Ausgabe 
22.10.1907 Zweites Blatt
 
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Tr. £48

Zweites Blatt

Erlchetnl tSgNch nrtt Ausnahme deS Gonwas.

Seneral-Anzelger für tvberhesien

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vereine ein.

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157. Jahrgang

die ein

an­

Zweiter deutscher Krbkiterkongteß

(Unberechtigter: njöriicl verboten.)

Berlin, 21. Okt. Der zw eite deutsche Arbeiter­kongreß füllte den größten Teil der heutigen Vor- und Nach- mittagssitzung mit Diskussionen über die allgemeine politische Lage aus. Die beantragten Erklärungen, darunter uno solche betreffend die Gleichstellung der Arbeiter-Konsumvereine mit an­deren Genossenschaften, besonders landwirtschaftlichen, die Bc-

D:eGtetzenrr KamMenblStter" werden dem ,AnzeigerE oiemial wöchentlich beigelegt, das Kretsblatl für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Dienstag ÄÄ. Oktober 1907

iRotationSbrud und Bettag der Brüh lachen UniverfitätS - Buch- und ©telnbrudertL R. Lange. Gießen.

L)ccr unO Flotte.

Berlin, 21. Okl. Die nunmehr nlit Bestimmtheit zu erwartende neue Flottenvorlage wird im Wesentlichen nur die Herabsetzung der Lebensdauer der Linien­schiffe von 25 auf 20 Jahre enthalten. Ferner dürften rm

Aum Geburtstage der Kaiserin.

(22. Oktober.)

Unsere Kaiserin feiert an diesem Dienstage ihren Ge- urtstag. Mit den Glückwünschen der kaiserlichen Familie .ereinen sich diejenigen aus den Herzen von Millionen ^nkbarer deutscher Männer und Frauen. Das Hohen- ollerngeschlecht ist reich an edeln Frauengestalten. In hrer Milte glänzt unsere Kaiserin wie ein hell leuch­ender Stern. Das kaiserliche Paar führt ein Eheleben >on so idealer Reinheit und zarter Herzlichkeit, wie es in inserer materiellen Zeit zu den Ausnahmen gehört. Das )aus unserer Kaiserin ist eine Pflegestätte deutschen Mistes und deutschen Gemüts, ein Juwel deutschen Fa- nilienglückes. Unsere Kaiserin hat es verstanden, ihrem >ohen Gemahl ein Heim zu schaffen, das ihm ein un- -ersiegbarer Born neuer Kraft zu seinem pflichtvollen ^rrscherberuf ist. Vorbildlich wie als Frau ist die Kaiserin ils Mutter ihrer Kinder; mit diesen verbindet sie das esteste Liebesband. Ein gesundes Familienleben ist die Grundlage eines kräftigen Staatslebens. Nationale Wohl- ahrt, Freiheit, Sittlichkeit und wahres Menschentum können mr auf diesem Fundament sicher ruhen. Das von Eltern- rnd Kinderglück sowie von reinster Freude am menschlichen Dasein erfüllte Haus unseres Kaiserpaares ist ein Vorbild geworden für das deutsche Volk. Bon diesem Hause aus läßt die Kaiserin dem Zuge ihres Herzens freien Lauf, Schäden unseres Volkslebens in religiöser und sozialer Be­ziehung zu heilen.

Wo irgend nur Elend zu lindern, Sorge zu bannen ist, tränen zu trocknen, Wunden zu heilen sind, da versagt sie ihre Hilfe nicht. Ohne ängstliches und bedächtiges Zaudern, mit Freundlichkeit und feinstem Herzenstakt, unermüdlich waltet sie ihres Berufes als königliche Samariterin. Das große Erbe, das ihr Deutschlands ersten beiden Kaiserinnen hinterlassen haben, verwaltet sie mit seltener Treue und Opferwilligkeit. In Krankenhäusern, Siechenhäusern und Hospitälern, in den Familien erscheint sie als segenbringen­der Engel. Wahrlich, wir dürfen stolz sein aus solche Kai­serin, die sich von der Höhe ihres Thrones hinabneigt in landesmütterlicher Liebe zum deutschen Volk.

Deutsche» Neich.

Berlin, 21. Okt. Die erste Konferenz der Zentral­stelle für Volkswohlfahrt wurde von Ministerial­direktor Thiel in Anwesenheit von Vertretern des Staats­ministeriums und des 'Reichsmarineaints heute eröffnet.

Stuttgart, 21. Ott. Die Liberalen Vereine Württembergs hielten gestern ihre Jahresversammlung ab. Es wurde die Gründung eines Sekretariats beschlossen. Der Delegierten-Verjammlung lagen zwei Re­solutionen zur liberalen Einigung und zur Bildung eines liberalen Blocks im württembergischen Land­tage vor. Zur Frage des preußischen Wahlrechts wurde in einer Resolution der Hoffnung Ausdruck ge­geben, daß der Kampf für dre E i n f ü h r u n g des Reichs- lagswahlrechts in Preußen erfolgreich durchgeführt werde.

neuen Marineetat größere Forderungen für Beschaffung von Unterseeboot en erscheinen.

Wie die Berliner Morgenblätter hören, wird für Erweiterung deS Kaiser Wilhelm-Kanals Betrag von 20 Millionen Mark im NeichshauShaltsetat

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» stratze 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion: H2. Tel.-AdruAnzeigerGteßen.

stinrmung im neuen Vereinsgesetz, daß ausländische Arbeiter irt Versammlungen ihre Muttersprache gebrauchen dürfen, die Ein­führung eines Reickisberggeseßes, des Propattionalwahlsystems für alle sozialen Wahlen auf dem Gebiete der Arbeilcrgesetzgebung und des Arbeiterrechts, und eine Ziesolution, die sich gegen die fo genannten gelben Gewerkschaften ausspricht, wurden sämtlich einer Kommission zur Durcharbeitung übergeben. Es wurde so­dann iwch das Thema der Sonnlagsrul)e besprvä)en, die Be­sprechung jedoch unicrbwchen. Staatsminiftor v. Berlepsch dankte für die Einladung und die dargebrachtcn Spinpathien, und teilte mit, er habe mit dem Gesamwcrbairde der deutschnationalen Arbeiter und dem Zenttalrat der deutschen Gewerkvereine eine vertrau liebe Besprechung gehabt, um die Differenz zwischen beiden aus zügle-en, leider ohne Erfolg, und er bedauere dies besonders als Vorsitzender der Gesellschaft für soziale Reform, dem beide Teile als treue Mitglieder angehörten. Er werde den Versuch der Versöhnung wiederholen. (Stürmischer Beifall.) Die Ver- handlungen wurden aus morgen 9 Uhr vertagt.

S. u. H. Berlin, 20. Okt.

Staatssekretär des Reichsamts des Innern von Bethmann- H o l l w e g führte weiter aus: _

Meine Herren. Als nach Beendigung des Frankfutter Kow- gresses der Herr Michskanzler Ihre Deputation empfing, da wies er darauf hin, daß es ein Ruhmestitel des deutschen.Kaisertumes sei, zuerst von allen Staaten, eine groß angelegte, sozialpolitisch angelegte Gesetzgebung ins Leben gerufen zu haben. Die Ar­beit stockt auch jetzt nicht, eine Ruhepause ist nicht eingetreten. (Beifall.) Wie Ihnen bekannt, beschäftigt sich der Bundesrat mit dem Entwirr) e zu einem Reichsvereinsgesetz mtb mit einer iwch vom Grafen Posadowsky ausgearbeiteten Novelle zur Gewer­beordnung, die u. a. wichtige Besrimmungen über die Dauer der Frauenarbeit und die Heimarbeit enthält.. (Beifall.) An einem Gesetzentwurf über Arbeitskammern, den ich vorfand, wird un­unterbrochen weitergearbeitet. Ich hoffe, daß er. noch in diesem Winter feste Gestalt annehmen wird. (Lebh. Beifall.) Alles das sind Fragen, die Sie fortgesetzt beschäftigt haben und iwch be­schäftigen. Aber sie stellen nur einen Ausschnitt dar. Das Leben läßt täglich neue Probleme entstehen und mir ist es wohl bewußt, daß noch eine ganze Reihe anderer .Fragen aus alter und neuer Zeit der Lösung, der baldigen Lösung harren, daß wie das Programm Ihres Kongresses es freigt noch eine große Anzahl weiterer Wünsche von Ihnen beraten und vorgeoracht

werden wird. Sie wollen überzeugt sein, daß ich Ihren Verhand­lungen mit der größten Aufmerksamkeit folgen und dankbar sein werde für jede Anregung, für jede Unterstützung, welche uns dem vorhin von mir. gekennzeichneten Ziele naher fühtt. (Leb­hafter Beifall.) Ich furchte, meine Herren, ich habe Ihre Geduld über Gebühr in Anspruch genommen und ich habe dabei wohl auch Dinge gesagt, die an sich selbstverständlich sind. Vielleicht werfen Sie mir auch vor, daß sich die Ausgaben, Die Ihnen nach meiner Anschauung gestellt sind, nicht mit der Harte des wirk­lichen Lebens vertrügen. Meine^Herren, mir sind diese Härten wohl bekannt. Ich kenne die Sorgen, unter denen der wirt­schaftlich Schwache der Krankheit, der Arbeitslosigkeit, der Fürsorge für Frau und Kind gegen über steht. Ich kenne auf der anderen Seite auch den Emst unferer Tage, in denen neue Wirtschafts­formen das gegenseitige Verhältnis von Unternehmern und Ar­beitern umgestaltet haben, in denen es Dieierorten zu einer Spannung gekommen ist, die den inneren Frieden zerstört und zu Kämpsen geführt hat, die nicht nur unser wirtschastliä)cs, ondern auch unser staatliches und nationales Leben auf das schwerste gefährden. Aber gerade um deswillen, gerade weil es sich hier um Fragen handelt, welche bis an den Lebensnerv so­wohl des Einzelnen wie der ganzen Nation gehen, richte ich an Sie die Bitte, daß Sie in Ihrer gesamten Wirksamkeit mit der­selben Energie, mit der Sie für das Wohl jedes Einzelnen aus dem von Ihnen vertretenen Stande einticten, auch dem Wohl unseres gefamten Vaterlandes dienen möcl)ten. Und mit dieser Bitte wünsche ich Ihren Verhandlungen und Beratungen einen gedeihlichen Erfolg. (Lebh. anhaltender Beifall.)

An den Kaiser wurde sodann ein Huldigungstelegramm ge­sandt. Darauf erstattete Reichstagsaog. Be hr e u s-Essen den Bericht d e s A u s s ch u s s e s. Mehr als eine Million Mitglieder gehöre der christlichen Arbeiterbewegung an, die sich durch keine Verhetzung die Freude am Christentum und am Vaterlande ver­ärgern lassen. (Lebhafter Beifall.) Die frankfurter Forde­rungen : Erstens Sicherung und Erweiterung des Koalition srechlcs der Arbeiter, zweitens Anerkennung der Berufsvereine, drittens Einrichtung von Arveitskümmern seien leider noch nicht erfüllt. Das fei ein Fehler der Regierung, d.'r bald gut gemacht werden müsse. (Lebhafter Peifall.) Die vornehmste Ausgabe der christlich- nationalen Arbeiterbeivegung sei nicht der Kampf gegen die Sozialdemokratie, sondern die, den StandMnkt der chriulichen WeitausilKiuiing, der Treue zu Kaiser und Reich zu verteidigen, und für d'e soziale und wirtschaftliche Hebung der deutschen Ar­beiterschaft einzutreten zum Segen der Arbeitet und des Vater­landes. (Lebhafter Beifall.) Mit den fozialdemokratifck)en freien Gewerkschaften hat die christlich-nationale Bewegung keine Ge­meinschaft, auch nicht mit den sogenanntengelben" Gewett- schaften, die für ein paar Kartoffeln ihre Koalitionsfreiheit

verschachern. (Beifall.)

Es hat in der vergangenen Zeit unter den dem- Kongreß angehörenden Organisationen über benimmte Angelegenheiten noch nicht die volle Einigung hergestellt werden können. In mancher Be­ziehung fehlt es noch an Geschlossenheit. Darunter litt die Stoßkraft unserer Bewegung. Wenn Der Kongreß durch seine Berliner Tagung den Erfolg erzielt, die Geschlossenheit und das Bewußtsein der Waffenvrüderscl>ast zwischen christlick)-natio- nalen Gewerkschaften und Berufsverbänden einepeits und den konfessionellen Arbeiter verbünden andererseits zu stärken, ferner durch seine Verhandlung die Sozialreform in kräftiger Weise zu fördern, wird es für Arbeiterschaft und Vaterland von Segen sein. (Lebhafter Beifall.) Reicl)stagsabg. Schack erstattete dann den Kassenbericht. Er schlug eine Umlage von einem halben Pfennig pro Mitglied vor, der der Kongreß zustimmte.

Darauf schloß Behrens die erste Sitzung des zweiten Arbeiterkongresses. Am Nachmittag fand im Kriegervereinshaus eine öffentliche Volksverfammlung statt, in der Landtagsabg. Oswald- Aschaffenburg, Frl. Margarete Behm-Berlin und Roth-Hamburg überFrankfurt 1903 Berlin 1907 vier Jahre Staudesarbeil" sprachen. Sie schildetten die sozialpoli­tische Entwickelung des Reiches in dieser Zett, wiesen auf die Erstarkung der cyristlich-nationalen Arbeiterbewegung in diesen Jahren hin und traten für ein erweitertes Koalitionsrecht der Arbeiter, für Arbeitskammern und die Anerkennung der Berufs-

weniaer süßen, ja mitunter des Wuchtigen nicht entbehrenden italischen Küstenbilder des Weimaraners Schmidt, unb. endlich eine plastische Frauenbildnisstudie des Frankjurter Professors Hausmann locken vielleicht mehr zu der gegen­wärtigen Ausstellung als Meister Trüdner... -i-

_ Uhren hessischer Fürsten. Vier Kunstwerke der Uhrmacherkunst, die den Spezialisten ebenso wie ben Lttinst- und Antiquitätenkenner interessieren bürsten, find in Darmstadt, nach demTagebl.", bei Uhrmacher Emil Bribach zu bewundern. Es sind Uhren, die hessische Fürsten benutzten, wmtluh von rMigen Dimensionen, satwa 6 Zentinieter bta und. 14 Sentimeter tnt Durchmesser groß, von einem etwaigen Gewicht von 2Vs Winb und mehr. DieseTaichenuhren wurden m brettert Gürteln getragen Die älteste der vier Uhren gehörte dem Landgrafen Erns? Ludwig (gest. 1739). Es ist ein Werk mit Spmdelganß, Schlagwerk, Repetition und Wecker. Tie zweite Uhr ist die interessanteste und kostbarste. Sie scheint extra für den Land­grafen Ludwig VIII. (gest. 1768) gefertigt worden zu sein, denn He weist ein wunderbar in Gold handgetriebenes Relief auf,, das äüs^in b°stimmt-s Ereignis Bezug zu h°brn^ck,emt: Vor emem Dhron auf dem ein Fürst fitzt, lodern in einem Scheiterhaufen Bucher. Eine Frauengestalt weist auf ben btn.

Tie dritte Uhr gehörte dem ersten Großherzog ^ubenng I. (gef. 1830). Sie ist von neuerer Bauart, zeigt aber immer noch das große Format, obwohl es damals schon ganz zierliche Rente ZLizer Uhren gab. Tas vierte Stück ist einer der ersten Reise­wecker, der von Gunkel-Berlin stammt. Dre Uhr hat. Selbst- chlaawerk mit Repetition, das Gehäuse ist senervergoll^t und reich graviert Durch die Kunst des genannten Uhrmachers gehen wie einst Sie ft aus den grvtz- herzoglichen Sammlungen und sind Prachtstucke.

Kleine Kunstchronik. Am 20. Okt. ist General­major z. D. Dr. Alb. v. P f i st e r (geb. 1839), eine durch seine literarischen und ästhetischen Bestrebungen und burch zahl­reiche Arbeiten auf biesen Gebieten bekannte Personluhtett, in Trossingen in Württemberg an einem Herzschlag plotzuch gestorben. , m

Mannheim, 20. Okt. In einem heute im-Rosengatten abgehaltenen Schlußakte erklätte der Vertreter der ^badischen Re- gierung Staatsmmifter Frhr. ». Boümau, die Große ^nternatwu-üe Kunst- und Gartenbau-Ausstellung für ge f ch l o s s e n. Die Ausstellung, die während ihres sechsmvnatlicyen Bestehens von vier Millionen Menschen besucht war, schließt mit einem günstigen finanziellen Ergebnis ab.

tzine Trüönkr-Atisstellung in Arankfurt a. W.

Mit Freuden ist es zu begrüßen, daß die Ausstellungen der bildenden Kunst in neuerer Zeit immer seltener ein Sammelsurium allerhand angehender Talente zu bilden pjlegen, während als Clou uud Lockspeise vereinzelt Werke großer Meister neben Minderwertigem sich zeigen, daß man vielmehr gern Ko llektio-Aus stellui t gen eines oder ein­zelner Künstler veranstaltet. Liebermann ist nun in der Kaiserstadt am Main W ilhelm Trubner mit einer Sonderausstellung gefolgt, Trübner, der seit seinen Jugendjahren bis heute (1851 geboren) unbeirrt und un­bekümmert um Sezcssionismus und Impressionismus seine Künstlerlaufbuhn gewandelt ist.

Indes zeigt uns die Trübner-Ausstellung im Frank­futter Kunstverein an der Junghosstraße leider keineswegs ein abschließendes Bild Trübnerjcher Eigenart und Trubner- scher Kunst. Im Gegenteil. Trübner, der farbenfreudige Pjerdemaier, ist allerdings mit ein paar vorzüglichen Stucken vertreten; u. a. stellt er sich selber als Reiter vor. Und einv seiner Gemälde, ein freilich höchst seltsam gefaßterBacchus , der dem Beschauer im wesentlichen den Rücken dreht und seine kolossale Armmuskulatur präsentiert, erinnert von ferne an Rubens und dürfte aus des Künstlers Brüsseler Arbeitstaaen stammen. Vorher, in den siebziger Zähren des vor. Jahrhunderts, bU gährte es sichtlich im Werden des Meisters, b atrieb es ihn zu Titanenhaftem, da bannte er Titanen-Kümpfe auf die Leinwand, hat er ftlp noch nicht selbst gesunden, da ist er noch kein Eigener. Uno es folgte der französische Einfluß, wo Courbet fern Vorbild geineseli zu sein scheint. Dann aber trat er unter den Ein- fluß Lcibls. Aus dieser Zeit seines Schassens sieht man IN Franksurt ein paar Porträts; aber es smd "^tnofbittlick darunrer, man lernt ihn als meisterlichen, ati urtei6ittlt6 die Wahrheit liebenden, allesBeschönigende ^otteä- zierenden Eharakteristiker hier nicht kennen. Und wenig nur laßt darauf schließen, daß heute Trübner, der einst'ge Leiter an der Frankfurter Stadelschnle, mitRecht zuden tonangebenden Geistern in der modernen deutschen ÄUnst

Landschafter sucht heute Trübner mit besonderer Vorliebe blaugcünc Töne aus. Das zeigen unS m dieser

Aiisstellmig neben ein paar in frischgrüne Landschaft ge- tellien scharf geschauten, ungemein farbigen Porträts, denen man aber eine seltsame Härte nicht absprechen kann, eintge Schloß, und Parkansichten. Aber auch diesen fehlt jeder weiche, ausgleichende, zarte Luftton. Man ist überrascht von der objektiven Nüchternheit des Künstlerauges, aber man wird nicht warm dabei, und man fühlt nicht das heiße, empfind­same, zu lyrischer Andacht gestimmte Künstlerherz m diesen trockenen Landschaftsausschnitten schlagen.

Die neueste technische Wandlung Trübnecs erkennt man am besten aus seinen beiden weiblichen Freilichtakten und der weißgekleideten Dame unter grünem Bläiterdache. Hier steht man leider nur zu deutlich, daß die handwerkliche Bravour auf Kosten des inneren Gehaltes des Bildes geht. Das herbe Grün des Laubes und Rasens, das dem Beschauer in Trübners Landschaften so schreiend in die Augen leuchtet, hat so gar nichts ivohltuendes, verstimmt uns in seiner Harte.

Das beste, was diese Ausstellung von ihm zeigt, sind die beiden liegenden Christusstudien. Welche wunderiam klare und satte Tiefen, welchen Emaillglmiz an Farbe besitzen fiel Und wie kühn, wie meisterlich ist dem Künstler m beiden Werken die Verkürzung gelungen I

Das letzte Wort ist über Trübners Kunst noch "icht Zn reden Es steht aber zu hoffen und ist wohl auch mit ziemlicher Bestimmtheit zu erwarten, daß seine neues e, rein persönliche, in ihrer künstlerischen und ramschen Eigenart sich auslebende Malweise ihn zu den Hohen der großen Kunst, di? zu erreichen er ost schon « jrüheren <5ahren nahe daran war, zu erheben, den rechten Flug finden wird.

Was sich zurzeit in den Sälen des Frankfurter Kunst­vereins noch sendet, die oft an Menzel ennnernden, in der Bewegung meisterlichen, von sprühendem ^'ste und scharpster Beobachtungsgabe diktierten Zeichnungen de» Parifers Re- nou ard, die eine wundervoll friedfame Ruhe, gleich­zeitig aber auch tiefe Melancholie, die große Stille einer zu lauterer wenn auch wehmutsvoller Harmonie gelangten Seck alm?nden Interieurs des Brüsseler CourtenS, b« wenigen Landsckasten, vor allem em paar prachtvolle ^chmr- mel Eckenselders, die achendachisch grellen, aber doch

gefordert iverden. Bei Verteilung der einzelnen Positionen ist daraus Rücksicht genommen, daß der Bau unter tunlichster Befchleunigung fortgeführt wird, und daß deshalb Mittel für alle Arbeiten zur Verfügung stehen, die im Lause deS JahreS in Angriff genommen werden müssen.

. , I .11 ................... I IHM um!

Das Parteigericht über die sozialdemokratischen Abg. Lwlb uud Frank.

Karlsruhe, 21. Okt. Gestern wurde von der sozial­demokratischen Parteikonferenz Badens, bestehend aus 10 Abgeordneten, dem Landesvorstande und den Vertretern der badischen Patteipresfe über die Angelegenheit Kolb- Dr. Frank verhandelt. Mit allen Slimmen gegen die des Abgeord­neten Eichhorn wurde die folgende Resolution beschlossen.' Die aus dem Vorpande der sozialDemokratischen Landtagsirattion und von Vertretern der Parteipcesse des Landes zusammengesetzte Konferenz erkennt an, daß die Abg. Franc und Kolb bei Der Beteiligung an der Beisetzungsfeierlichkeit für den veritorbenen Großherzog von Baden in dem gute» Glauben handelten, dabei der Partei einen Dienst zu erweisen. Die Konferenz mißbilligt eS aber, daß die beiden Abgeordneten über das Empfinden der Parteigenoffen hinweg, im Gegensatz zu ihrer republlka»isck)en Gesinliung umb den bisherigen Gepflogenheiten der sozialdemo- kratisck-en Partei sich an den BcisetznngSseierlichkeiten beteiligt haben und erwartet, daß die Vertreter der Partei sich in Zukunft von allen Veranstaltungen rem mo­narchischen Charakters fernzuhallen haben. Die Konferenz bekundet aber ausdrücklich, daß die Abgeordiieten Frank