Bditbtofrte, in Abrede stellte und warnte, dem Bunde den Fehde- Handschuh hinzuwerfen. „Bleiben Sie aus Friedberg-Büdingen, bekämpfen Sie den Grafen O r i o l a und den Frer- herrn v. H e y l nicht, bringen Sie keinen Durcheinander in den Bund, Sie könnten dabei nur verlieren", so schloß er.
Stadtv. Nechnungsrat Götz-Darmstadt referierte über dre Gründung eines hessischen Landesverbandes. Der Redner sagte, daß bei den letzten Rcichstagswahlen das Fehlen einer Organisation der dcutschsozialen Partei speziell im Großherzogtum Hessen sich besonders fühlbar gemacht, sonst wären die Erfolge noch größer gewesen. Man habe beschlossen, einen hessischen Landesverband zu gründen, der die Reichstagswahlkreise im Groß- derzoglum, sowie fine Kreise Frankfurt a. M. und Hanau-Geln- yausen umfassen und organisieren soll. Der L a n d e s v e r - band soll in Kreisverbände, die mit den Wahlkreisen identisch waren, geteilt werden. An der Spitze, des Landesverbandes soll der Borstand, bestehend aus dem ersten und zweiten Vorsitzenden, dem Schriftführer und Kassenwart, stehen. Nachdem der Referent eine Anzahl Satzungen für den zu gründenden Verband verlesen, bat er, heute die Gründung desselben vorzunehmen, den Sitz des Verbandes und den Vorstand zu wählen.
Nach kurzer Diskussion geichah i>ic3 — 2-a rmftadt wurde als Vorort gewählt — und der V o r sta n d des Landesver- bandes bestimmt. ^Letzterer besteht aus dem erpen Boriitzeiüxni (Amtsrichter Dr. M a h r-Darmpadt), zweiten Borjitzenden (Laird- tagsabg. B ä h r-Derrenhaag) dem Schri>tiührer ^Rechtsanwalt Dr. G e ß ner-Darntstadl- und dem Kassenwart (Stadtv. Go tz- Darmstadt). o <
Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf dre he,seichen L a n o- tagswahlen 1908. Amtsrichter Dr. Mahr führte aus, datz der deutsa>foziale Gedanke zu einer l-errichenden Stellung in Dessen )iiyi auswachjen müsse, und kritisierte bte Einieitig- keit der Abgeordneten des hessischen Bauernbundes in der 2. he j fischten Kammer, die eigentlich nur Bauern- interessen verträten. Alle seien zu wenig arbeiter- freundlich und nahmen keine R ü ck s i ch t auf den Beamten- und Mittelstand. Disziplin herrscht auch n ich t, sonst hätte der LandtagsivAylt'rcis 9ieinyeini Nicht an bcn sidenten ausgeliesert werden und der Abg. Hirschei nicht m die,em Kreise für Haas und im Reiclistagswuhlkreise Frieoberg—Büdingen für Oriola agitieren können, und der Abg. Wvfi-^üa- deüen wäre nicht in die Lage gekommen, in der Kammer zu erilaren, es sei nicht angängig, dutz B e a ni t e s i ch a n der p o l i t i ich e n Agitation beteiligten. Im Jahre 1908 wären 9 Laiid- tagslvahlkreise zu nehmen und deshalb beantrage er, daß die deutschsoziale Partei selbständig in die Lsand- tagsioahlen in Dessen eintritt und der Voriüand des heute gegründeten Landesverbaiides beauftragt würde, ein Landtagswahlprogramm auszuarbeiten. Dieser Antrag fand Annahme, worauf der Vorsitzende die Versammlung schloß.
Ale KruvenunMe im Saarrevier.
Forbach, 17. März.
Ueber die Schlagwetter-Explosion werden folgende Einzelheiten gemeldet: Das Unglück fand vorgestern abend um 103/* Uhr auf dem Schachte Vuillemin auf der 382 Meter-Sohle tn einem Fettkohlenflötze statt, der bisher keine Schlagwetter führte. Die Bergleute arbeiteten dort mit Vorliebe und mit dem Gefühle großer Sicherheit. Als das Unglück sich ereignete, arbeitete eine Versackungs-Nachtschicht, die nur ein Drittel so stark war wie eine normale Früh-Fördersckstcht. Aus diesem Grunde war die Zahl der Opfer verhältnismäßig gering. Da die Versackungsarbeiten leichter sind, so sind die Opfer meist jugendliche und alte Arbeiter. Die'Schwerverletzten liegen an Brandwunden und besonders an den Folgen des Einatmens der giftigen Gase darnieder; sie leiden unter fortwährendem Erbrechen. An die Explosion schloß sich kein Grubenbrand; es war eine Schlagwetter-Explosion. >
Im Ganzen waren etwa 240—24a Mann einge,ahren in den Schacht. Sofort eilte Direktor Simon mit einer Anzahl seiner Beamten herbei und fuhr in den Schacht ein; auch traten alsbald die Rettungsmannschaften mit Trägerapparaten in Tätigkeit. Auf der Grubensohle stieß man zunächst auf den Körper des Wettersleigers Dapou, der alsbald heraufgeschafst wurde. Dayou gab c-ber schon nach wenigen Minuten, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, seinen Geist auf, ihn hatten die gütigen Nachischwaden getötet. Nunmehr wurde an der Bergung der Leichen fieberhaft gearbeitet. Einige, welch? in den Nachschwaden erstickt sind, sind absolut kenntlich und machen den Eindruck Schlafender; viele dagegen, welche direkt von der Stichflamme getroffen wurden, sind in dem ausgeschwemmteii Gesicht purpurrot, von den Dänden hängt die Haut und das Fleisch in Fetzen herab. Die Ursache des Grubenunglückes ist noch nicht aufgeklärt. Der Umftand, daß vom heutigen Sonntage ab ein neues Seil benutzt werden sollte, läßt darauf schließen, daß das alte Seil nicht mehr ganz brauchbar war. Das Sumpfwasser wurde mittelst Pumpen gesümpft. Dann konnte man zur Bergung der Leichen schireiten. Von den 22 Verunglückten sind 9 aus Völklingen. 19 Leichen sind geborgen. Drei, und zwar Bergleute aus Bous, liegen noch im Sumpfe. Schlosser such bei der Aroeit, um die im Sump,e steckende Förderschale zu zerlegen. Erst dann wird man die letzten drei Leichen bergen können.
Nach Angabe des dirigierenden Arztes des Knappschasts- lazaretts, Dr. Derges, betrug die Zahl der Toten heute 7 8, die der Kranken 9, davon haben 4 günstige Aussichten auf Genesung, während bei den übrigen die Prognose sehr ungünstig ist. Die Kranken, die durch Brandwunden im Gesicht, an den Armen und an der Brust furchtbar entstellt und zum Teil an diesen Körperteilen furchtbar entstellt sind, leiden augenscheinlich große Qualen. Einige der Verunglückten haben schwere Augenverletzungen erlitten und liegen ganz apathisch da; andere geben dem Personal und ihren Angehörigen, die trauernd die Betten umstehen, abgerissene Antworten. Am bedenklichsten ist, abgesehen von den Fällen, in denen die Brandwunden mehr als ein Drittel der Körperfläche bedecken, der Zustand derjenigen, die sich infolge Einatmens der heißen Giftgase eine heftige Entzündung der Lungen zugezogen haben. Diese haben hohes Fieber und sind nicht bei klarem Bewußtsein. Man flößt ihnen Walser mit Gummischläuchen ein.
Mehrere weniger schwer Verletzte erzählen, sie seien von der gewaltigen Erschütterung der Explosion zu Boden geworfen worben und hätten längere Zeit bewußtlos gelegen. Nachdem sie wieder erwacht seien, hätten sie sich, so gut es bei ihren Verletzungen ging, kriechend aus dem dunklen Stollen zu retten versucht.
Unter den Toten befindet sich per Steiger Saimwt aus Klein Rösseln, dessen Frau gestern früh Ziviltinge gebar. Die Toten sind meistens Leute in jungen Jahren und viele erst kurz: Zeit verheiratet. Unter den Toten befinden sich nur 14 Unverheiratete. '
In dem zum Teil mit Blattpflanzen geschmückten Knappschaftslazarett find lange Reihen von schmucklosen Särgen auf» gestellt, die man bereits geschlossen hat. Ein provisorischer Altar mit Kruzifix und brennenden Kerzen verleiht dem Orte eine iveihe- bolle Stimmung.
Die Besitzer der Grube, die Herren de Wadel, haben 100 000 ajtor t zur Bestreitung der ersten Bedürfnisse der Verunglückten und gestellt ngbhorigen angewiesen und weitere Fürsorge in Aussicht i Heusler sandte an die Hinterbliebenen eine Bei-
leidsdcpeiche umd zeichnete 1000 Mark.
Heer uitö Flotte.
London, 17. März. Ter neue Riesenkreuzer .Jndomilable" hat ein Deplacement von 17 250 Tonnen. Die Turbinen entwickeln 41000 indizierte Pferdekräfte, die dem Schiffe eine Geschwindigkeit von 25 Knoten verleihen Tie Länge des Schiffes beträgt 530, die Breite 78, der Tiefgang 26 Fuß. Tas Schiff ist somit der größte und schnellste Kreuzer der Welt. Die Herstellungskosten betragen 35 Millionen Mark.
Deutscyes Neicy.
Berlin, 16. März. Prinz Heinrich der Niederlande ist heute abend in Berlin eingetragen. Zur Abendtasel beim Kaiser und der Kaiserin waren geladen: der Prm^ der Kronprinz und die Kronprinzessin und Herzog Adolf Frichrlch von
— Nach einem im „Neichsanzeiger" veröffentlichten E r laß des Kaisers an den Reichskanzler soll den Technischen H ülfs ar b eitern bei dem zum Geschäftsbereich des Neichs- amts des Innern gehörenden Behörden nach 12jähriger Dienft- zeit der Titel „Technischer Rat" verliehen werden.
— Durch Kaiser!. Ordre wird folgendes bestimmt: Der in dem Schutzgebiet S ü d w e st a fr i ka bestehende Kriegszustand wird mit dem 31. März d. I. aufgehoben. Mit dem gleichen Zeitpunkt wird der Chef des Generalstabes der Armee von der ihm übertragenen Leitung der Operationen enthoben. Das bisherige Kommando der Schutztruppe für Süd- westafrika mit dem Hauptquartier ist sobald als möglich aufiu» lösen.
— Zu der Affäre desDiebftahls an Briefen des Generals Keim wird gegenüber den im Reichstage gemachten Ausführungen, wonach es sich lediglich um Abschriften der Briese handeln soll, mitgeteilt, daß gegen den der Tat dringend verdächtigen Registrator Oskar Janke Haftbefehl erlassen ist, weil er dringend verdächtig sei, sich einen Teil der Briefe im O r i g i n a l mittels Erbrechens eines Behältnisses zugeeignet zu haben.
Schwerin, IG. März. Die vier mecklenburgischen Neichs- tagsabgg. Frhr. v. Maltzan, v. Treuenfels, Dr. Dröscher und Nauck hatten in der Verfassungsangelegenheit eine Audienz bei beiden Großherzögen erbeten und eine Denkschrift eingereicht. Diese Denkschrift führt aus, der große Wunsch des mecklenburgischen Volkes sei auf eine Aenderung der Verfassung gerichtet. Den Versuchen, auf reichsgesetzlichcm Wege eine Aenderung zu schaffen, sei entgegenzutreten, da diese Versuche in die Verfassungsrechte Mecklenburgs ordnungswidrig eingreifen. Die Abgeordneten lehnen jede Einmischung de s Reichs a b, weisen auf den günstigen Verlauf der Reichstagswahlen in Mecklenburg hin und wünschen, daß durch die Verhandlungen zwischen den Ständen und der Regierung eine den veränderten Zeitverhältnissen entsprechende Landesverfassung geschaffen werde. Sie betonen, nicht an den Landtag appellieren zu können, weil zwei von ihnen dort nicht Sitz und Stimme haben. Beide Großherzöge erteilten bereits entgegenkommende Antworten.
— Die in Güstrow versammelten liberalen Vertreter der sieben mecklenburgischen Wahlkreise faßten eine Resolution, in der der Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß die versprochene V e r f a s s u n g s r e v i s i o n in wahrhaft zeitgemäßer und konstitutioneller Form durchgeführt werde.
Köln, 16. März. Gegenüber eines Artikel des „Temps" gegen den englischen Abrüstungsvorschlag bemerkt ein Berliner Telegramm der „Köln. Ztg.": Bei der a u f ri chtig friedlichen Stimmung in Deutschland hat für uns der Abrüstungsvorschlag viel Verlockendes. Je näher man ihn bann aber betrachtet, desto stärker werden die Bedenken gegen den Vorschlag selbst und gegen seine völkerrechtliche Behandlung. Wir wollen uns den scharfen Worten des „Temps": „Les paeisicistes sont des naifs du des blagueurs" nicht unbedingt entschließen, weil in ihren Bestrebungen, die wir gern anerkennen, auch viel edler Idealismus steckt. Durchaus zutreffend ist es aber, wenn der „Temps" unter Hinweis auf den guten Willen, den alle Mächte dem russischien Vorschläge entgegenbringen, feine Betrachtungen dahin zusammenfaßt: Man möge im Haag ein internationales Recht schaffen; das fei menschlich und gut; aber man möge nicht mehr versprechen, denn weitergehende Versprechungen werde man nicht halten können.
Aus Sradt und Land.
Sprechstunden der Redaktion:
V2 12—1 Uhr vorm., Vs 7—1/2 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag).
Gießen, den 18. März 1907.
* * Vom Gr0 ßh. Hofe. I. K. H. die Prinzessin Heinrich von Preußen und ihr Sohn, Prinz Sigismund, werden n. d. Darmst. Ztg. voraussichtlich Ende dieser Woche zu etwa 14 tägigem Besuche am Großherzoglichen Hofe eintreffen. In der Begleitung befindet sich die Hofdame Fräulein v. Plänckner.
* * Parlamentarisches aus Hessen. Eine an die 2. Kammer gerichtete Eingabe des Einkaufs-Vereins Mainzer Kolonialivarenhändler stellt bezüglich der Konsumvereine und Beamtenvcreine folgende Forderungen: Heranziehung zu den gleichen Steuern wie die des Kleinhandels unter gesetzlicher Einführung der Eintragspflicht; Ausfall jeder behördlichen Begünstigung dieser Vereine gegenüber dem Kleinhandel; Verbot für aktive Reichs-, Staatsund Gemcindebeamten eiilschließllch der Offiziere und deren Ehefrauen an der Beteiligung an solchen Vereinen. Ferner wird für die Warenhäuser eine möglichst hohe Umsatzsteuer verlangt. — Die Landwirte von Melbach bitten, dem Verkauf der sogen. Markiviese an der Wetter, auf der die kleinen Landwirte der Gegend ihren Bedarf an Heu und Grummet zu decken pflegen, an einige Großbauern die Genehmigung zu versagen. — Eine Beschwerde des Hch. Frdr. Winter zu Hoch-Weisel richtet sich gegen einige, ihn nach seiner Angabe benachteiligende Entscheidungen bei der Feldbereinigung der Gemeinden Hoch-Weisel und Münster.
* * H 0 l l ä n d. Generalkonsul. 9(n Stelle des auf seinen Antrag ausgeschiedenen Königlich Niederländischen Generalkonsuls Dr. Schmitt ist Jonkheer H. H. F. van Pan Huys zum Niederländischen Generalkonsul mit dem Amtssitze in Frankfurt a. M. ernannt worden.
* * Das Ende der Spielzeit im alten Theater rückt immer näher; es findet jetzt nur noch eine Abonnements- vorstcllllng am Dienstag und eine Volksvorstellung am Mittwoch statt, und es folgen bann zwei Abschieds-Vor- l'tellimgen. Die erste, am Freitag, wird vom Theater- verein veranstaltet, und es kommt m ihr ein lustiges Stück, „Zwei glückliche Tage" von Schönthan und Kadelburg, zur Aufführung bei geschmücktem Proszenium und unter Mitwirkung der Regimeutsmusik. An den Schluß des Stückes wird sich eine kleine Abschiedsfeier auf der Bühne anreiheu und darauf im Wandelpanorama der Wechsel unserer Theaterverhältnisse zlir Darstellung gelangen. Die Vorstellung wird, um ihr einen starken Besuch zu sichern, bei herabgesetzten Preisen stattfinden. Die allerletzte Vorstellung ist dann zwei Tage später, am Palmsonntag; sie trägt dem Tage angemessen einen ernsten Charakter und bringt Hebbels „Maria Magdalene".
* * Aus dem Bureau des S t a d t t h e a t e r s. In der morgigen, letzten Dienstagsabonnementsvorstelluug gehen drei Werke in Szene von denen zivei für Gießen Neuheiten sind. Den Abeiid eröffnet das einaktige Schauspiel »Die letzten Masken" von Schnitzler, das dem gleichnamigen Emakterzyklus des Dichters entnommen ist. Die folgende Skizze »Ein Mann der geliebt wird", ist dem Werke von Manuel Schnitzer „Meine Freundin von nebenan" entnommen. Es folgt Ludwig Thomas köstliche
Komödie »Die Medaille", die hier bekannt ist. Den Schluß des Abends bildet wie überhaupt an den letzten Spielabenden, der szenische Epilog „Vom alten zum neuen Haus" mit der neuen Wandeldekoration von Karl Schwedler.
** Der Hessische Handelskammertag, der gestern in Mainz statt fand, war im Hinblick auf das 25 jährige Bestehen dieser Institution sehr gut besucht. Tie Großh. Regierung war vertreten durch Ministerialrat Dr. Usinger und Ministerialsekretär Pistor. Von den auf der Tagesordnung der Vollversammlung des Deutschen Handelstages stehenden Gegenständen wurden nur einige heraus- gegriffen. So erklärte der Vorsitzende, D-r. Bantberger* Mainz,.daß an dem hohen Geldjtande das Börsengesetz einen großen Teil schuld habe und daß nur die Besertigung des Börsenregisters und die Aufhebung des Verbotes des! Terminhandels in Getreide und Wertpapieren zur völligen' Gesundung des Börsenwesens führe. Synd. Schloßmacher- Ofsenbach referierte als Berichterstatter für den Deutschen Handelstag über die Reform des gewerblichen Rechtsschutzes, insbesondere über den Zeichenschutz, wobei er betonte, daß der angestrebten Einführung eines sog. Firmenzeichens fast unüberwindliche Schwierigkeiten gegen- überstünden, und trat ferner für die Ausdehnung des im Patentrecht bestehenden Aufgebotverfahrens aus das Warenzeichenrecht ein. Syndikus M e e s m a n n - Akainz legte die oem Gesetzentwurf über die Rechtsfähigkeit der ge- werblichenBerussvereine anhaftenden Mängel dar. Weiter erörterte der Genannte in einem mehr als ein* stündigen Vortrage die Frage der Einführung von Schisf- fahr'tsabgaben. Es wurde eine Erklärung angenommen, welche aus rechtlichen wie wirtschaftlichen Gründen gegen die geplanten Abgaben scharfen Widerspruch erhebt. Ein Meinungsaustausch über das Gesetz vom 6. Aug. 1902, die hessischen Handelskammern betreffend, ergab, daß dem Gesetz eurige Mängel an haften, welche der Abänderung bedürfen; die Vorbereitung der hierzu erforderlichen Ar- beiten soll einer Kommission überlassen werden, lieber die Vermehrung der Gewerbeaufsichtsbeamten, insbesondere über die ins Auge gefaßte Anstellung von Arbeitern als Hülfskrüfte der Gewerbeinspektoren, referierte Syndikus Dr. F i e d l e r. Im Hinblick auf das durch zahlreiche neue Verordnungen und Gesetze erweiterte Tätigkeitsgebiet der Gewcrbeaufsicht sei wohl eine Vermehrung deS Gewerbeaufsichtspersonals notwendig geworden, ob es aber zweckmäßig gewesen sei, für diese verantwortungsvollen und überaus schwierigen Posten Arbeiter auszuersehen, darüber ließe sich streiten. Ministerialrat Dr. IIfinger trat dem Referenten scharf entgegen und verteidigte den Standpunkt der Großh. Regierung. Syndikus Dr. .Human-Tarmi stadt berichtete über den Verkehr mit Heilmitteln. Nach lebhafter Debatte wurde ein Antrag der Handelskammer Darmstadt angenommen, welcher sick dahin ausspricht, daß diese Frage bei der bevorstehenden Regelung des Apotheleuwesens vom Reichsgesundheitsamt unter Hinzuziehung von Slpothekern und Drogisten entschieden werdew soll, lieber die Erweiterung der Zuständigkeit der Amtsgerichte in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten bis zu einer Streitsumme von 1200 Mk. referierte Kommerzienrat Trier-Darmstadt; die Beschlußfassung über diesen Gegenstand soll einem außerordentlick)en Hessischen Handelstaimnertag Vorbehalten bleiben, lieber die F r a ch sätze der Musterkoffer der Handlungsreisenden berichtete der Syndikus Mees mann-Mainz; hierzu wird beschlossen, beim preußischen Minister der öffentlichen Alberten dahin vorstellig zu werden, daß eine allgemeine Ermäßigung der Frachtsätze für Musterkoffer der Geschäftsreisenden herbeigeführt wird und insbesondere der doppelte Zuschlag für Gepäckstücke über 200 Kgr. in Wegfall kommt. Zum Vorort des Hess. Handelskammertages wurde einstimmig wieder Mainz gewählt.
** Der Sängerkranz Gießen hielt am Sonntag abend im Neuen Saalbau sein Frühjahrskonzert ab, das sehr zahlreich besucht war und in allen Teilen sehr gut verlief. Das von dem rührigen Dirigenten, Herrn Franz Bauer, zusammengestellte Programm wurde mit dem Es- dur-Streichquartett von Mendelssohn eröffnet, das von den Herren Bauer, Geller, Krauße fen. und Krauße jun. in bester Weise zum Vortrag gebracht wurde. Dieselben Herren boten später noch Variationen aus dem Streichquartett A-dur von Beethoveir, die außerordentlich lebhaften Beifall sanden. Herr Ernst Krauße gab sodann zweimal Gelegenheit, sein großes Können als Cellist zu bewundern. Er mußte sich zu mehreren Zugaben verstehen. Ter gesangliche Teil des Abends stand unter dem Zeichen des Volksltedes. Herr Theodor Haubach sang mit feiner klangvollen und sehr ausgiebigen Baritonstimme zwei rev- zende deutsche Volkslieder, „Es war ein Nturkgraf über'm Rhein" und „Wie kann ich denn zur Tür herein". Herr Haubach wüßte in beiden Liedern, wie auch in einem weiteren, das er auf den lebhaften Applaus hin zugab, den Don des Volksliedes in treffender Weise wiederzugeoen. Ter Chor fang zunächst „Morgen im Walde" und dann eine Anzahl Volkslieder. Unter Herrn Bauers zielbewußter und temperamentvoller Leitung gab der stimmlich im allgemeinen gut und gleichmäßig zusammengesetzte Chor sein bestes und bereitete den Zuhörern einen hohen Genuß. Auch der F r a u e n ch 0 r fang unter Streichquartettbegleitung seinen Teil gut, sicher und ausdrucksvoll. Einen eigenen Reiz boten die gesungenen Volkslieder durch ihre geschickte Auswahl. Sie waren den Liederschätzen der verschiedensten Völler entnommen und boten dadurch Gelegen- heit zu interessanten Vergleichen über Charakter und Wesensart der verschiedenen Nationen, die sich ja nirgends besser erkennen lassen, als in seinen Volksliedern. — An das Konzert schloß sich ein Tanz an, der die Anwesenden noch recht lange zusammenhielt.
" Eine Ausstellung von Arbeiten, die beim Handfertigkeitsunterricht der hiesigen städtischen Knabenschulen im letzten Winter gefertigt worden sind, fand gestern vormittag im Volksschulgebäude an der Nordanlage statt. Die Ausstellung, die von den zahlreichen Besuchern mit sehr großem Jntereffe besichtigt wurde, bestand, ent- sprechend der dem sogenannten Leipziger Systeme folgenden Einrichtung des hiesigen Handfertigkeltsunterrichts, auS Papp- und Korbschnittarbeiten. Im wesentlichen wurden Gebrauchs- gegenstände angefertigt, und auf eine hübsche und geschmack- volle Ausführung wird offenbar großer Wert gelegt. Die bescheiden Papparbeiten genannte Abteilung bot recht hübsche Bnchbinderarbeiten, während man bei den teilweise recht geschmackvolle Arbeiten aufweisenden Kerbschnittarbeiten die versehiedeiisteu Gebrauchsgegenpände — vom einfachen Handtuchhalter bis zum eleganten Rauchtische sehen konnte. An dem Unterricht, der in beiden Abteilungen mit je 2 Kursen etwa 130 Unterrichtsstunden umfaßte, beteiligten sich im ganzen 63 Schüler im Alter von 12-^14 Jahren, die zum weitaus größten Teil (58) der Volksschule cmgehöcten.


