rcbung.
Kleine Tageschrouik.
Geboren: Lern Pros. D. E. Heymann m Marburg eine Tochter.
Der Saatenftand in Preußen
war Mitte September 1907, wenn 2 gut, 3 mittel, 4 gering bedeutet: Kartoffeln 2,8 (im vorigen Monat 2,7), Zuckerrüben 2,7 (2,6), Klee 2,7 (3,1), Luzerne 2,7 (2,9), Rieselwiesen 2,8 (2,8), andere Saaten 3,1 (3,0). _p.r,
In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz hecht es: Die günstigen Septembertage sind dem Reifen der Früchte und dem Einbringen der Ernte sehr dienlich gewesen. Viel Sommergetreide, zumal als Ersatz für ausgewinterte Saaten spät gebautes, steht noch auf dem Halme: hauptsächlich der Sommerweizen ist großenteils noch nicht reif; vom Rundgetreide befürchtet man sogar, daß viel grün abgcerntet werden muß. Auch der Winlcrwcizen und vereinzelt Winterroggen ist noch nicht ganz unter Dach gebracht. Es ist zu befürchten, daß unter diesen Umständen die Güte der Frucht in vielen Gegenden Schaden leibet. Die Verspätung der Ernte um zwei bis drei Wochen hat naturgemäß auch eine Verspätung der H er b ft b eft e l- l u ii g s a r b e i t e n zur Folge; außerdem werden diese aber noch durch die übermäßige Feuchtigkeit der Aecker behindert. Der strenge Winter, die darauf folgende Kälte und der nasse Sommer haben nicht vermocht, die Mäuse zu vernichten ; außerdem werden noch als Schädlinge Hamster, Schnecken, Zweirgeik und Zwergeikaden genannt. Es wird bei den Kartoffeln viel ü>r Fäulnis, zumal der frühen Knollen, geklagt, und es werden für niedere und lehmige Böden sehr hohe Verlust- ziffern angegeben. Ein vorzeitiges Absterbe-n des Krautes ist gleichfalls oft bemerkt worden. Auch die Zuckerrüben haben unter der Ungunst der Witterung zu leiden. Wie der Klee, so ist auch »das Gras in der Kälte nicht recht gewachsen, steht sonst aber, wie mehrfach hervorgehoben wird, dicht. Die Grum-, meternte ist im Gang.
Reichsgerichtsbrief.
Nachdruck verboten.
«T. 8. Leipzig,
Schließt eine mit Todesgefahr p 11 i e 1 e t l't u n g eiu S e l b st v e r f ch n l d e n dieser bebeutungöüollcii Frage, ob der § 254 des
LamUicu-Nachrichten.
Gestorben: ft-rau Charlotte Appe%in Büdingen; Frau Margarethe Sang in Friedberg ; Herr Jakob Schmidt in Niederbiel; Herr Eduard Heppe, Fuhrwerksbcsitzer, in Marburg; Herr Julius Reinhold Schramm, Ledersabrikam, in Haiger; Frau Hedwig von Bltimeiilhal in Ü)inrburg ; Frau Sophie Rösing in $JJlarburg; Frau Anna Ettjabelhe Dippel ui Hegersdorf; Frau Heinrich Bmgel m Katzenfurt.
etzbnches (eigenes Verschulden) ohne weiteres anzmvenden i|'r, wenn Der Hilieleistende sich sagen mufe, daß er burcl) die drohende Gefahr ebenfalls 511 Grunde gehen tonnte, hatte fiel) das Reichsgericht ttirzlich zu beschästtgen. Es ljanbelt sich hierbei um Ansprüche der Witwe bes Obermgenieurs H. m © cl) w erbte, der bei der ftirma Thyssen und Co. m Ri ü hlhei in a. d. 9t 11 h r beschästigl war. Als em sJJ?onieur der genannten Firma eine neuersnndene Gasmaschine eines Defektes wegen wieder einmontiert hatte, fehle er dieselbe nnvorschrlftsmaßig m Betrieb. Hierbei war Gas m die torube unter der Ataschme geströmt und halte zwei, dort mildem Schmieren der Maschine beschädigte Arbeiter bewußtlos gemacht. Ter Monteur zog den einen heraus, wurde aber bei der Rettung des zweiten selbst ohnmächtig unö blieb liegen. Der herbeigerufene Ober Ingenieur H. befahl nnii „weiter und Rauchhelm flieg dannjedoch mit einem Arbeiter in die Grube, noch ehe der Rauchhelm gebracht worden war. Beide kamen nut den m der Grube befindlichen umS l!eben. Die Hinlerbliebenen des H. verlangten auf Grund des tz 2 des Reichshattpstichtgesetzes von der Firma Thyssen & Co. Schadenersatzleistungen ui Höhe einer Reine von 8000 Alk., indem sie das Borliegeii eines Betriebsunfalles behaupten. Die beklagte Firma wandte einmal ein, daß der § 2 des Relchshattpstichtgew'tzes feine Anwendung zu finden habe, und daß außerdem ein Verschulden des H. uoriiegc, da er sich sagen mußte, daß er in der mit GaS gefüllten Grube erfhtfen würde, wie auch schon zwei Arbeiter das Heruntersteigen in bie Grube auf Jemen Befehl dieser Gefahr halber verweigert hatten.
Itivcbe und Scl^ule.
Darmstadt. 22. Sept. Unserer Technischen Ho ch- ch n l e droht die Gefahr, eine? der hervorragenslen Rtttglieder des Lehrkörpers zu verlieren. Professor Friedrich Pütz er, der in letzter Zeit zahlreiche Auszeichnungen bei Preisbewerbungen erhalten hat, ist von der preußischen 9legicrung aufgefordert worben, den Posten des Professor Stier an der Technischen Hochschule zu Hannover zu übernehmen. Prof. Pötzer las im abqelaufenen Studienjahr besonders über kirchliche Baukunst, Städtebau, Malerische Prospektive, Stegreifentiversen re. Sein Weggang würde nicht nur für die Technische Hochschule, sondern auch für die moderne hessische Baukunst einen schweren Verlust bedeuten.
19. Septembe. verbundene in sich'? Mil bürgerlichen Ge-
Landwirtschaft.
/^Marburg, 22. Sept. In der gestrigen Sommerver» famnihtng des O bst b a u v e r c i n s für den Kreis Marburg wurde mitgeteilt, daß die Aep fei ernte in diesem Jahre in unserer Gegend mit 40%, die Birnenernte mit 60% und bie Zwischen- ernte mit 50% zu bemessen sii. Tie Obstverkaufs-Vermittlungs- stelle für die Kreise Marburg, Kirchhain und ftranfenberg tritt am nächsten Mittwoch, Freitag und Samstag früh im Fronhof in Tätigkeit.
vermischtes.
• Der Fall Molitor. RechtsanwE Dr. v. Paimwitz, der Vertreter des Fräulein Olga Molitor, veröffentlicht in den „Münchener N. 9t/ eine scharfe Erklärung gegen Paul Lindau und erklärt, baß cr im Namen Olga Molitors gegen Lindau Klage angestrengt habe.
* Das Automobil. Bei Forstenried, unweit Muncheli, stieß in der vergangenen Nacht ein Automobil mit einem Fuhrwerk zusammen. Beide Fahrzeuge wurden voll* ständig zertrümmert. Der Chaufseiir und der Lenker des Fiihrwerks würben schwer verletzt. — Ein Automobil der Mietsgesellschaft in Füssen (Bayern) stieß mit einem unbeleuchteten Bauernwagen zusammen. Tas Automobil wurde zertrümmert, ein Pferd getötet und bas andere schwer verletzt.
S t Abend mit drei Automobilen von Schloß Wolfsgarten lacy Darmstadt und besuchten das H 0 s t h e a t e r. Die Auf- -ußrung von MeyerbeerS »Robert der Teufe/ wurde besonders müden indischen Gästen mit größtem Interesse verfolgt. Rach dem dritten Akt nahmen der Großherzog mit seinen Gästen ein Souper ein.
Obftversteigeruttg.
Mittwoch, den 25. September soll das Obst von den ftäbt Bäumen und zwar: w
vormittags V Ubr beginnend am Krosdorfer Weg, hinter dem Gütervahnhos, bet der trüberen Äkiienbrauerei, am Leih- neiicrner Weg, am Steinbacher Weg, auf dem Lutherberg, im Lärchenwäldchen, an der Licher Straße, am Anneröder Weg und Wiesecker Weg. .
nachmittags 4 Ubr beginnend von dem Obstbamnfiück an der Licher Straße versteigert werden. Die Zufammenliiiist ist vor- nnttags am Schiachthof, nachmittags an der Kaserne in der Licher Strage. f W*
Gießen, den 23. September 190«.
Großherzogttche Bürgermeisterei Gießen.
< ^z. B.: Eurschmann.
§pulpla« der vereinigten Frankfurter Stadttheater.
Opernhaus.
Dienstag den 24. September*): „Zar und Zimmermann/ Mittwoch den 25. September, abends halb 8 Uhr: „Die luftige Witwe." Tonnerslag den 29. September: „Das Glück. Hierauf: Ritter Olaf." Zum Schluß: „Rokoko." Freitag den 27. Sep- icmber: Zu Ignaz Brülls Gedächttüs: „Das goldene Kreuz." hierauf: „Cavalleria rusticana“. Samstag den 28. September, abends halb 8 Uhr: „Samson und Dalia." Sonntag den 29. September, nachmittags halb 4 Uhr: „Künstlerblut/ Abends 7 Uhr: „Tie Hugenotten." Montag den 30. September, abends halb 8 Uhr; „Die luftige Witwe."
Schauspielhaus.
Dienstag den 24. Sepember*): „Der Dieb/ Mittwoch bet\ 25. September: „Salome " Hierauf: „Johannisfeuer." Donners- tag den 26. September, abends halb 8 Uhr: „Erdgeist." Freitag den 27. September, abends halb 7 Uhr: „Faust." Erster Teil mit Prolog im Himinel. Samstag den 28. September: Zum e r st e n Male: „Baccara t." Ein Stück in drei Aufzügen von Henry Bernstein. Sonntag den 29. September, nachmittags halb 4 Uhr: „Erdgeist." Abends 7 Uhr: „Baccarat.." Montag den 30. September: „©in Blitzmädel."
*) Anfang, wenn nicht aiiders bemerkt, abends um 7 Uhr.
GerichtsscrssL.
Kolonialprozefie.
Köln, 21. Sept. Der Beleidigungsprozeß Roeren- Schmidt erreichte heute nach fünftägiger Verhandlung sein Ende. Die heutige Sitzung, die von morgens bis abends gegen 8 Uhr dauerte, war ausgefüllt durch Plai- doyers. Die Vertreter Roerens plaidierten für eine angemessene Strafe wegen schwerer Beleidigung Roerens und erkannten bem Beklagten den Schutz des § 193 nicht zu. Ter Verteidiger Schmidt's plaidierte auf Freisprechung. Wenn da» Gericht dem Angeklagten den Schutz des § 193 mbillige, dann Lonne es auch über die Verfehlungen in ber Form htnwegkommen. Es handle sich für den Ange- tlaaten um seine Ehre rind Existenz. Der Angeklagte bestritt zum Schluß nochmals die Absicht jeder persönlichen Beleidigung. Ter Vorsitzende setzte die UrteilS-Ver- tündung auf den 28. September 31/2 Uhr nachm. fest. — Abg. Roeren wurde beim Verlassen des Gerichtes von einer vielhundertkopfigen Menge mit stürmischen Hochrufen empfangen. .... . r ...
Leipzig, 21. Sept. Heute sand hier ein Beleidt- aungsprozeh statt, den Dr. Karl PeterS gegen den Verantwortlichen Redakteur Müller von der „Leipz. Volksztg." angestrengt hat. Müller wird beschuldigt, in Bericyten über den Münchener Prozeß den Dr. Peters als Hängc-Peters bezeichnet und von ihm gesagt 51t haben, er sei em „grauenhafter Mischmasch von viehischer Brutalität und schrankenloser Sinnlichkeit, feiger Lüge und bengelhafter Renommisterei". Ferner wird Dr. Peters eine „tognakduftende Flibustiernatur" genannt und es als wunderbar bezeichnet, daß er noch immer frei Herumlaufe. — Rach kurzer Verhandlung, bei der keine Zeugen vernommen wurden, wurde der Angeklagte Redakteur Hermann Müller zu 300 M k. Geldstrafe ev. 60 Tagen Gefängnis verurteilt. Dem Kläger wurde die Publikations- bejugnis zugesprochen.
B. B. D a r m st a d t, 22. Sept. Eine entsetzliche Messer-
Tie Insassen kamen mit leichteren Verletzungen davon.
Der Zauber bäum. Ter amerikanische Gelehrte Burbank soll der Universität von Stafford 73 vcrschieoeue Apfcl- sorten, die er auf ein und demselben Baum gezüchtet hat, vorgelegt haben. Unter den Aepstln befinden sich iolche verschiedener Farbe, kleine und große, süße uno saure, .
* U e b e r f a [ l a u f dasSch10 ß desGrafen Tolstoi. Wie aus Äiosi.äu telegraphiert wird, erschien eine bewafsnete Bande auf dem Gute b.d Grafen Leo Toliwi und eröffnete em starkes Feuer gegen das Wohnhaus der gräflichen Familie. Als Gutsbauern und Bedienstete sich zum Schutze Tolstois und der Seinen näherten, ergriff die Bande die Flucht. Welche Absichten d'e Bande verfolgten, ist nicht c/ifgcflärt.
* Eine liebestolle 3)1 al er in. Die Mitglieder der französischen Oper und des Berliner Philharmonischen Orchesters, das alljährlich im Scheveninger Ki"-Haus konzertiert, werden von mehreren Mitgliedern der L>aager Frauenwelt mit mehr als gewöhnlichem Interesse verfolgt. Zu manchem Skandal in den Haager Familien haoen sie ulischuldig Anlaß gegeben. Jetzt wird über eine mysteriöse Geschichte viel geredet, in der dem Betroffenen, Herrn Otto Müller, Riitglied des Berliner Orchesters, übel mit- gespielt wurde. Eine Malerin Sophie H., die erst vor kurzem die Aufmerksamkeit auf sich gerichtet hat, als sie für den Friedenspalast ein überlebensgroßes Bildnis des Zaren stiftete, hat sich schon vor zwanzig Jahren als sechzehnjähriger Backfisch, in den jetzt schon lange verheirateten Künstler verliebt. Alle bleje ^zahre hindurch hat sie M. 11 ub seine Familie mit ihren unerwünichtcii Aufmerksamkeiten verfolgt. Bis in Berlin, ja bis in die rustifche Hauptstadt, isc sie dem Musiker liachgereist, und mehrinals hat er sich die allzu Aufnierksame mit seinen Händeii oder gar mit seinem Stock vom Leibe halteii müssen. Selbst die Gattin des M. hat sich schon einmal auf dem Tempelhofer Felde mit ihrem Sck)irm gegen die allzu liebevolle Rtalerin wehren mugen. Als Famiüe unb Freunde der Malerin ihr das Unpassende ihrer Handlungsweise vorhielten, hat sie ihneii erzählt, der Künstler habe sie hypnotisiert, sie. müsse ihm überall hm folgen. Ihre iranfljafle Phantasie ersann Mißhandlungen, die ihr von ihm sollten zugesügt sein. Jetzt hat ein Freund der Malerm, der schon öfter für die „unterdrückte Unschuld" eine Lanze gebrochen hatte, ihre Partei genommen. Jonkheer Benthem van den Berg lockte unter falschem Vorlvande Herrn Otto M. in ferne Billa, und dort wurde der Künstler von dem Jonkhe.r, einem Bruder der Dtalerin, und Hwei andern Männern so übel zugerichtet, daß cr Zwar seinen Platz auf dem Podium wieder einnehmen kann, aber in seinem Gesicht die Spuren der Mißhandlungen noch einige Zeit zur Schau tragen wird. Jetzt ist das Gericht mit der Sache beschäftigt. Muller hat sich zum deutschen Geiandten begeben und ihm den Sachverhalt vorgetragen. Er bat den Gesandten um seine Mitwirkung bei er Führung der Sache. Der Gesandte, Baron von Schloezer, hatte daraufhin nut dem Generaldirektor der Gesellschaft Seebad Scheveningen eine Unter-
affarc, die voraussichtlich zwei Ai e n s ch e n 0 p i e r erfordern wird, hat sich in der Nacht zum Sonntag in der Älltstadt abgespielt. In das Ecke der Bach- und Langegasse gelegene „Wirtshaus zum Treppchen" kamen gegen Mitternacht noch zwei übel beläni .Pete Gaste, die Brüder Müller und verlangten Bier. Ter Wirt Aiüller erklärte ihnen wegen der vorgerückten Stunde nichts mehr verabfolgen zu können und darüber gerieten die Beiden in die höchste Wut; sie lärmten und als die noch im Lokal antvefenden Gäsle, darunter ein Schutzmann, die Ruhestörer 511 bejänhigen versuchten, zogen sie ihre Aiesser unb stachen darnil wie wahnsinnig auf die Gäste ein. Ter Handarbeiter Fischer, ein verheircueter ruhiger Mann, erheilt einen so furchtbaren Such in die Seite, daß ev zur Erde fiel und nach wenigen Minuten eine L e i ch e war. Ter Dachdeckerineister Schütz, der ebcniaUS verheiratet ist und als ein fleisiger, ordentlicher 'JJiann geschildert wird, erhielt tieie Stiche, namentlid) in den Rücken, sodaß er sofort in das städtische Krankenhaus verbracht werden mußte. Er ist so schiver verletzt, daß an seinem Auskommen gezweifelt wird. Erst nachdem noch weitere Schutzleute zu Hilie geeilt und von der blauten Waffe Gebrauch gemacht hatten, gelang es, bie beiden gefährlichen Rowdys zu überwältigen, bie dann auch von den empörten Stammgästen giünb- lich verhauen und bavauf zur Polizeiwache geschafft wurden.
Frankfurt a. M., 21. Sept. In dem kürzlich erwähnten Prozeß, den ein auswärtiges Bankhaus gegen den Prinzen von Sagan und den Kaufmann Büchner als Akzeptanten bezw. Aussteller eines Wechsels in Höhe von 18,000 Fces. angestrengt hat, ist nunmehr vom Ober- landesgericht entschieden worden. Während die Kammer für Handelssachen am Landgericht die Klage wegen Uu- zuständigleit abgewiesen hatte, verurteilte das Oberlandesgericht den Prinzen von Sagau an den Kläger 187 500 Fr cs. = 151879 Alk. zu zahlen. Gegen Büchner steht dem Kläger mangels Protestierung des Wechsels, ein Wechselanspruch überhaupt nicht zu.
Lau d au (Pfalz), 21. Sept. Der Guts- und Weinberg-, besitzer Engel von Hainfeld wurde heute wegen Weiu- f ä l s ch u n g zu 2 Monaten Gefängnis und 3000 Mk. Geldstrafe oder weitere 300 Tage Gefängnis verurteilt. Tie Kosten wurden ihm auferlcgt uno 42 000 Liter Wein eingezogen.' Der Staatsanwalt hatte 2 Monate Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe beantragt.
Berlin, 22. Sept. Der Redakteur des anarchistischen Organs „Der freie Arbeiter", der Former Rud. O e ft r e i ch, stand vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I, um sich wegen Verächtlichmachung von Staats- e i n r i ch t u n g e n und vorzeitiger Veröffentlichung einer Anklageschrift zu verantworten. Zur Anklage standen zwei Artikel. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu einer Zusatzstrafe von sechs Wochen.
Propst Olszewski aus Osick (Pommern) wurde wegen Vergehens gegen § 130 a des Reichs-Strafgesetzbuchs (Kanzelparagraph) zu iy2 Jahren Gefängnis verurteilt und seine sofortige Verhaftung verfügt. Organist Czaplewski erhielt sechs Wochen Gefängnis.
In der Untersuchung, die bie venezianische Gerichtsbehörde gegen bcu Russen Naumow wegen Ermordung bes Grafen Kumarowsli führt, wurde durch Beschlagnahme aus Rußland zurückgesanbter Briefe festgestellt, baß bie Tarnowska den Grasen Kumarowski bewogen hatte, daß et int H-alle seines Todes sein Söhnchen Edgar zum Universalerben seines Vermögens vermachte, und daß auch ein Plan verabredet war, diesen Sohn nach dem Tode des Grasen aus der Welt zu schaffen. -
In Berlin vergiftete infolge von Zwistigkeiten die 37jährige Ehefrau Marie des Gastwirts Richard Trietz ihre beiden Kinder und sich selbst mit Lysol. Die beiden Kinder erlagen den Wirkungen des Giftes, bie Mutter ist noch am Leben
Der finnische S ch 0 0 n e r „Gallos" kenterte am 1 <. ds. Mts. in der Ostsee auf ber Fahrt nach Lübeck. Der Kapttan unb ein Matrose ertranken. Die übrige Besatzung, 0 Matrosen und 1 Steward, hielt sich zwei Tage auf dem auf feiner Ladung schwimmenden Schiff. Der Steward starb vor Ermattung. Am 20. wurden die 6 Matrosen von dem englischen Dampfer „Romeo" gerettet und in Holtenau gelandet.
Im Marine-Artillerie-Depot zu Wilhelmshaven erfolgte bei der Vornahme von Entladungen von 15 Zentimeter-Schrapnells eine gewaltige Explosion, durch die ent Flügel des Depots fast gänzlich zerstört wurde. Fünf Arbeiter wurden getötet, vier, darunter zwei Frauen, schwer und zwei Personen leicht verletzt. Die Verstümmelungen sind grausig.
In New York sind am 20. Sept. 7 Personen durch Sonnenstich tuns Leben gekommen. .
Die Zahl der Chinesen, welche in der Provinz Yian-Sou an der Hungersnot gestorben sind, wird auf 2 Mill, veranschlagt. d o
In Trier haben zwei Burschen tm Alter von 15 und 13 Jahren an der Frau eines Bäckers einen R a u b m0rd v er s u ch verübt und sie durch Beilhiebe verwundet. Sie sind verhastet.
Der 33jährige, geistig beschränkte Landwirt Lanzinger aus Rheinhausen in der Oberpfalz e r ft a ch seinen 20jührigcn Schwager und flüchtete nach Regensburg, wo er sich von der steinernen Brücke in die Donau stürzte und ertrank. .
Holländische Bergleute griffen in Haarlem eine Schar Pilger an und zertrümmerten ein Pilger kreuz. Als sie den Christuskörper in einen glühenden Schlackenberg werfen wollten, stürzte einer der Bergleute in die glühende Masse und verbrannte bei lebendigem Leibe. Mehrere Bergleute wurden verhafte t.
Das Landgericht Duisburg -und bas Oberlandes- a e r i ch t Ham m erfannten den Schadenersatzanspruch des Kläger? dem Grunde nach für gerechtfertigt an. Tas Oberlanoes- gericht führt hierzu aus, daß den H. bei dem Hinabsteigen m bie Grube eine so große Fahrlässigkeit nicht treffe, daß für ihn daraus ein Verschulden hergeleitet werben könnte. Er hätte sich bavon überzeugt aebabt, baß ber Gashahn geschlossen war, unb habe er annehmen'können, daß bas Zuströmen ber frischen Lust in bie freiliegende Grube bie Gefahr ständig verminderte.
Gegen das Urteil des Oberlandesgenchts Hamm hatte bie Beklagte Revision beim Reichsgericht eingelegt und um Nachprüfung gebeten, ob es nicht um eine die Erfatzpflicht ausfchließende Fahrlässigkeit des H. handle, da ber Verunglückte H. unbedingt den zum Schutz vorhanden gewesenen Rauchhelm hätte benutzen müssen. Ter 5. Zivilsenat des ftteichsgerichls konnte jedoch nicht die Ueber- Beugung gewinnen, baß bei ber auf schnellstem Wege erforberlieh gewefenen Hilfeleistung des H. ein Verfchulben vorliege, unb erkannte deshalb auf Zurückweisung ber Revision ber Q Geklagt en._______ _
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung für Heffeu am Dienstag den 24. September: Heiler unb trocken. Nachts kalt. Mäßige östliche Winde.
GrigittaL-Drahtsneldungeu.
Berlin, 23. Sept, Der i n t e r n a t i 0 n a l e h y g i e n i s ch e K 0 n g r c ß würbe nach einem Begrüßungsakte hier eröffnet.
Dort m 11 n b, 23. Sept. Wie bie Torttnunber Zeitung meldet, soll ber Staatssekretär bes R e i ch s s chatzamtes Freiherr von Stengel noch vor bem 15. Okt. feinen Abschied nehmen. Ter Rücktritt des Cchatzsekretärs soll derselben Quelle zufolge mit dem Block-Kurs der Regierung in Verbmdu 11g zu bringen fein, da die Beziehungen des F r e i h e r r n ron Stengel jum Zentrum nach wie vor dieselben geblieben feien. Als Nachfolger des derzeitigen Schatzsekretärs nennt bie Dortmunder Zeitung den General-Direktor des Norddeutschen Lloyd, Wiegand, dessen kürzlicher Besuch beim Reichskanzler dadurch seine Erklärung findet.
W ü r 5 b u r g, 23. Sept. Die gestrige Vertreter-Versammlung junqliberaler Vereine erteilt ber Vorstanbsschaft bie infolge Ablehnung ber Kaiserslauterner Beschlüsse wegen Beitritt z u m nationale n R e i ch s v e rb a n b e zurückgetreten war, ein Vertrauensvotum. Sie erklärte durch eine Resolution, daß sie zum ReichSverband ii i ch t in Gegensatz treten wolle, sondern daß auch bie Vereine, die aus örtlichen Gründen gegen den Antrag stimmten, lebhaft enge Beziehungen zum Reichsverband ivünschen. Ter Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Aus den weiteren Beschlüssen ist erwähnenswert die A n nähme ber sRes 0 lution für b e n Zusa m m e n s ch 1 uß ber beutschen Staatsbahnen unb Errichtung eines deutschen Eisenbahnparlaments.
— L on d 0 n, 23. Sept. Daily Expreß meldet aus Petersburg: Vom Februar 1905 bis jetzt find 44 020 Personen dem Zarismus in R u ft l a n b gum Opfer gefallen.
91 e w i) 0 r f, 23. Sept. Währenb eines Fußball-Wett- pieles m Capozzeville stürzte eine Tribüne, auf welcher sich zirka huiidertZuschauer befanden, ein. Vier Personen wurden hierbei getötet, 50 erlitten Verletzungen.
Magenkranke unb schwächliche Kinder bedürfen einer kräftigen, aber habet leicht verdaulichen Nahrung. Am beften eignet Nch das altbewährte diestte'sche Kmbermehl, ivelches mit Wayer getocht, eme volttländige Nahrung ergibt. Benutzt man das Nestle-'Mehl als Zusatz zur Milch, so macht es letztere leichter verdaulich, unb werben hierdurch im Sommer bie so häufig auftretenden Acagen- mib Darmkatarrhe verhütet. ss >9


