Montag 23. September 1SM)7
157. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 223
ich« AKZetzer
Urschtwl tt-llch mit Ausnahme des Sonnys.
General-Anzeiger für Gberheffen
Am
Tschulalongkorns Wiegenfest in Komöurg
will.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruck^rei.
R. Lange, Gießen.
Die „Oietzener §am!ttenb!8tter" werden dem ,Anzetger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Arettblatt für den Kreis Gietzrn" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint mcnmtlich einmal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 61.
Reüaktion:S^I12.Tel.-AdruAnzeigerGießen,
SozialdemoLraLischer Parteitag.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.^ VL
S. u. H. Essen, 21. September.
Zrie Lagc in WaroLüo.
Paris, 22. Sept. Amtliche Mitteilungen aus Marokko besagen, daß die Stämme, die in den letzten Lagen die Absicht kundgegeben hatten, sich zu unterwerfen, jetzt darauf verzichteten, weil may ihnen vorgeredet habe, daß Muley Hafid mit einer starken Mahalla heranziehe und bestrebt sei, sich mit ihnen gegen die Franzosen zu verbinden. Wie die „Agence Havas" mitteilt, besitzt nach den dem französischen Gesandten in Tanger zugegangenen Informationen Muley Hafid weder Truppen noch Geld. Ministerpräsident Clemenceau erklärte heute abend, er glaube, das Ergebnis des Sieges bei S-idi Brahim würde sein, den Kreis um Casablanca, um den Ruhe herrscht, zu erweitern.
— Ein hier eingetroffenes Telegramm von General Drude meldet, daß er gestern morgen um 4 Uhr nach SidiJbrahim marschiert ist und die dortige Mahalla vernichtet und ihr Lager verbrannt hat. Ungeachtet der großen Hitze, die den Marsch beschwerlich machte, legten die Truppen eine bewundernswerte Ausdauer an den Tag; die M a r s ch l e i st u n g be t r u g 4 0 Kilometer. Auf französischer Seite verlor man nur einen Toten, einen Goumier, und fünf .Verwundete, darunter einen Leutnant.
— Die „Agence Havas" meldet aus Casablanca vom 21. d. M.: In Sidi-Jbrahirn wurden nur einzelne Zelte vorgefunden, die vor Ankunft der Truppen bereits verlassen waren. Die Goumiers steckten sie in Brand. Das Gefecht war nicht heftig, da sich der Feind weit entfernt hielt und nur geringen Widerstand leistete. Die Angriffskolonne
letzten Verhandlungstage war ans Ammerpen int Auftrage des belgischen Parteivorstandes der Hafenarbeiter Mill es erschienen. Er nahm sogleich zu Beginn der Sitzung das Wort und führte aus: In Antwerpen verdienten bisher *25 000 Arbeiter ein kärgliches Brot von 5 bis 6 Mark. Durch Zuzug bon zehntausend Landarbeitern wurden die Verhältnisse immer schivieriger. Tie Arbeitgeberorganisatioli, die Federation maritime, benutzte die Gelegenheit, die Löhne hcrabzudrückeii und die Arbeiter zuut (Sin-
— Der „Matin" meldet aus Casablanca, daß Generäl Drude gestern alle Maßnahmen getroffen habe, um so rasch wie möglich gegen das neue Lager der Aufständischen vorgehen zu können. Man erwartet, daß es zu einem! großen K ampf kommen wird.
— Der „Gil Blas" verzeichnet das Gerücht, wonach' eine französische Abteilung in Marokko von Eingeborenen in einen Hinterhalt gelockt wurde und schwere Verluste erlitten habe. Im Ministerium ist man über den Vorgang noch nicht informiert.
— „Gaulois" veröffentlicht ein Telegramm aus Tanger, in dem darauf hingewiesen wird, daß die Schwierigkeiten in Marokko jetzt erst beginnen. Der Korrespondent läßt durchblicken, daß dies die Meinung des französischen Gesandten Negnault ist, der die Tage in Marokko als wenig befriedigend bezeichnet habe. Er soll sich geäußert haben, daß keine w c i t e r e n m a r o k k a n i s ch e n Häfen besetzt werden dürsten.
— Ministerpräsident Clemenceau erklärte in einer Unterredung über den Abbruch der Unterhandlungen in Marokko, es sei ganz unzutreffend, daß die Regierung dem General Drude »Verhaltungsmaßregeln für die Unterhandlungen vorgeschrieben habe. General Drude sei ermächtigt, Vorschläge anzunehmen oder zu verweigern. Er habe volle Verantwortlichkeit, aber auch volles Vertrauen. Er habe die Abgesandten nicht fortgeschickt, habe aber für den Falt eines Abbruches der Verhandlungen Vorbereitungen getroffen. Die Negierung habe seinen Entschluß gebilligt und erwarte, daß er ihn aussühre. Die Casablanca benachbarten Stämme seien für den Frieden; die entfernteren Stämme seien noch kriegerisch und bedürften einer Züchtigung, die ihnen zuteil werden würde. Clemenceau schloß mit der Erklärung, daß er glaube, Muley Hafid sammle Truppen, nur um auf Rabat zu marschieren, nicht um zu kämpfen.
Tanger, 22. Sept. (Meldung der „Agence Havas.) Nach einem Schreiben,' das heute früh den »Vertretern der verschiedenen Mächten zugegangen ist, erklärte Muley' Hafid, er habe'seinem Minister des Aeuftern Siab Del Kebir den Auftrag erteilt, Schritte zu tun, um seine An- erkennu ng als Sultan seitens der europäischen Mächte zu erreichen. Er sei von den heiligem Rechtsgelehrten Südmarokkos zum Sultan ausgerufen worden auf Grund der Bestimmungen des Korans, in denen der Fall der Unfähigkeit des Sultans vorgesehen sei. Für den Fall, daß die Mächte es ablehnen sollten, mit ihm in Beziehungen zu treten, bittet sie Muley Hafid abzuwarten, bis er von dem ganzen Lande Besitz ergriffen habe oder sämtliche Stämme zu ihm übergegangen seien. Er verspricht, für die völlige Sicherheit der Europärev in den Gebieten, die ihn anerkannt haben, sowie auch sür unbeschränkte Freiheit des Handels sorgen zu wollen.
— (Agence Havas.) Die Eingeboren en kehren immer1 zahlreicher in die Stadt zurück, da die Ruhe wieder her gestellt ist. Die Lage in verschiedenen Häfen ist befriedigend.
— „Ag. Havas. Hier ist ein Sekretär Raisulis ein- getrofsen mit Briefen für den englischen Gesandten, in denen Raisuli für die Freilassung Macleans den englischen Schutz und 50 000 Pfund Sterling verlangt.
— Die Großh. Gemälde-G allerie zu Darmstadt wurde durch ein wertvolles Bild bereichert. Herr Rudolf v. Gold-" schmidt-Rothschild schenkte, wie uns aus Darmstadt drahtlich gemeldet wird, der Gallerie ein großes von Franz von Lenbactz gemaltes Porträt des Bildhauers Reinhold Begas.
z. Aus Frankfurt a. M. wird uns untern: 21. ds. ge-> schrieben: Die heutige Premiöre des Opernhauses hatte schon einige Wochen vorher eine gewisse Spannung geweckt, weil der Komponist dieser zweiaktigen Oper „Ritter Ola f", der in Wien lebende, unter dem Pseudonym R. Langer schreibende Freiherr Ludwig v. (Srlanger in Wiener Blättern eine Erklärung veröffentlicht hatte, er werde eventl. die Aufführung seiner schon vor zwei Jahren angenommenen Oper g e r i ch t l i ch e r z wi n g e n. Dem am 4. Oktober anstehenden Termine war der Intendant Jensen doch aus dem Wege gegangen. Das Werk wurde bei der heutigen Premiöre ganz freundlich ausgenommen, tiefereü Eindruck hat es aber nicht gemacht. Der Stoff ist aus Heines düsterer Ballade „Vor dem Dome stehn zwei Männer, tragen,beid« rote Röcke, Und der eine ist der König und der Henker ist bet andre". Der Komponist hat den Text selbst verfaßt.
— Folgendes politische Geschichtchen erzählt der „Deutsch. Tag.-Ztg." ein Kasseler Leser: Seitdem der Kaiser unter dem Jubel der Bevölkerung des öfteren von Wilhelmshöhe auS die Stadt Kassel besucht! hat, ist es unter der Schuljugend Mode geworden, „Kaiser" zu spielen. Einige kleine Wagen, die die steile Straße von allein herabrollen, und von denen jeder mit drei Jungens besetzt ist, dienen .als „kaiserliche" Autos, und mit einem lustigen „tpteltü^ wird der wohlbekannte Treiklang der Huppe imitiert. An den Bäumen aber, mit welchen die Straße bepflanzt ist, steht das „spalierbildende Publikum" (in Stärke von 3 Jungens im ungefähren Alter von fünf Jahren)^ das beim Nahen,,Sr. Majestät" gezwungen ist, „Hurra" zu rufen. Einer dieser Knirpse hatte schon verschiedene Male beim Passieren der „kaiserlichen" Fahrzeuge weder den Hut gelüstet, noch Hurra geschrien. (Es gab auf der Straße so viel des Interessanten zu sehen.) Als „Majestät" nun ungefähr zum 30. Male diesen Untertan passierte, ohne einen respektvollen Gruß zu bekommen/ wrang er rasch entschlossen aus seinem Auto und versetzte dem Säumigen ein paar Ohrfeigen mit den Worten: „Was schreiste denn nicht Hurra, wenn ich vorbeikomme?!" — Darauf antwortete her bjährige Untertan mit weinerlicher Stimme: „Was hauste mich denn, dummes Luder, ich brauch doch nicht Hurra zu schrei'n, ich bin doch Sozialdemokrat!"
— Kl ei ile Kunst chronik. Der Newyorker Theater- Tirektor C o n r i e d, hat Ai a h l e r, den Wiener Hosoperndireklor, auf vier Jahre engagiert. — Ter Komponist Hans P f i ij n er hat sich bereit erklärt, von 1908 ab die Leitung des Straßburger Konservatoriums als Direktor zu übernehmen.
angenommen.
Damit ist die Tagesordnung erledigt. ReichstagSabg. Singer nimmt das letzte Wort: Das Resultat des Parteitages kann un§ vollständig befriedigen, sowohl bezüglich der Beschlüsse und auch bezüglich der Art der Verhandlungen. In der Gründung des Partei-Nachrichten-Bureaus ist eine Waffe geschmiedet, die gute Erfolge bringen wird. Die Selbständigkeit unserer Presse wird nicht beeinträchtigt werden. Die S o l i d a r i -, tat der deutschen Partei mit detr Proletariern aller Länder hat sich wieder glänzend gezeigt. Wir werden die Richtlinien des Stuttgarter Kongresses heilig halten. Wo die Arbeiterbewegung marschiert, werden die deutschen Arbeiter vorangehen. In der Maifeier werden wir gemein)am und einig mit den Gewerkschaften den Kämpf für die Befreiung deS Proletariats führen. Sie soll ein flammender Protest gegen die Unterdrückung des Proletariats sein. Unsere Verhandlungen baben unsere un- gebroch:ene Kraft bewiesen. Wir haben einen neuen Markstein in der Geschichte der Arbeiterbewegung gesetzt. Wir werden weiter unsere Bahn verfolgen und lind sicher, daß wir weder niedergeritten noch niedergebetet werden rönnen. (Lebhafter Beifall.) In diesem Bewußtsein gehen wir an die Arbeit mit dem festen Entschluß, den Kampf weiterzuführen, bis das! große Ziel erreicht ist. (Stürmischer Beifall.) Damit schließe ich den Parteitag. (Lebhafter Beifall.) Nach Absingen der Ärbeitermarseilleise gingen darauf die Delegierten auseinander.
herrschte wirkliche festliche Stimmung. Die Beleuchtung des | Parkes mit Tauseirden und Abertausende:: bunten Papierballons und Kurzen in bunten Gelatinegefäßen und die festlich bewegte Menge im Park, dazu wir glücklicheren „oberen Fünshmchert", d. h. die auf die obere Terrasse zum Souper — kaltes Buffet, Rot- und Weißwein und Bürgest — Geladenen, darunter die Elite der Damenwelt in Toiletten von weltstädtischem Schick und dazwischen die jungen Siamesen, zum Teil wirklich ganz allerliebste Leutchen, — das gab ein fesselndes Bild von eigenartigstem Reize. Das Wetter war gerade noch so angenehm, daß man im Freien sitzen uiib die mancherlei Genüsse — Fackelzug, Zapfenstreich und Feuerwerk mit dem obligaten siamesischen Elefanten als Schlnßessekt — gemeßen konnte. Daß man hierbei dem gastgebenden König mit freudigem Zuruf huldigte, war am Ende begreiflich. Homburg, das trotz seiner Schönheiten nicht mehr so ganz in erster Linie unter den fashionablen KNrorten steht, kann für diese Reklame recht dankbar fein. Jedenfalls könnte man sich keinen glanzvolleren Abschluß der Saison denken.
Dr. G. Z.
w. Homburg, 21. Sept. Aus Anlaß des heutigen Geburtstages des Königs von Siam trägt die Stadt reichen Festsmuck. Zahlreiche Gebäude sind illuminiert. Am Abend fand im blauen Saal des Kurhauses ein Galadiner' zu 75 Gedecken statt, zu welchem die siamesischen Prinzen, die Vertreter Siams in Berlin, Petersburg, London und Paris, sowie die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden geladen waren. Der König wurde vom ersten Bürgermeister der Stadt Homburg, Lübke, unb Vom Kurdirektor Freiherr v. Maltzahn empfangen unb-betrat unter Fanfarenklängen feen Konzertsaal des Kurhauses, woselbst er die Geladenen begrüßte, insbesondere den Regierungspräsidenten v. Meister und den Landrat Ritter v. Marx. Unter den Klängen der Jubel- ouvcrtüre von Weber begann das Diner; Regierungspräsident v. Meister brachte den Trinkspruch auf den König aus. Nach dem Diner betrat der König mit seinem Gefolge die Terrasse, wo zahlreiche Geladene zu einem Souper vereinigt waren, in dessen Verlauf Freiherr v. Maltzahn das Hoch auf den König ausbrachte. Nach einem Zapfenstreich, ausgeführt von vier Militär- tapellen, wurde ein herrliches Feuerwerk abgebrannt; der Kur- g art en und der Kurpark waren festlich beleuchtet.
w. H o mdur g v. d. H., 21. Sept. Heute nachmittag überreichten in dem festlich dekorierten großen Saale des Grandhotels die Vertreter der Stadt Homburg dem König von Siam eine kunstvoll gemalte Adr esse, ausgeführt von dem Frank- furter Maler Karl Nebel, wobei Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rüdiger eine Ansprache in englischer Sprache hielt.
w. Homburg v. d. H., 22. Sept. Der König von Siam ist heute abend im Sonderzuge mit kleinem Gefolge von hier über .Fran kfu^-Strgßburg nach Paris ab gereift
tritt m die von ihr gegründete Organisation zn zwingen. Mit einer beispiellosen Einigkeit der Arbeiter wurde das verweigert, woran' sie auf die Straße geworfen wurden. Acht Tage dauerte der Riesen-- tnnipi. Bürgermeister und Münster versuchten zii intervenieren, aber ohne Erfolg. Was (ommen wird, ist nicht zu sagen. Es wird em Rrieg auf Leben u n d Tod sein! Deutsche Brüder! Tie I'6d6ratiou maritime hat tausende von Streikbrechecil nad) Antwerpen geschickt, viele von ihnen waren ans Deutschland, das ist eine Schmach und Schande für die deutsche Nation. Tie Genossen Deutschlands muffen die Ehre ihres Landes wieder retten, indem alle Organisationen a u 5 ihren Kassen uns Beihülfen gewähren. Wir rechiien auf die deutschen Brüder und ihre Hülse. Es lebe die internationale Solidarität! (Lebhafter Bei'all.)
ReichStagsabg. Singer spricht den fämpfenben belgischen Genoss en die vollste Sympathie der deiltscheii Sozialdemokraten aus; soweit möglich, werde den Antwerpener Genoßen jede Unterstützung geivährt werben.
Es wirb zur
Vorstands wähl geschritten. Singer und Bebel werden zu Vorsitzenden gewählt. d)erijch erhält das Amt wieder als Kassierer, während Pfannkuch, Alolkenbuhr, Müller und Ewald wieber zu Beisitzern gewählt werben.
Alan beschäftigte sich dann wieder mit Anträgen. Eine Reihe von Anträgen forderten die Festsetzung einer einheitlichen Bcitragslwhe. Alle Anträge auf Festsetzung eines einheitlichen Beitrages und Festsetzimg eines Alinbestbeitrages von 10 Pfennigen pro Woche wurden aber abgelehnt. Dagegen wurde beschlossen, einheitliche Alitgliederbücher und einheitliches Abrechnutigs- und Verwaltungsmatenal alizuschaffen.
Dann wurde liber einen Antrag bc» Vorstandes und der Kvntrvltkvmmäsion beraten, der vorschlägt, das M i nd e stg e ha l t per schästsführcnben Partei sekrc täre von 2000 auf 2*200 Mark zu erhöhen. Ferner follen diese Parteisekretäre alle zwei Jahre eine Erhöhung von 200 Mk. erhalten. Die vor ihrer Anstellung als Parteisekretär liegende Dienstzeit soll ihnen angerechnet werden, auch sollen ihnen die örtlichen Zulagen unverkürzt belassen werden. Ferner folleit sie 14 Tage jährlich Ferien erhalten. — Reichstagsabg. Bebel begründete ben Antrag mit der erheblichen Verteuerung der Lebensmittel. Auch die gewerkschaftlichen Organisationen hätten die Gehälter ihrer Angestellten erhöht. Die Partei müsse folgen, wenn sie nicht Gefahr laufen wolle, daß ihr die besten Kräfte weggekapert iverden. Katzen st ein-Berlin unterstützt den Antrag und bittet, auch die Redakteure der Parieizeitungen besser zu stellen. — Bebel stimmt dem vollkommen zu. Der Parleivvrstand werde nach Möglichkeit versilchen, hier zu helfen. Der Antrag wurde darauf einstimmig angenommen.
Man wandte sich daraus einer Grüppe von Anträgen zu, tie sich mit der Agitation beschäftigen. R. A. Dr. ^Karl Liebknecht begründete einen Antrag, der forderte, daß die Schaffung von Jugendorgmiisationen intensiver als bisher Getrieben werde um> zwar in der Weise, daß einige Parteigenossen beauftragt werden, in möglichst allen Orten des Reiches Ver- fammlungen abzuhalten, in denen der Ziveck und die Notwendigkeit der Jugendorganisationen'erläutert und Gründungen in die Wege geleitet werden. Die Jugendorganisation begegne leider noch in Parteikreisen, besonders in gewerkschaftlichen Kreisen, passiven. Widerstand. Man finbe in gewissen Kreisen eine besondere Stach- lichkeu. (Zuruf: Wo denn?) Richt beim Parteivorstand, der ist auf dem Wege der Befsernng. (Heiterkeit.) Die Jugendor- ganifation ist gegenwärtig in einer bösen Lage gegenüber ben Polizeilickien Organen. Sie ist den schwersten Verfolgungen ausgesetzt. Auch das neue Vereinige setz wird keine Besserung bringen,
daher müssen wir Alarm blasen gegen dieses erste Geistesprodukt kehrte um 5 Uhr nachmittags ins Lager zurück. Die »Ver^ drs neuen LeitcrZ dcs RcichsamtZ des Innern. Werfen wir das des Feindes sind unbekannt.
Scheusal tn die Wolfs)chlucht. (Beifall.) — Liebknecht begründete > weiter einen Antrag, der einen besonderen ständigen Ausschuß für die an Li militaristische Propaganda verlangt und einen zweiten »Antrag, der fordert, daß unter den zum Militär einrückenden Mannschaften die a n t i m i l i t a r i st i s ch e Agitation einsetzen soll und zwar durch Flugblätter während der Musterungen oder der Militäraushcbnng. tlMd) kurzer Erörterung zieht Liebknecht feinen erster: Antrag zurück. Der zweite wird durch Ucbergang zur Tagesordnung erledigt, da die Zahl der Delegierten fich^bereits bedenklich gelichtet hat. — Ein Antrag SC'iagbeburg, die statistische Aufnahmen über die sozialen Zusammensetzungen der Reichstagswühlerschaft verlangend, wird
— Ans Homburg wird unS unter dem 21. d. geschrieben: Unser Badeort hat schon manchen Herrscher in seinen Mauern beherbergt, aber keinen vielleicht, der so viel daftir getan hat, daß sein Andenken von den Homburgern unvergessen bleibt, wie Seine exotische Majestät Tschulalangkom von Siam. Der Weg zur Popularität geht durch den Geldbeutel: darum und ans angeborener orientalischer Freigebigkeit hat der König von Siam besonders dafür gesorgt, daß er nwgUchst viel Geld in Homburg ließ. Er mag auch wohl unter seinen europäischen Begleiten: einen oder deck andern haben, der ihm noch besonders behilflich ist, sein Geld an den Mann zu bringen, und daß er nicht zu billig gekauft hat, dafür spricht die Zufriedenheit der Homburger Geschäftsleure. Teils ging er selbst in die Läden, teils ließ er sich die gewünschten Sachen zur Auswahl in sein Hotel kommen. Ganz und jjar nicht hielt er mit seiner huld- oollen Gegenwart zurück, ^eute aber, an seinem 54. Geburtstage, hatte er zahlreiche Einladungen zu einem großen Gartenfest an „prominente" Persönlichkeiten in Homburg, Frankfurt, Darmstadt, Mainz re. ergehen lassen (d. h. man konnte sich bei seinem Großkämrnerer melden und erhielt dann, wenn man eine entsprechende „Persönlichkeit" war, eine Einladung), und er hatte außerdem „in Gnaden gestattet", daß die im Juni d. I. erbohrte neue Quelle heute auf seinen Namen getauft wuöde. Ms Zeichen seiner besonderen Huld wird er noch eine beträchtliche Summe (man spricht von 100 0 0 0 M k.) stiften, um eine Brunnen- Halle, im Stile eines siamesischen Tempels, zu erbauen, und die KNrverwaltung wiederum dankt ihm dadurch, daß sie die Anlagen- die sich um diesen Brunnen herum erstrecken sollen, mit dem Atomen „siamesische Anlage n" schmücken
Man ist ja geneigt, zn spotten über dieses Brinrvorium ber diese höchst offiziellen devoten Verbeugungen, die man
und über diese höchst offiziellen devoten Verbeugungen, die man vor dem Heinen, siamesischen Herrscher macht. Und ein bischen komisch berührte es ja, als die Ankunft Sr. gelben Majestät heute früh von den dichten Menschenmengen, die sich an der festlich und reich geschmückten Quelle — cs gab Fahnen und Blumen, Gensdarmen und einen Fürstenpavilchn tont comme chcz nous — cingefnnden hatte, mit militärisch-oxitoniertem dre:- sack-em „Hurra" begrüßt wurde. Aber wenn man es recht be* henkt, fo' lag in dieser sympathischen Aufnahme mehr Berechn Ligung, als wenn irgend e:n ausländischer Herrscher in Berlin am Brandenburger Tor mit Jubel begrüßt wird, denn die Homburger haben sicherlich mehr Gruind, dem siamesischen König zu- -ujubeln, als die Berliner etwa dem König Alsons>. Die Feier der Namengebung der Neugebohrten (fast ' hätte jch geschrieben : „Neuaeoorenen!") verlief .mit ebenso komischer Feierlichkeit, wie alle solche offiziellen Feiern.' Aber heute abenb bei dem Gartenfest, wy 2500 Mensches heim König Lü Gaste geladen Maren,


