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Nr. 66
Zweites Blatt L57.Iahraang
Dienstag 19. März 1907
«Meinl tägllch mit Ausnahme de» Sonntag».
Die „Siebener Kamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da» „Kreisblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Ter „kiesfifche Landwirt" erfcheint monatlich einmal.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Cberheffen
Rotationsdruck und Verlag der vr übliche« Universität» - Buch- und Steindruck er. ei, 9L Lange, Dießen.
Redaktion, ExvediNon und Dnickerei: Schulstraße 7. Erpedinon und Verlag; 6L Redaktion:112. Teü-Adr^ AnzeigerDießen»
Zweite ^auplverfammtung der ^andwirlschafts- Kammer.
R. R. Darmstadt, 18. Mir».
Der Sitzungssaal der 2. Ständekammcr zeigte heut eine vollständig veränderte^Physiognomie. Zwar sah inan auf den Plätzen im Saale eine kA.-ayl bekannter Gesichter und auch den Prä- sidentensitz nahm Kammerpräsidertt Haas wieder ein, aber ftatl bet Polksvertrer waren diesmal die Vertreter der Landwirtschaft aus den drei Provinzen hier zusammen gekommen, um in ihrer zweiten Hauptversammlung die wertere LwnfUtuierung der Kammer dnrd>zusühren. Nach der durch Zuruf erfolgten Wahl zioeicr SchriiiiUlfrer, deren Namen aus der Journalifien- tribune nicht Der,tauben werden konnten, wurde als erste dringliche Frage die beteiligmtg an den bevorstehenden landwirtschastlia-eii Äusfiellungcn in Nc a n n h c i m und Düsseldorf behandelt uno, da em ordentliches Budget iwch nicht vvrl-anden qt, über die Bt>cl>aiiung der vafür erwrderlichen Mittel beraten. Für die toeicmguiig an der Düsseldorfer Ausstellung seien, wie Leko- nomierat Dr. Müller 'uutteiite, die Kosten aus 62/5 Wit biteujiut, sur die Beteiligung an der Garten- und Obstbauaus- slellung warden 00OO Mk. erforderlich jein; es soll daselbst eine zwllektwausstellung der He,ji>chien Obftbauzuchter amingieil werden. Die Negierung habe, wie weiter mitgeteilt wurde, eine Beihilfe von 2uüo tiJtt aus dem landwirtsch Dispositionsfonds iUfleyAuiiflerialTat Dr. Ujinger erklärt, daß er die früher gegebene Zusage aus Bewilligung der 2000 Mk. aus dem lanb- wiitfch DispositwnssondS nicht auftedst erhalten könne. Tie Land» wiriia-aftstammer sei jetzt .in der Lage, sich selber die für die Beteiligung erwrderiichcn Mittel zu beschaffen: die bescheidenen Mittel des Tispositwns,onds durften in Zukunft auf feinen Fall für AusstellungSzwecke verivendet werden.
LandtagSavg. Bähr protelttert gegen die Zurückziehung der 2000 -und beklagt es, daß die Regierung sich so wenig entgegen- konimtiid den Interessen der Laridivirlichaft gegenüber zeige.
Ministerialrat Dr. llsinger wendet sich gegen die letztere Behauptung des Vorredners und sagt, nachdem auch Präsident Haas daran, hingerviesen habe, daß man doch den einmal bewilligten Betrag letzt micht gut wieder zuruckziehen könne, der Kammer zu, beim Ministerium des Innern für die Hergabe der Summe eintreten H11 wollen. Nacht «nigert woite-oew 'miö- luhrungen der Herren Lichtenstein und Breidenbach betont Herr Brauer, mit der Errichtung der Landwirtschiastskammer könne doch keineswegs gesagt sein, daß sich die Regierung nun nicht weiter um die Interessen der Landwirtschaft zu tiunmern brauche. Wenn but lundm. DiSp>,|itiotisi<,.tt>s zu gering sei. so müsse man dafür «argen, daß er im nächstjaIrrigen Staatsbudget erpöat werde.
Die Kammer nimmt darauf einstimmig den Antrag des Vorstandes an, in dem derseloe ersucht wird, Dorkehiunaen für die Ausbringung der für die Beteiligung an den beioen VlutfuHungen erforderlichen Mittel zu treffen mU dem Zu- savanlrag bei Herrn Walter, dem VorstandSantrag unter der Bedingung zuzustimmen, daß die Regierung dafür den Zuschuß von 2000 Mk. gewährt.
Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft die Statutenberatung. (gegenüber einigen Vorschlägen auf en bloc- Annuhme des Statulenentwurfs spricht sich Herr Köhler für eine nähere Beratung des Entwurfs aus, ebenso bittet Ministerial- lut Tr. U f i n g e r , von einer en bloc-Annahme Abstand zu nehmen und die einzelnen Artikel zu beraten. Es sei daS deshalb erwünscht, weil vielleicht auch von ihm als Berti der des Ministeriums des Innern zu einzelnen Bestimmungen der Satzung Bemerkungen zu machen sein würden. Präsident Haas spricht sich gleichsalls im Sinne des Vorredners aus.
Die Kammer tritt darauf in die Spezialberatung über die Siaiuun em und genehmigt nach unwesentlicher Mbatte die Artikel 1, 2, 3. Bei diesem Artikel wird ein Antrag angenommen, daß die Wablen in der Zeit von 10—2 Uhr zu erfolgen haben. Die Artikel 4, 5, 6 und 7 werden ohne Debatte angenommen. Bei Art. 8 macht Ministerialrat U s i n g e r auf einen Widerspruch zwischen diesem und dem späteren Art. 43 aufmerksam, der sich auf die Reihenfolge in der Stellenvertretung des Vorsitzenden bezieht. Auf Antrag Köhler wird die Bestimmung im Art. 8 gestrichen. Herr Heusel wünscht, daß bei diesem Artikel noch eine Bestimmung über die Anstellung des Generalsekretärs eingefügt werde, da die Befürchtung bestehe, daß der dafür bestimmte Oekonomierat Müller eine andere Stellung annehmen könnte. Nachdeui sich verschiedene Redner für die genannte Persönlichkeit ausgesprochen und auch Präsident Haas erklärt hat, daß der Vorstand vollständig einig über i>ie Anstellung des Herrn Müller sei, wird der Antrag Heusel abgelehnt und Art. 8 angenommen, ebenso die Art. 9, 10, 11, 12, 13, 14 usw. Eine kurze Debatte entspann sich bei Art. 43, welcher lautet: „Den Vorsitz tni Vorstand führt der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer. Er wird im Verhinderungsfälle durcb einen seiner Stellvertreter nach Maßgabe der bei der Erwählung abgegebenen Stimmenzahl vertreten". Hierzu wurde ein Zusatzanlrag Breidenbach angenommen, daß bei Stimmengleichheit das Los entscheiden soll.
Die Artikel 60 und ff. treffen die näheren Bestimmungen über die Ausschüsse für die Provinzen. Hier entspinnt sich eine Debatte über die Frage, ob die Errichtung der Geschäftsstelle eines Provinzialausschusses auch an einem anderen Orte, als der Provinzialhauptstadt, zulässig sein soll. Ein in dieser Angelegenheit an die zweite Kammer gerichteter Antrag Diehl acht dahin, die Großh. Regierung um eine Vorlage zu ersuchen, dahingehend, daß der Abs. 1 Art. 26 des Gefetzes über die Landwirismaftskamnier folgenden Zusatz erhält: „Der Provinzialausschuß der Landwirtschaftskammer kann jedoch auch einen anderen Platz in der Provinz zum Sitze der Geschäftsstelle erwählen". Dieser Antrag hat den Zweck, zu ermöglichen, daß die Geschäftsstelle für die Provinz Rheinhessen in Alzey ver
bleibt. Dem Art. 60 der Satzung ist ein Passus im Sinne dieses Antrags beigefügt worden. Ein Vorstandsmitglied des landw. Vereins aus Alzey, sowie Herr Lichtenstein sprachen sich entschieden für die Genehmigung dieser Bestimmung aus. Es habe sich ein Sturm der Entrüstung unter den Landwirten erhoben, als bekannt wurde, daß die Geschäftsstelle für Rheinhessen nach Mainz verlegt werden solle. Alzey liege im Mittelpunkt der Provinz, es könne von allen Seiten leicht und bequem erreicht werden und die Landwirte hätten sich bei der bequemen und mit Bibliothek rc. aus gestattet en Geschäftsstelle bisher sehr wohl befunden. Die Herren Haibach. L u tz u. a. sprechen gleichsalls für die Genehmigung dieser Bestimmung, wobei der letztere daraus hinweist, daß auch Oberhessen davon Gebrauch machen würde, weil es dann seine bisherige Geschäftsstelle in Alsfeld beibehalten könne. Auch die Landtagsabgeordneten Brauer und Köhler sprechen dafür. Schließlich wird einstimmig ein Antrag Lutz angenommen, daß der Provinzialausschuß unter Zustiickmung der Landwirtschastskammer seine Gcsä)ästsstelle auch an einem anderen Orte in der Provinz, als in der Provinzialhauptstadt, errichten kann.
Die Sitzung wird daraus um Vr 2 Ubr^abg
politische Lagesscharr.
Nat.ona.verein.
Von München auS geht an alle deutschen Liberalen ein Aufruf zur Verjüngung und Einigung.
ES heißt darin:
Was die politische Bewegung der letzten Jahre schon hat erkennen lallen, ist durch bie Reichstagswahleu bestätigt worden: In luciien Kiesten des Volkes lebt eine tiefe Sehnsucht nach Verjungung und Einigung des Liberalismus. Für den Liberalisinus ist jetzi der historische Augenblick gefommen, Öen zu nützen er nut allen seinen Uralten veimchen muß. Er niuß den alten liberalen Grundgedanken der unlöslichen Verknüpiung von vaterländlicher Ai a ch 1 und Größe nut der Freiheit und Tüchtigkeit aller Staatsbürger aufs neue erlassen mid auf die Bedürfnisse der Gegemvarl aniveuden. Stoch 'st die Zeu für eine einzige liberale Partei nicht gekommen. T,e bestehenden Parteitorper rönnen nicht einfach verschmolzen oder aufgelöst werden. Es gilt, neben ihnen eine große gememdentschc Lrgamjalion zu schassen, die der genicm- amen Aufgabe dient und die Einigung voi bereitet. Eine solche Orgamsalion soll der Verein jeiii, zu deßen Gründung wir un,ere Laiidsleuie aistru'en. Wir siiid einig in der Pflege nationaler Ge- meinschast. Im Zusammenhang nut der großen Knllurgemeiuichafl aller Rationen wollen wir dem Teutschtiim leine Stellung in der Wett behaupten. Wir fordern, daß die Sicherung des Reiches und unlerer nationalen Interessen nicht abhängig gcnmct)t^ werbe von Erwägungen parlameniaiischer Lallst und von der Stellung der sZrakiiOiien z»lr Regierung. Wir sind einig in dem Verlangen nach freiheitlichem Ausbau der l n ,»e r e n E t n r i ch t u u g e n des Reiches uud der Euizelstaaten, der Verfassung und der Verwaltung ; einig in der Vertretung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes, einig ui dem Ziel: ein freies deutsche» Reich, em Volk von freien 'Bürgern. Wir sind einig in der Forderung einer freien und volkstümlichen Er - zieh" n g aller SlaatSangehöngeii, vor allem der Heranwachsenden Jugend, zu den nationalen, staatsbürgerlichen, sozialen und unri- jchastlicheii Aufgaben der Gegemvarl. Im friedlichen Wellkampi der Rationen eiltscheidet fulturelle, politische und wirlschailliche Lüchtigkeit, und innerhalb der Station wird sich nur der tüchtige Stand, die tüchtige Perjönlichkell bchaupten. Wir sind einig in dem Gedanken der sozialen Reform auf dem Boden der Freiheit und Gerechtigkeit. Liberal sein heißt das Recht des treten Arbeitsvertrages, das Recht der wtitjchaitltcheii Organisation, volle ftoalaiions- freiheit für die Angehörigen beider Geschlechter, die Gleichberechtig- itng von Aibeugeber und Arbeitnehmer aiieilennen. Im iviri- jchaiMchen Kampfe sehen wir nicht Selbstziveck, sondern nur em Mittel, um zum sozialen Frieden zu gelangen. Diesem Zweck soll and) der Ausbau der sozialen Gesetzgebung und ihre Ausdehnung auf weitere ftreije der Bevölkerung bienen. Richt die Klaßengegen- sätze verschärfeii, lonöern alle Berufskreise zu gememiamer friedlicher Arbeit zu einen, ist eine nationale, 'reihenliche Aufgabe. Tas fmd vier große Richlpuistie, die dem gejaulten Liberalismus gemeinsam fmd. Sie iollien die Längtest unserer neuen Gemeustchast bestimmen. Wir brauchen einen neuen Öianonaloerein. Ter alte Stationalverem war eine Organisation des deutschen Liberalismus, er hat d»e Einigung Deistschlands aui sreiheitlicher Grundlage erstrebt mid mächiig gefordert. Ter neue Rationaloeiein |oll auf der heilte gewonnenen nationalen Grundlage die Einigung des deutscheii Liberalismus organtfieten, des Liberalismus der loyalen und Erziehungs-Arbeit.
Für die Ortsgruppe München des Nationalvereins zeichnet Prof. Dr. Siegmund Günther. Beitrittserklärungen werden erbeten an Staatsanwalt Pfister, München, Milien» uraße 65.
S^hulfrageü^ör dem^rcutzischeu Abgeordneteuhause.
Berlin, Id. Atävz.
Die Gesetzentwürfe wegen der Stadter Weiterung von Hanau Hub Danzig werden in erster nnd zweiter Beratung angenommen. Hierauf geht das Haus zur Beratung des K u l t u s - etats über.
Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff erklärt, daß man sich bei der Bildung von Gesamtschulveröairden an die bestehenden Verhältnisse wcrdc anlehnen müssen, lieber den Inhalt des Lehrerbesoldungsgesetzes könne er jetzt noch keme Veit- teilungen madyett. Es erscheine aber ausgeschwisen, die Rektoren- srage im Zusammenhänge mit diesem Gesetz zu regeln, da sie viel zu süZvierig sei.
Äbg. Cassel (frs. Bpt.) führt aus, dftß angesichts der Er- Hänniaen des Ministers in Erwägung gezogen werden müßte, ob seine Last nicht erleid/tet werden könne, vor allem durch Abtrennung der Medizinalverwaltung von der Un
terrichtsverwaltung. Im Anschluß darun wuidc cs notwendig fein, auch das gesamte gewerbliche UnterrichlS- wesen, das jetzt zum Teil dem Land-virtschastSininlsterium und dem Handelsministerinm unterstehe, unter em UnterrichlS- minifteriuin zu stellen. Wünschenswert wäre es, wenn daS Lehrerbcsoldungsgcfctz einmal ganze Arbeit schassen würde, und nicht nur daS Mindestgehalt, sondern ein Slormalgehalt sestsctzte. Redner geht dann des näheren ein auf die Nichtbesvatiguna des ireirctigiösen Dr. Pcntzig in Charlottenburg als Mitglied der Schuldepuiation. Wie weit der Geist des Kvnieffwnalismu- über das Gesetz hinausgehe, beweise das Verbot der^Vertrctuna eines Lehrers durch einen Lehrer anderen Glaubens. Seine Pactet werde den Kamps gegen die fetzige Schnwenvaitung weiter sühren, nicht als einen persönlichen, sondern um der Sache willen. Er könne nicht ■.tnneymen, daß man im Reichstage ein konservativ- liberales Bündnis schließe gegen das Zentrum und Sozialdemokraten und hier ein Bündnis zwischen Kvllservativeii und Zeittrum gegen die Liberalen.
Kultusminister Dr. v. Studt will nur hervvrheben, daß er den Anglisten des Freih. 0. Zedlitz wohl dadurch die richtig« Behandlung habe zu teil werden lassen, daß er lie ignorierte. Die Rede begegnete ja auch eisiger Kälte in feiner Fraktion. Er glaube, es chandle sich hier nicht um einen Hujiarenrtttl, sondern um H u s a r e n f i e b e r. Die Abtrennung der Ptedizüial- ableilung sei 1901*02 vom damaligen Minister des Jniieni angeregt luvrbcn. Nach dem Miiiisterivechsel seien die Verhaiidlungen nicht fortgesetzt tovrtxm; er halte keine Veranlassung, sie wieder auzabahnen. Der Minister geht sodann nochmals auf die Vermehrung der Gesckuäfte ein, die sein Ressort seit Uebernahme des SNiuisteriums durch den jetzigen Inhaber ersahren habe.
Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff legt dar, daß bi« Praxis der Vertretnngsverhältnisse aufgeklärt und eine ministerielle Entscheidung erfolgen werde. In dem Falle Penzig läge keine Bureaukratie vor. Penzig sei nicht bestätigt worden, weil er den Religioitsunterricht aas der Schule entfernen unü durch Mocalunierricht ersetzt haben wolle und dami eine der wesentlichsten Grundlagen der Volksschule in der schroffsten Form bekämpft habe. Dr. Penzig wolle sogar die Sozial- demokralie zum passiven Widerstande gegen die Schulverwaltung mobil machen. (Hört! hört! rechts.) Solle die Unter* richlsoerwa.tuiig einem solchen Manne die Schulaussicht armer* trauen? Die rheinisch-westsälische Lehrcrdeputation sei nicht empfangen worden, weil ihre Wünsche unerfüllbar waren. Hätte man sie also eine nutzlose Reise nach Berlin unternehmen lassen sollen? Von Bureaukratie könne also auch hier nicht bie Rede sein.
Abg. Dr. Heisig (Ztr.) rühmt die Vorzüge der geift* lichen Orts- und Kreisschulaufsicht. Die Lehrergehälter bedürften der Ausbesserung. Redner bittet um Berücksichtigung größer« konfessioneller Minoritäten.
Abg. Ernst (frs. Vgg.) erklärt, bei dem Lehrerbesoldung»- gesetz müsse ganze Arbeit gemacht werden, in erster Linie mÜffl für die Freizügigkeit der Lchrer Gewähr geleistet werden.
Ein Negierungskommissar betont, daß der Lehrermangel noch dadurch erhöbt werde, daß vor dem Eintritt in diesen Beruf gewarnt werde.
Abg. Dr. Friedberg (natl.) kritisiert das Verhalten bt» Ministers im Falle Penzig. Herr Metzenthin habe erklärt, eine Bevorzugung orthodoxer Theologen finde bet der Besetzung von Professuren nicht statt. Die Statistik aber beweise, daß an den Universitäten die Theologen ortodoxer Richtung vor anderen bevorzugt werden.
Kultusminister Dr. v. Studt beklagt die Aufstellung b« Statistik, wie sie vom Abg. Friedberg versucht worden sei. Verschiedene der genannten Theologen bekennten sich gar nicht zu der Richtung, zu der sie der Abg. Dr. Friedberg gerechnet habe. Ter Vorwurs einer einseitigen Begünstigung der orlbo- doxen Theologie weise er mit Entschiedenheit zurück. Er, bet Minister, mache kein Hehl baraus, baß er ber positiven! Richtung angehöre. D« evangelisch-theologischen Wissenschaft habe bas ab« nicht geschadet.
Abg. v. Oldenburg (K.) «klärt, feine Freunde müßten und würben verlangen, baß auf allen Universitäten! die positive Richtung in ber Mehrheit sei. (Unruhe links.) Die Mehrheit bes Volkes sei positiv.. Seine Freunbe wollten keinen Geistlichen haben, der womöglich an der Gottheit Christi zweifele. Man müsse die positive Richtung schützen.
rrus Stadt und Land.
Sprechstunden der Redaktion:
Vi 12—1 Uhr vorm., Vr 7—Vs 8 Uhr nachm., (mit Ausnahm« von Samstag und Sonntag).
Gießen, den 19. März 1907.
*• Eine Sitzung des Provinzial-AusschusseS findet am Samstag, den 23. d. Lkts., vorm. 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Reklamation des Heinrich Hohmann zu Friedberg gegen die Heranziehung zu den Baukosten des Vrainzerlorwegs. 2. Die Sitzung des Gemeinbe- cats zu Büdingen am 3. August 1906. 3. Wasserversorgung von SUeder-Gemünden; hier Antrag auf Enteignung des Rechts zur Röhrenverlegung.
Prämiierte Geflügelzüchter. Bei ber ersten Ausstellung des Verbandes hefsischer Geflügelzüchter, die am Samstag und Sonntag in Worms stattfand, erhielten folgende Aussteller auS Oberhessen Preise: Die Ehrengabe S. K. H. des GroßherzogS erhielt PH. Södler in Nledec-Gemünden, die Ehrengaben des oberhessischen Pro- vinzialvereuis R. Ritter in Grünberg und I. ftnanb in Klein-Karden. Ferner erhielten Preise: L. AßmuS in ttlein-
Kammnnlufikaöenb.
Gießen, 18. März.
Die Reihe der Darbietungen des KonzertvereinS in tiefem Winter fand am Sonntag ihren Abschluß mit einem Kammermusikabend. Wir sind es gewohnt, in diesen intimen Konzerten vom Besten und Feinsten zu hören, das die Kammerniusik aufzuiveisen hat. Auch in dem letzten Konzert der Saison war das der Fall, wenn auch Beethovens Name nicht auf dem Programm stand.
3)ht Mozarts Quartett in G-moll (Köchel 478) begannen die Herren Trautmann, Redner, Heg ar unb Statt ec er die leider wenig zahlreiche Zuhörerschaft zu fesseln. Das prachtvolle Werk fand in jedem seiner Sätze, dem silberklaren Allegro, dem vornehmen Andante und dem graziösen Rondo, eine gleich glänzende Wiedergabe; es war ein Genuß, zu hören, wie die feinsten Feinheiten herausgeholt wurden uno e§ erwies sich als gute Taktik, bie roert* vollste Gabe am Anfang, den frischen Sinnen, darzubielen.
EZ folgte Dvoraks Opus 47 sür 2 Violinen — die
zweite von Herrn Tavlsjon trefflich gefpielt, — Cello und Harmonium — .Bagatellen" ist es genannt, übersetze: .Kabinettstückchen". Melodische Stimmen, interessant gesetzt, >n schwermütigem oder wildem Tempo, geben Zeugnis von den» wundervollen Zauber, der m den Volksmelodien der Böhmen lebt. Tas Harmonium tritt kaum selbständig neben den Streichinstrumenten hervor, es bildet geheimnisvollen Hintergrund, von dem die Rielodien sich abheden.
^Inch der Schluß führte aus dem Kaiferstaat nicht heraus, aber zurück in bie Zeit des Spinetts und dec Viola d'amour. Ein übermütig fröhliches Streich-Quintett von Hayön (C-diu ) vereinte die förmlichen Künstler. Es war ein freundlicher ^Ibfchluß, stilvoll gespielt, besonders das Adagio. Da mochte man wohl denken, daß man eS so dem Rieifter selbst oortragcn durste.
Auf die Viitwirkung eines Solisten war verzichtet worden. Wer hätte ihn vermißt?
Wir stehen am Schluß der Saison und auf dem Programm war ein Uebetbltd gegeben über das in diesem Winter
Gebotene, eine Erinnerung an viele Stunden schönster Erholung und bester musikalischer Anregung. Man kann den Bericht gar nicht schließen, ohne Denen zu danken, die — Herr Pros. Traiitmann voran — so ehrlich und eifrig daran gearbeitet haben, bas NiusikoerständniS m der kleinen Stabt zu fördern und erstarken zu lasten. Möchte wachsender Erfolg ihre Rlühen lohnen!
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Paris. 18. März. Ter berühmte Chemiker unb Akabemiker Berthel 0 t »st heule abend 6 Uhr plötzlich g * ft 0 r b e 11, als er gerade 111 seinem Laboratorium beschäfiigt ivar und man »hm den X 0 ö feiner feit einigen Tagen in einem anstoßenden Zimmer krank darniederliegenden G a 111 n mitteilte. Beriheloi stürzte vom Schlage getroffen 101 nieder. Er hatte heule uadpuiuag einer Sitzung der Aladenue Francaije beigewohnt, deren Sekretär er war. Er kehrte nach derfelben an das Krankenlager feiner Frau zurück, an weid)em feine Sohne standen und zu denen er kurz vorher gejagt Hane: . lecnn eure Muller stirbt, werde ich |ie nicht überleben". Berlyelot ftand uh ö u. Lebensjahre.


