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23.10.1907 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

scheint tLglich mit Ausnahme deL Sonntags.

LS?. Jahrgang

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 61.

Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

)te ..Oietzenrr KamiUenblatter" werden dem | Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das I KfttsMih ftii 6en Kreis Hiehen" zweimal löchsntüch. Derhesfische LandDirt" erscheint monatlich einmal.

Mittwoch SB, Oktober 1907

Rotationsdruck und Vertag der Vrühl^che«

8 R * UniversitätS - Buch- und StetnbmdcteL

j |jf m R. Lange, Gießen.

r. 84l-

Wilbelm I. R.

gesamlen Vaterlandes,

12to,

217,

2<i

312,

4.

1. Nach

2. ,

3.

PostbesörderungsgelegenheiLcu.

Folgende Züge re. werden zur Poslbeföcderung benutzt. (Es bedeuten: nur Beförderung von Briefen, - nur Beförderung

briefe und Pakete 3060 Minuten vor Abgang der Züge. Die Stadtb ries kästen werden Werktags geleert zwischen 543 640 vorm., 830930 vorm., 10241118 vorm., 1153 1250 vorm., 319410 nachm., 653646 nachm., 710810 abdS., 927 1030 abdS.; Sonntags zwischen 545645 vorm., 1033 1125 vorm., 720820 abds.; genaueres ergeben die Leerungstafeln an den Briefkasten. Die einaesanunelten

Berlin, 22. Okt. Der Arbeiterkongreß nahm Anträge an, nach denen im Interesse der gesundheitlichen Verhältnisse m der

£WUWC demjcher^rLerKorrgletz.

S. u. H. Berlin, 21. Okt.

2. Tag.

(Ausführlicher Bericht.)

! Z" Beginn der heutigen Sitzung, die vom Neichstagsabgeord- eu Behrens geleitet wurde, erschien lebhaft begrüßt der Staats- nster a. D. v Berlepsch. Vom Reichsamt des Innern wohnten nisienoloirektoc Easpar und Oberreaierungsrat Koch und vom

, uy-, .Handelsministerium Meyeren den Verhandlungen bei. Auch le Rcichstagsabgevrdnete hatten sich eingefunden.

An erster Stelle sprach Stegerwald (Köln) über die (gemeine sozialpolitische Lage.

Er sührte ans: In Deutschland setzte die industrielle Ent- ! tluug verh llnismüßig spät ein, dafür aber mit einer Ener- , wie m keinem anderen Lande. Die industriellen Lohnarbeiter ßten demiiaa) ein bedeutsamer Stand werden. Das Bürgertum ,id diesen Neubildungen meist verständnislos gegenüber. 'An­il dre Arbeiter^ zu politischer Mitarbeit heranzuziehen, überließ n sie ihrem Schicksal und damit der sozialdemokratischen Agi- wn. Die spairr geschaffenen Acbeiterversichcrungsgefetze hatten itc Arbeiter kreise mit der Gesellschaft nicht ausgesöhnt, well fe neben sozialer Fürsorge auch mehr Freiheit, mehr gesell- iftliche Rechte beanspruchten. Tie eigentliche Kulturarbeit in ntschland liege rinnst den Bundesstaaten und Gemeinden ob. ran konnten siel) bie unteren Klassen nicht beteiligen, weit icn infolge Pluto krettischec Wahlsysteme dec Zugang versperrt vesen sei. Diese BorhAtnisse hätten für die llassenkämpferische zialdemokratie ^den günstigsten NesonanzbodM gebildet. Lius n Gebiete des Fürsorge wesens sei in Deutschland durch die Gc- gebung mehr geschel-en als in irgend einem anderen Staate der :1t. Nur Fanatckec könnten dies bestreiten. In Deutschland ist er dritte Mann gegen Unfall, jeder vierte gegen Invalidität b jeder fünfte gegen Krankheit versichert. Das müßte dank- c anerkannt werden. Die sozialdeu^ lettische Agitation, die fe Leistungen alsBettelsuppenpolitik" verhöhnte, sei auss ärsste znrückzuweisen. (Lebhafter Beifall.-, Von dem Dank oder dank eines Teiles der nächsten Interessenten darf indes die it]d)e Sozialpolitik nicht abhängig gemacht werden. Deutsch- cd muß nicht nur um der Arbeiter Wüllen, sondern auch seiner bft ».-egen Sozialpolitik machen. Deutschland ist heute ein bercs Lund als bei seiner Konstituierung 1871. Damals zählte

40 Millionen Einwohner; heute sino es über 60 Millionen, auf demselben Flächenraum Erwerb suchen. In der Landwirt- aft lassen sich neue Millionen nicht unterbringen. Dadurch to die deutsche Industrie in steigenbem Maße gezwungen, im islande Absatzgebiete zu suchen. Schon im Jahre 1905 be- ig der Außenhandel Deutschlands über 14 Milliarden Mack

Wert. Wir unterschätzen nicht die Bedeutung des Kapitals in ter modernen Volkswirtschaft, wir erkennen auch an, daß deutsche llernehmer in den letzten Jahren ein hohes Maß von Jn- ligenz entwickelt haben, aber wir sagen auch anderseits, es ausgeschlossen, daß die deutsche Industrie rm Auslande weiter rdringen und ilyrc Position behaupten könne, ohne einen in- ligennm und fchasfensfreudigen Lohnarbeiterstand. (Beifall.) esen erhält man nicht dadurch, oaß man ihn niederhält, .sondern >em man ihr: als gleichberechtigten Stand in die Gesellschaft cordnet, auf sdstnn Boden dec loirtschaftlichen, politischen und fellschaftlichen Rechtsgleichheit mit den übrigen Ständen, ins- fondere mit den Unternehmern. Hinsichtlich der öffentlich-

538 (23).

h) Richtung nach Rodhcim n. d. Bieber (Biebertalbahn).

(600) (1020), (120), (62j i) Werktags, 85 Sonntags.

i) Landpofifahrten.

Steinberg und Grüningen (8«);

Wieseck und Altenbuseck 6w, (830e), (320), (ßi6);

Lützellitiden 7ö5, (420).

4. , Krofdori 7", (5->o).

Benn Postamt I treten die Schlußzelten im all­gemeinen ein: Für gewöhnliche Briefjendungen 10 bis 20 Minuten, für Einschreibbriefe 2530 Minuten, für Weri-

Parlameiitarisckes aus Dessert.

R. B. Darmjiadi, 2 z. Stt. -ter Verwarrungs- aesetzrevisionsausschuß trat heute vormittag unter Vorsitz des Abg. Dr. Gutfleisch zur Beratung der Städteordnung zusammen. Nach den Referaten der Abgg. Dr. Gl ä s s i n g und Dr. Fr e n a y trat der Ans­chuß in die Einzelberatung der Regierungsvorlage ein und erledigte sie bis Artikel 51. Die meisten Artikel wur­den nach den Vorschlägen der Regierung angenommen, bei anderen Artikeln vollzog der Ausschuß unwesentliche Ab­änderungen. Er ist vor allem bemüht, die bei Beratung der Lanbgetneindeordnung zur Annahme gelangten Wünsche der Ausschußmehrheit auch bei den analogen Bestimmungen der Städteordnung zur Durchsührung zu bringen, was mit mancherlei Schwierigkeiten verknüpft ist, bezw. Widerspruch indet. Der bemerkenswerteste der heutigen Ausfchußbe- ichlüsse ist der, daß der Ausschuß dem Vorschlag der Regie­rung im Artikel 43 mit kleiner Mehrheit zustimmte, die Geistlichen und die Volksschullehrer von der Wählbarkeit auszu schließen, wie das azrch schon either der Fall war. Ferner hat der Ausschuß beschlossen, der Bestimmung der Regierungsvorlage, daß im Dienst be­findliche Staatsbeamte, insoweit sie nicht von der Wählbarkeit ausgeschlossen sind, zur Annahme der auf sie gefallenen Wahl der Erlaubnis des vorgesetzten Ministe­riums bedürfen, keine Folge zu geben. Es soll also nach dem Beschluß des Ausschusses jeder gewählte und wählbare Be­amte ohne weiteres zur Annahme der Wahl berechtigt sein. (Ob sich die Regierung dieser Mänderung des Artikels anjchließen wird, erscheint sehr fraglich. D. Ref.) Der Aus­schuß wird seine Beratungen morgen und übermorgen fort­setzen.

Der Gesetzgebungsausschuß der 2. Kammer trat heute nachmittag 3 Uhr unter Vorsitz des 2lbg v. Bren­tano zu einer Beratung zusammen, in welcher er sich namentlich mit den Abanderungsanträgen zum Jagd- gesetzentwurs beschäftigte. Einen Hauptpunkt der Be­sprechung bildete der Art. 17 des Gesetzes, der die Aus­übung der Jagd auf Grund des bestehenden Gesetzes betrifft. Nach der Vorlage ist der Eigentümer von 75 Hektar Grvtndbesitz jagdberechtigt. Der Ausschuß war seinerzeit im Prinzip damit einverstanden. Inzwischen sind, insbesondere von Gemeinden mit Rücksicht auf die vorhandenen Mißstände Wünsche laut geworden. Ins­besondere wird beanstandet, daß die Jagdgrundbesitzer unter 75 Hektar keinerlei Anrecht auf dieses Recht haben, wübrmrd die Besitzer über 75 Hektar außerdem noch in verschiedener Beziehung, zum besonderen Nachteil der Kleine­ren bevorzugt seien, so auch bei der Gemeindesteuer. Hier werden nun verschiedene praktische Vorschläge gemacht. Am nächsten Donnerstag hält auch der dritte (Wahlprü- fungs- und Petitions-) Ausschuß eine Sitzung ab.

Das Referat über das Wahlgesetz in den Sitzunaen der Vereinigten Ausschüsse der 1. und 2. Kammer wurde dem Mitglied der 1. Kämmer Geh. Justizrat Professor Dr.

LauStndtlslcte von r)ieichswg nnb Bundesrat verlangt wird : 1) Ein­beziehung der Hausindustrie in die Versicherungsgesetzgebung, 2) Ausdehnung der Gewerbeinspektion auf die Haus'ndustrie, 3) Schaffung von Instanzen für ein Eiitigtntgs- oder Tariiamt zur Regcltmg von Lohn- und Arbeitsvechältmsfen in der Hausindustrie, dte mit dem Verhandlungszwang für beide Jnleressengrttppen aus­gestattet tverdeu müssen. Ferner wird verlangt G t e i ch ft e ll u n g d e s W a h l r e ch t s f ü r alle s o z i a 1 e rt I n st 11 u t e der Ar­beiter, Schaffung einer modernen Gesindeordnung, Verkürzung der Arbeitszeit für Fr art eit, Verbot der Frartcnarbeit in gesundheits- gesährlichen Zweigen der Industrie. Die Verhandlungen wurden dann geschlosjen.

Berlin, 22. Okt. Auf dem christlichen Arbeiterkongreß verlas der Vorsitzende Abg. Behrens eine Kundgebung desKaifers: Ich ersuche den Vorstand, dein ziveilett deutschen Arbeiterkongreß üir öen Ausdruck treuer Anhänglichkeit und nationaler Gesiniiung meinen wärmsten Tank auszusprecheii. Ich freue mich, daß auf dem Kotigreß eine solche ansehnliche Zahl patriotisch fühlender deutscher Arbeiter vertreten ist und wüttsche den Verhandlungen des Kongresses guten Eriolg zutn Segen der Arbeiterjchait wie des

Etlichen Stellung der Arbeiter ist Deutschland gegenüber den :isren modernen Külturftaaten noch r ü ck st ä n d i g. (Sehr richtig.)

Die letzten Jahre waren äußerst arm an sozialpolitischen istungcn; mit Ausnahme des Gesetzes betreffend die Kauf- cnnsgerichte sind große.Taten nicht aufzuweisen. Von den For- nuigen des Frankfurter Kongresses ist bisher noch keine ver- rklrckü- Die vorjährige Vorlage über die Rechtsfähigkeit^ der rritfdDcicine befriedigte keineswegs. (Sehr richtig.) Hinsichtlich s Konlitionsrechtes müssen die Frankfurter Forderungen nvch- lls unterprick-en iverden. Auch gegen den^ Kvalilionszwang, e er in dem Eherniegcaphen- und Bnchdruckergewerbe in Er­lernung tritt, muß Front gemacht werden. Enhveder müssen aus n Verträgen in den betreffenden Gewerben die Bestimmungen >er den Organisatiousztvang entfernt, ober aber alle Orgcmi- tionen, die die Verpflichtungen einer Vertragsgemeinschaft auf h nehmen, in diese einbezogen werden. Für die Arbeiter und ngesteiiten des Staates und der Gerneinden forderte der Frank- rter Kongreß das uneingeschränkte Ocganisationsrecht, Ziamit eje loyal ihre öffentlichen Interessen wahrnehmen und Selbsb- ilfc pflegen können. Gegenwärtig liegen, dem Reichstage Ge- tzentwäpe vor zum Hülfskassengesetz für gesetzliche Regelung r Zigarren- Hausindustrie, sowie die Novelle zum nterüüoungswohrrsitz. Ferner kärcdigte der ehemalige Staats- fretfir Graf Pofadvwsky in seiner Rede vom 11. April folgende otlagen an: Regelung der Vereins- und Versammlungsfreiheit, odifrkation der Svzialversicherungsgesetzgebung, Nachtruhe der rauen nach Maßgabe der Borner Konvention, Revision der Be- mtinungen über die Sonntagsruhe, zehrtstündiger AÄeitstaa der rauen, Witwen- rind Waisenversicherung. Der Verschmelzung r drei Arbeiterversicherungs'gesetze stehen große Schwierigkeiten tb auch BedeuSen im Wege. Anstatt Verichnrelzung wird man veckmäßig Vereinfachung zur Forderung erheben. Jnsbesorrdere weist sich eine größere Zentralisation der Krankenkassen, eine Mitwirkung der Arbeiter an der erstinstanzlichen,Rentenfestsetzung ü der Unfallversicherung als notwendig. Die Jnvalidenver- cherung leidet an einer zu bureaukroatischen Ocganisatiorr. Der hnstündige Maximalarbeitstag ist nicht mehr bloß auf die Frauerr l befchränken, nachdeur bereits alle modernen Kulturstaaten einen esetzlrchen Maxim«larbeitstag auch für Männer eingeführt haben, ine gründliche Aufbesserung der Gehälter der Beamten und lloatsangestelllen, insbesondere der rriedrig errtlohnten, ist eine um mgängliche Nottverrdigkeit. Für das große Heer der Privatbe- mten rst eine größere Sicherstellung unabweisbar. (Lebh. Berf.) lieber die nächsten Aufgaben der gesetzlichen So- ialreform sei das. Folgende hecvorzuheben: der deutschen lrbeitcrsck)utzgesef)gebung fehle eine einheitliche Zusammenfassung; e ist zudem mit der Wirtfchaftsentwicklung nicht fortgeschritten. )ie oeillfche Montanindustrie befindet sich auf dem besten We g e um Tru st. Solche großen Wirtschaftsverbände drohen em Staat im Staate zu werden. Die Vorgänge m Amertm follten ir Deutschland ein ivarnendes Beispiel sein. Der aimrtkamsche Präsident Roofevett käuipst zurzeit geradezu einen Berzweiflnngs- rmps gegen die Äusumchse der Trusts. Im speziellen seren fol- enbe neue Forderungen zu erheben: Die ock-asfung em^ wo* erneu Gesindeordnung, entsprechend unserer heutigen Rechtsan- chauung; für bte Hunderttausende in Deutfchland tüü6en Ans- Snbtr müßte ein Fremdenrecht Lefardert werden, das diese btt Stvetlfc und Ausfchrtititngen vor behördlicher Willkür ichutze, bei ex sozialen Wahlen sei allgeirrein das Pwpvrtivnalw,ü:m m Anwendung zu bringen und für die Kontrolle ^r Betriebe des )aitbcl^civerbcS Haritelsinspektzoren emzuführen. (Seifall.) tabe der auf dem Kongreß vertretenen Kvrporatwncn sei es, ür ihre weitere Ausbreitung energifch bedacht zu lein. ^a- ivit steigere sich ihe Einfluß ganz von selbst, )

nalb der bürgerlichen Parteien, zu denen slch dre christlich-natw- iale Arbeitcrwelt bekennt, sei eine energische Betätigung nst» vendig. Die Erfahrung der letzten Jahre sezeigt, daß ich die Arbeiterschaft auch außerhalb der Sozial-

von Paketen, f Beförderung von Briefen in geschlosseneii Beuteln, () Benutzung nur an Werktagen; alle nicht mit -} und bezeichneten Züge führen Bahnposten mit Briefkasten.) a) Richtung nach Frankfurt a. M.

245 51 * 5i9e, 6&i f, 82, 93^-, 10«, (125 i),

54, 5°b, 732, 822, 912, 922-

b) Richtung nach Cassel.

1237, 114-, 151, 422, 716», 81«, (1016,) 12 5, 130 5, ' 82., 922, 1112 *

c) Richtung uach Koblenz.

458 522, 810, 1240, (54 |), 556 822.

d) Richtung nach Köln.

4231 ß47, 817, (1239), (3^f), 612, 10±T.

e) Richtung uach Fulda.

ö»0 816 f, (12 6), (21« i), (315 f), (653 f), 922.

f) Richtung nach Gelnhausen.

544, 812 f, (1234), 54, (8£i).

g) Richtung uach Lollar-Grünberg.

dernvkratie Geltung zu, schaffen verntöge. (Beifall.) Bon den Mitgliedern der auf dem Kongresse anwesenden Kor­porationen gehören heute sieben Vertreter dem Reichstage, sechs dem preußischen, bayrischen und Württembergisckien Landtage an, unö wohl an 150 aus der christlich-nationalen Arbeiterbewegung tyertiorgegangene Abgeordnete sitzen in den Kommune- und Ge­meindeverwaltungen. Die gleichberechtigte Eingliederung des Lo hnarb eiter standes in die bürgerliche Ge­sellschaft vollzieht sich also zusehends. (Beifall.) Kleinlicher Parteizank findet auf dem Kongresse keine Stätte, ob­wohl die Delegierten sich zu den verschiedensten politischen Par­teien bekennen. (Beifall.) Von diesem Geist muß auch die praktische Wirksamkeit getragen sein, bann wird die Kulturmission gelingen, die brr christlich-nationalen Arbeiterbewegung Deutschlands harrt: Die Arbeiter materiell, geistig und sittlichenipor- zuhebennndsiezulebens frohen beut schenStaats- bürgecn zu machen. (Lebh. Beifall.) Die Lofung muß sein: Gegen Herren Menschen tum von oben, gegen Klassenkampf von unten, für sozialenFortschritt! (Lebh. Beifall.)

An den Vortrag Stegerwalbs über die allgemeine sozial­politische Lage schloß sich eine lebhafte DiLkufsion an.

Es waren eine ganze Reihe von Resolutionen eingegangen. Die eine beschäftigte sich mit dengelben" GeWerkscl)asten. Sie lautete: Der zweite deutsche Arbeiterkongreß erklärt sich als Vertretung der christlich-nationalen Arbeiterbewegung mit allem Nachdruck gegen die unter dem SammelnamenGelbe Ge­werkschaften" bekannten, in der Regel von Vorgesetzten ber Arbeiter oder Unternehmern gegründeten, daher auch von letzteren abhängigen, sogenanntenreichstreuen",vaterländischen", ober nationalen" Arbeitervereinigungerr. Andere Resolutionen for­derten die Einfützcung des Proportionalsyftenrs für alle ! ozialen Wahlen, ferner die Regelung ber Bergacbeiter- veühältnisse, einen Protest gegen die Maßregelungen von Steigern m Rheinland-Weftfalen, eine Protesterklärung gegen die Besteue­rung der Konsumgenossenschasten, die EirvsÜhcung des Reichstags­wahlrechts in allen Bundesstaaten, die Einführung eines freiheit­lichen Reichsvereinsgrsetzes und eine PcotcsterQärung gegen die Verschlechterung der Aroeiterversicherung durch Abschassung dec kleineren Renten. Mle diese Resolutionen wurden einer Re­daktionskommission überwiegen. Die Abstimmung erfolgt am ockKusse des Kongresses.

Im meuteren Verlauf der Verhanblungen sprach Richcrcd Dö­ring- Hamburg vom deutschnationalen H anblungsgehilfenver- bande überDie Sonntagsruhe". Er sühne aus: Im Laufe der letzten Jahre hat die Sonntagsgefetzgebung in einer ganzen Reihe europäisck)er Staaten bemeikeiisw.rte Ergebnisse ge­zeitigt. Oesterreich, Frankreich, Dänemark, Belgien, Spanien, Rumänien und die Schtveiz haben Sonntagsgesetze erlassen. Im deutschen Reiche dagegen haben wir im Lause der letzten fünfzehn Jahve keinen nennenswerten Fortschritt in der Sonntagsgesetz- gebung zu verzeichnen gehabt. Besonders bas Handelsgewerbe ist reif für die völlige Einführung ber Sonntagsruhe in Kontoren und offenen Verkaufsstellen. Durch Ortsstatute haben Frank­furt am Main, Stuttgart und Darmstadt bereits die

völlige Sonntagsru he für das Handelsgewerbe ein geführt. Aber neuerbing mehren sich die Gemeindeverwaltungen, die den Erlaß eines Ortsstatuts mit Rücksicht auf die bevorstehende reichsgesetz­liche Regelung ablehnen. Man erwartet, daß dem Reichstag dem­nächst ein entsprechender Gesetzentwurf zugehen wirb. Für das Vetkehrsgewerbe ist ein Sonntagsruhegesetz von größter Not­wendigkeit. So dankbar auch die Beschränkungen ber Sonntags­arbeit bei der Neichsposwerwaltung anzuerkennen sind, so viel bleibt hinsichtlich des Güterverkehces an Sonntagen auf den Eisen- balmen zu wünschen übrig. In der Schweiz erhält jeder Beamte und Arbeiter der Eisenbahn und alle sonstigen Transportangc- ftellten 52 freie Tage im Jahre, wovon 17 auf Sonntage fallen müssen. Diese Vorschrift kann sich das deutsche Reich zum Muster nehmen. Im Binnenschifsahrtsgewerbe fehlt die gesetzliche Re- lung der Sonntagsruhe noch völlig, obgleich die Sonntagsruhe für den Binnenschiffahrtsbetrieb ein dringendes Bedürfnis ist. Wahrend in den Häsen von London und Rotterdam die völlige Sonntagsruhe durchgeführt wird, wird in den deutschen Häfen, mit Ausnahme des ersten Weihnachtsfeiertages, an allen Sonn- mrd Festtagen in ber Ladung gearbeitet. Auch die Angestellten im Gast- und Schankwirtsgeiverbe entbehren noch völlig eines rechtlich gesicherten Anspruck)s auf Sonntagsruhe, obwohl schon im Jahve 1891 eine möglichst baldige Verbesserung dieser Miß­stände von der Negierung in Aussicht gestellt wurde. Der deutsche Kellnerbund fordert einen 36 s-ündigen Ruhetag für jede Woche, der alle vier Wochen auf einen Sonntag fallen muß. Der Redner verbreitete sich weiter über die Beseitigung der Sonntagsbäckerei, der Sonntagsschlachtungem in städtischen Schlacht- Höfen und erörterte die Stellung der Zuschneider zur Sonntags­ruhe, bei (Sonntagsruhe in Tischlereien, im Barbier- unb Fri­seurgewerbe, in der Gärtnerei, in ber Landwirtschaft, in der Hausindustrie usw. Am 26. Llpril b. I. forderte der Reichstag eine Beschleunigung ber in Aussicht gestellten Revision über bie Ausnahmen von dem Verbot der Sonntagsarbeit. Es sei sehr zu wünschen, daß dieser Reichstagsbeschluß scharf und schnell durchgeführt würbe, denn die unzähligen Ausnahmen, die jetzt noch die Sonntagsruhe aller Berufe durchlöchern, seien viel­fach überflüssig. Die Durckifühcung ber geschlichen Vorschriften kann durch bie Polizeibehörden, durch gebührende Bestrafung aller festgestellten Uebcrtretungcn sehr gefördert werden. Bisher eien aber die verhängten Geldstrafen säst immer sehr gering­fügig gewesen. Der Redner erörtert noch die christlich-nationale Bedeutung eines arbeitsfreien Sonntags und wies hinsichtlich der reäjten Verwendung des Sonntags daraus hin, daß bie Sonntagsfrage nicht nur eine Frage der Gesetzgebung, sondern auch eine Frage der Gesinnung sei. Die christlich-nationale Ar­beiterbewegung ist dazu berufen, unser Volk erziehen zu helfen zur Achtung vor dem Sonntag. Mag die sozialdemokrallfche Arbeiterschaft in neuerer Zeit die Verhandlungen auf ihren Parteitagen und Gewerkschastskongressen mit der Erörterung über die Arbeitsruhe am 1. Mai ausfüllen, unser Ziel ist ein höheres: wir kämpfen um bie Arbeitsruhe an den sämtlichen ^onntagen und den poften christlichen Feiertagen des Jahres. (Leohafter

das Referat schloß sich eine lebhafte Debatte an, in der die verschiedenen Redner für eine energische Förderung dcc Sonn­tagsruhe eintraten. , _

Die Besprechung wurde dann vertagt. Staatsnnnifter von Berlepsch dankte für die ihm bargebracfrten Sympathien und teilte mit, daß er mit dem Gesamtverbanix. der deutsch, nationalen Arbeiter und dem Zenttakverbar^e der Hirsch-Dunkec - scheii Gewerkvereine eine vertrauliche Besprechung gehabt hübe, um die bestehenden Differenzen auKzugleichen. . .Dec Erfolg sei aber gering gewesen. Das fei tebaueilufy ira die Arbeiter, bie auf nationalem Men sdehen, em^hm mühten daß cs bester sich zu vertragen, als sich zu 1 Magen Er i^rto ben ^uch ber Bersöhnung wiederholen und hoffe auf einen enblrchen Erfolg. (Lebhafter anhaltender Beifall.) v f w

Darauf wurden die Berl-andlungen auf Dienstag vertagt. Am Abend fand ein FesÄommers statt.