Nr. 120
Erscheint täglich außer Sonntag«.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- blätter viermal in d.
Woche beigelegt und zweimal wöchentlich das Kreisblatt für den Kreis Sieben. Fernsprech-An- schtuß s. d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse Mr Depeschen: «uzciger Gieße«.
Samstag 25. Mai 1907
Erstes Blatt
157. Jahrgang
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdruck und Verlag der VriMschen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7.
.GerichtSsaal^: Ernst
'e p e 6; Mr den Q,,a- zeigenteil: Hans Beck
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?re heutige Aummer umfaßt 16 Seiten,
politische Lagerscha«.
Herr von Stadt.
W ist, wie einer unserer Berliner Mitarbeiter hört, wenig wahrscheinlich, daß der Kultusminister Dr. v. Studt wirklich seine Absicht, vor der Herbsttagung des Parlamentes von seinem Posten zurückzutreten, ansgcgcben haben sollte. Man geht wohl nicht fehl, wenn man solche Gerüchte auf den Einfluß des im Kultusministerium. allmächtigen Direktors Dr. Al th o f f zurücksührt, der inzwischen von seiner Erkrankung genesen ist und den Wunsch hegen mag, Herrn von Studt, unter dessen Regime er nach Belieben schalten und walten konnte, noch so lange wie möglich im Amte belassen zu sehen. Wer aber auch dazu berufen werden mag, Herrn v. Studts Nachfolge zu übernehmen, — er wird des Rates des allbewcrnderten, mit eminenter Arbeitskraft und Geschäftskenntnis ausgerüsteten Ministerialdirektors umso weniger entraten tomtcn, als Exzellenz Althosf sich auch des Vertrauens des Kaisers in ungewöhnlichem Maße erfreut. Selbstverständlich wird sich der Rücktritt des Herrn von Studt ans dem politischen Leben in allen hergebrachten Ehren vollziehen, lieber seine Nachfolge steht zurzeit noch nichts fest, — auch nicht, ob Dr. Ad ick es, der Frankfurter Ober-Bürgermeister, für sie in Frage kommt.
Es dürfte übrigens wenig bekannt sein, woher die enge Freundschaft, eine Duzfreundschaft, des ^Kultusministers von Studt und des Ministerialdirektors Dr. Altstoff stammt. Sie ist sehr alten Datums, denn sie wurde zwischen ihnen geschlossen, als sie — beide nähern sich den Siebzig — gemeinsam die Universität besuchten und der gleichen stu- dentischen Verbindung angehörten. T-cunals lvor der Studiosus Studt — — der Leibsuchs des Studiosus Althoss! Hieraus erklärt sich, wenigstens zum Teil, das Uebergewicht, das der Ministerialdirektor stets über den ihm vorgesetzten, jetzt scheidenden Minister gehabt hat.
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Die Stichwahlen in Oesterreich.
Das Resultat des Stichwahltages zeigt, daß es den bürgerlichen Parteien gelungen ift, die Verluste vom Hauptwcchltage wenigstens einigermaßen loettzumachen, obwohl die Sozialdemokraten 28 Mandate gewonnen haben und 82 Mann stark in den neuen Reichsrat einziehen werden, Ihnen gegenüber steht als stärkste deutsche Partei die christlich-soziale mit 66 Mandaten, denen sich noch die Oberösterreichij'chen und Salzburgischen Klerikalen anschließen werden, sodaß der „christlichsoziale Klub" 97 Mitglieder zählen wird. Die liberalen Parteien — Deutsche Bolls- und Fortschrittspartei — brachten es auf 49 Mitglieder, während die Deutschnativnalen — Alldeutsche , (Schöner ianer >, Freialldeutsche und Deutsche Agrarier 32 Angehörige zählen. Aus Seiten der nichtdeutschen Parteien Haban die Tschechen die meisten Vertreter auszuweisen, die sich allerdings in 5 Altischechen, 33 tschech. Agrarier, 11 klerikale und 1U radikale Tschechen zersplittern. Ter Rest teilt sich in Italiener, Rumänen, Jtroaien, Serben, Slovenen, Rulhenen, Polen usw. usw. Die klerikal- s l a o i s ch e Mehrheit ist eben zur Tatsache geworden. Hoffentlich wird das kräftig vertretene christlich soziale Element dafür sorgen, daß namentlich die slavischen Bäume nicht in den Himmel wachsen.
Ein Ereignis während der Wahlbewegung war das Manifest der tschechischen Sozialdemokraten, in dem sie im Grunde nichts anderes besagten, als daß ihnen das nationale Hemd näh er liege, als der kosmopolitische Rock. Noch deutlicher: erst kommt der Tscheche, dann der „Genosse". Die Sozialisten wollckn vor allem im nationalen Punkt kuriert sein. Hier fallen sogar die Schrcuiken zwischen ihnen und den Jungtschechen. Wie anders steht demgegenüber unsere bewußt internationale deutsche Sozialdemokratie da! Aber man sieht, die nationale Frage in Oesterreich lebt und läßt sich durch noch so geschickte Wahlkreisgeom^trie nicht aus der Welt zirkeln. Das neue österreichische Wahlrecht hat mit dem alten Schlendrian der Privilegien- und Interessenvertretung gründlich aufgeräui t und den freilich recht oft zweifelhaften Willen der Wählermassen automatisch zum Ausdruck gebracht hat. Aber die alte unheilbare Krankheit unseres Dreibundbruders, der Nationen- und Natiönchen- zwtft, ist nicht beseitigt. Die bleibt mehr oder minder latent und wird immer wieder in allerlei Geschwüren ausbrechen. *
Tas goldene Zeitalter der Landwirtschaft.
Man schreibt uns:
Bei der Hochflut der zurzeit tagenden Kongresse und Versammlungen findet manches dort gesprochene Wort nicht die wünschenswerte Beachtung in der Oefsentlichkeit. Deshalb erscheint hier und da ein besonderer Hinweis am Platze. So beispielsweise auf die in Wien versammelten Vertreter der „grünen Jnternptionale", auf den landwirtschaftlichen Kongreß. Er wurde eröffnet durch einen Vortrag des agrarischen Hochschutzzöllners und früheren französischen Ministerpräsidenten Jules Msline über das „goldene Zeitalter der Landwirtschaft", für dessen Wiederkehr nach seiner Meinung sichere Anzeichen vorliegen. Die „Dtsche. Tageszta.", das Organ des Bundes der Landwirte, erklärt sich nicht in der Lage, mit Meline übereinzustimmen; erblickt ihr durch eine allzu rosenrote Brille in die nahe agrarische Zukunft. Prüft man indessen die Melineschen Darlegungen objektiv und an dem Maßstab der agrarischen Erwerbsverhältnisse in Deutschland, dann muß man ihm in der Hauptsache beipflichten.
Es ist unbestreitbare Tatsache, daß der Betriebsgewinn in der Landwirtschaft steigt, und ein intelligenter fleißiger Landwirt kann heutzutage nicht bloß sicher sein Leben fristen, sondern auch zu einer gewissen Wohlhabenheit gelangen. Jeder gönnt dies dem Bauernstände, denn es ist niemand so töricht, die Gefahren einer treibhausartigen Entwickelung des Industrialismus in Deutschland zu verkennen. Selbst ein mit seiner ganzen politischen Persönlichkeit im Industrialismus wurzelnder Mann wie Bebel würdigte in einer seiner letzten Reichstagsreden den Wert einer blühenden Landwirtschaft für die körperliche Entwicklung der militärpflichtigen Jugend, weil die Tauglichkeitszifser fortgesetzt zurückgeht. Steht also die Besserung der landwirtschaftlichen Rentabilität fest, so erscheinc ihr Bestand allerdings nur gesichert durch befriedigende Lösung der L a n d a r b e i t e r f r a g e. Es ist damit nicht getan, daß Grundbesitzer und Bürger in größerer Zahl wieder der Scholle sich zuwenden; die heimischen Arbeiter müssen folgen, damit nicht mit gutem deutschen Gclde die slawischen Kriegs lassen gefüllt werden.
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Die „Damuka".
R. Berlin, 24. Mai.
Tie „Damuka", eine exotisch klingende Abkürzung für die Deutsche Armee-, Marrne-und Kolonial-Äusst el- lung üt Berlin, steht unter dem Protekwrat des Kronprinzen, und dem vorbereitenden Komitee gehört eine Reihe glänzender und bekannter Namen an. Diesmal, so hoffte man, werde eure ernsthaft zu nehmende Ausstellung großen Stils erstehen, Belehrung, Anregung in Hülle und Fülle bietend. Es sei gern zugegeben, daß der Will^, eine solche Ausstellung zu schaffen, bei den Leitern vorhanden war. Mer wie kommt cs nur, daß bei fast allen neueren Berliner Uniamebmungen dieser Art der Wille sich nicht durchzusetzen vermag? Daß s v v i c l Un fra u t unter den Weizen gesät wird, daß allerlei in der Ausstellung sich breit macht, ihre Zwecke und Absichten verwischt, das absolut nicht hin e in g c frört? Weitere Ausstellungen, die in Berlin veranstaltet wurden, wie die Hygiene-, die Unfallverhütungs-Ausstellung, sind in Erinnerung; ihnen fehlten auch die auf das Vergnügen und die Erholung der Besucher gerichteten Veranstaltungen nicht. Aber in den Ausstellungshallen wurde darauf gefragten, daß nur Erzeugnisse und Sar,"Leitungen zu sehen waren, die der Bezeichnung der Ausstellung entsprachen. Von einer Armee-, Marine- und Ko- lonial-Ausstellung wird vorausgesetzt, daß dieser Grundsatz in besonders klarer Weise zur Geltung gebracht sei. Es wird mit Recht erwartet, bei einem Gang durch die Säle einen Ueberblick über das zu gewinnen, was in ben letzten Jahren auf den betreffenben Gebieten geleistet worden ist. Dem Wißbegierigen bräjentiert sich aber eine Menge von Dingen, die nicht im entferntesten Zusammenhang stehen mit den großen Angelegenheiten, denen das vaterländische Interesse gewidmet ist. Oder welchen Zusammenhang könnten mehr oder minder phantasie- reiche Zimmereinrichtungen im Biedermeierstil mit Heer und Marine haben; welchen Zusammenhang Flügel und Pianosortes, auf denen melancholische Spieler sich ergehen ; welchen Zusarnmenfrgng griechische Wei ne und rra 1 - kofrolfreie" Champagner, die in freigebigen Proben zum Ausschank gelangen; welchen Zusammenhang eure Kollektion von allem, was ein herrschaftlicher Hund gebraucht, vom Spielzeug bis zur Brille und Gummigaloschen? Und so gißt es noch eine bunte Menge von Gegenständen, die das Erstaunen des Besuchers hervorruft. Es verlieht sich von selbst, daß auch diese Ausstellung nicht fertig ist. Vielleicht wird sie nach der Vollendung ein mehr charakteristisches Gepräge bekommen. Einst- weileir beherrscht, mit ungeheurem Getöse, der Vergnügungspark das Feld der „Damuka".
_* Der Kaiser am Telephon. Man schreibt uns: Kaiser Wilhelm IL macht sich jede Erfindung und Steuerung auf
dem Gebiete der modernen Technik zu eigen, mit der eine Ersparnis an Zeit verbunden ist. Er fährt fast nur noch im Automobil statt im Wagen, er telegraphiert viel und er benutzt das Telephon außerordentlich häufig. In seinem Arbeitszimmer befindet sich ein besonders sorgsam gefertigter und in der Form künstlerisch ausgeführter Telepfronapparat. Scheint dem Monarchen während eines Vortrages, der ihm gehalten wird, irgend eine Einzelheit näherer Erörterung wert, so läßt er sich so soft mit der in Frage kommenden Instanz verbinden. Nimmt er dann das Hörrohr zur Hand, so beantwortet er nicht etwa die übliche Frage, wer da sei, mit den Worten: „Hier der Kaiser", Umbern beginnt sogleich zu sprechen und setzt voraus, daß der Angerufene ihn an seiner Stimme und an seiner Sprechweise ohne weiteres erkenne. Es gab Zeiten, in denen der Kaiser den Kanzler mit Vorliebe telephonisch interpellierte. Seine Generäle, seine Adjutanten müssen stets gewärtig sein, von ihm auf telephonischem Wege Defehte zu erfralt-en. Aber auch auf weite Gmtfernungen spricht der Kaiser gern. Er klingelt Jagd- freunde und kommandierende Generäle fern im Reiche an und fragt nach den Einzelheiten irgeno einer schwebenden dienstlichen Angelegenfreit. Am häufigsten spricht der Kaiser durch das Telephon mit der Kaiserin. Ist das Kaiserpaar getrennt, wie das bei den vielen Reisen des Kaisers oft genug vor kommt, so läßt der Kaiser keinen Tag vorüber, ohne mit der Kaiserin zu sprechen und mündlich mit ihr Familiendinge zu erörtern. So teilt er ihr wohl auch nach einem Herren mahle mit, daß er noch wichtiges zu besprechen habe und deshalb später nach Hause kommen werde, als er gedacht habe, — ganz wie andere Ehemänner es tun. Die Verbindung für den Kaiser ist schneller und leichter hergestellt, als die für andere Menschen, aber die Telephon- beamten und -Beamtinnen sind angewiesen, nicht zu sagen, daß :es> der Kaiser ist, der sprechen uxül. Jedenfalls ist der Aionarch nicht der Unannehmlichkeit ausgesetzt, mitten in der Unterhaltung durch die Frage gestört zu werden: „Sind Sie fertig ?" oder: „Sprechen sie noch?" oder gar gänzlich unter- brock-en zu werden, wie wir es ständig erdulden muffen. Der Kaiser ist also in der glücklichen £age,_ nicht unter unserer Telepfronmisere leiden zu müssen. Selbstverstchidlich wird der Kaiser selvst nur selten, von seinen nächsten Angehörigen, an- geklingeft, und seine Anschlußnummer würde man vergeblich in den Verzeichnissen der Fernsprechteilnehmer von Berlin und Potsdam suchen.
— Ter Wiener Mannergesangverein ist zur Z^: im Begriff, eine „Triurnphrekse durch die Großstädte Ostamerikas' zu machen. So lesen wir im »Washington Journal', das uns soeben zugesandt wurde. Wir irren wohl nicht, daß der liebenswürdige Zusender dieses Blattes, Herr Louis Kimmel, unser Landsmann ist, der auch, wie dasselbe Blatt meldet, dem Washingtoner Emp'ängskonzert zur Begrüßung der Wiener Gäste angehörte. In Washmgton wurden bte Wiener auss glänzendste
Meline überließ die Behandlung dieser Frage dem Wiener Professor v. Schullern, dessen Vortrag über „Internationale Arbeitervertnittlung" mich vom nationalen Standpunkt beachtenswert erscheint.
Die unerläßliche Hebung der sozialen Lage des Landarbeiters sieht er gewährleistet allein auf der Grundlage des Arb e its v er tr a ge s unter Kontrolle t>er Staatsgewalt. Tunlichste Wahrung der persönlichen und wirtschaftlichen Freiheit der ländlichen Arbeiter, Sicherung der Gutsbesitzer gegen Kontraktbruch und Betriebsstörung sollen die Mchtlinien dieses Arbeitsvertrages sein. Je mehr man die Anregung durchdenkt, umso brauchbarer erscheint sie in Anlehnung an die Bestrebungen zur Seßhastrnachung der Landarbeiter. Es mag den ländlichen Arbeitgebern, zumal dem auf Tradition haltenden ostelbischen Landadel, nicht leicht fallen, sich an den Gedanken eines von modern-sozialem Geist durchwehten Arbeitsvertrages zu gewöhnen. Doch tote die Herren aus den Fortschritten der agrarischen Wissenschaft, des Ätaschinen- wesens Nutzen gezogen haben, so werden sie schließlich auch erkennen, daß die Modernisierung der ländlichen Arbeitsbedingungen ein wesentlicher Teil des die gejamte Landwirtschaft belebenden Geistes ist. Und diese Erkenntnis wird die Pforte austun zu dem für die ganze Volksgemeinschaft segensreichen „goldenen Zeitalter der Landwirtsdjaft".
Wien, 24. Mai. Der Internationale Bundestag der landwirtschaftlichen Genossenschaften beendete seine Beratungen, nachdem unter anderen Anträge betreffeub die Herstellung einer gerne infamen Statistik für das europäischeGenossenschaftswesen und betreffend die Z e n t r a 1 i fi erung des Geldver lehrs der land- wirtschaftl. Genossenschaften angenommen worden waren.
Neues aus Rußland.
Die Reichsduma beschäftigte sich am 24. b. Mts. mit der von der Kommission ausgearbeften Vorlage, dem Ministerium des Innern 171/2 Millionen Rubel zur Unterstützung der von der Hungersnot betroffenen Gebiete zu bewilligen. Die Redner der Linken lehnten den Antrag mit der Begründung ab, der Regierung nicht das Geld des Volkes anoer- trauen zu wollen. Roditfcheff erklärte, das ganze Land würde die Duma der Gleichgültigkeit gegenüber den Bauern beschuldigen, wenn sie sich weigerte, den Kredit zu bereinigen. Man dürfe sich nicht allein der Tatsache enthalten, daß Gurkore unredlich roar; die Regierung erhob die Anklage gegen ihn. Die Regierung re erbe nun sagen können, daß gerade die Duma den Landleuten ihre Hilfe versagte. Den Kredft für die Hungersnot zu ver- reeigern, ist ein Verbrechen ober ein Werk ber Torheft. Die Vorlage wirb schließlich mit 176 Stimmen gegen 149 Stirnmew angenommen, unter Stimmenthaltung seitens der Polen. Zugleich wird beschlossen, daß der Duma bis zum 14. Januar 1908 vollständige Berichte über die Ausführung der Unter* ■ stützung in den Jahren 1906 und 1907 vorgelegt werden sollen.
Ans Anlaß ber Errettung bes Kaisers aus der Ge-, fahr, welcl>e sein Leben bedrohte, erhält die Pet. Tel.-Ag. Mel-, düngen a»us zahlreichen Städten des Landes, in ben Kirchen. würden unter großer Teilnahme der Bevölkerung feierliche Te-- deums abgebalten; viele Stadtvertretungen und andere, soziale Verbände hätten Telegramme an den Kaiser abge- sandt, in denen ber aufrichtigen Freude, ben Gefühlen der Treue und des Abscheues über das Komplott Ausdruck gegeben wird.
Eine im Marineministerium tagende Kommission ist zu dem Beschluß gelangt, daß Rußland eine neue Flotte erhalten müsse, deren Baukosten auf eine Milliarde sechshundert Millionen Rubel veranschlagt werben. Der Finanzminister, der der Kvn
aufgenommen. „Sie kamen, fangen, siegten", so beginnt das genannte Blatt seinen enthusiastischen langen Artikel. Sie haben im Weißen. Hause vor dem Präsidenten Roosevelt und seiner Gemahlin gesungen. Es heißt darüber u. a.: ,Sie fangen. So hat man int Weißen Hause, so hat man in ganz Amerika noch niemals einen 'Dfännercfror fingen frören. Die Zuhörer lauschten voll Andachd mib Bewunderung, und draußen vor ben geöffneten Fenstern ftanben Tausende im strömenden Regen und sogen ebenso begierig, die wunderbaren Klänge des 23. Psalms von Franz Schubert, des von Richard Heuberger komponierten Ehors .Tiroler Nachtwache 1810", 2c. in sich hinein."
— Bei der Vorliebe für modernes Porzellan, die von Jahr, zu Jahr in allen Kreisen unseres Publikums noch wächst, ist es begreiflich, daß gerade die Manufakturen, die nach bent Beispiel Kopenhagens sich besonders der neuen Richtung an-, genommen haben, der regen Teilnahme unserer Sammler und Liebhaber sich erfreuen. Zu den führenden Manufatturen auf. dem Gebiete der Herstellung von f ig ürlichc m P-o rzellaw. gefrört frier Nymphenburg, das dadurch mit einem Schlages zu einem Vorbilde für die deutsche Porzellan-Industrie geworden ist, und dem die Leipziger Illustrierte Zeitung" (Verlage von I. I. Weber) in ihrer letzten, ioeben zur Ausgabe gelangten Nummer einen mit farbigen Abbildungen reich ver-i fefrenen, instruktiv geschriebenen ausführlichen Artikel widmet, der in Fach- wie in Laien kreisen gleich stark interessieren dürfte.
— In Wien ist am 24. Mai der Lustspieldickster Friedrich Gustav Triesch gestorben (geb. 16. Juni 1866). Seine Srücke, sind über die Grenzen Mens kaum gedrungen. Mit der großen. Bühnenkünstlerin Irene Triesch war der Verstorbene nicht vn» wandt.
Paris, 25. Mai. Die berühmte Nachmittagsvontellung in der Comedie francaise zu Gunsten der Hinterbliebenen der auf der „Ber lin" verunglückten deutschen Künstler hat nun endlich stattgefunden. Der 3<l bot einen kläg 1 ichen Anblick. Tas Parkett war besetzt unbt zwar großenteils von Engländern und Amerikanern; die Logen, aber waren nur zu zwei Dritteln besetzt und die oberen Range, waren vollkommen leer. Tie Regierung, die Tuyloniatie und die amtliche Mit im allgemeinen war völlig unoer-- treten. Gespielt wurde Victor Hugo's „Marion de Lorme". Tas Publikum blieb drei Auszüge Lang eisig und taute erst im vierten Alle auf. Tas Barere eo.iis ist noch unbefazmt,
Upsala, 24. Mai. Anläßlich der Linnö-Fe^er fer& ftn Tome eine feierliche Doktoren-Promotion statt, der der Krouprinzregeiit und andere Mftglieder des Königshauses beiwohnten. Prinz Eugen, die Dichterin Selma Lagerlocs wurden zu Ehrendoktoren derPhilosophie, Prof. Haeckel- Jena zum Efrrendottor der Medizin ernannt. Tas Publikum, nahm die drei Promotionen mit starkem Beifall auf.


