Ausgabe 
26.6.1907 Zweites Blatt
 
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T 11 1889 hatte" « 8.itun ie"u ie ie die 9irV ! ""ter WM veröffentlicht: B *DI,/ 271 Marz 1907, fe* *i4 'CfaÄ ?lb9unfl seiner Tälig. öiumen, feine fanbo. herzlich Hx p, , F. Mamrolh. >iuni. Jin,$aunu§. * Maaß und die it icharse Erklärungen Automobilrennen m wegen des unerträg. rg und der Lustoerderd«

m Herbst wegen Ber- ieslgen Schwurgericht jji Mrmeister Schnei^.' Akonate von der Stich ffkanimer auf freien vird sich erneut mit der

eZ heißt, daS Opfer M Ztg.)

aft&irte.

rt o. R, 26. Juni, tute tm großen Saale rdeötag ab, mtzdm M, Mr rin vWäirr . In der hküiM Drr« bl Stabitai W«, m gsasichor haammn, für ens Tirellor Göring an-

ein-Mam, Taar-Blieö und isen-Meininger, Mumm, ulscher, Bayerisch-Plchn, Lin und Schlesischer, M Mmschast mit dem w* >m Reichsvetband gcciniy er-Leipzig erstattete «n jattc eine Reihe von W Duröcn. Henkel-Fmkstll die SMung eines ein­es Es rourbc nach leb, -Men Reiche, wo eS nw Erhöhung der Bier-

ie Aufhebung des Dam 96tSäXfc* eintreten, u^er oi

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aüge verteilt hcLen, fmLert des Waffen Widerspruch heraus. M handelt sich Hier nicht um einseitig« Wünsche des reisenden Publikums, sondern um eine Abweichung der EisentuMver- toaltimgcn selbst von ihren eigenen öffentlich ausgespwchenen Grundsätzen! Am 1. Juli 1905 erklärte der verstorbene Eisew. bahmninifter hon Budde in der Antwort auf eine Snterpeflatwn im preußischen Abqeordnetenh^use:

Es ist nicht die Absicht der Verwaltung, sämtliche im Kursbuch fettgedruckten Züge mit Schnrllzugszuschläaen zu be­legen. Wenn auf einer Strecke eine ganze Anzahl Schnellzuge läuft will ich mal sagen 10 dann wird man unter diesen einige heraussuchen, die große, durchgehende, namentlich in­ternationale Verbindungen darstellen. Diese wird man mit Schnellzugszuscblägen belegen, während andere Schnellzüge frei gelassen werden."

Diese Verheißung der Eisenbahnverwaltung ist unerfüllt geblieben. Sie hat cs gerade umgekehrt gemacht: an­statt nur .einige, die durchgehenden Schnellzüge zu verteuern, hat sie die allermeisten Schnellzuge mit Zuschlag belegt, und nur einige, sehr wenige, frei gelassen. Die Forderung des Publikum- geht in aller Bestimmtheit und Schärfe dahin: die Eisenbahnverwaltung möge ihr eigenes Versprechen halten und vom 1. Juli ab, also noch vor dem Beginn der Hauptreisezeit, das Verhältnis, umzukehren, in jedem Fahrplan mit Schnell­zügen den zuschlagspflichtigen Schnellzug zur Ausnahme, den Eilzug zur Regel zu machen. Das deutsche Reisepublikum hat seit mehr als einem Jahr fortgesetzt fast nur Verteuerungen er» lebt; es pit ein Wohl begründetes Recht daraus, zu verlangen, daß endlich auch auf die Bedürfnisse des Verkehrs, nicht bloß auf die des Fnnanzministers Rücksicht genommen werde. Wobei übrigens KU bemerken ist, daß noch niemals ein Finanzrniniswr sich auf die Länge über die Wirkungen von Verkehrserleichterungen zu beklagen gehabt bat. Die jetzige Verteilung der EilKge und Schnellzüge ist auch insofern verkchrsstörend, als naturgemäß der weitaus, größere Teil der Reifenden sich in die zuschlagfreien Eilzüge drängt, diese überfüllt, während die Schnellzüge mit Zuschlag nicht ausgenutzt roerben. Tas werde sich, wenn die bisherige ungerechte Verteilung fortbestände, im Hochsommer noch viel ärger erweisen und zu den schwersten Schaden des Verkehrs führen.

Sehen wir uns einmal einige Schnellzugslinien auf ihre Verteilung von Eilzügen und Schnellzügen an.

Schlimm sieht es namentlich in Westdeutschland aus. Zwischen Frankfurt und Köln fahren auf der rechten Rhein­seile sechs Schnellzüge, von denen nur ein einzige!r zuschlagsfrei ist!

Den Preis der siäkalischen PluÄnacheiec verdienen aber einige Hauptreifestrecken in S ü d d e u t f ch l a n d. Zwischen Heidelberg Und Basel über Freiburg verkehren sechs Schnellzüge; davon ist ein einziger, natürlich der schlechteste, zuschlagsfrei.

Mit der schönen Grundsatzlosigkeit, die sich bet derartigen Anordnungen der Eisenbahnverwaltung auch sonst findet, fahren zwischen Magdeburg und Berlin drei Eilzüge und fünf Schnell­züge, eines der günstigsten Verhältnisse im preußischen Eisenbahn- bezirk. Ich halte auch diese Verteilung von Eil- und Schnell- zügen immer noch für ungerecht, das Verhältnis müßte sein: Sechs Eilzüge Und zwei Schnellzüge; immerhin aber sieht man hier die Spur des guten Willens, den Reisenden eine größere Zahl nicht belasteter Schnellzüge freizustellen. Schlechter ist schon das Verhältnis auf der Strecke HannoverBerlin: den zwei Eil­zügen stehen fünf Schnellzüge, ohne den Zug über Magdeburg und ohne den Nordexpreßzug, gegenüber.

Auf der Linie BerlinStettinDanzig verkehren nur zwei durchgehende Schnellzüge; die Verteilung zwischen Eilzug und Schnellzug ist wie 1 :1.

Zwischen Berlin und Ostpreußen ist jeder bequem gelegene und gute Schnellzug -uschlagspflichtig! Beide Vtorgenzüge von Berlin, beide Nachtzüge, und von den fünf schnellen Zügen überhaupt ist nur ein einziger, der in Königsberg nachts pm V21 Uhr ankommende -uschlagsfvei. Ist dies eine Erfüllung der Zusage des Eisenbahnministers Budde?

Auf der Linie BerlinPosen ist es ähnlich. Ebenso ver­kehrt in Oberschlesien, zwischen Breslau und Oderberg von den vier durchgehenden Schnellzügen nur ein einziger ohne Zuschlag.

Sache des Publikums wird es sein, die Folgerung nach wesentlicher Vermehrung, mindestens nach einer Verdoppelung der zuschlagsfreien Eilzuge mit wachsendem Nachdruck zu er­heben. Die Unzufriedenheit mit der jetzigen Verteilung von Eil- und Schnellzügen ist noch immer im Steigen, und die Staats- regierungen, wenn nicht die Eifenbahnverwaltungen, haben die .Pflicht, diese Unzufriedenheit nicht ins Ungemenene anwachsen, .zu lassen.- -1

' Ein Schnellzug fuhr ui Der Nähe von Hartf 0 rt (nordamerik.) (Staat Eonnsotiout) in einen Arbeiterzug, besten Wagen fast vollständig zertrümmert wurden. Ein Teil der Trümmer begann zu brennen, noch ehe die unter den Trümmern liegenden Opfer der Katastrophe gerettet, werden konnten. Die Schmerzensschreie der unglücklichen Opfer, die vergebens der Be­freiung harrten und die Flammen auf sich zukommen sahen, waren furchtbar. Die Passagiere deS Schnellzuges kamen ohne Schaden davon. Dagegen wurden von den ltalienischen Arbeitern, die den Arbeilszug füllten, elf getötet und 35 schwer verletzt.

Der Wettersturz in den Alpen hat imKaifergebirge den Tod eines T 0 u r i |t e n herbeigeführt. Vier Personen, die eine Tour auf das sehr schwer zu besteigende T0 te n k 1 rch l im Kaisergebirge unternahmen, komuen den Abstieg infolge massenhaften Neuschnees nicht fortsetzen, em Tourist starb an Er» schöpfung. Der erste Rettungsversuch zweier Führer mißlang, beim zweiten konnten die übrigen Teilnehmer gerettet werden. Der erfrorene Tonnst ist der Münchener Kaufmann Grohmann.

* Ein erschütterndes Drama spielte sich im Spital für Lungenkranke Mannheim ab. Tort starb die 21 Jahre i alle Frau des Formers August Stolzenthaler, welche dort 103 Tage <nt Tuberkulose darniedergelegen hatte. Ter Ehemann wurde von dem Tode feiner Frau in Kenntnis gesetzt. Er begab sich in Begleitung eines Bruders nach dem Spital. Angesichts der Leiche machte sich eine starke seelische Erregung Stvlzenthalers bemerkbar. Er begab sich ins Freie. Plötzlich krachte ein Schuß der be­dauernswerte Mpnn hatte sich aus einem Revolver eine Kugel in die rechte Schlafe gejagt. Er war leblos zusammen- gestülpt. Ter aus dem Leben Geschiedene war erst 23 Jahre alt.

* Kleine Tages chronil Die Hannoversche Spielaffäre ist jetzt friedlich beigelegt worden. Alle Wechscl- forbetungen der Geldgeber der nach ihren Regimentern zurück- berusenen Offiziere sind auf Veranlassung von .höherer Stelle" durch Vermittelung der zuständigen Regimentskommandeure be­glichen worden. In Stolzenhagen (Pommern- erschoß der Fleischermeister Arndt den auf ihn mit einer Axt eindringenden Arbeiter Prippernow in der Notwehr mit einer Flinte. Beim Abstieg von RiemannShausen (Oberbayern) glitt der Münchener Kaufmann Beer auf einer Schneehalde auf der sog. Saugasse so unglücklich aus, daß er sich beim Sturz die Spitze seines Bergstockes in den Unterleib stieß und in schwer verletztem Zustande nach St. Bartholomä gebracht werden mußte. Ter wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilte Roßschlächter Liberka m B euthen gestand, daß in feiner Roßschlächterei der Arbeiter Polonczeche von dem Einbrecher Czech ermordet worden fei. In Berlin hat sich eine entsetzliche Brand- Katast rophe zugetragen. Beim Herunterschaffen von Oel- fässern in den Keller fiel ein Faß auf die Steinplatten und zer­sprang, wodurch zwei Arbeiter mit Del übergossen wurden. Durch em an der Unfallstelle brennendes Gaslicht gerieten die ölgetränkten Kleider der Arbeiter in Brand. Gleich wandelnden Feuerfäulen rasten die Unglücklichen nach dem Hof hinauf. Tort befand sich ein Bassin mit siedend heißem Wasser. In dem Glauben, das Wasser sei falt, sprangen die Beiden in das zwei Meter tiefe Bassin und verschwanden unter dem Wasser. Fabrikarbeiter holten die Verunglückten nach langem Bemühen herauf. Sie waren vollständig verbrannt und verbrüht und wurden ins Krankenhaus gebracht. An ein Aulkornme 1 der Beiden ist nicht zu denken. Beim KackenvonKuchen nahm die Frau des Bauern Franke in.

Mariental, Kreis Habelschwerdt (Schles.), aus Versehen statt Zucker, Arsenik, daS zum Vergiften von Rallen und Atüusen im Hause vorrätig war. Vom Genuß beS Kuchens wurde die ganze Familie vergiftet. Frau Franke ist bereits gestorben, der Mann und die 6 Kinder liegen schwer erkrankt darnieder. Wie aus Saniiago (Ehrte) telOgravhiert wird, ging der Dampfer .Santiago* mit fehlerhaften Maschinen auS Corral ab. Infolge eines Sturmes, der unterwegs ausbrach, wollte der Kavitan nach Valparaiso zuruckkehren, anftait seine Reise nach Aneud fortzuseyen. An Bord befanden sich nur wenige Passagiere Ein Boot rouroe Herabgelaffen, indem sich 2 0 M ann zu retten beabsichtigten; es wurde aber, nachdem es mehrere Tage umhergetneben war, a n den ß elf en der Küste zerschmettert. Der 4, Offizier wurde allein gerettet, während alle anderen umkamen.

Victzener Strafkammer.

)( Dießen, 25. Juni.

Konkurrenten

Am letzten Weihnachtsabend begegnete der Schausteller I. W. hier mit seinen zwei Söhnen M. »ind G. seinen Konkurrenten, den Schausteller I. H. aus Schlierbach am Eisenbahnviadukt beim OSwaldSgarlen. AIS der Begleiter des H. dem M. W. tm Vor­beigehen eine Bemerkung wegen eines am Tag zuvor vorgefallenen WlrtshauLstreitS machte, fprang biefer auf ihn zu, warf ihn zu Boden und bearbeitete ihn mit den Fäusten. Beide Brüder schlugen nunmehr gemeinschaftlich auf den am Boden liegenden ein; sie gaben ihm Fußtritte und stießen ihn mit dem Kopf gegen eine Maner, fodaß er mehrere Wunden davon trug und ärztliche Hülfe in Anfprnch nehmen mußte. H. der sich anschickte feinem Begleiter zu helfen, wurde von dem alten W. gewarnt, sich an feinen Söhnen zu vergreisen. H., zog nun seinen Schlagring aus der Tasche und schlug W. mehrmals auf den Kopf, fodaß er blut­überströmt von der Stelle geschafft werden mußte. Tas Schöffen­gericht verurteilte H. wegen K ö r p e r 0 e r l e tj u n g zu 4 W 0 che n Gefängnis. flU. W. kam mit 60 und fehl Bruder G. W. mit 80 Mark Geldstrafe davon. Während die zwei letzteren sich bei dem Urteil beruhigten, erhob H. Berufung, deren sich die Staats- anwallfchaft anfchloß. Er behauptete, der alte W. t)üb£ ihn an­gegriffen, weshalb er in Notwehr handelnd von feinem Schlagring Gebrauch gemacht habe und verlangte feine Freisprechung. Tic Beweisaufnahme ergab jedoch, daß er ohne begründeten Anlaß seinen Schlagring gezogen und W., der nicht das Geringste mit ihm vor Halle, verletzt hat. Das Gericht versagte ihm deshalb, im Gegensatz zur ersten Instanz, mildernde Umstände und erhöhte die Strafe auf 2 'JJI 0 nat e. Es führte weiter aus, daß eL bezüg­lich des M. W., der den ganzen Vorfall provoziert hat, auf eine erhebliche Freiheitsstrafe erkannt haben würde, wenn die Staats­anwaltschaft ihre Berufung nicht vor dem Termin zurück- genommen hätte.

DaS Urteil in der vor acht Tagen verhandelten Privat- k l a g e s a ch e der Gießener Installateure gegen den Betriebs­leiter S t. hier, ivegen Beleidigung, lautete auf Verwerfung der beiderseitigen Berufungen.

<ß<rid?tsfaaU

)( Marburg, 24. Juni. Bor einigen Wochen hatten die Schäfer der Nachbarorte Bauerbach und Schröck ihre Schafe ans User der Lahn im Weichbild unserer Stadt getrieben, um große Schafwäsche abzuhalten. Bald erschien die Polizei und die Folge waren Strafmandate. Das Schöffengericht hat auf eingelegte Bern jung hin den Einwaiid gelten lassen, daß es sich hier um eine alte Gerechtsame handle und die Strafverfü­gungen aufgehoben.

Ter Pantoffelheld vor dem Kpufmannsge- richt. Unter merkwürdigen Bedingungen wollte sich vor der zweiten Kämmer des Berliner Kausmannsgerichts der Konfituren- händler Otto G. zu einem Vergleiche mit seiner früheren Ver­käuferin Amalie Sch., die von ihm 12öf Mk. restliches Gehalt forderte, verstehen. Ter Vorsitzende schlug einen Vergleich in Höhe von 50 Mk. vor, mit dem sich die Klägerin einverstanden erklärte. Der Beklagte hingegen wollte twtz vielen Zuredens, über eine Vergleichssumme von 40 Mk. nicht hinausgehen. Schließ­lich erklärte er, er wolle noch einen Vorschlag m<achLn, wenn die Oefsentlichkeit ausgeschlossen würde. Nach dem Grunde dieses sonderbaren Verhängens gefragt, flüsterte er dem Gerichtshof zu: Gut, ich will 60 Mk. zahlen, wenn's nur meine Fvau nicht erfährt!" Tiefe Aeußcrung wurde vom Richterkollegium wie von den Zuhörern mit großer Heiterkeit ausgenommen. 'JLachdem der Vorsitzende dem ängstlichen El-emann scherzend die Zusicherung gegeben hatte, er und die Beisitzer würdien reinen Mund halten und auch die Zuhörer würden ihm wohl gern den Gefallen tun, seiner Frau gegenüber nichts auszuplaudern, entschloß sich der Beklagte endlich, der Klägerin einen 50 Mprk-Schein auszuhän- bigen. Er schärfte aber der Verkäuferin «ausdrücklich ein, sie dürfe von dieser Einigung nichts seiner Frau verrlaten, denn diese hätte ihm nicht mehr als 40 Mk.bewilligt".

Unglückliche Operationen und Schadener­satzpflicht des Arztes. Ein junges in Ätainz dienendes Mädchen mußte im Jahre 1901 für kurze Zeit Has dortige Ho­spital aussuchcn und trat auch mit dem Wunsche hervor, ge­legentlich von ihrem Schielen geheilt zu werden. Ter Geh. Medizinalrat H., der die AugcnabieÜung in dem Spital leitete, sagte ihr, djaß ihr Schielen durch Operation beselligl werden könnte. Die zu jener Zeit 18 \ 3 Jahre zählende Klägerin ließ sich dcrräushin operieren. Bald nach der Operation des einen Auges stellte sich aber eine Eiterung ein, und der Augapfel begann zu schrumpfen. Aut den Rat eines anderen Arztes ließ sich dann die Klägerin das kranke Auge entfernen, um das ' «andere zu retten. Für die Folgen des schädigenden Ver­laufs der Operation machte der Vater jetzt Schadenersatzansprüche gegen die H.schen Erben geltend. Als Hauptgründe der Klage werden angeführt, daß H. einen Kunst fehler begangen habe, und daß er die Klägerin nicht ohne die Einwilligung ihres Vaters hätte operieren dürfen. Betreffs des ersten Einwandes behauptete H., daß der Verlauf der Operation auf einen unglücklichen Zufall zurückzuführen sei, und daß ein Kunstfehler nicht oorliege, welches letztere auch durch die Staatsanwallschaft bestätigt wurde. Was die Etwvilligung des Vaters anlangt, so hätte er diese nicht für nötig erachtet, well die Klägerin em en vollkommen selbständigen Eindruck gemacht habe. Tas Landgericht Mainz erkannte auf Abweisung der insgesamt ca. 56000 Mk. Schadenersatz be­zweckenden Klage, und zw»ar erfolgte die Abweisung deshalb, weil dem Operateur ein Verschulden nicht zur Last falle, und er nach den Umständen auf has eigene Versugungsrecht der Klägerin rechnen konnte. Tahingegen änderte das Lberlandesgericht Darmstadt auf die Berufung der Klägerin das landgerichlliche Urteil dahin ab, daß es den Schadenerfatzanspruch dem Grunde noch für gerechtfertigt erklärte. Tps OberlandLsgerichr kommt wegen NichteinkVlung der Einwilligung des Vaters zur Verurtei­lung, da es bei solchen nicht unbedenklichen Eingriffen in den Organismus der Minderjährigen dieser Einwilligung bedurft hätte. Etwas ^anderes sei es bei leichteren operativen Einarissen, wie z. B. beim Zahnziehen. Dieses Urteil wurde durch Revision von feiten der Beklagten angegriffen und dazu ausgeführt, daß den H. nicht deshalb ein Verschulden treffen könne, weil er sich nicht über das Alter der allgemein für erwachsen und selbständig ge­haltenen Person unterrichter und sich keine Sicherheit über ihre Volljährigkeit verschafft habe. Ter 3. Zivilsenat des Reichs­gerichts kam auch zur Auchebung des oberlandesgenchllichen Urteils und verwies die Sache zur anderweitigen Entscheidung an das Oberlandesgcricht Darmstadt zurück.

Univerfitäts-Nachrichten.

Wie uns aus Marburg mitgeteilt wird, hat Profeffor Dr. theol. Johamics Bauer, Exlraorbmarius m der dortigen theologischen Fakullät, den Ruf an die Universität Königsberg i. Pr. als Ordinarius für praktische Theologie angenommen.

Berufung. Man schreibt uns: Dr. I. Horn, ord. Pwfessor der Mathematik an bter Bergakademie in Clausthal, hat einen Ruf an die Technische Hochschule in Darmstadt erhaltcp.

Kirche und Schule.

Die Generalversammlung des Tvangeli- chen Bundes findet in Worms vom 29. September bis 2. Df lobet statt. Den Hauptvotitag hat der preuß. LandtagSabg. PtäscS D. Hackenberg übernommen. Zwei große DolkSvetjamm- lungcn werden in der Drcifaltigkeitskircvc abgehaltcn^^^^^

Arbeiterbewegung.

P Schlitz, 25. Juni. Der Streik der Maurer ist schon beendet. Sic haben gestern ihre Arbeit zu den alten Bedingungen wieder ausgenommen. Zwölf von den Streiken­den sind von den Meistern nicht wieder angenommen worden. Sie bedauern heute sehr, den Lockungen der auswärtigen. Streik- tcitung gefolgt zu sein.

Landwirtschaft.

Saatenstan di m Deutschen Reiche Mitte Juni 1907: Winteriveizen 2,9, Sommerweizen 2,4, Winterspelz 2,4, Winter- roggen 2,7, Sommerroggen 2,3, Sommergerste 2,3, Hafer 2,3, Kar­toffeln 2,4; Klee 3,0; Luzerne 2,6, Beiväsferungswieien 2,8, andere Wiesen 2,7. Str. 1 beöeiüei sehr gut, 2 gut, 3 Mittel, 4 gering, 6 sehr gering. Ter abgelauicne Berichtsmonat war reich an unvermittelt ausirckenden Witterungsumschlägen. Trotzdem ,var der WuterungS- verlaus un allgemeinen nicht gerade ungünstig für den Saatenstand, da fast überall durch zahlreiche Gewitter genügend Feuchtigkeit zugesührl wurde. Uebet massenhaftes Auftreten von Unkraut wird meliad) berichtet. Die Weizenfelder weisen infolge der erheblichen Auswinterung meist undichten Bestand auf und sind zum Steil stark verunkrautet. Erheblich bester wird der Stand des Roggens be­urteilt, der befriedigenden Körnerertrag erwarten läßt. Die oomnier- nüd)te finden im allgemeinen güniuge Bcurteilimg. Das Wachs­tum der Svminerhalinirüchte hat m den letzten Wachen gute Fort­schritte gemacht. Für Kartoffeln kann damit gerechnet werden, daß bei ihrer verhältnismäßig späten Aussaat nach dem Eintritt vesterer Witterung ihre schon jegt nicht ungünstige Beurteilung noch besser wird. Futterkräuter zeigen allenthalben guten Stand nur in Sud­deutschland. Ter größere Teil des Reiches zeigt gegenüber dem Vormonat feinen besseren Stand, eher eine kleine Verschlechte!- u n g. Tie Erträge der Wiesen fteljen hinter denen des Vorjahres 1.Dcbltd) zurück.

«Handel.

Reichsbank-Ausweis. Die dritte Juni-Woche hat dem Stand der Rcichsbank im Gegensatz zum Vorjahr eine Kräf­tigung gebracht. Angesichts des bevor,wl-enden SemesterwechselS maß dies dem Institut nur ichr erwünscht erscheinen. Trotze dem ist 'der Status der Bank immer noch schwächer als äue gleichen Zeit des Vorjahres oder gar vor 2 Jahren. In der , letzten Woche ist 'der Mechselbestond, der i. B. um 41.61 Mill, an- gewachseil war, nur um 6.08 Mill, stärker geworden. Immer­hin geht das Portcseuille der Bank noch um 104 Mill. Mk. über feine vorjährige Höl,e hinaus. Ter Lombard, der sich im Vor­jahr um 9,74 Aiill. Mk. verringerte, zeigt diesmal eine Zu­nahme um 9,68 Mlll. Mk., wodurch er um 17 Mill. Mk. stärker ist, als zur gleichen Vorjahrszeit. Auch der Essektenbestaudi zeigt wieder eine Vermehrung und zwar um 13,85 Mill. Mk.. während die vorjährige Paralellwoche eine Abnahme um 20! Millionen Mark auswics. Ter Rcetallbestand, der in der Vor­woche sich nock) sehr wenig kräftigte, ist diesmal um 13,60 Mill, augewachsen. Tie Depositen, die t. B. um 6,21 Mill. Mk. abgenommen hatten, zeigen eine Verniehrung um 17,37 Mill. Tie Zunahme des Notenumlaufs bcschräutte sich auf 18 Mill, gegen vorjährige 30,82 Mill. Tie Nvtenrcscrve hat sich um 9,23 Milt. Mk. erhöht. Sie zeigt jetzt 175,95 Mill, gegen 251,62 Millionen im Vorjahre. Es ist anzunehmen, daß das Institut zu Monatsschluß die steuerfreie Notengrenze ziemlich stark über-, schreiten dürste. Selbstverständlich wird dann aber die erste Juli- Woche sofort Uneber eine Besserung bringen.

Von der Berliner Börse. Den Bemühungen der Großbanken scheint cs boch zu gelingen, ein weiteres Vordringen ber Baisse vorläufig hintanhaltcn zu können. Wenn auch daS Geschäft im Ganzen nur sehr wenig belebt ist, so war boch die Gmnbtendenz auch heute roicbcr recht fest unb einzelne besonders scharf blickende Börsianer nwllen sogar vorsichtige Käufe des Publikums bemerkt haben. Zur guten Stimmung trug in erster Linie der neueste Reichsbanf-Status bei, ferner die Erhöhung der Oberschlesischen Ztvkskohleiipreisc durch die Fiskalgruben und der Lugaucr Hausbrandpreise. Weiter meldete Amerika ge­besserte Stimmung, sodaß die ungünstige Londoner Meldung, daß die gestrigen Jnsolvcnzgerüchte sich nun bestätigt haben, nicht recht durchdringen konnte. Ter englische Kvnsol-Kurs ivurde sogar besser gemeldet infolge der reduzierten Emissionsabsichten Trans­vaals. Bankaktien waren behauptet: Montanwerte steigend. ES schlossen Bochumer 223, Phönix 201.10, Rheinische Stahlwerke 189,90, Teutsch-Luxemburger 172,75. Tic amerikanischen Kurse folgten ber Newyorker Bewegung. Russen waren ruhiger. Lom­barden lustlos aus eine Erklärung des Kurators. Die See­handlung gab Ultimogelb zu 5 V2 Pwz. Ter Privatbiskonti notierte 4 3/^Pivz. !' !'' <

Märkte.

<c. Frankfurt a. M., 26. Juni. (Drig.-SZelegr. de? -Gieß., Anz.") Viehmarkt. Zum Verkaufe standen 00 Kalber, 00 Schale u. Hümmel, 1458 Schweine, 0 Ziegen. Schweine: 1. Qual. 5800 Pf, Lebendgewicht 45.5000 Pf, 2. Qual. 5700 Pf., Lebendgewicht 45.00-00 Psg., 3. Qual. 50-52 Pfg. Kälber 1. Qual. 0000 Pf. Lebendgewicht 00-00 Pfg., 2. Qual. 0000 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg., Schlachtgewicht 0000 Pfg. Schafe 1. Qualität 0000 Pfg., 2. Qualität 0000 Pfg, Gefchäst bei Schweinen flau, Ueberftanb bedeutend. Während des Riarktes fernen noch 26O Stück an.

Gießener Wetterdienst.

BoranSsichtliche Witterung für Hessen am Donnerstag den 27. Juni: Meist trüb, Regensälle; fühl. Lebhafte westliche Witide. --- -.......

Origiiral-Drahtmeldrrngen.

Leer, 26. Juni. Hier nt eine ganze Familie nach bem Genuß von Pudding unter Vergiftungs-Er­scheinungen schwer erkrankt. Tie Ursache scheint; schlechtes Pubdingpuwer gewesen zu sein.

Ludwigshafen, 26. Juni. Bet der Landtags, ersatzwahl wurde Huber (Soz.-Dem.) gegen Gollwitzer (lib.) gewählt. Eine Veränderung im Besitzstand der Par­teien tritt durch die Wahl nicht ein.

Lissabon, 26. Juni. Von zuständiger Seite wird erklärt, daß gegenwärtig keine Möglichkeit einer Ministerkrisis bestehe. Die Lage des Landes lasse auch keine Krisis zu.

Rom, 26. Juni. Heute nacht entgleiste zwischen Bardonechca und Mondena ein Person enzug. Der Zug­führer und ein Schaffner wurden getötet und mehrere Per­sonen verletzt.

Newyork, 26. Juni. Durch den Einsturz eines Miethauses wurden heute nacht 9 Personen getötet und viele andere verletzt. Alle Verunglückten sind Italiener.

Tripolis, 26. Juni. Nach hierher gelangten Mel- düngen haben französische Truppen die Stadt Galakka (G. liegt im cgyptischen Sudan. D. Red.) besetzt.

Bestbewährte Nahrung flln

Gesund E sowie

9 und schwächliche,

Af lt. in der Entwicklung >

mag BH- zunkkgehltebeiie

darmkranke Kinder.