•Urettct feiner Lebensunberhcckt en3 ben Mitglied^rbeittägen und bem Erlös der verkauften schürften. Seine Familie üt der öffentlichen Armenpflege anheimgefallen.
Braunfels, 22. Mai. Man hat jetzt endlich sämtliche .von der Stadt in die umliegenden Waldungen führenden Landstraßen mit Mleebäumen (Kastanien, Ulmen oder Pappeln) be- vflanzt. Ferner wurden gegen 100 Wegweiser angebracht. Dank des Geldgeschenkes von 600 Mk, das der Taunus-Stammklub Franksurt für einen Aussichtsturm auf dem „Rem ieschen" gestiftet, konnte dieser zur Ausführung gebracht werden. Er hat. den Namen „Kaiser Wilhelm Warte" erhalten und gewährt einen herrlichen Rundblick über die ganze Umgegend. Ein mächtiger Felsblock im „Hcsberg-Walde" trägt seit kurzem die Inschrift „Bismarck".
= Herborn, 22. Mai. Nachdem der Landesausschuß die Entscheidung gefällt hat, daß unser Dillstädtchen die dritte Landes-Jrren-Heil- und Pflege-Anstalt erhält, sind die Vorarbeiten zu diesem großartigen Unternehmen eifrig betrieben worden. Herborn hat sich erboten, an der Straße nach Merlenbach, an dem „Rehberg" 190 Morgen städtisches Gelände kostenlos abzutreten und weitere 310 Morgen links von dieser Straße in der „Au" käuflich zu erwerben und sie zum Preise von 12 Mk. pro Rute zur Verfügung zu stellen. Außerdem hat die Stadt ein neues Wasserwerk mit Purnpenshstem zugesichert, welches täglich 300 Kubikmeter Wasser liefert. Die erste Belegung der Anstalt mit einigen Hundert Geisteskranken ist in etwa 4 Jahren vorgesehen. Tie Anstalt soll nach und -nach erweitert werden bis zur Höchstaufnahmefähigkeit von 2000 Personen.
Marburg, 22. Mai. Als sich der 8.55 morgens hier eintreffende Personenzug Nr. 774 heute zwischen Wabern und Singlis befand, wurde er plötzlich durch die Notbremse zum Halten gebracht. Zwei Kinder im Alter von drei und zwölf Jahren, die sich in Begleitung ihrer nach Frankfurt reisenden Eltern befanden, waren aus dem Zuge gestürzt und hatten sich schwere Verletzungen, hauptsächlich am Kopfe, zugezogen. Das Unglück war jedenfalls dadurch erfolgt, daß die Kinder, die sich an die Coupeetür gelehnt hatten, diese öffneten, ohne daß es von den Mitreisenden bemerkt wurde. Im Packwagen wurden die Kinder nach Borken zum Arzte geschafft. (Heff. Landesztg.)
Arbeiterbewegung»
Berlin, 22. Mai. Heute vormittag begann die erste Kontrolle der 2lu§ge sperrten i in Baugewerbe. Die Zahl der Ausgesperrten dürfte 30 000 bei weitem übersteigen. Ein Teil der Firmen hat aber nur teilweise die Aussperrung, durchgeführt. Hier wurde von Arbeitnebmerseite sofort eingegriffen, um die Weiterarbeitenden zur Arbeitsniederlegung zu beroegen. Ein anderer kleinerer Teil läßt weiter arbeiten. Gegen diese Firmen wird vorläufig von den Arbeitnehmern nichts unternommen. Beschlüsse werden erst Ende der Woche hierzu gefaxt werden.
Gebührenordnung für die städtischen Kanäle.
Von Rechtsanwalt Raab, Gießen.
Der städtische Voranschlag für Gießen, den der „Gieß. Anz." kürzlich mitteilte, sieht unter der Rubrik „Kanäle" in Einnahmen 50 356 Mk. gegen vorjährige 15 000 Mk. vor: in dem Betrag von 50 356 Mk. sind enthalten 50 000 Mk. „Gebühren auf Grund der noch zu erlassenden Gebührenordnung". 50000 .Mk. hofft man also von den lern 1. A-pvil 1907 bereits angeschlossenen Anwesen im Lauf des jetzigen Budgetjahres an Gebühren zu erhalten, und die 15 000 Mk. sollen wohl den Betrag darstellen, den man im Jahr vorher als mutmaßlichen Eingang erwartete, also für die Anschlüsse, die vor dem 1L April 1907 JcrtiggefteHt waren, je nach dem Bruchstück der Zeit bis zum Schlüsse des städtischen Finanzjahres. Wie mm ein ül>erängstlichcr Mieter aus diesem städtischen Voranschlag herauslesen tonnte, daß die Stadt aus den Kvnalgebühren im laufenden Jahr, oder schon lütt Jahr vorher einen Uebevschuß von 50000 Mk. erzielen wolle, oder erzielt habe, das ist ein Rätsel, es ist aber charakte- jristisch für die Unkenntnis über das was die Stadt überhaupt an kufenben Anlagezinseir' und dauernden Unterhaltungskosten sür den uns allen teuren Kanal aufbringen muß, es ist aber ^zugleich eines von vielen Symptomen, die in Mieterkrnsen -ein Äerrso merkwürdiges wie unnötiges Alpdrücken, vielleicht auch -eine brivußte Aufhetzung und Quertreiberei verraten.
(Ssi ist ja nicht zu leugnen, daß die „Gebührenordnung für die Benützung der städtischen.Kanäle, jbie inzwischen im Rahmen des Berichts über die Sitzung der Stadtverordneten vom 11. April d. Js. im „Gieß. Anz." zum Albdruck und damit in zunächst noch nicht offizieller Weise zur -Kenntnis des Publikums gebracht worden ist, keineswegs zur 'Aufklärung und Beruhigung der Einwohnerschaft beigetragen Mt. Man hat wohl allenthalben versucht, in ihre Geheimnisse einzudringen. Auch der Hausbesitzerverein hat sich in einer Vorstandssitzung eingehend imb sachlich mit den Bestimmungen der Gebührenordnung beschäftigt. lieber die Stellungnahme des -ZÄrstandes soll hier das Wesentliche kurz mitgeteilt werden.
Wenn, man es auch ablehnte, gegen die prinzipielle Regelung, die nun der überaus schwierigen Materie seitens der Stadtvertretung geworden ist, anzulaufen, Petitionen loszu- lassen, die Oessentlichkeit zu beunruhigen und für lueiterz Aufregungen immer neue Nahrung zu bieten, so wurde doch übereinstimmend zum Ausdruck gebracht, daß selbst die Aufbringung der Mittel durch Erhöhung des Steuerzuschlags allein, trotz -aller dagegen geäußerten Bedenken, nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen gewesen wäre, daß ferner in der neuen Gebührenordnung eine Anzahl Härten und Schwierigkeiten liegen, deren Beseitigung oder Besprechung doch im allgemeinen Jn- iteresse angezeigt sei.
Tie prinzipielle Bestimmimg des' Ausschlags auf die Anwesen, einschließlich Gärten, unter dem Begriff der „wirtschaftlichen Einheit" (tz 1) hat vielfach Bedenken und Unwillen hervor gerufen. Der Kanal nimmt nicht das Regenwasser auf, jdas in den Boden der Gärten sickert; es ist deshalb die Heranziehung der Gärten ungerecht und der Satz von 3 V2 Pfg. pro Quadratmeter gekünstelt. Wenn es nicht viel ausmacht, wozu diese komplizierte Berechnung. Man hat besänftigen wollen mit dem Hinweis, daß die Gärten, bei denen das nicht ganz billig erscheine, in steuerkräftigen Händen seien. Dies ist jedoch nur teilweise zutreffend, außerdem eine merkwürdige Begründung ! Daß aber viele hochrentable Geschäftshäuser mit geringer Fläche und nichtigem Brandkatasterwert auf diese Weise unverdient gut dabei weg kommen, hat mpn nicht bedacht.
Weshalb wieder anderseits der Eigentümer eines leer stehenden Hauses allein die Gebühren bezahlen soll (§ 2) und entsprechend auch natürlich fiir einen Teil des Hauses, oder einer Wohnung der bett. Benutzer, menn seine Wohnung zum Tell unbenutzt ist, erscheint unverständlich und nach keinem Gesichts- puntt zu rechtfertigen. „Benützt" werden dann doch die städtischen iKanäle nach Maß des Leerstehens nicht, und Vorteil kann der Eigentümer von leer stehenden Wohnungen auch nicht haben, selbst Unterhaltungskosten bleiben nicht ganz aus. Man glaubte mit dieser Bestimmung der Ueberproduktwn an Neubauten einen Riegel vorschieben zu können. Als ob sich dieses nicht von selbst korrigierte und seine (Grenze schließlich doch immer wieder -im Bedarf und in der Beschränkung der Baugelder durch teuren Geldstand, durch l>ohe Arbeitslöhne, Wertzuwachssteuer und dev- -gleichen fände! Hat aber nicht gerade die Mehrzahl der Stadtbewohner und bic Stadt selbst den Vorteil von reichlichem .'Wohnuugsaiigebvt? Man sollte das Bauen nicht immer mehr erschweren. Man könnte aber in ueuentsteheuden Straßen die gesamte Wetterführung des Kanals, ähnlich wie Sttaßenkostrn- ixeiträge, aus bic, bett. „Bau spe kn lauten" ausschlagen, wenn .man dies für nötig und aussichtsvoll hall und nicht gellen läßt, daß jene doch nicht Häuser bauen, um1 sie leer ste^n zu Haffen.
Bon der Bestimmung im § 3, wonach die Eigentümer schriftlich erklären tonnen, „der Bürgermeisterei gegenüber die Zech-
llmgspflicht für die ganze Liegenschaft übernehmen" zu wollen, „womit die übrigen Inhaber Don ihrer Zahlungspflicht befreit werden", darf man sich keinen großen .Gebrauch versprechen. Man glaubt damll den juristischen Bedenken begegnen zu können, daß der Eigentümer, wenn er sich nicht schriftlich als Bürge verpflichte, nicht nebelt dem Benutzer haftbar gemacht werden könne. Es mag dahin gestellt fein, ob nicht die statutarische Bestimmung eines Kvmmunalgesetzes solche Verpflichtungen gültig anserlegen kann, jedensallls ist es dann vom Standpunkt der Gebühreiwrdnung auffallend imd bedenklich, daß Wan für die Zeit vor dem 1. April 1907 den Eigentümer allein, der sich für eine zurückliegende Zeit schriftlich nicht verpflichtet hat, schlechterdings haften lassen will (§ 4).
Diese Bestimmung der rückwirkenden Kraft (§ 4), zurückdatiert nämlich auf den 1. April 1906, beginnend „mit dem 1. des auf den Anschluß 'folgenden Monats", hat wohl die größten rechtlichen und sonstigen Bedenken erweckt. Ein Teil der Stadtverordneten muß sich wohl über die Tragweite dieser Bestimmung nicht klar gewesen sein und hat gedacht, daß die Stadt vor dem 1. April des laufenden Steuerjahves überhaupt keine Kawalgeb>"'hren erheben werde und dm Ausfall einfach in dem Steuersäckel suche. Ans der Gebührenordnung ist doch wohl das Gegentell zu entnehmen, nämlich daß die Stadt den Versuch machen wird, vom Anschluß an ein Entgelt an sich zu ziehen. 9(n sich ist verständlich, wenn man sagt, durch den Anschluß spart das betreffende Haus^ die Abfuhv- kosten, also muß es von diesem Moment an der Stadt für diese Ersparnis oder für diese Leistung eine Gegenleistung gewähren.
Man übersieht aber hierbei, daß "bie Sätze der Gebühren- Ordnung weit höher sind als die Mifuhrkosten, die bei einem Haus mit Klosettspülung und drei mittleren bis großen Wohnungen 40 bis 60 Mk. pro Jähr betragen haben, daß ferner die Verzinsung der Installation in den Häusern diese Gegenleistung aushebt, einer Installation, die überdies durch peinlich genaue Vestimmugen und den Zwang, der hinter der Ausführung stand, einer großen Anzahl von Hausbesitzern allzu große Opfer auferlegte, ofme ihnen im Vergleich zu den bisher schon bestandenen Einrichtungen einen wesentlichen Fortschritt zu bieten, abgesehen von den Anwesen natürlich, wo der Zwang mit altem Schlendrian und geradezu gemeingefährlichen Zuständen gründlichst aufräumt. Weil aber dies die Allgemeinheit angeht, trotz der Opfer, die der Einzelne bringt, soll man von der Rückwirkung absehen. Und wenn doch nun einmal Rückwirkung, warum bann nur den Eigentümer hasten lassen!
Ist dies nicht ein Durchbruch des Prinzips, das den Vorteilen der Allgemeinheit auch die Opfer jedes Einzelnen, der an diesen Vorteilen Anteil hat, gegenüberstellt und das schließlich trotz allem Beiwerk in der Gebührenordnung zur Geltung gekommen ist? Wenn man schon für die Zeit vor dem 1. April 1907 Beiträge erheben will, dann erhebe man sie auch für diese Zell, geradeso wie für später, direkt von den „Benützern", und wo Leute verzogen, nnpfäudbar ober sonst schwer zu erreichen sind, da muß der städtische Steuersöckel den Ausfall aufbringen. Ausfall wird es immer geben, auch für bie Folgezeit.
Nach § 5 sind auch Veränderungen des Mietwerts anzu- zeigen. Die Gebühren-Ordnung hat sich hier überhaupt den Vorteil entgegen lassen, von Steigerungen der Miete jeweils auch die Gesamtheit der Einwohner profitieren zu lassen, wenn man die Bellräge nach Prozenten der Miete festgesetzt hätte. So hat man aber den Flächengehalt, eine starre Größe, und den Brandkatafterwert, der auch nicht höher wird, zugrunde gelegt und dadurch — abgesehen von hinzutretenden Neubauten — schon jetzt einen unveränderlichen Maximalrahmen für die Gesamtsumme aller Gebühren geschaffen.
So sehr die Bestimmung des' § 7 schließlich im ganzen zu billigen ist, der kleine Wohnungen entlastet, so wirft doch die Mindestgebühr von 2.40 Mk. bezw. 6 Mk. bie ganze Kalkulation mit 3 l/2 Pfg. pro Quadratmeter und 2 %o des Brandkatastev- werts wieder über den Haufen. Oder man muß auch hier den Ausfall wieder dem Steuerzahler auferlegen.
Daß begüterte Studenten und gut situierte Junggesellen diese Vergünstigung der herabgesetzten Minimalgebühr genießen, ohne ihren wirtschaftlichen Verhältnissen nach moralisch einen Anspruch darauf zu haben, das entspricht wohl nicht unserem in der modernen Zell „geschärften sozialen Gewissen".
ZehnteGeneralversainmlung des Allgemeinen deutschen LehrerinuenvereinS in Mainz.
Ter Allgemeine deutsche Lehrerinnenverem, der mit seinen ca. 22000 Mitgliedern die größte weibliche Berufsorganisation in Deutschland barstellen bürste, vereinigte in diesem Jaho: ca. 190 Delegierte und viele Hunderte von Mllgliedem zur Generalversammlung in Mainz. Im Auftrage der hessischen Regierung wurde bie Versammlung begrüßt von Direktor Dr. Röm- helb, im Auftrage der Provinzialdirektion von Regierungsrat Krug vonNibda. Im Auftrag ber Stadt Mainz sprach Obev- bürgermeifler Dr. Gö11elmann, ber in den Bestrebungen der Lehrerinnen einen Teil des Emanzipationskampfes der Frau sah, sofern dieser Kampf auf der gesunden Grundlage der Ausbildung der weiblichen Persönlichkeit zu ihren speziellen Kulluv- aufgaben beruht. Im Auftrag des hessischen Oberlehrervereins begrüßte Prof. Dr. Ledroi t, iw Auftrag des Mainzer Lehrervereins Lehrer Bach die Generalversammlung. Den Schluß der Begrüßungen bildete die Ansprache der Vorsitzenden b®f Verbandes Mainzer Frauenvereine, Frau R 0 e s e n e r.
Nachdem die Schriftführerin Fräulein FebronieRommel einen Bericht über die vielgestaltige Arbeit der Zweigvereine erstattet hatte, schritt m!an zur Verhandlung des Hauptthemas 7 „Die Möglichkeit einer Schulorganisation nach Fähigkeitsklasse n". Die Hauptreferentin, Fräulein Maria Zeutmaher -Mannheim, führte folgendes dazu aus:
Die höchstbedauerliche Tatsache, daß die Schule 50 Pr 0 z. ihrer Schüler entlaßt, ohne sie arbeitsfähig und arbeitsfreudig gemacht zu haben, veranlaßte Untersuchungen nach den Ursachen des Mißstandes, und diese wurden gefunden in zu hochgesteckten Lehrzielen, ungeeigneten Methoden und zu starker Besetzung der Klassen. Wissenschaftliche Forschungen bestätigten nun die Erfahrung, daß eine weitere .Hauptursache des Mißerfolges, der Schularbeit in der außerordentlichen Verschiedenheit, die gleichalterige Kinder in ihrer Befähigung für die Schullftbell aufweisen, zu finden ist. Diese Einsicht verlangt eine Individualisierung int Unterricht, die nur erfolgreich durchgeführt werden kann, wenn die ganze Masse der Schüler nach ihrer natürlichen Leistungsfähigkeit gruppiert ist, also neben der Höhengliederung nach Jahreskursen eine Brellengliederung innerhalb der Parallelabteilungen der einzelnen Klassenstufeu vorgesehen wird. Der Beweis für die Möglichkeit einer solchen Organisation wurde zuerst erbracht in der Durchführung des Svnderklassensystems der Mannheimer Volksschule. An ihr bestehen neben den Haupt- klassen für gutbefähigte, Förderklassen für mäßig schwache und unregelmäßig geförderte — und Hülfsklasseu für krankhaft schwache Schüler. Dadurch ist die Mannheimer Volksschule inftanb gesetzt, jedes Kind einen seinen Fähigkeiten entsprechenden Bildungsgang durchmachen zu lassen. Gegemoärtig erreicht die Mehrzahl ber bie Färber klassen bevölkernden Kinder — dank ber ihnen zuteil werdenden fürsorglichen Behandlung — eine Oberklasse, sodaß in Mannheim keine Kinder mehr ans den unteren, kaum mehr aus den mittleren Klassen entlassen werden. Die Erfahrung hat bewiesen, daß eine solche Schulorganisation nach Fähig kellsklassen für Lernende und Lehrende überwiegend Vorteile bietet.
Als Korreferentin beleuchtete Fräulein We n b I i n g, Leiterin einer städtischen Mädchenmittelschule in Mülhiufen, die Schattenseiten des Mannheimer So über klassen ft) fte ms. Sie sah Gefahren in erster Linie in der Zentralisation, die das' Mannheimer System voraussetzt. Es wird dadurch der persönliche individuelle Cha- ratter ber einzelnen Schule zerstört und der Lehrer in ber Ausprägung seiner Persönlichkeit im Utllerricht gehemmt. Eine rceitere Gefahr liegt in dem häufigen Klasseuwechftl der Kinder uni> bem damit verbundenen tz e r ansg Griffen werden aus dem Stamerabenfreis und ber gewohnten Umgebung. Eine dritte schließlich in der Einschätzung der Müder nach 'rein lllleÜellua--
listischen Maßstäben. Die Korreferentin meinte,, daß dem R> petenkenmißstand vor allem dittch Lehrplanreformen begegnet werden könnte, hält aber auch das Mannheimer System trotz seiner Mängel für einen dankenswerten Versuch, dessen Ausgestaltung, wenn auch in modifizierter Form, Wünschenswert sei. Als erster Diskussionsredner kam Stadtschulrat Dr. Sickinger zum Wort, der die an dem Mannheimer System hervorgehobenm Gefahren teils als nicht vorhanden, teils für vermeidbar erklärte. In der Diskussion, die sehr lebhaft war, mürbe außer ben von der Korreferentin angeführten Bedenken noch die Gefahr betont, daß die Sonderung nach Schulleistungen zugleich eine Sonderung nach sozialen Lebensverhältnisfen darstellen und damit antisozial wirken könnte, ein Bedenken, gegen das sich besonders das Schlußwort der Referentin richtete. Die Versammlung kam in der Ansicht überein, daß das Mannheimer System ein wertvolles, organisatorisches Mittel zur Lösung der sozial-pädagogischen Aufgaben der Volksschule fei, aber als ein erster Versuch zur Differenzierung ber Schüler nach ihren feiten ber weiteren Ausgestaltung und Modifikation bebürfe.
Vermischt«».
* Berlin, 22. Mai. Eine e infache unb würdige. Gedenktafel für Eugen Richter, die der Arbeitsausschuß für ein Richter-Denkmal in Bronze hat gießen lassen, ist an seiner früheren Villa in Groß-Lichterselde-West durch ihren jetzigen Besitzer, einen Verehrer Richters, angebracht toorben. Die Gedenktafel trägt die Inschrift: „Hier wohnte der Abgeordnete Eugen Richter vom 28. August '1901 bis zu seineni Tode am 10. März 1906. Seine hohen Verdienste, sein selbstloses Wirken würdigte auch ber Gegner. Sein Andenken wird fortleben alle Zeit."
* Kleine Tageschronil Ein wütender Ehemann in Sittendorf (Thür.) warf seiner Frau die brennende Tischlampe ins Gesicht. Die Lampe explodierte und die Frau erlitt so schwere Brandwunden, daß sie unter großen Schmerzen starb. — InWien ist ein Eilgüterzug auf einen im Bahnhof haltenden Personenzug aufgefahren. 23 Passagiere wurden verletzt. — Am 2. Pfingsifeiertag beging der Schieferbrucharbeiter Neupert in Röttersdorf bei Schleiz (Neuß) seine Hochzeit. Auf dem Wege von der Kirche zu Osla zurück nach Röllersdorfs wurde dem Unfug des Hochzeitsschießens gehuldigt; ein Revolver versagte. Einer ber Trauzeugen hantierte mit dem Revolver, wobei sich die Waffe entlud. Die Kugel traf den ledigen Wirtschaftsgehülsen Haas, der den Hochzeitswagen führte, in ben Kops und tötete ihn sofort. Tie Pferde wurden scheu, gingen durch und warfen den Wagen um, wobei die Insassen herausgeschleudert wurden; viele wurden verletzt. — Aus der serb. Stadt Poschareeatz wird gemeldet, daß gestern im Dorfe Breschan über 20 Frauen darunter welche mit Säuglingen ein Fahrzeug bestiegen, um über den hochangeschwollenen Horava zu setzen. Das Fahrzeug kenterte, sämtliche Insassen ertranken. — Die Stadt $0 btt ne in der nördlichen Mandschurei ist durch eine Feuersbrunst zerstört worden. 435 Wohnhäuser sind ein Raub der Flammen geworden. 25 P et> s 0 n e n und 2000 Stück Lastoieh sind u ut g e k 0 m m e n.__________
Eittgsjanvt.
(Für Form unb Inhalt aller unter bleier Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Redaktion dein Miblikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Sie teilten einen Antrag des Landtagsabg. Köhler mit, der darauf abzielt, eine Regelung der Fahrpreise für Schüler unb Lehrer bet Klassenausflügen zu treffen und zwar unter Hinweis auf die günstigen Ergebnisse der Eisenbahngemeinschaft und eine in Oesterreich neuerdings eingeführte Bestintmung. Der Antrag ist gewiß gut gemeint, aber überflüssig, denn im Gebiete der preußisch-hessischen Bahngemeinschast zahle« schon seit langer Zeit Schüler über 10 Jahre nur die Hälfte des Fahrpreises nnd Schüler 0011 6 bis 10 Jahren nur ’/< des gewöhnlichen Bettages. Wir brauchen also Oesterreich nicht nach- zttahmen. Der Wunsch, den Volksschullehrern bei Schulausflügen freie Fahrt zu gewähren, wird wohl einerseits wegen der Gering- sügigkeit der hierfür notwendigen Ausgabe, andererseits weil eine solche Ausnahmestellung stark nach dem vor 100 Jahren bestehend«, Wandelfreitisch riecht, von bem Lehrerstande nicht geteilt; denn man verlangt da nur ausreichende Bezahlung, nicht aber besondere kleine Vergünstigungen.
BriefktÄstender
(Anonyme Einsendungen bleiben unberücksichtigt.)
G. Sch. in L. Besten Dank! Zum Abdruck jedoch nicht geeignet.
' - -'1! . -■ - -.....- —. ■ - n
Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- nnd Brotpreise am 22. Mai 1907.
Höchste Schlachtviehpreise in F r a n k f u r t a. M.
Fleischpreise in Gießen
Ochsen
Kälber Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 78—82 Mk.
'/, Kg. Schlachtgew. 92—97 Pf.
V, „ 55-00 „
V, Kg- 82-88 Pfg.
V, v 80—84 ,
V, „ 64-76 „
Getreidepreise in Mannheim
Brotpreise in Gießen
Weizen 100 Kg. 00.00- 00.00 Mk.
Roggen 100 Kg. 00.00-00.00 Mk.
Weißbrot 2 Kg. 58 Pfg.
Schwarzbrot 2 Kg. 54 Pfg.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 21. Mai. Heu- und Stroh- mar k t. Man notierte: Heu Mk. 3.10 bis 3.30, Stroh war nicht angefahren.
Limburg a. d. L., 22. Mai. Fruchtmarkt. Durchschnitts- presse pro Malter. Roter Weizen (Nassauischer) 00.00 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 15.30 Mk., Gerste 00.00 Mk., Hafer 9.50 Mk. Erbsen 0.00 Mk„ Kartoffeln 0.00 Mk.
Telefonische des Giessener Anzeigers, mitg< und Indnsti Frankfurter Hör» 3J4*/0 Reichsanleihe . . 94.15
3% do. . . 83.60
3^e/o Konsols .... 94.15 ‘6% do.....83.75
3%°/0 Hessen . . . 93.45
3%°/. Oberhessen . . . 94.00
4% Oesterr. Goldrente. . 99.40 4x/e % Oesterr. Silberrente 99 55 4% Ungar. Goldrente . . 93.85 4% Italien. Rente . . . — «—
3-6 Portugiesen Serie I . 67.70 3-6 Portugiesen „ III 68.50 4^6°/e ru33.Staatsan]. 1905 91.20 4%°Jn japan. Staatsanleihe 93.25 4% Conv.Türken von 1903 93.70 Türkenlose ... . - 139.40
4% Griech. Monopol-Anl. 50J.0 4% äussere Argentinier 84.00 3°/0 Mexikaner . • . 65.00
4 >s°/0 Chinesen .... 96.70
Aktien:
Bochum Guss..... 225.00
Buderus E. W .... —.—
Tendenz: fest.
Berliner Börse, <
Canada E. B......171.60
Darmstädter Bank . . . 130.60 Deutsche Bank .... 225.90 Dortmunder-Union 0. . . 75.40 Dresdner Bank .... 142,10 Tendenz -. fest.
Kursberichte
teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.
e. 23. Mai. 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmeyer . . . 126.30 Elektriz. Sebuckert . , . 110.00 Eschweiler Bergwerk . 225.70 Gelsenkirchen Bergwerk . 196.50 Hamburg-Amerik. Paket!. 129.90 Harpener Bergwerk. . . 206.90 Laurahütte...... 227.20
Nordd. Lloyd .... 116.80 Oberschles. Eisen-Industrie 110.00 Berliner Handelsges . . 152.40 Darmstädter Bank 130.60
Deutsche Bank . . . 226.20
Deutsch-Asiat. Bank . . 169.00 Diskonto-Kommandit. . . 169.70 Dresdner Bank . . . 142.20 Kreditaktien..... 207.00
Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn . . . 95.20
Gotthardbahn . . . . —.—
Lombard. Eisenbahn . . 21.60 Oesterr. Staats bahn . . . 144.90 Prinee-Henri-Eisenbahu . 136.00
3. Mai. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 206.70 Laurahütte .... 226.70 Lombarden E. B. ... 21.90 Nordd. Lloyd.....116.70
Türkenlose . . ... 139.90


