Ausgabe 
24.6.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 145

Zweites Blatt

Montag 24. Juni 1907

157. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags,

werkerorgaulfation,

denen mehrere verwundet

noch folgende ergänzende

Als das

V e r st e cf des Agitators

Toulon, 24. Juni.

Dar m

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Drahlineldnng:

Paris, 24. Juni.

freies Vereins- und

wurden.

Heute vormittag erhielten wir

DieGießener Famittenblätter- werden dem ,2lnjetg«* Biennal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchenUich. Derhesflsche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Heute ging unS nun über die

Heidelberger Tagung des Nationalvereins folgender Bericht zu:

Ter Nationalverein, am 15. März ds. Js. gegründet, hat am Samstag seine erste Tagung begonnen. Em Organ für die Einigung und iür die Verjüngung des Liberalismus har er werden wollen. Tie Verhandlungen sind vollgültiger Beweis, daß die Hoffnungen der Mäniier berechtigt sind, die ihre Kraft für die neue Gründung

-SdlMsMch^

Redaktton. Expedition und Druckerei: Echul- 1 trabe 7. Expedition und Verlag i 6L Redaktion, fcs# 112. Tell-Adr,- llnietgedBtcien.

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UnwersitätS - Buch- und Steindruck er ei.

BL Lange, Dießen.

eingesetzt haben.

Tas Hauptereigliis ist die große öffentliche Versainmlung.

Tie hervorragenden Persönlichkeiten Heidelbergs hatten sich eingesunden, Oberbürger,neister Dr. Wrlckens, Reichstagsabg. Beck, Landlagsabg. Rohrhurst. Von auswärtigen Vertretern waren die Reichslagsabg. Wölzl-Müncheu, Wetzel-Eßlingen uni) Osann- 2_____t, Psarrer Ko rell-Königstädten und viele von

den Männern zu bemerken, denen die Gründung deS National- vereinS zil verdaliken ist.

Landlagsabg. Pros. Q u e n z e r - Heidelberg begrüßte den Nationalverein nainens der liberalen Organisationen Heidelbergs

Paris,. Juni. Aus NiineS wird gemeldet, daß dort gestern dell ganzen Al-rnd hindurch die größte Erregung herrschte. Bor dem Nathause und der Pruiettur wurden Kundgebungen ver­anstaltet; (Senbarmeric trieb die liicngc auseinander. Gegen 11 Uhr kam es ^vor einem Käsfeehaus zu einem heftigen Sl'a mpf, Tiiche, Stühle und SlelNe ivuroen gegen die Gendarmen und die Schutzleute geschleudert, von

Mehrere tausend Weinbauern hielten eind Versammlung ab, m der beschlossen wurde, daß die Ge­mein d e d e h ö r d e n des Departements Var demissionieren sollten.

lhen. dtur öLx ESegAUl^ 25*6-

Toulon, L3. ^uni. Tie geuern ave.w veransiattele MnuD» gebung gegen die Zlegierungsmaßnalnucn verlief sehr stürmisch. In dem furchtbaren Gcdru:ige wurden mehrfach Frauen und Kinder zu Boden getreten. Tie Menge hielt Straßen­bahnwagen auf und riß Leitungspfoßen um. Ein Telegramm aus Lodöv« besagt, daß die Schienen der Eisenbahnen an vielen Strecken aufgerisien Uno und mehrere Brücken bei BezicrS indieLuftge sprengt wurden.

Paris, 22. Juni. Die Nachrichten auS dem Aufstands- gebiet im Süden lauten fortgesenl beunruhigend. General Bailloud hat in einer dringenden Depesche von der Regierung bedeutende Verstärkungen verlangt. Krlegsminisler Piequart gao semem Ersuchen sofort Folge. Er ordnete den Abmarsch m e h - rerer Regimenter aus nördlichen Garnisonen an. Tas gestrige Kammervotum hat die Situation der Regierung ver- Itärkt. Man fürchtet jedoch daß^ nicht ohne Blutvergießen abgehen wird, da die Anarchie im Südeii einen Umfang ange­nommen Hal, der schärfste Maßnahmen der RegicrungSgewalt zur Notwendigkeit macht.

Paris, 22. Juni. Die Lage in Montpellier, wo gestern das erste Kurassierregimcnt aus Paris cüttraf, wird so ernst angesehen, daß man Fußartillerie zur Verstärkung ver­langte. In Montpellier mußten nachts Dragoner und Infante- rillen cinbjreiten, um Barrikaden zu zerstören. Mehrere Depu­tierte erhielten die Nachricht, daß aus zwei Kas erneu in Montpellier sich F l a ,n m e n s ä u l e n erheben. Dieselben Deputierten erhielten auch Depeschen aus Bcziers, daß ein Militär­zug, welcher Verstärkung für die Garnison Veziers bringen sollte, in Station Poulhain nicht weiter konnte, weil Hunderte von Winzern mit ihren Familien s i ch auf dicSchienen legten. In Montpellier, N,mcs und 'Jiarbomtc wurde das Ergebnis der geitrigen Kammsrabslimmung mit lärmenden Kundgebungen gegen die Regierung, deren Sturz man erwartet, ausgenommen. Ani Leichenbegängnis der erßen Opfer von Narbonne nahm ein groger Teil der Bevölkerung teil. Man gesteht in Narbonne offiziell 7 Tote und 21 verwundete Zivilistcn, 6 verwun­dete Offizier e, 9 Unteroffiziere, 47 .Soldaten und 3 P o l i z i st e n zu.

TV6*

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Aer Mnzerkrieg in Irankreich.

Ferner liegen folgende Nachrichten vor:

Paris, 23. Juni. Ter Führer der Winzerbewegung, Näar- zellin Albert, taub sich heute im Ministerium des Innern ein und wurde sofort zum Ministerpräsidenten Ele- mcnceau gichvacht, der mit ihm eine dreiviectclstundige Unter­redung hatte. ClemeneLQu sprach anfangs sehr streng und hart, indem er Albert das Gewicht der Vermitwortlichkeit llar machte, die er sich zugezogen. Albert setzte die Absichten, die er gehabt hätte, unter Tränen auseinander, und bat Clemen- ccau um Ratschläge, indem er ausrief:Mein Gvtt^ Wenn ich doch alles wieder gutmachen könnte!" Clemenceau erwiderte nur:Gehen Sie und st e l l e n S i e s i ch d e m G c s e tz !" Er ließ dann Albert sich entfernen, ohne ihn der Polizei zu übergeben.

Paris, 23. Juni. TerTemps" veröffentlicht eine Un­terredung, die ein Mitarbeiter mu A l b c r t nach dessen Empfange durch Clemenceau gehabt hat. Albert erUärte, wenn er sich seiner Verantwortlichkeit hätte entziehen nwllen, würde er sich haben verhaften lassen. Zum Schluß der Unterredung sagte Albert, daß er heute abend nach dem Süden a b r e i s e n und dort fort fahr en werde,seine Pflicht zu tun". Albert hatte, bevor er zu Clemenceau eingelassen wurde, diesem einen Brief überreichen lassen, in dem er Clemenceau im Namen Gottes in­ständig um Oie Freilaisung seiner Gefährten bat und ihm ferner die Litte unterbreitete, den Winzern hülfreiche Land zu reichen, sowie die Truppen zurückzuziehen. Alles würde zum Heile der Republik wieder zum Rächte.: zurückkehren. Ucber bie Unterredung wird von anderer Seite folgendes mitgeteilt: Cle­menceau sagte zu Albert:Tas Blut, das vergossen worden ist, Eommt auf oie zurück. Kehren sie nach dem Süden zurück und machen Sie einen Teil des Unglückes wieder gut. Veranlassen \sie Ihr: Mitbürger, sich wieder auf den Boden der Gesetzmäßigkeit zu stellen." Albert versprack) dies zu tun. In einer Unterredung mit einem Berichterstatter sagte Clcmen- ceau: Er habe keine Anweisung gegeben, Albert feit* ju ne fernen, damit, wenn ein, UnaUict einuete, e? MeL getan

ralismuG, über die Notwendigkeit ihrer Beireiung von jeder kirch­lichen Bevormundung muß ich nud) beschränken, Mut und Straft au wünschen zur Arbeit im Dienste der Freiheit unb des Vater­landes." Von den weiteren Begrüßnngstelegrammen mögen genannt sein die von den Abgg. Tr. Müller-Meiningen unb Potthoff.

Alsdann ergriff Pros. G o t h e i n - Heidelberg da§ Wort zu seinem Vortrag über die G r u n d l a g e n des Liberalismus.

Ginen einigen Liberalismus hatten mir in Baden, im Block, ohne Programni, zusammengehalteii durch die große» liberalen Gedanken. Aber gerade dieses ^ulanuncnarbeitcn auf Grund der Erfahrung der Wahlcii hat un6 die Slotweudigkeit ständiger Durch- arbcit der liberalen Gedanken beiviejen. Wohl tonnen mir vor­übergehend m i l den Konservativen paktieren, aber es scheidet die Liberalen von ihnen der Kamps für die Frei­heit des Einzelnen und des Volkes, unser Eintreten sür die Stär­kung des Emfliisses der öffentlichen DJleinung, die Forderung der Ausgestaltung der sozialen Rechte nicht patriarchalischer Pflege. Tagcgen gibt es kein Zusammengehen des Liberalismus mit den Abarten des Konservatismus, mit dem B u n ö der Landwirte, und dem Ä n t i \ e m i 11S m u s.

Tas Zentrum ist ja feine in sich gleichmäßige Gruppe, e§ ist eine Art corpas cathohcanun, mir wollen aber keine Trennung der Teulschcn nad) Konjeffionen und deshalb bekä'.npfeu mir ineje einseitige Vordräilguiig des Stomefjionellen vor den grouen all­gemeinen politischeii Fragen, lvelche das ganze Voll angeh-n.

Von der Sozialdemokratie scheidet uns deren Spielen mit revolutionären und antimoncirchischen Phrasen und bie ständige Erregung von Neid und Mitzgunst. Solange diese Partei hierfür cintrut und keine Partei der polltlschen Arbeit ist und fein miU, ist em Bündnis nut ihr höchstens von Fall zu Fall mit Vorsicht möglich. Im allgemeinen aber stehen mir ihr feindlich gegenüber.

Anders bie soziale Frage. Wohl ist sie schwer. Was aber bisher gelöst ist, mürbe geschaffen in einer Linie durch bie Liberalen, msbesonbere ohne uHitarbeu ber Sojialbcmotraue. Und mir merben im Bemußtsein, daß Hülfe ui erster Lmte Selbsthülse |eni muß, daß aber der Luijelne sür sich allem wenig erreichen kann, auch serner eintreten für den Ausbau der Haud-

Koalitioiis recht, für freies Wahlrecht.

In diesem freiheitlich fortschrittlichem ©mne soll der Na- tionalvercm oegen und Leben bringen.

In der Tevaue sprach zuerst Ulotac Goetz- Weißenburg, Vorsitzender des liberalen elsatz-lothnngischen Landesverbandes, ber bie Einigung des Liberalismus als lerne erste Ausgabe betrachtet. In den Retchslaiiden selbst ist der Liberalismus ohne Schwierig- leiten einig gesinnt unb handelt einig, von den Nationalliberalen bis zu deii T e m o k r a t e ii.

Frau Prof. Al an an ne Weber-Heidelberg erblickte eine Tatsache von grundsätzlicher Bedeutung darin, bau eine politische Organisation nicht nur die Mitarbeit der Frauen dulde, ionbern sie sogar baju auffordere. Für den Liberalismus sei eS eine Notwendigten, für die Gleichberechtigung der Geschlechter einzmreteii, tm Interesse der Persoiilichkeitsentmicklung auch der Frauen.

Rechtsanwalt W ö lz-Stuttgart, Vorsitzeiider der ro ü r 11 e m- bergischen Jungliberalen, erklärt sich ebenfalls als A n - bänger des 91 a 11 o n a l v e r e i n 5. 9lod) ständen heule drei uJliUionen Stimmen hinter dem Liberalismus, es gelte, sie in einen Strom zu lenken. Für die Zukunft ivichtig fei eS besonders, daß die Jugend heute mit dem Liberalismus zu- fammenstehe.

Arbeitersekretär Elbel-Spremberg, ein Vertreter der deutschen Gewerkschaften, ivies darauf hin, daß es immer liberale Siebet ter gegeben habe, wenn auch ui der Oesfentlichkeit lange Arbeiter und Sozialdemokrat gleichbedeutend geivesen sei. Er verlangte vor allem eine entschieden fortschrittliche Sozialpolitik. Um eine kräftige liberale Bewegung zu erzielen, mügteii aus den Ar beiter massen heraus viele am R a t i o n a l v e t c i n Mitwirken.

Pfarrer Kor ell-Königstädien, von andauernd stürmi­schem Beifall begrüßt, betont, daß die hessischen Ltuksliberalen bei ihren verflossenen Kämpfen nach bestem Wissen im Jutereffe deö Liberalismus gehandelt hätten. Was er am nächsten Tage von der Kanzel aus feiner Bauerngemeinde sagen wolle, sei tm Grunde dasselbe, was er jetzt spreche, ein Appell an bieCpfermilligfeit des Einzelnen. Er selbst betrachte den Nationalverein noch nicht für Die Vorstufe der Einigung, ionbern für einen Versuch einer Grundsteinlegung. ES handelte sich darum, offen und deut­lich, Auge im Auge, miteinander zu reden. Der 9tationalverem müsse auch an den Bauernstand denken, dem erbos Genossenschaftswesen, Verkehrsverbefferungen und Volksbildung bringen könne. Tie Art des Bundes der Landwirte Dürfe man nicht nachmachen. Auch müsse die politische Agitation volkstümlicher werden, als dies heute der Fall sei.

Generalsekretär des Nattonalvereins, Tr. W. O h r-München, ging noch auf die Beztehmigen des Naiionalvereins ztim alten Nationalverein ein, ber nicht alle seine Aufgaben erfüllt habe. Ter neue wolle nun der Vollender des alten (ein. (Schluß folgt.)

eres Mädchen, Äeamc !ucht stelle in befi. ta.

ohne (Weit «etjfc tt Angebote unter Qßi Steßener Anzeiger erhi

Deutsche» Reich.

Berlin, 22. Juni. Fürst zu Inn- und Knyp- Haus en, der konservative Vertreter des Reichstags-Wahlkreijes Rorden-Emden-Lecr, beabsichtigt, wie verlautet, mit Rücksicht auj sein hohes Atter und Die ihm als Präsident des Herrenhauses obliegenden WWen seit; LeiÄstsgs-Wanb.a.t niede.L- Lulegen,

Dom Nationalverein.

Aus nationalliberalen Kreisen GießenS erhielten wir folgende Zuschrift:

Ihrem Freitag-Artikel betitelt:Vom neuen National» verein", erlauben wir uns, einiges hinzuzufügen, bezw. ent» gegenzustellen.

Derr Dr. Ohr, der Sekretär des genannten Vereins, ist zweifellos em sehr rühriger Herr. Mit größtem Eifer wirbt er für die geplante Heidelberger Tagung. Hat er doch auch in seinem Zirkular -geschrieben:In den nächsten 14 Tagen muß allenthalben im liberalen Zeitungswald von der lommenben Heidel­berger Tagung die Rede fein." Da fliegen neue Schreiben von München aus nach allen Richtungen. Ter erste Teil des Freitag- Artikels führt eine Entgegnung gegen Ausführungen ocr National­zeitung an, die demLeipziger Tageblatt" zugesandt wurde. Genau dieselben Worte stehen in der Adendnummer der Nat.-Ztg. vom . Juni als Schreiben des Herrn Ohr. Es rühren also der erste und der dritte Abschnitt aus derselben Feder. Tie Schlußzuschnft aus München, dem Sitz des Sekretärs, wird Wohl aus demselben kleinen Münchener Kreise jein und somit werden diese gesamten Auslassungen auf 2, vielleicht 1 Person zurückzusühren fein.

Trotz aller Behauptungen von großer Anhängerfchaft auch in dem nationalliberalen Lager gibt die Zeitungslektüre doch ein arideres Bild. Auf natmnamberaler Seite find zu ver­zeichnen die ablehnende, mindestens stark zurückhaltende Stel­lung der nationalliberalen Redner in Darmstadt, die Zuschrift an die Nationalzettung, die Ausführungen der Redaktion dieser Zeitung vom 15. und 19. Juni, eine Zuschrift an dieselbe Zeitung ausJungliberalen Kreisen", in der es u. a. heisst: Der Vorftaiid des Reichsverbandes der Vereine der national- liberalen Jugend hat in seiner letzten Sitzung, die am öünniel- sahrtstage in Frankfurt a. M. stattfand, sich dahin ent­schlossen, seine reservierte Haltung gegenüber dem Nationalverein nicht aufzugeben. Es ist auch nicht einzusehen, warum denn nun ausgerechnet die nationalliberale Partei oder deren Jugend- beioegung sich in dem Nationalverein ihren Metzger selbst wählen soll, nachdem von den linksliberalen Gruppen, die das 3id des Nationalvereins, bie Einigung des Liberalismus, doch feit Olims Zetten in Erbpacht haben, eine nach der anderen er- klärt, die Stärkung der eigenen Parteiorganisation liege mehr im Interesse der Einigung des Gesamtliberalismus als die Unter­stützung von Sonderorganisationen. Das ist genau die Ansicht der leitenden Kreise in der Jugendbewegung, und wir glauben, daß sie sich mit der Meinung aller verftändigen Politiker über­haupt deckt."

Was will es da heißen, dem Vorstand gehören so und so viel nationalliberale Mitglieder an? Da spielen örtliche Verhält­nisse eine Rolle.

In dem gestrigen Artikel steht, daß der Abg. Naumann sich dem National-Verein gegenüber zurückhallend gezeigt hat, ebenso frühere Nationalsoziale, die jetzt in der Freis. Bereinigung find. Die süddeutsche Temokratie hat durch Payer abgerointt. Die Freis. Ztg." lFreis. Bolksp.) lehnt gleichfalls ab. DemBerl. Tagebl." schreibt jemand aus Bayern, es bedürfe keiner Beweis­führung, um zu zeigen, daß der National-Verein mit seinen unklaren, verschwommenen Wünschen und Forderungen ein tot- geborenes Kiitd ist. Wer dem Liberalismus nützen wolle, möge in eine der bestehenden Organisationen eintreten." Hierzu be­merkt dieNat.-Ztg." zustimmend:Man fördert die Einigung nicht, indem man die bestehende Parteizersplttterung um eine weitere Organisation vermehrt. Hierin liegt eine Gefabr, die die besten Absichten der Gründer und Letter des National-Verkttis zunichte machen könnte!"

Dieser Meinuilg sind änch wir. Wer eine Einigung des Libe­ralismus erstrebt, kann innerhalb der bestehenden Parteiorganisationen in diesem Sinne persön­lich viel besser wirken, als wenn er in einen üeuen Verein eintritt und so die persönliche Berührung mit Liberalen, die diesem nicht angefeören, verliert. Die Einigung muß von innen Ijeraiidfommcn, nicht von außen. Freilich wir beutfefeen Indivi­dualisten bedürfen zu der entscheidenden Tat eines kräftigen Anstoßes.

Wir unsererseits meinen mit dem nat.-Iib. ,Leipz. Tagebl.", dem nat.-lib. »Hannov. Courier", der frei).Neuen bad. Landesztg." in Ntannheim, der frei). »Saaleztg^ in Halle und vielen anderen Blättern, man solle zunächst ein­mal die Heidelberger Tagung des Nationalvereins ab­warten und nicht vor dessen erstem gemeinsamen öffentlichen Auftreten eine Idee verwerfen und als verfehlt kritisieren, die zum Ziele sich eine der schönsten Aufgaben stellt, die die Politik überhaupt zu stellen vermag.

Es ist anzunehmen, daß der Versöhnungsversuch zwischen der Regierung und den Winzern, zwischen Ele- menceau und Awerst Erfolge haben lvird. Jedenfalls aber gibt die Bewegung einen Vorgeschmack von den Schwierig- letten, die sich in einem sozialistisch geleiteten Staate er­heben können. Man erwartet eben alles von der Allmacht des Staates, ohne an das WortHilf dir selber" zu deuten. Selbsthilfe und Staatshilfe müssen aber Hand in Hand gehen. Tas Gesetz kann z. B gegen die Verfälschung der Weine einschreiten, ihre V.rzucjerung nach Zett und Raum beschrünien und eine gewissetihafte Kontrolle sichern, sodaß die Ent)iellniig des Wetne^ aus dem Wege vom Produzenten zum Konsumenten möglichst vermindert wird. Indessen die Wirlungen dieser Gejetzgebuncg treten nicht innerhalb 2-1 Stunden ein, und es ist für jebe Massenbewegung charak­teristisch, bau sie eine sofortige Lösung des wirtschastllchen Problems fordert und nicht den geringsten Aufschub er­dulden will. Ter Anbau der geringen Weinsorten ist aus vielen Gründen in Frankreich nicht mehr rentabel, der Konsum hat aogenommen, und die Ueberproduttion fort­gedauert. Selbstverständlich kann den beteiligten Wein­bauern teilt anderer Rat gegeben werden, als je nach der Natur ihres Bodens entweder zum Anbau besserer Sorten ober einer anderen Art der Bodenbebauung uberzugehcn. Freilich fragt sich dabei, ob bie Regierung nicht die Tendenz dieser Veränderung längst erlennen, die Bevölkerung be­lehren und die Frittiouen der Uebergangszeit mildern konnte.

Unb noch ein furchtbares Momento hat der Winzer- aufstand für Frankreich im Gefolge gehabt. Tie Disziplin­losigkeit tm französischen Heer hat einen Gipfel erreicht, der sie fast auf beijeiben Höhe wie die meuternde russifche Soldatesla erfcheineu läßt. In ber SchriftEinem Sedan entgegen" hat der französische Major Triant vor kurzem sich darüber ausführlich geäußert. Tie Fälle von Meuterei sind, wie er erzählt, viel häufiger als man annimmt. 9hir ganz besonders empörende Vorfälle, bie man unmöglich ableugnen tonnte, finb bekannt geworden; bie anderen würben verheimlicht In den letzten Manöoern sah man Generale, welche bie für den Minister bestimmten Berichte ünterdrückten, Obersten, die zu Recht verhängte Strafen aufhoben, unb Suballernossiziere, welche den Kopf abwandten, um nicht die Verweigerung der Ehrenbezeugung festzustellen. Triant erzählt Vorgänge, die jeglicher Be­schreibung spotten unb die mit erschreckender Klarheit bie innere Brüchigkeit der französischen Armee bartun. So erwachsen Zustände, welche bie Schlagfertigkeit der französischen Armee untergraben . . .

In Deutschland braucht, man vom national-egoistischen Standpunkte feine Ursache zu haben, diese Schwächung zu beklagen. Wohl aber ergibt sich aus dem Vergleich die Notwendigkeit, die Manneszucht tm deutschen Heere streng aufrecht zu erhalten. Wenn' erst einer Regierung die Kräfte versagen, durch die sie allein imstande ist, in kritischen Zeiten Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, bann ist das ein Zeichen dafür, baß eine sofortige und unbewußte Umkehr auf dem Wege erjoigt, ber schließlich mitten hinein in die Revolution führen muß.

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und miss auf die Einigkeit der Liberalen im Großherzogtum Baden bin, die gewiß auf die politische Konstellation im Reiche nicht ohne Einfluß bleiben würde.

Prof. Günther- München, der Vorsitzende des National- oereins, gab dem Willen feiner Gesinnungsgenossen Ausdruck, den Kulturliberalismus, der der Träger aller großen Erfolge des deutschen Volkes fei, wieder zu einem politischen Liberalismus aus­zuprägen. Wenn das Volk mit dem Stimmzettel seinen Willen zu erfennen gibt, liberal regiert zu werden, so würde keine Regierung »vagen, diesem Willen entgege»'.z»ltreten. Zwar trage bie Ver­sammlung nur ein süddeutsches Gewand, das wolle man aber sprengen, vom Norden habe man viel Gutes gelernt, nun mögen die Brüder im Norden auch von: Süden etwas lernen. Ai i l den P a r t e i e »i wolle der N a rio n a l v ere i n etwas er­reichen, ihnen die eigentliche Gejetzgebungstäligkeit überlassen, aber die agitato rische Wirksamteit sich erhalten, um eine große liberale Reservearmee zu bilden. Nach .rechts und links wolle man den Kampf aufnehmen, weder ein katholisches noch ein protestantisches Zentrum dulden.

Von Prof. Th. Ziegler- Straßburg, der durch Krankheit verhindert war, fein in Aussicht gehaltenes Referat zu hallen, war tm Telegramm eingegangen, das verlesen wurde. Es lautet: .Statt zu reden über den Nationalverein als Erzieher zum Lide-

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Alberts imube von den Behörden der Kirchturm von ArgellierS entdeckt. Alben plante für die nächsten Lage eine Reife nach Paris.