Ausgabe 
24.5.1907 Erstes Blatt
 
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Freiherrn v. Eckardstein liegen. Dieser vorzeitig aus her Karriere geschleuderte deutsche Diplomat spielt in feinem Ehescheidungs­prozeß nach allem, was man liest, eine wenig beneidenswerte Rolle Er war lange Jahre erster Sekretär bei der Deutschen Botschaft in London, spielte in der Londoner Gesellschaft die erste Geige und galt als Nachfolger des Grafen Hatzfcldt. Seit Jahren drückte ihn aber eine Schuldenlast, die lavinenartig anschwoll und ihn nötigte, um jeden Preis eine Geldheirat zu schließen. Die reiche J-rau war schließlich die Retterin in der Not. Der Schwiegervater gab große Summen, aber das Danaidenfaß war nick)t zu füllen,' der Schwiegervater wurde hartherzig und die Gattin benutzte die Verlegenheiten des Mannes zu recht be­denklichen J-lirts und Eheirriingen. Freiherr v. Eckardstein, der im Jahre 1903 Reick)stagsabgeordneter werden und eine neue Partei gründen wollte, wird seine Gattin los werden, aber seine Position ist dabin. Und wem hat er das zu verdanke-n? Dem­selben Heinrich Pariser, der seit Jahren mit ihm Wuchergeschäfte trieb und dann den Heiratsvermittler spielte. Pariser war es, der den Baron v. Eckardstein mit Fräulein Maple zusammen­brachte, um durch das Heiratsgut die in seinem Portefeuilles liegenden Wechsel des Barons zu decken, Pariser war es weiter, der auch fernerhin mit dem Baron und anscheinend auch mit der Frau Baronin arbeitete, bis sie nichts mehr hatten und arm wie Hiob auseinander liefen.

Damit soll aber das Sündenkonto Parisers noch nicht ab geschlossen sein. Er soll auch noch manchen anbern Reichsbeamten ans dem Gewissen haben. Das bezeichnete Blatt erwähnt noch einen zur Dispostton gestellten, vielgenannten Kolonialbeamten, den es Dr. 1. nennt. Unter Beihilfe Parisers heiratete dieser, nachdem er von ihm und seinen Leuten gründlich ausgeplündert war, die Tochter eines schwerreichen Mannheimer Fabrikanten. Das Heiratsgut reichte kaum zur Bezahlung der Pariserschen Wechsel, den Rest in Höhe von 300 000 Mark legte er in Anteilen bei Herrn v. Tipvelskirch an. Dr. X. ist um seine guten Geschäfte bei Tippelskirch viel beneidet worden, und das währe nicht ohne Grund geschehen, wenn nicht Pariser da gewesen wäre, der auf die Anteile Beschlag legte und dem Dr. 3c. feinen all­jährlichen Gewinn aus dem Geschäft regelmäßig vor der Nase wegnahm. Der Verkehr mtt Pariser hat Dr. X. soweit herunter­gebracht, daß er Trost in der Flasche und Morphium suchte und sich demnächst vor der Disziplinarkammer zu verantworten haben wird.

Angesichts solcher Feststellungen, die zweifellos aus guter Quelle stammen müssen, wird man immer wieder erneut die Forderung erheben müssen, daß unsere Behörden Herrschaften, wie diesem Pariser, energischer entgegentreten. Was nützen alle Belehrungen über die in Frage kommenden Rechtsverhältnisse, durch welche junge Offiziere Kenntnis von den Gefahren er­halten, die ihnen durch ihre Verbindung mit Wucherern drohen die dunklen Ehrenmänner und Halsabschneider rechnen in der Hauptsache ja nicht mit der Unkenntnis, sondern mit der Leichtfertigkeit ihrer Opfer und deren Scheu, die Angelegenheit an die große Glocke und womöglich zur Anzeige zu bringen. Ein Bekenntnis ihres Leichtsinns ist oft gleichbedeutend mit dem Aufgeben ihrer Karriere; in den weitaus meisten Fällen bleibt daher der Wucher gegen Offiziere weiteren Kreisen verborgen. Gerade darauf aber spekulieren die Wucherer. Mit der Anzeige beim Kommandeur, mit Androhungen von Klagen ängstigen sie die, die in ihre Netze gefallen sind, sodaß diese ihnen schließlich, nur 'um Zeit zu gewinnen, immer mehr und mehr bewilligen, bis es für sie keinen anderen Ausweg gibt als die Kugel.

Aus utio t-attO, Abdruck unserer durch Korrespondenzzeichen kenntlich ge­machten Lriginalartikel ist nur unter genauer Quellenangabe (Gieß. Arrz.) gestattet.

Gießen, 24. Mai 1907.

** D i e l"> r o ß h e r z o g i n und die Heimarbei­terinnen. Seil der Berliner .Heimarbeit-Ausstellung hat mancher warmes Interesse für dieses Stiefkind der Industrie gewonnen. Zahlreiche neue Ortsgruppen haben sich dem christ­lichen Gewerkverein der Heimarbeiterinnen Deutschlands ange­gliedert und a'.ich die seit 1904 in Darmstadt bestehende Orts­gruppe hat einen neuen Aufschwung genommen, besonders auch, seit die Großherzogin mtt landesmütterlicher F-ürsorge dem Verein ihr Interesse zugewendet hat, zu dessen Bestrebungen, vor allem den geplanten Tarisoerträgeil, sie wohlwollend Stellung nimmt. Kürzlich hat die hohe Frau -dem Verein durch Zuwendung eines namhaften Geldbetrages wieder einen neuen Beweis ihres gütigen Interesses gegeben.

* M i l i t ä r d i e n st na ch rich t en. v. Hiddes sen, Oberstleutnant im Infanterie-Regiment Nr. 118 (Worms), zum Kommandeur des Landwehrbezirks Forbach ernannt. Foerster, Major, Kommandeur der Unterofsizierschule Wohlan, unter Ver­setzung in das Jus -Regt. Nr. 118 i Worms), zum Bataillons­kommandeur ernannt. Tie aggregierten überzähligen Majore v. Hofmann, Jnf.-Regt. Nr. 115, Mo hr, Inf.-Regt. Nr. 116, (5 i in er, Jnf.-Regt. Nr. 117. Grube, Jnf.-Regi. Nr. 118, Proffen vom Jnf.-Regt. Nr. 168 treten zu den Stäben der 6ctr. Truppenteile über, m M inckwitz, Hauptmann und Kompagnie­chef im Füs.-Regt. v. Steinmetz Nr. 37, wird in Genehmigung seines flbschiedsgesnches mit der gesetzlichen Pension und der Aussicht auf Anstellung in der Gendarmerie zur Disposition gestellt und zum Bezirksoffizier des Landwehrbezirks Friedberg ernannt. Zu Kompagniechess werden ernannt: die Hauptleute Busse, Jnf.-Regt. Nr. 116, St' Irnberg, Jnf.-Regt. Nr. 118 (dieser unter Versetzung in das Jnf.-Regt. von Grolmann sl. M>s.j Nr. 18), Baither, Jnf.-Regt Nr. 118, Buhtz, Oberleut­nant, unter Beförderung zum Hauptmann, zum Kvmp.-Ehes im Jnf.-Regt. Nr. 116 ernannt. Arretz, Oberleutnant, unter Beförderung zum Hauptmann, zum Komp.-Chef im Inf.-Regi­ment Nr. 168 ernannt, v Nathusius (II Berlin-, Vizefeld­webel im Jnf.-Regt. Nr. 116, zum Leutnant der Reserve be­fördert. Zu Oberleutnants befördert: die Leutnants v. Strze- mieczny im Leibgarde Inf. Regt. (1. Großh. Hess? Nr. 115, Hacke int Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin 3. Großh. Hess.) Nr. 117, Zimpe!, Schulze im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, Franken berg im 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, kommandiert zur Dienstteislung beim 3. Bad. Trag.-Regt. Prinz Karl Nr. 22. Aus der Schutztruppe für Südwestafrika scheidet aus und wird im Heere angestellt: Eck ho ff, Leutnant im 5. Gr. Hess. Ins. Regt. Nr. 168. v. Altroer, .Hauptmann z. T. und Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk Friedberg, mit ocr Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Königin Elisabeth Garde-Grenad- Regts. Nr. 3, aus sein Gesuch von feiner Dienststellung enthoben. Zu Leutnants befördert, oic Zähnnche Liman im Jnf.-Regt. Prinz^Karl (4. Großh. Hess.)jcr. 118, Broese im 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168. Zu Leutnants der Reserve befördert: die Vizefeldwebet Lauder «Meschede, des Jns.-Regts. Prinz 'Äart «4. Großh. Hess.) Nr. 118, Frinken (Mainz-, des 2. Bad. Feldart.Regis. Nr. 30. Befördert: Sitter - Mainz-, Vize­feldwebel, zum Leutnant der Landw.-Jnf. 1. Aufg., Dc l kc s- kamp «.Bingen/, Leutnant der Landw.-Kavallerie 2. Aufg., zum Oberleutnant. Der Abschied bewilligt: Maurer (I Darm­stadt), Schill (Worms), Oberleutnants der Landw.-Jnf. 2. Aufg., Falkenberg (Mainz, Leutnant der Landw.-Jnf. 2. Aufg., Eornclius (Mainz, Leutnant der Landw. 2. Aufg. der Eisen­bahn-Brigade. v. Lind e g u i st, Major und Batailtonskom- mandeur un Anhalt. Jns.-Regt. Nr. 93, zum Stabe des Inf.- Regts. Mauer Wilhelm (2. Grotzh. Hess.) Nr. 116 versetzt.

** Eine unfreiwillige Radtour. Zu Pfingsten kehrte ein Motorradler in einem Wirts hause ein. Dem 'Wirte gefiel die Maschine und er sprach den Wunsch aus, Daraus eine Probefahrt machen zu dürfen. Als geübter 'Radfahrer glaubte er ohne Schwierigkeit das Vehikel lenken zu rönnen. Der Wirt stieg auf, die Maschine setzte sich ur Bewegung und fort gings in raschem Tempo der Land­straße entlang. In kurzer Zeit war er den Blicken der im Hofe versammelten Znsa;a>.ier entschwunden. Man wartete Stunde um Slutlde aus seine Rüakehr, aber erst am Abend tarn ££ mit der. Bahn wieder zurück. Das Rad war mit

ihm durchgegangen, und weil er trafjt ttmffte, wie er es wieder' zum Stehen bringen konnte, mußte er sich in sein Schicksal ergeben. Nachdem er etwa 30 Kilometer zurück­gelegt hatte, kam ihm endlich die Rettung. Abseits der Straße erblickte er vor einem Dorfe eine Reihe Stroh­haufen. Er lenkte da« Rad gegen einen solchen und ließ sich in ihn fallen. Die Kosten für den Transport des Rades bis zur nächsten Station, die Bahnfahrt und die nicht unerhebliche Zeche, die der zurückgelassene Gast ge­macht hatte, wären noch gern von dem Wirt getragen wor­den, wenn nur nicht die'Spötter ihm übel zugesetzt hätten.

Alsfeld, 23. Mai. Gelegentlich des Umbaus des I. Roth- schildfchen Anwesens am Roßmarkt streßen grabende Arbeiter auf 10 Gold- und 15 Si l berm ii nz en. Die Goldmünzen besitzen die Größe eines 20 Markstückes und weisen folgende Prägung auf: L MONETA-AVBIE-COMITIS-(T)AIBOL (mit Wappen), 2. FERDINAND II. 1627, 3. MAGVNT-JOLIS-AR. (mit Mainzer Wappen), 4. SANCTVS LAVRENCIVS (mit Bild d. hl. Laurentius), Rückseite: COMMVNIS-NVEREMBERG-MONETA, 5. DV(?)-ALBEBT-AVB-BAVABIA, Rückseite: OBAPBOMA OMABIA. Tie Silbermünzen haben in ihrer Mehrzahl die Größe eines 5 Mark-Stückes und ließ sich bis jetzt von ihnen entziffern: 1. GEOBG DVX-S.-AX.-FIP.-JOHANN-FBI.-ELEG.; 2. JOHANN GEOBG-ET AVGVST 1608: 3 (aus der Wovpenseite) ADJVTOB-DOMINVS 1558; 4. LIN.-ALDENB.-DVC.-SAXON.-MDCLIV. -1634), ET-MONT (3 Köpfe): 5. PHILIPP VS-D.G.-HISPAN-BEX-BBAB. 6. 1540 HEIN(?)DVX SAX-FI-F, Rückseite: FI-F-JOHAN(?)DVX-SAX.

Offenbach, 23. Mai. In einer ans Rußland hierher gekommenen jüdischen Familie war kürzlich an einem Neuge­borenen in üblicher Weise der Nitualakt der Beschneidung er­folgt und gut verlaufen. Da nachträglich das Kind sich un­ruhig zeigte, wollte sich eine hilfsbereite Frau betätigen, ver­fuhr aber dabei höchst unbesonnen. Es geriet ihr eine Flasche konzentrierte Karbolsäure, welche die Hebamme leicht­sinnig und der Instruktion zuwider zurückgelassen hatte, in die Hände, und hiermit (ohne jede Verdünnung) behandelte sie die Wunde. Natürlich war diese Dr. Eisenbartkur von ver­hängnisvollen Folgen, und Pas unglückliche kleine Wesen er­lag der durch die Säure sofort bewirkten hochgradigen Ver­brennung. Gegen jene Frau, sowie gegen die Hebamme, deren Nachlässigkeit den Unfall ermöglichte, ist das Strafver­fahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet und es sand in An- wesenhett der Darmstädter Staatsanwaltschaft die gerichtliche Sektion des Opfers statt, wodurch die erwähnte törichte Be­handlung als Todesursache festgestellt wurde. Der Fall^ mahnt aufs neue zur größten Vorsicht bezüglich aller derartigen Säuren.

' (Tägl. Anz.)

Alzev, 23. Mai. Bürgermeister Dr. Sutor hatte bei den Stadtverordneten eine Erhöhung seines Ge­haltes von 6000 auf 7500 Mk. beantragt. Die Stadtver­ordneten bewilligten nur 7000 Mk. Ter Bürgermeister erhob gegen diesen Beschluß Einspru ch beim Kteisausschuß, der die Entscheidung vorläufig aussetzte, um zuerst auch noch dieStadt- verordneten zu hören.

Vermischte».

* B e r l in, 23. Mai. In dem Ban k-un d Wechsel­geschäft von Schwerdtfeger u. Co. gegenüber dem Bahn­hof Friedrichstraße, wo schon vor zwei Jahren einmal ein Angestellter von einem Räuber überfallen und durch Dolch­stiche schwer verletzt worden war, ist gestern abermals ein ähnlicher Raubüberfall versucht worden. Unter nichtigem Vorwande betrat ein junger Mann den Laden, lockte den allein befindlichen Angestellten hinter dem Laden­tisch hervor und versuchte ihn zu erwürgen. Es ent­spann sich ein Rin g kam Pf, während dessen der Räuber versuchte, den Angestellten zu erdolchen. Zum Glück sah zufällig ein Schutzmann in den Laden und überwältigte den Räuber, der sich als ein arbeitsloser Seemann Bruno Müller aus Hamburg entpuppte. Mn Komplize, der vor der Tür stand, ergriff die Flucht. Das Dienstmädchen Franziska Müller, welches bei einem Kaufmann in P a n k o w bedienstet war, versuchte ihre Herrschaft mit Oleum zu vergiften. Sie war ausgescholten worden, um sich hier­für zu rächen, goß sie abends Oleum in den Tee. Glücklicher­weise wurde dies noch rechtzeitig bemerkt. Das Mädchen gestand schließlich unter Tränen ein, daß sie das Gift in den Tee gegossen habe.

* Kleine ,T a g e s ch r o n i k. Durch eine im nordöstlichen Settentale Solingens herniedergegangene W i n d h o f e würben große Verheerungen verursacht. Hauptsächlich ist die Ortschaft Stöcken arg mitgenommen. Dort wurden unzählige Dächer ab­gedeckt, starke Bäume entwurzelt, Gärten und Felder verwüstet, ein an einer Ecke liegendes Wirtschaftslokal zertrümmert. In Mülheim (Ruhr) erkrankte nach dem Genuß von Bier­suppe eine Bergmannsfamilie unter Vergiftungserschein­ungen. Sie schwebt in Lebensgefahr. Die Ursache der Ver­giftung, der auch zwei Haustiere zum Opfer gefallen sind, konnte bisher nicht sestgestellt werden. Infolge unglücklicher Familien­verhältnisse erdrosselte in Franzfelde die Kalifmannsgattin Rosa Kneisl ihre eigene Tochter und deren kleines Kind. Die Mörderin wurde verhaftet.

Gerichtssaal.

München, 23. Mai. Gegen die Ablehnung Kaiser W i l h e l m s a l s Zeugen im Prozeß Dr. Peters gegen die ioz. 9)1 ü n d) e n e r Post hat die Verteidigung Beschwerde erhoben. Tr. Peters Hal bie Aufrollung der ganzen Kolonial- Aff'äre angekündigt, gleichwohl wollte er nicht persönlich vor Gericht erscheinen. Tas Gericht hat jedoch das persönliche Erscheinen von Peters angeordnet, andernfalls würde die Klage als zurückgenoninieii gelten. Tas war der Grund, iveshalb der Prozeß auf den 27. Juni vertagt rourbe. Als Zeugen werben u. a. erscheinen: bie Abgg. Bebel, v. Bollmar, Tr. Arenbt uub Geiieralleutuant voii Liebelt.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt o 1 : ter bip.er Rubrik stehenden Artikel

übernimmt die Redakt'--- '. b?m PubuEum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Mtt den lieben, kleinen Mädchen steht cs doch nicht so schlimm, wie ber besorgte Vater fühlt, oder dessen liebe Frau es ihm vormatt. .Kommen die Kinder abends sruh zu Bett, bann haben sie Zett auszuschlafen unb vor 7 Uhr braucht keins aufzustehen, um eine Sluube später in ocr Schule sein zu können. Der frühere Schulbeginn hat ben Vorteil, daß die Kinber während der heißen Tagesstunden mit Unterricht ver­schont werden können, unb dieser Nutzen ist doch auch viel wert *

Tic dankenswerte Anregung, die in dem Mittwochs-Blatte bezüglich des S ch u l ft u n ö c n a n f a n g 3 gegeben wurde, bedarf der Ergänzung. ILs handelt fick) nicht nur um die Schädigung der Kleinsten, sondern auch der Kleinen. Das zehnjährige Töchbcr- chen bcs Etttsenbers besucht bie 6. Klasse der höheren Mädchen- schulc. Sre, muß jeden Morgen um 7Vi Uhr jur Stelle sein, b. h. sie muß spätestens um 61, i Uhr aufstehen. Für ein nervöses Kind und bas ist die Kleine, wie so viele ihrer Ofenoffinnen ist bas das reine Gift. Selbstvcrstänblich wird sic jeden Abend pünktlich ins Bett geschickt. Ich bemerl'e das ausdrücklich, um dem billigen Einwand zu entgehen, daß die Kinder zu lange ausblciben. Es Wimm nicht vor, ba|; die Kleine nach 8 Uhr noch au:,er Bett ist. Aber cm i-cviuic. liiuo ichläst nicht immer gleich ein, und so mag cs nicht) Hin: werden, dis es wirklich feit schläft 9 Sttinoen Sajl.'i i> -v,.-c atlenralls für ein kerngesundes Kind ausreichend, und Kinder bilden heutzutage leider nicht die Regel. Wi. . . .. . :;v versichert, ist die frühere Anfetzung des Schulstunden!.- i;t diesem Jahre 1 : Stunde früher als bisher um die'erec . ,en mit Rück- ficht auf dieAuswärtigen" erfolgt. Aber die Gesundheit unserer Kinder geht allem vor, unb mir haben ein Recht daraus, zu,

Verlangen, baß fie nicht au»>r irgendwelchenRücksichten" gw schLigt wird. (5sr ist ohnehin schon des Unterrichtens trieL zu viel. Spätere Geschlechter werden ceJ nicht begreifen tonnen,.: daß man die Wohltat des Schulzwarrges in ihr Gegenteil ver­kehrt hat, indem man die Kleinsten der Kleinen täglich zum; Maffenunterricht für lange Stunden zusammen pfercht, statt sie in kleineren Gruppen unterrichten zu lassen, um mit einer oder zwei Stunden täglich das zu erreichen, wozu man jetzt- die doppelte Zett und darüber braucht. Wie stark das fetzige Unterrichtswesen die Nerven gerade der kleinen und kleinstes Kinder angreist, das werden erst unsere Nachkommen gan^ übersehen können. Dann aber ist es zu spät. P.

*

Ein in der Nummer vorn Mittwoch erschienenes Eingesandt ver­sucht in längeren Ausführungen klarzulegen, wie gesundheits-, schädlich und nachteilig der früheSchulbesnch auf kleine zart­besaitete Mädchen wirke. Demgegenüber erlaube ich mir als Fa­milienvater (2 Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren besuchen die Schule) folgendes zu bemerken: Es ist den betreffenden Schul­vorständen nach meiner Ansicht nur Anerkennung zu zollen, da:, durch Verlegung beS1 Unterrichts die heiße Mittagsstunde von 12 bis 1 Ulm bei den Kleinen in Wegfall kommt, und sie dadurch, spätestens^ um 121/» Uhr zu Hause sein können. Ferner ist es> vollständig falsch, zu behaupten, die Stunde Schlaf von 7 bis 8 Uhr bringe den Kindern besondere Mguickung. Gerade das Gegenteil ist der Fall. lJch mcine^hier speziell im Sommer.)? Sie gewöhnen sich an das lange Schlafen, werden mißmuttg und verstimmt. Tas beste Mittel, die Kinder an den frühen; Schulbesuch zu gewöhnen, haben die Eltern selbst in der Hand, indem sie dafür Sorge tragen sollen, daß die Kleinen spätestens um 7 oder 8 Uhr zu Bette gehen und sich nicht um 9 und! 1/210 Uhr noch auf der Straße befinden. Sie werden bann mit Freuden feststellen, daß die Kinder frisch und beiter mit Vsv-! gnügen zur Schule gehen. Dies ist meine Meinung, und idjn glaube, jeder richtig denkende Familienvater wird sic untere stützen. A. B.

*

Laut Anzeige in Nr. 115 desGieß. Anz." liegt die Liste aller Stimmberechtigten für die Ergänzungswahl zweiep V0r stan dsm i t g l i ed er der israelitischen Gemeinde in bec Privatwohnung des Herrn StaTmn, Nord-Anlage 13, zuä Einsicht offen. Wir erlauben uns die Anfrage, aus welchem Grunde diese Liste nicht int Gemeinde hause, also auf neutralem Boden, den Interessenten zugänglich gemacht wird?

Ta die betreffende Wählerliste nicht abgeschlossen ist, außerdem kein Datum und keine Unterschrift trägt, ist sie auch ohne jeden offiziellen Charakter. Nach § 2 dm Wahlordnung sind diejenigen Mitglieder stimmberechtigt, welche ihr Einzugsgeld bezahlt haben und seit Anfang desJahres, in welchem die Wahl stattfiirdet, zu den Knltusumlagen beitragen.! Ta es sich hier um Entrichtung der Steuer handelt, kann unter der Bezeichnungseit Anfang des Jahres" doch nur das Etats-, fahr, welches mit dern l. April beginnt, gemeint sein. Ter Vorstand scheint jedosch anders zu interpretieren, denn er hat alle diejenigen, welche nicht schon seit dem 1. Jan. d. Js. Steuern bezahlen, nicht in die Wählerliste aufgenomnten. öoffent* lich geschieht das noch nachträglich, da andernfalls ein Protest gegen die Wahl in sichere Aussicht gestellt werden müßte. X.

*

Tas Eingesandt vorn. Mittwoch in Bezug auf Nebenbahnen hat seine volle Berechtigung, aber die Schlußhoffnung, ist eitel, wie die Erfahrung gelehrt hat. Für die Handelskammer ist die Behandlung der Bahnprojektc ein zweischneidig Schwert, weil diese Behörde mehrere Kreise zu vertteten hat, und Pflicht unserer Stadtverwaltung ist es aber, die Interesses von Gießen zu wahren und dafür zu sorgen, daß ihm immer mehr Verkehr zugeführt wird. Tie Bürgerschaft hat in einer öffentlichen Versammlung bereits Vorträge über Bahnprojett« entgegengenommen und wiederholt bezügliche Eingaben an bie Bürgermeisterei gerichtet, doch schweigt sich diese, trotz aller Mahnrufe, die von nah und fern die Zeitung berichtet; laufend von den Erfolgen dcr benachbarten Städte ertönen,- gänzlich aus. Die Bildung einet Kommission aus Stadt- verordneten, Han dclskammermitgliedern und an­deren geeigneten Persönlichkeiten ist für Prüfung von Bahw, Projekten wiederholt in Anregung gebracht worden, man wollte aber der Stadtverwaltung nicht vorgreifcn und hat nun bis jetzt vergebens darauf gewartet, daß von dieser Sette etwas geschieht.

Briefkasten ocr Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

Civis stultns4". Sie fragen:Könnte man, um den leidigen Streit um das Torhäuschen am Theater endlich zu be­enden und beide Parteien zufrieden zu stellen, das Häuschen nicht burd) Anbringung von Näbern nach Art ber Jahrmarktswagen! unb ber Schäferhutten transportabel machen, so baß es bie, Hälfte ber Zeit entfernt werben, bie anbere Hälfte aber (in bie bec1 Fastnachtsbienstag einbegriffen sein sollte), roieber zur Aufstellung gelangen kann?" Wir meinen, baß Ihnen an maßgebenber Stellt bie Antwort zu teil werden würde: Niente da fare! Was Sie über­setzen mögen, wie es Ihnen beliebt.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitg« und Indnst)

Frankfurter Bürs

3J4°/o Beicbsanleihe . . 94.15 3% do. . . 83.85

Konsola .... 94.20 '6% do. . < . . 83.70

Hessen . . . 93.30

W!o Oberhessen . . . 94.00 4% Gestern Goldrente. . 99.20 4V3 % Gestern Silberrente 99 40 4% Ungar. Goldrente . . 94.00 4% Italien. Heute . . . 102.80 3?o Portugiesen Serie I . 67.70 3% Portugiesen III 68.60 4 °/0 russ. Staatsanl. 1905 91.40 4>4U japau. Staatsanleihe 93.10 4 "£ Conv. Türken von 1903 93.50 Türkenlose ... . . 139.40

4% Griech. Monopol-Anl. 50.05 4% äussere Argentinier 84.00 3°/0 Mexikaner . . 65.00 4>L°/<) Chinesen .... 96.70

Bochum Guss..... 224.00

Buderus E. W . . ..

Tendenz: schwach.

Berliner Börse, 2

Canada E. B......169.90

Darmstädter Bank . . . 130.50 Deutsche Bank .... 225.30 Dortmunder-Union C. . . 75.00 Dresdner Bank ... 142.00

Tendenz: matt

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

e. 24. Mai. 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 126.00 Elektriz. Schuckert . . . 110.00 Esch weil er Bergwerk . . 224.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 195.50 Hamburg - Amerik. Paket!. 129.50 Harpener Bergwerk. . . 207.50 Laurahütte...... 225.20

Nordd. Lloyd . ... 117.10

Oberschles. Eisen-Industrie 107.15 Berliner Handelsges . . 152.50 Darmstädter Bank 130.20 Deutsche Bank . . . 225.30

Deutsch-Asiat Bank . . 168.70 Diskonto-Kommandit. . . 169.90 Dresdner Bank . . . 142.25 Kreditaktien..... 206.90

Baltimore- und Ohio-

Lisenlahn . . . 94.30

Gottbardbahn . . . ..

Lomuard. Eisenbahn . . 21.75 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.30 Prince-Henri-Eisen bahn . 136.00

4. Mai. Aulangskurse.

Harpener Bergwerk. . 207.20

Laurahütte .... 225.00 Lombarden E. B. ... 21.30 Nordd. Lloyd.....117.00

lückenlose . ... 139.25

Senf tir mir Mm, unser Leuchen isf kauf

Sic hat sich bei einem Ausflug erkältet, so schreibt meine 5*? P Schwester, unb liegt nun mit einem eingcwickeiten Hals im w \v Belt. Da haben wir s: ist boch immer roieber ber alle ft Leichtsinn! Wie oft hab ich bem Aiäbchcn gcvrcbigl: Machst du einen Ausflug, nimm Fays achte Sobeuer Mineral- X X Pastillen mit! Die Helsen Reizungen ber Schleimhäute ver« VN nieiben, sinb gut bei Verkühlung unb Erkaltung unb sind /ik fast io nötig roie Essen unb Trinken! Nun schreib ihr, fie

soll wenigiteno jetzt sofort Fays ächte Sobener gebrauchen, bannt 11c die Geschichte halb roieber los wird: Fays ächte /|\ ^obcner tauft man für 85 Pfg. in icbci Apotheke, Drogen- <p ober Minenttwafferhanblniig, hüte sich aber vor sJiach» aümungeiu khv*/«,