Ausgabe 
22.7.1907 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 169

Zweites Blrrtt

157. Z

General-Anzeiger für Oberheßen

Montag 22. Juli 1907

Rotationsdruck und ® erlag bet Br Ührchen UnU)erfUQt3 - Buch» und Edt»!ndruckerei.

9L Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition and Druckereir Schul­straße 7. Erpedttiök und Verlag i «E bL Redaktion:UL teL-2lbu

Die Nordlandfahrt des Kaisers.

Drontheim, 20. Juli. Heute vormittag nahm der Kaiser die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts Grasen Hülsen-Häseler und des Vertreters des Auswärtigen Amtes Frei- l-errn von Jenifch entgegen und arbeitete dann allein. Das Frühstück nahm der Kaiser mit einem Teil des Gefolges bei dem kaiserlichen Konsul Jenssen ein. Tas Wetter bessert sich an­scheinend.

Trontheim, 21. Juli. Hohenzollern. Der Kaiser wartete gestern vor dem Frühstück beim Konsul Jenssen noch das Ein­laufen des zweiten heimischen Geschwaders ab, das um 1 Uhr mittags eintraf. Heute hielt der Kaiser vormittags Gottesdienst an Bord ab und machte dann mit den Herren des Gefolges um 111/2 Uhr ein Partie zu Wagen nach dem Sjeldsäter, wo das Frühstück eingenommen wurde. Die Rückkehr erfolgte um 4 Uhr nachmittags. Die Hohenzollern geht morgen früh, um 8 Uhr, nach Molde in See, wo das Eintreffen abends erfolgt.

Erscheint »glich mtt Ausnahme des Sonntags.

Die»ktlffler Samllienblätt«" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegl, dar "K"b'a 6tn «r«I, Sietzeu" zweimal »SchenUtch. Der ..SJeffifctje landwirt" erlchsint monatlich einmal

Aus SLaSt und Lssrtz.

Gießen, 22. Juli 1907.

* Eröffnungsvorstellungen im neuen Stadttheater: Wir werden gebeten, nochmals darauf aufmerksam zu machen, daß das in der Stadt verbreitete Gerücht, es seien für die Vorstellungen am Dienstag und Mittwoch kaum noch Plätze zu haben, durchaus falsch ist. Es sind vielmehr, namentlich für Mittwoch, wo die 1. Vor­stellung in unveränderter Weise wiederholt wird, noch reichlich Plätze und in allen Preislagen vor­handen. Es wäre doch bedauerlich und zugleich beschä­mend, wenn die beiden ersten Vorstellilngen im neuen Hause nicht vollständig ausverkauft wären. Am Samstag nach­mittag hat im neuen Theater die erste Musikprobe statt- gesunden. Musikdirektor Krautze hatte sich für diesen Zweck mit seiner gesamten Kapelle ziir Verfügung gestellt. Das Theater hat die Probe glänzend bestanden, die Akustik des Zuschauerraiuns ist als durchaus gelungen zu bezeichnen, man hört von allen Rängen auS gleich gut. Der vertiefte Orchesterraum gestattet den Klang diskreter, man kann fast sagen interessanter, ohne die Tonfülle zu ver­ringern. Für die Jestvorstellung am 23. und 26. dieses Monats und besonders für die Operilvorstellung am 24. ist das ein hoch erfreuliches Ereignis. Alle drei Vorstellungen beginnen pünktlich um 8 Uhr abends. Von den Gästen, die bei der Einrveihung mitwirken, ist Frl. Riza Bajor, die den Prolog sprechen wird, den Gießenern em bekannter und gern gesehener Gast. Für die Eve imzerbrochenen Krug ist Frl. Harnisch feg er vom Stadttheater in Löln gewonnen worden, die diese Rolle im vergangenen Winter in Cöln mit schönem Erfolg gespielt hat. Frl. Harnischfeger, bis vor einem Jahr am Frankfurter Schauspielhaus engagiert, hat sich in Köln eine erste Stellung erworben. Für den Adam im zerbrochenen Krug hat die Direktion einen seltenen Gast gewonnen, Herrn Aldis Wohlmuth vom Münchener Hoftheater, Molieresche Charakterrollen und speziell Gestalten wie der Dorfrichter Adam sind dort Herrn Wohlmuths Domäne und er dürste in der von ihm dar-

Aufruhr in Söul.

be§ ?^er§ öon Korea hat die Bevölkerung vrder Erwarten tn große Erregung versetzt und . es ist in iXr er?ftZusammenstößen gekommen,

lener mqe Vorgänge berichtet man uns nachstehendes:

©0ul, ^0. Juli. (Reuter.) Gestern nachmittag umzin-

n kie Aufrührer die Wohnung des Premierministers, vuroen aber von der japanischen Polizei mit Hülfe von Artillerie ^streut Ter Premierminister flüchtete in den mferuujcn Palast, während die anderen Minister nach der apamschen Gesandtschaft eilten. Fortwährend ist Gewehrfener M hören. Man nimmt an, daß es zu einem Zusammen- ' 0 ße zwischen der japanischen Polizei und ko- 'ennischen Soldaten gekommen ist. Wenn die japan. .Truppen die Koreaner angreifen, so wird die Unruhe ver- prößert wertxm. Um 10 Uhr wurde ein angebliches Kom- ilott Ito hinterbracht. Es wurde ihm gemelldet, daß )ie kaiserliche Garde geheim vom Kaiser den Befehl erhalten -abe, um Mitternacht in den Palast einzudringen und das ranze Kabinett zu ermorden, welches für seine Abdan­kung verantwortlich sei. Die Japaner besetzten den Palast und erwarteten die Feier der Thronbesteigung des Kronprinzen; rin Thron war bjereits am heutigen Morgen aufgeschlagen vordeu. Aus ihr Ansuchen erhielten 80 Japaner, die Beamten, Darunter Ito, sowie der Generalstab und einige Generale, Konsu- laraudienz. Um 4 HUr 30 Min. nachmittags nach der Thron- jtfteigung des Kronprinzen verabschiedete sich der Exkaiser vom Kabinett. Die Truppen des Generals Hasegawa halten noch immer den Palast besetzt. Ein Regiment kam heute Morgen aus Pinyang an, um das 20. Regiment zu verstärken, das bereits hier war.

Nach dem heute veröffenttichten amtlichen Bericht sind bei den gestrigen Unruhen 10 Japaner getötet und 30 verwundet Worden. Die Zahl der umgekommenen Koreaner wird nicht angegeben. Nachdem die Menge die Wohnung des Mmisterpräsidertten zerstört hatte, zog sie zu den übrigen Ministerien, um dort zu plündern. Im Kriegsministerimn wurde der Pöbel von den japanischen Wachen zurückgetrieben, Die eine große Zahl der Angreifer töteten oder verwundeten.

Gestern abend wurde eine Bekanntmachung veröffentlicht, in der die Bevölkerung aufgefordert wird, die Wohnungen nicht zu verlassen. Gegen einen etwaigen nächtlichen Angriff sind in den in der Umgebung des Palastes liegenden Straßen Maschinengewehre aufgestellt und Schanzen errichtet. Das Militär verhält sich ruhig in den Vorstädten. Das Eintreffen japanischer Truppen hält an, aber ihre Zahl ist nicht groß genug, um die koreanischen Soldaten zu entwaffnen.

Tokio, 21. Juli. Vier Maschinengeschütze wurden in Söul auf dem Teihan-Tor aufgestellt. Sie sollen gebraucht werden, falls die Soldaten ihre Angriffe auf die japanische Polizei wiederholen. Eine wütende tausendköpfige Volksmenge griff Die Wohnung des Premierministers, der sich gerade im kaiserlichen Palast befand, an und verbrannte sie.

Deutsches Ueicy.

Berlin, 21. Juli. Dem Reichskanzler liegt bereits ein Antrag vor, die Kinematographen-Vorstellungen k 0 n z e s s i 0 n s p f l i ch t i g zu machen.

Der Wirkliche Geheime Rat Regierungspräsident a. D. und frühere Reichstagsabgeordnete v. Tiedemann ist gestern gestorben. Der Verstorbene verttat im Reichstage von 1898 bis 1904 den 3. Bromberger Wahlkreis und gehörte der Deutschen Reichspartei an. Er wurde am 24. Oktober 1836 zu Schleswig geboren, studierte in Kiel, Leipzig und Berlin Jura und Ca- meralia. Er war dann Rechtsanwalt in Segeberg, wurde bald darauf Landvogt in Stapelholm, 1865 Polizeimeister in Flensburg, 1872 wurde er Land rat in Mettmann, 1376 Vortragender Rat im preußischen Staatsministerium, 1878 Chef der Reichskanzlei. Von 1881 bis 1899 war er Regierungspräsident in Bromberg.

Heiligendamm , 21. Juli. Der Kronprinz kehrte heute abend von Heiligendamm nach Potsdam zurück, während die Kronprinzessin noch einige Zeit in Heiligendamm verbleibt.

Dresden, 20. Juli. Der König von Sachsen ist nach Norderney abgereist.

Tegernsee, 20. Juli. Der Inhaber des Münchener Bank­hauses^ Merk, Fink u. Co., Dr. Heinrich Merk, der 1848 Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung war, ist ge - tor ben.

Das Berl. Tgbl. meldet aus Schwerte: Hier tagten die Abgeordneten von 19 westfälischen Krieg er vereinen, die infolge der Nichtannahme der Kieler Beschlüsse aus dem Landeskriegerverbände ausgesckxieden sind. Auch rheinische Vereine hatten Vertreter entsendet. Es wurde beschlossen, einen Verein deutscher Militär vereine zu gründen.

AttsLHNö.

London, 20. Juli. DieTribüne" erfährt, daß (jemäft >en gegenwärtigen Anordnungen derKönig am 14. August nach Marienbad abreisen und voraussichtlich am 15. August mit KaiserWilhelm auf Wilhelmshöhe eine Zusammenkunft haben werde.

Carcassonne, 20. Juli. Der Bürgermeister und mehrere GemeinderatsMitglieder haben ihre De­mission zurückgezogen mit der Begründung, daß ein längerer Widerstand nutzlos sei und nur dazu führen könnte, ihnen die Sympathien des Landes abwendig zu machen. Uebrigens seien sie nicht geneigt, die Verantwortung für die ad­ministrative Anarchie weiter zu übernehmen.

Bern, 20. Juli. Der Verwaltungsrat der Bundesbahnen beschloß die Herstellung eines zweiten Simplon- tunnels, der als Parallelstollen zu dem bereits bestehenden Tunnel angelegt werden soll.

London, 20. Juli. Der Wahlsieg des Sozialisten Grahson in Colne Valley ohne Mithilfe der Arbeiterpartei, ruft unter den bärgerlicl^n Parteien hochgradige Bestür­zung hervor.Daily Chronicle" sagt: Graysons Wahl ist der erste rein sozialistische Wahlsieg in England, da der Erwählte von keiner Partei Unterstützung erhielt.Daily Graphic" nennt die Wahl Graysons ein Ereignis von hervor­ragender politischer Bedeutung; eine größere Gefahr als Ho- merule sei im Anzüge.Tribüne" verlangt die Einführung von Stichwahlen, um den Sozialismus in Schach zu halten.

Konstantinopel, 20. Juli. (Wiener Korr.-Bur.) Die türkischen Truppen haben an der Grenze des Wilajets Monastir einen großen Erfolg gegen eine bulgarische Bande errungen; 73 Kvmitatschis wurden getötet, darunter der bekannte Banden­chef 'Azeff. Tie Türken hallen 5 Tote und 11 Verwundete.

Es verlautet, daß die amerikanische Botschaft die Gelegenheit des Bombenattentais benutzt habe, um ihre frühere Forderung, ein Stationsschiff wie andere Botschaften zu unter­halten, wieder zu erheben.

Teheran, 21. Juli. (Reuter.) Tas Parlament ge­nehmigte gestern die Konzession für die Errichtung einer deutschen Bün k mit einem Kapital von 200 000 Pfd. Sterling für die Tauer von 30 Jahren.

Newy 0 rk, 20. Juli. (Auf deutsch-atlantischem Kabel.) 90 Prozent der Mitglieder der hiesigen merchantsasso- e i a t i 0 n sprachen sich für Billigung des Vorgehens der Re­gierung aus, mit Deutschland wegen des Tarisab- f 0 mm en 5 zu unterbändeln.

Der Fall Schellenberg.

Wiesbaden, 20. Juti. Die Affäre des Arztes Dr. Schellenberg in Wiesbaden soll dadurch ihre Lösung finden, !d» die Postbehörde einen Stabsarzt zum Ver­trauensarzt der Post ernennt. Bekanntlich hatte der Aerzte- verband in Leipzig die Stelle in Wiesbaden wegen der Vor- tommniffe in der letzten Reichstagsstichwahl für Aerzte gesperrt.

Berlin, 20. Juli. Tie Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Zum Fall Schellenberg geht uns aus Wies­baden folgende Zuschrift zu: Dem Herrn Dr. Schellenberg ist von bejr Postdirektion nicht gekündigt worden, weil er sozialdemokratisch gewählt, sondern weil er sich in einer öffentlichen Versammlung dessen gerühmt hatte, was man wohl Agitation nennen kann. In einer späteren Versamm­lung erklärte er sogar, daß er nicht nur bei der letzten Reichs­tagswahl sozialdemokratisch gewählt, sondern dasselbe auch schon bei der vorigen Reichstagswahl getan habe. Wenn sich nun Dr. Schellenberg rühmt, der freisinnigen Vereinigung anzugehören, so ist eine Abstimmung um so unbegreiflicher, als die hiesige frei» sinnige Vereinigung ihren Mitgliedern aufs dringendste angeraten hatte, in beiden Stichwahlen für den Nat ionalliberale n zu stimmen. _ __,

©in Attentat ans die Königin von Portugal?

London, 20. Juli, TerDaily Exprch" meldet aus Lissa­bon, datz auf die Königin von Portugal m der nächsten Nähe der Hauptstadt ein Attentat verübt wurde. Als die Königin, vom Herzog von Besä und ihrem Gefolge begleitet, in der Umgebung von Lissabon eine Spazierfahrt mit ihrem Automobil unternahm, flogen plötzlich aus einer Menge, die den Kraftwagen bemerkt hatte, Steine g c gen d as Automobit. Ein schwerer Stein traf die Köiiigin am Arm und verletzte sie. Der Täter konnte bisher nicht er- mütclt werden. Die Menge zeigte Sympatlpc mir den Gütern,

Wien 21. Juli, Die hiesige portugiesische Ge­sandtschaft dementiert die Naäwicht »on einem angeb­lichen Attentat auf die Königin von Portugal, Der Saclwerhalt sei folgender: Als die Königin in ihrem Aulo- mobil in ihrer Sommerresidenz Ciutra eine Ausfahrt wacl-te, wurde das Auwmobil von halbwüchsigen Burschen, dre dre Komgrn ntdu kannten, mit Steinen beworfen, ein Stein habe die Königin am Arm getroffen, ohne sie aber zu verletzen. Es handte sich al)o nur um einen Jungenstreich.

gestellten Partie feinen Rivalen an deutschen Bühnen Haven. Vielen dürfte übrigens Herrn Wohlnmths Humor bekannt sein, da er ein beliebter Mitarbeiter derFliegenden Blätter" ist. Von den andern Mitwirkenden dürfte noch Herr Erich Weingärtner vom Fürstlichen Theater in Detmold be­sonderes Interesse beanspruchen, da er für den kommenden Winter als erster Held an unserer Bühne verpflichtet ist. Sein Talent prädestiniert ihn geradezu für sein Fach. Direktor Hermann Steingötter, dem die Eröftnungsvorstellungen übertragen wurden, hat alles aufgeboten, um die Einweihung des neuen StadttheaterL durchaus würdig zu gestalten und es ist sicher zu ermatten, daß beide Abende ein voll­besetztes und festlich gestimmtes Haus sehen werden.

** Die feierliche Ueberreichung der Aieister- b r i e f e an die bei der diesjährigen Meisterprüfung der Pro­vinz Oberhessen bestandenen 38 Jungnteister sand gestern vormittag im Saal des Hotels Einhorn statt. Außer den neuen Meistern unb den Mitgliedern der PrüfungLkommission, sowie anderen Handiverksmeistern hatten sich zu der Feier eingesunden als Vertreter des Großh. Ministeriums des Innern Nttnistermlrat Dr. Usinger und als Vertreter der Handwerkskammer und des Ortsgewerbevereins Stadtv. L. Petri II. Ter Vorsitzende der Prüfungskommission Bau­meister Traber begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Vertreter des Ministeriums, und richtete dann herzliche ein­dringliche Worte der Mahnung an die Prüflinge, sich der erworbenen Rechte als gesetzlich geprüfte Dleister würdig zu erweisen. Liinisterialrat Tr. Usinger sprach seinen Dank aus für die Einladung und besprach die Pflichten und Rechte, die die alten wie die jungen hätten. Im Austrag der Hand- werkskamuier und des Ortsgewerbevereins übermittelte Stadtv. Petri II. den neuen Pleistern (deren Namen wir morgen mitteilen werden), herzliche Glückwünsche und Mahn- worle. Hierauf nahm Baiimelster Traber die Ueberreichung der Meisterbriefe vor, während Stadtv. Spenglermeister Faber und Pletzgermeister Schlörb den gebräuchlichen Handschlag entgegennahuien. Nachdem noch Jungmeister Faber von Gießen der Prüfungslommission im Auftrag der neuen Meister gedankt hatte, schloß der Vorsitzende die ein­fach aber würdig verlaufene Feier.

** Bejitzwechjel. Der Oekonom Heinrich Noll er­warb die Houib erge rsche Besitzung in der Neustadt, die 1700 ' Dieter Flächeninhalt hat, für 75 000 Mark. Der Käufer wird feinen bisher in der Mühlgasse 35 untergebrachten landwirtschaftlichen Betrieb dorthin verlegen.

** Bei der gestrigen Mainzer Regatta errang im Großherzogsvierer der Ludwigshafener Ruderverein den Wanderpreis S. K. H. des Großherzogs. Im Kaiser­vierer, offen für studierende Akademiker, siegte der Heidel­berger Ruderklub gegen die Gießener Rudergesellschaft.

** Der Mün nerturnverein führte seine Nlitglieder gestern im Hardtwäldchen zusammen, um dort das dies­jährige Waldsest zu feiern. Bald nach 4 Uhr war der Zudrang so stark, daß Tische und Bänke nicht ausreichten, die Erschienenen alle zu plazieren. Für Jung und Alt war an Unterhaltung reichlich gesorgt, durch Spiele, Tanz und Gesang vergnügte man sich bis zum Einbruch der Dunkel­heit und ging es dann mit klingendem Spiel der Stadt zu, wo man sich mit dem Bewußtsein trennte, im M.-T.-V. wieder einige vergnügte Stunden verlebt zu haben.

* Forstpersonalien. Uebertragen wurde dem Forst- wart-Aspirant Georg Seipp ans Leihgestern die Stelle des Forstwarts der Forstwartei Seidenbuch, Obersörsteret Linden- sels, mit Wirkung vom 1. Juli an.

** I m Kolosseum ijt eine Neuerung ^ur Einführung gebracht worden. Tie Bühne wird nunmehr durch elektrische Scheinwerfer beleuchtet, die wirklich hervorragend schöne Licht­wirkungen fielen. Den beiden graziösen Spitzentänze­rinnen, den Geschwistern Tenham, kommt diese Neueinrichtung besonders zu statten. Ihre ohnedies sehr hübschen, fantastischeii Tanzaufführungen wirken nameiitlich bei den Schmetterlingstänzen unter der vielfarbigen Lichtfülle beinahe märchenhaft. Aber auch auf die übrigen Darbietungen ist diese Menge Lichtes nicht ohne guten Einfluß geblieben. So haben sich die ein wenig weit­gehenden Scherze des Bauerndarstellers Neumüller in das Dunkel verkrochen. Zu feinem Vorteil! Man kann nunmehr mit dem von Vortrag zu Vortrag sich steigernden Beifall, den dieser tüchtige Humorist einheimst, wohl einverstanden sein. Die turnerischen Leistungen der drei Burtons haben ebenfalls sehr geiüonnen.

** Heber die Frage der Entziehung einer Wirtschaftskonzession hat der Proviuzialausschuß der Provinz Starkenburg am Samstag eine sehr bemerkens­werte Entscheidung gefällt. Auf Antrag des Großh. Kreisamtes zu Erbach sollte der Inhaberin einer Gastwirtschaft -u Rehbach i. O. die Konzession entzogen werden, weil sie der Völlerei Vorschub geleistet habe, indem sie jungen Leuten soviel Schnaps verabfolgte, daß einer davon an Alkohol­vergiftung l'tarb. Anfangs Juni d. I. waren vier Burschen von 1617 Jahren m die Wirtschaft gekommen und hatten Schnaps bestellt. Es wurden ihnen nach und nach auch vier Schoppen Schnaps verabfolgt. Noch einen fünften herzugeben weigerte sich zuerst die Schwiegertochter der Wirtin, doch ließ sie sich schließlich auch dazu überreden. Wie nun nachträglich festgestellt, haben zwei der Burschen da§ ganze Quantuin getrunken und bannt renommiert. Sie verließen darauf gelilemschafttich das Votal, aber sie waren kaum auf der Straße, als einer der Schnapstrinker, namens Erhardt, bewußtlos zur Erde fiel und von den Begleitern in seine Wohnung geschleift werden mußte. Dort ist er nach wenigen Stunden, wie der Arzt festslellte, an Alkoholvergiftung gestorben. In der Verhandlung niachte nun Geh. Justizrat Dr. Osann daraiif aufmertsam, daß die beantragte Konzessions­entziehung nach § 52 der Gewerbeordnung unzulässig sei, weit eine solche nur erfolgen könne, wenn sich an§ einer Reihe 1 von Handlungen ergebe, daß der Konzessionsinhaber der Völlerei