Ausgabe 
23.5.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 118 Zweites Blatt 157. Jahrgang

Donnerstag 33. Mai 1907

Lrfchetnl täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener LamiltenblLNer" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Ureirblatt für Öen Kreb Gietzen" zweimal wöchentlich. DerHelfisch« £an6u>irt" erscheint monatlich einmal.

Giehener Anzeiger

Seneral-Anzeiger für Cverhesien

SiotattonSdruck und vertag der vr üblichen UnwerfuLtS - Buch- und Swmdruckerel.

3t Laag«. Dietzen.

Redaktion, Lxvedition und Druckerei: Schul- stratze 7. ExpediNoa und Vertag i M- Redaktion: 112. Tell-Adra An-eigerDretzea.

UMJK poleti|d?c Lagesschar».

DaS neue Kolouialamt.

Die vom Kaiser am Pfingstfest vollzogenen Ernennungen haben teilweise einige Ueberraschung hervorgerufen. Es ist richtig, daß die Anwärter für derartige Stellen recht dünn gesät sind und daß es leicht ist, Kritik zu üben, aber man kann sich doch gegenüber der Besetzung zweier eminent wichtiger Posten eines gewissen Bedenkens nicht erwehren. W muß dahin gestellt sein, ob es zweckdienlich war, Herrn von Lindequist aus Südwcstafrika, wo ge­rade setzt große und schwierige Aufgaben der Lösung harren, akftuoerufen, da der Genannte hierfür recht geeignet schien und obendrein uneingeschränktes Vertrauen genoß; man wird vielfach der Meinung sein, daß es wichtiger gewesen Ware, eine hervorragende Persönlichkeit im Schutzgebiet zu belassen, anstatt ihn an den grünen Tisch zu berufen. Dieser Einwurf hat viel für sich, wenngleich man den Wunsch DcrnburgS verstehen kann, als seinen Vertreter und Haupt­berater eine Persönlichkeit um sich zu haben, welche mit den Dingen an Ort und Stelle genau vertraut ist. Insofern kann man der Berufung Lindeguists eine gewisse Berechti­gung nicht absprechen; anders steht es dagegen mit Der Wahl seines Nachfolgers. Herr von Schuck mann hat allerdings im Kolonialdienst schon früher gestanden, in­dessen kennt er nur Kamerun aus einem halbjährigem Auf­enthalt aiö Vertreter des Gouverneurs, und man muß sich daher fragen, ob er für die völlig anders gearteten Ver­hältnisse in Südwestafrika auch die geeignete Persönlichkeit ist, trotzdem er einige Zeit als Generalkonsul in Kapstadt tätig war, was wohl für seine Ernennung in der Hauptsache den AuSschlag gegeben haben mag. lleberdies ist Herr von Schuck mann seit einer Reihe von Jahren außer Dienst uni> man wird ihn nach alledem in der Kolonie mit ziem­lich gemischtem Gefühl aufnehmen. Dazu kommt, daß Herr von Schuckmann auf dem äußersten Flügel der Konser­vativen steht und durch eine Kapuzinade gegen das Nacht­leben Berlins sich nicht gerade mit Ruhm bedeckt hat; eine so prouunzierte Persönlichkeit auf einen höchst verantwor- tungsvollmr Kolonia.lpost.cn zu stellen, muß and politischen Gründen einiges Befremden erregen, weil es doch im Hru- blick auf die Parteikonstellation im Reichstage nicht an­gängig erscheint, die Linksliberaleu gerade aus kolonialem Gebiete, für dessen Hebung sie jetzt freudig Mitarbeiten, vor den Kopf zu stoßen. Im Interesse unseres kolonialen Lebens wäre es erfreulich, wenn Herr von Schucknumu durch seine Amtsführung die gegen ihm aufgetanchten Bedenken glänzend widerlegen würde.

Mit den sonstigen Ernennungen dagegen kann man sich einverstanden erklären. So ist Geheimrat Conze zum Direktor befördert worden, um die unter den Vorgängern recht verworrene Finanzwirtschast einer umfassen­den Reform zu unterziehen. Weiter wurde der Vortragende Rat der Bergverwaltung entnommen, weil speziell in Südwestafrika dieses Zweig noch eine bedeutende Rolle spielen dürfte. Ebenso ist auch die Bauverwaltung im Hinblick auf die wichtigen Aufgaben des Eisenbahnbaues nicht unvertreten geblieben. Vor allem hat bei der Aus­wahl der Kandidaten die Kenntnis kolonialer Dinge den Ausschlag gegeben, indem nur solche Persönlichkeiten be­rufen worden sind, welche die Kolonien sowie den Aus­landsdienst aus mehrjährrger Erfahrung kennen; selbst für die Verwaltungsbeamten der militärischen Abteilung ist dieses Prinzip gewahrt worden.

Das Kolonralschiff ist nun bemannt, mag nun die Verteilung der Posten bei dem einen oder anderen nicht ganz zweckmäßig erfolgt sein, so ist doch die Hauptsache, daß am Ruder eine Persönlichkeit steht, die den Kurs kennt und sich durch etwaige äußere Einflüsse nicht dazu bewegen läßt, vielleicht zum Schaden für die Gesamtheit von der ihr richtig erscheinenden Bahn abzuweichen.

Japanische Kriegsschiffe in Kiel.

Zur Kieler Woche werden auch zwei japanische Kriegsschiffe erscheinen. Der Besuch der Gäste aus' dem fernen Osten ist auf eine etwas ungewöhnliche Weise zustande geEommen: sie sind nicht unmittelbar eingeladcn worden, sie haben die Ein­ladungangeregt", indem die japanische Regierung den Wunsch zu erEeimen gab, auch in den deutschen Gewässern, tote in englischen und französischen, einen Besuch abstatten zu können. So teilen mehrere Blätter die Vorgeschichte der Ein­ladung mit. Ätan versteht, daß die Höflichkeit sich nicht gut umgehen ließ. Oder die lapanische Regierung hätte einebe­absichtigte Unfreundlichkeit" in einer ausweichenden Antwort er­blickt. Wer herzlich willkommen können die beiden japanischen Kreuzer nicht sein. Dazu ist die Freundschaft Japans mit Eng- lcncd unb Frankreich zu eng und die Feindschaft Japans gegen Deutschland eine zu offenkundige. Tcheodor Riemann lenkt in derKreuzztg." die Aufmerksamkeit auf meliere Zeichen japan. Gesinnung. Ta wird z. B. imCourrier Europsen" ausgeführt, der Vorteil von der japanisch-englischen Allianz gehöre den 5apanem und Japan sei bemüht, England seinen Zwecken dienstbar zu machen. Daß diese aber eine Verdrängung Deutsch- lands aus dem Kon kurrenzgebiet des Großen Ozeans verlangten, liege auf der Hand und wird durch eine Reihe von Zitaten aus japanischen Blättern wahrscheinlich ge­macht. Schiemann bemetit hierzu, die Belege seien allerdings erstaunlich, wie der Deutschenhaß in Japan gepflegt werde. Mindestens lassen die Äeußerungen an Offenheit nichts zu wünschen übrig. Gleichviel, ob sie japanische Original­gedanken sind, oder von englischen Journalisten den Japanern eingeflößt' mürben Gäste dieser Herkunft sind nicht absolut harmloser und erfreulicher Art, und ein gewisses Maß von Vorsicht empfiehlt sich umsomehr, als es japanische Kriegs­schiffe sind, die vor Kiel erscheinen.

Wie Englandabrustet.

Man schreibt uns von besonderer Seite:

Wenn aus England Meldungen über militärische Einzel­heiten kommen, ist es geraten, der Botschaft nicht vollen Glauben zu schenken. Sie mag leidlich scheinen, in der Regel steht es aber um die Sache anders, denn Regie- rung und öffentliche Meinung in England sind von dem Streben beseelt, die kontinentale Welt in irrige Vorstel­lungen zu füljren von den besonderen Einrichtungen zum Zweck der Verteidigung des Jnselreichs. Außerhalb Eng­lands besteht deshalb, reine zuoerlüssige Kenntnis u. a. von

der wesentlichsten Eigenart des Spezialschiffstyps der Dreadnought".

Zu denken gibt auch das neuerdings verbreitete Ge­rücht, die großen Sommermanöverderenglischen Flotte sollen diesmal ausfallen, weil ihre Kost­spieligkeit nicht ausgeglichen werde durch den praktischen Nutzen, der daraus herausschaue. Die Mär ist nicht übel ausgedacht, sie steht im Einklang mit der Abrüjtungs- propagcmda des Londoner Kabinetts, und Ludern hebt sie England scharf vorn ,peutschen Hintergründe" ab, da für )ie deutsche Hochseeflotte fn diesem Sommer Kai- ermanover angesetzt ist. Doch wer vermag zu glauben, ) das reiche England eine Ausgabe von etwa drei Mil- Honen Mark für Manöverkosten scheue? Man gibt der Sache einfach einen anderen Namen, man spricht von taktischen Hebungen der einzelnen GeschWa­der, oder ähnlich die großzügig? Idee des General- manövers wird aber höchstwahrscheinlich festgehalten, denn für das moderne England gibt eS nur einen Feind: den Stammesbruder zwischen Nord- und Ostsee. In dieser Richt­linie spielt die strategische Behandlung und Einarbeitung der englischen Heimatflotte, des Kanal-, atlant. und Mittel- meergeschwaders. Frankreich allerdings kann sich die jähr­liche Ausgabe für griße Seemanöver sparen und sein Hauptaugenmerk dem Heere zuwenden, besonders seiner Artillerie, d^c, nach dem Zeugnis eines sachverständigen Japaners, ,Festen in Europa".

Unbedingt glaubhaft ist die Meldung über englisches Marinewefen, derzufolge auf allen Kriegsschiffen syste­matisch für den Nachtkampf am Geschütz geübt wird. Die feststehende Voraussetzung ist ein nächtlicher An­griff aufEnglandsFlotte. Wüßte man in Deutsch- lanb nicht längst, daß auch bei gebildeten und verständigen Briten der Glaube an einen nächtlicheu lleberfall der Ostküste Englands durch deutsche Geschwader unausrottbar ist, dann könnte die auf's 9tachtexerzitium gerichtete Für­sorge der Londoner Wmiralität überrascheu. Von der gleichen Hebung auf deutschen Kriegsschiffen hat zwar noch nichts verlautet, und doch müßten dieAngriffslustigen" im Nachtkampf erst recht geübt sein. Mer im Banne einer fixen Idee läßt England leine Vorsichtsmaßregel außer acht. Deutschland weiß das, und weiß damit genug, mag es sich auch über Einzelheiten der britischen Seewehr im Ungewissen befinden.

Wenn schließlich aus London Klage kommt, daß die Wauueszucht in der englischen Marine zu wünschen lasse, wie die massenhaften Deser­tionen zeigten, so wäre es auch hier unklug, eine der vollkommenen Schlagkraft von Englands Marine abträg- licl)e Folgerung zu ziehen. In der Stunde des Kampfes wird noch jeder britische KriegsschifsSmann vermeinen, beim Union Jack das berühmte Flaggsignal Nelson'S zu sehen: England erwartet, daß jeder seine Pflicht tut!"

Leopold von Belgien und der Kongostaat.

Der belgische Sozialist Vaudervelde hat in einer deut­schen Zeitschrift einen unerschrockenen Aufsatz gegen Bel­giens König und seine angebliche Raubbauwirtschaft im Kongostaat veröffentlicht, der geeignet ist, allgemeines Aufsehen zu erregen. Der Verfasser sagt darin, daß das belgische Volk in seiner Gesamtheit die Kougofrage längst als brennend hätte empfinden müssen; solange aber nur die Neger in Frage gekommen seien, habe man eine un­sägliche Gleichgültigkeit gezeigt. Die Augen seien erst auf­gegangen, als die dem König durch England auf gezwungene Untersuchungskommission ihre Berichte veröffentlichte. Die Untersuchungskommissare stellten fest, dcch fast überall in den Kongodistrikten die Handelsfreiheit eine Täuschung war, daß der Boden durch den Staat oder durch die dem Staate unterstehenden Gesellschaften mono­polisiert wurde, daß in den Kautschukgegenden die Ein­geborenen unter dem Vorwande einer Steuerkontribution tatsächlich der Sklaverei unterworfen waren. Nachdem Gefetze brauchten die Eingeborenen nicht mehr als vierzig Stunden Arbeit pro ALonat zu leisten. In Wirklichkeit wurde das Gesetz überall übertreten. In den meisten Fällen, sagt der Bericht der Kommission, muß der Eingeborene alle 14 Tage ein bis zwei und sogar mehr Tagesmärsche leisten, um jenen Teil des Waldes zu erreichen, in dem die Kautschukbäume in genügender Anzahl stehen. Dort führt er während mancher Tage ein elendes Leben. Er muß sich eine provisorische Schutz stelle bauen, die ihm die Hütte nicht ersetzen kann. Die Nahrung, die er gewohnt ist, und sein Weib gehen ihm ab. Allem Ungemach oer Witterung ist er ausgesetzt. Wenn diese Unglücklichen sich gegen eine solche Behandlung auf lehnten, solche Dienste zu leisten, wurden ihnen ihre Weiber als Geiseln fort genommen, die Widerspenstigen wurden erschos­sen und ihre Dörfer niedergebrannt.

Vandervelde faßt zum Schluß seine Meinung dahin zu­sammen, daß es sich in Belgien heute nicht um die Frage handle, ob man kolonisieren soll oder nicht, ob man An­hänger der Kolonisation ist, wie sie im Kongostaat aus- geübt wird oder nicht: sondern man müsse anerkennen, daß der Kongosiaat schon jetzt eine belgische Kolonie ist. Diese belgische Kolonie ist aber, statt daß sie unter Lkontrolle und Verwaltung der Kammer stünde, durch den König allein despotisch regiert.

Leopold IL wünscht dieses System zu erhalten. Die Majorität des Parlametrtes hingegen will es aushebeu. Zwischen beiden Richtungen ist ein Kampf entbrannt, der vielleicht einige Jahre bauern_fmtn, aber bei Ausgang ist nicht zweifelhaft. Minister können uachgeben; politische Persönlichkeiten können sich dem königtick)en Willen fügen. Aber in einem Lande, in dem kein Soldat in die Kaserne, kein Sou in die Staatskasse kommt ohne Zustimmung der Kammern, dürfe man prophezeiheu: das Voll wird das letzte Wort haben.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 23. Mai.

- Beförderung. Oberst v. Conta beim Stabe des Jnf.-Regts. Nr» 116, ist zum Kommandeur des Fufilrer- Regimv-Us Nr. 80 in Wiesbaden ernannt worden.

Tie theologische Fakultät der Landesuniversität hat beschlossen, die Lizentiaten- und Doktordiplome künftig in der vom Referenten, bezw. bei Ehrenpromotionen vom Antragsteller gewünschten Sprache (deutsch oder lateinisch) auszustellen. Das erste deutsche Doktordiplom erhielt Professor Heinrich Weinel in Jena. Auch dieser Bruch mit dem zopfigen mittelalterlichen Akademismus zeugt von dem wahrhaft modernen Geiste, von dem unsere theologische Fakultät, im Gegensatz zu den meisten preußischen, er­füllt ist.

Au8 der »Gesellschaft für Erd- und Völker­kunde*. Wie uns mitgeteilt wird, hat Kommerzienrat ; Heichelheim das Amt eines Rechners der »Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde* nicdergelegt. An seine Stelle tritt Verlags- und Universitäts-Buchhändler Alfred Töpelmann. Sämtliche die Gesellschaft betreffenden RechnungSangelcgen- hcit-n werden von jetzt ab durch Herrn Töpelmann Erledigung s finden.

** Zum Uniöerfität&iubiläUTrt. Wir werden ge­beten, noch einmal darauf hinzuweisen, daß die Umftage wegen j der W o h n u n g c n für die Festtage der UniDcrfität vom 31. Juli bis 4. August demnächst beginnt Die Arbeiten des Wob- nungSausschusses würden wesentlich erleichtert und vereinfacht trerben, wenn bie Hausvvrstände, die sich bereits entschlossen haben, Wohnräume zur Verfügung zu stellen,, diese Absicht dem Wohnungsausschuß (LKerstraße 6) alsbald schriftlich mitteilen wollten unter Angabe der Zimmer- unb Dcttenzahl sowie besl Einzelpreises (einschließlich Frühstück).

** Zur 300 Jahrfeier bet Laudesuniver- sität wirb uns von privater Seite folgendes mit» geteilt: Die Faßhalle der früheren Aktienbrauerei, in wel­cher ein Teil der geplanten Festlichketten abgehalteu werden soll, wird so hergerichtet werben, daß ca. 3000 Festteil­nehmer darin untergebracht werden können; außerdem ist auf der rechten Seite Der Halle die Errichtung einer Damentribüne mit ca 400 Sitzplätzen geplant, während links eine Musiktribüne gebaut wird. Ein Teil der übrigen vorhandenen Räume wird zu Garderobe- und Küchenzwecken usw. umgewandelt. Mit den erforderlichen Arbeiten wird in den nächsten Tagen begonnen werden. Die Arbeiten, für die innere Fertigstellung der Festaula, welche ge­legentlich der Jubilaumsfestlichketten ihrer Besttmrnung übergeben werden soll, sind in vollem Gange. Während die Beton- und Montterarbetten nahezu fertiageftellt sind, wird mit der Ausführung der Stuck- und Bildhauerarbetten in Kürze begonnen werden. Auch ist die Lieferung und Verlegung des vorgesehenen Parkettfußbodens bereits an die Firma Buderussche Holz- und Basaltwerke zu Hirzen­hain vergeben. Für die Beleuchtung des Saales sind u. a zwei grbße Beleuchtungstörper in Aussicht genommen. Deren Vergebung in Kürze erfolgen wird. Die Beschaffung des erforderlichen Mobiliars wird ganz besondere Sorgfalt erfordern. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog wird während der JubiläumSfesllichleiten voraussichllich auf einige £age hier Wohnung nehmen und zwar in dem für solche Zwecke eingerichteten altenSchloßom Ztonzleiberg. Da aber die für das Gefolge Sr. Kgl. Hoheit erforderlichen Räume dort nicht vorhanden sind und auch die hiesigen Hotels an den Festta^n zum größten Teil belegt sein werden, sollen im neuen Schloß (gegenüber dem Kreis- amtsgebäude) die erforderlichen äiäume im 1. Obergeschoß zur Wohnung sür das Gefolge hergerichtet werden.

* Silber ne Hochzeit. Am SarnStag den 25. Mai feiern Schlaffer Karl Hohmeier und Frau, geb. Krailing, ihr filbernes Hochzeitsfest.

* Ob erhess. Volks- unb Bauernfest in Ober- WidderSheim. Anläßlich des am nächsten Sonntag statt­findenden Volks- und Bauernfestes in Ober-Widdersheim werden infolge der überaus zahlreich vorliegenden Anmeldungen auf den Strecken Gießen-Ober-Widdersheim unb Fried­bergHäuserhof mittags und vor den Nachtzügen Vorzüge - eingelegt; auf der Strecke GelnhausenOber-Widdersheim werden die bete. Züge verstärkt. Auch auf der Strecke Lich Butzbach wirb abends 10.50 ab Lich ein Souderzug nach Butzbach fahren. Der Empfang der Reichstagsabgeordneten in Ober-WidderSheim findet mittags 1li2 Uhr statt.

§§ Von der Ohmstraße, 23. Mai. In Ober- Seibectcnrod scheint man einen besonderen Gefallen daran zu haben, abends vorbeifahrende Radfahrer mit Stein­würfen zu traktieren tfttb gar Steine so über die Straße zu verteilen, daß man darüber holpert wie über einen Knüppel­damm. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, den Unfug zu beseitigen.

x Oder-Ohmen, 22. Mai. Ein hiesiger bejahrter Landwirt suchte auf seinen leeren Mistwagen aufzusteigen. Hierbei glitt er aus, kam zu Fall und der Wagen ging mit einem Rade über ihn hinweg. Er erhielt schwere innere Verletzungen, so daß man an seinem Aufkommen zweifelt.

Ruppertenrod, 22. Mai. Hier wurde der älteste Mann unserer ©emeinbe, der Landwirt Heinrich Geiß, z^u Grabe getragen. Der Verstorbene, em zurückgezogener, bescheidener, braver Mann, befand sich im 83. Lebensjahre und ist in seinem ganzen Leben nicht eine Stunde krank gewesen! Noch zwei Stunden vor seinem Tode war er rüstig und ftisch.

Darm stabt, 22. Mai. Das Gr. Polizeiamt erläßt folgende Warnung vor eine^rn Geisteskranken: Ein gewisser Friedrich Neumann aus Stuttgart, der sichMissionS-Jnspektott^ nennt, reist von Ort zu Ort und sucht für dieDeutsche freie Mission (freie Bereinigung deutscher Männer unb J-rauen zur Bekämpfung der Uusüllichkeit/' Mttglieder mit einem Jahres­beitrag von mindestens einer Mark anzmveröen, sowie Druck- schristen für dieseDeutsche freie Mission" zu verlausen, ^veck und Ziel dieses Uittemehmens ist ausweislich der vorgelegten Satzung bieBefreiung der gesamten Menschheit von der schinählichen Erniedrigung" unb demfurchtbaren entsittlichen­den Einflüsse" der Beichte der rönusch-kacliolischen Kirche, welch: alsgemeingefährlich" bezeichnet wirb. 'Jteumaim, der die be­zeichnete Tättgkett kürzlich auch in hiesiger Atabt ausgeübt hat, ist, wie bie amtliche Auskunft ergeben hat, nachdem er zahlreiche Bestrafungen, u. a. wegen Betrugs, erlitten hatte, als seisteskrant erfimnt worden. Er ist Mittellos unb