Ausgabe 
26.9.1907 Erstes Blatt
 
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Irfan pro Jahr 10 Marken der niedrigsten Lohnklasse/ also 10 x 14 = 1.40 Mk. oder 12 P f g. pro Mona t. Werden höhere Marken geklebt, so ist dies selbstverständlich rum Nutzen der Versicherten»

n Au s diese Weise können sich viele weibliche versickerte Personen eine Rente für ihr ganzes Leben sichern, die ein nicht zu unter­schätzendes Kapital dar stellt.

Die Arbeitgeber sollten nicht versäumen, ihre weiblichen Bediensteten auf vorstehendes aufmerksam zu machen.

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* Bluttaten. In Trier wurde der Inhaber des Cafe de Paris, Disteldorf, mit durchschnittener Kehle tot im Bett aufgesunden. Zahlreiche Wertgegenstände sind ge­raubt. Ein flüchtiger Metzgergeselle wird als nrutmaß- licher Mörder verfolgt. In Karlsruhe wurde die 15 jährige Tochter des Möbeltransporteurs Freier am Hauptbahnhof von dem gleichaltrigen Burschen Hill durch einen Revolverschuß in den Unterleib lebensgefährlich ver­letzt. Der Bursche wurde verhaftet. Ob Unvorsichtigkeit oder eine verbrecherische Absicht vorliegt, ist noch nicht sestgestellt. Aus Kalkutta meldet das Reuter-Bureau: Zwei Eisenbahnbcamte wurden in der Nacht auf der Reise nach Ost-Bengalen in einem Eisenbahnabteil von einem Bengalen, der mit einem großen Messer bewaffnet war, über­fallen und einer von ihnen bedenklich verwundet. Der Täter, der Rechtsanwalt ist und sich in guter Lebenslage befindet, wurde festgenommen.

* Infolge der Ueberschwemmungen sind in Spanien über 100 Personen getötet worden. Un­geheurer Schaden ist auf den Feldern, an Häusern und Vieh angerichtet. Viele Brücken sind fortgcrissen. Die Zahl der Opser ist wahrscheinlich noch größer, da viele Leichen sortgeschwemmt wurden und in dem sonst trockenen Flußbett viel fahrendes Volk kampierte. Viele retteten nur das nackte Leben. Ein Gendarm fischte eine schwimmende Wiege mit einem Säugling darin auf. Auch das Geschäfts- Viertel von Madrid litt stark unter dem Mangel an Wasser, Brot und Licht.

* Erdbeben. Aus Guatemala kommt auf dem deutsch- atlantischen Kabel die Nachricht, daß am Sonntag und Montag mehrere Erdstöße verspürt wurden. Zahlreiche, Wohnhäuser und einige Kirchen erlitten Beschädigungen; die Kaffeedistrikte wurden nicht in Mitleidenschaft gezogen.

*Wie We in fabriziert wird. Man schreibt uns aus der Pfalz, 25. Sept.: In der Wohnung des am Montag von der Strafkammer in Landau wegen Pantscherei zu zwei Monaten Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe verurteilten Weinhändlers Joh. Engel zu Hainfeld wurde ein Rezept gefunden, wie man 10 Fuder Wein macht: Man nehme 55 Kilo Milchsäure, 12 Kilo Weinsteinsäure, 18 Kilo Glyzerin, acht Kilo Ammoniak und acht Kilo Tannin, zusammen im Werte von 215 Mark; das Wasser kostet nichts. Engel hat seine Primamarken tat­sächlich nach diesem Rezept fabriziert. Die Landauer Straf­kammerrichter hatten kein Verständnis für dieseGottes­gabe", sie glauben nicht, daß sie imstande sei,des Menschen Herz zu erfreuen", und beschlossen, 42 000 Liter von dem Engelschen Nebenblut weglaufen zu lassen.

SUchte TageSchrouik.

In Siegest stürzten in der städtischen Gasanstalt 'stoei im Bau befindliche Retortervofen ein. Fünf Maurer wurden ver­schüttet: einer ist tot, die vier anderen schwer verlebt.

Auf der Rückfahrt hon einer Hochzeit verunglückte der Landwirt Hösbach aus Brei tau (KUrhefseir) 'mit Frau und Tochter dadurch, daß die Pferde durchgingen und der Wagen in einen tiefen Wassergraben stürzte. Frau Hösbach blieb auf der Stelle tot, während Tochter nnb Vater mit gebrochenen Gliedern hilflos liegen blieben. Infolge der nächtlichen Zeit dauerte es geraume Zeit, ehe den Verunglückten Hilfe gebracht wurde. Auch eine zufällig mitfahrende Frau aus Esckwege erlitt so schwere Verlegungen, daß sie in ein Hospital geschafft werden mußte.

In Mertenheim (Ostpr.) brannte eilte Baracke nieder, in der russische Arbeiter schliefen. Acht Personen sind tot. Viele schwer verlegt. Man vermutet Brandstiftung aus Rache, da die Russen mit den einheimischen Arbeitern in Unftieden lebten.

Beim Pferde handel in Großsachsen (Baden) waren Händler und Makler in Streit geraten, in dessen Verlauf der Makler Friedrich Teszler aus Heddesheim, nachdem er eine Tracht Prügel erhalten hatte, auf ein Pferd gebunden und dieses mit seiner lebenden Bürde durch den Ort gehetzt wurde. Teszler ist schwer verletzt.

Ein reichsdeutscher Tourist ist bei Seessaplana abge- stürzt und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Der Saatenftarrd im deutschen Reiche.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht den Saatenstand int Deut­schen Reich um Mitte September. Danach ist der Stand wenn 2 gut und 3 mittel bedemet, solgender: Kartoffeln 2,6, R(ee 2,7, Luzerne 3,0, Bewässerungswiesen 2,7 und andere Wiesen 3,0 Die entsprechenden Zahlen des Vormonats sind: 2,6, 3,0, 2,9, 2,6, 2,9. In den Bemerkungen heißt es: In großen Teilen des Reiches war die Witterung auch in der zweiten Halste des August noch vor­herrschend kühl und naß. Erst zu Anfang September setzte wär­meres, trockenes Wetter ein, das bis zu Beginn der Berichterstattung : Mitte September anhielt. Feldmäuse treten in verschiedenen Teilen des Reiches ungewöhnlich zahlreich aus und ver­ursachen in den Kartoffel- und Futterieldern, sowie auf den Wiesen zunt Teil erheblichen Schaden; sie drohen der neuen Saat ge^ähr- lich zu iverden. Die Berichte über die in Aussicht stehende Kartoffelernte lauten recht verschieden. Am ungünstigen ist der Stand der Kartoffeln im 9torben und Nordosten des Reiches, aber auch in Mitteldeutschland sind die Knollen vielfach klein ge­blieben ; besonders bei früheren, feineren Sorten sind die Kartoffeln zu nicht unerheblichem Teile erkrankt: anderseits darf im Rhein­land und in Süddeutschland, ausgenommen in Elsaß-Lothringen, wo anhaltende Trockenheit stellenweise dem Wachstum geschadet hat, auf eine gute Ernte gerechnet werden. Die zweiten und dritten Schnitte von Klee und Luzerne, deren Aberntmtg fast überall beendet ist, haben vielfach, teils infolge Nässe und Klälte, teils wegen der Trockenheit, nur mitlelmäßige oder geringere Ernte geliefert; da­gegen stehen Jungklee und junge Luzerne meist gut. Die Grummet- ernte ivar Mitte September int vollen Gange, in manchen Gegenden schon beendet. Dank dem trockenen Wetter der beiden letzten Wochen läßt die Güte des G r u nt mets nichts zu ivünschen übrig,

umsoinehr vielfach die Menge.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 25. Sept. (Telegr. Orig.-Bericht desGieß. Anz."). Aintl. Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 540 Ochsen, 125 ans Oesterreich, 68 Bullen, 0 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 949 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Dänemark, 427 Kälber, 147 Schafe und Hammel, 00 Schafe aus Oesterreich, 10 Ziegen, 1347 Schweine. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 8288 Mk., 2. Qual 7477 Alk., 3. Qiiäl. 6669Alk.; Bullen l.Qnal. 71 biS 73 Alk., 2. Qual. 6668 Alk.; Kühe 1. Qual. 7476 Alk., 2.Qual. 6971 Alk., 3. Qual. 60- 63 Alk, 4. Qual. 0000 Alk., 5. Qual. 0000Alk. Kälber: 1. Qual.9295 Pfg., Lebendgewicht 5457 Pf., 2. Qual. 8286 Pfg., Lebendgewicht 4751 Pfg., Schlacht­

gewicht 60-62 Psg. Schale: 1. Qual. 84-00, 2. Qual. 78-80 PfstM 3. Qual. 0000 Psg.: Schweine 1. Qual. 67-00 Pfg., LebdgewI 53.0000.00 Pfg., 2. Qu. 65- 66 Psg., Lebendgew. 52.5000 Pfg., 3. Qual. 58-60 Psg. Lebendgew. 00 Pfg. Geschäft bet Horn­vieh mittelmäßig, Ueberstand unbebeutenb; bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. Bei Ochsen ans Oesterreich Uebernotiz.

llttetßdit der TodksMk in ckrZlndt Licken

36. Woche. Vom 1. bis 7. September 1907.

Einwohnerzahl: angenommen zu 30 000 linkt. 1600 Alaun Militär.) Sterblichkeitsziffer: 13,86 °/0A, nach Abzug von 4 Ortsfremden: 6,92 °/on.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene:

im bensjahr:

vorn

2.15. Jahr

Angeborener Lebens-

1. Le

schwäche

KD

1 (1)

Lungentuberkulose

1

1

Herzfehler

1

1

Gehiruschlag

1

1

Magendarmkatarrh

2 fl)

1(1)

1

Selbstmord

1 (1)

1 (1)

Verunglückung

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Summe 8 (4)

4 (2)

2 (2)

2

Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, tvie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit atü von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Fan«,lten-Na., achten.

Verlobte: Fräulein Enima Baumann (Kirtorf) mit Herrm Ernst Tetzner (Weddingstede).

Geborene: Herrn Wilhelm Schwarz und Frau in Fried­berg ein Sohn.

Gestorbene: Frau Susanne Schuldt in Staden. Frei­frau Emma Schenck zn Schweinsbera in Schweinsberg.

Telefonisch©

des Giessener Anzeigers, mitge und Imlusti

Frankfurter Hör 3^% Reichsanleihe . . 93.55 3% do. . . 83.80 3X % Konsols .... 93.80 3% do. .... 83.70 3%°/0 Hessen .... 92.50 3X°/o Ober!)essen . . . 92.00 4% Oesterr. Goldrcnte . 98.05 4l/6 % Oesterr. Silberrente 98 10 4% Ungar. Goldrente . . 92 90 4% Italien. Rente . . . 102.30 3% Portugiesen Serie I . 65.60 3% Portugiesen III 66 50 4/4°/o russ.Staatsanl. 1905 92 30 4H°/n japan. Staatsanleihe 90.75 4% Conv. Türken von 1903 93.10 Türkenlose 146.40 4% Griech. Ilonopol-Anl. . 48.50 4% äussere Argentinier . 85 50 3°/o Mexikaner < . ..

4^°/o Chinesen .... 95.50

Aktien:

Bochum Guss 216.50 Buderus E. W. .... 120.50 Tendenz : fest.

Berliner Börse,

Canada E. B 164.20 Darmstädter Bank . . . 126.75 Deutsche Bank .... 231.40 Dortmunder-Union C. . . 69.65 Dresdner Bank . . . 142.20

Tendenz: sehr fest.

Kursberichte

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

«e, 26. Sept., 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 122.75

Elektriz. Schuckert . . . 105.25- Eschweiler Bergwerk . . 222.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 207.50 Hamburg - Amerik. Paketl 129.75 Harpcner Bergwerk. . . 210.00 Laurahütte...... 230.00

Nordd. Lloyd .... 113.00 Oberschles. Eisen-Industrie 108.00 Berliner Handelsgcs. . . 157.00 Darmstädter Bank . . . 127.70 Deutsche Bank .... 232.70 Deutsch-Asiat. Bank . . 139.30 Diskonto-Kommandit. . . 174.90 Dresdner Bank . . . 143.20 Kreditaktien 201.60 Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn 93.90

Gotthard bahn .... 188.00 Lombard. Eisenbahn . . 30.50 Oesterr. Staatsbahu . . . 141.30 Pnnce-Hcnri-Eisenbahu . 131.00

6. Sept. Anian gskurse.

Harpen er Bergwerk. « . 207.20- Lanrahütte .... 229.60 Lombarden E. B. ... 30.60 Nordd. Lloyd 112.701 Türkenlose ..... 146.30