Donnerstag 2G. September
Jahrgang
Zweites Matt
Nr. 22(5
Erscheint täglich mit Ausnahme beS SomücrgS,
General-Anzeiger für Oberheften
Dom 8. internationalen kunsthistorischen Kongreß
die Sammlung von Wiegendrucken, deutschen, italienischen und holländischen Ursprungs. Won den deutschen sind besonders erwähnenswert zwei Mainzer Pergamentdrucke mit prächtig in Gold und Farben ausgeführten stilvollen Miniaturen und Initialen: „Psalterium 1457" und „Biblia
heiten fehlen noch.
Das „Berl. Tagebl." meldet aus Peter-sburg: Der Buchhalter des Marinekadettenkorps Hofrat
Ne „tttfcrnet KnnUlenblätter" werden dem Anzeiger' viermal, wöchentlich bsigelegt, das 'xrtlsbtott für den Kreis Ziehen" zweimal VSchentUch. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
zum Reichskontrolleur ernannt worden.
DaS „Berl. Tagebl." meldet aus Petersburg: Auf dem j ü d i sehe n Fr ie d h o f e in Odessa kam es am- Dienstag neuerdings zu einem ernsten Zusammenstöße zwischen Angehörigen des Verbandes echt russischer Leute und Juden, wobei viele Juden verwundet wurden. Einzel-
Zymb alo w ist nach Unterschlagung von mehreren Zehntausenden von Rubeln verschwunden. Er soll sich nach Berlin gewandt haben. Der Defraudant wird steckbrieflich verfolgt.
Charkow, 25. Sept. Aus Kupjansk ist eine Mel> düng eingegangen, wonach in dem dortigen Gefängnis Unruhen entstanden. Ein Oberausseher und fünf Auf^ seher wurden getötet. Die Gesängniswache nnchte FeneL geben. Vor dem Eintrefsen einer Abteilung Jnscnrterie wurde die Ruhe jedoch wiederhergestellt. Der RLdeLS'führer der Gefangenen hatte sich in den Baderaum geflüchtet, sich dort versteckt und das Gefängnis in Brand gesteckt. Die Sträflinge setzen den Widerstand fort. Drei von ihnen wurden getötet. Der Brand konnte gelöscht werden.
Lodz, 25. Sept. Der Generalgouverneur verurteilte fünf Kontorbeamte der Aktiengesellschaft Silbe r st e i n zu Geldstrafen bis zu 3000 Rubel, weil ihnen die Nachricht über die dem Fabrikbesitzer drohende Gefahr zwei Stunden vor der Ermordung vorlag, ohne daß ihrerseits eine Benachrichtigung der Polizei erfolgte. Die Untersuchung, sowie die Urteilsfällnng unterliegen auf Grund der Bestimmungen des Gesetzes über den Kriegszustand den Machtbesugnissen des Generalgouverneurs.
Aus dem Zarenreiche.
Petersburg, 25. Sept. Der in der Schweiz weilende russische Finanzminister Kokowzew teilte seiner Familie in Petersburg mit, daß er wegen seiner erschütterten Gesundheit sich vom Amte zurückzuziehen gedenke. — Das bisherige Reichsratsmitglied Charitonow ist
Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei.
3*”* R. Lange, Dreßen.
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Redaktion: ^^112. Tel.-Adra An-eigrrDießen,
Schwurgericht.
th. Gießen, 25. Sept.
Heute verhandelte das Schwurgericht einen äußerst selrcnen MeiueibSfall, der wegen der Personen, die sich des Verbrechens chutdig gemacht haben, in ihrem Wohnort Lollar das größte Aufsehen erregt hat. Der weite Zuhörerraum des Schiourgerichts- aales war überfüllt und zwar zum größten Teil von Landsleuten der beiden Angeklagten, die unter Schluchzen auf dec Anklagebank Platz nahmen.
Beschuldigt war der 19 Jahre alte bisher unbestrafte Hüttenarbeiter August Adolf Bierau wegen eines Meineides, den er am 1. Juni d. Js. vor der Strafkammer Gießen geleistet haben soll. Weiter richtete sich die Anklage gegen den 29 Jahre alten dreimal wegen Körperverletzung vorbestraften Wirt Ludfoig Bierau V. wegen Anstiftung zu diesem Verbrechen. Die Anklage wurde von Staatsanwalt Reuß vertreten. Als Verteidiger des jungen August Adolf Bierau war Rechtsanwalt Wilh. Grünewald und als Verteidiger des Bierau V. Rechtsanwalt Dr. Jung
Regelung des Ausverkanfswesens.
Wie die »Voss. Ztg." hört, wird auch der Gesetzentwurf zur Regelung des Ausverkaufswesens als Ergänzung des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb bereits in allernächster Zeit veröffentlicht werden, noch ehe der Bundesrat darüber beraten wird. Die Bekanntgabe wird erfolgen, sobald im Reichsamt des Innern und dem Preuß. Handelsministerium eine Einigung über die endgültige Fassung des Entwurfes erzielt ist.
latina 1462", ferner das einzig bekannte Exemplar von „Des Pfaffen geschicht vnd histori von Kalemberg. Heidelberg 1490", „Biblia Bauperium" in Holztafeldruck. Von den italienischen sind zu nennen: „Gregorius IX. Deeretules 1475", „Johann von Königsberg, Kalendarius 1478", „Ptole- maeus, Eosmographia 1486", „Santa divina commedia 1493". Ungewöhnlich reichhaltig vertreten sind die holländischen Drucke, von denen mehrere Unica oder Seltenheiten ersten Ranges sind. Außerdem waren noch einige spätere wertvolle Druckerzeugnisse ausgestellt; unter diesen ein „BalerianuS Hieroglyphiea 1567" aus dem Besitz von Joh. Fischart mit dessen Randnotizen und seinen von Jost Amman geschnittene nEx libris, das nur in diesem Exemplar erhalten (ein soll. Schließlich sei noch ein einem Buchdeckel entnommenes Schweizer Kartenspiel aus etwa 1500 erwähnt. Bei der Besichtigung geschah durch Hofbibliotheksdirektor Dr. Schmidt die Führung.
— Der Markuskirche in Venedig droht dasselbe Schicksal wie dem Markusturme. Ein Ausschuß zur Ueberwachung und Erhaltung der Basilika vor San Mareo in Venedig besteht seit mehreren Jahren. Kürzlich haben die Architekten Manfredi und Maragnoni über die Ergebnisse zweijähriger Beobachtungen an dem-
Bauwerk berichtet. Es wurden schwere Schäden sestgestellü, Die Uebelstände haben als einzige Ursache die Senkung der Grundmauern. Da diese Senkung an den verschiedenen. Punkten des Baues nicht gleich ist, so verursacht sie eine Verschiebung des Gleichgewichts. Ueberdies befinden sich die Mauern der Basilika unter ihrem Marmor- und Mosaikmantel in einem Zustande der Auflösung, so daß die Mauern selbst sehr geschwächt sind und daher die Last des Dachesi nicht mehr tragen können.
— Das Oktober heft der Neuen Rundschau (Berlin, S. Uscher, Verlag) bringt eine Art Revue der modernen. Bestrebungen und Autoren, die dieser Zeitschrift den Cha-^ rafter geben. Zuerst behandelt der Däne Johannes V. Jensen die heutigen Reformen einer natürlichen? Rückkehr zu freier Luft und freiem Sinn unter dem Titel „Mo der ne r Humanismus". Dann be-- ginnt Graf E. v. Keyserling seinen neuesten Roman „Dumala", der ein Ereignis aus dem ostpreußischen Landleben behandelt. Aus dem Nachlaß Hans v. BülowA werden eine Reihe höchst interessanter Briefe an Brahms u. a. aus seiner Meininger Zeit veröffentlicht. Hugo von Hofmannsthal bringt seinen neuesten Dialog „Furcht"- der als Gespräch zweier Tänzerinnen die Scelenzustünde des modernen Künstlers enthüllt. Richard Dehmel veröffentlicht eine Novelle „Der Werwolf", die einen kriminalistischen Fall aus unseren Tagen behandelt. Der Ju- ; genieur Ludwig Brinkmann gibt packende Bilder einer Reise ins Innere von Amerika. Engelbert Pernerstorfer spricht iö>er die Zukunst Oesterreichs. Emil Heilbut über die Äus-^ stellungen des Sommers, Karl Jentsch über Haag und Stuttgart, Karl Joel über Neuausgaben alter Philosophen, Rob: Walser läßt das Heft ausklingen in einer Studie „Der Park",.
Ausschluß Dr. Friedbergs aus der sozialdemokratischen Partei.
Berlin, 26. Sept. Gestern tagte in Berlin ein Schiedsgericht der sozialdemokratischen Partei in Sachen des bekannten Anarcho-Sozialisten Dr. Friedberg, gegen den der 3. Berliner sozialdemokratischen Reichstags- Wahlkreis den Ausschluß aus' der Partei beantragt hatte. Der Schiedsspruch, der zunächst bie anarcho-sozialistischen Grundsätze beleuchtet, besagt: Wenn Herr Friedberg diese Grundsätze zu den seinen macht, hat er sich tatsächlich ohne weiteres außerhalb des Rahmens der Sozialdemokratie gestellt. So sehr das Schiedsgericht feine Verdienste um das Proletariat und seine persönliche Ehrenhaftigkeit anerkennt und es bedauert, das verbindende Band mit ihm zerschneiden zu müssen, so muß es doch erklären, daß Dr. Friedberg aufgehört hat, Sozialdemokrat zu sein und nicht mehr als zur Partei gehörig betrachtet werden könne.
Deutsches NeiLh.
Groß-Rominten, 25. Sept. Die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise sind heute mittag 12 Uhr 55 Min. hier eingetroffen und vorn Kaiser am Bahnhofe empfangen worden. Die Majestäten begaben sich im Automobil nach dem Jagdschloß.
Berlin, 25. Sept. Das Abschiedsgesuch be§ Min ister ialdirekkors Dr. Althof f ist genehmigt worden. Er ist zum Mitglied des Herrenhauses und zum Kronsyndikus ernannt worden. Sein Nachfolger ist, wie verlautet, Geheimrat Naumann.
— Die Morgenb lütter melden aus H°a gen: Der Hagener Feuerbesta'ttnngswereän erzielte am 25. September vor dem Bezirksausschüsse in Hagen ein obsiegendes Urteift. Die die Benutzung des Krematoriums verbietende Polizeiverordnung wurde aufgehoben.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: In einigen Blättern begegnen wir der Notiz, von der Ordensleitung der Franzis t an e r m ö n che sei beim Ministerium der öffentlichen Arbeiten der Antrag^eingegangen, den Mönchen, denen nach der Ordensregel die Berührung von Geld verboten sei, die^ ZahlungderFah-rpreisegegenGutschein zu gestatten. Von einem neuerlichen Anträge dieser Art ist, wie wir hören, im Ministerium nichts bekannt. Vor zwanzig Jahren, im Jahre 1887, wurde einmal ein solcher 2üitrag gestellt, aber vom damaligen Minister der öffentlichen Arbeiten mit Rücksicht auf die bestehenden Vorschriften ab- lchnend beschießen.
historischen Kongresses'und zwar in dem Sinne, daß man den Kongreß nicht für überflüssig erachtet, trotzdem der deutsche Verein für Kunstwissenschaft in der Bildung begriffen ist. Es wurde beschlossen, künftig eng mit dem neüen Verein zusammenzugehen. Die Frage der Begründung einer neuen kunstwissenschaftlichen Zeitschrift wurde dahin entschieden, das schon bestehende Repertorium für Kunstwissenschaft auszugestalten.
Der nächste Kongreßsoll in München abgehalten werden. Indessen ist es noch fraglich, ob der nächste Kongreß 1908 ober 1909 sein wird.
Neugewählt wurde ferner der ständige Ausschuß, bestehend aus Geh. Hofrat Thode-Heidelberg, Hofrat Strezygowski-Graz, Hofrat Koetschau-Weimar, Professor Kautzsch-Darmstadt, Dr. Warburg-Hamburg, Prof. Goldschmidt-Halle und Dr. Hofstede de Groos-Haag.
Am Nachmittag besichtigten die Teilnehmer die Kunstsammlungen des Großherzogs und dieAusstellungder Hofbibtiothek. Diese präsentiert sich als eine höchst kostbare Sammlung von Manuskripten, Einbänden und Inkunabeln. Die Handschriften sind Livres d'heures, Missale, Antiphonarien, Bibeln aus dem 10. bis 15. Jahrhundert auf Pergament mit prächtigen Miniaturen, Initialen und ornamentierten Randleisten. Die Einbände stammen aus dem 14. bis 18. Jahrhundert, so braune Lederbände, rote Maro- quinbände, Schweinslederbände, Pergamentbände mit feinen Figuren-, Wappen- und Ornamentpressungen, auch solche Malereien, ferner Metallbände mit Goldpressungen
Befinden des Großherzogs von Baden.
Mainau, 25. Sept. Das Bulletin von Nachmittags 5 Uhr lautet: Der Zustand des Großherzvgs ist unverändert. Der hohe Patient hat den heutigen Tag in größerer Ruhe zeitweise auch mit Schlaf verbracht. Die Nahrungsaufnahme ist ausreichend. Dr.-Fleiner. Dr. Dreßler.
Mainau, 26. Sept. Der Appetit des Groß- Her zo gS ist dauernd gut und alle Funktionen des Körpers mit Ausnahme des Herzens, sind in normaler Tätigkeit. Eine Anschwellung des Körpers, die sich zeitweise gezeigt hat, ist geschwunden und nur noch an den Beinen sichtbar. Das Darmleiden, das der GroMerzog im Anfang hatte, ist in Heilung begriffen. Sobald die Herztätigkeit in ihre normale Ruhe kommt, darf der Großherzog nach ärztlicher Meinung als genesen angesehen werden. In Baden wird aus staats rechtlichen Gründen die Frage der Einsetzung einer Regentschaft erwogen. Selbst für den Fall einer Genesung des Groß Herzogs wird mit einer Rekonvaleszenz-Zeit gerechnet werden müssen, für die eine Regentschaft nötig ist. Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen. Dies wird wahrscheinlich erst in der nächsten Woche erfolgen.
Konstanz, 26. Sept. Das Lokalkomitee hat im Einverständnis mit dem engeren Ausschuß der deutschen V o l ks- partei beschlossen, mit Rücksicht auf die ernste Situation im Befinden des Großherzogs von dem anläßlich des Parteitages der Deutschen Volkspartei geplanten Bankett und der Volksversammlung abzusehen.
erschienen. 29 Zeugen waren geladen.
Der Tatbestand ist: In der Nacht zum 4. Februar d. Js> farrd in Lollar in der Wirtschaft zur Traube ein Masken fest be^ Geselligkeitsvereins Germania statt. Bierau V. kam im angetrunkenem Zustande in spater Nachtstunde in den Tanzsaal, wo er sich den Gästen gegenüber derart lästig machte und sich gegen die Wirtin aber so unanständig benahm, daß bcr_ Wirt Weinrich sich veranlaßt sah, seinen Kollegen Bierau V. cm die frische Luft zu befördern. Hierüber in Zorn geraten schlpg cher Hinausgeworfene die Türfüllung einer von der Ortsftraße in die Wirtschaft führenden Tür ein. Kurze Zeit nach diesem Vorfall mußte der Wirt Weinrich wieder einen Ruhestörer hinaus- werfen, und als er noch damit beschäftigt war, wurde plötzlich eine nach dem Hof zuführende Tür von außen ^geöffnet und, Weinrich mit einem Lattenstück ein heftiger Schlag auf deq linken Unterarm versetzt. Frau Weinrich hatte Ludwig Bierau Vj als Täter deutlich erkannt. Der Vorfall führte auf erstattete Anzeige zu einer Verhandlung vor dem Schöffengericht. Ludwig Bierau wurde wegen Ärperverletzung zu vier Wochen Gefauglris> wegen Sachbeschädigung und Ruhestörmrg zu 30 Mk. Geldstrafe verurteilt. Hiergegen legte der Verurteilte, soweit es sich um die Körperverletzung handelte, Berufung ein. Die Strafkammer Gießen verhandelte am 1. Juni darüber und in der Verhaudlrmgj wurde behauptet, nicht der Verurteilte Bierau V., sondern der Hüttenarbeiter Karl Koch von Lollar habe den in Frage komm enden Schlag geführt. Koch bestätigte dies als Zeuge, machte aber von dem Rechte der Eidesverweigerung Gebrauch (zu seinem Glück, denn er wurde dadurch vor einem Meineide bewahrt). August Adolf Bierau aber beschwor in der Verhandlung, er habe gesehen, wie Karl Hofmann mit einem Spazierstock den Wirt Weinrich auf den Arm geschlagen habe. Es sei danach ganz ausgeschlossen, daß fein Vetter, Wirt Bierau, den Schläg geführt haben könne. Infolge dieser Bekundung kam die SEf- famtner zu einem Freispruch. Die Staatsanwaltschaft leitete nun gegen den Hüttenarbeiter Karl Hofmann wegen Körperverletzmrg ,eüt Verfahren ein und hierbei ergab sich der dringende Verdachts daß August Bierau vor der Straffammer wissentlich falsch ge-
Abwauoerung ver Hereros.
Berlin, 25. Sept. Die „Nordd. Allg. Ztg," schreibt: In der Presse ist nenerdings auf die Gefahr hingewiesen Morden, die eine allgemeinere Abwanderung der Hetero n a ch d e m b r i t i s ch e n G e b i e t für die wirtschaft- ithe Entwicklung Deutsch-Südwestafrikas bedeuten würde, mb es Ist die Mahnung daran geknüpft worden, dieser .4cwhr rechtzeitig vorzubengen. Zu ernster Beunruhigung i.egt indessen kein Anlaß vor. Allerdings macht sich unter )en Herero im Norden des Schutzgebietes seit einiger Zeit -ine gewisse Unruhe bemerkbar. Diese äußert sich nament- stch bann, daß die Eingeborenen aus dem Dienst fort- ausLN. Es hat sich bisl^er nicht feststellen lassen, ob vieleicht Abgesandte des bei Johannisburg angesiedelten srühe- cen Oberyänptlrngs Samuel Maharero unter ihnen tätig [inb und sie nach dem Rand zu ziehen Versuchern, oder jb Nachrichten aus dem ^üden auf sie ein gewirkt haben. >luf alle Fälle hat die Absicht, sie schon in allernächster ßcit ganz freizugeben, zunächst nicht durch geführt werden können. Dagegen wurde der Versuch gemacht, bie_ Ein geborenen dadurch mehr an den Ort zu fesseln, daß ihnen '-ttvas Kleinvieh, etwa zivei Mutterziegen auf eine aus durchschnittlich fünf Seelen bestehende Familie gegcüen (vurbe. Dieses Kleinvieh bleibt im Eigentum der Regierung, doch haben die Herero die Nutznießung und die Erlaubnis, von den Ziegen einige nach Errtrichtung des Kauspreises eigmrtümli.ch yi erwerben. Hiermit soll gleichzeitig bezweckt werden, daß in die Ernährung- namentlich oie der Kinder, etwas mehr Abweebslung gebracht und der Gesurrdheitszustand verbessert wird. Als den mehr als 1000 im Wind Huker Gefangenen kral befindlichen Herero jüngst von dieser Maßnahme mit dem Benrerken Mitteilung gemacht wurde, daß ihnen dies Zugeständnis als Lohn !ür chre gute Führung gemacht wurde, waren sie sichtlich sehr erfreut. Es ist beabsichtigt, für den Fall, daß in Wmdhrck gute Resultate damit erzielt werden, den Versuch auch auf andere Gefangenenkrale auszudchnen. Den privaten Arbeitgebern soll ein ähnliches Verfahren anem- pfohlen werden, um auch bei ihnen die Eingeborenen seßhafter zu mack-en. Selbstverständlich würden seitens der Verwaltung auch alle sonst ztoeckd renlichen Mittel an gewendet werben, um ein Verlassen des Schutzgebiets durch die als Arbeiter unentbehrlichen Herero zu verhindern, falls hierauf abzielcnde Bestrebungen festgestellt werden sollten. __
Die Verhandlungen wurden heute fortgesetzt mit einer gleichzeitigen braunen gepreßten Lederband. Sehr reich ist Aussprache über das Fortbestehen des internationalen kunst- die Sammlung von Wiegendrucken, deutschen, italienischen
und geschmackvoll ziselierten Schnitten, ferner Kalender aus dem Rokoko. Besondere Erwähnung unter den Einbänden in Darmstadt wird uns unterm 2o. d. M. geschrieben: verdient ein Exemplar der Goldenen Bulle 1356 in einem


