Ausgabe 
25.1.1907 Zweites Blatt
 
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Nach dieser

ihrer Börse hatte, mußte die Frau hergeben.

ungewöhnlichen Kalte. Drei in Lankwitz bei Berlin be­wegen der großen Kälte vor kleinen Koksofen mit in ihre

Tages auf 8 Grad Kälte, berichtet über die Folge der bei einem Lchlossermeister schästigte Lehrlinge nahmen

Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.

Die Wahlen und dieBörse. Zur gedrückten Börsen­tendenz m den letzten beiden Tagen sollen auch Wahtbelrachluugeu deigelragen haben, die sowohl an der Berliner wie an der Frank» iurier Börje ui den Börjenscilen gepflogen wurden, wozu ja bei dem überaus füllen Geschäft Zen genug vorhanden ist. Dian ist der Meinung, daß ans den Wahlen die Oppositionsparteien ge- stärkt hervorgehen und schließt daraus, daß es dann zu inner- volltijchen Komplikationen toinmen werde. Aber aüch sonst muß fiel) die Börse iur den Ausfall der Reichstagswahlen interessieren, da sie von dem neuen Reichstag endlich möglicherweise die neue Bürsengesetziiovelte zu erlvarlen hat, die im verstossenen Parlament stets am die lauge Bant geschoben wurde.

B e r 1 l n e r B ö r s e. Dtonlanaklien waren am den Be-

Wetternachrichten.

Auch heute liegen wieder zahlreiche Wetternachrichten ypr, aus denen für Europa erfreulicherweise ein Nach­lassen des starken FrosteS zu entnehmen ist. Leider sind der Kalte auch zahlreiche Menschenleben zum Opfer ge- sallSn. Bon den heute vorliegenden Eitizelmeldungen seien folgende rotebergegeben:

Die strenge Kälte hat in derRhon ein Menschen- opfer gefordert. Ein Holzarbeiter von Unterweißen- brunn kam auf dem Wege von der Arbeit zu Falle rind zog sich dabei eine Verletzung zu, die ihn am Aiifstehen * hinderte. Hülslos blieb er liegen und erfror. In Berlin und den Vororten wurden Donnerstag früh 13 Grad

''chäften in Verbindung treten werde. Der Verein bietet den Geschäften seine Vermittliing von Lohntarifen an, welche für die Arbeiterinnen eine gesicherte Lage schaffen würden.

" I n d e m V o r t r a g s z y k l u s de s k a ri f m ä n n i s ch e n und des Ortsgewerbe-Vereins sprach gestern abend Herr Franz Für st en berg aus Berlin. An Hand einer großen "Anzahl teilweise farbiger Lichtbilder zeigte er, in welch hohem Grad Wasser und Luft ein für das Menschen- nngc unsichtbare? Leben in sich bergen, wie zahlreiche kleine Tiere und Pflanzen usw. beide Elemente erfüllen und in welcher Weise sie nützlich und schädlich, insbesondere auch für den Menschen, wirken. Tie zum großen Teil in dreißig- tausendfacher Vergrößerung vorgeführten Lichtbilder, die teils nach photographischen Aufnahmen, teils nach Zeichnungen ausgesührt waren, boten einen trefflichen Einblick m die Welt der kleinsten Tiere usw., der Aufgußtiere, Bazillen usw. und ihre Vorführung sowohl wie der begleitende Vortrag boten viel Anregendes und Interessantes. Tas den Saal des Weiten SaalbanS ziemlich gut füllende Publikum spendete dem Vortragenden reichlichen Beifall.

Ein sehr zu bedauernder Unglücksfall er­eignete sich vor einigen Tagen bei den Proben zu den Mann­schaftsaufführungen des Regiments m der hiesigen Turn­halle. Während Mannschaften unter Aussicht eines Sergeanten em Gruppenbild vorübten, entfernte sich der Musketier Heim von der 10. Kompagnie, gebürtig aus Waldmichelbach, von der übenden Abteilung und erkletterte heimlich ein an anderer Stelle hängendes schwebendes Trapez. Atif unaufgeklärte Weise verlor er plötzlich auf dem Trapez das Gleichgewicht und stürzte zu Boden. Ter Vorgang spielte sich in wenigen Sekunden ob, sodaß der Sturz von niemand verhindert werden konnte. Der Verletzte ist gestern, trotz sofortiger ärztlicher Hülfe im Lazarett verschieden. Ter Vater und zwei Brüder sind aus der Heimat herdeigeeilt. Die Beerdigung findet am Samstag, 10,30 Uhr vormittags von der Kapelle des neuen Friedhofes ans statt.

Wetzlar, 24. Jan. In der ersten Vollversammlung der Handelskammer für den Kreis Wetzlar in diesem Jahr wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder für das laufende Jahr einstimmig wiedergewählt und zwar Generaldirektor Kaiser zum Vorsitzenden, Fabrikant 9lcuironn zum stellv. Vorsitzenden, Bankherr O. Kellner zum Schatzmeister. Als Ausschußmitglieder wurden wicdergcwählt die Herren Kaiser, Weumann, Hupe und Raab, ferner zum Beziikseisenbahnrat Frankfurt Generaldirektor Kaiser als ordentliches und Apo­thekenbesitzer Hiepe als stellvertretendes Mitglied.

Gcrichtssaal.

R. B. Darmstadt, 24. Jan. Vor dem Kriegsgericht stand heute der Gardist Adoll S ch r a m m aus Frautenberg von der 6. Komp, des Jiü.-RegtS. Nr. 115. Derselbe war beschuldigt, vor seinem Dienstantritt m Gießen zwei Schutzleute beichimp.l und beleidigt zu haben. Tas Veriahien wurde jedoch durch Urteil eingestellt, nachdem sowohl die vorgeietzte Behörde, wie die beiden Schutzleute den Strafantrag zurückgezogen haben.

le. Frankfurt a. Dl., 24. Jan. (Lberkriegsgericht.) Ter Musketier Scherer von der 2.Kompagnie des81. Reg-ments hat un Sommer 1905 als Unterkassierer des Deutschen Di a u r e r v e r b a n d e s im Bezirk Friedberg ca. 250 Dik. B e r b a n d s g e l d e r u n t e r s ch l a g e u. Durch Abzahlung und Verp'ändung eines Fahrrads, das für 70 Dik. verkauft wurde, hat er die unterschlagene Summe auf 138 Dik. reduziert. Weil er dann sein Versprechen, die ganze Summe abznzahlen, nicht hielt, wurde er zur Anzeige gebracht und kam, nachdem er inzwischen Soldat geworden war, vors Kriegsgericht der 21. Division, das ihn zu sechs Wochen Geiängnis verurteilte. Seme Berusung gegen dies Urteil wurde vom Öberlnecsgericht verworfen.

Berlin, 25. Jan. Eine Schießerei von Soldaten auf einen fliehenden Gegangenen beschäftigte gestern das Kriegs­gericht der 17. Division, vor dem sich der Dinskelier Altettkirch vom Jn'anterie-Regiment .Hamburg" wegen Fahuenfliicht, Preis- gebung von Ticnstgegenständen, Diebstahls in wiederholtem Rück- fall und Lelbstbefreumg als Gefangener zu verantworten batte. Tte Verhandlung erhielt ein besonderes Interesse dadurch, daß die dabei in Betracht kommende Schießerei seinerzeit zu lebhasten Aus­einandersetzungen zwischen der amtlichen Vertretung Hamburgs und der Miltiärbchörde Anlaß gegeben hat. Tas Kriegsgericht ver­urteilte den Angeklagten unter Versetzung in die 2. Klasse des Loldatenstandes zu 9 Dlonaten Gesängnis.

G n e f e n, 24. Jan. Die hiesige Stra'kammer verhandelte über einen aus dem polnischen S ch u 1 st r e i k hcrvorgegangenen Prozeß. P r o b st P t c t r o tv i e z wurde auf Grund der §§ 110 und 130 a wegen Aufforderung z u m U n g e h o r s a m, begangen durch eine Predigt in der hiesigen Mtchaellskirche und durch eine der Sakristei erfolgte Verteilung von aus den Schillstreik bezüglichen Zetteln, zu z w e i Dl o n a t e n G e s ä n g n i s verurteilt. Außer­dem wurden verurteilt der Drechsler Wterbmsli und der Töpfer Bysietewicz zu je 100 Dik. und zwei Frauen zu je 50 Dik. Geld­strafe.

Wien, 24. Jan. Der Sänger Prochaska, der, wie wir gestern meldeten, ui verschiedenen deutschen Städten viele Schwin­deleien verübte, wurde zu zwei Jahren schweren Kerkers verurteilt.

UniverSitäts-Nachrichten.

Der Berliner Privatdozent Dr. Josef Horovih ist als Professor an das Mnbammadan Auglo-Oriental College zu Aligarh in Indien berufen worden. Ter Gelehrte, der dort die arabische Sprache und Literatur nach europäischem Muster leien wird, ge­denkt anderthalb Jahre in Indien zu bleiben und behält daher seine Eigenschast als Pnvaidozent an der Berliner Universität bei. Tas muhainedanifche Kollege, an das er berufen wurde, ist ein afft* liiertes Institut erster Klasse der Universitäten Allahabad und Kal­kutta. Prof. S ch iv a 11 y in Gießen hatte bekanntlich den gleichen Rus adgetehnt.

Im 91. Lebensjahre starb in Berlin der Gelehrte und Handschristenforscher Professor Dr. Dlontz Steinschneider. 21 Jahre lang war er Direktor der Töchterschule der Berliner jüdischen Genieinde. Die arabische Literatur verdankt Stein­schneiders Forschungen mancherlei wertvolle und bleibenbe Auf- schlüsse.

"Studenten wurden als Rädelsführer des Exzeffes dem Strafrichter übergeben. _ 4 , c

Budapest, 24. Jan. Der Justizmimster Polonyi beauf­tragte den Staatsanwalt, gegen den Abg. Lengyel einen Prozeß wegen Verleumdung anzustrengen.

Washington, 24. Jan. Tie Marinekommistion des Re­präsentantenhauses bewilligte einen Kredit von 95 Millionen Dollars cinschl. der Bewllligung für ein weiteres Schlacht­schiff größten Tstvs, sodaß die Bereinigten Staaten zwei Schiffe der Dreadnoughtlasfe besitzen wird, und ebenso für zwei Torpedoboote. Zwei Millionen Dollars wurden bewilligt für den Bau von Unterseebooten, zu welchem Betrage noch die hierfür im vorigen Jahr bestimmte und bis jetzt iwch nicht angegebene 1 Million Dollars hinzukommt. Ebenso wurden die Ausgaben für die Mehreinstellung von 3000 Matrosen und 900 Marinesoldaten bewilligt.

Chabarowsk, 24. Jan. Eine Bande von etwa 60 Ehun- chufcu machte einen Angriff auf einen chinesischen Flecken in der Nähe der Station Murawieto-Amurski. D er Angriff wurde von rufsisckjen Kosaken zurückgewiesen; dabei wurden zwei Chnnchusen getötet und 15 gefangen. Die Gefangenen wurden den chinesischen Gerichten übergeben und von diesen zum Tode verurteilt. Das Urteil ist vollstreckt worden.

Arrs S.aSt uuo uano*

Sprechstunden D l iebartüni 11 1 Ul}: vor?,-., i/271/28 Uhr abds. Gießen, den 25. Januar 1907.

** TaS Wahlresultat des Kreises Gießen werden wir heute abend an unserem Gesch'äftshaufe durch Transparent in großen, fortwährend wechselnden Ziffern je nach den unS zu- gehenden Meldungen bekannt gkbcn. Ein Extrablatt wird in den Wirtschaften der Stadt heute naht noch zur Verteilung gelangen, ein weiteres morgen in aller Frühe verbreitet weiden. Durch Telegramme, Telephon, sowie Extraboten werden uns die Resultate in größter Schnelligkeit mitgcteilt werten. Unsere Korrespondenten und Freunde nah und fern werden uns noch obendrein hoffentlich nach Kräften unterstiitzcn. Telephonische Anfragen bitten wir von abends 7 Uhr ab na h Möglichkeit ein- zuschränken, da die beiden Sprechstellen des Gieß. Auz. bei der Ermittelung der Wahlergebniffe außerordentlich in Anspruch genommen sein werden.

Die Wahlbeteiligung setzte schon sofort nach Be­ginn der Wahlhandlung sehr lebhaft ein, fo daß um 11 Uhr (eine Stunde nach Beginn) in einzelnen Bezirken schon über 20% der Wählerschaft ihrer Wahlpflicht genügt hatten. Na­mentlich im Bürgermeislercigebäude, wo zwei Drittel der Wahlbureaus untergebracht sind, ging es in den Vormittags- stunden schon sehr lebhaft zu. Mit großer Befriedigung konnte festgestellt werden, daß namentlich auch die jüngere Bür» gerschaft der jetzigen Wahl em bedeutend größeres Interesse entgegen bringt, als es bei früheren Wahlen der Fall war.

An unserer Landes-Universität werden heute wegen der Reichstagswahl feine Vorlesungen abgehalten.

' Heimarbeit. I. K. H. die Großherzogin empfing den Vorstand der Darmstädter Ortsgruppe des Heim-

Celsius registriert, doch flieg das Quecksilber tm Laufe des Eine Reihe von Telegrammen

den, Schlafengehen einen

Kammer. Am Morgen wurden alle drei in ihren Belten

zilleru an sich nicht ungünstig sind, betrug der Knrsverlust nur 1 */4 Proz. Von den sonstigen Transportwerlen lagen Ecwcida inalt, was sclstießllch die gesamte Börse ungünstig beeinflußte. Fonds lagen still. Für Banken gab sich einiges Interesse knnd wegen der tm Februar kommenden Bilanztage.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 23. Jan. ^Orig.-Telegr. de? ^ltzieß. Auz.") Vieh m a r f t. Zum Verkaufe standen 00 Kälber, 00 Schcne u. Hammel, 5 2 Schweine, 0Ziegen. Schweine: 1. Qual. 6667 Pf. Lebendgewicht 53.0000.00 Pf, 2. Qual. 6500 Pst, Lebendgewicht 52.00-00 'lüg., 3. Qual. 5658 Pig. Kalber 1. O-ual. 0090 Pst, Lebendgewicht 0000 P'g., 2. Qual. 0000 'lüg.. Lebendgewicht 0000 Pig., Scblachigewichl 00-00 Psg. Schake 1. Qualität 0000 Psg., 2. Qualität 0000 Psg. Geschält bei Schweinen: gut, Uebevftanb bedeutend.

Vermischte».

" Der n e u st e E i s e n b a h n u n f a l l. Atif bet Station Langendreer- Word stieß der Personenztig 473 Köln-Altenbeken infolge unrichtiger Signalgebung auf vier mit Eisen und Kohlen beladene Güterwagen. Tie Lokomo­tive unb eine Anzahl Wagen wurden stark beschädigt. Em Bergschüler aus Dortmund erlitt lebensgefährliche Verletzungen, mehrere andere Personen sind leicht verwundet.

* Duellforderung nach der Wahlversamm­lung. Der Redakteur derJenaer Ztg.", Fehr, fühlte sich dtirch eine Aeußerttng des Führers der vereinigten Liberalen, Tr. Schomerus, die in einer öffentlichen Wählerversammlung getan wurde, beleidigt und übersandte dem letzteren eine Tuell- forberung. Da diese von Dr. Schomkrus aus prinzipiellen Gründen abgelehnt ivurde, hat Fehr den Klageweg beschritten.

Eine Räubergeschichte wird au5 Berlin gemeldet. Ter Magislralsbeamte Conradt tat jede Wad)t bis morgens 7 Uhr als Pförtner des städtischen Viehhofes seinen Dienst. Die Nacht über ist Fran Eonradt allem, in ihrer tm 3. Stock gelegenen Wohnung. Am Donnerstag abend um 11 Uhr klopfte es bei ihr. Sie fragte, wer da fei. Eine ihr fremde Stimme antwortete: Herr Dörko (ein.Be- lannter des Ehemanns) ist da. Er bringt ihren Mann, der überfahren ist, nach Hause. Entsetzt öffnete die Frau, sah sich nun aber nicht ihrem Manne gegenüber, sondern zwei m askierten Männern, die sich auf Filzschuhen herangeschlichen hatten. Sie drangen in die Wohnung cm. Frau Conradt versuchte, dem einen die Maske vom Gesicht zu reißen. Aber er schreckte sie mit dem Revolver von allen weiteren Versuchen unb jedem Hülferuf ab. Während nun einer der Räuber sie bewachte, öffnete der andere alle Behälter und suchte nach Geld. Nur 27 M., die sie tu

Arbeit legte sich einer der Kerle tu das Bett, um auSzuschlafen. Er wußte ohne Zweifel, daß Conradt vor 7 Uhr morgens nicht kommen konnte. Der andere nahm unterdessen alle Vorhänge von den Fenstern herunter unb packte sie mit den Kleidungs- uno Waschestücken in zwei Säcke. Auch die Sildersachen luutben m ihren Kästchen hinzugetan. Dabei wurde es 5 Uhr morgen». Ter müde Räuber hatte sich durch Schlaf neu gestärkt unb warf mit seinem Begleiter die beiden Säcke mit der Beute zum Fenster hinaus in den Vorgarten. Dann mußte Frau Conradt die Kerle auf ihr Geheiß die Treppe ßinuntcrbegleitar und ihnen die Haustür aufschließen. Zinn Dank für rhti Bemühungen erhielt sie einen Fußtritt vor den Leib. \ Tamil empfahl sich der geheimnisvolle Besuch. Draußen standen zwei Kerle, ebenfalls nut Masken und Filz- Parisern, unb erwarteten ihre Komplizen. Sie hatten einen Wagen mitgcbracht, auf dem nun die Gesellschaft die Beule wegschaffle. Frau Conradt wagte auch jetzt noch nicht, em lautes Wort zu sagen. Erst als ihr Mann kam faßte sie Mut. Der 9)lann machte bann der Kriminalpolizei Anzeige. Diese fand auf dem Schnee des Vorgartens wohl einen Stiefel Conradts, aber keinerlei Eindruck von den Säcken.

* Familienzuwachs am italienischen Köui gS» h ofe in Sicht. Aus Rom wird gemeldet, baß die Königin Elena, bie Gemahlin bes Königs Viktor Emanuel III., aber­mals einem freubigen Ereignisse entgegcnsieht. Der Ehe bcS Königs und' ber Königin, bie bekanntlich eine Tochter beS Fürsten von Montenegro ist, sinb bisher drei Kinder cnM sprossen: die Prinzessinnen Jolanda Margherita, geboren än» 1. Juni 1901, und Mafalda, geboten am 19. November 190% sowie ber kleine Kronprinz Umberto, Prinz von Piemont ge«' nannt, dessen am 15. September 1904 erfolgte Geburt im ganzen Lande große Freude hervorrief, weil durch sie die Thronfolge in gerader Linie gesichert erschien. Denn rocmi der König Viktor Eipanuel III. ohne männlichen Erben dahingeschleden wäre, fo hätte die Känigswürbe auf feinen1 Vetter, den mit der sehr wenig beliebten Prinzessin Helene H von Orleans verheirateten Herzog von Aosta, bcziehungsivcis« auf besten ältesten Sohn, ben 1898 gebotenen Prinzen Amabcits, Herzog von Apiilicn, übergehen müsten. Vicrk Jahre lang, von 1898 bis 1902 konnte dieser kleine Prinz Amabeus als präftimliver Thronfolger gelten, und man will wissen, baß bas Erscheinen bes Kronprinzen Umberto im Hause - Aosta nicht eben übermäßige Begeisterung hervortief uns keineswegs zur Erwärmung ber ohnehin recht kühlen Bc« ziehiingen der Königin Elena zur ihrer (Soufine, der Herzogin Helene, beitrug. Wenn die Königin jetzt einem zweiten Knaben daS Leben schenken sollte, so würden damit die Chancen dc» Hauses Aosta, einst auf den Thron zu gelangen, felbffverstäud- lich noch erheblich verringert werden.

Ein vorsorglicher Selbstmörder. Ein Kutscher vom ostprelltzifchen Rittergut Sem ballen kam in der vorigen Woche nach Insterburg unb kaufte einen großen Sarg sowie Trauerkleidcr für feine Familie. Sämtliche Gegenstände, d>c er sofort bezahlte, sollten ihm die Lieferanten zuschicken. Als der fo überaus ordentliche Mensch nach Hause kam, erhängte er sich in feiner Wohmmg.

* Die untergefajobene Schauspielerin. Eine merkwürdige Theatergeschichte hat sich am Zwickauer Stadtthemer abgespielt. Am letzten Sonnabend sollte in derBraut von Wiels ma" die Schauspielerin Hilde Ruhland vom Ulmet Stodttheater eine Qk.|trolie auf Engagement geben. Sie kam uno Ipieite unter aller Kritik, obwohl ihr ein geradezu glanzender yiuf vorausg^-ht. A.s bie ganz verblüffte Direitwn sich nun etwas ergehender mit den Personalien derKünstlerin" beidjii tigte, mack)le sie die seltsame Entdeckung, daß man ihr einen^ sahoM Gast ii itter|d)obeit hat. Silbe Ruhland hatte ihrer Schweiler '.Ulargarcibe, vtner jungen Anfängerin, das Betreten der Slunluet« laufvahn etwas erleichtern wollen. Die hiervon? wenig eroame ^b-ateroirtition will nun klagen.

arbeite i inen-Vereins unb ließ sich über bie Sarin» . r . . .. .

...... .. , , x .. . ... , . ,, , richt des ^rou Aas, Dann durch iHealijattonen und vereinzelte

stadter Biuuchen der .^ctmaroeit Bericht eiuaücn. vsie Iprach ^xkulunve Abgaben um 1 Proz. gedrückt. Weiier har die Dividende bie Hoffnung aus, baß ber Verein mit ben xaimßäbter Ge- f der Hamburg Amenka-Lmie enuäuschr, aber weil dre toeiumn-

leblos aufgefunben. Nach mehrstündigen Bemühungen gelang es, den jüngsten ber Lehrlinge ins Leben zurückzn- rufen, während bei ben beiben anderen Wiederlebungsversuchc erfolglos blieben. Der Eisgang auf ber Elbe nahm bei starkem Frostwetter außerorbentlid) zu, sodaß ber Verkehr im Hamburger Hafen sehr behmbert ist. Im Hafen finb vier Eisbrecher abwechselnd tätig. Der Verkehr ber emlommenden Schiffe litt sehr durch den auf bei Nordsee tobenden Sturm. Während ber ganzen Nacht ist nur ein einziger Dampfer auf ber Elbe emgelroffen. Die auf ber See bcfmblichcn, nach Hambiirg bestimmten Schiffe werden in ber Nordsee durch Sturm zurückgehalten. In Brüssel sind fünf Per­sonen erfroren aufgefunben worben. Aus der Provinz werden 1820 Grad Kälte gemeldet. Aus Frant reich wird heftiger Schneesturm gemeldet. Besonders in St. Etienne hat der Schneeslurm großen Schaden angenchlct. Es werden 15 Grad Kälte gemeldet.

In ganz Italien herrschen schwere Schneestürme, fo daß in Nom und Neapel der Straßenverkehr eingestellt werden mußte. In Venedig sind die Kanäle eingefroren. Wie aus Florenz gemeldet wird, schneit eS dort un­unterbrochen. Der Arno ist teilweise zugefroren; in Belluno fiel das Thermometer auf 15 Grad, in Bologna auf 7 Grad. Auch der Po führt, wie aus Ferrara berichtet wird, große Eismasten. Ter Bahnverkehr zwischen 9ieapel und Rom ist unterbrochen. Mehrere Züge sind tm Schnee stecken geblieben. Der Telegraphen- und Telephonvcrkehr ist unterbrochen. Seit 1860 war eine derartige Kälte nicht zu verzeichnen. In Trient sind 13 Grad Kälte zu verzeichnen. Aus allen Gegenden Oesterreichs wird ein rapides Nachlassen des Frostes und des heftigen Sturmes gemeldet. Infolge der außerordentlichen Kälte von 25 bis 31 Giad sind in Ru­mänien mehrere Personen erfroren. Der Eifenbahnvcrkehr ist durch die Schneemassen behindert. Der S türm auf dem Schwarzen Meere hält an. Zahlreiche Schiffe werden vermißt, darunter der russische DampferPuschkin". Man befürchtet, daß bie Schiffe untergegangen sind.