Nachmittag 4.00 Ühr.

Sabbat-Ausgang 8.25 Uhr.

Wochengottesdienst: morgens 6.30 Uhr, abends 8.25 Uhr.

Israelitische Religionsgemeinde.

Kottesdtenkl iu der Synagoge (Südanlage).

Samstag, den 27. April 1907:

Vorabend 7.15 Uhr.

Morgens 8.30 Uhr.

Nackmittags 4 Uhr. Schristerkläruug.

Sabbatausgang 8.25 Uhr.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel nnd Industrie. Giessen.

Frankfurter üör»e. 26. April. 1.15 Uhr.

3>£e/o Reichsanleihe . , 95.60 Elektriz. Lahmeyer . < . 128.50

o% do. . . 84.5D Elektriz. Schnckert . . . 114

°/0 Konsols .... 95.40 6% do. .... 84.50 3%°/0 Hessen . . . 94.30

j^°/0 Oberhessen ...--

4% Gesten. Goldrente. . 99.25 41/8 % Oesterr. Silberrente 99.80 4% Ungar. Goldrente . . 94.50 4% Italien. Reute . . . 103.70 3% Portugiesen Serie I . 67.50 396 Portugiesen III 68.10 4^°/0 rass. Staatsanl. 1905 91.15 4>^u-0 japan. Staatsauleihe 93.30

Conv.Türken von 1VU3 94.95 Türkenlose 141.00 1% Griech. Monopol-Ant 49 95 \% äussere Argentinier 86.20

3°/0 Mexikaner . . . 65.30

4>i % Chinesen .... 97.30

Aktien:

Bochum Guss 227.70 Buderus E. W ....

Tendenz: ruhig.

Ktorliner Börse, 26

Cauada E. B. 174.60 Darmstädter Bank . . . 132.r0 Deutsche Bank .... 227.70 Dortmunder-Union C. . . 75.70 Dresdner Bank . . . 144.20

Tendenz: ruhig.

Eschweiler Bergwerk . . 231.80 Gelsenkirchen Bergwerk . 199.30 Hamburg-Amerik. Paket!. 135.00 Harpener Bergwerk. . . 210.30 Laurahtitte ..... 226.70 Nordd. Lloyd 125.20 Obeischles. Eisen-Industrie 109.00 Berliner Handelsges . . 156.00 Darmstädter Bauk 132.80

Deutsche Bank . . . 228.00

Deutsch-Asiat Bank . . 17150 Diskonto-Kommandit. . . 172.20 Dresdner Bank . . . 144.80 Kreditaktien 207.20

Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 98.30

Gotthard bahn . . . .

Lombard. Eisenbahn . . 23.90 Oesterr. Staatabahn . . . 146.00 Pnnce-Henri-Eiaeubahu . 138.00

April. Aiifangskurs e.

Harpener Bergwerk. . . 210.80

Laorabütte .... 226.70

<.umbarden E. B. ... 24.

Nordd. Lloyd 125.50 1'lückenlose . , * 141.20

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