Ausgabe 
24.6.1907 Erstes Blatt
 
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Kindermehl

Krankenkost

Bestbewährte

gesunde

und

magen­darmkranke

Handel

des

93.301 Elektriz. Lahmeyer

99.30

Berliner Handelsges .

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4%

. 91.30

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220.20

Berliner Börse, 22. Juni. Anfangskurse.

117.50

102.50

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188.90

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Tiirkenlose.....

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Nordd. Lloyd . . .

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Darmstädter Bank Deutsche Bank . Deutsch-Asiat Bank Diskouto-Kommandit Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio-

Eisenbahn . Gotthardbahn . . Lombard. Eisenbahn Oesterr. Staatsbahn .

Canada E. B.....

Darmstädter Bank . .

Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . .

Tendenz: schwach.

Bochum Guss ....

Buderus E. W . .

Tendenz: schwächer.

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Hessen Oberhessen

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Aktien

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Nahrung für: sowie schwächliche, in der Entwicklung zurückgebliebene

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Elektriz. Schuckert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. PaketL Harpener Bergwerk. . . Laurahütte......

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83.35

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Telefonische Kursberichte

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen.

Frankfurter Börse 22. Juni, 1.15 Uhr.

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. 199.25

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Schulaufsicht, für die Zulassung von 'Orden und geistlichen Vereinigungen getan, er ist der Selbstverwaltung oft entgegengetreten. Er hat seine Arbeit getan; er hatte auch semen Tank dahin, als er den Schwarzen Adlerorden erhielt. Trotzdem wollte und sollte er eine lange Weile noch von dem wohlverdienten Ruhestand verschont bleiben, -und jetzt erst verschwindet er aus immer in der Versenkung, aus der er niemals ans Licht der Regierung hätte geholt werden sollen und hatte geholt werden wollen. Denn als er von seinem Oberpräsidentensessel im kathol. Münster nach Berlin zum Minister berufen wurde, da weigerte er sich zu kommen, bis das Kaiserwort dringend wurde. Sein Nachfolger, Herr Holle, sollte im Interesse der Bildung keine wichtigere Aufgabe kennen, als das unglückliche Ge­setz zu beseitigen, das Herrn Studt den höchsten Orden der preußischen Monarchie und das Adelswappeu eingetragen hat. Er ist nicht der liberale Mann, dessen Kommen nach der Inszenierung der konservativ-liberalen Aera liberale Optimisten erhofft hatten, sondern ein völlig neutraler Ver­waltungsbeamter. Bülow wollte es sichtdarlich mit der Rechten nicht verderben und suchte auf solche Weise einen Ausweg, aber aus der Linken wird man hiervon nicht erbaut sein.

Der bisherige Unterstaatssekretär Holle ist im Jahre 1855 in Schwelm geboren. Im Jahre 1883 wurde er Gerichtsassessor und trat alsbald zur allgemeinen Verwal­tung über. Jin folgenden Jahre wurde er Regierungs­assessor und arbeitete bei der Spezialkommission in Höxter, wo er 1889 zum Negierungsrat befördert wurde. 1890 wurde er Hilfsarbeiter int Landwirtschaftsministerium, und nach kurzer Zeit Vortr. Rat mit dem Charakter Geh. Re­gierungsrat. 1895 wurde ihm der Titel eines Geh. Ober­regierungsrates verliehen. 1900 schied er aus dem Staats­dienst, um den Posten eines Landeshauptmanns der Provinz Westfalen zu übernehmen. 1904 kehrte er jedoch in den Staatsdienst zurück, indem er als Nachfolger des Wirkt. Geh. Rates Schulz als Unterstaatssekretär für die Bau­abteilungen in das Ministerium der öffentlichen Arbeiten berufen wurde, wo er bis zu seiner jetzigen Ernennung zum Kultusminister verblieben ist.

Herr Holle wie der neue preuß. Minister des Innern v. Molt k e (geb. 1852), ein Neffe des großen Strategen, der als Oberpräsident von Ostpreußen beliebter in der gewerbfleißigen Bevölkerung Königsbergs als bei den ostpr. Großagrariern und Magnaten war, sind politisch weiteren Kreisen völlig unbekannt geblieben, gelten aber beide als modern-konservativ.

Unter solchen Umständen wird man das jüngsteRevire­ment" mit gemischten Gefühlen aufnehmen, und es ist leicht möglich, daß die Rekonstruktion der Berliner Negierung nicht ohne Folgen auf die Parteikonstellation bleiben wird. Es müßte denn sein, daß in der nächsten Zeit noch einige hohe Staatsämter frei werden, bei deren Besetzung Rück­sicht auf die Wünsche der Linken genommen werde. Freilich ist diese Aussicht gering, denn bisher war es in Berlin nicht Gepflogenheit, die Ministerportefeuilles nach Maßgabe der Parteien zu verteilen. Ob Fürst Bülow bei der Auswahl seiner neuen Mitarbeiter eine glückliche Hand bewiesen und zweckmäßig gehandelt hat, wird sich zeigen, wenn der Reichstag wieder zusammengetreten sein wird.

Daß die Tätigkeit der neuen Atänner dem deutschen Vaterlande zum Segen gereichen möge, wollen wir trotz aller Bedenken hoffen.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 24. Juni.

** Sein 5 0 jähriges juristisches Doktor- jub iläum beging am 22. d. M. der Geh. Hofrat Prof. Dr. Laspeyres, früherer Ordinarius der Volkswirtschafts­lehre an der Ludoviciana.

** Das Ehrenzeichen für Mitglieder frei­williger Feuerwehren wurde verliehen durch Ent­schließung S. K. H. des Großherzogs dem Johs. Hch- Völzing, Konr. Eichenauer, Mart. Rohrgaß, Fr. Figge, Hch. Etling, Joh. Konr. Schneider und Hch. Eiß feiler III., sämtlich zu Groß-Felda.

** Technischer Verein. Der in seinem inneren Leben sehr aufblühende Technische Verein Gießen begeht in diesem Jahr sein zehnjähriges Stiftungsfest. Zahlreiche Anmeldungen vom Lahn , Main- und Rheingebiet sind eingelausen und geben ein gutes Zeugnis von dem gegenseitigen kollegialischen Verkehr. Das Programm ent­hält einen Herrenabend, Besichtigung des Theaterneubaues und einen Ausflug nach dem Windhof. Hierdurch findet wiederum eine große Anzahl Fremder Gelegenheit, unsere Stadt und deren Einrichtungen kennen zu lernen.

** Vom Ritterschaftlichen Kauffunger Stiftsfonds. Im Vorstand dieses Fonds sind wichtige Veränderungen eingetreten. Zum geschüftsführenden Ober­vorsteher wurde an Stelle des verstorbenen Frhrn. v. Rots­mann Frhr. Moritz Riede selzuEisenbach Exz. und zum Overvorsteher für den zurückgetretenen Oberstiammer- herrn Karl Frhr. Schenck zu Schweinsberg-Wäldershausen Exz. der Großh. Kammerherr Wilfried Frhr. Schenck zu Schweinsberg-Wäldershausen dahier gewählt. S. K. H. der Großherzog hat die Wahlen bereits bestätigt.

** M i t der Regelung der Anstellungs- und Gehaltsverhältntsse der K ommuna l b eamten beschäftigt sich eine Anfrage, die die Abgg. Köhler und Hebel an die zweite Kammer gerichtet haben. Dem 6. (Sonder-) Ausschuß, dem die Regierungsvorlage, die Ver­waltungsgesetze betr., zur Bearbeitung und Berichterstattung übergeben sind, wurden ferner überwiesen:. 1. Vorstellung der Orts- und Polizeidiener, betr. Regelung ihrer Anstellungs-, Gehalts- und Hinterbliebenenversorgungsver- hältnisse. 2. Vorstellung des Landes-Rechuerver- bandes, betr. Gehaltsverhältnisse, Pemions-, Witwen- und Waisenversorgung der Gemeinde-Einnehmer usw. 3. Vor­stellung der Straßenwärter, betr. die definitive An­stellung, Witwen- und Waisengehalt und Gehaltserhöhung. 4. Vorstellung der Kr e i s st r a ß e n m e i st e r, betr. Ver­staatlichung ihrer Stellen. 5. Vorstellung der Polizei diener des Kreises Offenbach, betr. gesetzliche Regelung ihrer Gehalts- und Anstellungsverhältnisse. 6. Vorstellung der Feldschützen des Kreises Ofsenbach, betr. Regelung ihrer Gehaltsverhältnisse. 7. Vorstellung der Feld schützen i des Kreises Groß-Gerau, betr. Regelung ihrer Geh.altsver-

veränderung im Reichsamt des Innern wohl nicht. Ebenso wenig wird man bei dem Ermtz des Kultusministers Dr. von Studt durch Dr. Holle von einem Systemwechsel. im Sinne der liberalen Wünsche sprechen können. Werden die Liberalen nun ihre Hoffnungen erfüllt sehen?

DieFreis. Ztg. schreibt: (K hat nicht an Anhalts­punkten dafür gefehlt, daß auch die Tage des Staatssekretärs des Innern gezählt waren. Ein neues aktuelles und darum recht wirksames Hülfsmittel wird in den Vordergrund geschoben, indem gesagt wurde, Graf Posadowsky sei der Reichskanzlerkaw- didat der Liebenbergschen Tafelrunde. Man hatte von Herrn v. Bethmann-Hollweg a'.s Minister des Innern vielfach erwartet, daß er, im Gegensatz zu feinen Vorgängern, eine wesentliche Aenderung des Kurses vornehmen werde. Tas ist aber nicht geschehen. Als fraglich darf es jedoch angesehen werden, daß Oberpräsident v. Moltke auf demselben fonfer v a- tiuen Boden steht, wie sein Vorgänger. Danach tonnte also nur noch der bisherige Unter staats sekretär Holle das preußische Ministerium mit dem notwendigen Tropfen liberalen Oeles alben. Ob er der Mann dazu ist, muß erst die Zukunft lehren.

DieV o s s. Z t gi" erklärt: Daß die jetzt angekündigte Um­gestaltung der Regierung einen kräftigen Ruck nach links anzeige, wird niemand behaupten. Es ist kein Minister er­nannt worden, den man etwa der freisinnigen Partei zurechnen könne. Allein nicht so sehr darauf könne es ankommen, von wem, als vielmehr wie regiert wird und wir werden sehen, Wie die Idee der konservativ-liberalen Paarung jetzt in der Gesetz­gebung und Verwaltung verwirklicht wird.

DasB e r l. Tageb l." ist änßerst befriedigt über den Rücktritt v. Studts, kommt aber nicht über das un­behagliche Gefühl hinweg, daß es sich bei seiner Ersetzung durch Dr. Holle nur um eine Verlegenheits-Kandi­datur handelt, die der Krisis kein Ende macht, sondern sie nur vertagt. Graf Posadowsky war dem neuesten Kurse zu seriös. Seine politische Laufbahn ist schwerlich schon abgeschloisen.

DerV orwärts" erklärt: So hat sich also Bülow noch einmal gerettet und steigt als Sieger hervor aus der Schlamm­flut, die der Kampf der Kamarilla aufgerührt hat. Doch sein Sieg ist nur ein Teilsieg. Mit Posadowsky ist Bülow den letzten Mann von Bedeutung, Kenntnis und Arbeitsfähigkeit los ge­worden.

DieKöln. Ztg." bemerkt: Soll die Blockpolitik ernstlich rurchgesührt werden, so muß sachlich ihr Geist sich gleichmäßig auf Deutschland und Preußen erstrecken, zugleich muß aber auch nach der persönlichen Seite hin die Bürgschaft geboten werden, daß die leitenden Persönlichkeiten nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich aus vollster lieberzeugung von der Notwendigkeit und der Nützlichkeit der neuen Politik durchdrungen sind. Nach Ansicht des Kaisers und des Kanzlers war angesichts der neu beschlossenen und eiugeleiteten Politik die erste Rücksicht, vor der alle anderen zuruckstehen mußten, die unbedingte Einigkeit der Regierung. An die Mitglieder dieser Regierung wurde die Anforderung gestellt, daß sie voll und unbe­dingt aut dem Regierungsprogramm stehen und sich mit ihm eins suhlen sollen. Dieser Bedingung scheint Graf Po sadowsky lewer n icht entsprochen zu haben. Was die Sozialpolitik aubelangt, so bestanden keinerlei Neigungsver- 'chiedenheilen zwischen hem Reichskanzler und dem Grafen Posa­dowsky, und es wird daher auf diesem Gebiet nach denselben Grundsätzen gehandelt werden, wie bisher. Daß das Reichsamt des Innern in feiner gegenwärtigen Zusammensetzung eine ganz ungewöhnliche Arbeitskraft erfordert, ist bekannt, und Lei der immer zunehmenden Erweiterung dieses Amtes selbst hat Graf Posadowsky das Unhaltbare des jetzigen Zustandes erkannt und schon seit längerer Zeit eine Denkschrift eingerricht, die die Trennung des Amtes tit zwei selbständige Aemter Vor­satz. Es besteht die Absicht, diesen Plan jetzt zur Ausführung! zu bringen, und zwar würde das eine der neuen Reichsämter die eigcntl. politischen Abteilungen, das andere diejenigen um­fassen, die sich mit der Arbeitergesetzgebung und der Volks wohl fahrt beschäftigen, v. Moltke gehört der frei­konservativen Partei an. Er galt schon lange als eine der­jenigen Persönlichkeiten, die für einen Ministerposten in Frage kommen. Tie Tatsache, daß Holle sich auf den verschiedensten Gebieten rasch und erfolgreich eingearbeitet hat, und die höhere Auffassung, die er seinen Aufgaben entgegeirbrächte, sind die Gründe zu seiner Berufung in das wichtige Unterrichtsministerium. Mit diesem hat er bisher in keiner Weise m Verbindung gestanden, doch scheint man es gerade als einen Vorteil zu betrachten, daß ein Mann ohne Vorurteil und ohne frühere Bindungen, aber mit Harem, verständigem Blick an die Spitze der preußischen Unterrichtsoerwaltung tritt.

Wahrend 1* Daher Stan Die Rechnur nöflen beim Rechn 1 Täubling

Albach, D

Kordd. Lloyd

Oberschles. Eisen-Industrie 100.50

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3% Portugiesen III 427° russ. Staatsaul. 190b 427° japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903

Mit skeptischem Lächeln wird man angesichts dieses Ministerschuos ' folgende Londoner Meldung " entgegen­nehmen :

Der Herausgeber der demokratischenReynolds New Papers", W. M. Thompson, welcher an dem neuerlichen Besuch der eng­lischen Journalisten teilgenommen hat, veröffentlicht jetzt in seinem Blatte ein Gespräch mit dem Fürsten Bülow, wonach derReichs - kanzler iljm die Veriicherung gegeben haben soll, daß nach seiner lleberzeugung ver Demokratie die Zukunft gehöre.

Die gesamte Berliner Presse beschäftigt sich lebhaft mit dem Ministerwechsel. Von liberaler Seite wird befürchtet, daß Herr von Bethmann-Hollweg eine schwere Erbschaft antritt.

DieKr e u z z tg." und dieDeutsche T a g es z tg." be­trachten den Wechsel im Kultusministerium nach wie vor als einen bloßen Personenwechsel, hervorgerufen durch das Alter des Herrn v. Studt. Demgemäß glaubt dieKreuz- ztg." zu der Annahme Grund zu haben, daß die Berufung des Herrn Holle in das Kultusministerium den in liberalen Kreisen an den Wechsel geknüpften Hoffnungen nicht entspricht. Den Rücktritt des Grafen Posadowsky führt dieKreuz- ztg." auf sozialpolitische Differenzen mit dem Reichs­kanzler zurück. Warmes Lob spendet dieDeutsche Tages- ztg." dem scheidenden Kultusminister.

Die Wahl des Herrn v. Bethmann-Hollweg als Staatssekretär des Innern bezeichnet die freikons.P o st" als glücklich. Er habe im Wahlkampf gezeigt, daß er die neue Politik von ganzem Herzen mitmacht. Gras Posadowsky sei besonders seit der Wand­lung im Reiche, die durch die Auflösung im Reichstage einge­treten ist, nicht mehr der geeignete Mann, um die Wege mitzu­gehen, welche die neue Politik erfordere. Dem Reichskanzler sei in manchen Blättern schon das Sterbeglöcklein geläutet worden, er habe aber auf der ganzen Linie gesiegt.

DieT äg 1. Rundscha u" führt aus: Dem Fürsten Bülow ist vor wenigen Wochen das freundliche Geschick widerfahren, daß ihn sein intimster poblizistischer Feind, Herr Harden, von dem gefährlichsten, weil einflußreichsten Mann der unver­antwortlichen Sippe, dem Fürsten Philipp Eulenburg befreite, und um so besseren Mutes konnte er nun daran gehen, die längst notwendig gewordene Vereinheitlichung seines Ministeriums ins Werk zu setzen. Das Ausscheiden des Grafen Posadowsky wird ziemlich allgemein Uls ein schwerer Verlust empfunden werden, aber diese berechtigte Würdigung darf nicht über die Erkenntnis hinwegtäuschen, daß gerade die Verabschiedung des Grafen Posa­dowsky eine dtotwendigkeit war. Seine Mithilfe bei der Bülow- schen Politik war nicht verdienstvoll, sondern schädlich. Tie- lolösche Ausgleichspolitik hat am 20. Juni Vertrauen im Lande gewonnen, da nunmehr jeder wissen kann, daß es dem Fürsten mit seinen Versprechungen gegenüber dem Liberalismus Emst ist (?) und daß er die Kraft in sich und den Rückhalt am Kaiser hat, sie durchzusutzen.

DieN at. - Z1 g." sieht in der Abberufung des Kul­tusministers eine neue Niederlage des Zentrums. Was den Grafen Posadowsky betrifft, so meint sie, den Stein ins Rollen gebracht hat offenbar die Frage, daß das Vizepräsi- dium des preußischen Staatsministeriums neu besetzt werden sollte. Auf diesem Posten war der Vertrauensmann des Zentrums hin unmöglich, wenn nicht die ganze Block-Politik in die Brücke gehen sollte. So ist Graf Posadowsky gefallen als ein spätes Opfer des Bruches mit dem Zentrum.

DieGermania" schreibt: Da haben toir also die Auf­klärung Darüber, was der kritische Tag erster Ordnung in Kiel gebracht hat. Vielleicht ist es auch nur die erste Aufklärung über dieVeränderungen persönlicher und organisatorischer Natur" in der Reichs- und preußischen Staatsverwaltung, der dem- wächst -oeitere Veränderungen sorgen werden. Es dürfte wohl allgemein und vielfach sehr schm.L.rzltch überraschen, daß der Staatssekretär Graf Posadowsky der Krisis zäm Opfer ge­fallen ist. Aüs allem geht zur Genüge hervor, daß Graf Posa- dowskyaufpersönlichenWunfm-deZFürstenBÜlow gestürzt worden ist. ßcin SysiemwecksU. heoeu^t die Personal-

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Evangelische Gemeinde.

Mittwoch den 26. Juni: Ausflug der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinve nach Bubenrod.

Abfahrt des Extrazuges der Biebertalbahn nachmittags

2 Uhr.____

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Arbeitsbeschret Einsicht der Jntere nMich, find bis Zuschlagsfrist 14 2

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hältnisse. 8. Vorstellung der.Feldschützen der Kreise arm. stadt, Bensheim und Dieburg, betr. Regelung ihrer Gehalts- Verhältnisse. 9. Vorstellung des Vorstandes der Vereinigung mittlerer Baubeamten, betr. die Dienstverhältnisse der Krcisstraßenmeister. Auch bereits früheren Landtagen lagen Vorstellungen gleichen Inhalts verschiedener Kom- munalbcamtenkategorien vor, ohne daß dieselben zu^eincr Erledigung gekommen wären. Nach dem derzeitigen Stand der Ausschußberatr.ngen über die Reform der Verwaltungs­gesetze dürfte die Befürchtung gerechtfertigt erscheinen, daß der dermalige Landtag diese Vorlage nicht mehr erledigen werde und damit auch vorstehende Vorstellungen nicht zur Beratung gelangen möchten, obschon die Regelung der Kom­munalbeamtenfrage zweifellos im Interesse der betreffenden Kommunalverbände und der beteiligten Beamtenkreise liegt und aus Gründen der Ordnung und Gerechtigkeit als dringendes Bedürfnis anerkannt werden muß. Die Inter­pellanten halten es daher für zweckmäßig und notwendig, daß die Materie, losgetrennt von den Beratungen über die Verwaltungsgesetze, in einem besonderen Gesetzentwurf den Landständen zur Beratung und Beschlußfassung als­bald vorgelcgt wird und auf diese Weise zur Erledigung gelangt. Sie richten hiernach an Großh. Regierung die Anfrage:Ist die Großh. Regierung gewillt, alsbald den Landständen einen Ge setze ntwurfüberdieRege- tung der Anstellungs- und Gehaltsverhält­nisse der Kommunalbeamten (Kreis- und Ge­meindebeamten) vorzulegen?"

** Gemütvoll. Ein in einer benachbarten Stadt erscheinendes Blatt enthielt in seiner Nummer vom 11. Juni folgendes, auf das damals bevorstehende Kaiserpreisrennen bezügliche Inserat:

K a i s e rp r e is r en n en! Ter schönste, interessanteste Platz, das Rennen anzusehen und zu beobachten, ist unstreitig die ft a n o n e n c cf e bei ftubach, weil daselbst schon zwei Renner ein und dieselbe Telegraphen st ange ivegiegten, wie ab­rasiert, und noch mehrere andere Schiffbruch litten. Man tann da sehen, wie sie von Weilburg herauskommen, die beiden Kurven nehmen (bei Grube Allerheiligen und an der Kanonenecke) und noch em großes Stück nachsehen. Daselbst sind noch Sitzplätze zu 1 Mark zu haben. Reservierte Plätze entsprechend mehr. An- inclbimgen nebst genauer Adresse. Später als Mittwoch nach­mittag 4 Uhr entlaufende können nicht mehr berücksichtigt werden. Näder und Autos können aufbewahrt werden. Hochachtungsvoll W. Albtshausen. ftubach b. Weilburg, 10. 6. 07/

X Klein-Linden, 23. Juni. Gestern fanden Land- wirte auf der Straße nach Wetzlar ein führerloses Bäcker­fuhrwerk. Von dem Fuhrmann fand man keine Spur, obwohl man das nahe Wäldchen stundenlang absuchte. Das Fuhrwerk wurde auf die hiesige Bürgermeisterei und dann nach Wetzlar gebracht. Es stellte sich heraus, daß der Kutscher einen größeren Betrag Kundengelder in Garbenheim ein- getrieben hatte und damit flüchtig gegangen ist.

Lollar, 23. Juni. In unserem Jndustriedorfe fand heute das sozialdemokratische Kreisfest für den Reichstagswahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda statt, verbunden mit der Fahnenweihe des Gesangvereins ^Vorwärts". Die Festrede hielt Stadtverordneter Dr. Quark aus Fankfurt a. M. Das Kreisfest war von den Genossen des gesamten Wahl­kreises, namentlich aber von Gießen und den umliegenden Jndustriedörfern sehr stark besucht. Besonders zahlreich hatten sich die streikenden Tabakarbeiter und Arbeiterinnen ein­gefunden. Von Gießen und dorthin zurück waren mehrere Extrazüge eingelegt.

Kassel, 22. Juni. Der gestrige Gewitter sturm hat größeren Schaden in Kassel und in der Provinz ver­verursacht. Nach Meldungen aus dem Fuldatal, der Werra­gegend, der Oberweser und aus dem Rhöngebiet wurden von Gebäuden die Dächer abgerissen und große Verwüstungen in den Wäldern und Obstplantagen angerichtet. Zahlreiche Baumriesen wurden entwurzelt, auch viel Kleinvieh getötet.