Ausgabe 
24.6.1907 Zweites Blatt
 
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ZT- Der nSchstjllhrigc Etat des Reichscrmts des Innern dürste, ML bestimmt verlautet, die Forderung eines Reichsarberts- amtes mit einem felbftänbigen Staatssekretär bringen \ DerReichsanz." weist darauf hin, datz die günstigere

Pensionsabstufung, die die dtovelle zum preußischen Pen- isionsgesetz vom 27. Mai gewährt, auch für dec schon vor dem 1 April in Ruhestand getretenen Kriegsteilnehmer Wir­kung haben soll. Die Verrechnung der Pensionen der Knegs- leünehmcr findet von cuntswegen statt, ohne daß es einer Ein­gabe bedarf. Keinenfalls erwächst den Betreffenden em peku- iniärer Verlust; auch bei verspäteter Feststellung hat die Nach­zahlung des erhöhten Betrages für die ganze Zeit fest dem 1. .April stattzustnoen.

Zu den Erklärungen, die im Mar d. I. zwrscyen Spanien und Frankreich sowie zwischen Spanien und England ausgetauscht worden sind, bemerkt dieN. A. Z.": Daß hier und da im Auslande die Meinung hat geäußert foerben tönncn, eine solche Verabredung richte sich gegen Deutschland, ist nicht xeäjt verständlich, da doch jedermann bekannt ist, daß Deutsch­land in den betreffenden Gebieten auf t err itoriale, Er- Werbungen abzielenbc Bestrebungen g a r n i ch t h a t. Mit dem igleichen Rechte konnten dann afuch Abmachungen zum Schutze ides Mondes gegen deutsche Annexionsgelüste abgejcljlossen werden.

Wie dieNordd. Allg. Ztg." schreibt, hat der Bundesrat in seiner Sitzung vom 1. Juni die Grundsätze beschlossen, nach denen sämtliche deutschen Brausteuergebiete die Bi er Über­gangsabgaben und B r a u st e u e r v e r g ü t u n g e n künftig zu regeln haben werden. In diesen Grundsätzeir ist festgestellt, daß die Uebergangsabgabe neben dem Ausgleiche der inneren Be­steuerung einen Schutz für das einheimische Brauergewerbe nicht enthalten barf. Die Neuordnung soll spätestens 1. April 1908 ,in Kraft treten.

Königsberg, 23. Juni. Das zur Erinnerung an Lud­wig Ernst v. Borowski, einzigen Erzbischof ber preußischen Landeskirche und seelsorgischen Berater Königs Friedrich Wil­helm III. und der Königin Luise, hier errichtete Denkmal wurde heute mittag feierlich enthüllt und durch Oberbürgermeister Körte der Neuroßgärter Kirchengemcinde übergeben, öu den Kosten des Denkmals hatte auch der Kaiser eine namhafte Summe gespendet.

Kiel, 23. Juni. Der Reichskanzler ist gegen 3 Uhr nachmittags von hier abgereist.

Kiel, 23. Juni. Der Kaiser hielt heute an Bord der Hohenzollern Gottesdienst ab. Später begab sich der Kaiser auf die JachtMeteor", um an der heutigen Regatta teilzunchmen. Als Gäste des Kaisers befanden sich an Bord desMeteor" u. a. der japanische Botschafter Jnouyc, der japanische Marineattachee in Berlin, Yashiro, der japanische Vizeadmiral Jjuin, Graf Görtz- Schlitz und Monsieur Gaston Menier. Der japan. Admiral Jjuin überreichte dein Kaiser ein Geschenk, welches die japan. Matrosen vor dein Erscheinen des Kaisers auf dem Deck der Hohenzollem" aufgestellt hatten. Es ist eine drei .Fuß hohe : Gruppe aus dunkler Bronze von feinster japanischer Ar­beit, einen Adler mit ausgebreitetcn Schwingen, auf einer Felsklippe sitzend, darstellend.

Münster i. W., 22. Juni. Der Deutsche Aerztetag beschloß, .den zwischen ihm und dem Verbände Deutscher Lebens­versicherungsgesellschaften bestehenden Vertrag zu t ü n d i g c n und in erneute Vertragsverhandlungen zu treten, und ferner auf den Erlaß eines Kurpfuschereiverbots hinzuweisen.

Stuttgart, 22. Juni. Die Kammer der Abgeordneten hat den Antrag des Bauernbundes betreffend statift. .Erhebungen über die Höhe der Mittel, die erforderlich sind, um die persönlichen Ausgaben der Gemeinden für die Volksschulen auf den Staat zu übernehmen, sowie den sozialdenr. Antrag, die ^Regierung zu ersuchen, die Uebernahme der Volksschullasten auf den Staat in Erwägung zu zieheir, mit 56 gegen 23 Stimmen des Zentrums angenommen. Die Regierung hatte sich gegen beide Anträge erklärt. , rr. r

Straßburg, 22. Juni. Aehnlich wie englische beabsich­tigen auch französische Journalisten einen Besuch in Deutschland. Es sind Verhandlungen der Pariser Preßorgani- sation, welcher 250 Organe in den Departements angehören, mit deutschen Verkehrsvereinen im Gange.

Die Friedenskonferenz.

Haag, 23. Juni.

Am Freitag hatten die Vorsitzenden einiger Kom­missionen eine lange dauernde Beratung über die Ab­rüstung. Die deutschen Delegierten waren zu dieser nicht zugezogen worden. Deutschland wird wohl bei der Abrüstungsfrage den Antrag auf Nebergang zur Tagesordnung stellen. Italien wird Vorschlägen, die Ab­rüstung der nächsten Konferenz vorzubehalten, die aber innerhalb sechs Jahren stattfinden müßte.

Die Schiedsgerichts- und die Landkriegskommission hielten gestern ihre ersten Sitzungen ab. In der Schieds- gerichtstommission legte Freiherr von Marschall den 'deutschen Antrag auf Bildung eines Oberpriesen ge­eichtes nieder, der 31 Artikel umfaßt. In der Land- gerichtskommission brachte Geheimrat Kriege im Namen Deutschlands eine Reihe von Anträgen über oie Rechte und Pflichten derNeutralen und Schutz des neutralen Eigen­tums im Landkriege ein. Dann teilte sich die Kommission in zwei Subkommissionen. Die eine wird untersuchen, wie die Gesetze und Gewohnheiten des Landkrieges und die sich daraus beziehenden Erklärungen von 1899 verbessert werden tonnten. Die andere wird die Rechte und Pflichten der Neutralen zu Land und das, was die Eröffnung der Feind- ,seligkeiten betrifft, studieren.

Neues aus Rußland.

Gerüchte, daß am Samstag auf den Zaren ein Alten- tatsversuch gemacht worden sei, werden amtlich dementiert.

In höheren Beamtenkreisen ist man durch denUmftanb be­unruhigt, daß eine ganze Liste von Personen entdeckt worden ist, die von den Revolutionsparteien zum Tode ver­urteilt sind. Trotz der zahlreichen Verhaftungen unter den Soldaten steht fest, daß es allen Führern des revolutionären Mili- tärverbandes gelungen ist, zu entkommen. Ter Kriegsminister erhielt von seinem Gehilfen, Generalleutnant Polhwanow, mehrere Depeschen, in denen eine Militürerhebung in einer Festungs­garnison aufgedeckt wurde. U. a. wurde General Davidow, Kom­mandeur der 34. Infanteriedivision, wegen Unruhen in einigen seiner Regimenter verabschiedet. In Petersburg halten die Verhaftungen unter den Studenten an. Die verhafteten früheren sozialdemokratischen Abgeordneten sind im Zentralgefängnis auf der Wiborger Seite untergebracht.

In Moskau erschoß ein junges Mädchen auf dem Bahnhof von Tula einen Polizeiagenten, der es verhaften wollte.

In M i e d z y z e e z (Gouvernement Wolhynien) überfiel eine Bande die Bahnstation und raubte die Kasse. Ein Beamter wurde dabei getötet.

In Sosuowiee entstand in der Nacht zum Sonntag in der Schönscheu Baumwollspinnerei, die ea. 2000 Arbeiter be­schäftigt, Großseuer. Dasselbe griff so schnell uni sich, daß die Arbeiter sich nur mit Mühe retten konnten. Zwei Arbeiter verbrannten. Der Brand dauerte acht Stunden. Das (Sta- blissement brannte bis auf die Umfassungsmauern nieder.

Dritter Berbandstag deutscher Hochschulen.

Nürnberg, 21. Juni.

In den Räumen des Kulturvereins zu 'Nürnberg tagt gegen­wärtig der Verband deutscher Hochschulen. An der Tagung be­teiligen sich die Vertreter der Studentenschaft fast sämtlicher Uni­versitäten, technischen und tierärztlichen Hochschulen, sowie Berg­akademien des deutschen Reiches. Außerdem haben auch dce größeren und studentischen Einzelverbände offizielle Vertreter ent­sandt.

Nachdem gestern bereits der Verband der deutschen Tech­nisches Hochschulen seine Tagung abaebalten hatte, sand gestern

abend der Begrüßungsabend statt, den Herr Lipsius als Vorsitzender des Vororts Charlottenburg eröffnete. Im Heb eigen, verlief der Kommers nach alter deutscher Studentenart, feuchtfröhlich.

Mit der Mahl des Vorortes für das nächste Jahr be­gannen dann heute die Beratungen. Tie Wahl fiel einmütig auf t tin g en. Ms Ort der nächstjährigen Tagung wurde Goslar bestimmt. Den Vorstand des Verbandes iverben neoen dem Vororte Göttingen die Ausschüsse der Hochschulen zu .Hannover, Charlottenburg, Dresden, Jena und Halle bilden.

Nach weiteren geschäftlichen Verhandlungen erjtattete der Vor­ort seinen. Geschäftsbericht, aus dem hervorzuhcben ist, daß die Frage des Berrufswesens, die der konfessionellen Verbindungen und die Auslanderfrage das Jahr hindurch den Vorort beschäftigte. Dem Berichte des Vorortes folgten Berichte aller Vertreter.

Es lag sodann ein Aufnahmegesuch des Ausschusses der Tier­ärztlichen Hochschule zu Dresden vor, daö einmütig genehmigt wurde. .

Tas Hauptinteresse der Verhandlungen konzentrierte sich um die Frage oer Regelung des Verrufs wese ns. Es besteht seit Jahrzehnten unter den Studentenschaften fast aller Hochschulen die Erscheiliung, daß infolge von oft weit zurückliegenden Streitig­keiten viele VeÄünde im gegenseitigen Verrüfe stehen. Nach langen Aussprachen einigte man sich stuf den Vorschlag, an den einzelnen Hochschulen ftoitbige, von allen Verbanden zu beschickende Kommissionen einzurichten, denen die Vorbe­ratung zur Festlegung allgemein gütiger Bestimmungen obliegt. Tie Vertreter der Einzelverbände ervoten sich, innerhalb ihrer Verbände möglichst baldige offizielle Steliungiiahme zu den Vor­schlägen herbeizuführen. Als besonders erfreuliche Tatsache zeigte ftch,daß 1 amtliche anwesenden Vertreter der studentilchcn Emzel- verbände feststellten, Paß ihr Verband den Bestrebungen des V. T. H. inbezug aus die Verrussfrage sympathisch gegenüberstände.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 24. Juni.

** Verhaftet wurde gestern nachmittag ein Mann, der an einer Wirtschaft in dem Neuen weg die Fenster ein sch lug und fortgesetzt srandalisierte. Bei der Fest­nahme leistete er den Schutzleuten derart Widerstand, daß er aus einen Wagen geladen und ins Arresthaus gefahren werden mußte.

** Brand. In einem Hause in der B a h n h o f st r a ß e entstand gestern nachmittag in Abwesenheit der Bewohner auf unaufgeklärte Weise ein Z i m m e r v r a n d. Da Türen und F-enster gut abgeschlossen waren, erstickte schließlich das Feuer, nachdem Vorhänge und sonstige leichtörennbare Sachen verbrannt waren, von selbst. Niemand hatte den Brand bemerkt.

** Unfug. In der Nacht auf Sonntag wurden in dem Zuge der LiebigS- und Ludwigstratze eine Anzahl Straßenlaternen zertrümmert. Auch an Privat­eigentum wurden Glasscheiben eingeschlagen und ein Garten­spalier umgerissen.

1). A l s f e i o, 23. Juni. Am Samstag wurde, wie bereits gemeldet, im Beisein des Geh. Neg.-Rals Dr. Dietz und des Kreisrats Dr. Hölzinger das hessische Wandertube r- k u l o s e - M u f'e u m, das hier vom 22. d. M. bis in EL 7. Juli in der Turnhalle aufgestellt ist, dem allgemeinen Besuch eröffnet. Beide genannte Herren hielten Ansprachen. Dem EröfsnungSakte wohnte auch der gesamte Staoworstand bei. Sonntags über hatte sich die ungemein lehrreiche Ausstel­lung eines zahlreichen Besuchs besonders aus Arbeitertreisen zu erfreuen. Sicherem Vernehmen nach plant man für die Kreise Alsfeld und Lauterbach die Errichtung der Stelle eines Obsthautechnikers mit dem Mohnsitz in Alsfeld.

R.B. Darmstadt, 23. Juni. Vom hiesigen Schwur­gericht war vor ca. 3 Jahren der Fabrikarbeiter Rosen­berger aus Bürstadt wegen Totschlags und schwerer Diebstähle zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden, die er aus Marienschtoß bei Butzbach verbüßte. Rosenberger hatte in der Umgegend von Lorsch eine ganze Anzahl Diebstähle verübt und war schließlich von dem Polizeidiener Schneller in seinen heimlichen Feldversteüen ausgespürt und verhastet worden. Der Verhaftete, der zuerst gutwillig mit dem Polizeidiener mitging, üverfiel plötzlich denselben und streckte ihn mit einer Revolverkugel durch einen Schuß ins Herz tot zur Erde nieder. Nachdem der Mörder vor längerer Zeit in seiner Zelle schon einmal Spuren von Geiftesgeslörtheit gezeigt hatte, oie sich später aber wieder verloren, hat er jetzt abermals so deutliche Anzeichen von Schwachsinn resp. Ge ist es umn a chtun g erkennen lassen, daß er auf ärztliche Anordnung zur Beobachtung seines Geisteszustandes in das Philippsyospital bei Hosheim über­führt werden mußte.

[] Laasphe, 23. Juni. In Weidenau fiel am Freitag nachmittag ein achtjähriger Junge Namens Müs er beim Schmetterlingsfangen ins Wasser und ertrank.

[] Wallau bei Biedenkopf, 23. Juni. Heute wurde hier unter großer Beteiligung das 2oj (ihrige Stif­tungsfest des hiesigen Kriegervereius gleichzeitig mit der 23. Delegiertenversammlung und dem Verbandsfest der Kriegervereine des Llreises Biedenkopf ab­gehalten. Bei der Delegiertenversammlung im Bahnhofs- Hotel führte der nach Wiesbaden scheidende Landrat von tzeimburg zum letztenmal den Vorsitz. Auf dem Festplatz überreichte der Landrat dem Verein prächtige Fahnen­schleifen.

Universitäts-Nachrichten.

h. Dem Vernehmen nach hat der a. o. Professor Dr. theol. Johannes Bauer in 9)1 a r b n r g einen Ruf als ordentlicher Professor für praktische Theologie nach Königsberg erhalten.

Der große »iat der Berliner Handelshochschule beschloß die Einrichtung eines umfassenderen Unterrichtes im K o t o n i a l w e s e n. Sieben den bisherigen kolonial-geogra­phischen Vorlesungen werben eingeführt: Kolonialechnographie, Kolouialpolitik unb Kolomalwirtschaft. Zu Dozenten wurden er­nannt: Tie Prosesjoren von Lnschan, Abteilungsdirektor des Museum für Völkerkunde, Tr. ÄD ebner, vortr. Rat im Reichs- marineamt, uno Lu. Dr. Jiohrbach, AnsiedelungSkommissar für Teutsch-Südwestafrika.

Ter Erforschung der Krebskrankheit ist in Berlin der Universttatsprofesfor Dr. Max Schüller zum Opfer gefallen. Bei Züchtung von Reinkulturen ober Behanb- lung krebsartiger Patienten muß er fich infiziert haben. Er ilt nach Lreinu)natiger Krankheit int 64. Lebensjahr an Magen­krebs gestorben.

Ter bekannte Berliner Psychiater und Nervenarzt Pro­fessor Mendel ist am Sonntag vormittag im Mter von 67 Jahven gestorben.

Wie uns aus München gemeldet wird, hat der o. Pro- cssor und Vorstand der II. medizinischen Klinik an der dortigen Universität, Di. Friedrich Mülle r, einen Ruf an die Berliner Universität als Nachfolger von Leydens erhalten.

Kleine Tages chronik.

In Berlin wurde in der Nacht zum Sonntag der 30jährige Töpfer Benda erstochen. Ter Ermordete war einer Verwechs­lung mit dem Ardener Naezynshi zum Opfer gefallen, an dem der Kutscher Witte nach voryergegangenem Streite Rache nehmen roollte. Vier Personen, darunter der Kutscher Wicke, wurden ver­haftet. In der üiacljt vom Samstag zum Sonntag ging in der Rabe des uiutcs Hazde Bomermv (Ungarn) ein Ballon nieder,

der die Gondel verloren hatte. MS der Gutsbesitzer mit einem Personal herbeieilte und sich persönlich mit einem offenen Lichte näherte, erfolgte eine furchtbare Explosion, wobei drei Leute getötet unb sechs schwer verletzt wurden. Man glaubt, daß der Ballon aus Frankreich stammle. In- der Nähe der Unglücksstätte sand man später die Leichen der Insassen, die aus dem Ballon gestürzt waren. Nach einer anderen Version äscherte der nach der Explosion entstandene Brand sämtliche Ge­bäude der Meierei ein. Von einem tragischen Geschick ist am Samstag der Musikus Mittelstadt ereilt worden. Um den Weg abzukürzen, ging er nach einer Geburtstagsfeier in Plötzeniee bet Berlin über ein Torfmoor. Er war kaum bis zur Halile gelangt, als er einsank unb erstickte, bevor ihm Hilfe gebracht werden tonnte. Als ein Wärter der Irrenanstalt Herz berge bei Berlin einen Geisteskranken in einer geschlossenen Droschke nach der Heilanstalt bringen sollte, wurde die Droschke von drei yjlännern mit Revolvern zum Stehen gebracht und der Kranke befreit. Herbeieilende teilte wurden durch Schüsse verscheucht. Tann verschwanden die Wegelagerer mit dem Kranken. In R o m erregte die Entdeckung Aussehen, daß das Grab des Generals Garibaldi geöffnet und G e s cha ii d e t worden ist. Der Sarg Manlio Garibaldis, des Sohnes des Generals, ist aus dem Aiauso- leum geraubt worden. ____________________________

Handel und verkehr, Volkswirtschaft.

Kleine Finanzchronik. Die Unterdilanz bei Bankfirma L. Wert Hauer u. (So. in Kassel soll durch übergroße eigene Spekulationen und durch Runbenengagementä Ijernorgevufcii jein. Sie beträgt ca. 600 0U0 Mk. Geschädigt sind meist kleine Leute. Der Verein der Deutschen Pianoforte- a b r t f a n t e n beschloß, den Bruttopreis ad 1. September um 5 Prozent zu erhöhen nnö als Höchstziel bei gestapelten Rabattjätzen 6 Aionate festzusetzen.

Z u r Börsenlage. Der Golbabfluß aus ben Vereinigten Staaten, der sich als natürliche Gegenbewegung gegen die starken Goldheranziehimgen Amerikas im vergangenen Jahr unb noch in den ersten 9)lonaten bs. Jrs. barstellt, hat in Newport bie Speku­lationslust lahmgelegt. Die Ziirückzahlung fällig gewordener amerikanischer Finanzircüten mit Bestimmungsort Pans hat bis in die letzte Zeit nicht weniger als 10 876 000 Doll, betragen und dazu kamen noch bis zu Schluß vergangener Woche weiter 21/, Mill. Doll. Diese Goldausgänge riefen an allen Börjenplätzen die Befürchtung hervor, daß es in Newyork wieder zu einer aus­gesprochenen Baisse kommen könne, zumal die Nachrichten vom amerikamjchen Eisenmartt neuerdings recht unerfreulia) lauten. Auch der Verlauf der letzte» Düsseldorfer Börse war von depri­mierendem Emflilß auf die heimifchen Börsen, da eine weitere Abjchwachung der Eisenpreije eintrat. Jede solche Erscheinung aber hat einen Rückgang der Hüttenaktieu zur Folge, obwohl vom wirtschaftlichen Standpuiikt aus betrachtet, ein nicht allzu scharfer Rückgang der Rohprodukte nach bereit übermäßigem Hinaus- fchrauben nur als eine natürliche unb gefunde Reaktion angesehen werden jollte. 9)lan hat es in letzter Zeit an Beschwichtigungs­versuchen nicht fehlen lassen und die übertriebene Schwarzieherei und Verjchlcuderei guter Jndustriepapiere nach Kräften verurteilt. Viel Erfolg hat inan aber damit nicht gehabt. Ist das Publikum auch der festen Uebcrzeugung, daß die Abschwächung auf dem Eisenmarkl m den Kursen bereits hinlänglich zum Ausdruck ge­kommen ist und die allgemeinen Aussichten der Eifeninbustrie nicht jo ungünstig zu beurteilen seien, als dies seitens der Speku­lation geschieht, jo wird das Mißtraiien durch die sich allerdings- mehrenden weniger günstigen Berichte z. B. über die Eijenaussuhr ofovt wieder von neuem angesacht.

Märkte.

ic. Frankfurt a. M., 24. Juni. (Orig.-Telegr. des(Btefcen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen 9)ck. 20.7521.00, Kurhessischer Alk. 20.7521.00, La Plata Mk. 21.2522.25, Kansas 2)lf. 21.2522.26, Roggen (hiesiger) Mk. 19.7520.25, Gerste (Wetterauer) Mk. 18.2518.50, Fanten- selber Nck. 18.7519.00, Haser 19.7520.50, Mais Mk. 14.7515.00 Weizenmehl Mk. 29.2529.75, 0000, 2. Qualität Mk. 27.25 bis Pik. 27.75, 3. Qualität 9)lk. 25.2525.75, Roggenmehl 00 Pik. 29.5000.00,1. Qualität Mk. 28.5000.00, Weizenkleie Alk. 11.00 bis Vit. 11.50, Roggenklele Mk. 11.5012.00, Maiskeüne 2)IL 12.25 bis Pik. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried 9)tt 00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.

Io. Frankfurt a. M., 24.Juni. (Telegr. Orig^Bericht des »Gieß. Anz."). Amtl. Siotierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verlause standen: 479 Ochsen, 98 aus Oesterreich, 55 Bullen, 1 auS Oesterreich, 0 aus Dänemark, 813 Kühe. Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Dänemark, 295 Kälber, 216 Schafe und Hammel, 00 Schafe aus Oesterreich, 0 Ziegen, 1217 Schweine. Bezahlt wurde für lOOPfuiiö Schlachtgewicht: Ochseul. Qualität 8082 Mk., 2. Qual 7275 Pik., 3. Qual. 6468Pik.; Bullen l.Qual. 70 bis 73 Pik., 2. Qual. 6769 Mk.; Kühe 1. Qual. 7376 Mk., 2.Qual. 7072 Pik., 3. Qual. 62-64 Pik, 4. Qual. 0000 Pik., 6. Qual 0000Pik. Kälber: 1. Qual.9598 Pfg., Lebendgewicht 57-59 Pf., 2. Qual. 8592 Pfg., Lebendgewicht 6054 Pfg., Schlacht­gewicht 6570 Pfg. Schafe: 1. Quat. 8200, 2. Quat. 7880 Pfg., y. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 6859 Pfg., Lebdgew. 46.0000.00 Pfg., 2. Qii. 5700 Pfg., Lebendgew. 46.0000 Pfg., 3. Qual. 6052 Pfg. Lebendgew. 00 Pfg. Geschäft: bei Horn­vieh gut, Ueberstand unbedeutend; bei Kleinvieh gut, kein Ueöer- stand._________________________________________

Gießener Wetterdienst.

Boranssichtliche Witterung für Hessen am Dienstag ben 25. Juni: Wechselnde Bewölkung. Geringer Regen. Temperatur wie heute. Westtiche Winde.

Origivral-DrahtmelHnngen.

sb. Darmftabt,24. Juni. Finanzmtnister Gnaulh ist aus seinem längeren Urlaub zurückgerehrt und Hal heule morgen seine Dieustgeschäfte wieder übernommen. Die hiesigen A^öbeltransportarbeiter sind heute wegen Nichtbewilligung von Lohnforderungen in den .Aus st and. getreten.

Rom, 24. Juni. Der frühere (des Betrugs beschuldigte) Minister Nasi wurde in Trepani mit fast allen Stimmen als Deputierter wiedergewählt.

N o m, 24.-Juni. Ueber die Sch ä n d u n g des Grabes Garibaldis wird noch gemeldet, die Witwe des Ge­nerals habe an den König und den Kammerpräsidenten ein Telegramm gesandt, worin sie den Sohn Ricciottis. aus erster Ehe Garibaldis als der Tat verdächtig denun-, zierl. Die Witwe verlangt gleichzeitig sofortige Instand­setzung des Grabmonumentes. Ricciottr protestiert energisch, gegen die erhobenen Beschuldigungen.

Mailand, 24. Juni. In der Provinz Ferrara be­ginnen wieder B a u e r n u n r u h e n. Der Verband der Landarbeiter hatte die Grundbesitzer zu einer Versammlung eingeladen, um über Reformen zu verhandeln. Da die Grundbesitzer dieser Einladung keine Folge leisteten, hat die Verbandsleitung sür heute den allgemeinen Ausstand proklamiert. Kavallerie wurde zur Aufrechterhaltung der Ordnung in das Slreikgebiet entsandt.

Budapest, 24. Juni. Der deutsche Großgrundbesitzer Hch. T h y s s e ii erwarb ein größeres Gut des Groß­grundbesitzers Szajbely. Der König verlieh dem neuen Besitzer dem Vernehmen nach den Titel eines ungarischen BaronS.

Moskau, 24. Juni. Ter hier eröffnete Semstwo- Kongreß sandte an den Zaren ein Ergebenheits-Tele^ gramm, in dem er den Zaren seiner Treue in der jetzigen bewegten Zeit versichert.______________________ ;

Muff Al* yqo-fft Kinder wenn ihr brav seid so wasche liLlllLtvl Lv euch auch mit der vom Herrn Doktor als beste empfohlenen Myrrholin-Seife. b7u

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