Nr. 44 Zweites Blatt
157. Jahrgang
Donnerstag 21. Februar 1907
Erscheint tögllch mit Ausnahme deS Sonntags.
Tie „Gießener ZamilienblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Mrelsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „ksesflfche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhefjen
Rotationsdruck und Verlag der Brühifchen Uniöerfuüii - Buch- und Sieindruckeret.
R. Lange, Dietzen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- flraße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: e-qK 112. Tel.-Adru AnzeigerGreßen.
Aus heu Ausschüssen der zweiten hessischen Kammer. R. B. T a r m st a d t, 20. Febr.
Ter Finanzausschuß der 2. Kammer hielt heute nachmittag wieder eine Sitzung ab. Uni 3Vs Uhr begann die gemeinsame Beratung des Staatshaushaltceiats, mit dem Finanzausschuß der 1. Kammer, an der auch Staatsminister Ewald, Finanzminister G n a u t h, Minister des Innern Braun, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, sowie mehrere Ministerialräte teil- nahmen. In der etwa zweistündigen Besprechung ergab sich in allen wesentlichen Etatspositionen ein volles Einverständnis. Die Ansichten gingen nur in wenigen Punkten auseinander; so hatte die Ausschußmehrheit der 2. Kammer (gegen die Stimmen der Abgg. Reinhart und Tr. Gutfleisch) den verlangten Staatszuschub von 6000 Mk. für die Mollereischule zu Lauterbach ge- |lri(j')cn, während der Finanzausschuß der 1. Kammer die Wiederherstellung der gestrichenen Position verlangte, die auch im vorigen Zähre auf Anfordern der 1. Kammer bewilligt worden war. Die Vertreter der letzteren erklärten, daß sie im Beharrungsfalle die Streichung von 3000 Mk., die zur Unterstützrmg der milch- wirtschaftlichen Versuchsstation vom Ausschuß der 2. Kammer bewilligt wurden, beantragen würden. Von den Regierungs- Vertretern wurde jedoch in dieser Frage soviel Material zugunsten der Forderung von 6000 Mk. beigebrackst, daß sich das Kammer- Plenum Saum ihrer Notwendigkeit verschließen bürfte. lieber einige andere Punkte soll iwch in einer späteren Zusammenkunft zwischen den beiden Ausschüssen verhandelt werden. — Nach der gemeinsamen Beratung fand eine längere Beratung des Finanzausschusses der zweiten Kammer mit den vorgenannten Vertretern der Regierung statt. Es kam dabei auch nochmals zu einer eingehenden Erörterung über die Frage der Leh re r- gehaltserhühung: nach dem Ergebnis dieser Besprechung erscheint die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß über diese wich-- tige Angelegenheit doch noch in einer demnächst stattfindenden Sitzung zwischen Regierung und Ausschußmehrheit eine Verständigung erzielt wird, die auch den Wünschen der Interessenten enlgcgenlommt. In letzter Stunde sind dem Finanzausschuß resp. der Kammer noch zwei Vorstellungen xur Regierungsvorlage, den Wohnungögeldzuschuß betreffend, zugegangcn. Die Steueraufseher in den Städten des GroßherzoatumS petitionieren um Belassung der Lokalzulage neben dem Wohnungs- gcwzuschuß, und die Staatsbeamten in Bensheim richten an die zweite Kammer das Ersuchen mit Rücksicht auf die besonderen. Tcuerungsverhältnisse ihres Wohnortes an die Großh. Regierung das Ersuchen zu richten, „die Stadt Bensheim unter die Städte einzureihen, für die in dem vckrgelegten Gesetzentwurf ein höherer WohnunLSgeldzufchuß vorgesehen ift". Nach ausführlichen Darlegungen der Regierungsvertreter über die Ge- suckst entschied sich der Aussckstiß dahin, beiden Vorstellungen im Hinblick auf die mangelnden Mittel keine Folge zu geben.
Der dritte (Pclilions-) Ausschuß der zweiten Kammer war heute unter Vorsitz des Abg. Bähr gleichfalls zu einer Sitzung beisammen. Eine sehr eingehende Erörterung fanden drei vorliegende Petitionen um Befreiung von resp. Ersatz der erhobenen Hundesteuer. Der Ausschuß hielt alle drei Gesuche, barunter die von der Regierung sck-on früher abgelehnten des Müllers König und des K. Schmidt zu Holzhausen, für begründet und beschloß, die Regierung nm Bewilligung der Gesuche an- zugehen.
KreutztschrS Avgrordnetenyaus.
Berlin, 20. Febr.
Abg. Dr. Lotz (ft), bisher Dozent, ist zum Professor ernannt worden. Auf Antrag der Geschäftsordnungslommisfion wird das Mandat für nicht erloselten erklärt. Hierauf fährt das Haus fort in der zweiten Beratung des Etats des Ministeriums des Innern.
Abg. St ross er (t) erklärt: Er halte das preußische Wahlrecht für ,kein ideales, aber auch nicht das Reichstagswahlrecht. Herr Kassel hätte gestern Klagen über Wahlbceinf Innungen äuge stimmt. Wenn ein Landrat einen Wahlausruf ohne Beifügung seines Titels erlasse, mache er nur von seinem Liechte als Staatsbürger Gebrauch.
Abg. Dr. v. Böttinger (Nl.) bringt eine Reihe von Mißständen im Autornobilwefen und in der inneren Verwaltung zur Sprache.
Minister v. Betbmann-Hollweg wird jedenfalls dafür sorgen,^ daß ähnliche B e l ä ft i g u n g e n der Automobilisten naü) Möglichkeit unterbleiben. Es werden für verbrecherische Geistes krau le besondere Anstalten gesorderr. Darüber lasse sich reden. Aber nach der geschichtlichen Entwicklung in Preußen sei die Fürsorge für die Geisteskranken den Provinzen überwiesen worden.
Abg. Graf B a l l e st r e m (Ztr.): Der Kampf gegen die Polen könne nur durch Unterstützung b._ kleinen Leute geschehen.
Abg. Busch (Ztr.) erklärt, der Minister habe sich gegen den Erlaß zu vieler Polizeioecordnungen ausgesprochen. Man würde ihm dankbar sein, wenn er auch die bestehenden Polizei- Verordnungen unter diesem Gesichtspunkte prüfen würde.
Minister v. B e l h m a n u - H o l l w e a: Er sei nicht in der Lage, dahin zu wirken, daß nicht jede Uebertretung einer polizeilichen Vorschriften bcura l werde. Durch eine betätige Anweisung würde er sich strafbar machen. Grat Ballestrem habe die Unterstützung der Regierung im Kampfe gegen das Polentum erbeten, diese solle ihm mit Freuden gewährt werden, wenn die Regierung auch auf die Hülfe des Zentrums gegen die Polen rechnen dürfe.
Zum Kapitel „Polizcivt'rwaltung" erhält das Wort Abg. v. Schuck mann (t), der anfuhrt, daß im Interesse der guten Ordnung die. 'Polizeistunde überall gewahrt bleiben müsse: in Berlin habe sich ein Ausnahmezustand gebildet. Tas ganze ösfent- liche Leben in Berlin sei zur N a ch t z e i t ein großer Tingeltangel. Warum solle Berlin als Großstadt den Vorzug haben, die Liederlichkeit der Nachtschwärmer zu unterstützen, die Jugend zu verderben. Redner bittet den Minister, dasür zu sorgen, daß auch die Großstadtbewohner mit einem plötzlichen F e d e r st r i ck> rechtzeitig ins Bett befördert werden.
Abg. M u n st e r b e r g Irs. Vgg.) geht auf die Frage der Prostitution ein und hebt hervor, es müsse m dieser Frage etwas geschehen. Im Kampfe gegen diese müßten alle Parteien -usammenstehen. Von besonderer Wichtigkeit iveroe auch eine Regelung der S)icnft bot en frage. Die GZmdeordnung muf.e anders geregelt werden, für Stadt und Land vieilcicni verschieden.
Abg. Kreitling (frs. 93p.) erhärt, die Angriffe des Herrn von Schuckmann als Vertreter Benins heute unerörtert taffen zu wollen. Herr von Schuctmann habe vielleicht feine Studien zu der 8eit betrieben, in der viel Besuch von außerhalb hier w«ar. Namens feiner Freunde habe er zu erklären, daß sie nur mit dem Anträge Brömel, der die Schutzleute besser stellen roolie, cinv^standen seien.
Politische Lagesjchatt.
Herr Er.berger
hat am 20. Januar in Biberach m Württemberg eine große Wahlrede gehalten. Nach dem dort erscheinenden ^Anzeiger vom Oberland", den uns ein Leser unseres Blattes aus deui Kreise Schotten znzusenden die Freundlichkeit hatte, erzähl! ir feinen Wählern dort u. a. folgendes:
Nun, meine Herren, schon mit 16 Jahren habe ich
»nch um die Politik des Z e n l r u in s b e t u m m e c 1. 'Diu 19 Jahren war ich schon SDhlorbeitev eines Blaues unserer Partei und mü 20 Jayrei' habe ich offen in Eaulaau gegen Teuio- tiQien getampfl und ebenjo em Jal>r spaier un toebiel von (Ööp- vingen. Also in einem Aller, wo andere Leine als Sludenten — oder Leutnains — recht tolle Streiche getrieben haben — habe ich mich mit unserer Sache beschönigt und für das Zentrum gekämpft.
'jlljo als IS jährigkS Bürschchen — in Herrn ErzbergerS Heimatlande braucht man für dieses Knabenalter mit besonderer Vorliebe den herzigen Kosenamen ,Lausbub", und es kommt in Schwaden sogar in der guten Gesellschaft vor, daß em junges Dämchen neckisch dieses liebe Wort ihrem Ritter gegenüber gebraucht — behauptet Herr Erzberger bereits feine Cpoien als ZentrumSkämpe sich verdient zu haben. 9lay der Auffassung reifer Männer gehört ja freilich cm solches Bübleiii auf die Schulbank, und wenn es sich mal mausig unter älteren Leuten machen will, verdient es em Paar auf den Hosenboden. Indes bei Herrn Erzbergec ist noch weniger alles für bare Münze zu nehmen als bei vielen anderen Wahlrednern, die den Wiunb gern voll nehmen und denen es auf ein paar Unrlchllchkelten mehr oder weniger nicht ankommt. Geringfügige Entslellungen von Tatsachen sind ja auch durchaus harmlos, wenn sie sich ausschließlich auf die eigene Person begrenzen und Anderen nicht zu nahe zu treten.
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Tie deutsche Thronrede in der AuSlandSpreffe.
Ten fioinmeiuaien der londoner Blätier zmolge Hai die Thronrede einen günstigen Emdiuck tn England gemacht. Tie engliiche Presse konjiaiierl nut Bergungen, daß Die Thronrede einen weiemlich anderen Ton anschlägl als die nutiernächUge Rede des Kaisers vom Balkon des Berliner Schloßes.
Das Wiener „Qremöeiiblatt* sagt: Diejenigen fremden Be- urteiler, die sich beeilt haben, den AnS'all der Wahl tendenziös als Sieg des Ehauvunsmus hinznstellen, werden gesieheu müßen, daß die Thronrede zwar em voUtrüMgrS Raiionatgeiühl aueDrudi, aber vor allem die Verl und igiing der (iuugfeit von Üat|cr und Ulatioii nut dem Aufruf zur Arbeit 'ür das Wohl aller. — Tas ,9t. Wiener Tagbl." führ! auö: Aus der Thronrede tönt als Ifeu- moliv die Genugtuung über den Sieg der nanonalen Forderungen und damit zugleich über die sozialdemotratilcheu Verlulie. — T>e .Oeftcir. Boltszig.' schließl ihre Aueiührungeu wie folgt: In deu 'oft eidtieheu ErUärnngen des deutschen Stai|ev6, daß an den ver- iafsungsinäßigen Rechlen nicht' gerührt weide, in der feierlichen Verkündigung, daß die foziale Fürsorge-Gesetzgebung keinen Stillstand enahren solle, und m der ruhigen Versicherung, daß der Fiicde auch weiter den Fleiß deS deutschen Volkes schützen werde, liegt der Kern und die Bedeutung der Thronrede. Sie kann in die Worte ziisaiumeugesaßt werden: Freiheit, Friede und W o h 1 f a 1) v t.
Deutsches Reich.
Wilhelmshaven, 2U. Febr. In Anwesenheit des Kaisers fand heute vormittag die Bereidigung der Rekruten der Marineftation der Nordsee statt. Ter Kaiser hielt eine kurze Ansprache, in der er die Rekruten zur Vaterlandsliebe ermahnte, indem er auf Beispiele in der vaterländischen Geschichte hmwieS. Aus der jüngsten Zeit könnten namentlich die Helden von Südweslafrika vorbildlich sein. Tie Schriften des DivisionSpfarrerS Schmidt über feine dortigen Erlebnisse, und Frenffens .Peter Moors Fahrt durch Südwenafrika* könnten den Rekruten bei aufmerksamer Lektüre zeigen, wie deutsche Soldaten zu kämpfen haben.
Berlin, 20. Febr. Die Fraktionsgemeinschaft mit einem gemeinschaftlichen Ausschuß und der Durchführung bet Frankfurter Beschlüsse wurde von beiden Volksparteien und der Freisinnigen Vereinigung beschlossen.
— Die WirtschaftlicheVereiniaung des Reichstags hat sich konstituiert und zum Vorsitzenden Liebermann von Sonnenberg, zum Stellvertreter Vogt-Hall, zu Schriftführern Behrens und Hanisch gewählt. Tie Fraktion besteht aus 19 Mitgliedern, außer den Obengenannten noch Raab, D. Stöcker, Dr. Burckhardt, Dr. Böhme, Rieseberg, Gräf, Kölle, Voal-Crails- I)eim, Roth, Langerfeld, v. Tamm, Lattmann, Schack, Köhler, Herzog, Stauffer. Die Fraktion beabsichtigt, 30 Initiativanträge einzubringen, il a. gegen das Ausländertum an deutschen Hochschulen, Erhöhung der Gehälter der fltcitfjSbeaniten und Reichsarbeiter mit Rücksicht auf die Teuerungs- Verhältnisse usw.
— Ter Abg. Prof. Dr. Eickhoff hat an die ,Müßlh. ßtg.* eine Zuschrift gesandt, worin er sie auffordert, den Borwurf, daß er fein verpfändetes Wort gebrochen habe, zurückzunehmen, widrigenfalls ec sich genötigt fehe, das Blatt zur Verantwortung zu ziehen und seinerseits öffentlich den 'Nachweis zu erbringen, daß er eß während beS ganzen Wahl- lampfes in beiden Wahlkreisen stets abgelehnt Hobe und ab- lehnen mußte, für die Eoentiialilät einer Toppeiwahl eine bestimmte Zusage zu geben. Tas Mühlhäusec Blatt erwidert hierauf, Eickhoff habe bei verschiedenen Gelegenheiten auf Befragen erklärt, wenn er in Mühlhausen gewählt werde, nehme er selbstverständlich nur dort an, und fordert selbst eine gerichtliche Klarstellung.
— Tie Fraktion bcc frei) Volkspartei im Reichstage hat sich mit diesen unerfreulichen Zwistigkeiten beschäftigt. Tr. Eickhoff hat auch in dec Fraktion die Eckläcung abgegeben, daß ec feine solche Zusage gemacht habe, und daß ec das strafrechtliche Verfahren gegen die .Mühlh. Zeitung' emleitcn werde. Infolgedessen glaubte die Fraktion von einer weiteren Erörterung dieser Angelegenheit zunächst Abstand zu nehmen und das Ergebnis des Prozesses abwarten zu sollen.
— Die nationallibecale Fraktion hat im Reichstage eine Interpellation eingebracht, in der es heißt: Wann gedenkt die Reichscegienmg die Denkschrift vorzulegen, welche über die bezüglich dec Lage dec Pcioatbeamten vom Reichsamt des Jnnecn angeslellte Enquete Sluäfunft gibt?
— Die braun schwe igische Throns olgefcage ist noch nicht an das Plenum des BiindescalS gelangt. Sie beschäftigt zurzeit erst den Juslizausschuß des Bundesrates. Daß die Frage un Plenum mit überwältigender Mehrheit zu
lliigiiniien oes Kaufes Cumberland veanuvvrtet werden wirb, darf jetzt schon alS unzweifelhaft gelten.
— Dem ,Berl.Tagedl.* zufolge reichte die Zentrums- Partei im Wahlkreise Olpe-Meschede, die an dem bisherigen Abg. Fusangel feil hielt, Protest gegen die Wahl deS anderen ZentrumSkandidaten, Acbeitecsekretärs Becker, ein. Dec Protest stützt sich besonders auf angebliche verleumderische Agitation der Geistlichkeit gegen FuSangel.
Dessau, 20. Februar. In der heutigen Landtags- i Itzling bezeichnete Staatsmmlster Dallwitz ine Aussichten öcr Salzwerke als ungünstig. Ec äußerte Besorgniffe wegen der zukünftigen finanziellen Entwickelung des Landes und empfahl äußerste Sparfamkeit. Eme Erhöhung ber Be- amte nbezüge erfcheme erfcaglich. Weiter bezeichnete oer Mintstec einen kürzlich nach einem Streit in Mühl vec- uvten Mocb als cme Feucht bet sozialistischen Verhetzt' n g.
Weimar, 20. Februar. Tic Sozialbcmokraten legten gegen öie Wahl bes Antisemiten Gräf im ersten wc.mariichen Wahldeztrl wegen mehrfacher Wahlbeelnfliissungen Prvle 11 em.
Bom Ciseubahuctat.
Berlin, 20. Februar.
Tie Budgctkoinmifsion deS AbgcordnetenhaiiseS setz' die Be- vatung des Iriienbahnelcnö fort. Tas Ciöinaiium wird erledigt. Em Verichterflauer erwähnt, daß das Penonal der (iiienbai)ii- oerwatinng am mehr als um 8u0,ooo Peifoncn angewachsen sei. Aiir das Jahr 19u7 ergibt sich em Ätehr von vo.000 Stellen, daoon 10,560 neue eiatsniäßige. Tie Homuui|ion eröviert dann nach eine« oocgeleglen TentichiM die in bem Eial vvrgejchlagcn« Eiganzuug dec VerwalMilgeoidnung für die Siaateei|eiibal)iieii. Bei der Er- oiieruiifl der vorgcieheinn Eiiichlung einer neuen Behörde unter der Vezelchnung ^Nomgtiches E i f e n b a h n z e n t r a l a in t* erhärt der 'Dlinifier, daß gerade eine über einzelnen Bezirken flehende Behörde die allfleiiieiiien Jmeretzen beper beriickfichligen könne. Aus eine weitere Anfrage eiflait der ülhiulter, dag die Eisenbahnoer- ivalturg sich feit Jahren damit beichaiuge, em pratti|ü)efl System iür anloinaiische Kuppe ungen zu finden. Sie mußte aber oui die 'Rachbarsiaatcn Rücksicht nehmen. Tie süddculschen Staaten würden sich nur schwer, Ceficireich wahrscheinlich garnichl zur Einführung dieser A.aßregel eniswileßen. Tie Sache toimne aber auf bet Inlernallonaleii Eisrndahn-Konserenz zu Bern zur Verhandlung, rie eletirischeBele acht ung,di« in einigen Zügen eingefuhrl worden sei, wirb nicht wieder ausgegeben werden. Man hat jetzt aber eine neue Gasbeleuchtung, die eine stärkere üeudjttraU besitzt und daher jedenfalls un allgemeinen zur Einführung gelangen wird. Falls die bei 3)1 ainz unternommenen Versuche mit kleineren 3)1 o t o r io a g e n sich dewÜhreii, sollen im nächsten Jahre 25 Motorwagen angejchasst weiden zur Beschleunigung deS '6eilchr4 der Klembahncn und Hir die Bororibahnen in verlehrsärineien Zeilen. Tie Betriebsmittelgemeinjchaft mit allen süddeutschen Staaten stehe augeublidlid) nicht m Frage; eS 1(1)101-1*1611 nur noch Verhandlungen über den Vorschlag Bayerns aus Eiurichiung einer cvüierioagengememschait denn Oie Verträge über üotonioiivkohlen tarnen noch bis zum 31. Alärz 1U08. Tt« Bertrage über Schienen und eiserne Schwellen hmsichilich der Bestellung nur bis zum 31. März 1907, doch wird das für 1907 be- nöngte Material noch ans ihnen beschaß'l.
Aus der jozialdemokrat. Reichstagssraktioo.
Berlin, 21. Febr.
In der gestrigen Sitzung bcc sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wurde beschlossen, eine Interpellation einzu- bringen über die von Preußen geplante Einführung von Schiffahrtsabgaben auf den natürlichen Wasserstraßen, die in Widerspruch stehen zu Artikel 74 der ReichSoerfaffimg. Die Interpellation wirb der Abg. Frank-Mannheim begründen. Initiativanträge der sozialdemokratischen Fraktion werden eingebracht über folgende Materien: Schaffung eines Reichs- Vereins-, Versammlungs- unb KoalitionSrechtS, Reichsberggesetz, Einführung des geheimen Stimmrechts für die Knappschastskassen, Einführung von Fachgerichlen nach Art beß Gewerberechts unb Einführung von Krankenversicherungen für die ländlichen Arbeiter, ReichS- gesetzliche Regelung des Wohnungswesens, Einführung von Volksvertretungen auf Grund beß allgemeinen Wahlrechts für alle Bundesstaaten unb Elfaß-Lothringen. Errichtung parlamentarischer UntersuchungSkommissionen, Abschaffung beS AtajestätSbeleibigungs-Paragraphen, Regelung ber Acbeltsoerhältniffe in den Bergwerken, einheitliche Regelung des KnappschastswesenS. Sicherung dec Immunität der 3lbgeordneten.
Neues aus Rußland.
In Sewastopol wurde gegen ben Beigeorbneten des Polizei-Kommissars eine Bombe geschleudert, durch bie dieser gefährlich verwundet wurde. Auch einige Passanten erlitten Verletzungen. Der Täter ist entkommen.
Unausgesetzt spielen sich skandalöse Szenen in den Straßen Odessas ab. Ans im Schnee spielende jüdische Kinder wurde geschossen, Wohnungen von Juden wurden demoliert. Einem jüdischen Bürger, namens Weitz, ber sich gegen seine Angreisec zur Wehr setzte, wurden die Arme außgebrochen. Haidtot ließ man ihn auf offener Straße liegen. —'Zum Abgeordneten für die Rcichsduma wurde m Odessa der Kandidat der Kadetten- partei Pergament, em Israelit, gegen den Sozialdemokraten Nlalialowitsch gewählt. — Ter Schiffskapitän Zolo- taroff wurde in Odessa von zwei Matrosen ermordet, weil er ausständige Kameraden hatte verhaften lafien.
Bei der Station der Wetchselbahn Skarsicko ist ber von Rabom kommende Perfonenzug, auf einen rangierenden Güteczng gefloßen. Hierbei wurden drei Zugbeamte und vier Reifende getötet und zehn Personen fchwer verletzt.
Das Jubiläum des Norddeutschen Lloyd.
Bremen, 20. Febr.
Tie Stabt steht im S-‘-- m des Nr cd. Lloyd-Z. - -umä
Die furchen uno vEle Geschäfts- unö Privathäufer fino mit Fraggen unb Ginanoen r..^ gl.schmuckl. Euw FuUe wnbarer rcurf» 2C. ist aus der ganzen Wen ciiiaegangeru Uni 12 Uhr mulagS sand die Grunosleinlegung zum Zenrcalban des seuey


