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24/04/1907 Zweites Blatt
 
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Sben Entwurf eines Gesetzes betreffend Aenderungen des Reichs- Leamtengcsetzes vom 31. März 1873 und über den Ent­wurf eines Beamtenhinterbliebenengesctzes sowie zu dem Ausschußbericht über den Entwurf eines Militärhinter­bliebenengesetzes.

Das Abgeordnetenhaus nahm heute den Etat der Ansiedelungs-Kommission gegen die Stimmen des Zentrums, Freisinnigen und Polen an.

Die Vorlage betr. die Reform des Börsenge- setzes wird, wie verlautet? dem Reichstage erst im Derbst zugeheu.

, Der bisher für den Binnenverkehr der deutschen Eisen-

Lahnen eingeführte Ausnahmetarif für Fleisch von frisch geschlachtetem Vieh wird wie der Berliner Handels­kammer mitgeteilt worden ist, vom 1. Mai 1907 ab auch auf den Auslandsverkehr zwischen fccn dänischen und deutschen Stationen ausgedehnt. Ueber die Höhe der Frachtsätze gibt das Verkehrsburau der Handelskammer nähere Auskunft.

Elberfeld, 23. April. Die Stadtverordneten bewilligten -j ä h r l i ch 10 0 0 0 M a r k z u r U n t e r st ü tz u n g für bedürftige, Heit müidestens zehn Jahren in Elberfeld wohnende Kriegs- wet er an en. Diese Unterstützungen sollen nicht als Armen- nnterstützung gelten.

Leipzig, 23. Aprll Die hiesige Handelskammer sprach sich entschieden egen-die lÄhebung von Schiffahrtsab­gaben auf den natürlichen Wasserstraßen aus.

Auf uciinb der §§ 81 bis 86 Str.-G.-B. wurde die Schrift des Genossen ^-rl -LiebknechtM ilitarismusund An­ti-Militarismus" auf Verfügung des Lberreichsanwalts b e- schlagnahmt. Nur 18 Exemplare der Schrift wurden in der Verlagsbuchhandlung gefunden.

2. Abschlägig deschieden.

man noch wilkommen will.

3. Abschlägig deschieden.

Dafür aber einen Zug ein­gelegt, den kein Mensch, der Theater, Konzerte, Vorträge zu Gießen besuchen will, be­nutzen kann, weil er schon um 10 Uhr 09 Mi», nachts zu Gießen abfahren soll. Ta müßte denn das Gießener Theater sicher schon um V2M Uhr schließen, wenn

Das Eisenbahn- Ministerium:

1. Abschlägig deschieden.

Soweit meine Tätigkeit! Es hat nun die interessierte ^Bevölkerung selber, in erster Linie das Großh. Kreisaml mit den interessierten £anbgenmnben bis nach Bellersheim- Obbornhofen, sodann die S tadtvero rdne le nversa mm- jlung zu Gießen, die Handelskammer 2c. das Wort.

i Ich verspreche mir ja nicht Diel von einer weiteren Ver­handlung mit Herrn Minister Breitenbach. Der ist meiner Ansicht nach zu sehr .Fachmann". Herr 0. Budde, dem ich

tzlseuöaynfisüuLisches.

HerrReichstagsabg. Köhler-Langsdorf schreibt uns '-auS Berlin:

Nach vergeblichen Versuchen, durch Verhandlungen mit jbem Großh. Finanzminister irgend etwas für unseren Eisen­bahnverkehr Nützliches zu erlangen, wandte ich mich nun an den preußischen Eisenbahnminister mit folgenden Gesuchen:

1. Späterlegung des jetzt bereits um 8 Uhr 45 Mm. Abends zu Gießen in der Richtung nach Gelnhausen fabgehenden Zuges Nr. 544, damit derselbe noch die Reisen- lden von den Zügen Hamburg und Berlin Gießen iMain-Weser-Bahn, Zug D 74), FrankfurtGießen <M.-W.-Bahn, Zug 805a), Köln Gießen (Zug 82, ein- ^reffend in Gießen 9 Uhr 05 Min. abends) aufzunehmen in ber Lage wäre;

2. den Arbeiterzug (W. 516, abends ab Gießen um 16 Uhr 25 Mm. nach Hungen) auch Sonntags zu fahren, pim dadurch der Landbevölkerung eine sehr erwünschte Verbindung mit der Stadt zuzuwenden;

3. den Sonntagszug der Strecke GießenHungen l(F. 518, ab Gießen 1109) auch Werktags zu fahren, um ^dadurch der Landbevölkerung einen gewissen Anteil an den Vorzügen der Stadt (Konzerte, Vorträge, Theater rc.) zu verschaffen.

Alle diese Wünsche wurden (abgesehen davon, daß mir fschon früher das Großh.Finanzministerium mitgeteilt hatte, Seine Verbindung des Arbeiterzugs (ab Gießen 6 Uhr L5 Min. abends) in Hungen mit dem Zug, Hungen ab 6 Uhr 55 Min. abends nach Friedberg (nota bene der Arbeiter- jzug GießenHungen trifft jetzt um 7 Uhr Min. in Hungen, ialso 5 Min. früher em, als der Friedberger Zug abgeht), jei unm öglich herbeizuführen), wie gesagt, nunmehr durch folgendes Schreiben an mich heute .erledigt":

Der Minister Berlin W 66, den 19. Aprll 1907, der öffentlichen Arbeiten. Wllhelmstraße 79.

II C. F. 1433.

In Anschluß an mein Schreiben vom 21. 0. M., C.F. 903

/ teile Ew. Hochwohlgeboren ich ergeben)"! mit, daß für die Beförderung des m erster Reihe für den Arbeiterverkehr angelegten Zuges 516, Gießen ab 635, Hungen an 7, an den Sonntagen ein allgemeines Berkehrsdedürfnis nicht anzu- lerfennen i|t. Seine Besetzung würde an diesen Tagen eine unzureichende jein. Da die bequem gelegenen Züge 512 (ab Gießen o°*) und 514 (Gießen ab 8") für die Sonmags- reisenden von Gießen eine passende Rückfahrgelegenhett bieten. »(Diesen vorstehenden Satz, bitte ich zweimal zu lesen und die Sachlage zu überlegen. Köhler.)

Diesem Aittrage bedaure ich daher nicht entsprechen zu können. Dagegen wird der bisherige Sonntagszug 518, Gießen ab 111S, Hungen an ll49 in diesem Sommer auch an Werktagen und zwar in zeitigerer Lage (warum nicht gleich Nach­mittags ?, Köhler) Gießen ab 1009, Hungen an 10" versuchs­weise befördert werden, wodurch der Anschluß in Gießen an den Zug D 74 von Cassel hergestellt wird.

. Ich gestatte mir jedoch von vornherein zu bemerken, daß die Beförderung dieses Zuges wieder eingestellt iwerden muß, wenn sie durch die Besetzung nicht gerechtfertigt wird.

Breitenbach.

An Herrn

Köhltzr-Langsdorf, Mitgl. des Reichstags, Hochwohlgeboren

Berlin.

Wie stellt sich nun die Sachlage?

Meine Anträge:

Ü. Zug GießenGelnhausen jetzt 8 Uhr 45 Almuten abends, mein Antrag Gießen ab ungefähr 9 Uhr 20 Mm. so wie schon jetzt der Zug Gießen Fulda verkehrt.

2. Arbeiterzug ab Gießen 6£5, auch Sonntags;

'3. Sonntagszug Gießen 1 Hungen ab 11 Uhr 09 Min.

nachts, auch Werktags.

noch über das Grab hinaus und stets ein dankbares Andenken bewahre, war das freilich nicht, aber er war Offizier, demnach ein Mann deS praktischen Lebens, er freilich würde, wie er stets getan, Rücksicht auf die Wünsche des Publikums und deffen^Jntereffen genommen haben.

Berlin, Reichstag, den 23. April 1907.

hier-Langsdorf.

Aer Kampf im Maugcrverbe.

-t>. Berlin, 23. April.

ES muß dem Zentralorgan und auch den Führern der soz. Partei nachgesagt werden, daß sie bestrebt sind, bei der bevorstehenden Entscheidung über Krieg und Frieden im Baugewerbe den Frieden zu sichern. Die Massen sind diesmal radikaler als die Parteileitung, und es erscheint fraglich, ob der Warnruf selbst des Altmeisters Bebel, der sich an frischem Wagemut gewiß nicht so leicht überbieten läßt, von den erregten Bauarbeitern beachtet werden wird. Einmal legt die Aussichtslosigkeit des Kampfes um die Achtstundenforderung den Parteiführern den Rat zum Einlenken nahe. Dann aber mag auch die Erwägung mit* sprechen, daß es eine schwere Schädigung des sozialdemo- lratischen Gesamtinteresses bedeuten würde, wenn zu der politischen Niederlage bei den Wahlen die soziale in Ge­stalt eines verlorenen Riesenkampfes um die Arbeitsbeding­ungen sich gesellen sollte, von den gewaltigen Geldopsern ganz zu schweigen. Das könnte im Herbst einen Parteitag geben, wie er in den Annalen der Sozialdemokratie nocy nicht zu verzeichnen war.

Es steht also viel auf dem Spiel in dieser entscheiden­den Stunde, vor allem auch die Erhaltung der Disziplin in der Sozialdemokratie, der Geschlossenheit, ohne die sich nun einmal nichts erreichen läßt. Bei der Bergarbeiter* bewegung wurde, wie erinnerlich, die Disziplin aufs äußerste gefährdet. Die Führer, die in den Versammlungen mäßigend einzuwinen versuchten, mußten sich Zurufe wie Bremser" und sogarVerräter" bieten lassen. Es fehlte nicht viel, daß man sie von der Tribüne herabnötigte. Aehnliche stürmische Szenen haben sich hier in der Gene­ralversammlung der zentralisierten Maurer abgespielt. Der Verbandsleitun.g, die von einem Kamps um den Achtstunden­tag ab riet, wurde Feighell zum Vorwurf gemacht. Die Er­klärung hals nichts, daß Bebel und Singer betont hatten, die Arbeiter sollten es sich Wohl Überlegen, in gegenwärtiger Zeit, bei einem Nachlassen der Bautonjunktur, in einen Mxmtpf um den Achtstundentag einzutreten.

In letzter Stunde mahnen die Vorstände der beteiligten Organisationen nochmals zur Besonnenhell. Zunächst könne es sich in den entscheidenden Versammlungen nur um An­nahme oder Ablehnung des Schiedsspruches des Berliner Emigungsamtes handeln, nicht aber um die sofortige Pro­klamierung eines Ausstandes. Für den Fall, so fährt die Erklärung fort, daß von den Arbeiterorganisationen der Schiedsspruch abgelehnt werden sollte, , stehen alle Organi- sationsvorstände einmütig auf dem Standpunkte, daß es zur­zeit nicht empfohlen werden kann, zu einem Angriffsstreik überzugehen, sondern daß es ratsam erscheint, die weiteren Maßnahmen der Arbellgeber abzuwarten". DemLokal­anzeiger" zufolge ist wahrscheinlich, daß die Arbeitgeber den Schiedsspruch, der den Arbeitern eine nicht unwesent­liche Lohnerhöhung zubilligt, annehrnen. Von Arbellgeberselle erfährt dieTagesztg.", daß, ebenso wie in der Holzindustrie, die Aussperrung in Aussicht genom­men ist, falls auf einzelnen Bauten von den Arbeitern versucht werde, ohne Vertrag Weller zu arbeiten und den Achtstundentag durchzusetzeu. Also, die Waffen werden auch berellgehalten, und, wie nicht zu bezweifeln ist, ohne Scho- nung angewendet werden.

Derart erbitterte wirtschaftliche Kämpfe ziehen zahllose Unbeteiligte in Mitleidenschaft. Ob beispielsweise die zu einem festen Zeitpunkt herzustellenden neuen Gebäude für industrielle Zwecke unvollendet liegen bleiben, geht sehr nahe an Tausende von Arbeitern, die in diesen Betrieben Beschäftigung erhalten sollen. Ladengeschäfte aller Art, Handwerier usw. verspüren sehr bald und empfindlich die Wirkung von Einschränkungen großer Arbeitergruppen. Letz­ten Endes richtet sich ber Groll der Unbeteiligten und dennoch Mitbetroffenen gegen die Arbeiterbewegung und raubt der Sozialdemo Erat te wiederum Anhänger.

*

Saalfeld (Thür.), 22. Aprll. Die gesamten Bau­handwerker der hiesigen Stadt legten die Arbell nieder, da die Arbeitgeber sich weigerten, den Minimallohn von 43 auf 45 Pfg. pro Stunde zu erhöhen. (Frkf. Ztg.)

Aachen, 22. April. Eine von über 500 Personen be­suchte Versammlung chrisllicher Bauhandwer ter be- fchloß, die Arbeit ohne Kündigungsfrist niederzulegen.

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 23. April. Saccharin.

Ein hiesiger Bäckermelsler hatte seinen Backwaren mehrfach an Stelle von Zucker Saccharin zugesetzt. Bei einer Durchsuchung seines Geschästslokals wurde em Paket mit 1 Pfund Saccharin vorgefunden, das haue er aus Bento bezogen. Zoll halte er fernen dafür bezahlt. Stach dem Süßstostgesetz vom 7. Juli 1902 ist der Zusatz von Saccharin z.. Nahrungsnnttetn verboten. Das Saccharin bef.-jt nach den Ausführungen des spanischen Sachver- slärrdigen im Gegensatz zum Zucker kemertei Nährwert. Daher Haben Nahrungsmittel, die anstatt mit Zucker, mit Saccharin ver­süßt sind, einen entsprechend geringeren Nährwert. Atu dem Ver­kaufe derartiger Backwaren ist demnach eine Täuschung und Schädigung des Publikums, das diese kauft, verbunden. Der An­geklagte wurde wegen Nahrungsmilielfäljchung zu 50 Mk. Geld­strafe ev. 10 Tage Gefängnis verurteilt.

Unterschlagung.

Der hiesige Bierhändter Z. haue seinen Fahrburschen mit dem Ein kassieren der Kunde ngelder betraut. Am 6. Februar d. I. verschwand der Bursche heimlich aus jeineni Dienst. Es wurde alsbald feslgestellt, daß er emkaisierte Gelder in Höhe von 9 Mk. mitgenommen haue. Außerdem fehlten eine Unterhoie und eine Unterjacke, die zum Trocknen auigehängt ge­wesen waren. Tie Sachen halten ca. 3 All. Wert. Seine eigene Unterhose hatte er zuruckgelasjen. Ter Angeklagte wurde wegen ..uterschlagung zu drei Wochen Gefängnis unter Anrechnung von zwei Wochen der erlittenen Untersuchungshaft verurteilt.

Sachbeschädigung.

Im Januar d. I. wuroen mehrfach Abends Gaslaternen in der Frankfurter Straße hier mit Steinen ein- geworfen. In der stacht auf den 2b. Januar wurde eine, und in der Nacht auf den 28. Januar zwei Gaslaternen zerstört, sodaß der Stadt em erheblicher Schaden erivuchs. Durch Passanten und 'Anwohner, die durch das Klirren der Glasscheiben aunnertfam ge­worben waren, kam man auf die Spur der Täter, die alles m Abrede stellten. Dte Staatsanwaltjcha't beantragte für jeden der drei Täter die Strafe des gerichtlichen Berweifes. Tas Gericht hielt jedoch mit Rücksicht auf die an den Tag gelegte Roheit und den angertchteten erheblichen Schaden diese Strafe nicht für aus­reichend und erkennt gegen jeden auf 15 Mark Geldstrafe eoent. drei Tage Gefängnis.

Souulagsruye.

Am 16. Dezember v. I. wurde eine Revision der ArbellS- Werkstätten vorgenoinmen, nm festznstellen, ob die Beftimmnngen der Gewerbe-Lrdnung über die Sonntagsruhe eingefallen mürben. Bei einem hiesigen Schneidermeister wurde dabei konstatiert, daß in seiner Werkstätte seine beiden Gesellen beschäftigt warem Er erhielt deshalb wegen Uebextretung der Gew.-Ord. erneu Straf­befehl über 10 Mk. eoentl. 5 Tage Hakt. Auf seinen Einspruch kam es zur heutigen Verhandlung. In ihr wurde auf Grund der eib- ticheii Aussagen der beiben Gefeiten festgestellt, daß sie in der Werkstätte an dein fraglichen Sonntag nicht gearbeitet hatten. Sie wohnten bet dem betreff'enden Schneider. Ta ihre Zimnier nicht geheizt waren, hatte er ihnen den Arbecksranm Heizen lasten, damit lie sich dort aufhalten könnten. Der eine Geselle machte em Kleidungsstück für sich selbst, der andere zog Reihfäden heraus, als der Schutzmann eintrat. Tas Gericht war der Ansicht, ^daß von einer eigentlichen Beichäitigung der beiden Gesellen am Sonntage keine Rede sein könne, da ihiicn die Arbeitsfiälte lediglich als Ausenthaltsraum dienen sollte. Mit Rücksicht hieraus wurde der Angeklagte sretgesprochen.

lieble Nachrede.

Der Landwirt H. von Dollar äußerte im November v. I. in einer Wirischast in Bezug auf em Mitglied des_ dortigen Orts- gerrchts: Ter Ortsgenchlsmann M. habe lhn.urn 270 'Mk. gebracht; es liege ihm aber nichts daran, da es ja seiner Schwester zu Gute käme. Als er im Hinblick aui diese Aeußerungen von den An- ivejenden zur Vorsicht gemahiu wurde, fuhr er fort: das könne er beweisen, darum jage er es ja, es sei gut, daß es jetzt bald zum Bruch käme. Ter Ortsgerichtsmann At., dem diese Aeugerungen zu Ohr kamen, erhob deshalb '4>riDat£lage wegen Beleidigung. Rach ansängltcheni Bestreiten erklärte sich der Laiidwirt H. doch bereit, die von ihm ausgestellten Behauptungen als unbegründet und un­wahr zurückzunehmen. Aiit Rücklicht auf dte Schwere der H. einem Beamten m dieser Eigenschait gemachten Vorwürfe utid Darauf, daß die Beleidigung in einer öffentlichen Wirtschaft erfolgte, wurde üi dem abgeschloffenen Vergleiche dem Beleidigten Pubk t- kationsbefugnis zugejprochen.

liuiqt unO LviMnjchast.

Man schreibt uns aus Frankfurt a. M., 22. Aprll: Georg Hirschfeld hat mit guten Absichten eine schlechte Komödie geschrieben. Dem modernen Snobismus rückt er ün ersten Akte seinerMieze und Maria" zu Leibe, und man verfolgt mit Interesse die Satyre, die, wenn auch nicht ge­rade sonderlich originell, immerhin doch Pointen genug bietet. Aber schon nach diesem Entree wirst der Auwr die 2Baffen bei Selle und verliert sich in allerhand Sentenzen und Senti­mentalitäten, bereit man bald überdrüssig wird. So hat auch die hiesige Premiere dem Werk nur eine sehr laue Aufnahme ge­bracht, obwohl im Einzelnen ausgezeichnete Leistungen geboten wurden. Namentlich Fräulein Hartmann in der Titelrolle erbrachte einen neuen Beweis ihres Könnens und ihrer frischen urwüchsigeii Darstellungsart. Eine sympathische Figur mit warmem Empfinden war der Lindtgkell des Herrn Hellmer. Fräul. Santen und Herr Bolz als Ehepaar Weisach sowie Herr Bauer als Graf suchten i hren Rollen, soweit es nur eben möglich, Leben einzuhauchen. Dr. Heine hatte ber Auf­führung eine hübsche Inszenierung gegeben. Nur wäre zuweilen ein flotteres Tempo zu wünschen gewesen.

GerichtssaaU

Berlin, 23. April. Vor der ersten Strafkammer des Land­gerichts II kommt heute zum fünften Male die bekannte Affäre des Kammerfräuleins der Prinzessin Amalie von Schleswig-Holstein, Anna Ac i 1 e w s k a, zur Verhandlung. Während ^der Gerichts- diener auf dem Zeugentijch ein großes Paket Schmucksachen, darunter ein vom König Christian von Dänemark der Prinzessin Amalie geschenktes Perlenkollrer, niederlegt, beginnt der Vorsitzende mit der persönlichen Vernehmung der Angeklagten. Ste erklärt, daß sie sich nicht schuldig fühle. Im Verlaufe ihrer Vemehmung behauptet sie, der H e r z 0 g E r n ft Günther habe ihr Rache geschworen und die fast 70jährige Prinzessin sei mit ihrem Adjutanten befreundet gewesen. Ter Vorsitzende verweist ihr der­artige Aeußerungen m energischer Weise. Das Perlenkollier wäre über 100 000 Mark Wert, wenn die Perlen echt wären.. Gegenstano der Beweisaufnahme wird daher auch sein, ob der König Christian der Prinzessin sogenannterömische Perlen" geschenkt hat, oder ob etwa die in dem Kollier enthalten gewesenen echten Perlen von der Angeklagten entfernt und durch römische ersetzt wurden. Zu einem Zusammenstoß kommt es, als die Angeklagte einen deutschen Konsul m Egypten der Urkundenfälschung und der Spitzbüberei beschuldigt. Der Vorsitzende rügt auch diese Ausdrücke tn schärfster Weise.

Gotha, 23. April. Tie Strafkammer verurteilte den Redakteur Walter vom freis.Goth. Tagblait" wegen Beleidi­gung der S t a d t v e r iv a l t u n g , der er Interessen- ivirtschaft vorgeworfen hatte, zu zehn Tagen Gefängnis. Ein früheres Urteil auf einen Atonal Gefängnis hatte das Reichs­gericht wegen ungenügender Beweiserhebung und Nichtanwendung des § 193 aufgehoben.

Bayreuth, 23. April. Der ehemalige Lehrer Müller aus Dürnberg, der im Atärz d. Js. zum zweiten Atale zum Tode verurteilt worden war, wurde zu ledenslänglichemZucht- haus begnadigt.

Arbeiterbewegung.

Paris, 23. April. Die ausständigen Backer versrnnmellen sich heute und versuchten einen Umzug zu veranstalten. Bei der 'Madeleinenktrche kam es zu einem Zusammenstöße mit der Polizei, welche mehrere Berhastuiigen vornahm. Die Kundgeber begaben sich alsdann zur Arbeitsbörse, wo sie eine Versammlung abhielten. Vor der Arbettsbörse kam es nochmals zu einem Zusammenstöße mit der Polizei. Die Arbettsbörse wird militärisch bewacht.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen.

Frankfurter .Börse. 24. April, 1.15 Uhr. 3^e/o Reichaanleihe . . 95.601 Elektnz. Lalnueyer . 0% do. ... 84.00 Elektriz. tichuckert .

3>s0/0 Konsols . . . .

3% do. . < . .

3^°/0 Hessen . . .

3>5O/O Oberhessen . . .

4% Uesterr. Goldrente. .

95.60

84.65

94.40

99.45

Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket*. Harpener Bergwerk. . . Lanrahütte......

129.00

113.60

232.50

199.90

137.70

211.00

229.00

41/, % Gesten. Silberrente 99.80 4% Ungar. Goldrente . . 94.45 4% Italien. Heute . . . 102.70 3-6 Portugiesen Serie I . 67.50 3-6 Portugiesen III 68.25 4>6°/0 russ.Staatsanl. 1905 91.05 4>6U,O japan. Staatsanleihe 93.05 4% Conv. Türken von 1903 94.60

iNordd. Lloyd.....126.50

Obeischles. Eisen-Industrie 109.70 Berliner Haudelsges . . 158.00

Darmstädter Bank 132.90

Deutsche Bank . . . 229.70

Deutsch-Asiat. Bank . . 171.80

Diskouto-Kommandit. . . 173.90

Dresdner Bank . . . 146.10

Türkenlose ... . . 141.60 Kreditaktien

. 207.90

4-6 Gnech. Monopol-Aul. 50.00 4-6 äussere Argentinier . 86.80 ou/0 Mexikaner . ... 65.60

4>ju/0 Chinesen .... 97.50

Aktien:

Bochum Guss..... 227.20

Baltimore- und Ohio-

Bisenlahu . . . 99.45

Gotthard bahn . . . .

Lomoard. Eisenbahn . . 24.00 Uesterr. Staats nanu . . . 145.30 lnuce-Heun-Eisenbahu . 139.00

Buderus E. W

Tendenz; schwächer.

Berliner Börse, 24. April. Anfangskurse.

Cauada E. B.....

Darmstädter Bank . .

Deutscue Bank . . .

Durtmuuder-Uuiou C. .

Dresdner Bank . . .

Teudeu/.: schwächer.

175.70

133.20

229.25

7b.6u

145.60

Harpener Bergwerk. i-aurahütte . . .uinbardeu E. B.

-\ordd. Lloyd . . . i ilrkenluse .

211.20

28*70

126.20

141.40

^T'Zeiidecken , SimMeimerti Strnpp

VltyU vx v Frankfurt