Ausgabe 
23.5.1907 Erstes Blatt
 
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Der -eW-e Leyrertag in Iriedöerg. n.

V Friedberg!, 22. Mai.

War schon die gestrige Vertreterversammlung sehr stark jLprcht, so war es erst recht die heutige Hau p tversamm- knng. Au dcu Großherzog wurde ein Huldigungs-Tele- tzcaurm abgesandt. In längerer Begrüßungsrede eröffnet Kack es die Verfanunlung. Er wirft einen Rückblick auf ferne 25 jährige Leitung des Vereins und gedenkt in Dank- Arrckeit seiner verstorbenen Miürrbeitcr und des Entgegen- ckcmmrens der obersten Schulbehörde. Besonderer: Dank Äoidmet er dem Gründer des Vereins Lehrer Joh. Schmitt. Mus die jetzige Einmütigkeit im Landeslehrerverein hin- ßveisend, ruft er den Lehrern zuSeid einig!" Kreisrat Key betont die hohe Bedeutung des Lehrerstandes, in fdessen Hand die kostbarsten Güter der Jugend, die Förde- rung der Heimat- und Vaterlandsliebe gelegt sind. Weiter sprachen Schulrat Süß, Direktor Dr. Schäfer, Beigeord­neter Hieronymus und Seminarlehrer Müller. Auf .Antrag des Stellvertreters Kcrßlick sanktionierte die ^Hauptoerasmmluug einstimmig den Beschluß der gestrigen .Delegiertenversammlung, wonach Backes zum Ehren­vorsitzende u ernannt wirb, und ihm aus der Backes- stiftmrg 500 ?Rark überwiesen werden. Der neue, auf sechs Jahre gewählte Obmann Huff-Darmstadt legt das Ge­löbnis ab, das Vereinsschiff im selben Sinn und Geist wie Water Mates zu leiten. Das Ziel sei, alle hessischen Volks- «fchullehrer zu bereinigen. Wir erstreben eine achtungs- würdige Stellung und eine der Große der Arbeitslast ent* 'sprechende Besoldung. (Anhaltender Beifall.)

Rcunmehr ergreift Lehrer Mink-Bensheim das Wort zu seinemLLortrag.-DiePrüfungen in der Volks­es chule", durch die Prüfungen leiden Herz und Gemüt der ,$inber, sie geben Lein genaues Bild von den Wirkungen des Unterrichts, sondern eine Verdunkelung der Leistungs­fähigkeit und des Standes in einer Klasse. Kinder und Lehrer sind vor und während der Prüfung aufgeregt, Ueber- fchreitungeu des Züchtrgungsrechts sind nicht selten die 'folgen. Die Prüfungen sind nur eine Parade und ihr ^gehen Drillen und Einpauker: voraus. Die Prüfungei: ver- ! Ursache:: bedeutenden sinanziellen Aufwand, der zur besse­ren Ausstattung der Schulen verwandt werden sollte. Die Prüfungen sind ein Httrmschuh für eine gedeihliche Gr- Nehüngsarbeit. Die öffentlichen Kirchenvisitationen sind zu verwerfen. Wir verlangen der Kirche gegen* aißer volle Selbständigkeit; nicht unter, sondern neben der Kirche wollen wir arbeiten an Menschenglück iumb ^bildung. Darum soll die Losung sein:Los von cher Kirche, hin zum Altäre". Änganhaltender Bei­fall folgte den Ausführungen des Redners.

Schulrat Scherer aus Büdingen trat für Beibehal­tung der Prüfungen ein, doch sei eine Reform des Prüfungs­wesens erforderlich. Man solle und könne bei der jetzigen Verfassung die Gemeinde von der Aufsicht nicht ausschalten. iJhriug-Raunheim, Backes- und Kaßlick-Tarmstadt traten sirr Abschaffung ein. Kein deutscher Bundesstaat außer Hessen kennt die periodisch wiederkehrenden Kreis­schulkommissionsprüfungen, und diese Ausnahme-Einrich- tmvg> die in Hessen auch nur die Volksschule, nicht auch die -höheren Schulen betrifft, n:üsse beseitigt werden, sie schädige einen gedeihlichen, erziehlichen Unterricht.

Nach dem Schlußwort des Referenten Mink werden folgende Thesen einstimmig und mit lebhaftem Beifall an­genommen :

1. Die Prüfungen geben kein richtiges Bild von dem geistigen

(Zustand einer Klasse, psychische Momente drücken das Prüfuugs- 'ergeünis herab. 2. Der Unterrichtsbetrieb wird durch die Prü- fwlgen ungünstig beeinflußt; ein Drill- und Banksystem wird .begünstigt, unter dem Lehrer, Schüler und Elternl)aus leiden, chn Stelle des Unterrichtszieles tritt das Prüfungsziel, die Unter* stichtstätigkeit wird ungleichmäßig, häufige Bestrafungen und Ueber- schreitungen des Züchtigungsrechts sind Begleiterscheinungen des Prüfungswesens. 3. Die Prüfungen haben nicht selten für den Lehrer unverdiente Demütigung zur Folge und haben auch schon öfters Anlaß zu Streitigkeiten zwischen Lehrer und Gemeinde, sbezw. Kirche gegeben. 4. Die großen Summen, die der kostspielige Prüfungsapparat verschlingt, können im Interesse der schule nutzbringender angelegt werdet:. 5. Die Kontrolle des Schul- chetriebes hat durch Inspektionen zu erfolgen, die lediglich durch ^fachmännisch gebildete Schulaufsichtsbeamte ausgeübt werden. |G. Auf Grund obiger Erkenntnisse ist die Abschaffung der Prü- kfungen zu erlangen. Nur als Berufungsinstanz haben sie Be- srechtigung."

Um 3 Uhr schloß Backes in bewegten Worten die (HauptVersammlung, die letzte, die er als Obmann leitete.

Der Feuerversicherungs-Verband hessi­scher Lehrer tagte gestern nachmittag unter dem Vorsitz des Hauptlehrevs Kn au ß-Gießen. Mit dem Ablauf des diesjährigen Geschäftsjahres bl:ckt der Feuerversicherungs- iVerband hessischer Lehrer auf eine zehnjährige Geschäfts- Stätigkeit zurück. In nicht ferner Zeit wird reicher Segen für den hessischen Lehrerstand u::d ganz besonders seine Mohltätigkettsanstalten davon auSgehen. Auch im ver­flossenen Geschäftsjahr erforderten vier kleinere Brände >e:ne Deckung von 162 Mark. Mit diesen hat der Verband leit seinem Bestehen 1384.15 Mark für Br>u:dschad en aus- «gezahlt. Die diesfährige Jahresrechnung schließt mit einem Reingewinn von 4089.24 Mark ab, durch welchen der Re­servefonds auf 21631.75 Mark gebracht wird. Der Gewinn !'beträgt für 1906 4089.24 Marc, die Zahl der Mitglieder 'be§ Verbandes 1550, welche mit 818207i Mark versichert sind, sodaß der durchschnittliche Versicherungsbetrag eines Mitgliedes sich auf 8214 Mart beläuft. Auf folgende Be­zirke fallen Sie veigefügien Versicherungsbeträge: Als­feld 100060 Mk., Butzbach 72 215 ML, Darmstadt 339 208 Mark, Friedberg-Bad-Rauheim 160 228 Mk., Gießen 234 537 Mark, Gießen-2and 88122 Mk., Lauterbach 150 341 Mk., (Mainz 132 746 Mk., Offenbach 502 238 Mk., Worms 298831

Aus Anlaß der Hauptversammlung gaben sich mehrere Jahrgänge der Lehrer mit ihren Klassenbrüdern ein Stell­dichein, so diejenigen Herren, die vor 25 Jahren und vor 50 Jahren das hiesige Seminar verließen.

Heute vormittag fand auf Einberufung des Lehrers Reitz aus Ottenbach eine Versammlung der Lehrer und Freunde des naturkundlichen Unterrichts statt. Es wurde ein Land e s ve rb an d für He s s e n ge­gründet und Rertz mit der Leitung des Verbandes betraut. Der Verband zählt ea. 700 Mitglieder.

Englische Kommunalpolitiker in Deutschland.

Bon unserem Korrespondenten.

Frankfurt a. M., den 22. Mai.

Zum ersten Male sah gestern der stolze Röowrsaal, der mehr dem: tausend Jahre deutscyer Geschichte erlebt hat, Albions Gäste unter seiner ^prunwollen Deck. Parlamentarier waren'S, Bürger», ttstcr uiu) Staatsbeamte, die den Weg über den Kanal genonunen, um in deutsafen Landen und Städtm: deursche Kom­munalpolitik zu studieren.Deutschland ist uns über^

über in gewissen Beziehungen k" bekannte mir gegenüber btt Sex kretär der Gesellschaft Dr. Lunn.

Ein seltenes Bild bvt der Kaisersaal. Die Engländer waren zum Teil in Amtstracht, zum 'Teil-in Uniform erschienen. In purpurnem, pelzverbrämtem Mantel schritten verschiedene Lord- nuryors in den Saj,:l. Schotten trugen den knallroten Mayors- rvck mit breiter Schärpe, ParlamentsNiitglieder hatten die engt. Hoftracht angelegt: Samtjacket mit fpitzenumsäumten Aermeln, Kniehofei: und Schnallenschuhe. Die Hand am1 Degenknaust schritten sie in den Saal.

Bei dem Festmahl fiel es' auf, daß bei dem Hoch auf den Oberbürgermeister Adiclles der Sekretär des englischen Ko­mitees, Dr. Lunn, der kürzlich vom Kaiser den Roten Adler­orden erhalten hat, auf die politische Zukunft unb die zu- künftige Laufbahn von Dr. Adickes chinwies. Die englischei: Gäste stimmten durch ostentativen Beifall den Wirten ihres Sprechers bei.

Und so schnell wurden während des Mahles die kühlen Engländerwarm", daß sie Hipp Hipp Hurva riefen und sangen: He is a jolly good fcllow lath nobod'y can deny^ . . . Fehlte nur noch der Verbrüderuttgskutz. . .

Da Festmahl ist zu Ende. Oberbürgermeister Dr. Adickes, Arn: in Arm mit dem früheren englischen Unterrichtsminister, verlassen den Saal. Die anderen folgen, man findet sich beim Mokka in den angrenzenden Räumen Die Gelegenheü zu inte­ressanten Interviews war geboten Bei Dr. Lunn beglann ich mit der Frage:

Welches vst der Hauptzweck der Deutschland fahrt?

Wir wollen insbesondere das deutsche Schulwesen und die sanitären städtischen Verhältnisse in Deutschland kennen lernen. Da ist uns Deutschland über. Gerade Frankfurt mit feinen imposanten Schulbauten soll uns beispiel­gebend sein. Und dann: Reben dem kommunalen Studium aber wollen wir noch eins: Den internationalen Frieden befestigen. Das ist das erstrebenswerteste Ziel all und jeder Kultur!"

Und der Englandhaß auf Deutschland, die Er­bitterung auf dengerman boy" ?

Glauben Sie mir," betonte Tr. Lunn, ,chas ist in der Hauptsache ein Machwerk einer gewissen Presse. Der Engländer haßt Deutschtum und Deutschland nicht. Wir kommen gern über den Kanal nach Deutschland, kommen hierher, weil wir wissen, daß unsere Fahrt unserer englischen Kommunal- polück reichen 97utzen bringen wird! Betonen Sie das be­sonders, daß wir den Frieden wollen, den internationalen!"

Auch der- Präsident des Komitees Lord Lyveden nru&te nur Gutes zu melden. Er ist ein Lord vom Scheüel bis zur Sohle. Ein Mann, dessen weißes Haupt von Erfahrungen kündet, dessen Auge forschend und spähend ausschaut. Er erzählte: Eigentlich ist der deutsche Kaiser der Urheber dieser Deutschlandfahrt. Er begrüßte m:ser Vorhaben auf das herzlichste und sprach die Hoffnung aus, daß wir neue An­regungen aus dem deutschen Kvnrumnalwesen mit nach Hause nehmen möchten. Und diese Hoffnung hat sich erfüllt, denn unsere vorjährige Deutschlandfahrt hat bereits Früchte getragen, unsere diesjährige wird ebenso reich an Ausbeute sein! Wir wollen uns gegenseitig, gründlich kennen lernen; gelingt uns das, dann ist die Bläsis für gemeinsame Arbeit geschaffen!"

Und was hatte der frühere englische llnterrichts- m i n i ft r zu sagen? Von größter Bedeutung sind die Worte, die von der Befestigung des internationalen Friedens kün­deten. Als ich Gorst sprechen hörte, daß Deutschland in gewissen Beziehungen England überflügelt hat, daß klein­liche Eifersucht und unliebsames Mißverstehen wohl nwhr ein Werk geschäftlicher Konkurrenz ist, daß England und Deutsch­land dieselben Grundsätze, aber auch dieselben Vorurteile haben, da mußte man es glauben, daß der Deutschenhaß in England wohl mehr oder minder, wie auch Oberbürgermeister Adickes richtig betonte, ein Werk jener Elemente ist, die Zwietracht ftiftim wollen um jeden Preis. Die Worte des englischen Ex­unterrichtsministers gesprochen zu Frankfurt a. M., am 21. Mai, wird man sich besonders merken müffen. Sie lauteten:

Die Bemühungen um die Vervollkommnung munizipaler Emrichtungen knüpfen ein enges Band zwischen den verschiedenen Rationen, aber das Ziel der gegen­wärtigen Studienreise noch ein höheres, die Befesti­gung des internationalen Friedens, das höchste Ziel der Kultur.

Tie englischen Komnrunalvotttiker besichtigten heute verschie­dene städtische Einrichtungen, wobei u. a. Stadttat Lautenschlager in englischer Sprache einen Vorttag über die bauliche Ent­wickelung der ^tadt, über Sttaßendurchbrüche und Zonen-Ein- teilung hielt. Einer der englischen Herren dankte im Auftrage des Komitees für den glanzenden Empfang und den lehrreichen Vortrag. Nachdem am Donnerstag früh wettere städtische Ein­richtungen besichtigt fein werden, beabsichtigen die englischen Gäste Homburg und der Saalburg einen Besuch abzustatten Tie Abreise nach Heidelberg ist für Freitag mittag in Aussicht genommen. __

Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft.

(Orig.-Bericht des Gieß. Anz.)

. B. Worms, 22. Mai.

Der geschaftl:che Teil der diesjährigen Tagung der Deutschen Kolonialgesellschaft begann heute mit einer vertraulichen Sitzung des Vorstands. Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg präsidierte. Als Vertreter des Reichsmarineamts war erschienen der Wirkl. Admiralitätsrat Dr. Köbner. Rach den Darlegungen des Präsi­denten ist die Vermögmslage günstig. Indessen stellen zahlreich eingegangene Anttäge erhebliä>e Angriffe an die Fonds, was um so mehr beachtet werden müsse, als andere Anträge hinwiederum eine Herabsetzung der Mitgliederbeiträge fordern. Die int Voran­schlag für das ganze Jahr vorgesehenen 22 000 Mark für Agitationszwecke wurden schon aufgebraucht durch die erhöhte Werbetätigkeit in der Zeit zwischen Auflösung des Reichstags und der Neuwahl. Zur Auffüllung des Werbefonds muß diefe Summe nun nochmals bewilligt werden. Für Veranstaltung von L:chtbildervorführungen werden 6000 Mk. garantiert. Weitere 5000 Mk. sollen zur Unterstützung der Expedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg (eines Bruders des Präsidenten) nach dem Viktoria-See bewill:gt werden. Zur Popularisierung der afrikanischen Eisenbahnen sckstugen Oberpostdiretlor Hofmann und Konsul Vohsei: vor, das Material der Regierung zu verbreiteiu Zum Wißmann-Denkmal in Daressalam erbat der Präsüwnt von den Abteilungen Beisteuerung neuer Mittel. Admiral z. D. Strauch forderte die Fortsetzung der Usambarabahn. Entgegen anderslautenden Berichten, u. a. in der Tägl. Rundschau über die Besiedelung in Ostafrika erzählte Hauptmann a. D. L e u e aus eigner Kenntnis, daß die früher :nt Kaukasus ansässigen Deutschen in Südost ganz vorzüglich angesiedelt seien. Im Auskunftswesen wird angeregt, die Zweiganstaltei: in dieser Hinsicht besser auszu­gestalten (mit, Material). Ein Antrag Breslau auf Unterstützung einer Südseeforschungsreise wurde abgelehnt. Auf Antrag des Dr. Hmdorf (Charlottenburg) wird der deutschen Kolonialschule in Witzenhausen zur Förderung der kolonialen Tierzucht auf ein Jahr die Summe oon 5000 Mk. gewährt. Schließlich ist noch von einer Erklärung des Herzogs Johann Albrecht Notiz zu nehmen. Er sei gestern mehrfach mündlich und heute auch telegraphisch gefragt worden, ob er, wie behauptet werde, das Präfidium in der D. Kol. Ges. niederzulegen beabsichtige. Er sehe dazu keinen Grund. Unter lebhaftem Beifall schloß der Präsident:Wir bleiben zusanm:en." (Also ist die Nachricht von seiner Wahl zum Regenten in Braunschweig doch unrichttg gewesen? D. R.)

Am Abend fand eine von der Stadt veranstaltete Festlichkett im Fest-Spielhause statt. Unter den Erschienenen bemerkten wir: Gras Arnim-Muskau, Kontreadmiral z. D. Ascher, die Reichs- tagsabgg. Dr. Arning-Berlin, Schwarze-Lippstadt, die Gouver­neure a. D. Leutwein und von Bennigsen, Exz. von Holleben, Wirkl. Geheimrat Dr. Hamn: (Bonn), Heinrich 32., Prinz Reuß, Konsul Schwabe-Berlin und die Wormser Abgg. v. 5>eyl und Reinhart,

Aus Sta&t uns Luns.

Gießen, 23. Mai 1907.

** Ein neuer Kammer-Antrag des Abg. Brei" mer betrifft den Gesetzentwurf über die Jagd, und zwai wünscht er folgenden Zusatz zu Artikel 20: 1. Tie in ein Gc- meindejagdgebiet einschneidenden Parzellen eines iagdberechtigten: Grundbesitzers, welche die Arrondierung und Ausübung einer Ge­meindejagd erheblich erschweren oder den Wett berfelben pro Hektar bei Nichtzugehörigkeit zu vermindern in der Lage sind, werden mit der Gemeindejagd verpachtet und nach den in diesem Artikel festgelegten Bestimmungen, Jagdausübung und Jagd- pachtentschädigungei: betreffenb behandelt. Streitigkeiten werden unter Ausschluß des Rechtsweges im Verwaltungsstreitverfahrery entschieden. 2. Auf neu erworbene Grundstücke :n_ einer Otts- gemarkung kann das Jagdrecht von dem anstoßenden jagd- berechttgten Grundbesitzer nicht mehr ausgedehnt werden, es bleibt nach wie vor der Gemeinde.

"Kolportage. Vieliach wird darüber geklagt, daß die Bewohner durch männliche und weibliche Kolporteure, die Bücher in Heften und Zeitschriften anbieten und sich dabei auf die Em« pfehlunc; der Pfarrer berufen, belästigt werden. Aus Erkundigung an zuständiger Stelle wird uns die Auskunft, daß die hiesigen Pfarrer allen solchen Dingen ganz fernstehen, daß sie es sorgfältig vermeiden, ihre Gemeindeglieder zu solehen Ausgaben zu veran­lassen, und daß sie, wenn sie wirklich einmal etwas zu empfehlen haben, dies unter allen Umstände,: schriftlich tun. Wir können daher nur raten, alle, die sich in dieser Weise auf die Pfarrer be­ziehen, so jetzt wieder die Verbreiterin de? ^Grüß Golf, um dieser Unwahrheit willen abzuschicken, selbst wenn es sich, wie in diesem Falle, um ein an sich ganz gutes Blatt handelt.

t Lang-Göns, 23. Mai. Am Pfingstmontag be­teiligte sich der GesangvereinGermania" an dem Ge­sangwettstreit in Langendiebach bei Hanau unb errang unter sieben schon mehrfach preisgekrönten Vereinen den 2. Preis, bestehend aus einem wertvollen Trinkhorn und 50 Mark in bar. Cs ist dies das vierte Mal, daß der Verein Preise errungen hat. Am Abend der Rückkehr wurde der Verein von seinen passiven Mitgliedern und Fremckren im Fackelzug abgeholt und in das Vereinslokal geführt. Am 3. Pfingstfeiertag fand in der Gartenwirtschaft zur Poft eine Feier statt. Der Präsident A. Müller dankte dem Dirigenten Sames aus Holzheim für seine vorzügliche £ci- tung und schloß mit einem Hoch auf denselben.

-1-. Arnsburg b. Lich, 22. Mai. Am PftngstdienStag feierte das Rettungshaus fein Jahresfest. Da eS wieder wärmer geworden war als an den vorhergehenden Tagen, so hatte sich eine große Schar von Zuhörern auf dem Feft- platze in einem herrlichen Buchenwald versammelt. Auch I. I. K. K. H. H. der Groß Herzog und die Großherzogin, die zu Besuch in Lich weilten, nahmen mit den Licher und Laubacher Herrschaften an dem Feste teil. Der erste Fest­redner, Dr. Busch aus Frankfurt, zeigte an der Hand der Tageslosung Richter 6, 23.24., wie man ein ganzer Mann wird, worauf Pfarrer Löhr aus Elberfeld im Anschluß an Joh. 7, 37.38 hinführte zur Lebensquelle, die in JesuS sprudelt. Durch die Vorträge zweier Gesang- und Posaunen­chöre wurde das Fest verschönt. Möge es dazu beigetragen haben, daß die Arbeit in der Anstalt zu Arnsburg wieder inehr Teilnahme und Förderung erfahre.

X Reiskirchen, 22. Mai. Heute nachmittag wurde der so jäh auS dem Leben geschiedene Heinrich Lau nspach von hier zu Grabe getragen. Das ganze Personal deS Kornnttrzienrais Heyligenstädt, bei dem Launspach längtet Jahre in Arbeit stand, der hiesige Kriegeroerein sowie der Kriegeroerein von Lindenstruth und eine große Menge von Leidtragenden erwiesen dem Toten die letzte Ehre. Pfarrer Gombel hielt eine ergreifende Grabrede. Zu dem bereits gemeldeten Unfall haben wir noch zu berichten, daß sich außer Herrn Damm, dessen beide Söhne, von denen der eine ebenfalls schwer verletzt wurde, zwei Kinder deS verstorbenen Launspach, von denen das eine schwere Verletzungen am Kopfe erhielt, sowie noch 2 Herren aus Großen-Buseck aus den: Gefährt waren, die auch Verletzungen am Kopse davon trugen. Beide befinden sich aber außer Lebensgefahr.

bk F r : e d b e r g, 23. Mai (Tel.). Der Biecverschleißet der Akticnbrauerci Aschaffenburg David Schreijack wird seit den: ersten Feiertag vermißt. Man will ihn zuletzt art den Ufer der Wetter gesehen haben. Wahrscheinlich hat er sich nach Unterschlagungen ertränkt. 5 Meter von dem in der vorigen Woche entdeckten römischen Ofen ist man auf einen weiteren Ofen aus altrömischer Zeit gestoßen, deffen Ausgrabung freilich mit mancherlei Schwierigkeiten ver­knüpft ist, da gerade an der Stelle Neubauarbciten statt- sinden. Doch hofft man auf noch weitere wertvolle Funde.

k Vilbel, 23. Mai (Tel.) Gestern fand die Landes­polizeiliche Abnahme der neuen Bahn st recke Helden- bergcn-Vilbel durch Vertreter des heffischen Ministeriums statt. Einweihungsfeier sindet nicht statt.

a. Muß bei Landenhausen, 22. Mai. Ein recht be­dauerlicher Unglückssall ereignete sich heute nachmittag hier. Der Landwirt Fr. Bayer kam ins Rad seines Wagens und wurde etwa 250 m geschleift. Dabei wurde ihm ein Bein förmlich abgerissen. Ob der Schwerverletzte mit dorn Leben davon kommen wird, ist zweifelhaft.

Mainz, 21. Mai. Der Stadtverordnete N. Reis, hat bei dec städtischen Verwaltung den Antrag gestellt, sämtliche Volksschulen der Stadt einheitlich zu organisieren und an die Spitze des gesamten Volksschulwesens einen besonderen Stadt­schulinspektor zu stellen. Oberbürgermeister Dr. Göttel- mann ist wegen dieser Frage mit dem Ministerium in Unter­handlung getreten. Hier starb dec populärste Gastwirt von Mainz, der Besitzer dec BrauereiZum Birnbaum", Franz Geier. Einen besonderen Nuf hatte er sich durch seinen K:nderreichtum (oon zwei Frauen wurden ihm 35 Kinder geboren!) erworben.

Wiesbaden, 22. Mai. Heute vormittag wurde hier der 23. deutsche Protestantentag eröffnet. Pfatter Fischer aus Berlin sprach über die kirchenpolitische Lage in Deutsch­land und die nächsten Aufgaben des Kirchenliberalismus. Die Beratung wird drei Tage in Anspruch nehmen.

Frankfurt a. M., 22. Mai. Auf Ansuchen der Staatsanwaltschaft Köln wurde ein hiesiger Agent, der an dem Tode eines 28jährigen Mädchens als mitschuldig ver­dächtig ist, verhaftet. Heute ist an derselben Stelle, wo der Chauffeur der Adlerwerke verunglückte, der Benz- wagcn 7c gegen eine Telegraphenstange gerannt. Der Führer des Wagens, Spanmann, erlitt eine schwere Kopf­wunde. Der nütfahrende Piechaniker erlitt leichtere Ver­letzungen. Gestern wurde an der neuen Eisenbahnbrücke die Leiche des 17jähcigen Taglöhners I. Jhl aus Niederrad gefunden. Jhl wurde seit dem 17. Ma: zusammen mit der