Ausgabe 
20.3.1907 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ff nicht Sache des Liberalismus, Anhaltspunkte für Ermittelungen zu liefern, auch nicht, wenn eS sich um politische Gegner handelt. Alle Parteien ohne Aus- nähme sind an der Wahrung der Reichstagsrcchte interessiert. Die Stellungnahme des Präsidenten Graf Stolberg ist der Beweis dafür.

parlamentarisches.

F re iherr v. Heyl zu Herrnsheim hatte dieser Tage eine illustre Gesellschaft nach dem Continental-Hotel in Berlin gebeten. Der Einladung waren u. a. gefolgt: Staatsminister Graf von PosadowSky. Staatssekretär von Tschwschly, Kolonial­direktor Dernburg, Exzellenz Tr. von Ncidhardt, hessischer Gesandter, die UnterslaatSsekretäre Sydow und Mühlberg, Reichstagspräsident Graf Stolberg, Vizepräsident Geh. Rat Dr. Paasche, der französische Deputierte Lucien Hubert und von iWitgliebern des Reichstags u. a. Bassermann, Prinz Heinrich 311 Schönaich-Carolalh, Prof. Tello, Prof. Hagen, LandgerlchtSdirellor Tr. Hamze, Graf von Driolo, Ex-ellenz von Schubert und Prof. Wetzel, ferner Landtagsabg. Kommerzienrat Bartling, die beiden Generalsekretäre der ge. samlpartel und der Chefredakteur der r9lat. Zlg.^. Dem festlichen Riahle folgte ein anregender Gedanle:.austausch zwischen den Politikern und Staatsmännern. In interessiertem Gespräch sah man vor allem den Kolonialdirekior und de» französischen Deputierten und Koloiiialpolitiler Hubert. Tie Fidnlitäl* begleiteten Tiroler mit Schnaderhüpserln und lustigen Tänzen, die schließlich sogar einige Abgeordnete zu humonslischeu Vorträgen begeillerten.

Deutsches Ueich.

Berlin, 19. März. Der General der Infanterie Bern­hard von Werder, General-Adjutant des Kaisers, Chef des reuenden Felüjäger-KorpS und früherer deutscher Botschafter in Petersburg, ist heute früh im Älter von 84 Jahren in Berlin gestorben.

Generalmajor Keim vom Flotten-Verein hat gegen den Redakteur Schichter von der Germania die P r i v a t l l a g e wegen Beleidigung angestrengt, nachdem ein Sühnetermin vor dem Schieosgericht fruchtlos verlausen war. Es handelt sich um Erörterungen^ die dieGermania" an die Bervsselrtlichung der gestohlenen Keimbriese geknüpst hatte.

Die Budgetk 0 mmiss i 0 n des Reichstags verhan­delte heute das Etatsgesetz für die Schutzgebiete. Kotoniat- direktor Dernburg verteidigte die rechnerische Aufstellung dieser Vorlage gegenüber Bemängelungen des Abg. Erzberger. Der Entwurf wird genehmigt. Es folgt die Beratung des P 0 st­et a l S (Ergänzungsetats). Tie Debatte erstreckt sich aus die Aufbesserung der Beamtengehälter und auf die sog. gehobenen Stellen. Ans der Kommission wurde angeregt, die Ausbesserung für die gehobenen Stellen abzulehnen, um da­durch die Verstimmung der nicht gehobenen Unterbeamten nicht noch zu vermehren. Von anderer Seite wurde es aber als nicht angängig erklärt, die gehobenen Beamten in solcher Weise zu fünfen". Die Titel, die die Mehrforderungen für die Unter» amtengehälter enthalten (Gesamtmehrbedars 1518 246 Mk.) wer­den bewilligt. Im weiteren Verlaufe der Debatte erklärt Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel, er hoffe im Laufe der zweiten Lefung die gestern im Plenum angekündigte Vorlage betreffend die Beamtenbesoldungen vorzulegen.

Der Senioren konv ent trat heute zu einer Be­sprechung zusammen, deren Gegenstand die Meldung bildete, daß die Staatsanwaltschaft gegen die Mitglieder der s 0 i i a l- demokratischen Reichstagsfraktion ein Verfahren gegen die 1 und 12 des Vereinsgesetzes ein geleitet habe, weil diese unter Hinzuziehung einer größeren Anzahl sozial­demokratischer Redakteure in ihrem Frattionszimmer im Rerchs- tagSgebände Besprechungen über die in der Parteipresse einzu- schlagende Taktik abgehallcn haben. Wie feftgestellt wurde, ist die Mitteilung, die Staatsanwaltschaft habe ein Verfahren bereits anhängig gemacht, nicht zutreffend. Dagegen hat der Präsident des Reichstags beim Reichskanzler über die Einmischung der Polizei Beschwerde erhoben. (Vgl. die Polit. Tagesschau".)

Die meiu-srcgierung sucht die Zeit bis zur Beantwortung der Interpellation über die Schissahrtsabgaben nach Mög­lichkeit auszunutzen, um die wibersttebeiiden Bundesstaaten für sich zu gewinnen Zur 'Seit schweben, wie die Nat.-Ztg. hört, besonders mit Württemberg Verhandlungen, das buraj ähnliche Zugeständnisse wie Bayern den Schissahrtsabgaben geneigt ge­macht werden soll. Auch im elsast-lothr. Lanbes-Aussck- ist von der Övegierung für ihren Plan Stimmung gemacht worden.

Schwerin, 20. Aäärz. Von einer der Regierung nahe stehenden Seite verlautet, dap die beiden mecklenburgischen Groß- Herzöge fest entschlossen sind, die Frage der Versa ssungs- reform auf einem außerordentlichen Landtage un­bedingt zum Abschluß zu bringen. Sollte das Reformwerk jedoch an dem Widerstande der Ritterschaft scheitern, so würden die Grvßherzöge sich selbst über die Köpfe der Ritterschast hinweg an den Bundesat wenden, dort ihre Anträge einbringen und einen Zusatz zum Artikel 3 der Reichsver,assung beantragen, um sich hierdurch freie Bahn zur Einführung einer zeitgemäßen Verfassung schassen.

Stuttgart, 19. März. Die Regierung hat den Ständen die Vorlage über die Beamtenaufbesserungen über­geben. Die Vorlage sieht nach demStaatsanzeiger" eine Er -

ihm für immer gehören. Diesen aber verbinden jetzt zärtliche, idealgeartete Bande mit feinem jungen Deinen Cousinchen Lena, das bei den Förstersleuten wohnt und mit Frau Kalhi innige Freundschaft pflegt. In einer .ernsten, bewegten Unterredung hat Otto der älteren «Geliebten erklärt, die Vergangenheit, bezw. ihr toter Gatte, stände zwischen ihnen. Durch Lena indes erfährt Kathi den wahren Grund von Ottos Rückzug und verzweifelnd ertränkt sie sich Bei ihr sand man des Geliebten Absagebrief. Der alte Förster sagt sich von seinem als wortbrüchig und ehrlos angesehenen Sohne los, und dieser tötet sich während der eben angesetztcn fürstlichen Jagd. Die Handlung ist wenig ergiebig, der Dialog jedoch durch einen starten dramatischen Nerv belebt und die seelischen Aktive der natürlich geschilderten Menschen sanden eine alles Krasse vermeidende, feine Behandlung. Da man allzu bald einen sicheren Blick auf den Ausgang gewinnt, verbleibt leider wenig Spannung. Einige Längen machen sich in störender Weise geltend.

Tas im Detuichen Theater in Berlin zur ersten Aufführung gelangte Drama von Schalom AschDer Gott der Rache" ist bei S. Fischer, Verlag, Berlin soeben in Buch'orm erschlenen.

Von der Lieferungsausgabe derK l a s s i k e r d e r K u n st in Gesamtausgaben' (Stuttgart, Deutsche Verlags-An­stalt) sind die Lieferungen 61 bis 70 (ä 50 Psg.) und damit der Schluß der ersten, die fünf Bände Raffael, Rembrandt (Gemälde), i 4 i a n, Dürer und Rubens umfassenden Serien erschienen. Das von diesem Unternehmen zum ersten Male mit büU.r Konsequenz durch geführte Prinzip, das Schaffen der einzelnen Meister in chronologisch anmuandergereihten Reprodurtwnen ihrer ä m t l 1 ch. e n Werke vor Augen zu führen und daneben das childernde oder erläuternde Wort des Kunstgelehrten in den Hinter­grund treten zu lasten, hat sich als überaus fruchtbar etnnefen. Wer diese handlichen und gediegen ausgestatteten Aionographttn besitzt, ist in der Sage, sich durch eigene, leoenbige Anschauung in die Formensprache unserer großen Künstler zu verliefen, das Größte und Befte, was die bildende Kunst eines halben Jahv- lausends hervorgebracht hak, sich -eigen zu mack>en. In Vor­bereitung sind u. a. die Bände Eorreggio, van Dyck, Jan Sreen, Holbein, Donatetto, Hals, Rechel, Botticelli.

höh'ung deS W 0 h n un g S g eld e S um durchschnittlich 60 Proz. des bisherigen Bettages und eine Aenderung der bis­herigen Einteilung in Ortsklassen vor. Außerdem sollen die Unterbeamten, die Volks schullehrer und -Lehre­rinnen sowie die Landjäger eine dauernde Zulage von 5 0 M k. mit Rückwirkung vom 1. Oktober v. I. an erhalten. Der gesamte Aufwand, den die Beamtenaufbesserung erfordert, beträgt 4 360 047 Mk. im ersten und 3 756 127 Mk. im zweiten Jahre.

Die Regierung hat den Ständen eine Denkschrift über die Erhöhung der Posttarife für den Orts- und Nach­barortsverkehr vorgelegt. Es soll vom 1. April ab das Briefporto von 3 Psg. auf 5 Psg. und das Postkartenporto von 2 Pfg. auf 5 Psg. erhöht werden; das Porto für Drucksachen, Geschäftspapiere und Warenproben wird ebenfalls erhöht; die Zweipfeiinigmarken und die Zweipfennigkarten sollen ganz in Wegfall kommen. _______

Ausland.

Wien, 19. März. In hiesigen diplomatischen Kreisen wird erzählt, das; der Reichskanzler Fürst Bülow auf seiner Oslerreise nach Italien eine Zusammenkunft mit dem italienischen Minister des Aeußern, Tittoni, haben werde.

Bukarest, 19. März. Infolge der seit einiger Zeit dem Bessarabien benachbarten Gebiete der Obermoidaii betriebenen Agitation verwüsteten gestern mehrere hundert Bauern auS der Umgegend von Botusani eine Anzahl Häuser und Geschäfte der Stadt, darunter mehrerer großer jüdischer Firmen. Tie gegen die Aufrührer ent andte Aiililärabteilung wurde mit ÜHeuolucrn und Steinen angegriffen. Rach wiederholter Aufforderung machte das Utilitär schließlich von der Waffe Gebrauch. Die Ausrührer räumten dann den Platz und ließen vier Tote und neun Verwundete zurück.

In Jassy wurden am 19. März sechs jüdische Geschäfte verwüstet und geplündert. In sieben uinliegenden Ortschaften spielten sich ähnliche Szenen ab. In Telezestie und Czora teilten b 1 e Bauern das Land unter sich. In Targul und Frennosa marschierten 2000 Bauern ein und eröffneten ein Steinbombardement auf die jüdischen Geschäfte. In den Schänken und Branntivemläden öffneten die Bauern die Hähne und ließen alle Getränke auf die Gaste laufen. Das Jassycr Korpskommando rief Re- eroiften ein, um genügend Truppen zur Hand zu haben. Bisher wurden vom 'Dlilitär 16 Bauern getötet und viele verletzt. Der Grenzort Bordujeni wurde dem Erd­boden gleich gemacht. An der österreichischen Grenze werden dem Ueberlritte der Juden feine Schwierigkeiten gemacht.

Riga, 19. März. Der seit langen Jahren hier an­sässige deutsche Ft e 1 s ch e r m e i st e r Karl Fieckerth ist auf offener Straße vor feinem Hause ermordet worden. 4 vermummte Personen gaben 7 Schüsse auf ihn ab. Er starb sofort. Tie Täter entkamen.

2hi» Stadt und Land.

Gießen, den 20. März.

* * Eine Sitzung der Stadlve r ordnete u-Ver- s a m in lang findet am D 0 nnerslag, 2 1. Ak ä r z, nach m. 4 U l) r, mit folgender Tagesordnung halt: 1. Baugesuch des W. Gernhardt für den Schisfenberger Weg. 2. Desgleichen des Karl Kan'inann Uir die Marburger Straße. 8. Tesgl. des August Helfenbem für den Wiefecker Weg. 4. TeSgl. des Louis Jochem nie die Rodheimer Straße. 5. Gesuch um Genehmigung eines Schaukastens am Haufe Bahiihoisiraße 64. 6. Vergebung von Ar­beiten und Lieferungen. 7. Anlage neuer Eiiüafsungsgräber. 8. Ver­legung der Oktroihebestelle am Neuenweger Tor. 9. Verlegung Des Wasserhäuscheus am Neuenweger Tor. 10. Verkauf aller rheaterdckorallonen. 11. Lieferung von Gaskoks und elektrischer Energie für oen Theaterbemeb. 12. Schreibhülfe stir den Woh- nungsmfvektor. 13. Veränderung der Gemarkungsgrenzeii im An­schluß an die Feldbereinigung. 14. Gesuch des Karl Valentin um Erlaubnis zum Gastwirtschausbetriebe im Hause Lchützenstraße 18. 15. Gesuch des Karl Euler IV. um Erlaubnis zum Schankwirt- ichaftsbetnebe im Hause Schützenstraße 15. 16. Vorläufige K r e d 11 v e r w i l 1 i g u n g für das Rechnungsjahr 1907.

* * Von der 2. K a m ni e r. Rach einer soeben er­schienenen Schrift sind seit dem letzten Erscheinen des Hand- buches im Jahre 1901 24 neue Mitglieder in die Kammer eingetreten, und zwar Adelung-Mamz, Auler-Bensheim, Berthold-Darmstadt, Best-Osthofen, Braun-Alsheim, Breiden» bach-Dorheim, Breimer-Beerfelden, Büchner-König, Damm- Friedberg, Finger-Pfeddersheim, Fnlda-Tarmstadt, Dr. Gtässing-Tarmsladt, Hauck-Schafheim, Hicschel-Friedberg, Lang-Michelsladt, Orb-Offenbach, Dr. Osann-Darmstadt, Raab-Pfungstadt, Neh-Alsfeld, Sensfelder-Büttelborn, Stöp- ler-Lauterbach, Uebel-Tieburg, Ullmann-Nd.-Erlenbach und Weber-Konradsdorf. Gestorben sind der neu eingetretene Abg. Müller, sowie die Abgg. Mollinger, Weidner, Schubarth, Häusel und Haas-Mainz. Tas älteste Mitglied ist der 75jährige Abg. Horn-Seligenstadt, das jüngste Mit­glied ist Abg. Adelung mit 31 Jahren. Am längsten gehören der Kammer an die Abg. Schönberger und Rein­hart (seit 1878) und Pennrich (seit 1879). Rach der Par- teiziigehörigkeit giebt es 17 Nationalliberale mit 1 Hosp., Aul er, Best, Braun, Breimer, Büchner, Diehl, Finger, Haas, Tr. Heidenreich, Lang, Dr. Osann, Psthan, Reinhart, Schön­berger, Selmger, Clöpler, Ullmann und Glässmg (Hosp.). 11 Bauernbündler nut 2 Hosp.: Bähr, Brauer, Breidenbach, Erck, Hauck, Hirschel, Joutz, Köhler, Korell, Schmalbach und Senßfelder, Leun und Wolf (Hosp.). 7 Zentrumsleute: von Brentano, Dr. Frenay, Horn, Molthan, Pennrich, Dr. Schmitt und Nebel; 7 Sozialdemokraten: Adelung, Berthold, Dr. David, Dr. Fulda, Orb, Raab und Ulrich; 8 Frei­sinnige: Damm, Dr. Gutfleisch und Reh; 2 Wilde: Noack und Dr. Weber.

* Eine sensationelle Nachricht wird soeben, wie unS aus Darmstadt geschrieben wird, im Odenwald und an dec Bergstraße bekannt. Seit vielen Jahren wurden die Bewohner von Hering, einem am Abhang des Otzberges liegenden Städtchen, durch fortgesetzte anonyme Briefe und Postkarten teilweise des unflätigsten Inhaltes belästigt, ohne das; man eine Spur des Täters finden konnte. Meist mären eS achtbare Leute, Lehrer, Beamte etc. die bei ihren Behörden der schwersten Vergehen aller Art beschuldig! wurden. Alle Untersuchungen hatten bisher zu keinem Resultat geführt. In der letzten Zeit wurden nun die Briese ganz gleichen Inhaltes von Hühnlein bei Rendsheim aus versandt. Wieder waren es besonders Lehrer und Beamte, die dem Anonymus zum Opfer fielen. Den fortgesetzten Bemühungen dec Staats- arnoaltfchaft gelang es in die Sache Licht zu bringen. Zwei Lehrer in Hühnlein hatten nämlich Verdacht auf den evang. Pfarrer I. Biegler in Hühnlein, der nicht gut zu ihnen stand und man konnte alsbald konstatieren, daß der Pfarrer

vorher in Hering gestanden hatte und nach seiner Versetzung nach Hühnlein die anonymen Sendungen in Hering aufhörten, während sie bald nach seiner Niederlaffung in Hähnlem dort begannen. Kriminalkommissär Daniel, der seit einiger Zeit die Spuren verfolgte, konnte nach Vernehmung von Sachverständigen mit Gewißheit feststellen, daß die Täterschaft nur an Biegler hängen bleiben kann. In Hering hatte früher kein Mensch auf den Pfarrer Verdacht, nach der Untersuchung daselbst ist es jedermann klar, daß nur der Pfarrer der Täter sein kann. Eine Menge Material wurde beschlagnahmt. Die Indizien sind sehr gravierend.

4- Wleseck, 20. März. Gestern abend fand im Lokal des Gastwirts L. Wacker eine gut besuchte Bürger-Ver- |a mm hing statt. Auf der Tagesordnung stand di« Bürgermeisterwahl. Ter Einberufer, Werkmeister Karl Dech, dankte der Versammlung für das zahlreiche Erscheinen und bat, dafür zu sorgen, daß die Versammlung in ruhiger und sachlicher Weise verlaufe. Ferner schlug er vor, zwei Vorsitzende und einen Schriftführer zu wählen. Gemeinderat Daniel Erb wurde darnach als 1., Brauer Jos. Schöfmann als 2. Vorsitzender und Ludwig Jung als Schriftführer ge­wählt. Schreinermeister Karl Schomber ergriff hierauf das Wort und legte dar, daß Wieseck, em Ort von 3000 Seelen, in manchen Angelegenheiten noch sehr rückständig sei. Ec bemängelte vor allem, daß unser Ort noch fein Gemeindehaus besitze, wo die Gemelndeangelegenhelten beraten werden könnten. Es sei ja eins da, aber es zu betreten, sei immer mit Lebensgefahr verbunden. Der Gemeinderat möge doch endlich einmal Wandel schaffen und ernstlich bemüht sein, em Gebäude zu errichten, das wenigstens em Amtszimmer, un Privatzimmer und einen Sitzungssaal enthalte. Vor allem müsse dahm gewirkt werden, daß Wieseck em Baugesetz erhalte und die Vergebung von Baugelände in eigene Hände nehme, so daß sich jeder ein Haus nach seinem Geschmack er­richten lassen könne und nicht auf spekulierende Bauunter­nehmer angewiesen sei. Es wurden sieben Kandidaten vor­geschlagen, von denen sich Landwirt Heinrich Reidel, Schremermeister Karl Schomber und Kaufmann August Seibert bereit erklärten, eine Wahl anzunehmen. Stach Besprechung verschiedener Gcmeindeangelegenhcüen wurde als Wahltag der 30. März vorgejchlagen.

A Aus dem Ü um bat al, 19. März. Unter zahl­reicher Beteiligung wurde am Sonntag in Allendorf a, Lda. ein .Lumdatal-Sängerbund" gegründet. Zum Bundespräsidenten wurde Lehrer Gödtel in Treis a. Lda. gewählt. Tas 1. Bundesfest erhält der Gesangverein zu R ü d d i n g s h a u s e n, der im Juni eine neue Fahne weiht, br. Rodheim a. b. Bieber, 20. März. Im schönen Monat Mai und zwar am 5. d. Mts. (beabsichtigt die hiesige Fr eiw. Feuerwehr die 1. Bezirksübung abzuhatten; die vom ersten 23uOtrt des Feuermehrverbandes im Regierungs­bezirk Wiesbaden ihr übertragen wurde. Bei der Hebung wird der jungen Wehr Gelegenheit gegeben, zu zeigen, baß sie nicht, wie leider manche urteilen, eine unnütze Zusammenschlie- 6 u n g, sondern ein durchaus nützliches Institut für die Ge­meinde ist und deshalb die warme Unterstützung der Gemeinde­behörde verdient. Wenn diese erfolgt, könnte sich Rodheim, da es sckwn im Besitz einer Wasserleitung ist, auf dem Gebiete deS Feuerlöschwesens anberen Gemeinden ebenbürtig zur Seite stellen.

I Wabe rts Hausen, 20. Rtäcz. Bei der gestern hier abgehattenen Bürgermeisterwahl wurde Landwitt Karl Reich arbt, em Schwiegersohn des verstorbenen Bürgermeisters Widdersheim, mit 7 Stimmen Mehrheit gewählt. Sein Gegenkandidat Landwirt Konrad Hofmann trat noch in letzter Stunde zugunsten des Beigeordneten Land­wirt Konrad Ludwig zurück, der aber trotzdem nur 14 Stimmen erhielt.

Mainz, 19. März. Einen merkwürdigen Betrug hat n. d. Viz. Tgbl. gestern hier ein Taglöhner verübt. Um Geld zum Trinken zu bekommen, hat er eine Bescheinigung eines Arztes selbst lamgefertigt und mit dem Namen des Arztes unter­zeichnet. In dieser Bescheinigung war gesagt, daß das zwei Jahre alte Kind des Taglöhners gestorben wäre. Die Be­scheinigung gab er bei dem Staiidesamt ab, damit der Eintrag in das Sterberegister erfolge und ihm eine Bestätigung der Anzeige gegeben werde, mit der er dann das Sterbegeld bei der Orts^ krankenkasse erhoben hätte. Dieses Vorhaben wurde aber vereitelt. Das Kind lebt und ist gesund. Wegen Urkundenfälschung und Betrugsversuchs hat sich nun der bereits mehrfach beftrafte Vater zu verantworten.

Seligenstadt, 17. März. Hier bestanden feit Jähren nebeneinander zwei K 0 n f e s s io n s s chu l e n. Die Kosten der evangelischen SäMle wurden vom Gustav-Adolf-Verein bestritten. Letzterer kündigte vor Jahresfrist die Aufbringung der Kosten, weil die Zahl der protestantischen Kinder mehr als 50 erreicht hatte und damit die Verpflichtung der politischen Gemeinde ein­getreten war, die Schulkosten zu übernehmen. Der Gemeinbe- vorftand erklärte sich einstimmig bereit, unter der ausdrücklichen Erklärung, daß er von dem Rechte der Errickstung einer Simultan- schule Abstand nehme. Die Ministerialabtellung für bas Schul­wesen aber Verfügte die Umgestaltung in eine Simultan­schule. Ein Protest mit mehreren hundet Unterschriften fand beim Ministerium keine Beachtung. Nunmehr hat bet Gemeinde- Vorstand eine Eingabe an den Landtag gerichtet.

hc. F r a n k f u r t a. M., 20. März. Wie wir hören, hat Prof. Dr. Lüthje, Direktor des städtischen Krankenhauses, den Ruf als ordentlicher Professor an die Universität Halle a. S. ab­gelehnt.

Fulda, 19. März. Die Weihe des Bischofs Schmitt wurde heute in der hiesigen Kathedrale nach feier­licher Prozession durch die via Triumphalis vollzogen. Die Konsekration nahm vor Dr. Willi auS Limburg, Bischof Dr. Kicstein aus Mainz und Bischof Dr. v. Keppler auS Rottenburg. Als Ehrengäste waren der Oberpräsident der Provinz Hessen-Naffau v. Windheim, der weimarische Korn- miffar Geheimrat Höckel, die Landgräsin von Hessen, die Fürstin von Ysenburg-Birstein und für den Bonifatiusoerein Graf Stolberg erschienen.

* Kleine Mitteilungen n u § Hessen und b en Nachbarstaaten. In Nieder-Mockstadt wird in diesem Jahre eine Wasserleitung errichtet. In Bernsburg wurde Nlagnus Keller zum Bürgermeister gewählt.In HerS- ield machte ein Fähnerich von der Kriegsschule seinem lieben durch Erschießen em Ende. Ueber den Grund verlautet nichts Bestimmtes. In Hohensolms wird in diesem Jahre ein neues Bürgerm eist ereigebäude erbaut. Aus der Station Wirtheim aus der Bebraer Bahnstrecke ist wegen Hochwasser der Eisenbahn-Derkehr unterbrochen. Die Ausgabe von Fahrkarten und Annahme von Gütern wurde bis auf weiteres eingestellt.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 15. März.

Eine erfolgreiche Berufung.

Ter Taglvyner tt. R. von Grnnberg wurde durch das Schösseugericht wegen Knitzerv.erletzung tu