Oberbürgermeister Adickes empfing die Gäste und führte bei seinem Beqrüßungstoast, den er zunächst in deutscher Sprache hielt, etwa Folgendes aus: Es sei das erste Mal, daß man in diesem Saal ausländische Gäste -begrüße. Früher seien die Deutschen nach England gekommen, um dort die Gemeindeeinrichtungen zu studieren. Er sei erfreut, daß jetzt die Engländer hierher gekommen seien, um sich zu überzeugen, wie man das weiter gebildet habe, was man von ihnen gelernt habe. Diese gemeinsame Arbeit auf dem Gebiete des munizipalen Schaffens sei eines der besten Mittel zum gegenseitigen Verständnis der Nationen und zur freundlichen und verständnis- vollen Ausgestaltung der internationalen Beziehungen. Da Engländer und Deutsche in diesem Bestreben vereint seien, so schlage er vor, bei dieser Gelegenheit auf das Wohl der Monarchen der beiden Länder, König Eduard und Kaiser Wilhelm, zu trinken. Kurz darauf hielt Oberbürgermeister Dr. Adickes noch eine Rede, in englischer Sprache. Er erbat die Nachsicht seiner Gäste dafür, daß er ihre Muttersprache nicht vollkommen beherrsche, es käme ihm auch nur darauf an, ihnen einen recht herzlichen Willkomm zu bieten. Die munizipalen Wrperschaften in Deutschland wie in England hätten ein gemeinsames Ziel: den Kampf gegen soziale Schäden und für die Verbesserung des Loses der weniger begünstigten Klassen. In diesem Kampfe seien die beiden Völker Bundesgenossen und müßten fest zusammenstehen. Sein Toast gelte dem Wohle der englischen Gäste. Der Präsident des englischen Komitees, Lord Lyveden, bedauerte sehr, die Begrüßungsworte nicht in deutscher Sprache erwidern zu können. Er könne nur sagen, daß er und seine Landsleute mit großen Erwartungen hierher gekommen seien, daß aber die Aufnahme in Frankfurt alles übertroffen habe. Hierauf erhob sich der frühere englische Kultusminister, Sir John Gorst, der etwa folgendes ausführte: Die Bemühungen um die Vervollkommnung munizipaler Einrichtungen knüpfen ein enges Band zwischen den verschiedenen Nationen, aber das Ziel der gegenwärtigen Studienreise sei noch ein höheres, die B e f e st i g u n g d e s internationalen Friedens, der das höchste Ziel der Kultur sei. Weiter sprach der Sekretär des Komitees Dr. Lunn, der auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen England uno Frankfurt auspielte. Vor einem Jahre hätte das Komitee in der alten Kaiserstadt Aachen seine Studien betrieben; nun käme die alte Kaiserstadt Frankfurt, die ja auch auf literarischem Gebiete mit England in engen Beziehungen stehe. Er schloß mit einem Hoch auf den Oberbürgermeister Adickes, das von den englischen Gästen mit einem dreimaligen Hurra beantwortet wurde. An die offiziellen Reden schlossen sich noch einige Ansprachen an.
♦* Kleine Mitteilungen c n "S dessen und den Nachbarstaaten. .In Mainz trug sich am Samstag auf der Großen Bleiche ein Automobil-Unfall zu. Die Frau des Landwirts Schneider aus Budenheim befand sich mitten auf dem Fahrweg, als ein Awmobil daher kam. Der Chauffeur sah die Frau ,und bog vorschriftsmäßig rechts ab. Statt nun stehen zu bleiben oder nach dem Fußsteig der Schillerftraße zu gehen, schrie die Frau beim Anblick des Auws laut aus und lief seitwärts gerade gegen das Fahrzeug. Sie wurde von diesem umgeworfen und einige Meter weit geschleift und an Kopf, Brust und der einen Hand lebensgefährlich verletzt. Während man die Verunglückte unter dem Wagen hervorholte, wurde der Krankenwagen vom 4. Bezirk durch den Fernsprecher herbeigerufen und die Frau nach dem Hospital gebracht. Das Fahrzeug wurde von der Polizei beschlagnahmt. — In Gaualgesheim wurde ein Gendarm im Kampf mit Wilderern in vergangener Nacht erschossen. — In Frankfurt stürzte der Dachdecker Christoph Schmidt aus Offenbach vom Dach des Lokomotivschuppens auf dem Ostbahnhofe und erlitt so schwere Verletzungen, daß er alsbald starb. Er hinterläßt Frau und Kinder. — Als er sich gerade im Pfingsttrubel aus Frankfurt drücken wollte, wurde auf d»em Hauptbahnhofe der aus Kassel gebürtige Kaufmann Fritz Beck festgenommen, der seinen Prinzipalen 3000 Mk. unterschlagen hatte. Von dem Geld fand man nur noch 300 Mk. bei ihm, dafür aber zwei geladene Revolver. — In Höch st a. M. trat am 21. Mai der 8 Uhr-Ladenschluß in Kraft. Dort er- lstingte sich, weil er nicht Soldat werden wollte, der 20jährige Arbeiter Joseph Göller. — In Frankfurt ist der Aepfel- wein 2 Pfennige billiger geworden. Der Schoppen kostet wieder 10 Pfg.
Vermischtes.
* Die Korn- oder Roggenmuhme. Wenn das Korn in den Aehren steht, geht nach märkischem Volksglauben^in der Mittagsstunde heißer Sommertrage die Kornmuhme um. In leuchtendem weißen Gewände und flatterndem Goldhaar schreitet sie über die wogenden Saaten. Ihrer Obhut ist das Wachsen und Gedeihen des Kornes anvertraut und wehe dem Frevler, der ihren Feldern verwüstend sich naht. Kinder, die, nach Kornblumen suchend,, mutwillig die Halme niedertreten, lockt sie so tief in das Aehrenfeld hinein, daß sie sich nicht mehr herausfinden und umkominen müssen. Dem Bauern, der lieber ins Wirtshaus geht statt aus seine Felder und seine ganze Ackerschaft zu achten, streut sie Unkraut unter die Saat oder lenkt ihm Hagel und Wetterschlag auf das Feld. Anderseits hat aber der fromme und fleißige Bauer an ihr eine gute Helferin und Be- z schützerin; seine Felder bringen hundertfältige Frucht, und weder Mohn noch Rade blüht aus seinem Acker. Mit ihren Schützlingen, den „Heimchen", den Seelen der unschuldig gestorbenen Kindlein, sucht die Kornmuhme alles Unkraut aus dem Acker heraus. Die Kornmuhme ist eine speziell nrärkischc Sage und wahrscheinlich altwendischer Herkunft. Augenscheinlich hat man in der Gestalt eine Verkörperung der ehemaligen Erdgöttin vor sich: wie diese, spendet auch die Kornmuhme Leben und Wachstum und wie diese nimmt auch sie die toten Kinder in ihre Hut.
* Kleine Tageschronit. Am 21. Mai ertranken beiIsmaning tn der I s a r infolge Umkippens des Kahnes der Vorstand des Straßen- und Flnßbauamtes, Bauamtmann Kahn, Bauamtsassessor Spiegel und zwei Arbeiter.
— Amtliche Handausgabe des Urkundenstempelgesetzes. Soeben ist in amtlicher Handausgabe im Großh. Staatsverlag erschienen: Gesetz über den Urkundenstempel vom 12. August 1899 in der vom 1. April dss. Js. an gellenden Fassung. Ter Gesetzeslext ist im Auftrage der Großh. Mmisterien von Ministerialrat Lorbacher und Regierungsrat Graes mit Anmerkungen und Erläuterungen versehen worden. In einem Anhänge sind die zugehörigen Verordnungen und Bekanntmachungen enthalten. Sich dieses äußerst praktische Werkchen anzuschafsen, das alle einschlägigen Bestimmungen umiaßt, ist allen Behörden, Notaren u. s. w. sehr äh empfehlen. Tas Gesetz ist in sämtlichen Buchhandlungen zum Preise von 1 Mk. erhältlich.
Universitäts-Nachrichten.
M a r b u r g, 20. Mai. Wie man der „Oberhess. Ztg." auS Berlin mitteilt, ist der Leiter unserer medizinischen Klimt, Prof. K ü t t n e r, an erster Stelle als Nachfolger von Geh. Rat Garee m Breslau ausersehen.
Kandel.
Zur Geschäftslage der Fahrrad-Industrie. Aus Fachkreisen wird der F. Z. geschrieben, daß die ersten Monate
des laufenden Jahres dem Fahrradgeschäft wenig günstig gewesen ind. Das ist in erster Linie auf den langen Winter zurückzuführen; infolge der Witterung war die Nachfrage recht gering, und da die Händler noch größere Lagervorräte hatten, waren sie doppelt zurückhaltend im Erteilen neuer Aufträge. Im April ist das Geschäft lebhafter geworden und zurzeit ist die Nachfrage recht flott. Ebenso hat es den Anschein, daß auch die nächste Zeit der Fahrradindustrie wieder lebhaftere Beschäftigung bringt. Der Bau von Motorrädern hingegen liegt unzufriedenstellend. Die Erwartungen, die manche Werke bei der Aufnahme dieses Zweiges gehegt hatten, finb nicht annähernd in Erfüllung gegangen. Tie Verhandlungen auf engeren Zusammenschluß der Fahrradfabriken werden fortgesetzt; bisher ist man aber zu keinem bestimmten Ziele gekominen.
Die Berliner Börse war am Dienstag bei Eröffnung matt und weiterhin schwankend. In Newyork macht sich wieder Geldversteisung bemerkbar. Besonders scharf wurde der Banken- markt mitgenommen. Das Geschäft und bic Verdienstaussichten der Institute seien weiter verringert. Das Frühjahrsgeschäft kann als ganz fehlgeschlagen bezeichnet werden. Handelsanteile gingen 2°/0 zurück. Deutsche Bank bis 226,10, Dresdener Bank bi? 141,75 und Schaaffhausenscher Bankverein bis 140,70. Auch Montanaklien waren angeboten wegen neuer Streiknachrichten und auf die fortgesetzt widersprechenden Berichte über die Lage der Industrie. Schiffahrtswerte wichen auf Gerüchte über einen drohenden Seemannsstreik. Auch sollen die Anmeldungen für die Juliauswanderng recht gering sein. Privatdiskont 41/,°/0.
Leipzig, 21. Mai. Ein Konsortium, bestehend aus der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt Leipzig, der Leipziger Filiale der' Deutschen Bank, sowie den Leipziger Bankhäusern Bruhm und Schmidt, Hammer u. Schmidt, Mayer n. Co. und H. C. Plaut übernahm fest vom Rate der Stadt Leipzig 8 Millionen Mark vierprozentige Leipziger Stadtanleihe, Serie 1, unkündbar bis 1912 und wird dieselben am 29. Mai zum Kurse von 99*/2 zur öffentlichen Subskription auflegc .
— Heldburg-Gesellschaft und Darmstädter Bank. Der Abschluß dieser Gesellschaft ist nun erschienen und weist einen bilanzmäßigen Verlust von 412 334 Mk. auf, der aus dem Rerservefonds gedeckt werden soll. Für 1905 ergab sich ein Betriebsverlust von 160 252 Mk., um den er später aus dem Buchgewinn der Sanierung gedeckte Gesamtverlust auf 7 254 639 Mark anwuchs. An Reserven stehen dem Unternehmen jetzt zur Verfügung als Rückstellung gegen die Verpflichtung des Gründers Ribbert bezw. als ordentliche Reserve 1,8 Mill. Mk. Ferner ist vorhanden eine Schachtbau-Reserve Wilhelmshall mit 2V2 Millionen Mark und eine allgemeine Effektenreserve von ca. V2Mill. Mk. Wegen der Ergebnisse des laufenden Jahres wird darauf aufmerksam gemacht, daß das 1. Quartal 1907 für die Kaliindustrie aus mannigfachen Gründen recht ungünstig verlief. Die Rekonstruierung der Heldburg-Gesellschaft durch die Darmstädter Bank, die bekanntlich noch unter der Leitung des jetzigen Staatssekretärs Dernburg im Mai 1906 vor genommen wurde, war ungenügnd. Dies zeigt schon die Kursentwicklung der Aktien. Diese, für die die Darmstädter Bank im Mai 1906 1071/2 Proz. bezahlt hat, und die zu 115 Proz. den Besitzern der alten Aktien zum Bezüge angeboten werden sollen, sanken zeitweise bis unter 60 Proz. und halten sich gegenwärtig auf einem Niveau von .70 Proz. Es ist denn auch, wie das B. T. bemerkt, ein öffentliches Geheimnis, daß bei gelegener Zeit der Versuch gemacht werden wird, die Verhältnisse der Ribbert'schen Gründung einer definitiven Gesundung zuzuführen.
— Konkurse in Hessen, lieber bas Vermögen der Georg Kneib Witwe, Handelsgärtnerei in Laubenheim, wurde am 8. Mai vorm. 11 Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Anwaltsgehilfe Peter. Fr ei t a g in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 31. Mai bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden. —"lieber das Vermögen der offenen Handelsgesellschaft in Firma Robert Bleidt in Mainz, Zweigniederlassung in Düsseldorf, wurde am 11. Mai vormittags V2IO Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Dr. G a ß n e r in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 15. Juni bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden. — Heber den Nachlaß von P h. Hammer II. von Wackernheim wurde am 7. Mai nachm. 4 Uhr das Konkursverfahren eröffnet, da der Nachlaßverwalter die Eröffnung beantragt und die Ueberschuldung des Nachlasses glaubhaft gemacht hat. Notariatsgehilfe Emil G ö t t l in Ober-Ingelheim wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 27. Mai bei dem Amtsgericht Ober-Ingelheim anzumelden.
Spielpla« drr vereinigten Frankfurter Stadttheater.
Opernharts.
Donnerstag den 23. Mai*): „Violetta/ Freitag den 24. Tlai, abends halb 8 Uhr: „Die Fledermaus." Samstag den 25. Mai, abends halb 8 Uhr: „Salome." Sonntag den 26. Mai, abends 6 Uhr: „Die Meistersinger von Nürnberg." Montag den 27. Mai, abends halb 8 Uhr: „Die lustige Witwe."
Schauspielhaus.
Donnerstag den 23. Mai, abends halb 8 Uhr: „Husarenfieber." Freitag den 24. Mai: „Fiorenza." Samstag den 25. Mai: „Ein Wintermärchen." Sonntag den 26. Mai: „Ein Winter- inärchen." Montag den 27. Mai: Gesamt-Ga st spiel des Deutschen Theaters zu Berlin: Zum ersten Male: „Das F r i e d e n s s e st." Dienstag den 28. Mai: Gesamt- Gastspiel des Deutschen Theaters zu Berlin: Zum ersten Male: „Frühlings Erwachen." Mittwoch den 29. Mai: Gesamt-Gast spiel des Deutschen Theaters zu Berlin: Zum ersten Male: „Der Gott der Rache."
*) Anfang, wenn nicht ander? bemerkt, abends um 7 Uhr.
zu so früher Stunde — es wird schon um SA7 Uhr und früher geweckt — noch nicht ausgeschlafen, man muß fortwährend in das Kind hmeinsprechen, damit es sich nicht wieder im B ttchen umlegt und fest weiterschläft. Wenn man das so sieht und miterlebt, da fragt man sich unwillkürlich, ob es denn unbedingt nötig sei, diese jüngsten und meist zarten. Schulkinder so früh aus ihrem besten Schlafe zu stören und sie des noch so guten Morgenschlafes der Schule wegen zu berauben. Könnte man denn auf diese kleinen Mädchen nicht die gleiche Rücksicht nehmen, die vor etwa 8 oder 9 Jahren in der Vorschule des Gymnasiums auf die jungen Knaben genommen wurde, die damals auch um Vi>9 Uhr im Mai zur Schule kommen sollten. Damals wurde es auf erhobene Reklamation von feiten einer Anzahl Väter hin eingerichtet, daß die kleinen Knaben erst um 9 Uhr zu kommen brauchten, was durch Andersgestaltuug des Stundenplans ganz gut möglich war. Was aber bei den Knaben angezeigt erschien, das scheint mir von noch größerer Bedeutung bei den kleinen Mädchen zu sein. Diesen härteren Geschöpfen sollte man erst recht die so notwendige, längere Morgenruhe gönnen. Ich glaube, daß es nach den bis jetzt gesammelten Erfahrungen nur dieser Anregung bedarf, um die maßgebenden Kreise auf den bestehenden und unliebsamen Mißstand aufmerksam zu machen. Sie werden sicherlich einmütig und gerne dazu mithelfen, daß unsere lieben, kleinen Mädchen auch nach Pfingsten den so benötigten, stärkenden Morgenschlaf noch etwas länger in Ruhe genießen können. • Einer für Viele.
Ein beim Thenterbau beschäftigter Arbeiter hat vor einigen Tagen folgendes Göttergespräch belauscht:
Thalia: Du, Melpomene, sie kratzen ja um unfern Tempel endlich alles schön sauber, aber ich sehe da in der Ecke immer noch den alten Steinklumpen. Was ist denn das eigentlich? Sieh' dich mal um! ,
Melpomene: Ich kann mich nicht umdrehen, ich habe mir hier oben bei dem elenden Frühling einen steifen Hals geholt. Mer ich weiß schon, das ist das Torhäuschen. Apollo schimpft und flucht in einem fort darüber, weil sein Gaul davor scheut und seine Karre nächstens umschmeißt.
Thalia: Ja, warum reißen sie denn die Bude nicht ab? Mir verdirbt sie auch die ganze Aussicht.
Melpomene: Das verstehst d lyncht, das ist das „Wahrzeichen von Gießen", hat der Stadtverordnete Ebel gesagt.
Thalia: I wo! ich denke, unser Tempel ist das Wahrzeichen des Geschmacks und Bürgersinnes von Gießen.
Melpomene: Du hast Recht, aber das Ding,da unten ist ein „Denkmal", es ist „gesetzlich geschützt". Die Heiner sollen schon von Jugend auf lernen, wah scheußlich ist, damit sie es wissen, wenn sie einmal Stadtverordnete werden.
Apollo: Was schwätzt Ihr da für dummes, freches Zeug, Ihr unangezogenen Weiber. Es handelt sich hier um die „Erhaltung des historischen Stadtbildes". Mit 500 Mk. soll das historische Stadtbild sogar ftisch lackiert werden.
Thalia: Na dafür hätten sie dir lieber ein zweit e s Roß für deine Droschke laufen sollen. Aber wieso ist denn das Torhäuschen eigentlich ein Wahrzeichen von Gießen?
Melpomene: Es ist das Wahrzeichen für die vielen Thor—heften, die hier mit einer Stimme Majorität durchgehen.
Apollo: Na, wartet Ihr zwei Steingötter, wenn ich erst mit meinem Roß fertig bin, will ich Euch Heimleuchten!
Die Musen: Ha, ha, ha! bis du mit deinem Roß fertig bist, ist die Bude längst weg!
Wie aus den Verhandlungen der 2. Kammer hervorgeht, wurde die N e b e n b a h n f r a g e für Hessen gründlich bereiten und die Abgeordneten, soweit ihre Kreise dabei interessiert sind, haben sich an der Debatte sehr rege beteiligt, um die Verkehrswege ihrer Wahlbezirke dem allgemeinen Verkehr zu öffnen und besser zu gestalten. Dies kann nnr mit Freuden begrüßt werden. Bedauerlich ist es aber, daß die in unserer Stadt, schon so lange erstrebten Bahnlinien gar nicht zur Rede gekommen sind. Von Gießen hat man leider nichts gehört. Das einzige Projekt, das für Gießen wohl etwas Vorteil hätte, ist die Strecke Mücke -Ulrich st e i n und diese wird nun bald ihrer Vollendung entgegen gehen. Wie ist es mit Bahnen nach Laubach durch da? SolmSbachtal, nach Usingen und Bischoffen? Diese Linien würden der ©tobt außerordentlich von Vorteil sein und gerade das Hinterland hätte keinen sehnlicheren Wunsch, als mit Gießen verbunden zu sein. Es dürste doch im Interesse unserer Stadtvertretung liegen, für unsere liebe Vaterstadt in dieser Beziehung mehr zu tun! Man sollte weder Zeit noch Opfer scheuen; denn e5 erscheint als ganz notwendig gerade jetzt, wo man alle Einwohner so stark belastet, daß man auch der Stadt mehr Verkehr zuführt, der nutzbringend wirkt, damit die Steuerzahler ihren auferlegten Verpflichtungen nachkommen können! Wenn man nun die Verhandlungen der Kammer verfolgt, so kommt man zu der Ueberzeugnng: wer fortgesetzt arbeitet und nicht ruht, erreicht sein Ziel. Ich möchte als Beispiel anführen, daß unser Finanzminister in einer der letzten Sitzungen dem Abg. Joutz mitteilte, daß bezüglich der Projekte Butzbach—Usingen sind Butzbach—Wetzlar Verhandlungen in die Wege geleitet seien und diese werden wohl auch von Erfolg sein. Wo steckt da Gießen? Ebenso arbeitet Wetzlar mit Biedenkopf um die Bahn von Wetzlar durch das Artal nach dort zu bauen. Unter diesen Umständen wird für uns nicht viel mehr übrig bleiben. Aber ich hoffe, daß sich unsere Stadtvertretung und die Handelskammer mit diesen Angelegenheiten für die Folge mehr beschästigen werden.
' 1 ' 1 I '!! ■ 1 111 ■)
Briefkasten der Redaktion.
(Anonyme Einsendungen bleiben unberücksichtigt.)
S. hier. UnS ist davon nichts bekannt. Für Ermittelungen der fragt Art ist genauere Zeit und Ortsbestimmung unerläßlich.
Arbeiterbewegung.
91110 n a , 21. Mai. Eine heute abend abgehaltene Versammlung der organisierten Seeleute von Hambnrg-Altona, die von etwa 500 Personen besucht war, beschloß einstimmig, sofort in den Streik einzutreten. Der Ausstand umfaßt das gesamte Deck- und Maschinenpersonal mit Ausnahme der Mannschaften der Fischdampfer und der Schlepp- und Leichterfahrzeuge. Tie Streikenden fordern die einheitliche Regelung der Stauersätze und Erhöhung bezw. einheitliche Festlegung des Ueberstundenlohnes, sowie die einheitliche Regelung der Kündigungsfristen, des lieber- stundenwesens, des Wachesystems und des Äufneuerungswesens. Sie fordern weiter, daß ihnen Gelegenheit gegeben wird, Klagen über die Behandlung und Beköstung bei den Reedern selbst vornehmen zu können.
München, 21. Mai. Auf dem gestrigen K 0 n g r e ß der deutschen SOtetallarbeiter sprach sich der Referent Schlicke- Stuttgart bei Erstattung des Jahresberichts ganz entschieden gegen den politischen Massen st reit aus und erklärte, der Verband wünsche nur, daß man in Zukunft die deutschen Arbeiter mit so unerquicklichen Erörterungen verschone.
Lingejandt.
(Für Form und Inhalt after unter oiefer Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Unsere lieben kleinen Mädchen sind nach Ostern in die Schule gefommen und mußten um 9 resp. 10 Uhr in den Unterricht. Die 9. Stunde des Morgens als Schulbeginn, besonders wenn man einen Weg von etwa 1/2 Stunde von zuhause bis zur Schule hat, ist den Kleinen manchmal recht schwer geworden und die Mütter werden zur Genüge davon erzählen können. Aber nun ist seit 1. Mai noch eine schlimmere Wandlung eingetreten: Die kleinen Mädchen müssen jetzt schon um 8 resp. 9 Uhr in der Schule fein, und zwar viermal in der Woche um 8 und zweimal um 9 Uhr. Aus dem besten Schlafe müssen die Kleinen morgens geweckt werden, nur schwer hält es, sie einigermaß n munter zu bekommen und den meisten Müttern tut das Herz weh, daß sie ihre kleinen Lieblinge so früh aus dem besten Schlummer tzöreg mch Winter rngchey Msses. £&£ Kind hat
Telefonisches
des Giessener Anzeigers, mitge und Industi
Frankfurter ttiir«-
3H°/o Reichsanleihe . . 94.10 3% do. . . 83.50 3X°/0 Konsols .... 94.10 '6% do.....83.70
3^°/0 Hessen . . . 93.40
8%e/0 Oberhessen . . . 94.00
4?ä Oesterr. Goldrente. . 99.30 4l/8 % Oesterr. Silberrente 99 40 4% Ungar. Goldrente . . 93.95 4% Italien. Rente . . . 102.55 3% Portugiesen Serie I . 67.70 3-6 Portugiesen „ III 68.30 4%°/0 russ.Staatsanl. 190o 91 25 4%°,n Japan. Staatsanleihe 93.40 4 ?6 Uonv. Türken von 1903 93.90 Tttrkenlose.....139.50
4-6 Griech. Monopol-Aul. 50.10 4-6 äussere Argentinier 84.00 3°/o Mexikaner . « . 65.10
4>6o/9 Chinesen .... 96.70
Aktien:
Bochum Guss..... 223.80
Buderus E. W .... 118.80
Tendenz: schwach.
Berliner Börse, 2
Cauada EL B. . • . . • 169.40 Darmstädter Bank . . . 130.20 Deutsche Bank .... 225.40 Dortmunder-Union C. . . 74.50 Dresdner Bank .... 141.50
Tendenz: schwach.
Kursberichte
teilt von der Bank für Handel ie, ftiessen.
e 22. Mai. 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmeyer . . . 126.50 Elektriz. Schuckert . . . 108.50 Escbweiler Bergwerk . . 224.40 Gelsenkirchen Bergwerk . 195.90 Hamburg-Amerik. Paket?. 129.00 Harpener Bergwerk. . . 205.80 Laurahittte...... 224.00
Nordd. Lloyd.....116.00
Obeischles. Eisen-Industrie 110.00 Berliner Handelsges . . 152.00 Darmstädter Bank 130.00 Deutsche Bank . . 225.80 Deutsch-Asiat. Bank . . 169.20 Diskonto-Kommandit. . . 169.00 Dresdner Bank . . . 141.50 Kreditaktien..... 206.10
Baltimore- und Ohio-
Eiseulahn . . . 94.70
Gotthard bahn . . . . —.—
Lombard. Eisenbahn . . 2210 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.60 Prinee-Heuri-Eisenbahu . 136.00
I. Mai. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 205.60
Laurahiitte .... 224.00
Lombarden E. B. ... 22.20
Nordd. Lloyd.....115.80
Türkenlose . ... —
Wasser- Derleibanftalt
dichte Sundheimer&StrQpp
pro qm und Woche 10 Pf. Frankfurt aUbv«/
Ni ich, mir i Di sein, mei
12. Ziehung
Zitbang Kar die Gewinn Kamm
(Ohne Gewäh
I» 454 MO ic «44 151 Mi 2183 Kl 81 821 910 4 11 6(04 16 868 404 518 IM 25 9 10018 13 8
456 811 11061 173 413 it 518 !
14193 304 532 ' 16185 203 341 Iw] 90 416 51 M 920 32 (5001
93 613 60 ' 20051 102
f7 iMOl 347 [3( 500 | 700 £4-14= (MO) 970 98 2 6 Ml n 28404 97
30134 242 3 83 3 2043 48 177 W 449 63 617 6 35186 536 83 69 N 14 988 370 39009 10 109 23( ... 40012 323 4i 8U 110 45 995 4 «39 849 931 44 46on 80 411 ! 48130 325 454 9 110 »23 830
50131 3’3 | ®15 812 1500] 5; ’ 1 ?HW°1 536 n 576 191 57.» ÜWO] »6 435 72 ... 6 0028 146 8'0 479 607 H
(sot
:W AD W ti3U JjUioft 519 IW 881^ 87c
18000] ffjn 7i
083* <21^ ” *
°2 Ai 11
r. 'M 70 c,1 I
sK
5*3 97 ]->p3 863 1 .. 140nt39|58 0,


