Ausgabe 
16.12.1907 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 295

157. Jahrgang

Zweites Matt

Montag 16. Dezember 1907

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Die »Gtetzener Lamillendlätter" werden dem .Anzeiger* viermal »vöcherulich betgeleqt, das KreUblati füt den Kreit Gießen" jiveimal wächciuLrch Derhessische Landwirt" erscheint eumailtd) einmal

Glchentt T riger

General-Anzeiger für Gderheffen

Rotationsdruck and Berlaa bei 8r Ü blichen Unwerftiäiß Euch- unfc Gieindructerel tk Lange A'rtzerr.

tPebaffton. E^pediNo-n and Dreckeret ®diul* ftratzr 7 EruedUion ant tßerlag 6L jPeöattlon.e^y 112. £eL-2lbi~ Änee^erGleben.

MPgaami ............................................

politijd)c Lage-ßcha«.

Königin Carola von Sachsen y.

Sic der Telegraph unß gestern gemeldet hat, ist die Witwe des Königs Albert von Sachsen in der Nacht vom Samstag auf Sonntag um 3 Uhr 40 Minuten sanft ent­schlafen. Daß cs mit der greifen Königin Carola bald zu Ende gehen würde, das haben schon die Meldungen vom Samstag befürchten lassen. Sie hat den innigstgeliebten hatten nur uni wenige Jahre überlebt. Königin Carola war als Prinzessin Don Wasa am 5. August 1833 geboren. Am 18. Juni 18o3 fand ihre Vermählung mit dem nach­maligen König Albert von Sachsen statt. Am 19. Juni 1902 starb der König, und die sächsische Krone ging, da König Albert keine Leibeserben hinterlassen hatte, ans seinen Bruder Georg über. Hebet den Tod vor Königin Carola wird uns aus Dresden noch folgendes gemeldet: Die ' Königin verschied, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu s haben. Der Tod erfolgte völlig schmerzlos. Am Sterbe­bett weilte König Friedrich August und die gesamte könig­liche Familie. Die Trauertuude verbreitete sich bereits in den frühen Morgenstunden mit großer Schnelligkeit. Eine große Menschenmenge zog nach dem Vorort Strehlen und umgab die königliche Villa in ehrfurchtsvollem Schwei­gen. Die Trauer um die Verstorbene ist allgemein, da sie sich einer großen Beliebtheit erfreute. Aus allen öffent­lichen und privaten Gebäuden wehen die Flaggen aus Halb­mast. Mittags erfolgte von allen Kirchen das Lrauergelüut. Sämtliche Theater bleiben geschloffen; auch öffentliche Musik ist untersagt. Im königlichen Schloß trugen sich zahlreiche Perfönlichdeiten in die aufgelegten Kondolationslisten ein. Die Leiche der Königin Carola ist im Wintergarten der VillaStrehlen" au;gebahrt. Nach den zurzeit getroffenen Dispositionen findet die Hebersührung der Leiche nach der katholischen Hoskirche am 17. Dezember abends 9 Uhr und die feierliche Beisetzung in der Kirche am Mittwoch abends 6 Uhr statt. Der königliche $;of legt ab heute auf 10 Wochen Trauer an.

Zur Krisis im Flottenverein.

Tie Annahme, daß die Krisis im Flotteuverein sich noch weiter verschärfen werde, hat sich bestätigt. Heute ! liegen aus Süd- und sogar aus Norddeutschland zahlreiche Austrittserklürungeu vor. Unter anderm Ijat auch der Fürst von Thurn und Taxis den Ehrenvorsitz über " die Ortsgruppe Regensburg des Flottenvereins nieder- j gelegt. TieMünchener N. N." schreiben: Es ist wenig Hoffnung, daß der bayrische Landesverband des Tcut- schen Flottenvereins noch über den 29. d. M. erhalten bleibt, 15 denn es besteht eine tiefe Abneigung, einen eigenen baye­rischen Flottenverein zu gründen und die Zugehörigkeit zum Gesamtverein unter dem gegenwärtigen Präsidium ist voll­ständig unmöglich geworden.

Inzwischen veröffentlicht der Hauptausschuß des Tcut- schon Flottenvereins für Berlin und die Mark Brandenburg nachstehende Erklärung:In der Sitzung der Budgetkom­mission vom 13. d. M. haben verschiedene Mitglieder der '' Kommission gegen die Flottenversammlung der Ortsgruppe BeiKn am Dienstag, 10. d. M. Stellung genommen. Es sei ausdrücklich bemerkt, daß es sich nicht um eine Versamm- 1 lung der Provinzialgruppe BerlinMark Brandenburg des I« Deutschen Flottenvereins oder eine solche ihrer Unter» gruppen handelte, sondern um eine Versammlung, die von der Deutschen Kolonialgefellschaft berufen war. Die Leitung - der Provinzialgruppe BerlinMark Brandenburg des Deutschen Flottenvereins hätte nie eine Resolution zur Vor­lage gebracht, durch die dem Staatssekretär des Reichs-

Iik mußten Kunstöcstreöungen in Kessen,

so lautete das Thema, über das zu sprechen Oberlehrer Como aus Lauterbach vom Gießener Lehrerverein auf­gefordert war. Der Vortrag ist am Samstag nachmittag hier im Hotel Schütz gehalten worden. Es hatten sich dazu nicht nur die Mitglieder des Vereins, sondern auch einige akademische Lehrer eingefunden und auch Geyeimerat Dr. Breidert war der an ihn ergangenen Einladung gefolgt. Nach kurzen begrüßenden und einleitenden Worten des Lehrers Valentin Müller als des Vorsitzenden des Vereins ergriff Oberlehrer Como das Wort. Was er in seinem - eindringlichen und lichtvollen Vortrage bot, das war ja etwas anderes, als das engumgrenzte Thema verhieß. Es war im wesentlichen eine weit ausholende kritische Dar­legung der allmählichen Loslösung, oer Entfesselung des künstlerischen Geistes und geistigen Künstlerkapitals aus den jämmerlichen Banden einer langwierigen engherzigen Kurz­sichtigkeit und beschränkten Kleinmütigkeit, einer der übelsten Epochen deutscher Kunstlosigkeit, in der das Herz des deut­schen Künstlers aus dem Wirrwarr verblödender Geistlosig­keit auf allen Gebieten künstlerischen Schaffens sich nicht herauszuretten vermochte zu irgend welcher Eigenart.

Der Vortragende widersprach zunächst demAber­glauben", daß die Kunst nur den durch Reichtum Bevorzug- ren Genüsse zu bieten vermöchte, daß sie nichts als em Luxus, für Luxuriöse sei, durch den einfachen Hinweis aus die erhebenden und befreienden, beglückenden Seelenschwin- gunegn beim Jnsichausnehmen, dem Hineinschlürsen der wunderholden Melodie eines Volksliedes, auf das Hinaus- i schweben über alles Irdische beim Durchempfinden eines " Beethovenschen Tongedichts, eines Goetheschen Liedes, durch 4 ben Hinweis auf den Eindruck des Erhabenen beim An- i! blicke eines gewaltigen Domes. Jedem gehöre die Kunst, ü jeder vermöge Erzeugnisse der Kunst auf sich wirken zu ö lassen, jeder würde, gäbe er sich ganz dem Geiste eines Kunstwerkes hin, von ihm seelisch erquickt oder erschütten oder erhoben. Hnd heute vermögen mir alle uns zu er- i- götzen an den Erzeugnissen unserer modernen Künstler. ! Die moderne Kunstvewegung fei zu uns herüvergekommen i aus England. Angeekelt von der Oedheit unb dem jahrelang r geradezu rettungslos banausisch verknöcherten Schematis- i Nils der für Kunst sich ausgebenden Hervorbringungen der b böex und 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts schauten

die Leitung eine Aenßerung, wie sie der Abgeordnete Strese-

marineamt» ein Mißtrauensvotum ausgesprochen wäre, wie König Leopolvs Lebensweise.

es in der dort angenommenen tatsächlich geschehen ist. DieNene Freie Presse" berichtet aus Paris: Bekannt- Auch hätte bei einer Versammlung der Provinzialgruppe I lich befindet sich König Leopold von Belgien seit vier ' Wochen fortivährend auf der Reise zwischen Paris und Brüssel. Nun beschäftigt sich die belgische Negierudg mit der Frage, ans welche Art dieser Lebensweise des Königs ein Ende gemacht werden könne. Der König scheint gegen­über allen Vorstellungen seiner Minister taub. Er ist eigen­sinniger als je zuvor. Während er früher sehr höflich war, ereignen sich jetzt öfter stürmische Szenen zwischen dem König und' den Ministern. Man ist in Brüssel der Ansicht, daß die

mann getan hat, nicht unwidersprochen gelassen. In Berlin sind bereits zahlreiche Austrittserklärungen erfolgt. Tie Provinzialgruppe richtet an alle Mitglieder die Bitte, ihre Entschließungen betr. ihren eventuellen Austritt solange zurückzustellen, bis eine Klärung der ganzen Sachlage er­folgt ist." Der Präsident des Deutschen Flot­ten Vereins Fürst zu Salm-Horstmar hat übrigens die Mitglieder des Präsidiums zu einer Präsidialsitzung am Mittwoch, 18. d. M., eingeladen, für die folgende Tagesordnung festgesetzt worden ist: Stellungnahme zu der Erklärung des Geschäftsführenden Ausschusses des baye­rischen Landesverbnades des Teutschen Flottenvereins vom 13. Dezember 1907, Beschlußfassung über die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. Staats­minister Frhr. v. Podewils hat, wie aus München ge­meldet wird, in seinem Austrittsschreiben an d en Flottenverein hervorgehoben, daß seine Sympathien für die Bestrebungen des Flottenvereins, das Verständnis für die Notwendigkeit einer starken deutschen Flotte zu verbreiten, unverändert sortbestehen.

e

Au8 der preußischen Gcneralsynode.

Ter in Berlin in den letzten Tagen zusammen- getretenen Generalsynode lag der Entwurf eines Pfarr- besoldungsgesetzes zur Beratung vor, der auf liberaler Seite lebhafte Proteste hervorgerufen hatte. Mit der Verbesse­rung der Pfarrgehälter waren in diesem Entwurf auch Maßnahmen vorgesehen, die der Kirchenbehörde das Recht auf die Besetzung einer Reihe von Pfarrstellen sichert. Auf liberaler Seite sah man in diesem Entwurf eine Ent­rechtung der Gemeinden und den Versuch, den kirchlichen Liberalismus, den man wissenschaftlich nicht entkräften kann, auf dem Verwaltungswege zu erdrücken. Wo man künftig kirchlichen Gemeinden größere Beiträge aus kirch­lichen oder staatlichen Fonds zuwendet, verlangt die Kirchen­behörde das Recht, ihrerseits abwechselnd mit der Gemeinde oder dem Patron den Pfarrer zu ernennen. Wird später einmal ein Pfarrer im Disziplinarverfahren abgesetzt, so verliert die Gemeinde nach § 3 des vorliegenden Gesetzes nicht nur ihren Prediger, sondern auch nachher das Recht, sich einen neuen Pfarrer zu wählen. Wenn ferner irgendwo ein Geistlicher infolge eines Vergehens freiwillig sein Amt niederlegt, soll künftig die Gemeinde bestraft werden; denn § 3 bestimmt, daß auch bann das Konsistorium das Recht erhält, die Stelle wieder zu besetzen. In dem Gesetz wird sodann vorgeschrieben, wie alt die Psarrtr sein müssen, die von der Gemeinde gewählt werden dürfen. Hat nämlich eine Gemeinde höhere Gehälter, so darf sie nur Pfarrer mit 9 bezw. mit 12 Dieustjahren wählen. Endlich wird noch bestimmt, daß jede neugegründete Kirchenge- meinde, die eine Psarrstelle innerhalb zwei Jahren errichtet, sich den Pfarrer vom Konsistorium schicken lassen muß. Tiese Maßregeln bedeuten eine bewußte Ausschlie­ßung des liberalen Elements ans dem Pfarrstande. Es wird sich kein Konsistorium finden, das seinerseits eine Psarr- stelle einem Liberalen gibt. Dieser Entwurf ist nun auch wirklich angenommen worden.

Dinge zu einer Entscheidung drängen. In den Kreisen der Regierung, des Parlaments und der Bevölkerung herrscht große Beunruhigung und es besteht der Wunsch, der Situation ein Ende zu machen und klar zu stellen, ob der König nur körperlich leidend in.

Ans SiaOi tusO

Gießen, 16. Dez. 1907.

Der höchste Berg in Hesien.

Unter die!er Spigmarke gingen in den letzten Tagen Notizen durch die Blätter, nach denen es sich gelegentlich eines Gesuches wegen der Erbauung eines Gasthauses auf dem Altkönig herausgestellt haben sollte, daß dieser hessisch fei. Da der Altkünig 798 und der Taufstein, der seither als der höchste hessische Berg galt, nur 771 Nieter hoch ist, wäre der Ruhm, der höchste hessische Berg zu sein, auf ersteren Berg übergegangen. Wir hegten nach unserer Kenntnis der Besitzverhättmsse einigen Zweifel über die Zugehörigkeit des Altköniggipfels zu Hessen unb brachten deshalb behufs, ge­nauerer Fesistelliingen die Notiz nicht. Nunmehr veröffent­licht dieDarmst. Qig/ eine anscheinend auf genauer Kennt­nis der dortigen Besitzverhättmsse beruhende Mitteilung, die die Richtigkeit unserer Zweifel bestätigt. Diese ötitteilüng besagt m der Hauptsache, daß zwar der Altkönig in dem bei hessischen Gemeinde Steinbach gehörigen Gememdewald ge­legen ist, dieser Wald aber zur preußischen Gemarkung Cron- berg unb somit zum Königreich Preußen gehört, weshalb die Behauptung, der Altkönig sei der höchste Punkt des Hessen-, landes, nicht zutrifft. Bezüglich der m dem Artikel erwähnten Grenzsteine ist zu bemerken, daß der am nördlichen Abhang« des Llltkonigs gelegene Harheimer Gemeindewald hessische Exklave bezw. hessisches Gebiet ist, so daß die zwischen diesem lmd Der preußischen Gemarkung Cron berg bezw. dem einen Bestandteil dieser Gemarkung bildenden Steinbacher Gemeinde- walb sitzenden Grenzsteine als Hoheitsgrenzsteine zwischer, hessischem und preußischem Gebiet anzusehen sind, während die übrige Aussteiniing des Steinbacher Gemeindewaldes nur die Eigentumsgrenze gegen die Waldungen anderer Eigen­tümer bildet. Sonach ist nach wie vor der Taufstein der höchste hessische Berg. Der Fall, daß eine hessische Gemeinde Grilndeigentum in einer nichthessischen Gemarkung besitzt, kommt auch anderwärts vor; so liegt z. B. der aus­gedehnte Binger Gemeindewald auf dem Hundsrück^ also eben­falls in Preußen.

*

** Feier des 70. G eburtstags des Prof. D. Stamm. Am gestrigen Sonntag vollendete Pros. D. Stamm, der älteste Oberlehrer nicht nur des hie- |igen Gymnasiums, sondern auch ganz Hessens, sein 7 0. Lebensjahr. Am Vorabend des Geburtstages ver­einigten sich die Lehrer des Gymnasiums im Hotel Viktoria um ihren verehrten Kollegen. Der Direktor Dr. Hensell

sehnsüchtig unsere feinsuhligsteu Landsleute zu unseren Vettern über den Kanal hinüber und empfingen von Carlyle und Ruskin dort die fruchtreichsten Anregungen. Und man begann dann auch bei uns allmählich den verbildenden 9luf» putz in Architektur und Kunsthandwerk abzuschütteln, das Verschnörkelnde und statt des Verziehenden Verzerrende, und setzte an die Stelle des Unechten das Echte, an die Stelle lügnerischen SUicks, mit dem man Falsches vortäu chte, an die Stelle des protzig Prunkenden, das Wahre, Einfache, Schlichte. Man begann die alte ewige 9ienalssanee-Nach- äffung gründlich zu hassen und zu verabscheuen, lernte von der charaktervollen Eigenart und ehrwürdigen Schlichtheit der Biedermaier und der bodenständigen diaturkunst der Dorf- bauinciller einer früheren, ehrlicheren Zeit, trachtete nach möglichster Harmonie der gesamten Inneneinrichtung mit der äußeren Gestaltung des der Hingebung angepassten Haus­baues. Und die neue Zeit, die Zeit der Maschinen, die Zeit der gewaltigen Errungenschaften der Ingenleunvifsenschasien, die Zeit des Verkehrs verlangte zudem gebieterisch neue Formen von der Architektur. Es erwuchsen die durchaus neuzeitlgen Warenhäuser empor, von denen das von dem Hessen Ätessel für Wertheim m Berlin errichtete bedeutendste und im wesentlichen vorbildliche ist, es dehmen sich fall aller­orten die einer früheren Zeit gänzlich unbefannten weiten und breiten Bahnhofshallen, es erhoben sich ganz neuartige Kranken- baus- und Schulbauten (der Herr Vortragende wußte dabei viel Rühmendes zu sagen von dem neuen Gebäude der Gießener Ntädchenschule an der Nordanlage, über deren ewige Lehrermisere allerdings zur Zeit die sorgenden Väter und Mütter nicht genug zu klagen vermögen) re. re.

Rian ist indes noch längst nicht des Gotischen, des Barock und des Rokoko ganz müde geworden, wie der Herr Vortragende ausführte, und wird es auch niemals werden, denn auch diese Slilarten besitzen ihre nie ucrlierbaten Vor­züge und Schönheiten (unb wir in Gießen haben einige neuere unb neueste Gebäude in diesen Stilen, die zu den Zierden unserer Stadt gehören, ivie den Salomon',chen Baroekbau und das Schm st cke r'sche gotische Kaufhaus, die neue Um- vecsttätsaula und den Barockpalast der sDt 111 e l b e u t} d) e n Kreditbank). Wir werden stets festhalten am gutenSUten

nut Fleiß und Treue, daneben aber auch funfieifrig Neues zu gestalten uns bemühen. Und wir brauchen uns auch gar nicht mit dem Herrn Vortragenden über denimmer noch vorhandenen Mangel des neuen Stiles" zu beklagen, sondern mir können uns vielmehr freuen, daß zu den alten, guten, stets zu verehrenden, stets nachahmenswert bleibenden, nie­mals gänzlich veraltenden Stilen ein neuer Stil zu treten im Begriffe steht, erstehend aus einer neuen Zeit für eine neue Zeit und ihre neuen Erfordernisse, Anschauungen und Anprüche.

Oberlehrer Como gab im Anschlüsse an diese allgemein klärenden Tarstellungen eine kurze Schilderung der Bestre­bungen der Darmstädter Künstlerkolonie unb ihrer überaus wertvollen Ergebnisse auch für das Handwerk. Mit bestem "Rechte pries er das wahrhaft großzügige Mäzenatentum unseres Groszherzogs und charakterisierte die drei gegenwärtigen Darmstädter ''Architekturrichtungen, die konservative, die am Alten festhält unter unbedingter Schätzung des Ehrlichen und Gediegenen, die vermittelnde, die sich um den Geh. Ober­bautat Hofmann gruppiert und bie eklektisch das Gute von rechts und links sich holt, und die radikale um Olbrich, die mit aller Gewalt Neues schaffen ivill, Originelles, die in ihrer Eigensüchtclei sich oft in geometrisches Figurenspiel verirrt, aber ungemein viel wichtige und sehr schätzenswerte An­regungen nach den verschiedensten Richtungen hin gegeben hat und weiter gibt.

Endlich führte Oberlehrer Como eine Reihe von recht instruktiven Lichtbildern vor von neuen hessischen Bauten unb anderen Kunstdenkmalen, Werke Olbrichs unb Habichs, von Peter Behrens, Rtetzendorf unb Messet, und charakterisierte jeden dieser tüchtigen Künstler in kurzen treffenden Zügen.

Für ben ausgezeichneten Vortrag dankte in kurzen unb guten Worten Lehrer Val. Ntüller, indem er andeutete, daßbieblin den Hessen" läng slsehend geworden seien nicht zum wenigsten durch die lautere und hohe, freigeistige unb frei­gebige Kunstliebe des GroßherzogL Ernst Ludwig, um den man Hessen in allen deutschen Landen, selbst im wohl und weise regierten Nachbarlande Baden beneide. Provinzial- öirettor Geheimeren Ur, Breidert wies bann noch auf dir vorzüglichen neuen DorfschnlbcuNen im Kreise Gießen hm, bie, von Baurat Die hm geschaffen, ganz neuartig unb zugleich