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26.8.1907 Erstes Blatt
 
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yi*# I57-Jahrgang Montag 36. August 1907

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ZM General-Anzeiger für Oberheffen WM f;>r $.na(?§nunirMi>r w v 0 V v u.Laud- und ^Gerichts-

bis vormittags 10 Uh^ Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei. B. Lange. Redaktion, Expedition und vruckerei: Schuiftretze 7. Anz°ig-a',°a^ h" Beck

politische Wochenschau.

Gießen, 26. August 1907.

Will man unsere Marokkopolitik richtig verstehen, so nuß man zu ihrem Ausgangspunkte zurückkehren; will nan das Ergebnis richtig würdigen, den Anfang mit dem rnde vergleichen." An dieses Wort, das Bülow am 5. April wrigen Jahres im Reichstage sprach, knüpft Maximilian )arden soeben in einem Artikel der Zukunft an, um die atenlose Vertrauensseligkeit unserer leitenden Staats- nänner zu charakterisieren. Harden sucht für seine Dar­egungen einen recht weit zurückliegenden Ausgangspunkt - Villafranca, bett 11. Juni 1859 um dann propheti- chen Blickes zu verkündigen: der Tag ist nicht fern, der rkennen lehrt, daß Deutschland in Algeciras noch mehr erloren Hal als Friedrich Wilhelm in Olmütz. Der viel- ewandte Herausgeber der Zukunft spottet über die offiziöse .nd halbosfiziöse Berichterstattung und erinnert daran, daß eim Kieler Besuche König Eduards im Jahre 1904 von einem politischen Ereignis von weittragender Bedeutung'' esprochen wurde. Ter Besuch, so hieß es damals, habe eutlich gezeigt, daß die Verständigung mit Frankreich der eutsch-englischen Freundschaft nichts von ihrer Innigkeit enomnten habe. Viel später erst habe man erfahret!, daß n Kiel doch nicht alles ganz glatt gegangen sei. Im Jahre 906 sahen sich Kaiser Wilhelm und König Eduard wieder; s war aus Schloß Friedrichshof. Die Begrüßung war ungemein herzlrch".Nach dem Frühstück wurde auf der 5chloßterrasse im Ton leichter Konversation über die schwe- enden Fragen gesprochen."Entgegen den schwachen Er­wartungen, die man an die Zukunft knüpfte, ist man heute in Berlin) der Meinung, daß sie Vorteile bringen wird."

Abschied war noch um einige Grade herzlicher als die Begrüßung.Dieselben Blätter," so sagt Harden,die n August 1906 in durchschossenen Zeilen die ungemeine -erzlichkett meldeten, sagen im August 1907, in Friedrichs- of sei die Stimmung frostig gewesen:In Cronberg fehlte er offene, freundschaftliche Charakter, mit dem Kaiser und önig heute einander begegneten. (Lokalanz.)"Wer sagt en durch Erfahrungen von 1904 und 1906 Enttäuschten un voraus," so fragt Harden boshaft,was sie 1908 lesen erben?" Harden weiß es und er hält mit seiner Meinung icht zurück:Eduard treibt das Staatsgeschäft wie ein ttger Kaufmann. Der sucht jede Feindschaft zu vermeiden, ühlt er fick) bedroht oder fällt das laute Wesen eines Kon- irrcnten ihm auf die Nerven, so wehrt er sich seiner Haut, eht. andere, die auch bedroht oder geärgert sind, in eine .ntereffengemeinschaft, und zwingt den Lästigen in die mer Potenz gebührenden Schranken. Dann hat er keinen -rund mehr zum Groll und stellt, sobald es irgend geht, cn alten Verkehr wieder her. Feindschaften gehören zum uxus müßiger Leute. König Eduard ist ins Hessenfchlvß es deutschen Kaisers gekommen, als er mit Rußland im wesentlichen einig geworden war. Als das Parlament ihm neue Schlachtschiffe größten Types bewilligt hatte. Als er Britenbastard Vtorenga der sonst so wachsamen Kav- olizei entwischt war und wieder durch Deutschlands juo- 'estafrikanische Kolonie strich. Als die Niederlage des eutschen Reiches im Streit um Marokko sich nicht mehr erschleiern ließ. Als geschickt lanzierte Schlagwörter arg- >se Gemüter zu der nahen Möglichkeit sranko-deutscher reundschaft überredet hatten..... Tas alte Spiel be-

i nnt wieder; wieder der alte Trug. Die Achtung der reunde sinkt; mit kaum noch verhüllter Ironie loben sie eutschlands Nachgiebigkeit. Der Uebermut der Gegner hält lles für möglich. Tas deutsche Wort wirkt nicht mehr; daß )m die Tat folgen werde, scheint man nicht zu fürchten, racstigia non terrent. Und während dem Volk ein neuer lückslenz vorgetäuscht wird, fragt mancher leise, ob nicht rs Schwert den Söhnen das Gitter einst spülten müsse, i das blinde Väter sich zäunen ließen."

Soweit Maximilian Harden. Mas er hier sagt, klingt hr schön und originell, beinahe überzeugend, nur schade, manche seiner Schilderungen mit der Wirklichkeit sehr enig übereinstitnmen. Daß König Eduard nicht aus Freund- Haft nach Wilhelmshöhe gekommen ist, darüber hat doch ar fein Zweifel bestanden. Harden überschätzt auch ganz ttschieden die Bedeutung eines Blattes, wie es der Scyerl- he Lokalanzeiger ist, der nur von und für Sensation lebt, er denkende Teil des deutschen Volkes ist heute in politicis -er zu pessimistisch als zu optimistisch gestimmt und man npsindet es in allen Kveisen der Bevölkerung ungemein ohltuend, daß auch unsere leitenden Männer sich jetzt 'm Auslande gegenüber einer so großen Zurückhaltung fleißigen. Man läßt sich die Monarchenbegegnungen mit >ren herzlichen Begrüßungen und Trinksprüchen gefallen, an hört auch die Freundschaftsversicherunaen der anderen :rne, aber man ist doch weiter denn je davon entfernt, -lchen Freundlichkeiten eine übertriebene Bedeutung bei­tmessen. Man weiß nur zu gut, daß alles nur Augen- ückswerte sind, keine Friedensgarantien für später. Mcht nmal die Sozialdemokraten haben es auf ihrem inter- ationalen Kongreß in Stuttgart gewagt, die Borgänge ;r letzten Zeit in einem solchen Sinne zu deuten. Und ,e Behandlung des englischen sogenannten Abrüstungs- irschlages im Haag zeigt deutlich genug, daß man die brüstung zwar für wünschenswert, aber nicht für durch- ihrbar hält. Was sollte Deutschland im gegenwärtigen ugenblicke wohl tun? Sollte es in Marokko mit deut äbel rasseln oder gar dreinschlagen? Nein.

So wie die Dinge gegenwärtig liegen, bleibt uns nichts tderes übrig als abzuwarten. Ausführungen, wie die ardens, dienen nur dazu, eine höchst unnötige Nervosität t erzeugen. Man ist bei uns schon so wie so gar zu icht geneigt, seine Ruhe zu verlieren und in nervöser lieber-, lung dies oder jenes zu tun, was besser unterblieben äre. Auch in Stuttgart hätte man besser daran getan,

den englischen Sozialdemokraten Quelch nicht auszuweisen, zumal der Vorsitzende, Singer, schon gleich in der Sitzung seine Aeußerungen über die Haager Delegierten zurück- getviesen und Quelch selbst sie tags darauf rektifiziert hatte. Auf solche Weise belämpft man die Sozialdemokraten nicht. Man lasse doch ruhig die inneren Gegensätze im Schoße der Sozialdemokratie ausreifen, anstatt diesen Entwtcklungs- prozeß immer wieder von außen zu stören. Hat der Stutt­garter Kongreß nicht gezeigt, daß die Sozialdemokratie am besten durch die Sozialdemokratie selbst überwunden wird?

In wie weit sich dieser Gedanke auch auf das Ost­markenproblem ausdehnen läßt, und, ob das überhaupt möglich ist, darüber gehen heute die Meinungen weit aus­einander. Auch der deutsche Tag in Bromberg, der im übrigen einen sehr schönen Verlauf genommen hat, konnte wenig zur Lösung dieser Frage beitragen. Unzweifelhaft steht der Regierung das Reche zu, gegenüber dem staats­feindlichen Verhalten der Polen jede nur denkbare Maß­nahme, also auch das Enteignungsrecht, zur Anwendung zu bringen, aber man kann immerhin die Frage auf- lverfen, ob solche einschneidenden Zwangsmaßnahmen schließlich den erwünschten Erfolg Haven werden. Von vielen Seiten wird es bestritten. Solche Maßnahmen, heißt es, würden nicht zur Versöhnung beitragen. Sicherlich nicht, aber glaubt beim wirklich einer im Ernste an die Möglichkeit einer friedlichen Verständigung mit den Polen? Mit der Versöhnungspvlitik hat man bei den Polen sehr schlechte Erfahrungen gemacht; man hat sie nur vergessen lassen, daß sie auch Pflichten gegen das Deutsche Reich Haven, dem sie angehören. Wir können und wollen die Polen nicht germanisieren, aber wir müssen im eigensten Interesse des Deutschen Reiches von ihnen verlangen, daß sie ihre deutschfeindlichen Bestrebungen einsiellen und den Frieden im Innern nicht stören. Wir können doch nicht ruhig zusehen, wie polnischer Fanatismus uns das Äach über dem Kopfe anzündet. A.

Inti'lnatioliaü'r Sozialisten-Kongreß.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

VL

S. u. H. Stuttgart, 23. Aug.

Bei schwach besetztem Saale nahm heute die v i e r t e Plenar­sitzung ihren Verlauf- Eine ganze Reihe von Abgeordneten sind schon abgereist.

Lebhaft besprochen wurde allenthalben, daß der Engländer Quelch von der Württeinbergischen Regierung wegen seines An­griffs auf die Haager Konferenz, die er eine Versalumluug von Dieben und Mördern" nannte, ausgewiesen worden ist. Die englischen Genossen haben heule seinen Stuhl ostentativ auf den Tpch gestellt, versehen mit einem großen Plakat, auf dem in englischer Sprache geschrieben .steht:Hier saß Qnelch, der von der Württembergisä-eu Regierung ausgewiesen worden ist."

Quelch hat den Befehl erhalten, bis heule, 7 Uhr morgens, Stuttgart zu verlassen- Er reiste daher 6 Uhr 45 Min. ab.

¥

1 Tas Ausweisungsschreiben hat folgenden Wortlaut:

'Kgl- SladtdircUion Stuttgart. Ten 22. August 1907. Abends 8 Uhr- Nachdem Herr Harry Quelch, Privatier aus Lon­don, Telegierter beim Internationalen Sozialistcnkongreß, durch seine in der gestrigen Versammlung getane Aeußerung über den Haager Friedenskongreß, welche er durch seine heutige E-rklärung nicht in ausreichender Weise zurückgenouimen hat, sich gegen die Voraussetzungen, unter welchen die Regierung die Abhaltung des Sozialistenrongresses jn Stuttgart nicht beanstandete, vcrswßen hat, wird hiermit beschlossen: demselben aus allgemeinen poli­zeilichen Gründen den ferneren Aufenthalt im Königreich Württem­berg zu untersagen und ihm eine F-rist von zehn ^Stunden zum freiwilligen Verlassen des Landes zu erteilen- Klll. Stadtdirektion: Nickel- Eröffnet den 22. August '1907 unter Hinweisung darauf, daß die zwangsweise Beförderung außer Landes erfolgen wird, falls der Aüsgewiesene noch morgen früh 7 Uhr hier angetroffen würde- Tie Rückkelw eines Aüsgelviescnen in das Gebiet, dessen fernere Betretung ihm untersagt worden ist, wird gemäß § 361 Ziffer 2 des ReichsstrafgesetzbuchZ mit Haft bis zu fechs Wochen bestraft-"

*

Vor Eintritt in die Tagesordnung gibt Paul Singer die bereits mitgeteilte Erklärung Äer die Ausweisung von Qnelch ob- Heute steht das Thema: Beziehungen zwischen den politischen Parteien und den Gewerkschaften auf der Tagesordnung.

Dazu lagen verschiedene Resolutionen vor.

Tas Referat über die Gewerkschaftsstage hatte Beer (Oester­reich) übernommen, Wer darauf hinwies, daß die Gewerkschafts­bewegung selbständig sein müsse, wenn sie erfolgreich wirken wolle- Es müsse aber auch betont werden, daß Gewerkschaften und Partei ich gegenseitig zu ergänzen hätten- Tie Gewerkschaften müssen vom sozialistischen Geiste erfüllt sein- Gewerkschaftskampf ist auch Klassenkampf. Die Parteigenossen müssen im Gewerkschaftsleben aktiv tätig sein, und auch umgekehrt muß es der Fall fein. Gewerkschaften und Partei sind einig. Es dürfen keine Miß­verständnisse zwischen beiden auflommen, die nutzlosen Diskus- ionen sollten sortfallen- (Beifall.) Und wenn sie geführt werden, müssen sie im Sinne der Brüderlichkeit gehalten fein- (Beifall.) Persönliche Angriffe sind lebhaft zu bedauern- Uno wenn Rosa Luxemburg über den Kölner Generalstreik sagt, er sei, von der Borniertheit geboren, so sei das tief bedauerlich- (Beifall.) Umsomehr gilt das, als der Mannheimer Parteitag erklärte, zwischen dem Kölner und dem Jenaer Beschluß sei kein Unterschied-

Ter Redner bittet um Annahme der Mehrheitsresolution, die alles weitere Llarlege. (Beifall.) '

Leider haben die Franzosen sich mit der Resolution nicht ganz einverstanden erklärt, indem sie betonten, daß in Frank­reich Partei und Gelverkschaften unabhängig sein müssen-

Wir wünschen- innigsten Beziehungen -wischen Partei und Gewerkschaften- Wir wünschen aber auch, daß die Herstellung dieser Beziehungen nicht nur dazu benützt wird, um eine Spaltung in der gewerkschaftlichen Bewegung her­beizuführen. Tie wichtigste Voraussetzung unseres Erfolges ist die völlige Einmütigkeit der Gewerkschaften- (Lebhafter Beifall-)

Nach Eröffnung der Nachmittagssitzuug, die in Erwartung der kommenden Abstimmung über d i e Gewerkschafts­frage gut besucht war, teilte Singer mit, daß die englischen

Vertreter der Fabian und der Independent Labour Party aus­drücklich konstatierten, daß sie gestern gegen d i e N e s o l u t i o n zum Frauen st i m m r e ch t gestimmt haben-

Tie Belgier lassen erklären, daß sie diejenigen Beziehungen zwischen Partei und Gewerkschafteil für die besten balicn, wie sie in Deutschland u n d O e st e r r e i ch bestehen^ Darauf betonte der Referent Beer sOesterreich) in seinem Schlußwort riochmals, daß der Kongreß nur allgemeine Richtlinien für d i e B e z i e h u u g e n z w i s ch e n P a r t e i u d G e w e rö­sch a f t geben wolle- Jedes Land müsse die Einzelheiten nach den bestehenden Verhältnissen erledigen- Niemand wolle Schul­meisterei betreiben-

Darauf wurde zur Abstimmung über die Gewerkschaftsfrage geschritten.

Bei der Abstimwung^wurde die Resolution der Majorität mit 222 V2 gegen 18 H2 stimmen angenommen-

Ter folgende Punkt betraf die Fwage der Aus- und Ein­wanderung von Arbeitern-

Dazu lag eine Resolution vor:

Ter Köngreß erklärt es für die Pflicht der organisierten Arbeiterschaft, sich gegen die im Gefolge des Masseuimportes unorganisierter Arbeiter vielfach eintretende Herabdrückung ihrer L e b e tr s h a ! t u n g zu wehren- Er erklärt es außer­dem für ihre Pflicht, die Ein- und Ausfuhr von Streikbrechern zu verhindern-

Zu diesem Thema ist inzwischen noch eine lex Quelch beim Kongreß eingegangen.

Sie verlangt die Regelung der Ausweisung Lan­desfremder, die nicht aus politischen Gründen und auch nicht auf administrativem Wege, sondern nur durch Gerichtsbe­schluß erfolgen soll-

Ter Antrag ist von fast allen Staaten unterschrieben.^ Deutschland hat nicht unterzeichnet-

In der Diskussion trat Hillqnith (^Nordamerika) auch im! Namen von Kautsry und Rosa Luxemburg für die Abschaffung des Sweatiugsystems ein- Er ertlärte, die amerikanischen Soziw- listen würden genau nach der Resolution handeln und auch die iit Amerika einwandernden Japaner und Chinesen freundlich behandeln- (Lebhafter Beifall.)

Kato (Japan), stürmisch begrüßt, erklärt, er habe v 0 L Rührung wein en müssen, als evauf dem Kongreß >0 viel tton Brüderlichkeit gehört habe und ver­nommen habe, daß man die Japaner im Auslande nichts mehr so schlecht behandeln wolle, wie oft bisher- In Japan; gehe es dem armen Volke sehr schlecht- Jetzt heiße es sogar, ein neuer Krieg zwischen Japan und Aurerika stehe bevor- Es! sei aber kein Grund dazu da- TaS arme Volk würde dadurch nur noch mehr als bisher bedrückt werden- Möchten die Ge­nossen aller Länder mir helfen, daß dieser Krieg nicht ausbrichi-^ Leider könne er nur schlecht deutsch sprechen, sonst Harle er noch viel mehr zu sagen- Bor allem danke -er den Genossen,! daß sie auch den Japanern den Sozialismus ge­geben hätten- lLebhafter Beifall.)

Kroemer (Australien) erklärt, baß er nicht gegen die Ein-^ Wanderung von fremben Arbeitern in Australien ist- Seiber} werde diese Einwanderung von vielen australischen Arbeiter-- organifationen bekämpft-

Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird verlesen- (Großeü Lärm- Tie Engländer steigen auf die Stühle und stoßen wildü Schreie aus-)

Singer: Tas. Geschrei hat keinen Zweck- Wer gegen den Schluß ist, kann ja dagegen stimmen- (Lebh. Beifall.)

Ter Antrag a uf Schluß der Debatte wird angenommen-^ Milder Lärm- Tie Engländer uard oübafritaner sind auf die Tische gesprungen und schreien laut in den ^aat hinein. Tie Glocke Singers sucht vergeblich Ruhe zu schaffen. Hyndman- England steht auf dem Tisch und hält eine Ansprache- Stürmischer Beifall von den Tribünen, Zischen unb Zurufe-)

Singer will sprechen, die Cmglätcder hindern ihn durch lautess Geheul- Käutskh und Rosa Luxeniburg stürzen zu -ihnen hin, um sie zu beruhigen- Vergebens, der Lärm dauert weiter. Ledebour spricht erregt auf Singer ein, der ihn schließlich barsch abweist.

Endlich legt sich der Lärm für einen Augenblick, den Singer zu folgender Crllärung benutzt: Tie Cmglätlder wollen durchaus sprechen, imil sie sich noch nicht zur Sache geäußert haben- Aber auch die Deutschen, Franzosen, Schweden, Belgier usw- habest nicht gesprochen- Deü Kongreß hat die Debatte aber ge-i schlossen, also ist Schluß. Wir l a s s e n u n s n i ch 11Y r a n n i -1 fieren- (Lebh. Beifall.) Fühlen Sie sich doch als Sozial- bemotraten. (Stürmischer Beifall.) Das wilde Geschrei machd keinen Eindruck auf mich (Lebhafter Beifall.)

HhndmawEngland ist'auf die Tribüne gestiegen: Ich tier- lange bas Wort- (Lauter Lärm, Beifallsschreien, Rufe: Heruntep von ber Tribüne! Hallo rufe.)

Singer läßt sich badurch nicht beirren und gab Ellenbogen-, Wien das Schlußwort-

Niemand hört zu, erregte Gruppen stehen im Saale- Die Tribünen sind überfüllt- Ueberall ivirb über das Auftreten ber Engländer eifrig bebattiert-

Bei ber Abstimmung erklären die Engländer, daß sie an der Abstimmung nicht teiluehmen werden- (Große Unruhe.)

Ter Anttag auf Abschaffung des Swealing-Shstems wird angenommen- Ein anderes Amendement von Kautsch und Stofa Luxemburg wird unter großer Heiterkeit abgelehnt, da nur Kautsch und Rosa Luxemburg dafür ftintmen-

Tie Abstimmungen werden durch die Zurufe ber Engländer sehr gestört- Schließlich wird die vorliegende Resolution ange-- nommen-

Darauf vertagt sich ber Kongreß auf Sonnabend.

Acis sptabi nnö L«ird.

Gießen, 26. Ang. 1907.

** Vom Manöver. Der ungünstige Stand der Erntearbeiten in der Wetterau hat dieser Tage wieder eine Aenderung des Manöverplanes herbeige-s ührt. Der Exerzierplatz der 49. Jn anterie-Brigade, die, anfangs bei Södel-Wölfersheim üben ollte, ist in das Ge­lände zwischen Butzbach, diieder-Wei el, Rockenberg und Griedel verlegt worden, und daö Regiment Nr. 115 mußte in Darmstadt verbleiben, um dort sein Regintentsexerzieren abzuhalten. Die beiden Jnsanterie-Megimenter 115 und 116 treffen voraussichtlich nächsten Mittwoch in den Orten zwischen Bad-Nauheim und Butzbach ein. Der Regiments­tab der 116 er kommt nach Rockenberg. Um die Felder möglichst rasch vont Getreide frei zu machen, gestattet die Militärbehörde, daß die Soldaten die Bauern bei den Ernte-« arbeiten unterstützen, und so sieht man nicht selten, datz