Ausgabe 
25.1.1907 Erstes Blatt
 
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politische Sagesscharr.

Wahl in Berlin.

-)t- Berlin, 24 Januar.

In einer beispiellosen Hochflut des öffentlichen Lebens trifft Berlin die Vorbereitungen zur Feier des Geburtstag s des Kaisers. Tie Sozialdemokratie glaubt diesmal endgültig Beschlag legen zu können auf 5 von den 6 Neichs- tagsmandaten Berlins, vielleicht gar noch auf den ersten Wahlkreis, das ,Hcrz dec Relchshanptüadt", und die rote Fahne über die schwarz-weiß-rote zu hiffen. Günstiger aller­dings als in der Metropole sind die Aussichten, der äußenicn Linken Terrain abzugewinnen, in den beiden großen Vor- ortswahlbezirken. M.t der Aufstellung zweier bewährter, eine politisch gemäßigte Richtung vertretender Vorortsbiirger- meister ist ein guter Griff seitens der bürgerlichen Parteien getan. Bei gehörigem Eifer in der Wahlbeteiligung dürfte es gelingen, wenigstens einen dieser Kandidaten in die Stich­wahl zu bringen und ihm dann den Sieg zu sichern. De, Reichstag hätte nichts verloren, wenn die Herren Zubell und Stadthagen hinausgewählt würden. Diese Herren genießen nicht einmal m ihrer eigenen Partei Sympathieen, wenn auch davon im Wahlkampf begreiflicherweise geschwiegen wird. *

TaS Souderinleresse bei den Wahlen.

R. Berlin, 24. Jan.

Der Wahlkampf sollte ursprünglich unter dem Zeugen der Kolonial Politik und der daraus herbor7ehenden Forderungen stehen Dies Programm, das die Reichsregierung zu dem ihrigen machte und für das sie in Wort und Schrich leohait emgetretcn ist, hat den Vorzug der Einfachheit und Genauigkeit; ater es genügte in der engen Begrenzung den Wählern natürlich nickt, well der Reichstag doch noch über eine ganze Anzahl mindestens ebenso wichtiger anderer Fragen, als bie kolonialen, zu ent-

In emem Fachblatt wird auf einen neuen Gesichtspunkt auf- merkiam gemacht. Es wäre, so heißt es imRatgeber auf dem Kapitalmarkt", von größtem Jnterme, zu erjahreii, ob der 2a. Januar eine Stärkung der kapitals,eindlichen Parteien bringen werde, oder ob eine kapitalchreundliche Mehrheit aus der Urne hervorgehe'? Die Ausführungen des Artill.s iveijen daraus hm, daß von den Kapitatsgegneru vrelsaa) der Trugschluß gemacht wird, nur die Hauptgelvinne kapitalistischer Unternehmungen enu zustellen, die zahllosen Nieten aber, die doch zur Beurteilung der durchschnittlichen Verzinsi'.ng unter allen Umständen nutemgeitelh werden müssen, außer Am atz zu lassen. Die verlorenen Summen finden keine Berücksichtigung.Man weiß nicht" oder man wlll nicht wissen ,chaß aus eine Arenberger Gesellichast 1U verkrachte Kohlenbergwerke, aus eme Elber,e.der Furbrniabril 10 oder 100 verkrachte chrnuiche Unternehmungen kommen," Wir glauben, daß der neue R,nchstag, trotzdem i>ie;e und ähnliche Argu­mente gewiß stichhlltig |uio, in der mindestens kapital- unsreundlichen Halrung dem verslosfenen Reichstag nichts nachgeben wird. Kapital und Börse i|t sur manchen der Ge,etz- geber ein und dasselbe. Mit dec Börse wirb der Begriff der Spekulation, mit dieser dermühelose Gewinn" verknüpst. Es herrscht nun einmal der Wahn, daß es volkstümtich sei, der körperlichen Arbeit den Vorzug zuzuertennen vor dec geistigen,./rcnd doch tatiächlich in zahllosen Fallen die Höhere geistige Entwicklung eines Einzigen es bewirkt, daß Hunderte llber^mpt Beschäftigung und damit Brot erhalten!

Au- Stadt und Land.

Gießen, den 25. Januar 1907.

** Landes-Hypothekenban k. S. 51. H. der Groß­herzog haben dem Hülssarbeller bei der Hessischen Landes- Hypothekenbank, Finanzamtmann Dr. Reinh. Arnold, den CharakterDirektor" verliehen.

**Justizpersonalien. Durch Entschließung des G'roßh. Ministeriums der Justiz wurden die Referendare Karl Berg­str ä ß e r ans Nieder-Olm, Glerh. E ck e r t aus Mainz, Dr. Friedr. G a ß ne r aus Mainz, Jak. Henrich aus Offenbach, Ludw. Lahm aus Darmstadt, Dr. Val. Lotz aus Hechtsheim, Hch. Nikolai aus Budenheim, Ludw. N o a ck aus Darmstadt, Nud. Reitz aus Echzell, Wilh. Schmidt aus Darmstadt, Karl S ch u ch a r d aus Brauerschwend, Val. Senßfelder aus Büttel­born, Rich. Vogel aus Mainz, Rud. Wendecker aus Alzey und Hch. Winter aus Mainz zu Gerichtsassessoren ernannt.

** Abg. Köhler macht Schule. Das Beispiel des Abg. Köhler, zur Reichstagswahl frühere Eisenbahnanträge wieder einzubringeu, hat Nack-ahmung gesundem Abg. Haas hat eben­falls frühere Eisenbahnschmerzen, die seinen Neichslagswahlkreis betreffen, erneut an den Landtag eingebracht. Aber Abg. Köhler ist doch früher ausgestanden als er, denn dessen Anträge tragen die Drucksachennummer 371, die des Herrn Haas dagegen die Num­mer 376. Auch hat Herr Haas es unterlaßen, der ihm nahe­stehenden Presse schon vor dem Erscheinen der Kammerdrucksachc Kenntnis von seinem Antrag zu geben, wie dies Abg. Köhler zum Zweck der Stimmungsmache für die Reichstagswahl getan hat.

* Die Tuberkulose-Wander-Aus stellung der Landesversicherungsanstalt Großherzoglum Hessen, die sich vom 28. Januar bis etnschl. 24. Februar 1907 in Worms befindet, war bisher wie folgt besucht von: Darmstadt 5500, Offenbach 7500, Mainz 12 000, Bingen 2300 und Alzey 6500, also nahezu von 3 4 000 Personen. Verhältnismäßig stellte Alzey bis jetzt die höchste Besuchsziffer. Von Worms wandert die Ausstellung zunächst nach Oppenheim.

Guter Trost. AuS unserm Leserkreise wird uns folgende wahre Geschichte mitgeteilt: Tas kleine Söhnchen bringt zu den Weihnachtsferien eine Zensur heim, die nichts weniger als crfreulid) ist. Die Eltern, Geschäftsleute, haben vor dem Feste den Kopf mit anderen Dingen voll und beulen erst nach einigen Tagen daran, sich von ihrem Einzigen das Schulzeugnis zeigen zu lassen. Sprachlos (aßen beide Eltern ihre Blicke über die schlechten Roten schweifen, da aber unter­bricht der kleine Mann die bange Stille. 2)lit echter Bieder­mannsmiene klopft er der strengeren Mutter auf die Schulter und erklärt tröstend: .Weißt du was, Mutter? Laß es gut sein, die Hauptsache ist, daß wir noch alle gesiind f mb.'

-t Großen-Linden, 25. Jan. Der Wetterau- Lahngau-Sänger.Bund hat nunmehr sein erstes hier stattsindendes Bundesfest desimtiv auf den 14. Juli d. I. festgelegt. Uni halb 10 Uhr morgens wird das Singen der Bundesvereine und im Anschluß daran die Probe der Maßenchöre stattfinden. Am Mittag ist dann Umzug, Vortrag der Massenchöre, Vorträge dec Gastvereine re. vorgesehen. Tie Berufung eines fachmännischen Preis- gerichts soll demnächst erfolgen und die Namen der Preis­richter werden nach ihrer Feststellung mitgeleilt werden. Tie anerkennensiverte Betätigung unserer Landbevölkerung aus gesanglichem Gebiete in den letzten Jahren, sowie die rege Arbeitsfreudigkeit des noch jungen Weilerau-Lahngau-Sängei- Bundes werden gewiß nicht verfehlen, diesem ersten Bundes­fest eine ganz besondere Anziehungskraft zu verleihen.

sd Alsfeld, 24. Jan. Im hessischen HauptvorannNag für 1907 ist folgendes zu lesen: In Alsfelb stehen zurzeit zwei Wiederherstellungen im Vordergrund, die ein allgemeines Inter­esse beanspruchen. Einmal die des Rathauses, eines prack>- tigen Fachwerkbaues aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, io- bann die der evangelischen Kirche, der sog. Walpurgrs- k i r ch e, deren Erbauung neben noch älteren Teilen aus das Jahr 1393 zurückreicht. Das Rathaus, das bereits vor etwa 20 Jahren im äußeren zum Teil wiederhergestelll worden ist, bedarf namentlich an den der Kirche zugewendeten Seiten, sodann aber ünr allem im Innern einer durchgreifenden baulichen und künstlerischen Wiederherstellung, womöglich in der ursprünglich vorhandenen Grundriß- und Raumeinteilung. Diese kann keinen Aufschub erleiden, wenn nicht inzwischen wertvolle Teile der Zer­störung anheimfallen sollen. Tie Kosten der Wiederherstellung können bis jetzt annähernd noch nicht angegeben werden, sie werden sicher aber recht bebeutenb fein. Bei der Kirche liegen die Ver­hältnisse etwas anders, indem nach Vornahme einiger vor kurzem ausgeführter dringender Wiederherstellungen, namentlich der Be­dachung, eine direkte Gefahr für den baulichen Bestand nicht mehr besteht, wenn auch noch zahlreiche Ausbesserungen rc. im Interesse der Erhaltung des Aeußern notwendig werden. Dagegen erfordert die ebenso wünschenswerte wie zweckmäßige Ausgestal­tung des Innern größere Mittel, wenn die Kirche, ähnlich wie dies in Butzbach geschehen ist, ihrer Bedeutzing als Baudenkmal entsprochen soll. Die Gesamtwiedecherstellung der Kirck)e soll etwa 125 000 Mk. kosten. Betee Wiederherstellungen, die nach Lage der Verhältnisse zeitlich ziemlich genau Zusammentreffen würden, verlangen, daß die Baugeschichte und Bauentwickelung genau er­forscht, der bauliche Zustand untersucht und die zunächst endgültig auszustellenden Einzelentwürfe aus das gewissenhafteste durchge­arbeitet werden. Die Gemeinde, der die Baulast für beide Bau­werke obliegt, hatte in der letzten Zeit große Ausgaben, weitere große Kosten für Bauten aller Art in der Gemellrde stehen ihr bevor, sodaß es ihr schwer wird, die erforderlichen Mittel hierfür allein aufzubringen. Sie glaubt deshalb eine ansehntiche St aatshülfe erwarten zu dürfen, die wie in früheren Fällen für gerechtfertigt erachtet werden kann. Für Projektierungs­arbeiten werden 4000 Mk. gefordert.

X Wetzlar, 24. Jan. Ter Ziveigverein vom Roten rcnz für den Kreis Wetzlar zählt jetzt 167 ordentliche Mitglieder. Rach dem Jahresbericht für 1906 betrug bei Bestand am Schluffe des Vorjahres 15,08 Mk. Die Gesamt­einnahmen betrugen 893,43 Mk. und die Ausgaben 623,91 Mk. Bei ter Kreisjparlasse sind 4800 Mk. zinsbar angelegt. Auch in diesem Jahre sollen wieder aus der Kasse einige neue Sanitätsschräuke beschafft werden.

[] Marburg, 26. Jan. Dem Privatbozenten der philosophischen Fakultät ber hiesigen Universität Dr. Abolf Schulze würbe ber Professortitel verliehen. Der Hülfsdibliothekar an ber hiesigen Universitäls-Bibliothek Dr. Leder wurde zum Bibliothekar an der Kaiser Wilhelm- Univcrsität in Posen ernannt.

fo Frankfurt a. M., 24. Jan. Tod aufgefunden luui'bcn heute morgen im Stadtwalb ber 22jährige Cito Sally Strauß, ber einzige Sohn eines Seifenfabrikanten in ber Beethovenfiraße hier, uiib ber ebenfalls 22 Jahre alte Armin Lindenberg, Sohn eines Privatiers in der Menbelssohn- straße. Die Beiden sie waren im Leben befreundet hatten sich durch Revoloerschusse in den Mund getötet Es sollen sich in den letzten Tagen Geistesstörungen bei ihnen bemerkbar gemacht haben.

fc. Amorbach, 24. Jan. Unter großer Beteiligung wurde der verstorbene Forstrat des Fürsten zu Leiniugen, Freiherr von Ploennies, zu Grobe getragen. Unter den kränzen besand sich auch einer vom Korps Starken- burgia in Gießen, dessen Alter Herr der Verstorbene war.

Nächtliche Ballonfahrt.

Der Frankfurter Physikalische Verein halte auf Mittwoch nach-- mittag 5 Uhr eine Anzahl Herren zur ersten Auffahrt des zum Zweck aerologischer Forschung beschafften neuen BallonsZiegler" nach der neuen Gasanstalt in Offenbach eiugeladen. Die Füllung des Ballons begann um 5.15 Uhr und war nach halbstündiger Dauer beendet. Während der Füllung des 1437 Kubikmeter Gas fassenden Ballons hielt der erste Vorsitzende des Physikalischen Vereins, Prof. Eugen Hartmann, eine Ansprache. Die Befestigung der Gondel und die sonstigen Vorbereitungen nahmen noch etwa eine Stunde in Anspruch. Unterdessen war bie Nacht herein- gebrochen, ein scharfer Nordost hatte sich erhoben, und die Soldaten hatten große Mühe, die vom Mondlicht bestrahlte, auf und nieder wogende riesige Kugel sestzuhalten. Zehn Minuten vor 7 Uhr bestieg der Führer der Fahrt, Dr. Kurt Wegener, mit seinen drei Begleitern Vertretern der Frankfurter Presse die Gondel, und auf das KommandoLos" hob sich derZiegler" lang]am schräg ansteigend in die Lüfte und entschwand bald, obwohl er nur in 100 Meter Höhe fuhr, in der Richtung nach Oberrad und der Goetheruhe den Augen. Die Reisenden hatten die Absicht, eine möglichst ausgedehirte Dauerfahrt zu unternehmen und erst beute nachmittag etwa in Sudfrankreich zu landen. Infolge eines Mißgeschicks ist die Landung aber bereits um 10 Uhr noch auf deutschem Boden, zu Ob er st ein in der engen Fels­schlucht der Nahe erfolgt. Einer der Mitreisenden telephonierte Darüber derFrkst Ztg." folgendes:Nach dreistündiger Fahrt ist der Ballon sehr schwer, aber glücklich hier gelandet. Gegen 10 Uhr baiiierten wir kurz vor Oberstein den etwa 75 Meter hohen Schloßberg aus dem rechten Ufer der Nahe. Links türmen sich die Ruinen von Oberstem in dec gleichen Höhe. Wir hatten eben ein kleines Nachtessen eingenommen und waren vergnügt und guter Dinge. Plötzlich, als wir uns dem Schloßberg näherten, begann unser Ballon zu sinken. Tas etwa 100 Meter lange und 80 Psund schwere ©ajleifjeU, das die Landung zu bewerk­stelligen bestimmt ist, blieb in den Telegraphendrähten hängen. Eine Viertelstunde lang scywebten wir festgehakt über Der Schlucht, unter uns die Nahe und die Eisenbahnlinie ber Rhein-Nahe-Bahn. Wir warfen Ballast aus, um weiter zu kom­men, aber vergebens, der Ballon wurde herüber und hinüber ge­worfen und die Gondel ein um das andere Mal gegen Den hohen Schloßberg geschleudert. Unsere Ruse verhallten anfänglich. End­lich wurden einige Leute auf uns aufmerksam. Wir riefen ihnen zu, sie möchten das Schleiffeil durchschneiten oder uns doch los- lnüpfen. Bis das geschehen tonnte, wurde unser Ballon hoch- und niedergetrieben. Einmal schwebten wir über der Bergspitze, dann wieder Nicht über dem Wasser der Nahe. Wir fürchteten, daß der Ballon verloren gehen könnte. Endlich war das Seil durch­geschnitten und wir flogen weiter. Aber inzwischen hatten wir viel Gas verloren, sodaß wir nicht mehr über Haushöhe hinaus kommen fomuen. Wir landeten nach längerer Schleiffahrt hinter dem neuen Obersteiner Krankenhaus auf schneebedecktem Abhang. Verletzt wurde niemand, der Ballon blieb unbeschädigt. Bei ber Schleisiahrt fiel ein großer Teil unserer Ausrüstung aus dem Korb." Ter Unfall mit dem Schleppfeil ist wahrscheinlich dar­auf zurüüzusühren, daß bie Lederkappe, bie das Seil unten vor Ausfafcrung schützen soll, nicht gut genäht war. Das wissenschaft-

fidje Ergebnis tff gering fnTdrge Dtt' unfreiwilligen Kürzung der ö sckön begonnenen Fahrt.

vermischtes.

* Der Kaiser als Skatspieler. Vom früheren Land, wirtschaftsminister v. Podbielski wußte man, daß er em ausge­zeichneter Skatspieler ist, und daß der Kaiser nur ungern auf ihn alsdritten Mann im Skat" verzichtete. Nach des TageS Mühen liebt es der Monarch, wie derL. A." schreibt, einen ordentlichen Skat zuklovien' . Dann werden vorher einige gme Skatspieler, meist alte Generäle, zu einem frugalen Abendbrot geladen, wobei Pilsener Bier, von einer bekannten Berliner Bier- stube geliefert, getrunken wird. Tann geht's ans Spiel, das nut großer Sachlichkeit geführt wird. Da fällt auch mancher Witz, ber von keinem übelgenommen wird, und in der Aufregung des Spiels auch manch«beliebte" Redensart wie z. B., wenn einer Karo turuierr:in den meisten Fällen turniert man Schellen" und ähnlich, jedem Skatspieler geläusige Ausdrücke, die auch hier die Arbeit begleiten, damit sie munter fortsließt. A uch in dem Spiel- faß wird ein gut bürgerlicher Standpunkt gewahrt, denn hier wird nickt etwa um fabelhafte Einsätze gespielt, sondern ganz schlickt um Vs Pfg. den Point, und nur in ganz seltenen Fällen wird dieser regelmäßige Satz aus einen Pfennig erhöht. Es geht eben bauptsächlichum die Ehre". Darum num.it es auch der Kaiser um Gewinn und Verlust ernst und setzt für das geringe Spiel denselben Eifer ein, wie für einenGrand mit Vieren", Der ja bekanntlich gewonnen jedem anderen Skatspieler einen leckeren Bissen, aber verloren einen großen SckMerz bedeutet. Und ein vergnügtes Schmunzeln zieht über das Gesicht des Kaisers, wenn er em Spiel gewonnen hat, Verluste dagegen tragt er mit der Würde und dem Humor eines Philosophen. Wur Fehler Dürfen nicht gemacht werden, sonst setzt sich der Spieler der Frage aus, ob et denn immer nochein Kadett" oder eineMilitär- maße" fei. Ter Kaiser liebt beionders emseines" Spiel, und als solchfeiner" Skatspieler stand bet ihm außer Herrn o. Pod- bieten auch der verstorbene Leibarzt v. Leuthold in großem An- sehen. Die Bewirtung während des Spieles selbst ist tecyt schlicht unö einfach; denn neben einem guten Likör wird auch hier wieder hauptsächlich Pilsener Bier geirunten, wozu bann recht voluminöse Havannazigarren geraucht werden. So herrscht da eine gemüt- tiche, frohe Stimmung, und alle Teilnehmer sind in das edle Spiel so vertieft, daß sie Zeit und Ort vergessen. Oft ist '-Witter, naüjt schon vorüber, wenn jich die Tore des Schlosses hinter ben alten Generalen nach getaner Arbeit schließen.

* Kleine Tages chronik. Nachdem bereite in der v. W. in der Brilell.abnt der Halleichen Pimiiierick)all eine Kvh.enstaub- explosion vorgekommen ist, erfolgte am 24. in Senftenberg (Prvv. Sack/l'en) abermals eine Explosion, durch welche eine Person tvb..) und vier schwer verletzt tourten. Daö Dach ist zum Teil abgedeckt. In London wurde William Wylleley, Gründer des W-renhauses Westbourne Grove, von einem Mairn erschossen, der gleich nach der Tat Selb st mordoer juch verübte. Der Älörder ist iwch am Leben, wenn auch sein Zu. stand kritisch ist. Er gab an, er Heise Ceeil Whllley und habe seinen Vater erschossen, roeü biejer seine Mutter schlecht behaudett habe. Die Familie Whllley bestreitet jedoch, den '.Wörter zu kennen. Man vermutet einen Racheakt. Aus Athen wird gemeldet, daß ein Dienstmädchen und ein teutidjec Goldschmied im königlichen Palast einen D i e b st a h l ver­übten Durch den deutschen Goldichmied instruiert, stahl das Mädchen einen Schmuck ter Königin von Griechenland, intern sie ihn mit einem unechten vertauschte. Der Diebstahl tourte entteat und das Mädchen verhallet. Dem Goldfchuueo gelang es, zu entkommen. In Trinidad lColorado) kamen bet einer Expio,ion von Sprengstoffen in einem Bergwerk 24 Perionen ums Leven. Rechtsanwall Hau, ter bekannttich im Verdacht steht, feine Schwiegermutter, die Frau Medizinatral Dr. Mollur, ermordet zu Huben und im Untersuchungsgefängnis zu Äarib ruhe sich bisher völlig apathnch zeigte und jete iluatunfti über die Mordtat verweigerte, verlangte gestern nach einem Geistlichen. Seinem Wunsche wurde entsprochen. Emen tragi. scheu Ausgang nahm ein Zwist zwischen Mutter und^ohn in einer der vornehmsten Pariser Famllien, der des frühere« Lstbahndirekwrs van Bl ar en berg he. Die ichwachliche 80. jährige Dame wurde auf der Treppe ihres Hanfes von ihrem Sohn, ter weben aus einer Irrenanstalt entlassen toorDen und gestern heimgekehct war, erdolcht. Der ^Wörter begab sich in sein 3immer und erschoß sich.

Nirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Am Sonntag Septuagesimae, den 27. Januar: tooiusöieuä.

In der Stadtkirche.

Vormittags 10 Uhr: Festgotteadieusi zur Feier deS Geburt», tages Sr. Majestät des NaijerS.

Pfarrer D. Schlosser.

Ta zu diesem Gottesdienste nur eine geringe Anzahl von Plätzen für bie Zivil-Gemeinde auibehallen werden können, so werden deren Glieder gebeten, soweit sie nicht herkömmlicher>veis« an den Festgottesbiensten teilnahmen, bie Johanneskirche besuch» zu wollen.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MatthäuSgemeinde.

P'arrer D. Schlosser.

Abend? d Uhr: Pfarrer Schwabe.

Abends 8 Uhr: Vereinigmig der fonfirmierten männlich« Jugend ber Malthäusgemeinde.

Dienstag, ben 2b. Januar, nachmittags 4 Uhr: Frauen« missionsverein.

ToniierStag, den 31. Januar, abends 8 Uhr, tm Matthaus- fade: Bibel stunde. (Offerte. Johs. Kap. 13 n. 14.)

Pfarrer D. Schlosser.

In der IohauueSlirche.

Vormittags 91/, Uhr: Professor v. E ck.

Vormittags 11 Uhr: Kmberllrche für die Johannes- gemeinde. Psarrassistent Steiner.

Nachmittags 5 Uhr: Psarrassistent Sterner.

Freitag, beit 1. Februar, nachmittags 4 Uhr, im Lufasfaale. Missionskrcmz ber Lufasgemembe.

Katholische Gemeinde.

SamS^ag, bett 26. Januar 1907:

Nachmillags um 5 Uhr urte abenbs um 8 Uhr: Gelegenhell zur heil. Beichle.

Sonntag, den 2 7. Januar 1907: Septuagefirna.

Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenyerl zur heil. Beichte.

, um 7 Uhr: Tie erste heit. Messe, vor und m derselbe» Austeilung der Herl. Kommunion.^

, um 8 Uhr: Tie zweite heilige Messe. Milnärgoltes- dienst mit Predigt unb Te Deum.

, um 9*/j Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 57> Uhr: Christenlehre; darauf Andacht.

Was Tante Lina im Pompavour hatr

-A eine Brille, einen Strickstrumvs, ein Laschenluch und eint Schachtet Fays ächte Sodener totmeral-Paslillew Uno wo einer in der Familie bullet, heiser unb verschleim: ooer sonn nicht wohl ist gleich ofmet sie die wohltätige Schawlei EP*2 und teilt von den kleinen roethen Dingen aus. Leim ne t £3 weiß aus Erfahrung, rote ausgezeichnet Fays achte Lodener bei Ertaltungen roirren und ne yai mit ihrer Vainuen wende schon viel Segen geinftcL Man kann Fays ato» Sodener überall für Plg. per Schachtel. uv /»