Ausgabe 
24.5.1907 Erstes Blatt
 
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Iie heutige Kummer umfaßt 10 Seite».

jedem Schlächter einen Krösus, wenn aber ein Berliner Schlächter meint, daß wohl in keinem anderen Gewerbe soviel Armut vor­handen sei, wie im Schlächtergewerbe, so müßte er dafür erst den Beweis erbringen. Wer zuviel beweisen will, beweist am Ende gar nichts.

Industrie und Landwirtschaft.

TieNationallibwrlc Korrespondenz" bringt einen sehr energischen Artikel, der sich gegen die Angrisfe wendet, Jric in manchen agrarischen Organen und von manchen agrarischen Stellen fortgesetzt gegen Industrie und Handel gerichtet würden, die zu Gegcnäußerungen von der anderen Seite nötigten und nur Wasser aus die Hetzrnuhlen der Sozialdemokratie leiteten. Der Artikel 'ch"L nationalliberaler Sci.e ist der Sturm gegen die sehr empfindliche Teuerung des Fleisches und anderer Lebensmittel nicht oder verhältnismäßig wenig mitgemacht worden, well man der deutschen Landwirtschaft, soweit irgend mit den allgemeinen Interessen verträglich, nach schlechten Jahren einen b:sseven Verdienst gönnen wollte. Tie ganze deutsche Wirtschaftspolitik der letzten Jahre ist nach dieser Richtung zugeschnittcn, der Zolltaris, die .Handelsverträge sind notorisch, nach offenem Em- geständnis auch des Reichskanzlers, aus Kvsten der Industrie und des Handels zum Vorteil der Landwirrschast gemacht. Ebenso Fleischbeschaugesetz usw. Für den Handel dagegen hat bis heut-, die dringlichst notwendige Revision des Börsengcsetzes nicht durch­gesetzt werden können, seit Jahren sind aus Handel und In­dustrie bezügliche Gesetze nur insoweit geschaffen worden, als sie ihnen weitere Belastung brachten. Tatsächlich geht es der deutschen Landwirtschaft, obwohl der neue Zolltarif mit den sehr stark erhöhten Agrarzöllen erst ein Jahr in Kraft ist, erheblich besser, wie selbst die anspruchsvollsten Vertreter des Lundes der Landwirte zugeben müssen. Und Graf Kamtz per­sönlich ist mit seiner früheren Behauptung, daß nur derAntrag i stonifc" aus Getreide-Einfuhrmonopol re sh. gesetzliche Fixierung mittlerer Getretdepreise, der bis vor einem Jahrzehnt, ebenso wie der gleichfalls verschollene Bimctaltismus, ein agrarisches Dogma bildete, durch die Entwickelung der Dinge ad absurdum geführt worden. Gerade jcbt find die Gctreidepreise, wenn schon die Preise für Schweinefleisch sielen, zu einer für die Volks- ernährung sehr bedenklichen Höhe gestiegen. Jedenfalls sind durch Zolltaris und Handelsverträge der deutschen Landwirtschaft auf 12 Jahre gedeihlichere Erträge garantiert, während In­dustrie und Handel fetzt schon die Hochkonjunktur überschritten habe:: und, etwas später oder früher, sicher eine Depression vor sich sehen. Fürst Bülow hat sich ostentativ als agrarischer Reichskanzler erklärt. Unter dem 2lrbciternmngel leiden Land­wirtschaft und Industrie in gleicher Weise. Auch der glücklich erfolgte politische Zusanrmeuschluß gegen die Sozialoeinokvatie erlaubt wahrlich nicht, daß aus dem agrarischen Lager unab­lässig Neid und Anfeindung gegen Handel und Industrie ent­fesselt werden. Natürlich kann solches Beginnen nicht ohne Llntwort bleiben. Und dann kann derVorwärts" nrit einigem Recht gegen die Vertreter der verschiedenen bürgerlichen Er- werbsstände sagen:Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie".

politische Lagerschart.

Der Kampf im Berlmer Baugewerbe

Beweist wiederum, wie weit es nrit der Irreführung der Ar­beitermassen gekommen ist. Man hat bisher geglaubt, daß die Leiter der Gewerkschaften die organisierte Arbeiter­schaft in wirtschaftlichen Fragen ziemlich fest in den Händen hätten und daß von ihrer Befürwortung der Ausbruch oder Nichtausbruch eines wirtschaftlichen Kampfes abhingc. Die Gewerkschaftsführer und mit ihnen Bebel mußten es aber erleben, daß ihre Heerscharen ihnen im kritischen Augen­blick die Gefolgschaft verweigerten: die Geister, die sie gerufen, wollen ihren eigenen Weg gehen. Obwohl an lei­tender Stelle den Arbeitern Nachgiebigkeit und Annahme des Schiedsspruches des Berliner Ginigungsamtes empfoh­len wurde, ging die Masse der Arbeiter mit dem Kopf durch die Wand, schrie in der entscheidenden Versamm­lung alle Gewerftchafts- und politischen Führer nieder, die es wagten, zum Frieden zu reden.

G# wird ein Riesenkampf werden im Baugewerbe, denn zwei gewaltige Organisationen stehen sich gegenüber. Wie aus den Kreisen der Berliner Unternehmer verlautet, hat man sich auf mindestens 4 bis 5 Wochen eingertchtet; die Arbeiter glauben ebenfalls für diese Zeit gerüstet zu fein. Wie aber auch die Entscheidung fallen mag, der Kampf bleibt auf jeden Fall zu bedauern, weil er dem allgemeinen Wirtschaftsleben schwere Wunden schlagen und unnötige Erbitterung zwischen Arbeitgebern und beitem schaffen wird. Wie freventlich der Kampf vom Zaun gebrochen ward, geht daraus hervor, daß die Maurer und Zimmerer in Berlin bisher einen Tageslohn von 6.75 Mark erhielten und somit zu den bestbezahlten Ar- beiterkategorien gehören, gleichzeitig aber auch eine ge­sunde Beschäftigung im Freien haben, sodaß eine Verkür­zung der Arbeitszeit weder als eine wirtschaftliche noch gesundheitliche Notwendigkeit anerkannt werden kann. Es gibt in deutschen Laiiden Arbeiterklassen, vor allem aber viele kleine Beamten und Handwerker, die mehr R e ch t z u m K l a a e n hätten. Ueberhaupt vergegenwärtige man sich doch einmal die überaus günstige Gestaltung der Arbeiterlöhne, die jetzt sogar in sozialdemokratischen Gewcrkschaftsblätlem eingestanden wird. DerCourier", das Organ des sozialdemotratisa)en Verbandes der Han­dels-, Verkehrs- und Transportarbeiter, hat soeben eine Aufstellung aufgemacht, aus der sich z. B. folgende Lohn­steigerungen in den letzten zehn Jahren ergeben: Der Wochenlohn der Rollkutscher betrug 1896 1518 Mk., heute 2528 Mk., unter Umständen sogar 30 Mk. Müllkutscher erhielten damals 1619 Mk., heute bekommen sie nahe an 40 Mk. (39.50 Mk.) Die Mehlkutscher sind in ihrem Lochenlohn seit zehn Jahren von 18 Mk. auf 36 Mk. gestiegen, die Arbeitskutscher von 15 Mk. auf 3033 Mk. Dazu kommen dann noch die nicht gerade knappen Trink­gelder ! Jedenfalls bieten solche Zahlen ein treffendes Bei­spiel für die sogiVerelendung der Massen!"

Graf Posadowsky über die Leutenot.

Ter Berliner Vertreter der LondonerDaily Mail" hatte eine Uutcirebung mit dem Staatssekretär Grafen Posadowsky. Die Unterhaltung drehte sich hauptsächlich um die Fraae de« Lcutenol in der deutschen Landwirtschaft. Ter Minister schrieb diese hauptsächlich der allgemeinen Wehrpflicht zu. Ter Soldat gewöhne sich dabei an das Stadtleben und kehre nicht bloß ftir feine Person dem Lande den Rücken, sondern ziehe auch seine Familie, die Schwestern und die Braut in die Stadt, wodurch der Landwirtschaft auch die nützlichen Frauenbünde ver­loren gingen. Graf Posadowsky erklärte ferner, trotz Streik und Arbellssperren sei Deutschlands kommerzielle Lage außer­ordentlich blühend. Es habe jetzt definitiv aufgehört, Arbeiter zu exportieren, es importiere vielmehr solche, seltsamerweise sogar von England. Ties sei jedoch mit Uebelständen verbunden, da die importierten Arbeiter unvermeidlicherweise in großem Maße von dem minderwertigen industriellen Ueberschuß der Länder, von denen sie kämen, rekrutiert mürben. Ein Beweis sei der Pockenausbruch in Metz. Der Arbellermangel sei schlimmer für die Landwirte a ls für die Fabrikanten.

Gevoffenschaftsschlächtereiea.

TieLiberale Storr." schreibt: .

Es mehren sich die Meldungen, daß Landwirte und Ge­meinden daran gehen wollen. Genossenschpftsfchlächtereien zu errichten, falls nicht bald die Tetailverkaufsprelse besonders für Schweinefleisch mit den gesunkenen Engrospreisen einigermaßen in Einklang georacht werden. Besonders aus dem industriellen Westen kommen solche Nachrichten. Man wird nicht leugnen können, daß die Klagen über zu hohe Preise des Fleisches im Einzelverkauf je länger je mehr einen berechtigten Kern er­halten. Die Preise für Schweine sind im Engroshandel um etwa 30 Prozent gegen den Höchstpreis gefallen, die Preise im Tetail- handel kaum um 10 Prozent. Tas ist ein arges Mißverhältnis, welches auf die Tauer nicht bestel-en bleiben darf. Gewiß sind auch bei den Fleischern die allgemeinen Unkosten gewachsen und müssen bei den Preisen zum Ausdruck kommen. Die Tifserenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis kann aber da­durch allein nicht gerechtfertigt werden. Wir l-aben iwch immer das Schlächtergewerbe gegen ungerechtfertigte Angriffe und Un­terstellungen in Schutz genommen und werden das auch weiter tun. Zurzeit aver sollten sich die Mitglieder des Schlächterge- werbes doch ernstlich die Frage vorlegen, ob es für sie von nachhaltigem Erfolg fein kann, wenn sie etwa künstlich die Preise auf einer Höhe halten, die durch die Einkaufspreise sich nicht rechtfertigen läßt. Wenn Genoffenfchaftsfchlächtereien, die bis­her, well ein Bedürfnis für sie nichr bestand, zumeist Schiff­bruch gelüten haben, zu einer zwingenden 9iotwendigkeit werden sollten, könnte das eine Gefahr für das Schlächtergewerbe werden, die man im Interesse dieses Gewerbes nicht heraufbeschwören sollte. Und man wird sich nicht verhehlen können, daß die von einzelnen Schlächtern und Korporationen unternommenen Versuche, die jetzigen Detailpreise zu rechtfertigen, nirgends überzeugend gewirkt haben. Wir sehen nicht ohne weiteres in

Dasrückständige" Berlin.

R. Berlin, 23. Mai.

Tie Männer imRoten Hause" der Reichshauptstadt, dir Mitglieder des Magistrats und des Stadtparlaments, fühlen sich gekränkt durch die Behauptung des Berliner Universitätspro­fessors Adolf Wagner auf dem Evangelisch-sozialen Kongreß in St r aßburg: m kommunalen Dingen sei Berlin die r u ckft än di g ste Stad t der Welt. In der Tat hat den Kritiker das Temperament hingerissen. Wäre feine Behauptung zutreffend, dann würden nicht Abordnungen aus- ländischör Stadtverwaltungen nach Berlin kommen zum Studium der konrmunalen Einrichtungen. Gewiß bleibt noch viel zu tun auf dem Gebiete der Sozialreform in einer Millionenstadt, deren Budgetziffern an die der größeren Bundesstaaten heranreichen, und es soll auch nicht "bebrüten werden, daß im Berliner Rat- Hause lange Zeit hindurch ein der Förderung gemeinnütziger Be­strebungen hinderlichesKommunal-Agrariertum" un­erwünschten Einfluß hatte. Auch die Verhandlungen über die Einführung der Wertzuwachs steuer liefern einen Beitrag zu diesem Kapllcl. Doch andererseits ist anzuerkennen, daß in den letzten Jahren ein frischer sozialreformerischer Zug in der Kommunalpolitik sich 'bemerkbar macht. So tonnte gerade ein Professor Wagner politisch nahestehender Volksfreund, der viel­genannte Pastor v. Bodelschw ingb, mit Hülse der Berliner Stadtverwaltung, die ihm Grund uns Boden unentgeltlich zur Verfügung stellte, sein Reltungswerk an denBrüdern von bet Landstraße", den Arbells- und Obdachlosen, in der Kolonie Hoff- nungstal beginnen. Berlin ist schon deshalb nicht in der Sage, der Sozialrefvrm mit verschränkten Armen gegenüberzustehen, als es hier nicht auffällig zurückbleiben darf hinter den im Vorortsring belegcnen Nachbarstädten, besonders hinter Ehar- lottenburg, das bedeutende Aufwendungen macht im Interesse seiner Arbeiterschaft, der Schulen und Schüler, der össentlichen Gesundheitspflege ufto. Tie Berliner Sozialreform bedarf noch energischen Ausbaues, ehe sie gelobt werden kann, aber die Nachrede, sie marschiere in der Welt an letzter Stelle, verdient sie nicht.

Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft.

B. Worms, 23. Mai.

Der Präsident Herzog Johann Albrechtzu Mecklen­burg eröffnete die heutige Haupttagung mit einer längeren Begrüßungsansprache. Er gedachte jenes Reichstags zu Worms, auf dem die größte geistige Bewegung des aus­gehenden Mittelalters zur Entscheidung kant. Gleichwie damals die Seelen erregt waren von tiefem Widerstreit der Meinungen und der Reichstagssaal von heißen Wett­kämpfen widerhallte, so gärt es cruch heute in unseren Reihen unter dem mächtigen Anstöße, der durch die Er­eignisse der letzten Monate der größten wirtschaftlichen Bewegung des neuen Deutschen Reiches, der kolonialen, gegeben worden ift Die Gesellschaft stehe gleichsam im Frühling. Anträge auf Anträge seien emgelausen. Aber auch die Gefahren der Frühlingsstürme sind zu beachten. Deshalb richte er dringlicher wie je die Bitte an die Ver­sammlung, über kleinen Meinungsverschiedenhei­ten das einigende Band nicht zerreißen zu lassem Vergessen Sie aber auch nicht, daß unsere Gesellschaft kein parteipolitischer Verein ist, daß sie viel­mehr Mitglieder aller staatserhclltenden politischen Par-

Nr. 11» Erstes Blatt 157. Jahrgang Frettag 24. Mai 1S07

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E General-Anzeiger für Oberhessen UM »»reffe fiit Depeschen: Nolationsdruff und Verlag der vrShl'schen Univ.-Vach- Md Lt-indnifferei. B. lange. Beöaltion, LxpedMon und Druffcret: Schulftraßc 7. /eck

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träge. Die Abteilung Berlin beantragt: Die Hauptver- ammlung beauftragt die Leitung der Deutschen ^louml- Gesellschaft mit der sofortigen Kündigung des Verlags-Kon­traktes derDeutschen Kolonialztg.". Diesen Antrag be­gründet Redakteur Eichler.

Nach langer Debatte wurde bei Antrag Naumburgs rer einenftischeren, nationalen Zug" in der Zeitschrift ordert, angenommen, ebenso ein Zusatzantrag Kosel, dev achwissenschaftliche Behandlung besonderer Fragen der Ko- onialpolitik und allgemein faßliche Darstellung der Le­bens- und Wirtschaftsverhältnisse in unseren Kolonien wünscht. Ferner wird der Antrag, Eichler angenommen, )cn Verlagskontrakt der Kolonialzeitung sofort zu kündigen. Die Preßkommission soll vorläufig in Wegfall kommen.

Die Abteilung Alienstein hat beantragt, den Reichskanz-^ er zu ersuchen,alsbald einen umfassenden Eisenbahn-, iäuplan für unsere afrikanischen Kolonien ausarbeiceK! zu lassen". Als Berichterstatter legte Gouverneur v. Ben-, nigsen in anschaulichen Ausführungen über verschiedene' Afrikabahnprojekte die Unmöglichkeit einer Aufstellung des! gewünschten Planes bar. In Bezug aus ben kolonialen^ Bahnbau find wir jetzt in gutem Fahrwasser, unter einem-: guten Kapitän, dessen Amerikanismus nicht zum Schaden! gereichen werde (Zustimmung). Die Versammlung aber' olle sich nicht feftlegen auf einen bestimmten Plan. 2cü| Redner befürwortete sodann einen Antrag des Ausschusses:!

Tie Deutsche Kvlomalgesellschaft hält cs ftir notroenbig, daß, im Interesse bes Reiches sowohl wie der Kolonien br Eisenbahn- bau in den Kolonien in größerem Umfange in Angriff qoi nommen werbe, unb baß in erster Reihe in Deutsch-Ostafrikä Eisenbahnverbindungen bis zu den drei großen Seen hergestclltz werden."

Die Versammlung lehnte schließlich den Antrag Allen-! stein ab, nahm dagegen den Ausschußantrag an.

Nach längerer Debatte wurden ferner angenommen fol­gende Anträge: Es möge, nötiaenfalls unter Beschränkung- anderer Ausgabeposten, die Ausgabe für Werbe­zwecke in Zukunft wesentlich erhöht werden zu benr Zweck, in höherem Maße als bisher unentaeltlid) öfsent-' llche Vortiage über koloniale Themata uno andere auf- klärende Veranstaltungen zu ermöglichen. Ferner:

Es ist erwünscht, um die kolonialen Bestrebungen in Weitere! Kreise zu tragen, daß die einzelnen Abteilungen der Deutschen; Kvlonialgesellschaft in engere Beziehung zu anderen patriotischen; 23ereinen treten, indem sie sich bereil erklären, in deren Ver­sammlungen durch ortsawveseude Mitglieder der Kolontaigesell-i schäft Vorträge über koloniale Gegenstände halten zu lassen."

Unter den in den Vorstand Wiedergewählien befindet sich auch der bekannte Afrikaner Dr. Karl Peters.

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Eine aufseheuerregeude EnthMung

zum Münchener Offiziers - und Wucherprozeß macht' ein Berliner Wochenblatt. Es nimmt gleichzeitig Bezug auf einen Ehefcheidungspro zeß, her kürzlich in London zwischen oem deutschen Diplomaten von Eckard st ein und der Pslege- wchter eines reichen Möbelfabrikanten verhandelt wurde und be­zeichnet es als merkwürdig, daß sowohl im Münchener und Lon-< doner Prozeß niemals der Name berjenigen Person gefallen ist> in der der Vater vieler Uebel zu erblicken sei, nämlich Der Name des Wucherers H e inr i ch P a r is e c. Es erscheinen in München ehemalige Offiziere in der unwürdigen Rolle als Vermittler und Schlepper für Gelddarleiher, aber der Name des Hauptgeld­gebers ist bisher nicht ausgefallen, und dieser ist Heinrich Pariser, Der 25 Jahre lang fast unbehelligt in Berlin sein Wuchcrhanowerk getrieben und Millionen zusammengerasft hat. Der sein Konto mit der Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Krankhell bisher noch nicht beglich und trotzdem ungehindert sein Wucheryandwerk r .uer treibt. Das Blatt behauptet, daß der Berliner nn .aal-i kommissar Schnellrat, der Spezialist für die Verbrechen des Wuchers bei der Berliner Kriminalpolizei, die FäDen in Der Hcmö hat, die die in München zur Aburteilung stehenden Wucher^. nit Heinrich Pariser verbinden. Nicht anders soll es im Falte deH

teiax zu den ihren zählt. (Lauter Beifall - Tcs. -i.o du; ut wir auch nicht herabsteigen in die politische Arena, um aegen diese ober jene politische Partei Stellung zu nehmen. Die Kolonien heben das gesamte wirtschaftliche Leben, sie stärken das Ansehen und die Macht unserem geiiebten Vaterlandes. Diefe unsere Ueberzeugung müssen wir in die breiten Massen unseres Volkes tragen. Unter Ms- schaltung aller persönlichen Momente wollen wir als gute Kameraden in die Verhandlungen treten.

Der Geschäftsbericht über das Jahr 1906 wird genehmigl, weiter dem Vorstande Entlastung erteilt wegen der von ihm im abgelaufenen Geschäftsjahr bewilligte« Ausgaben. Nach einer endlosen Gcjchäftsorduungsdebatte wird ein Antrag des nieberrhemisch-westsälischen Gau- Verbands angenommen:

Tie Haupwersammlung beschließt, die sänitlicheu Anträge betr. Acndcrung ober Ergäiizung der Sitzungen, von der Tages­ordnung abzusctzen und zunächst einem zu diesem Zwecke beson­ders zu ememienben Unterausschuß zu übergeben, welcher folgenden Auftrag erhält: Alle dem 23orstxrnd und der Haupt­versammlung vorliegenden Anträge auf Satzungsänderungen, oroie etwaige sonstige dahingehende Wünsche und Vorschläge, welche die Abteilungen aus eine direkte Aufforderung des Unteraus-, chusses' hin innerfjafb einer bestimmten Frist einzufenden haben, zu beraten und Darauf einer im wesentlichen mit der Satzungs- frc.gc zu befassenden Hauptversammlung genau formulierte An­träge vorzuleaen. Ter Satzungsausschuß besteht aus den Mft- gliebem des Unterausschusses von 1906, sowie aus den heutigen Antragstellern und kann von dem Präsidenten nach seinem; Ermessen durch weitere Mitglieder erweitert werben."

Die Tendenz aller dieser Anträge gebt dahin, eine größere Propaganda in den breiteren Schichten des Volkes zu ermöglichen (durch Herabsetzung dec Mitglieöerbeiträge) und eine gewissermaßen demokratischere Verfas­sung (Wahlmoduä, Zusammensetzung des Vorstands usw.) herbeizuführen. Die öffentliche Beratmig der Satzungs­abänderungsvorschläge des genannten Ausschusses soll am Tage vor dem Stiftungsfeste in Frankfurt (aljo am 5. De­zember) vorgenommen werden.

DieDeutsche Kolonialztg." betreffen drei An-