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19.3.1907 Erstes Blatt
 
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157. Jahrgang

Erstes Blatt

Nr. 6fr

«»scheint täglich außer GonntagT.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hesfischen Landwirt die Lietzener ZamllirN' blätter viermal in der Woche beigelegt rnu

Dienstag 19. März 1907

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Areirblatt für den Are!« w- I zu < v ** _ Beraniworttich iür

gg General-Anzeiger für Gberheffen

»'es«"1 ir»«a«onrdn>ck md Verlag der vrllhl'schen UniD.-Bud). md rteindrnckerel. N. lange. Reöaftfo«, «xpedltton und Druckerei - Schulftratze 7. en<i

Ire yeutige stummer umfal)t 8 Seiten.

Die Mission des tzrzyerzogs Kranz Kerdtvand.

Von besonderer Seite wird uns auS Berlin geschrieben:

Am verflossenen Mittwoch traf der österreichische Thronerbe, Erzherzog Franz Ferdinand in Berlin em, nur von seinem Flügeladjutanten und seinem Büchsenspannei begleitet, und stieg im Hotel Bristol im strengsten Inkognito ab. Bald nach seiner Ankunft begab er sich zu dem, von seinem Besuch telegraphisch verständigten Kaiser ins Schloß, wo er niehrere Stunden verweilte und auch das Tiner im intimsten Kreise der kaiserlichen Familie nahm. Am Abend wohnte er dann einer Aufführung im Tr'.anon-Theater bei and reiste am Donnerstag früh wieder nach Prag, um sich von dort nach fernem Schlosse Konopischt zu begeben.

ES versteht sich von selbst, daß dieser geheimnisvolle Aufenthalt des öftere. Kronerben in Berlin, sowie sein langer Besuch bei Kaiser Wilhelm in hiesigen diplomatischen Kreisen viel Aussehen erregt hat und zu allerlei Vermutungen An­laß gab. Absolut unrichtig ist eS, daß der Thronfolger sich deshalb in Berlin aushielt, um einen Spezialisten für Ohren- unb Zahnleiden zu konsultieren. Der kaiserliche Prinz ist so kerngesund, daß er ärztlichen Rates nicht bedarf, aber selbst wenn er leidend wäre, so würde er doch wahrscheinlich me­dizinische Autoritäten in Wien und nicht in Berlin zu Rate ziehen. Auch die Annahme, eS habe sich um einen bloßen Höflichkeitsbesuch gehandelt, welchen der Erzherzog deshalb dem ihm persönlich befreundeten Kaiser Wilhelm abstattele, weil er von Prag auS einen Abstecher nach Dresden gemacht hatte, ist hinfällig. Der Erzherzog war schon nvederhott in Dresden, ohne eine Spritztour nach Berlin unternommen zu haben. Alle diese Erklärungen sind nicht stichhaltig, sondern die Reise wurde ausschließlich auS politischen Mo- lioen unternommen.

Bekanntlich würde Kaiser Franz Josef gern sehen, wenn es zu emer Beilegung der alten Gegensätze zwischen den Häusern Hohenzollern und Lumberland käme, weshalb er sich wiederholt beim Herzog von Cumberland dasür einsetzte, daß dieser auf seine angeblichen Rechte auf Hannover verzichten möge, bannt ihm bann der Weg frei stehe zum braunschweigischen Throne. Aber alle Bemühungen des greisen Monarchen scheiterten an der Halsstarrigleit des Cumberläiibers. Run hat der Herzog Max von Baben gewisse 2luSsicht, zum Herzog von Braunschweig gewählt zu werben. Lieser Prinz ist ein Schwiegersohn deS Cumberländers unb es würde somit auf diesem Wege nielleicht möglich sein, einen Ausgleich der Interessengegen­sätze zwischen Berlin unb Gmunden zu konstruieren. Kaiser Franz Joief hat sich für die Kandidatur des Prinzen Max von Baden sehr lebhaft eingesetzt unb in biesem Sinne em Handschreiben an Kaiser Wilhelm gerichtet, besten Ueberbringer Franz Ferbinanb war.

Aber außer diesem offiziellen Auftrage kamen noch andere politische Angelegenheiten zur Sprache, welche sich in der Hauptsache auf die innerpolitische Lage dec habsburgischen Monarchie bezogen. Die öuerreichisch-ungarischen Ausgleichs­oerhandlungen sind jetzt in ihr letztes Stadium getreten. äJian roeiu, daß Erzherzog Franz Ferdinand sich geäußert hat: »Ich werde Ungarn nur an der Spitze meiner Vene rate betreten!"

Das Bedürfnis des greisen Herrschers, seinen Lebensabend möglichst in Ruhe zu verbringen, hat ihn immer wieder zur Nachgiebigkeit veranlaßt, nun sind aber die Verhältmste so weit gediehen, daß der Zerfall des alten schwarz-gelben Kaiserreiches in zwei getrennte Staaten sich nicht aufhalten läßt, wenn nicht eine starke Faust emgreift unb den Magyaren den Herrn zeigt. Für solche Energie ist Kaiser Franz Josef aber zu alt.

poHtifd?c Tagesschau.

Konservative Verstimmung gegen Fürst Bulow, tt Berlin, 16. Mär-.

In der Rede des Fürsten B ü l o w beim Festmahl dcsLand- w i r t s ch a s t s r a t s ist nichts so übel ausgenommen worden van d.r tonservat. Presse wie daS Bild von oenScheu­klappen". TieKreuzzlg." kommt immer wieder darauf zu sprechen und beincrct gegenüber dem Reichskanzler, die Hm- Uellung eines Teils der Kvnservatwen (gemeint seien ivvhl die Mitarbeiter an dem Börsengcsetz von 1696) als Männer mit Scheu­klappen sei nickst gereist geredet. DieKreuzztg." erinnert auger- dem daran, baß jenes Gesetz unter Mittvirkung der Nationatlibc- ralen zustande gekommen ist. Fürst Bülow, der Vvrsickstig in der Wahl seiner Ausdrücke zu sein pflegt, wird ein anderes Mal noch meljr seine (Worte auf die Goldivage zu legen haben, wenn er zu den Freunden von dec Landwirtschast spricht, der Land- wirtschast, der doch sein ganzes Herz ge­hört. Wie wir erfahren, soll der Kanzler nicht wenig erstaunt darüber sein, daß die Scheukiappen-Wendung so »patzige Kommen­tare hervorgerufen hat. Beim Festmahl selbst wäre von einet derartigen Wirkung gerade an dieser Stelle nichts zu verspüren gewesen. Vielmehr |ci «der harmlos gemeinte Ausdruck ebenso harmlos, ja mit lbehaglicher Heiterkeit, aufgenommen worden. Es muß in der Tat auifttllen, daß Fürst Bülow von dem führenden Crgait der Konservativen eine so abfällige Zensur erhält für eine Rede, die alles in allem genommen so agrarisch war wie kaum jemals eine Kundgebung eines leitenden deutschen Staatsmannes. In der Politik geht es aber ähnlich wie im tag liefen Leben zu: Verstimmungen entstehen aus erkennbaren Ursachen und tiefer liegenden, nicht gleich erkennbaren Ursachen DenKreuz-,tgs."-9Mnnern der Anhang dieses Blattes ist noch immer auf der Rechten sehr beträchtlichpaßt die ganze Richtung nid#", die der Reichskanzler vor und nach den Wahlen

der Politik gegeben bat: diealtmodischen" Kvnservativen halten es für eine ungebührliche Zumutung, liberale Forderungen zu unterstützen. Aber noch mehr hilft das Maß füllen. Soeben wird durch eine Meldung der KönigsbergerHartung'schen Ztg." bekannt, daß Fürst Bülow den preußischen Kultusminister beauf. tragt hatte, eine «entgegenkommende Erklärung zu dem liberalen Antrag au f Durchführung bet f ad), männischen Schulaufsicht in Preußen, statt der g c i st l i ch e n S ch u l a u f s i ch t, abzugeben. Herr v. Studt jedoch äußerle sich so u nbeftinunt und urwerbindlich wie nur möglich Eine Mlehnung in höflicher Form. Es ist anzunel.men, daß sich Fürst Bülow ixen rvlleniuibrigcn Seitensprung nickst hat gefallen lassen, und es ist weiterhin anzunehmen, daß bie Instruktion Bülow'S den Konservativen nickst unbekannt war. So kommt eins zum andern, den Fürsten Bülow bei Kvnservativen und Agrariern in Zwielicht zu bringen.

Prinz Eitel Ftiedrich als Johanniter.Herrcnmeister.

Berlin, 18. März.

Heute Vormittag fand in der Kapelle des kgl. Schlosses in Gestalt einer kirchlichen Feier die Aufnahme des Prinzen Eitel Friedrich in den Johanniterorden durch den Kaiser und Die Einführung des Prinzen als Herrenmeister der Ballen Brandenburg, sowie die Aufnahme emer Reihe von Rechts- littern statt. Der Prinz betete knieend das Gelöbnis auf das ,hm vom Kaiser entgegengehalteiie Ordensschwert unb erhielt uon deut Kaiser das Herrenmeisterkreuz und Schwert, wobei ber Kaiser sagte:

Gebrauchen Sie Sich dieses Schwertes zur Beschirmung der wahren christlichen Religion unb zur Handhabung des xiuev- lichen Ordens, zur Beförderung des Guten und zur Unter­drückung des Böse n.N

Bei der Tafel im Königlichen Schloste brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch auS:

.Bevor wir unsere Gläser aus das Wohl des Herrenmeisters erheben, liegt es nur am Herzen, einen bantbareu Willkommen- grüß auszusprechen allen denen, die heute hier ersch>ene>i sind, um die Feier verschönern zu hellen. Den» P r i n z e ii ber Dl i e i) er­laube spreche ich meinen herzlichen Tank ans, daß er es nicht verschmäht hat, m unseren Reihen zu erscheinen imb den Ritter­schlag zu empfangen. S. Al. dem König von England bitte ich, Mein Prinz (sich an den Prinzen Franz von Teck wendend) meinen herzlichsten Dank zu Füßen zu legen baiür, daß er eine Abordnung des englischen Ordens zu uns heruber- gesandt hat. Der Valley Utrecht spreche ich meinen Tank aus für ti>r Erscheinen und ein warmes Willkommen sei den Herren vom Atatieserorben gespendet, die auch am genügen Tage sich mit iinS vereinigt haben. Tie letzten Monde haben gezeigt, welche schwere Prüfungen ber Menschheit auf allen Gebieten auferlegi worden sind und ivelche Hekatomben von Aleiüchenleben ver- lchiedetien Katastrophen zum Opfer gemüen sind. Tas weift alle Ordensmitglteder darauf hm, daß das erste Gebot für uns alle ist die LiebeSläligkeit gegenüber unseren Mitbrüdern; und so werden wir das Wohl des Herrenmeisters in der Gesinnung linden, die in dem Schristwort Ausdruck findet: ,So bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist bie größte unter ihnen." Wir weihen unser Glas dem neuen Herrenmeifier nut dem Wunsche, daß es ihm vergönnt sei, eine segensreiche Tätigkeit in der Mine des Ordens auszuüben."

Deutscher Reichstag.

21. Sitzung vom 18. März.

Auf ber Tagesordnung steht zunächst bie dritte Beratung de§ Gesetzentwurfes betr. Vornahme einer Berufs- unb Be­triebszählung im Jahre 1907. Eine Generaldebatte ent­steht nicht. Zum tz 3 geht ein Antrag D r. Will (Zentrum) ein, die Bestimmung auszunehmen, daß in den Fragebogen eine Frage nach der Religion eingestellt werde. s)lad) kurzer Debatte, in der u. A. der

Präsident des statistischen Amtes, van der B o r g h t, um Ablehnung des Antrags ersucht, da ein besonderes Ergebnis aus einer solchen Fragestellung doch nicht zu erzielen sei und da der Fragebogen ohnehin schon mit Fragen über­lastet sei,

wird der Antrag Will gegen die gesamte Linke an­genommen. Im übrigen gelangt die Vorlage unverändert zur definitiven Annahme.

Es folgt die »weite Beratung des N o t e t a t s für die Monate April und Mai. Die Budget-Kommission empfiehlt bie Annahme mit folgenden drei Acnberungen: 1. ist bei den ein­maligen Ausgaben im Postetat ber Titel für Erwerbung eines Grundstückes in der französischen Straße in Berlin gestrichen worden. 2. ist gestrichen worden der Betrag zur Gewährung außerordentlicher einmaliger Beihülsen an die gering besoldeten Unterbeamten des Reichsdienstes. Dafür schlägt die Kommission, welche die betreffende Beihulse für zu gering erachtet hatte, eine Resolution vor betreffend Eitistcllung wesentlich höherer Beihülfen 100 Mk. für bei Unterbeamten sowie 150 Mk. für alle übrigen Beamten bis 4200 Mk. Gehalt in den Etat bei der dritten Lesung. Die Regierung wird ersucht, bis dahin ihr Einverstätidnis auszusprechen. 3. Ist der Anleihe-Kredit von 200 auf 150 Millionen herabgesetzt worden. Die Beratung er­streckt sich zunächst auf die §3 1 und 2, d. h. auf die samt- lid>en im Wege des Rotetats zu genehmigenden Summen mit Ausnahme des die Unterbeamten betreffenden Titels. Bei dem Postetat (die Forderungen der übrigen Spezialetats werden de­battelos angenommen) ersucht

Staatssekretär Krätke das Haus, im Gegensatz zu dem Kommifsionsbeschluß, die Forderung für bie Erwerbung bes be­treffenden Grundstücks in der französischen Straße in Berlin zu genehmigen.

Abg. Singer (Soz.) bittet, an dem einmütig gefaßten Be­schluß der Kommission sestzuhalten. Das Grundstück sei nach ber Ansicht der Kommission zu teuer.

Hierauf werden bie §§ 1 unb 2 (wieder abgesehen von dem Titel Unterbeamten-Beihulfcn) unverändert in der Kominissions- fassiing angenommen. Tie Forderung für bas Grundstück in Berlin bleibt also gestrichen. Dafür stimmten nur die Konser­vativen.

Sodann wird beraten über die einmalige Beihülfe an Unterbeamte (30 resp. 50 Mk.).

Abg. Wiemer berichtet als Referent, daß bie von der Re­gierung beabsichtigte Beihülfe ihrer Niedrigkeit wegen auf die Kommission zu sehr den Eindruck als Trinkgeld gemacht hätte. Deshalb habe sie sich auf die Resolution geeinigt

Abg. Speck (Ztr.) befürwortet einen BentaunSantrag Groe-

ber u. Gen., den (von der Kommission gestrichenen) Titel für Beihülfen wieder in den Notetat cinjufügen, aber mit ber Maß­gabe, baß bie Beihülfen für Unterbeamte 100 Mk., für mittlere Beamte, soweit ihr Gehalt 3000 Mk. nicht übersteigt, 150 Mk. betragen sollen.

Schatzsekretär v. Stengel weist den Vorwurf des Vorredners zurück, als ob die Negierung nicht bereit fei, den Wünschen deS Reichstages hinsichtlich ber Unterbeamlen enlgegenjulummcn. Die perbüiibelcn Regierungen erkenicken durchaus bie Notlage ber Unterbeamten an. Der Antrag Groeber werde tatsächlich nicht 13 bis 15 Millionen, sondern 20 Millionen erfordern, denn ber Vorredner habe bei seiner Berechnung bie Diätare vergessen. Monatelang arbeite man an einen Ausgleich zwischen Einnahmen unb Ausgaben, unb was ickltze bann bie ganze Arbeit? wenn bann ber Reichstag alles über ben Hausen werfe unb ungezählte Millionen bewilligt. Wenn bas Haus eine solche Bestimmung, wie der Antrag Groeber sie wolle, in den Gesetzentwurf aus­nehme, so sei dieser für die verbündeten Regierungen unannehm­bar. Einen Weg der Verständigung biete die Resolution. NamenS oeS Reichskanzlers habe er zu erklären, derselbe sei bereck, auf ben Boden der Resolution zu treten. Der Reichskanzler werde bemüht sein, mit allen ihm zu Gebote steheirden Mitteln bei ben verbündeten Regierungen die baldige Vorlage eines ent» sprechenden Ergänzungsetats zu erwirken. Er, ber Kanzler, fei lest entschlossen, die Frage einer ausgiebigen Gehaltsausbesserung sowie bie Regelung des Wohnungsgelbes 1908 in Angriff zu nehmen, eine solche Vorlage den Regierungen zugehen zu lassen unb sie nachdrücklich bei ben Regierungen zu vertreten. (Beifall.) Den Antrag Groeber aber bitte er abzulehnen.

Abg. e a»A)eibeiuerg UH.) eruutt, angesichts dieser Er­klärungen stäiidcn seine Fwennde vor einer beranberten Sachlage. Er gebe der Freude seiner Partei Ausdruck üoer Ouia» Entgegen- lummen der Regierung. Den Wechsel, den der Reichskanzter ak­zeptiert habe, iverbe er noch in diesem Jahre einioicn muffen, baiur würden seine politischen Freunde svrgen. (Beifall.)

Abg. v. Richthoien (k.) führt ans, seit vielen Jahren sei den Beamten nickst eine solche Freude bereitet worden, wie durch die heutigen Gri'Uirungen des Reichskanzlers. In staatsrechtlicher Beziehung stünden seine F-reunde auf dem Boden der Regierung.

Abg. Singer (Soz.) wahrt gegenüber dem Schatzsettetar dem DieichStage das fundamentale Recht, den Etat seltzu>lellen und im Etat a-uch Erhöhungen vorzunehmen. Andernfalls luare der Reichstag ein gesetzgebender Körper 2. Klasse. Der Reichstag müsse daher dieses fein Neckst unbedingt wahren. Angeiichts der Erklärungen des Sckxatzsekretars im Nanien des Reichskanzlers so schließt der Redner werden wir aber nunmehr statt für den Antrag Grober für die Resolution stimmen.

Abg. Arendt (Rp.) erklärt, diese Aeußerungen des Mg. Singer zeigten nur, in welche Verlegenheit rr und seine Freunde durch die Erklärungen des Reichslanzlcrs gesetzt worden seien. Früher sei den Sozialdemokraten die Resolutwnnnamiebmber" gewesen, jetzt stimmten sie ihr zu.

Abg. Speck (Ztr.) zieht mit Rücksicht auf die Erklärungen des Saj-atzsetretürs den seinen Wünschen Ersüllung sick-ernden An­trag Gröber zurück.

Abg. Vo g t-Hall (wirtschastl. Vgg.) erklärt, die wirtschaftliche Vereinigung trete geschlossen für die Aufbesserung ein unb stimme daher für die Resolution.

Abg. Ko P sch (Frs. Vpt.) stellt fest, daß in dieser Frage verbündete Regierungen unb alle Parteien im Hause einig seien.

Nach kurzen Bemerkungen des Abg. Werner (antis.) schließt die Debatte unb die Resolution wird einstimmig angenommen. Entsprechend dem Kommissionsantrage wird ferner der Anleihe- krcdit von 200 «a.uf 150 Millionen Mk. herabgesetzt und der Rest des NotetatSgesetzes debattelos angenommen. Niorgen Inter­pellation betr. Wahlbeeinslussung, dann Poleninterpellation betr. Sch ul streik.

Parlamentariers«

Berlin, 18. März. Der Senioren-Konvent deS Abgeordnetenhauses trat heute zusammen, um noch­mals über die Anregung zu beraten, den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses Freikarten für die preußischen Bahnen zu gewähren. Alan kam jedoch überein, diese Frage auf sich beruhen zu lassen, da die Negierung zwar nicht ab­geneigt war, der Anregung näherzutreten, aber die VorauS- fetzung machte, daß nicht mehr Diäten gezahlt werden, son­dern Anwesenheitsgelder nach dem im Reichstage be­stehenden AloduS.

Eine von Will und Genossen eingebrachte Inter­pellation richtet an den Reichskanzler die Anfrage, ob er in der Lage und bereit sei, Mitteilungen über die Ursache des Grubenunglücks in Klein-Rosseln zu machen und ob auf Grund der Erfahrungen bei dem Grubenunglück zu Reden genügende Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung von Schlagwettern und Kohlenstaubexplosionen in den lothringischen Gruben getroffen sind und welche Alaßnahmen beabsich­tigt seien, um in Zukunft solche Katastrophen zu verhüten.

Die Freisinnigen haben nn Reichstage beantragt, die verbündeten Regierungen um Vorlegung eines Gefetz- cntwurfs zu ersuchen, durch den die reichsgesetzliche Kra nken- Unfall- und Invalidenversicherungs-Gesetz, gebung auch auf Prlvatbeamte erweitert wird.

Ter Entwurf eineß Reichs-Apothekengesetzes ist gestern dem Reichstage zugegangen.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Rlärz. Gegen die Rlnglieder der sozial­demokratischen ReichStagSfraktion hat die Staats- anwaltschaft em Verfahren wegen Vergehens gegen die §§ 1 und 12 des Vereinsgesetzes eingeleitet. Der Bureaudirektor beim Reichstag, Tungheim, hatte vor einigen Tagen nichts emzuwenden dagegen, als sozialdemokratljche Abgeordnete ihm milteillen, daß sie einige Freunde im Frakttonsziinmer der Partei empfangen wollten. Wie sich aber später herauSflellle, fand in diesem FrakttonSzimmer an zwei Tagen eine Konferenz der soz. Abgeordneten mit 50 Parteiredakteuren statt, bei bet auf Grund einet Tagesordnung die Taktik der Partei und die Partei- Korrespondenz zum Gegenstand lebhafter Debatten gemacht