Der Winzerkricg in IrankreiH.
Heute vormittag gingen uns folgende Drahtmeldungcn zu:
. Paris, 25. Juni. Gegen Mitternacht faßte der Haupt- Ausschuß der Winzer von Argcllier unter dem Vorsitz -Alberts den Beschluß, daß er trotz des Versprechens Clemcn- ceaus, Milde walten zu lassen, die Gefangenen frei zu lassen, das -Militär zurückzurnfcn und den Weinbauern hilfreiche Hand zu 'leisten, sobald der gesetzmäßige und friedliche Zustand wiederher- tzestellt sei, ruhig und friedlich die begonnene Aktion fortzu- setzen jinb alle befreundeten Ausschüsse aufzuforderir, sich dem «uzuschließeru Die Versprechungen des Ministerpräsidenten werden nicht für ausreichend angesehen. — Das 17. Infanterieregiment wird dein Vernehmen nach in den Süden von Tunis verlegt werden.
Ferner liegen heute folgende Meldungen vor:
N a r b o n n e, 24. Juni. Ober st Gerard, der mit der ^Untersuchung der Ereignisse vom 19. und 20. d. M. vom Kriegsminister beauftragt ist, macht'den General Turkas verantwortlich, seinen Dien st nicht erfüllt zu haben. Am Abend der Schießerei und am 20. hatte er keine Vorsichtsmaßregeln getroffen, um die Zugänge des Unterpräfekturgebäudes zu bewachen, Koch die kleine Straße abzusperren. Hierdurch gelang cs der Menge, bis in das Unterpräfekturgebäude zu gelangen und Feuer anzulegen. Die Untersuchung hat ferner ergeben, daß die Gendarmen die Menge aufforderten, sich zurückzuzichen, daß aber die Aufforderung 'wegen des Tumultes von den meisten nicht gehört worden sei.
Paris, 24. Juni, .tiefer die Rev ölte des 17. Infanterie-Regiments meldet heute das „Echo de Paris", daß die Leute infolge der ihnen zuteil gewordenen Behandlung ihre Meuterei fortsetzten. Sic verlangten Urlaub über Sonntag, welcher ihnen verweigert wurde. Trotzdem verließen 300 Soldaten ohne Waffen die Kaserne und begaben sich zu ihren Familien. — Es stellt sich auch heraus, daß im 81. Infanterie-Regiment Meutereien vorgekommeu sind.
Paris, .25. Juni. In einem Infanterie-Regi- '.ment in Avignon kam es zu Ausschreitungen. Oberst St. James wurde vor dem Kasernenhofc von Soldaten verhöhnt und dann im Kasernenhofe von Soldaten nut Zischen emp^ngen, während draußen Versuche gemacht wurden, das Tor zu sprengen. Vom Pins-Platze her, wo militärfeindliche Kundgebungen stattfanden, zog die Menge zur Kaserne. Sergeant Jullicn an der Spitze einer AbteUung drohte den Herankommenden mit einem Bajonett-Ausfall. Dem Oberstleutnant Dalbicz gelang es nach längerem Parlamentieren, die Menge zum Abzug zu bringen.
Die Friedenskonferenz.
Haag, 24. Juni.
In der heute mittag beendeten Sitzung der dritten Kommission machte der Präsident der Kommission, der erste italienische Delegierte Botschafter Tornielle, Vorschläge zur Einteilung der Kommission in zwei Gruppen. Die erste Unterkommission hat zu behandeln: die Beschießung von Häfen, Städten und Ortschaften durch eine Flotte, das Legen von Torpedos und Minen, wie überhaupt die Benutzung von Vernichtungsmitteln, ferner die Vervollständigung der Verträge von 1899 für den Seekrieg. Die zweite Unterkommission hat sich zu beschäftigen mit dem Regime, dem die Gebäude der Kriegführenden in neutralen Häfen unterworfen werden sollen: ferner mit den Prinzipien der Genfer Konvention von 1864, revidiert 1906. Auch sollen, wenn es nötig erscheint, Sonderausschüsse gebildet werden. Hierauf brachte Horace Porter (Vereinigte Staaten) einen bekannten Vorschlag über die Beschießung von Häfen und Ortschaften im Seekriege. Der engl. Delegierte Sir Ernst Satow behält sich vor, einen Vorschlag über Gebrauch von Torpedos und Minen zu machen.
In der vierten Kommission hat England einen Antrag eingebracht betr. die Wegnahme von Schiffen der Neutralen. Es wird noch einen weiteren Antrag einbringen, durch welchen der Begriff eines Kriegsfahrzeuges festgelegt werden soll und gab eine Erklärung über die Frage der Kriegskonterbande ab. Amerika stellte einen Antrag betreffend das feindliche Privateigentum auf See.
Deutsches Rerch.
Berlin, 24. Juni. Ter Ncrt.-Ztg. zufolge hat Könige Eduard beit deutschen K,aiser zum November ein<xe- laden. Entschließungen über die nächste Zusammenkunft der beiden DU)narchen )iitb «aber noch nicht getroffen.
— Die Ausdehnung der obligatorischen Krankcnvev-g 1 tcherung auf die land- und forstwirtschaftlichen Ä rb ei L er ist zur Zeit Gegenstand der Beratungen in den Reichs- und preußischen Staatsbehörden. Die Frage dürfte voraussichtlich so geregelt werden, daß durch ein Reick-sqefttz die Versicherungs- Pflicht, der ländlichen Arbeiter zur Einführung gelaugt, die Durchführung derselben aber den Bundesstaaten durch Laudesgesetz überlassen wird.
— Tas Reichsjam t des Innern soll der Freis. Ztg. zufolge in der Weise in zwei neue selbständige Aemtev zerlegt werden, daß das eine die eigentliche politische Abteilung, das andere die Arbeitcrgesetzgebung und Wohlfahrt umftaßt.
— Graf Posiadowsky gedenkt sich ans Reisen zu fe- aeben, um die wirtschaftspolitischen und vor allem sozialpolitischen Verhältniffe fremder Staaten eingehend zu f:-.bieren. Sein Weg wird ihn nach Frankreich, Italien und England, vielleicht auch nach Amerika führen. /
— Ter Abg. Erz berg er hat gegen den Verteidiger des Herrn von ^cnulgsen, Rechtsanwalt Alemann, die Bc- leidi gungsklage eingereicht.
Lübeck, 24. Juni.^ In der heutigen Versammlung der Bürgerschaft mochte der ^cnat gegenüber anderweitigen Llatter- meidunoen folgende berichtigende Mitteilung: In den Jahren 1813/14 find zugunsten der Stadt Lübeck für die Verbs l c g u n g s ch w edischer Truppen und die Lieferung an dre^schwedische Armeeverwaltung Forderungen von restlich v0 000 rhciNiscyen Gulden erwachsen. 1852 beim Abschluß des Handelsoertvages zwischen Lübeck und Schweden wurde festgesetzt daß Lübeck wahrend, der Tjauer des Verttages aus diese Forderung verzichte Nach Abjchluß des dcutfcks-schwedischen Handelsverrraas wurde der, alte Vertag nur Lübeck aufgehoben. Es gelang dem Lübecker ^enat wtt Unterstützung des Auswärtigen Amts, die Forderung von oO 000 Gulden gleich 8 5 7 13 M k v o n E ch w e - den ohne Zinsen einzuziehen.
Weimar, 23 Juni. Tlrs Landesdcnkmal für den verstorbenen G rotzherzog Karl Alexander wurde heute wiMt. Es waren fezn u. a. erschienen ach Vertreter des Kaisers Prinz ^rtedr.ch Leopold von Preußen, die Großherzogin von Baden, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Regent von Braunschweig, TepuHalionen des österrcich. Infanterieregiments Nr. 64, des russ. Dragoner-cgirnents 9c’r. 30, des säck-i Kar-abinierreglments und des preuß. Kurafsierregiments Dir. ä"
Neues aus Rußland.
Ein Petersburger Korrespondent erhielt von dem Finanzminister Kokowzew die Erklärung, das; die russische Finanzverwaltung die Deckung eines sich eventuell ergebenden Geldbedarfs nur in Rügland selbst zu suchen entschlossen sei, daß somit die Inanspruchnahme des internationalen Geldmarktes einerseits nicht zu er warten sei.
In Terijeki (Finnland) tagt eine Kadettenkonfe
renz. Sie beschloß, das Zentralkomitee zu beauftragen, an die Provinzkommissionen Rundschreiben zu richten, in denen gegen alle Parteien, die sich mit dem Staatsstreich vom 16. Juni zufrieden geben, scharf Stellung genommen werden soll. Die Frage, ob die Partei sich an einem Wahlseldzug beteiligen soll, wurde mit überwiegender Mehrheit in bejahendem Sinne entschieden. Zum Herbst soll ein neuer Kongreß einberufen werden.
Der Kommandeur und sämtliche Offiziere des Sappeur-Bataillons, welches am 18. d. M. in Kiew gemeutert hat, wurde dieses Postens enthoben. Im 11. Sappeur-Bataillon in Odessa ist gleichfalls eine Meuterei ausgebrochen. Nur mit großer Mühe gelang es Kosaken, die Ordnung wieder herzustellen. Werbei wurden einige Soldaten verwundet und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.
Ausland.
London, 24. Juni. Im Anschluß an die Rückkehr des Lordmayors und der englischen Stadtvertreter erklärt die „Daily Graphic", die damit beendete Reihe interessanter Versuche einer anglo-deutschen Aussöhnung dürfte die erfreulichsten Resultate zeitigen, falls die Staatsmänner auf beiden Seiten jetzt das gute Werk fortsetzen. Wenn jetzt offizielle Schritte getan würden, um zu veweisen, daß die alte Freundschaft wieder hei gestellt sei, so würden sie sich zweifellos als äußerst populär erweisen.
Lissabon, 24. Juni. Im hiesigen Lyzeum wurde heute eine regierungsfeindliche Kundgebung veranstaltet, bei der die Studierenden die Marseillaise sangen. Die Polizei drang in das Gebäude ein. Em Professor und mehrere Studierende wurden verwundet.
Wien, 24. Juni. Aus Triest ist die Meldung hier eingetrosfen, daß Kaiser W i l h e l m im Winter die Insel Korfu besuchen will, um das Schloß Achilleion zu besichtigen, und daß er von Korfu aus die Stadt Sanina besuchen wird. Eine Bestätigung der Meldung liegt noch nicht vor.
— In der heutigen Sitzung des Jndustrierates wurde der Antrag, daß die Regierung der von Preußen geplanten Einführung von S ch i f f a h r t s a b g a b e n auf der Elbe unter keinen Umständen zustimmen soll, nach kurzer Debatte einstimmig angenommen. Im Laufe der Debatte erklärte Ministerialrat Fries, die Regierung sei der Ueberzeugung, daß die internationale Rechtslage eine Gewähr sür die Aufrechterhaltung der Freiheit von den Abgaben biete, und werde von jenen Garantien Gebrauch machen, die das Recht Oesterreich biete.
Kitte UesichLigung der landuüttschaMiHen Ker- juchsftjder bei Oiejreu.
Cp Gießen, 24. Juni.
Gestern nachmittag 3 Uhr trafen mit der Bahn zahlreiche Landwirte und landwirtschaftliche Interessenten ein, nm unter Führung des Prof. Dr. G i s e v i n s eine Besichtigung der landwirtschaftliche Versuchsfelder vorzuncstmen. Unter den Erschienenen befanden sich Mitglieder des Klubs der Landwirte aus Frankfurt. Hierzu gehören Landwirte aus Bayern, Hessen-Nassau und dem Großherzogtum Hessen, dann erfd)iencn der Klub Ober- hessischer Landwirte, der Gießener landwirtschaftliche Lokalverein (begründet von Albrecht Thaer), Teilnehmer am landwirtschast- lichen Unterrichtskursus sür Fortbildungsschulen, Studierende des landw. Instituts Gießen, die Zöglinge der Ackerbauschicke zu Lich und Landwirte aus dem Kreise Wetzlar. Auch einige Herren von der Ständekammer und Landwirtschaftskammer waren dabei. Mit Wagen, die zum Teil in dankenswerter Weise Herr Bichler zur Verfügung gestellt hatte, fuhren die Teilnehmer zuerst nach dem landwirtschaftlicfen Institut in der Senckenbergsttaße. — Im botanischen Garten wurde die neu angelegte Hopfenschule in Augenschein genommen. Prof. Dr. Gisevius gab eine ausführliche Schilderung. Die Hopfenschule ist im Winter gerodet worden unb ist jetzt mit 27 Sorten Hopfen bepflanzt. Sehr wichtig ist die Frage der Hopfenstangen. Sein Bersahren, sie möglichst danerhast zu machen, besteht darin, daß man die gefällten Stangen sofort entrindet und sie dann in eine Kuviervitriollösung — 2 Proz. Blausteinlösung — stellt. In 4 Tagen saugen die Stangen die Lösung bis in die Spitzen und erhalten eine bläuliche Färbung. Derart präparierte Stangen hallen 20 bis 25 Jahre, während gewöhnliche Stangen schon nach 4—5 Jahren absanlen. Auf einem Morgen braucht man 1200 Stangen. Auch Zaunpsähle, Sparren und anderes Holzmaterial lassen sich so danerhast machen. Sodann wurde die Bespritzung der K a r t o f s e l a b t e i l u n g mit Kupferkalkbrühe vorgeführt. Da sich allenthalben die Kartoffelkrankheit zeigt, soll die Bespritzung des Versuchsfeldes auf der Hardt in den nächsten Tagen erfolgen. Es folgte dann noch ein Gang durch das. land w. Institut, dessen praktisch eingerichteten Räume allgemeine Anerkennung und Lob sanden, so auch besonders das Laboratorium und die Arbeitsräume.
Nach dieser Besichtigung fuhr die Gesellschaft nach den großen Versuchsfeldern an der Hardt unb zwar wurden zuerst die unten im Lahntal liegenden Aeckcr besucht. Prof. Dr. Gisevius gab zuerst einige Erläuterungen über die Versuchsfelder. Die Bestellung der Parzelle.i muß den örtlichen Bestellungen angepaßt werden, damit auch die Erfolge auf die hiesigen Verhältnisse anwendbar sind.
Das vordere Feld am Sportplatz ist mit Bohnen, Gerste, Hafer, Weizen und dtoggen bestellt und ist in lange schmale Parzellen geteilt. Im Lahntal ist die Auswinterung des Getreides ziemlich stark. Der praktische Landwirt pflügt um unb bestellt cs neu, auf dem Versuchsfeld geschah dies nickt, um zu sehen, was stehen bleibt, und um die Widerstandsfähigkeit der einzelnen Sorten gegen die Kälte feststellen zu können. Und es war tatsächlich zu sehen, daß mehrere Sorten sich gut erholt, andere kaum erholt fetten.. Zu bemerken ist, daß das Versuchsfeld noch im Anfang begriffen ist, bei Besichtigungen in späteren Jahren wird das Bild viel günstiger sein. Ter Führer wendet sich nun zu den einzelnen Sorten. Bezüglich der Pferdebohne betont er, daß voriges Jahr der Morgen 22 Zentner geliefert hat, dies Jahi find die Aussichten geringer. Interessant war es, hie verschiedenen Getreidearten zu sehen, darunter befand sich auch eine von Professor Gisevius selbst gezüchtete sogen. Gießener Weizensorte, die sich für unsere Gegend anscheinend gut eignet. Tie Sortenzucktvcrsuche des Gießener Versuchsfeldes sollen oen hessischen praktischen Landwirten Anregung für die Züchtung hessischer neuer und besonders geeigneter Getreidesorten geben. Das Versuchsfeld bient im übrigen auch ben wissenschaft- u.chen Arbeiten bes Institutsdirektors, ber Assistenten unb Studierenden, sowie den seit 1906 veranstalteten Maschinenprüsungen. Die Versuche auf vem Gießener Versuchsfeld stehen ferner in Beziehung zu den von der, Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft ftir ganz Deutschland vorgeschlagencn Sortenanbauversuchen, sodaß alle beteiligten Faktoren vollkommen Hand in Hand gehen.
(Simge Düngungs versuche mit den neuen Düngemitteln, wie Stickstosskalk, schweselsaurem Ammoniak u. a.. zeigte eine andere Parzelle und zwar an Gerste und Sommerweizen. Bei der Gerste gift es, die Braufähigkeit, beim Weizen die Back- fähigkcit sestzustellcn. Nach ber Arbeit aus bem Fcloe werben im Laboratorium alle Eigenschaften ber Früchte sestgestellt. — Die Flur an ber Felbbahn entfelt Parzeckeu für ;-5uae?-ü ien, Futterrüben, Kohlrüben — unterirbische Kohlraben — unb Futter- möhren. An Dickwurz bewähren sieh bcsonbers bie Eckcn- böricr; die Kohlrüben würben hauptsächlich für ben Westerwald angepslanzi. Wiederum wurden bic Wagen bestiegen uns Institut bezahlt wirb. Wieder um würben bic Wagen bcniegen und nun folgte bie Fahrt auf die Höhe des Hardlveraes zur
Besichtigung der Kartoffelkultnrstation, die die drei Teile umfaßt: Hauptversuch, Wiederholung des Hauptversuchs unb Vorversuch. Im ganzen sind es 241 Sorten Kartoffeln. Wie sparsam vom Institut vorgegangen iverdcri muß, geht barau-3 hervor, baß von ben wichtigsten neuen Sorten stets nur wenige Pfunb gekauft roerben. Im nächsten Jahre nach ber ersten Ernte wirb bann ein größeres Lttück angepflanzk. Man hofft nächstes Jahr auf über 500 Sorten zu kommen. Auf bem Grasversuchs- selb am Harbthof erklärte Prof. Dr. Gisevius, baß nicht alle von auswärts bezogenen Grassorten für uns geeignet sinb, besonders nicht die aus Südfrankrcich und Süditalien. In Deutschland bestehen 14 Grasanbau-Versuchsfelder zur Prüfung ausländischer Grassämereien, das hiesige ist jetzt zwei Jahre angelegt.
Bei der Besichtigung des Hardthofs, der Stallungen, des Viehstandes, der masckiuellen und sonstigen Einrichtungen fand bic Wirtschaft bes Gutsbesitzers Bichler allgemeine Ancrkemiuna. Vom Harbthof erfolgte bic Rückfahrt burch bic prächtigen Kartoffel- unb Roggenfelder bes Herrn Bichler am Bismaickturm vorbei nach ber Brauerei unb ben fertigen lanb- wirtschaftlichen Gebänben. Hierauf lud Herr Bichler die ca. 100 bis 150 Teilnehmer nach der Terrasse zu einem kleinen Imbiß ein und nachdem Dr. Kleeberger die Teilnehmer photographisch aufgenommen hatte, nahm man in dem oberen Saale Platz. Prof. Dr. Gisevius begrüßte in seinem und Herrn Bichlers sJcamen die Gäste. Er betonte, daß Hessen — wie auch in anderen Dingen — so auch in der Landwirtschaft anderen Bundesstaaten viel voraus sei. Er bedauert, daß bie Gäste nicht 14 Tage später gekommen seien, bis bahin komme erst ber Lahntalboben zur Geltung, währenb jetzt die Saaten noch zurück seien. Die Praxis möge immer mit der Wissenschaft in enger Fühlung bleiben. Dank ber anerkennenswerten Zustimmung bes Landtags und ber Sympathien. der Landwirtschaftskammer sind die Geldbeträge für das Institut erhöht worben. Somit ist bas Lanbwirtschaftliche Institut G i e ß e ii jetzt b a u c r n b mit Feldversuchen ansgestattet worden und kann erfreulicherweise nun die Versuche auf längere Zeit ausdehneu. 1905 bewilligte das Ministerium zu Feldversuchen 5000 Mk., dadurch war cs möglich, auf dem Anwesen des Herrn Bichler im Frühjahr 1905 etwa 40 Morgen Land zu pachten. Oekonom Kn au e r - Altenfeßlau bei Geln- feui'cn sprack namens des Klubs oberhessischer Landwirte und toastete auf die Herren Bichler und Prof. Dr. Gisevius^ Das Geschaute — sagt er — habe alle angenehm überrascht, besonders auch der moderne Betrieb und die ausgezeichnete Wirtschaft des Hardthofs. Trotz schwieriger Verhältnisse habe das Versuchsfeld seit 2 Jahren erfreuliche Fortschritte gemacht, die von enormer Arbeitskraft und -Freudigkeit zeugten. Gutsbesitzer Bichler Loaftetc auf Prof. Dr. Gisevius, dessen hohe Verdienste um das Versuchsfeld er hervorhcbt, und läd die Landwirte zu öfterem Kommen ein. Um V2S Uhr brachen die Gäste auf und Herr Bichler ließ es sich nicht nehmen, die zahlreichen Herren an die Bahn fahren zu lassen.
Die Veranstaltung nahm einen recht schönen und anregenden Verlauf und die beiden Leiter Prof. Dr. Gisevius und Bichler ernteten allseitigen Dank. — Es sei hier noch bemerkt, daß der frühere auf fern Trieb vorhandene Versuchsgarten nach langjähriger Bodenansnutzung ungeeignet geworden war, aber 1905 nochmals versuchsweise zur Sortenprüfung herangezogen wurde: dach das war nur ein Notbehelf, der jetzt aufgegeben ist. Jetzt wurde ein neuer Hausgarten am Institut in Die Versuche ein- bezogen. Auch bic lanbwirtschaftlichcn Lehranstalten zu Frieb- berg, Alsfeld und Büdingen beteiligen sich mit ihren nengeschaffenen Versuchsfeldern auch an den Versuchen der Sortenprüfung.
Aus StaOt uno L»rno.
Gießen, 25. Juni 1907.
• * Die Schlachtvieh- und Fleischbeschau in Hessen im 1. Vierteljahr 1907 erstreckt sich auf 504 Pferde und andere Einhufer (in Oberhcffcn waren es 60), 4523 (742) Ochsen, 345 (144) Bullen, 9583 (1487) Kühe, 7392 (2266) über 3 Monate alte Rinder, 16 686 (2840) Kälber, 74 958 (16 780) Schweine, 3147 (499) Schafe und 8248 (2360) Ziegen. — Hunde wurden in Hessen feine geschlachtet, während in den anderen Staaten des deutschen Reiches 2278 ihr Leben zu Genußzwecken lassen mußten. Sachsen allein verkonsumierte 1371 Hunde.
* * Das Ehrenzeichen für Mitglieder frei* williger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung Sr. Kgl. Hoh. des Großherzogs dem Kommerzienrat Wilh. Gail und Just. Korber zu Gießen.
* ■ Ueb ertrag en wurde dem Schulamtsaspiranten Ludw. Zimmer aus Ueberau eine Lehrerstelle an der höheren Bürgerschule zu Groß-Bieberau. In den Ruhestand versetzt mürbe der Lehrer an der Gemeindcschule zu Homberg (Kreis Alsfeld) Otto Heck auf sein Nachsuchcn.
• * Erledigt ist bie Psan dm ei st erstelle des Bei- treibungsbczirks Nidda mit dem Wohnsitz in Stockheim.
* * Verhaftet. Auf Requisition des UntersuchungS- lichtcrs am Kgl. Landgericht Frankfurt a. M. wurde gestern der Schlossermeister Schön hier verhaftet und in Untersuchungshaft nach Frankfurt a. M. übergeführt. Dem Schön wird zur Last gelegt, er habe in einem Prozeß unter Eid zweinial wissentlich falsche Aussagen gemacht.
* * Schlägerei. Gestern abend gerieten in der Weserstraße zivei Arbeiter in Streit, wobei der eine zum Messer griff und seinem Gegner mehrere Stiche bcibrachte.
* * Neue Eilzüge Gießen-Frankfurt? Wir lesen in Franks. Blättern: Ab 1. Juli werden folgende Eilzüge Frankfurt-Gießen und Gicßen-Frankfurt eingelegt: von Frankfurt: 7.30 abends, Gießen an 8.42, Gießen ab 8.10 früh, Frankfurt an 9.21. Die Züge halten in Friedberg, Nauheim und Butzbach an. Endlich also sind weitere zwei zuschlagfreie Eilzüge auf der verkehrsreichen Strecke Frankfurt-Gießen geschaffen worden! — An den hiesigen amtlichen Stellen.ist bi» jetzt von diesen Zügen nichts bekannt.
** Tas Kolosseum erfreut sich allabendlich einer zahlreichen und frohen Zuhörerschaft. Sind es doch auch Genüsse Von gar mancherlei Art, die da Augen und Ohren erfreuen. Das gegenwärtige Programm ist einer Groß- siadk durchaus würdig und dabei vornehm und dezent, ein richtiges Familienprogramm. Die Hauptanziehungskraft übt wohl der Humorist Oswald Naumann aus. Er verfügt über eine schöne kräftige Stimme, über feinen Humor und über ein schier unerschöpfliches Repertoir. Jeden Abend etwas neues! Tie vielen Freunde der Naumannfchen Kunst können am Freitag gut auf ihre Rechnung kommen. Für diesen Abend hat Direttor Rappmann dem beliebten Humoristen ein Benefiz zugesagt.
b. Laubach, 24. Juni. Am gestrigen Nachmittage wurde Oberlehrer Prof. W. vor seinem Hanse von einem auswärtigen Radfahrer überfahren. Der Verletzte trug am Hintcrkopf einige Verwundungen davon, so daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. — Der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Hohenklubs feiert in Diesen Tagen das Fest seiner 25 jährigen Gründung. Ter Verein, der in den letzten Jahren von 20 auf 55 Mitglieder gestiegen ist, hat eine zweitägige Feier auf den 29. unb 30. Ium festgesetzt. Unter Mitwirkung des Gesangvereins Harmonie wiro am ersten Tage eine theatralisch-


