Erstes Blatt
Dienstag SS. Jmrk 1907
157. Jahrgang
Neheim Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheften
Nr. 146
Erscheint täglich außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siehener FamUien- blätter viermal in d.
Woche bemelegt uni zweimal wöchentlich das Krelsblatt für den KreU Sietzen. Fen,sprech-An- schluß s. d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51
A«nzeig"er ’ Rotationsdruck und Verlag öct Vrüh?schen llnw.-Vuch» und Stetnbniderel R. Lange. Redaktio«, LxpedMon und Druckerei: Lchlllstratze r
TeU: P. Wtttko: für „Stadt und Vanir und .GerichtSsaal*r Ernst ' Heb; für den An- '* zeiaentetl: Han« ®e<f
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gle ljeuLige Yummer umfaßt 10 Seiten.
Zu den Veränderungen in der AcUiuer Regierung
schreibt man uns von parlamentarischer Seite auS der Reichs- regierung:
Tie Möglichkeit besteht, daß Graf Posadowsky bei Go legen beit em Abgcvrdnetcnmandat 5 um Reichstag amiimint, denn an pc.irische Muse wird sich dev in vauloser Arbeit seinen Lebenszweck sehende Mann nicht leicht gewöhnen. Die Betätigung im preußischen Herrenhause tonnte ihm nicht entfernt genügen. Eine Mcktehr des Grusen Posadowsky in den Reichs- oder Staatsdienst darf aber wohl als ausgeschlossen gelten.
An der heutigen Börse zirkulierte das der Bestätigung sehr bedürfende Gerücht, daß Graf Posadowsky in die Verwaltung eines ersten Bankinstituts eintreten wird. — Ter Gesamtvc» band evangelischer Arbeitervereine Deutschlands wird, wie es heißt, den Grasen PosädowSky zum Ehrenmitglied ernennen.
Tie innere Lage soll nun „geklärt" sein — ja, wer nur von Herrn v. Bethmann^Hollweg sagen könnte, „woran er glaubt" ? „Daß er gut konservativ ist, wird nicht in Abrede gestellt werden." Tie „Äreuzztg." aber schreibt, der neue Staats^ letretüv des Innern könne nicht als Konservativer angesprochen werden. Fürst Bülow sieht also, daß er die Verständigung zwischen der Rechten und der Linken nicht gefördert Hal. Einzig für das Zentrum ist die Lage geklärt, insofern, als dec Kanzler durch die Uebernahme des bei dieser Partei unbeliebten Herrn 0. Bethmann-Hollweg in den Reichsdienst unter sein Wahlparole-Tokument der Trennung vom Zentrum ein neues Siegel gedrückt hat.
Roch ein Wort zu der Klage, daß kein Liberaler unter den neuen Männern sich fefinjet, daß dem Liberalismus eine neue, schmerzliche Enttäuschung» widerfährt. Man glaubt in oarlamentar.schen Kreisen Grund zu der Annahme zu haben, daß bei der angekünüigten Reorganisation des ReichL»mtÄ des Innern ein befonoeres Amt für Sozialpolitik eingerichtet und zu dessen Leitung ein aus diesem Gebiete führender Parlamentarier berufen werden wird. Sollte hier der Äbg. Basser mann in Frage kommen, dessen Beziehungen zum Fürsten Bülow recht freundschaftliche sind? Damit würde allerdings die erfreuliche Bürgschaft gegeben sein, daß das soziale Reformtverk iin Geiste Posadowsky fortgeführt wird.
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Von anderer Seite wird uns geschrieben:
Ze weiter die Erörterungen über die Regierungsveränderungen sortsaireiten, je schärfer mau die neuen Männer betrachtet und Schlüsse zieht aus ihrer bisherigen amtlichen Tätigkeit, um so klarer wird dem Liberalismus, daß die berühmte „konservativliberale Paarung" ohne icden Einfluß geblieben ist auf das System der Regierung, Hm Gegenteil, die Konservativen triumphieren auf der ganzen Linie. Herr v. Bethmann-Hollweg, der neue Chef des Reichsamts des Innern, istdurchausnachdemHerzenderKo nfc r - vatioen. Die Sozialpolitik mag eine ruhige, zielbewußte Fortführung durch ihn erfahren — der nach Sozialreformen unermüdlich drängende Eifer des Grafen Posadowsky ist von Herrn von Bethmann-Hollweg nicht zu erwarten. Er konnte überhaupt nicht leicht von irgendeinem Nachfolger erwartet werden, da im Reichsamt des Innern zuviel Fäden zufammenlaufen. Welche Teilung dieses Reichsamts auch erfolgt, jeher Neuling gebraucht längere Zeit, in dies ungeheure Ressort nur einigermaßen einzudringen. Schon dadurch verlangsamt sich das Tempo der Sozialpolitik, und wer weiß, ob es nicht in der Absicht liegt, ein wenig zu „bremse n" ?
Mußte Graf Posadowsky gehen, weil Fürst Bülow mit dem Abmahner von der Reichstagsauslbsung und Propheten neuer sozialdemokratischer Wahlsiege nicht mehr auskommen zu können erklärte, so hätte wenigstens der neue Kultusminister in Preußen den Reihen des Liberalismus entnommen sein können. Man hätte doch wenigstens „die Liebe gesehen", den guten Willen, Mirrr« w. l' < 1.- taraa^ui i« nm—u—wa—
liberalen Ideen zu ihrem Recht zu verhelfen. Der ,,Boss. Ztg." wird heute auS Westfalen geschrieben, ban Kultusminister Holle traue eine reaktionäre oder prononziert orthodoxe Gesinnung niemand zu, der ihn kenne; aber damit ist keineswegs gesagt, daß der Nachfolger des Herrn 0. Studt andere Wege einschlagen wird. Herr v. Studt hat sich auch gegen den Vorwurf des Rückschritts feierlichst verwahrt, und die „Kreuz- ztg." versucht soeben sogar den Nachweis, daß in der Studtschen Politik sich „zahlreiche Erscheinungen finden, die ihre Grundlage eigentlich in liberalen Forderungen haben"!
Uebrigens begab sich am 24. Juni abends der neuernannte Kultusminister Dr. Holle nach Kiel, um dort vom Kaiser empfangen zu werden.
Die Veränderungen in der Berliner Regierung dürften noch nicht abgefdjloffen sein. Frhr. v. Rheinbabe n, der preußische Finanzminister, hat Anwartschaft auf das Reichsschatzamt, in dem sich Frhr. v. Stengel nicht mehr ganz wohl fühlt. Auch der Staats,ekcetäc des Reckjsjuüiz-mts, Tr. Riebe r d i n g , soll nicht frei von Rücktrittsabsichten sein.
Kon der Kieler Regatta.
Kiel, 24. Juni.
Der Kaiser begab sich heule nachmittag nach dem kaiserlichen Jachtklub, wo er zunächst die Preisverleilung für die Wettfahrten dec Kriegsschiffboole vocnahm. Hieraus folgte in den Räumen des Klubs das Festessen, bei dem Prinz Heinrich und sodann der Kaiser Tcinksprüche hielten.
Die Rede des Prinzen Heinrich lautete:
Eure Majestät! Tleine Herren! Zu Ende neigt sich die Kieler Woche, und wiederum bürten wir zurückjchauen aus eine sportliche Veranstaltung, bet welcher uns allen das Herz höher geschlagen Hai, höher deshalb, weil wir unter den Augen unseres aller- durchlauchtigsten und a l l e r g n äd 1 g st e n K 0 m m 0 d 0 re wiederum die Prü nng im Segeln durch Wind und Weller beslehen büdeii. Ich weiß, daß ich Fürjprecller für die Herren sein dar', indem ich Eurer Tlojeftät meinen Tank da'ur zu sagen wage, daß Eure Majeilät tu bicicm Jubiläumsjahre roiebenim bie G n a d e gehabt haben, uns den Weg zu zeigen, und baß Eure Tlajeftät die Hand schützend gehalten haben über den löstlichen Wassersport. Auch namens der hier erschienenen Gaste darf ich Eurer Tiaj. ebenso herzlichen wie lief empsundenen Dank auösprcchen. Wtr aber wollen dem, was uns heule beseelt, 'Ausdruck geben dadurch, daß wir die Gläser erheben und rufen: Unser Allerdurchlauchligsler Kommodore, S. TL der Kaiser und König hurra, hurra, hurra!
Darauf erwiderte der Kaiser:
Indem ich mein Glas erhebe, um meinen herzlichsten Glückwunsch zu dem Jubiläum auszusprechen, wünsche ich dem Klub zehn ebenso günstige Jahre, wie er sie gehabt hat, in derselben Freude an der Arbeit. Ich erhebe mein Glas und leere es aus bas Wohl dcS Prinzen Heinrich und des Klubs. Hurra I Hurra! Hurra! Fullen Sie Ihre Gläser, meine Herren! Ter Kaiserliche Jachtklub hat am heutigen Tage bie tzreube und Ehre, Gäste aus allen Teilen ber Welt bei sich zu sehen. Ich sorbere Sic am, auf deren Wohl Ihre Gläser zu leeren. Von ferne wie von nahe find sie getommen, unb unter ihnen wollen wir nicht zum mindesten mit Dankbarkeit gebenken der hohen Gäste aus unserem schönen Nachbarlande. Unsere Gäste, sie sollen leben. Hurra! Hurra! Hurra 1
Der Kaiser saß zwischen dem Kronprinzen und dem japanischen Botschafter rechts unb dem amerikanischen Botschafter unb dem Herzog Friedrich Ferdinand zu Holstein UnkS. Ferner nahmen u. a. an der Tafel teil: der Fürst von Monaco, Staatsminister v. Tirpitz, die meisten hier weilenden vornehmen Fremden, insbesondere Franzosen, Japaner, Argentinier, Spanier, Dänen, Belgier, Engländer und Amerikaner. Es wurden Auszeichnungen vergeben: u. a. erhielt der Sekretär des französischen Jachtklubs Glandaz den Roten Adlerorden 4. Klasie.
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Vereinigung zur Förderung der Künste in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet.
Unter diesem Flamen hat sich kürzlich eine Vereinigung gebildet, die sich zur Aufgabe macht, hessische Kunst ohne Rücksicht auf irgend eine Richtung zu fördern unb zu pflegen. „Sie will/' so schreibt man uns, „einen Zusammenschluß aller künstlerischen Kräfte Hessens unb {einer engeren Nachbarschaft auf bem Gebiete ber Literatur, ber bilbeuben unb ber angemanbten Künste, ber Runftinbuftrie unb bes KunsthanbwerkeS und der Musik einerseits, sowie ber fiunft- ireunbe anderseits herbeisührcn. Diesem Zweck soll in erster Lime bie Herausgabe einer vornehm geleiteten unb ausgestatteten Kimfl- Zeitschrift bienen." Deren erste Stummer liegt uns mm vor. Sie enthält: Literarische Beiträge von Tr. D. Greiner, K. E. Kuobt, Prof. H. Werner, Therese Köstltn, W. Holzamer, Prof. Waller Kinkel-Gießen C. G. Christaller, u. a., ferner als Illustrationen Wiedergaben nach Kunslwerken von 2. Habich, I. TL Olbrich, Lippinann, H. Messel, Hrch. Metzenbors u. a., außerbein eine große Abbildung ber Papstfigur bes Altarschreins in Babenhausen unb zwei Naturaufnahmen von Rubolf Rost. Einen musikalischen Beitrag lieferte Prof. Tra u t ma n n - G i e ß e n in einer eigenen schwermütigen Komposition. Tie „Kunst ber Heimat" bemüht sich sichtlich, bas Gepräge eblcr Voruehmheil zu tragen, unb man wird ben weiteren Publikationen ber neuen Vereinigung mit Interesse unb Spannung entgegenseheii.
Das Bestreben, bie Künste in unserem engeren Laube nach Kräften zu fördern, sie zu immer schönerem Erblühen zu bringen, immer weitere Bolkslreise für sie zu gewinnen unb diese mittelst ber Künste zu höheren Idealen unb einer die platten Lande weit überragenden Stufe ber Kultur zu führen, i|t gewiß ein mit allen Mitteln zu unterstützendes Unternehmen. Taher begrüßen wir die neue Vereinigung unb wünschen ihr unb ihrem Organ Anerkennung uub Verbreitung.
, Es ist hocherfreulich, baß, wie mau un§ mitteilt, schon gegen ein halbtausenb Thtglieber ber Vereinigung sich angeschlossen halten, bevor bie erste Hand an bie Ausführung des Unternehmens gelegt werden konnte. Wir stimmen auch dem Verfasser des an die Hess. Presse versandten Begleitschreibens des ersten Heftes bei, daß diese edle Volkssache überall da wahre Freunde und offene Hände finden möge, ivo das Bewußtsein erwacht ist, daß der Gradmesser der Kultur eines Volkes in der jeweiliger Höhe jeiner Kunst zu finden ist, daß vielseitiges Entgegenkommen die Arbeit lohnen möge, die diesem Werke zum Blühen und Gedeihen, dem Hessen- volle zum Segen und zur Ehre gereichen will. Doch können wir uns nicht »erjagen, unsere Bedenken von vornherein zu äußern. '-ie Mitglieder der Bereinigung, deren Geschäftsstelle sich übrigens in
Jugenheim a. d. B. befindet, erhallen die Zeitschrift gegen jährliche Zahlung eines Tiindestbsitrages von Mk. 10, Nichtmitglieder zahlen Alk. 15, für das Einzeihest Mk. 2.50. Tas sind sämtlich Beträge, die leider uon vorn herein weitere Volkskreije ausschließen und jo den Hauptzweck des ganzen Unternehmens, das hesi. Volk für die Kunst zu gewinnen, geradezu unterbinden. Wie der Verlag des vortrefflichen „Kunftiuart" tu München nur 25 Psg. verlangt für eins seiner verhältnismässig ganz ausgezeichneten Kunstblätter, so würde ein Hess. Kunstblatt von ganz geringem Umfange, aber in gediegener Ausstattung, das von vorn he.em auf Massenverbreitung gedacht und eingerichtet wäre, dessen einzelne Helle für ivenige Pfennige zu h^ibeu waren, seinen schönen Zweck in ganz anderer Weise erfüllen, als diese pompöse und umfangreiche Zeitschrift, bie uns befürchten läßt, baß bie bereits erworbene Zahl von Mitgliedern nicht sehr erheblich steigen wirb. Cbeiibrem sind technische Mangel gleich bei der ersten Nummer nicht zu übersehen, unb bie Auswahl sowie bie iHeprobuftion ber Kunftbeilagen kann man beim besten Willen nicht als einroanbsjrei bezeichnen. Für bas nächste Heft ivub bann noch u. a. eine Novelle von Allr. Bock angefünbigr, bie bereits in Buchform vorliegt. Tas Alles lockt .uchl gerabe zum Abonnement unb spricht nicht zu Gunsten ber Redaktion.
Unb es werben sich auch Stimmen erheben, bie da behaupten werden, daß eine spezifisch hessische Kunstzenschrist überflüssig sei; zu welcher Zersplitterung im deutschen Kunstwesen, zu ivelchein veriverfllchen Kunstpartikularisrnus wurde man gelangen, welche beklagenswerte Negierung dec Einheit des d e u t s ch e n Volkes wäre es, so wird mau sagen, wenn alle deutschen Bundesstaaten eine Sondert un st großzuziehen sich entschlössen; auch das bedeutete einen Hohn auf die Errungenschaft von 1871. Tieje und ähnliche Anwendungen werden ganz gewiß nicht ausbleiben. Und es fehlte ihnen auch nicht alle Berechtigung. 5nbe5 — je mehr bie deutsche Heimattun st zur Lime gelangt, je mehr die Neigung des Volkes sich den Künsten überhaupt zu- Tuenbe't, je mehr z. B. Theater ans ber Erbe wachsen, während es vor etwa dreißig Jahren höchstens in den paar deutschen Großstädten stehende Bühnenkuiistanstalten gab, je mehr der Sinn üir die Künste uub ihre^ Geschichte im Volke angeregt wirb burch sinn- unb sachgemäßen Schulunterricht unb staubige wettere Belebung burch bie Schöp'ung immer neuer Museen unb bie billige buch- unb kunsthänblerische Verbreitung von vorzüglichen reproduktiven. Erzeugnissen auf allen künstlerischen Gebieten, besto selbstversiäublicher roirb es von Tage zu Tage, wenn yuch m allen beutjdjen Gauen nun Zeitschriften auftauchen, bie es sich zur Ausgabe machen, die Künste m chrem engeren Bezirke zu pflegen und zu fördern, die Künjller zu neuen
Der Kaiser Hot heule an Bord des japan. Kreuzers „Tfukuba^ folgende Worte gesprochen:
„Meine Herceii! Ich heiße Sie unb Ihre Schifte in meinem Namen, rote im Namen meiner Flotte unb meines Landes in unserem Hafen herzuch willkommen. Ich weiß bie gütige Absicht Sr. Tlaj. bes Kaisers von Japan bei bet Entsenbung dieses Geschwabers nach Kiel in hohem Tlaße zu würdigen. Ich beglück- wünidie Sie zu bem Aussehen Ihrer Schifte unb Ihrer vortrefflichen Mannschaften, unb ich vertraue unb hoffe, baß bie japanische unb bie beutfdje Flotte |te13 al« gute Fteuube unb Kameraden zusammen wirken n.-gen, sowie baß ihre Flaggen stets Seite an Seite wehen mögen zur Erhaltuiig von Frieben unb Dehnung m bet, W eit/
Ter Kaiser schenkte bem japanischen Deschroaderchef, Vizeadmiral Jjmn, seine Photographie mit eigenhändiger Unter» schrisl im rllahmen und verlieh ben jap. Kapitänen Drben.
Aie Aelorm des englischen Kberyauses.
L 0 n d 0 n, 24. Juni.
(Unterhaus.) Dor dicht besetztem Hause bringt Premiernllnisicr Sir Campbell-Bannerman die Resolution betreffend die Reform deS Oberhauses ein. Er führt aus: Einstweilen wolle die Regierung tue Meinung llcs Unterhauses kennen lernen, um festzustellen, daß sie das Haus oer Gemeinen hinter sich habe, da die Negierung glaube, daß das Unterhaus allein die Qualifikation halle, die Gesinnungen des Landes in maßgebender Weise zum Ausdruck au bringen. Sie. Resolution enthalte ben Grunosatz der Vorherrschaft des Unterhauses. Der Premierminister übte scharfe Kritik an der Verschiedenheit in der Haltung des Oberhauses unter ben konservativen unb liberalen Ministerien. Der Regierungsvorschmg gehe dahin, baß, wenn bie beiben Hauser eine Einigung bezüglich eines Gesetzentwurfs unmöglich sünben, eine Konferenz einer beschränkten Zahl von Vertretern beiber Häuser allgehalten iverben solle. Wenn bie Konferenz ergebnislos verlausen sollte, so solle ber Entwurs, sei es mit, sei es ohne Ab- dnberuug, nach einer F^,t von sechs Monaten ober, in Fällen von großer Dringlichkeit, nach kürzerer Frist im Unterhause toieber eingebracht werben bürsen, alle Stabien unter Einschränkung ber für bie Diskussion eingeräumten Zeit burchlausen unb bann wieder zum Oberhaus zurück- gesandt werben. Ergäbe sich dann noch eine Treinungs- Verschiedenheit zwischen beiden Häusern, so könnte eine zweite Konferenz abgehalten werben. Falls ber Versuch zu einem Ausgleich fehlschlage, so würbe bieser zweite Entwurf toieber bem Unterhause eingebracht, rasch burch alle Stadien burchgebracht unb bann bem bOerhause zu- gejanbt werden mit der Maßgabe, baß, wenn der Entwurf nicht in dieser Form von ben Lorbs angenommen würbe, er über ihren Kopf durchgehen werde. (Lebhafter Beifall.) Tie Regierung halte ben Plan für durchführbar, gerecht, zweckmäßig unb wirksam. Der Premierminister schloß seine Ausführungen: Lassen Sie bas Laub alle Vorteile von Erfahrung, Besom-enheit unb patriotischem Eifer des Hauses der Lords bei der Revision gesetzgeberischer Maßnahmen genießen, aber das Haus der Gemeinen soll die V 0 r h e r s ch a f t haben. (Lebh. Steif.)
Die Ministeriellen geben im allgemeinen ihrer Zustimmung zu den Vorschlägen Ausbruck. Dock vertraten einige Liberale bie Ansicht, daß die Vorschläge noch nicht weit genug gehen.
Gedanken unb neuen Taten anzuregen unb bas Publikum zu erfreuen mit bem, was ihrer Heimat Söhne an KünsUerifchem heroorbringen. ।
Unb so sei ber Wunsch wiederholt, daß die neue „Vereinigung zur Förderung der Künste in Hessen und im Mam-Rhem-Gebiet" ihr segenstillendes Wirken belohnt finden möge durch bie lebhafte Unterstützung möglichst weiter Volkskreise. —0.
Z. Ans Frankfurt roirb uns uiüerm 24. bS. geschrieben:. Nun ist es sicher geworben, baß unser Schauspielhaus einen seiner beliebtesten Tarsteller, Wilhelm Diegelmann, an bas Deutsche Theater in Berlin verliert. Er roirb schon vom Herbst an in ben Verbanb bieser Bühne treten. Sein hiesiges, noch brei Jahre laufenbeS Engagement hat er, Tank bes Entgegenkommens ber Verwaltung, gelöst erhalten. Frankfurt verliert an bem ungemein vielseitigen unb reichbegabten Darsteller außerordentlich viel. Man ist nicht 25 Jahre an einer unb betreiben Bühne, ohne sich ein reiches Kapital an Beliebtheit zu sichern. Aber in Berlin winkt ihm eine so glänzenbe Stellung, baß man ihm nach- iühlen kann, wenn er trotzdem von uns geht. — Auch bei uns in Gießen schätzt man Diegelmann, ben Mann von Riesenwuchse und urgermanischer heldischer Kraftfülle, von prachtvoll gesitnbem Humor unb so ehrlicher als starker Künstlerjchaft, unb roirb seinen Fortgang von Frankfurt um so mehr bebauem, als er hinsort roohl nicht mehr jo häufig roie bisher bei uns zu Gaste erscheinen roirb. Sein „Erbförster", fern Thoas in Goethes „Iphigenie", seine ur- roüchsiige Kerngestalt in Halbe's „Strom" werben uns unvergeßlich sein.
— Liebermann-Ausstellung. Die bieSjährige Sommer-Ausstellung bes Knnstvereins in Frankfurt a. TL roirb, wie wir hören, Mar Liebermann geroibmet sein unb ein umfaffenbes Bilb von bem bisherigen Schaffen bieses Tleifters geben. Für bie Veranstaltung fmb sämmlliche Räume bes Vereins in jemem Heim an der Junghosftraße reserviert. Die Eröffnung ber Ausstellung soll gegen Enbe Juli stattfinben, in welchem Monat Liebermann sein 60. Lebensjahr vollenbet.
— Joseph Laufs, ber kaiserliche Hosbramatiker, feierte am 24. Juni seine filbeiaie Hochzeit. An bem Festmahl traf aus Kiel vom Kaiser folgenbes Telegramm ein: „Anläßlich Ihrer silbernen Hochzeit sende ich Ihnen und Ihrer Galttn meine herzlichsten Glückwünsche, indem ich Ihnen meine Anerkennung Dafür wiederhole, wie Sie es verstanden haben, die Geschichte meines Hauses durch lebensvolle Darstellung meinem Volle vor Augen 511 führen. Wilhelm L R.


