Ausgabe 
17.12.1907 Erstes Blatt
 
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Dienstag 17. Dezember 1907

157. Jahrgang

Erstes Blatt

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B» General-Anzelger für Oberheffen

tüi t>i< lageenumniet ttotasionrdruck ttttd yErlag der Vrübl'schen Univ^Vuch' and Steinörutferel B. Lange. Redaktion. Expedition und vruckereit Zchulftratze 7. ^llaetaenlni h veck.

bis oorrnUtaqs 10 Uhr. * __ ____

em Sultan Abdul Asis seine

Muley

wo es

erscheint.

Zivelschenbäumen 21 500

Zwetjchenbäumen 10 900

zus. 30 000 Stück Gemeindeobstbäume.

54 665 Mk.

102 520 ,

179 230 ,

180 400 , 6 480 ,

44 505 .

45 100 Stück 8 500 , 9 200

Unterwerfung angeboten habe, vorausgesetzt, daß dieser sein gegenwärtiges Ministerium entlasse.

12 500 Stück

3 800 r 2 800 ,

in den Orten deS Greises Alsfeld Büdmgen Friedberg Gießen Lauterbach Schotten

tragbaren Apfelbäumen

, Birnbäumen

, Klcschbäumen

Geiiiemde-Apselbäumen Birnbäumen Klrschbäumen

zu,. 84 300 Stück Gemeindeobstbäume.

Daraiis Obstversteigeriingserlös in den 6Jahren 18991905:

Skandalszenen im österreichischen Abgeordnetcnhause.

Im Avgeordnetenhause kam es geftern zu Srandalszenen, wie sie bisher noch nicht vorgekommen sind. Die Sitzung be­gann mit einer Kundgebung des Präsidiums gegen den ungarischen Ministerpräsidenten Weierle. Tie R u t h e n e n begannenzulärmen. Mehrere Abgeordnete, die mit großen Pfeifen versehen waren, begannen zu pfeifen und mit den Pultdeckeln zu schlagen. Der Ruthene Baczynski riß seinen Pultdeckel ab und warf ihn in den Saal in der Richtung nach dem Präsidenten. Tas schwere Ge­schoß verletzte zunächst den tschechischen Abgeordneten Koschetz leicht am Kops und traf dann mit voller Wucht den Slo­wenen Benkoviez an den Kopf. Dieser brach bewußtlos zusammen und wurde von mehreren Abgeordneten in einen Nebensaal getragen, wo ihm die erste Hilfe geleistet wurde. Die Christlich-Sozialen stürmten nun gegen die ruthenischen Abgeordneten und es kam zu einem Handgemenge. Au Verlangen einiger Abgeordneten begab sich Baczynski zu Benkovicz und bat ihn um Entschuldigung. Er erklärte, er habe ihn nicht treffen wollen.

in der Provinz 567 800 Mk.

In den Gemeinden des Kreises Gießen stehen an tragbaren

Viel ist es nicht, waS hier verheißen wird, aber es ist doch immerhin etwas und es ist zu hoffen, daß auch die Redakteure in absehbarer Zeit dasselbe Recht der Zeugnis­verweigerung erhalten, wie es jetzt schon die Geistlichen, Aerzte und Rechtsanwälte genießen.

Neue Unruhen in Persien.

Bei Sonnenuntergang wurde am Sonntag im persischen Parlament mitgeteilt, daß der Schah den Premierminister und den Minister des Aeußem, welche ihre Demission eingereicht hatten, sowie den Gouverneur von Schiras habe verhaften lassen. Im Lause des Nachmittags begab sich eine große Volksmenge, darunter zahlreiche Bewaff­nete vor eine Moschee in der Nähe des Parlaments und protestierte gegen die Hinrichtung von Sol­daten, die bei den jüngsten Unruhen verhaftet worden waren. Umzüge sanden statt, wobei Revolverschüsse gegen das Parlament abgefeuert wurden. Infolgedessen wurden dort die Tore sofort geschlossen und scharfe Patronen an die Wachtposten verteilt. Ter Schah und mehrere volks­tümliche Persönlichkeiten versammelten sich, um i'tber die Lage zu beraten. In Mamidan fand eine Versammlung von Kosaken, Kavallerie und Infanterie statt, in welchen Priester Ansprachen hielten.

Der deutsch-englische Zwischenfall im Persischen Golf.

G-iiie ganz neue Verton über die Vorgänge auf der Insel Adu-Musa teilt der LondonerS t a n d a r d" mit. Tie Insel gehöre dem Scheich von Scharga, der, wie seine Väter seit fast hundert Jahren, unter britischem Schutz stehe und die feierliche Verpflichtung eingegangen sei, mit keiner fremden Macht einen Vertrag über das Gebiet abzuschließeu oder eine Gebietsabtretung einzuräumen. Nun habe vor einiger Zeit der Scheich drei Eingeborenen, von denen einer sein Untertan gewesen sei, eine Konzes­sion für Bergbau erteilt. Zwei dieser Leute hätten dann ohne Zustimmung des Dritten, der der Hauptteilhaber ge­wesen sei, ihre Anrechte an die deutsche Firma Wönck- haus u. Eo. abgetreten. Der dritte Teilhaber habe dagegen entschieden aber vergeblich Einspruch erhoben, und man nehme an, daß der Scheich im Namen seines Untertans die britische Regierung als Schutzmacht ersucht habe, einzugreisen. Hier wird also die Mitwir­kung englischer Behörden bei der Verdrängung der Deut­schen von der Insel zugegeben. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin wird derMagdeb. Ztg." offiziös fol­gendes mitgeteilt: Die erste telegraphische Nachricht über den deutsch-englischen Zwischenfall im Persischen Golf traf auf der deutschen Gesandtschaft in Teheran in dem Augen­blick ein, als Unterstaatssekretär Stemrich, der bisherige Gesandte, sich anschickte, Teheran zu verlassen. Tie sofort eingeleitete Untersuchung der Angelegenheit wird durch den Ge.chäftsträger Frhrn. v. Richthosen fortgesetzt. Wenn private Nachrichten über die Angelegenheit früher nach Deutschland gelangt sind, als amtliche Berichte, so liegt dres daran, daß letztere den Weg über die Gesandtschaft in Teheran nehmen müssen. Sobald in Berlin der Sach­verhalt vollständig bekannt ist, wird die Auseinandersetzung mit der englischen Regierung nicht auf sich warten lassen. Es besieht kein Grund, daran zu zweifeln, daß diese Aus­einandersetzung aus beiden Seiten in freundschaftlicher Weise geführt werden wird.

Milderung des Zeugniszwanges gegen die Preffe.

TieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: In der Frage der Anwendung des Zeugniszwanges hat der Herr Reichskanzler das nachfolgende Schreiben an die

Aus Stadt und Land«

Gießen, 17. Dez. 1907.

Gemeinde-Obstarrlageu.

Am Freitag abend hielt in Bersrod Obstbautech­niker Wiesner von Friedberg einen anregenden Vortrag. Herr Wiesner bringt den Ge m e i u d e o b st­au l a g e n, die man, wie er erzählte, in seiner Heimat Schlesien nicht kennt, und die er zuerst in solchem Umfange in Oberhessen kennen lernte, großes Interesse entgegen. Er unterzog sich der mühevollen Arbeit, an sämtliche Bürger­meistereien der Provinz Oberhessen Anfragen zu richten über Zahl der Gemeindeobstbäume und ihre Erträgnisse in den sechs Jahren von 18991905 und die erhaltenen Zahlen statistisch zu verarbeiten. Tie Ergebnisse brachte er nun in seinem Vortrage. Redner verstand es, dem trockenen Zahlenmaterial die interessante Seite abzugewinnen. Er zog folgerichtige Schlüsse aus den Zahlen und gab zu­gleich praktische Winke, so daß die gut besuchte Versamm­lung sehr befriedigt war. Für weitere Kreise, besonders für Obstbausreunde, wird es nicht ohne Interesse sein, einige Zahlen, die gerade unseren Kreis angehen, zu hören. In allen Orten der Provinz stehen an

Bundesregierungen gerichtet:

Berlin, 9. Dezember 1907. Tie Tatsache, daß in Straf­verfahren von der Befugnis, zur Erzwingung des Zeug­nisses die Hast anzuordnen, mitunter in Fällen Gebrauch ge­macht wird, in denen die Anwendung des Zwangsmittels nach der Lage Einzelsalles weder der Bedeutung der Sache, noch zu dem voraussichtlichen Ergebnis der Maßnahmen in dem richtigen Verhältnis steht, hat schon häufig zu unliebsamen Erörterungen Veranlassung gegeben. Daß die Gerichte in solchen Fällen die Grenzen der ihnen übertragenen Befugnisse formell einhalten, kann zur Rechtfertigung des Verfahrens nicht dienen, denn die Gerichte sind durch die gesetzlichen Vorschriften nicht genötigt, das Zwangsmittel in jedem Fall zur Anwendung zu bringen. Das Gesetz überläßt alles ihrem verständigen Ermessen. Es liegt daher ganz im Sinne des Gesetzes, wenn die Gerichte von threr Befugnis nur da Gebrauch machen, ' den Umständen des einzelnen Falles unerläßlich ^enn dies stets geschähe, würden Mißgriffe ver­mieden werden, wie dies zuweilen vorkommt. Es herrscht wohl Einverständnis darüber, daß in der neuen Strasprozeß- v r d n u n g hier eine wirksame gesetzliche Abhilfe ge­schaffen sein wird. Ich habe deshalb in dem Entwurf eines neuen Strafgesetzes, welches dem Bundesrat deinnächst zugehen wird dahin gerichtete Bestimmungen ausnehmen laßen. Aber auch abgesehen von diesem gesetzgeberischen Einschreiten, sollte, wie ich meine, in der Weise dahingewirkt »verden, daß Nie­mals ohne gebieterischen Anlaß von dem durch das Gesetz zur Verfügung gestellten Zwangsmittel Gebrauch gemacht werde. Wenn die Staatsanwaltschaften daraus htn- aewiesen würden, stets bei der Stellung von Anträgen aus Anordnung der Zwangshaft Zurückhaltung zu üben, aber auch den Gerichten gegenüber die Bedenken, welche gegen die Anwendung der Maßregel nach Lage des Etnzelsalles sprechen, regelmäßig geltend zu machen, so mochte sich nne größere Vorsicht bei der Anwendung des Geietzes wohl erreichen kassen ohne daß der Unabhängigleit der Gerichte zu nahe, ge­treten wird. Ich lväre dankbar, wenn diese Anregungen bet den etnwlnen hohen Regierungen eine entgegenkonimende Würdigung finden und, ivo dies angezeigt erscheint, zu entlprechenden An- pmiunsen an Die »uftäniiaen Instanzen

Der Fall Günter. x

Der Fall des Prv,c,,ors oer Philosophie Günter in Tübingen, bei dem es sich in der Hauptsache darum handelte, daß Günter aus Einwirkung der geistlichen Be> uörde eine bereits angetUnlugie Vorlesung über Legendem sorschung nicht gel-allen hat, ist leidlich im Saute oer Unabhängigteit der Forschung und der vvm Staate er­nannten Universitätslehrer von dem wurUembergis^en Kul­tusministerium erledigt Worten. Darüber ei..e beson­ders große Freude zu empsiuden, eriajejit nicht geboten. ES wäre schlimm, wenn man es schon als einen Steg der Geistessreiheit in deutschen Landen betrachten wollte, daß der Staat derartigen Eingrissen entgegen.r.ti. Im G.und- atz hat das luürt.eniber^iiuje Kultusministerium durchaus anerkannt, daß der Bsia-ch, wenn sich in Zukunft be. dett Lehroortragen eines nut Vorlesungen sur katholische ^ouvittsoöglmge ßeauiiECßicn Lehrers oer Uiuversi ö. Be­renten wegen Ge.ichr^ung dm religiösen Erziehung der Kouvillszögtarge ergeben sollten, )oU,e Bedenken zur Gel­tung briitgen türm, nur soll er sie zur Kenntnis des 'Piittistertuttts bringen. B.i.u Vamüg-u begründeter Be­schwerde soll dann jurAbhille" gesorgt lueroen. Also auch dieser Fall ist gerade in seiner Erledigung ein Beweis lür die gruiiosütztmie Abhängigkeit der lathotischen Unü oersilätssorschung vom B.schoje.

Vetttkcdes Reictz.

Berlin, 16. Dez. Bei den heutigen erstmaligen Stadtverprdnetenwahlen in der neuen Stadt Lichtenberg bei Berlin wurden in der dritten Abteilung, wo 16 Stadtverordnete zu wählen waren, 15 Sozial­demokraten gewählt.

München, 17. Tez. Das Grabdenkmal für Hermann Schell wird, wie das Komitee mitteilt, au jeden Fall zur Ausstellung kommen. Diese ist im Herbst 1908 zu erwarten.

Der ErzbischosvonMünchenhat über einzelne Vorlesungen an der Münchener Universität, selbst über solche, die von Prosessoren gehalten werden, die durchaus keine Modernisten sind, die Sperre für die katholischen Studenten der Theologie ver­hängt. Tie Seminarleitung und einzelne Diözesanen be­treiben eine eifrige Bewegung gegen die fortschrittlichen Theologen.

' Wie dieMünch. N. N." hören, haben der verstorbene ehemalige Kriegsminister Freiherr von As ch und der Justiz­minister von Miltner bereits imJahre 1906 ihren Austritt aus dem Flottenverein erklärt, weil sie mit der Stellungnahme der EBereinsleitung gegen die Marinever­waltung nicht einverstanden waren. Weiter hört das ge­nannte Blatt, daß der Präsident des Deutschen FloUeu-

Vereins Fürst Otto $u Salm sein Amt nieder, legen wolle.

Stuttgart, 16. Tez. TerSchwäbische Merkur^ erNärt die Meldung von dem angeblichen Beitritt des württembergischen Flottenvereins zu Bayerns Stellungnahme als eine unbegründete Vermutung Tas Blatt konstatiert, daß seitens des würt­tembergischen Landesausschusses in der ganzen Angelegen­heit noch keinerlei Erörterungstattgesunden hat.

Hamburg, 16. Tez. Ter Direktor in der Ham- burg-Amerika-Linie Kapitän z. S. z. T. v. Gram­me beab|Ul)tigt, Ende 1908 aus der Gesellschaft auszu- .cheiden, um die Bewirtschaftung seines jüngst an­getansten Gutes zu übernehmen._____________

Ausland.

Tie Morgenblätter melden aus Warschau: Nach einer Meldung des halbamtlichenDnewnik" drangen am Samstag drei Bewaffnete in das Lokal des deutschen Jagdklubs ein, warfen die B üsten der Kaiser ö- r i e b c i d) III. undWilhelmII-zumFensterhin- aus und enttarnen. Aus Warschau wird ferner be­achtet, daß die dortige Polizei alle Versammlungen, die die Polen einberufen hatten, um zum Boykott deutscher Waren auszufordern, strengstens unter- sagte.

Tarnowo, 16. Tez. Eine hier abgehaltene Ber- trauensmannerversammlung der polnischen Volkspartei be­schloß, gegen die von der preußischen Regierung geplanten Maßnahmen gegen die Polen energisch Protest zu erheben, die polnischen Arbeiter au^zufordern, deutsche Gegen­den in Zukunft zu meiden und geg.cn Preußen alle nur möglichen wirtschaftlichen Re­pressivmaßregeln in Anwendung zu bringen. Außer­dem werden die polnischen Abgeordneten aufgefordert, im Parlament gegen den Dreibund vorzugehen. ^Vergü Artikel.)

Petersburg, 16. Tez. In der heutigen Verhand­lung des Prozesses wegen der Uebergabe von Port Arthur erregte eine Mitteilung des angeklagten Gene­ralleutnants Smirnow Aufmerksamkeit, daß, um die Mntschau-Positionen zu halten, die ganze 4. Division ge­opfert werden mußte. Smirnow sagte ferner aus, daß er mit fünf Regimentern imstande gewesen wäre, Port Arthur zu hallen. Im weiteren Verlause der Verhandlung berich­teten Augenzeugen des Kampfes, daß bei den Regi­mentern allgemeine Niedergeschlagenheit geherrscht habe»

Tanger, 16. Dez. Briese aus Rabat melden, daß

Die heutige Ztummer umfaßt 14 Seiten.

politifd?c Lagczscha».

Die Erkrankung der Zarnr.

DaSBerl. Tagebü" meldet aus Petersburg: Aus garsloje Sselo verlautet, daß der Zustand der Zarin Ale­xandra gestern besonders ungünstig war. liebet die Ur­sache der Syrantung der Zarin lausen in Hof kreisen zwei Versionen um. Nach der einen hat die Zarin eine Ent- feüungötur gebraucht, die sie derart schwächte, daß die Influenza günstigen Boden sand. Nach der anderen Ver­sion soll die Zarin mehrere nicht ganz frische Austern gegessen haben, die den Fieberzuftand hervor- riejen. Es fleht fest, daß die Zarin weder an dem Namens­tag des Zaren zur Parade noch zur Kur erscheinen wird. Es wäre entsetzlich, wenn nun auch die Zarin als ein Opfer der im höchsten Maße unhygienischen Zustände am Zarenhose betrachtet werden müßte, über die wir gestern eine recht anschauliche Schilderung veröffentlichten.